Home RSS Go RED Go BLACK

2015: 50 Jahre Orchester der Vereinigten Bühnen Wien

Die Not. Die große Not, ein Event zu Marketingzwecken geradezu heraufzubeschwören, man kann sie verstehen. Nur sollte man sie auch als das verstehen, was sie ist, als Marketinggag, Geschichtsklitterung, nichts sonst. Musterbeispiel: »25 Jahre Orchester der VBW«, ein Motto, das 2012 ausgegeben wurde. Laut Diktion der derzeitigen VBW-Führung wurde das Orchester der VBW 1987 gegründet, man setzt also das Datum einer Firmengründung mit dem Datum der Gründung des Orchesters gleich. Wie lange könnte man die Wiener Philharmoniker zurückdatieren, wenn man ihr »Alter« nach der gegenwärtigen Bezeichnung definieren würde? Ganz sicher nicht bis ins Jahr 1842.

Lassen wir also den Unfug mit dem 25-jährigen Jubiläum, feiern wir lieber ein Orchesterjubiläum dann, wenn es tatsächlich stattfindet. Und das wird 2015 sein. Dann feiert nämlich das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien (heutige Bezeichnung) sein 50-jähriges Jubiläum. Die Geschichte des Orchesters lässt sich wie folgt grob skizzieren:

Das Orchester der städtischen Wiener Musicalbühne im Theater an der Wien wurde 1965 unter der Direktion von Rolf Kutschera gegründet. Viele Jahre hatte die Big Band „Orchester Johannes Fehring“, im Wiener Volksgarten vor bis zu 2500 Zuschauern gespielt, bis dieses Engagement eines Tages beendet wurde. Die Band wurde daraufhin in ihrer Gesamtheit, also auch inklusive deren „Austrian All Stars“ (Hans Salomon, Rudi Hansen und Robert Opratko – dieser anfangs Musiker, bald danach auch Dirigent), in das neu gegründete (Musical­-)Orchester des Theaters an der Wien übernommen und in weiterer Folge durch renommierte Musiker wie etwa Toni Stricker als Konzertmeister ergänzt.

»Wie man was wird im Leben, ohne sich anzustrengen« (»How to Succeed in Business Without Really Trying«) von Frank Loesser, mit Theo Lingen und Harald Juhnke in den Hauptrollen, war der Titel der ersten städtischen Musicalproduktion unter Mitbeteiligung des Orchesters. Musicalproduktionen wie »Der Mann von La Mancha«, »Anatevka«, auch Operetten wie die »Lustige Witwe«, »Land des Lächelns«, zahlreiche Ballettabende im Theater an der Wien, Jazz & Tanzmusik und besonders Filmmusik (Orchesterleiter Johannes Fehring schrieb während seiner Karriere die Musik für mehr als 60 Filme) – das waren die wesentlichen Säulen der Erfolge des Orchesters, dem sich in Folge auch Musikerpersönlichkeiten wie der Klarinettist und Arrangeur Karl Kowarik, Erwin Böss, Robert Demmer oder der Jazzgeiger Paul Fields angeschlossen haben.

Neben seiner Tätigkeit im Orchestergraben des Wiener Musicaltheaters, hatte das Orchester des Theaters an der Wien ebenso einen exzellenten Ruf als erstklassiges Unterhaltungs- und Showorchester und fand bei zahlreichen LP-Einspielungen (vorrangig für Preiser Records, Ariola und Polydor, für Solisten wie Peter Alexander, Olive Moorefield, Marianne Mendt, Arik Brauer, Elfriede Ott oder Kurt Sowinetz), TV-Shows (u. a. mit Caterina Valente, Freddy Quinn) sowie Konzerttourneen (z. B. mit Peter Alexander und Udo Jürgens) Verwendung.

Das Orchester musizierte mit vielen renommierten Dirigenten. Abgesehen vom Doyen der Unterhaltungsmusik Johannes Fehring als musikalischer Direktor spielte das Orchester unter Rudolf Bibl und Robert Opratko, Herwig Gratzer oder Adrian Manz, dem langjährigen 1. Kapellmeister der Vereinigten Bühnen (bis 2010). Manz leitete auch die europäische Erstaufführung von Bernsteins »Candide« in der Wiener Stadthalle sowie das Gastspiel von »Cats« in Moskau. Die Produktionen »Chicago« sowie »Jesus Christ Superstar« standen unter der Leitung von Rolf Kühn (einem der renommiertesten deutschen Jazzmusiker und späteren Leiter der Benny-Goodman-Band, Solo-Klarinettist im Tommy-Dorsey-Orchester, musikalischer Leiter im Berliner Theater des Westens). Erfolgreiche Eigenproduktionen gab es bereits unter Intendant Rolf Kutschera: neben Udo Jürgens’ »Helden, Helden« auch »Das Glas Wasser« oder die »Gräfin vom Naschmarkt«.

Mit der Ära Kutschera endete 1983 auch die von Johannes Fehring als musikalischer Direktor und er verabschiedete sich im Juni 1983 mit einer glanzvollen Gala anlässlich 25 Jahre Wiener Stadthalle unter Mitwirkung von Stars wie Caterina Valente, Marianne Mendt, Udo Jürgens, Peter Alexander und Freddy Quinn.

Auf Rolf Kutschera folgte Peter Weck als Intendant des Theaters an der Wien, der mit seiner Eröffnungsproduktion, der deutschsprachigen Erstaufführung von Andrew Lloyd Webbers »Cats«, einen Hit landete. Seiner Uraufführung »Freudiana« (mit einer für heutige Musicals ungewöhnlichen Orchesterbesetzung von 38 Musikern) folgte unter der Regie von Harry Kupfer »Elisabeth« von Sylvester Levay und Michael Kunze. Peter Wecks Idee einer Musicalfassung von Roman Polanskys Erfolgsfilm »Tanz der Vampire« setzte sein Nachfolger Rudi Klausnitzer um.

Der Schweizer André Bauer wurde unter Intendant Peter Weck neuer Musikdirektor und das Musicalorchester der Stadt Wien erlebte einen Generationswechsel. Neue junge Talente wie Martin Fuss, Hannes Kottek, Karl »Bummi« Fian, Thomas Bartosch oder auch der Ausnahmetrompeter Andreas Haderer kamen hinzu. 1987, mit der Gründung der VBW, wurden das Theater an der Wien und zwei weitere Theater, das Raimund Theater und das Etablissement Ronacher, zu einem städtischen Theaterverband formiert. Während im Ronacher »Cats« lief, übernahm der neue musikalische Direktor Caspar Richter die Agenden. Von Peter Weck an die VBW berufen, formte er aus dem bestehenden Orchester und ausgewählten Musikern des seinerzeitigen Operettenorchesters des Raimund Theaters unter Hinzunahme neu engagierter Spezialisten aus den Bereichen Klassik, Pop und Jazz den Klangkörper, der ab nun „Orchester der Vereinigten Bühnen Wien“ heißen sollte.

Das Orchester, das primär für den täglichen Einsatz in den drei Musicaltheatern Wiens vorgesehen war, bestand damals aus 130 Musikern. Im Zuge der zwischenzeitlichen „Privatisierung“ des Ronachers und Führung als Gastspielhaus, wurde das Orchester auf etwa 90 Mitglieder reduziert, und besteht heute aus etwa 76 (großteils teilvertraglich) ständig beschäftigten Musikern, was einem Äquivalent von 55 Vollzeitstellen entspricht.

Dank Musikdirektor Caspar Richter beschränkte sich das Aufgabengebiet dieses erweiterten Klangkörpers aufgrund seiner hohen Qualifikation nicht, wie es heute praktisch der Fall ist, nur auf allabendliche Aufführungen von Musicals in den Theatern, sondern wurde mit Unterstützung der Intendanz, besonders unter Peter Weck, auf zahlreiche Konzerte und Festivalauftritte, sei es beim Wiener Klangbogen, den Europäischen Wochen Passau, dem Güssinger Kultursommer, der Jeunesse Musicale, dem Linzer Brucknerhaus oder dem Teatro Stabile del Friuli Venezia Giulia Rosetti in Triest bis zuletzt beim Donauinselfest erweitert.

Das 1801 erbaute Theater an der Wien war bis zur Gründung der VBW das „Stammhaus“ des Orchesters. Es ist das Haus der Uraufführungen von Beethovens »Fidelio«, Johann Strauß’ »Fledermaus«, Franz Lehars »Lustige Witwe« aber auch das Theater, in dem moderne Rockmusicals wie »Elisabeth« und »Mozart!« (1992 und 1999) ihre Uraufführung hatten. Während das Theater an der Wien seit 2006 als „Das neue Opernhaus“ (wie lange es noch als »neu bezeichnet wird, das steht in den Sternen«) genutzt wird, finden die Musicalaufführungen weiterhin im Raimund Theater und im Etablissement Ronacher statt.

In den 1990er Jahren profilierte sich das Orchester auch wieder im Jazz- und Big-Bandbereich. Peter Weck hatte Jazzdoyen Hans Salomon zum Jazzkonsulenten der VBW ernannt. Es fanden Konzerte mit Joe Zawinul, Toots Thielemans, Ray Charles, Dave Brubeck, Bill Russo und Mathias Rüegg, der unter Intendant Klausnitzer zwischenzeitlich auch kurz Musikdirektor war, statt. Seine Vielseitigkeit stellte der international renommierte Klangkörper auch bei Filmmusik-Interpretationen im Wiener Konzerthaus („Safety Last«, »The Wind«) wie auch durch Mitwirkung bei Operetten wie Franz Lehars »Lustige Witwe«, Johann Strauß’ »Wiener Blut«, Ralph Benatzkys »Bezauberndes Fräulein!« wie auch bei modernen Kammeropern (Gottfried von Einems »Tulifant«) unter Beweis.

Bei zahlreichen Konzertauftritten in Wien und bei internationalen Festivals begleitete das Orchester in diesen Jahren Persönlichkeiten wie Thomas Hampson, Jerry Hadley, Dawn Upshaw, Katia & Marielle Labeque, Martha Eggerth, Victoria Loukianetz, Johan Botha, Julian Lloyd Webber, Bo Skovhus, Alexandru Badea, Renate Pitscheider und Barbara Daniels. Bei Musicalgalas trat das Orchester gemeinsam mit Steve Barton, Angelika Milster, Uwe Kröger, Pia Douwes, Thomas Borchert, Paul Kribbe, Maya Hakvoort, Nick Savarin, Alexander Goebel, Ethan Freeman u. v. a. m. auf, in einigen Fällen (wie etwa den Gastspielen im Rahmen des Innsbrucker Sommers) vom Opernexperten und Musicalliebhaber Marcel Prawy konzipiert und moderiert.

Das Orchester hat auch bei sehr vielen CD-Produktionen mitgewirkt und mit Persönlichkeiten wie Alan Parsons (»Freudiana«), Gandalf (»Symphonic Landscapes«), Hollywood-Komponist Harold Faltermeyer («Wake Up«), Dave Stewart (»Barbarella«), Sylvester Levay (»Elisabeth«, »Mozart!«, »Rebecca«), Jim Steinman und Mike Reed (»Tanz der Vampire«), VSOP-Produzent und Komponist Christian Kolonovits und Johnny Bertl zusammengearbeitet. Ende der 1980er Jahre kam es im Austrophon Studio des Wiener Konzerthauses zum direkten Zusammentreffen des Orchesters mit Andrew Lloyd Webber, als der Titelsong »Love Changes Everything« des Musicals »Aspects of Love« mit dem Orchester der Vereinigten Bühnen eingespielt wurde. Dirigent: Michael Reed, Solist: Westend-Star Michael Ball. Im Jubiläumsjahr des Theaters an der Wien (2001), wurde vom Orchester unter der Leitung Caspar Richters für das amerikanische Label Chesky Records die erste SACD (»From Broadway To Vienna – The Musical goes Symphonic«) eingespielt und erntete von der Fachpresse hymnische Rezensionen. Eine Vielzahl von Cast-Alben der Musicalproduktionen der Vereinigten Bühnen Wien für die Majors EMI, Universal Music, BMG Ariola und zuletzt vorrangig für Hitsquad Records, oftmalig Uraufführungen oder deutschsprachige Erstaufführungen, vielfach mit Gold, Platin, bzw. Doppelplatin ausgezeichnet, vervollständigen das Tätigkeitsfeld des Klangkörpers.

Weitere namhafte Dirigenten des Orchesters der Vereinigten Bühnen Wien waren unter anderem der Westend-Veteran Mike Dixon, der Broadway-Dirigent Todd Ellison, der Barockprofi Michael Hofstätter, der ehemalige Leiter des Royal Liverpool Philharmonic Orchestra und Filmmusikkomponist, der Brite Carl Davis bzw. die heimischen Dirigenten Guido Mancusi, Wolfgang Hattinger, Martin Gellner (Beat4Feet), Dr. Peter Keuschnig, Mari Watanabe, Walter Lochmann, Kai Tietje, Carsten Paap und Michael Römer und vor allem Herbert Pichler (ORF/Dancing Stars), der mehrere Produktionen der VBW (»The Rocky Horror Show«, »Hair«, »Barbarella«, »Forbidden Musicals«) sowie zahlreiche Big Band Projekte als musikalischer Leiter betreute.

Nach den »Cats«-Gastspielen in Ostberlin (1987) und Moskau (1988) durfte das Orchester im Jahre 2000 in Peking vor tausenden begeisterten Zuhörern Werke der damals aktuellen Musicalliteratur – erstmalig in China überhaupt – konzertant zur Aufführung bringen. Im Jahr 2007 war das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien, vorerst zum letzten Mal, künstlerische Stütze einer Gesamttournee der VBW für ein Gastspiel der deutschsprachigen Version von Elisabeth in Osaka und Tokyo.

Seit 2010 ist der Niederländer Koen Schoots Musikdirektor bei den Vereinigten Bühnen. Die Anzahl der Konzerte des Orchesters wurde drastisch reduziert. Die traditionellen Weihnachtskonzerte wurden gestrichen, 2013 wurde das fast schon traditionelle Osterkonzert (»Jesus Christ Superstar«) gestrichen. Auftritte am Donauinselfest? Gestrichen. Auf dem Guthabenkonto stehen: das Konzert „Wildhorn und Friends« mit Linda Eder, Thomas Borchert und Pia Douwes, Benefizkonzerte für Haiti und die Schlagerrevue »Musik liegt in der Luft« unter Leitung des VBW-Dirigenten Kai Tietje mit Viktor Gernot und Sigrid Hauser.
2012 spielte das Orchester anlässlich der 25-Jahr-Feier der Vereinigten Bühnen (nicht des Orchesters) eine aus szenischer Sicht, nicht aus Sicht der Orchesterqualität, missglückte halbszenische (konzertante) (»balletteuse«) Aufführung von »Das Phantom der Oper«, im Herbst 2013 folgt »Love Never Dies« (deutschsprachig-halbszenische Erstaufführung in Kooperation mit Stage Entertainment) im Ronacher. CD-Aufnahmen wurden bzw. werden von diesen Produktionen nicht produziert.

(Die Quelle dieser von mir bearbeiteten Version der Geschichte des Orchesters ist zu finden auf www.hanssalomon.com, Autor: Andreas Winkler)

3 Kommentare »

[…] Art, auch offiziell, schriftlich, ins Mikro zu sagen, was er sich denkt. So meinte er 2010 (siehe hier) auf meine Frage: Martin Bruny: Im Booklet zur CD »Musical Forever 2« schreiben Sie vom »Mangel […]

  uggssale wrote @ Oktober 7th, 2013 at 03:27

An fascinating discussion is value comment. I feel that it is best to write more on this subject, it may not be a taboo topic however typically individuals are not enough to speak on such topics. To the next. Cheers

  drozdem wrote @ Oktober 2nd, 2013 at 20:35

Danke für diesen hervorragenden Artikel, der eine Orchestergeschichte aufzeigt, die den meisten Wiener Musical-Fans in dieser Form wahrscheinlich verborgen war, aber den Ruf als bestes Musicalorchester begründet. Den Begriff „Musicalorchester“ sucht man vergeblich in jedem Lexikon, weil die Unterschiede zum traditionellen Orchester Historikern bislang unerheblich oder nicht wichtig genug erschienen. Und dennoch, der Unterschied ist eklatant, da Musical sich stilistisch ständig in Bewegung befindet und die Instrumentierung sich anders als beim klassischen Orchester an den Hörgewohnheiten des Publikums orientieren. Die Anforderungen, die an einen Musiker im „Musical Orchester“ gestellt werden umfassen daher nicht nur die Ausbildung eines klassische Musikstudiums, sondern darüber hinaus das Studium an einem Institut für Popularmusik oder Jazz, um den Anforderungen gerecht zu werden. Das klassische Orchester mit einer Band (E-Bass, Drums, Gitarre und Keyboards) zu ergänzen bedeutet noch lange nicht, dass sich durch diese Erweiterung ein klassisches Orchester in ein Musical-Orchester verwandelt. Rhythmiker sind die in der Regel selten oder gar nicht mit einem Dirigat konfrontiert und die Streichersektion, Blech und Holzbläser im klassischen Orchester sind meist mit modernen Stilrichtungen und speziellen Jazz-Phrasierungstchniken nicht vertraut. Die Musiker im Orchester der VBW sind nach diesen Kriterien gecastet oder sie haben sich im Laufe der Jahre diese Techniken angeeignet, da vor zwanzig oder dreißig Jahren die Ausbildungsvielfalt noch gar nicht angeboten wurde.
Zu Beginn des Wiener Musical-Orchesters im Jahre 1965 bestand das Orchester vorwiegend aus der Créme de la Créme österreichischer Jazzmusiker und die Streicher holte man von den Tanzorchestern auf dem freien Markt, da reine klassische Streicher, wie vorhin erwähnt, mit Jazzphrasierungstechnik nicht vertraut waren. Dieses Qualitätsmerkmal ist durch die gewachsenen Strukturen im Orchester VBW heute einmalig und begründet den Ruf als „Musical-Orchester“ der Extraklasse. Auch wenn in der Volksoper Wien, im Landestheater Linz oder Salzburg, wo man auf ein hervorragendes Volksopern-, Bruckner- oder Mozarteum Orchester zurückgreifen kann, Musical gespielt wird, ist man sich dessen bewusst, dass die musikalische Authentizität des Dargebotenen mit den Mitteln des klassischen Orchesters ausgeschöpft sind. Bei traditionellen Musicals wie West Side Story, My Fair Lady, etc. kann man sich gerade noch identifizieren und der Unterschied wäre noch relativ gering, aber bei Tanz der Vampire, Cats oder Chicago würde man an besagten Bühnen an die Grenzen stoßen, bzw. kann man davon ausgehen, das derartiges an solchen Häusern gar nicht auf den Spielplan käme. Überdies wird im klassischen Orchester das Musical eher abschätzig beurteilt, weil man sich als Musiker der Hochkultur auf die Ebene sog. kommerzieller Gebrauchsmusik nur ungern begibt. Der Fokus eines klassischen Orchesters liegt eben auch woanders, wogegen der des Musicalorchesters ausschließlich auf dem Musical, von „Rocky Horror Show“, „Grease“, „Jesus Christ Superstar“, über „Cats“, bis hin zu „Phantom der Oper“ oder „Ich war noch niemals in New York“ u.v.m. liegt. All diese, in ihrer Art und Stilistik grundverschiedenen Stücke, können bei VBW von ein und demselben Orchester authentisch wiedergegeben werden.
Ich wollte das einmal in dieser Art skizzieren, um auch den Laien einen Einblick zu verschaffen, worin die Qualität dieses einzigartigen Klangkörpers liegt und warum auch nur ein kleiner Eingriff mit enormen Auswirkungen auf die Qualität verbunden wäre. Ganz zu schweigen von der Reduktion in der Größenordnung von 5 bis 13 Musikern – es wäre wahrlich, wie im Kurier/Press/Heute verlautbart, der Dolchstoß – allerdings nicht nur für das Orchester, sondern womöglich auch für die VBW im Allgemeinen. Der Wille des Subventionsgebers ist ebenso gefragt, wie das Qualitätsbewusstsein der Direktionsetage. Drozda als Kaufmann versucht seiner Verantwortung gerecht zu werden, wobei Struppeck als Spielplangestalter der Wiener Musicalmisere zeichnet, aber als Kommunikationsverweigerer unangreifbar ist. Das Publikum ist sich einig, wie der kürzlich erfolgte Shitstorm auf FB bewies. Die beste Argumentation für den Subventionsgeber ist immer noch ein hoher Qualitätsanspruch mit interessanter, innovativer Stückwahl und volle Häuser. Mit billigen Tourneeproduktionen, mini Band und CD-Einspielungen, darüber hinaus Fehlgriffe in der Stückwahl, vergibt man sich diese Chancen, denn für „Mamma Mia“ hätte selbst ich, als Musicalfan, ein Problem einer Subventionserhöhung zuzustimmen. Dieses Stück als Heilsbringer oder Hoffnungsträger zu titulieren scheint mir vermessen und ich wünschte mir nichts lieber, als mich zu irren.

Ihr Kommentar

Abonniere ohne zu kommentieren

HTML-Tags:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>