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Archiv - Wien

»Love never dies«, schau ma mal

VBW: »Natürlich blond« à  la »Lucky Stiff« – wie man ein totes Musical über die Verlängerung schleppt

Das Subventionswesen im Wiener Kulturbetrieb treibt manchmal seltsame Blüten. Nehmen wir als Beispiel das Musical »Natürlich blond«.

Die Sommer-Dernière der Produktion, die bereits im Verkauf war, wurde kurzfristig gecancelt. Die Show wäre am 23. Juni über die Bühne gegangen. Man könnte mutmaßen, dass die VBW vielleicht in diesem Jahr doch beim Donauinselfest auftreten, das ja vom 21. bis 23. Juni stattfindet. Doch auch im Herbst scheinen, wenn man sich die Vorverkaufsdaten ansieht, keine Sonntagsshows mehr geplant zu sein. Die Doppelshows, die man kurzfristig angesetzt hatte, wurden ebenfalls gestrichen.

Anfragen auf der VBW-Facebooksite von »Natürlich blond« zum Thema abgesagte Sonntagsshows, beispielsweise eine vom 9. Mai, werden nicht beantwortet.

Warum also wird eine Show, die offensichtlich massiv mit Auslastungsproblemen zu kämpfen hat, eine Show, bei der Zuseher berichten, dass der 2. Rang wiederholt schon gesperrt wurde, verlängert? Hängt es mit der Höhe der Subventionen zusammen, die man erst ab einer bestimmten Anzahl von gespielten Vorstellungen bekommt?

Pygmalion Theater: »Sisi. Die Seele einer Kaiserin«

Ja, man wird »Elisabeth« sicher noch hundert Jahre lang von den VBW immer wieder in immer reduzierterer Version vorgesetzt bekommen, demnächst vielleicht als Puppentheater, Flohzirkus oder als Special Version in einem neuen Volksmusik-Arrangement, geschuhplattelt von all den Musicaldarstellern, die in den letzten Monaten in die Volksmusik- und Schlagerszene abgewandert sind, um dort den verzückten Omis die lockeren Euros mit falschem Dauersmiling und feschem Hüftschwung abzujodeln. Aber all jene, denen es um den Stoff geht, könnten demnächst einen Abstecher ins Wiener Pygmalion Theater wagen. Auch dort steht eine vermusicalte Sisi auf der Bühne.

»Sisi. Die Seele einer Kaiserin”, das Musical von Roland Baumgartner, feiert am 22. Mai 2013 Premiere. Zwölf Jahre sind seit der letzten Aufführung der Show in Wien vergangen, jetzt ist das Stück in einer überarbeiteten Version wieder am Start.

Handlung
Es ist der 10. September 1898. Bei einem Attentat in Genf wird Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn, genannt Sisi, von einem italienischen Anarchisten mit einer Feile erstochen.
Eine Reise in die Vergangenheit. Sisis Schwester Nene soll mit Kaiser Franz Josef bekanntgemacht und die Vermählung angebahnt werden. Der Kaiser entscheidet sich jedoch für Sisi. Der Hofstaat ist irritiert, doch die Hochzeit des neuen Kaiserpaares findet statt.
Graf Andrasy, der Kaiserin Sisi sehr zugetan ist, möchte die friedlichen Interessen seiner Heimat Ungarn fördern und setzt sich bei Sisi dafür ein, dass der herrschende Krieg beendet werde. Diesen Wunsch erfüllt sie ihm, Frieden kehrt ins Land.
Sisi erlebt eine Romanze mit dem englischen Reittrainer Bay Middleton, und reist anschließend, unter dem Druck und unerbittlichen Argwohn der Öffentlichkeit leidend nach Korfu, wo sie ein ausschweifendes Leben führt. Kaiser Franz Josef reist ihr nach, um seine Ehe mit Sisi zu retten und sie zu sich nach Wien zu bringen.
Werden seine Bemühungen erfolgreich sein? Wird Sisi der Einsamkeit an der Spitze der Macht trotzen können? Oder werden Neid und Eifersucht der Gesellschaft sie zu Fall bringen?

Sisi: Merle Saskia KRAMMER
Kaiser Franz Josef: Till VON ORLOWSKY
Nene: Nele MOSER
Graf Andrasy / Bay Middleton: Luka GUDELJ
Hofdame: Astghik KHANAMIRYAN
Titania / Zeitungsjunge: Ingeborg MAMMERLER
Lucheni / Rudolf: Reinhold GUGLER
Hofdame / Panflöte: Andreea CHIRA

Komposition: Roland BAUMGARTNER
Regie & Bühne: Geirun TINO
Korrepetitorin: Ana CRACIUN

Nähere Infos –> hier

Jetzt kann Weihnachten kommen: »Voices of Musical Christmas« 2013

musicalxmas2013.jpg

Ein knappes halbes Jahr dauert es noch, dann sind wir auch schon wieder mitten drin in der schönsten Zeit des Jahres: Weihnachten! Nach dem großen Erfolg, den Maya Hakvoort mit der von ihr veranstalteten Show »A Christmas Eve« im Vorjahr erzielen konnte, gibt es heuer nicht nur ein Dacapo, sondern gleich eine ganze Weihnachtskonzert-Tour, diesmal präsentiert von »Show Factory« und »Maya Hakvoort Music Productions«.

Maya Hakvoort, Uwe Kröger, Pia Douwes, Lukas Perman, Ramesh Nair, Marjan Shaki, die Rounder Girls und eine Zehn-Mann-Band zeigen vom 22. November bis 30 November 2013 die Show »Voices of Musical Christmas«.

Die Termine:

22.11.2013 Stadthalle Graz
Kartenvorverkauf in allen oeticket-Verkaufsstellen, Raiffeisenbanken, oeticket-center Stadthalle 0316/8088200, Zentralkartenbüro, Media Markt, Libro.

27.11.2013 Festspielhaus Bregenz
Kartenvorverkauf in allen oeticket-Verkaufsstellen, Raiffeisenbanken, Volksbanken, Bregenz Tourismus 05574-4080-0, Dornbirn Tourismus, Ticketshop Messepark, Verkehrsbüros, Media Markt, Libro, Musikladen Feldkirch und Rankweil, Kiosk am Bahnhof Bregenz, bei CTS- Vorverkaufsstellen (z.B. Lindaupark).

28.11.2013 TipsArena Linz
Kartenvorverkauf in allen oeticket-Verkaufsstellen, Oberösterreichischen Raiffeisenbanken und Sparkassen, Oberösterreichische Nachrichten, Maximarkt-Filialen, Libro, Media Markt, Linz: Kartenbüro Pirngruber, Linzer Kartenbüro, Wels: Kartenbüro Lohmer.

29.11.2013–30.11.2013 Stadthalle F Wien
Infos unterwww.lskonzerte.at
Ticket via Wien-Ticket –> hier

Weitere Infos und Tickets unter www.showfactory.at

Jetzt muss man nur noch den Sommer überstehen. Der Kartenvorverkauf startet am 7. Mai.

VBW: Die lästige Wahrheit

Ich muss gestehen, ich habe die Pressekonferenz des Geschäftsführers der Vereinigten Bühnen Wien am heutigen Tage nicht besucht. Es ging um den Zustand der Vereinigten Bühnen Wien.
Die Zeiten werden ungemütlicher und wie ich es von mehreren Seiten im Laufe der Jahre vernommen habe, driftet man in den Augen des von den Steuerzahlern, also auch von sozusagen dir und mir, finanzierten Unternehmens oft in dem Moment in die Abteilung jener Journalisten, die man bei solchen »Events« lieber nicht dabeihaben möchte, wenn man nicht mehr bloß »Bericht erstattet«. Und eines ist mal klar: Ich erstatte nicht Bericht, und ich sehe auch keinen Sinn und Zweck darin, über Musicals »Bericht zu erstatten«.
Ich habe zum Beispiel null Interesse, eine Angabe wie »70 Prozent Auslastung« des Musicals »Natürlich blond« wiederzukäuen, denn ich bezweifle diese Angabe. Ich halte auch den Begriff und die Art und Weise, wie er interpretiert wird, für völlig uninteressant oder und falsch. 9 Fragen, 9 Antworten sind es, die man in diesem Zusammenhang bräuchte:

1) Wie viel Prozent der Karten, die den Besitzer wechseln, gehen zum vollen Preis über den Tisch?
2) Wie viel Prozent der Karten gehen als Restplatzkarten über den Tisch?
3) Wie viel Prozent der Karten werden verschenkt?
4) Wie viel Prozent gehen als Regiekarten über den Tisch?
5) Was bringt es, eine zusätzliche Reihe im Ronacher einzurichten, dafür aber geplante Nachmittagsvorstellungen wieder abzusagen?
6) Ist es wahr, dass »Natürlich blond« nur deswegen bis zum letzten lebenden Mann durchgespielt wird, also bis Ende des Jahres, weil man sonst nicht den gesamten Subventionsbetrag erhalten würde? Wäre das nicht degoutant angesichts all jener freien Theatergruppen, die keinen Cent bekommen?
7) Hallo Grüne Wiens. Habt ihr gar keine Prinzipien mehr, dass ihr angesichts dieses Kulturdebakels kuscht?
8) Herr Drozda, es nervt Sie, dass Ihr Betrieb als »Krisenbetrieb« dargestellt wird? Sie sollen gesagt haben: »Die Stadt Wien als Eigentümer müsste sich klar darüber werden, was diese Institution leisten kann und soll: Aber mehr Leistung bei weniger Geld, das wird auf Dauer nicht gehen.« Wie definieren Sie Leistung im Bereich Musical?
9) Herr Drozda, Sie meinen, dass die Ronachersanierung die »Wurzel allen Übels« gewesen sei? Haben da auch alle schön gelacht während der Pressekonferenz? Die Wurzel allen Übels im Musicalbereich ist, dass sich die VBW nunmehr zwei Opernhäuser leisten, die ein ein sehr gutes, sehr elitäres Programm bieten, dass sie im klassischen Bereich auch im Bereich der Jugendbildung vieles leisten, während man sich für den Musicalbereich einen Intendanten geholt hat, der nun Musical-McDonald’s-Ware brutzelt. »Warum nicht mal einen Burger«, habe ich in einer Kritik zu »Natürlich blond« gelesen. Einfache Antwort: Weil dieser verdammte Burger einfach zu viel kostet und wie ein Burger nichts kann, außer demjenigen, der ihn zu sich nimmt, zu schaden. Man nennt das auch Volksverblödung.

Lassen wirs einmal bei den paar Fragen, die nicht beantwortet werden. Macht Spaß, da kommt sicher noch viel mehr.

Links
- Kurier: Natürlich Defizit
- ORF-TV-Bericht: VBW in Finanznöten
- APA: VP-Leeb: Vereinigte Bühnen Wien haben strukturelles Problem - Mailath-Pokorny sieht seit Jahren zu
- orf.at: Vereinigte Bühnen in Finanznöten
- Wiener Zeitung: Vereinigte Bühnen: “Kein Krisenbetrieb” trotz roter Zahlen
- derstandard.at: Vereinigte Bühnen defizitär: Drozda fordert mehr Steuergeld
- Kleine Zeitung: 4,3 Millionen Minus für Vereinigte Bühnen Wien
- Salzburger Nachrichten: 4,3 Millionen Minus für Vereinigte Bühnen Wien
- Die Presse: 4,3 Millionen Minus für Vereinigte Bühnen Wien
- wien-heute.at: Vereinigte Bühnen-Boss: “Mehr Geld oder weniger Leistung!”

Volksoper Wien: Mit »Sweeney Todd« zum Musicalhotspot der Stadt

Copyright: Barbara Pà¡lffyAm 3. April 2013 präsentierte Robert Meyer das Saisonprogramm 2013/14 der Wiener Volksoper auf der Probebühne des Hauses.

In die Saison geht man am 13. September 2013 mit der Premiere von Stephen Sondheims »Sweeney Todd«. Das ist für die Volksoper ein Schritt in eine neue Richtung. Bisher konzentrierte man sich im Bereich Musical vor allem auf das Gebiet des »klassischen Musicals«. Mit »Sweeney Todd« kann man fast von einem neuen Aufbruch sprechen, der noch viele weitere Möglichkeiten bieten könnte.

»Sweeney Todd« feierte am 1. März 1979 im Uris Theatre, New York, seine Uraufführung und war bis zum 29. Juni 1980 da zu sehen. Es wurde mit einer Unzahl an Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit 8 Tony Awards, 2 Theatre World Awards und 9 Drama Desk Awards. Mit dieser Musicalpremiere in der Wiener Volksoper und der Premiere von »Catch me if you can« in den Kammerspielen hat Wien im Herbst zwei Musicalhotspots.

Sweeney Todd
Musical in zwei Akten
Musik und Gesangstexte von Stephen Sondheim
Buch von Hugh Wheeler nach einer Adaptation von Christopher Bond
Deutsche Fassung von Wilfried Steiner
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Vorpremiere am Mittwoch, 11. September 2013
Premiere am Samstag, 14. September 2013
Weitere Vorstellungen am 19., 21., 25., 27. September,
5., 12., 18. Oktober 2013, 6., 8., 13. Jänner, 3., 9. Februar 2014

Musikalische Leitung: Joseph R. Olefirowicz
Regie: Matthias Davids
Bühnenbild: Mathias Fischer-Dieskau
Kostüme: Susanne Hubrich
Licht: Fabrice Kebour
Choreographie: Florian Hurler
Choreinstudierung: Thomas Böttcher
Dramaturgie: Christoph Wagner-Trenkwitz

Cast
Sweeney Todd: Morten Frank Larsen
Mrs. Lovett: Dagmar Hellberg
Tobias Ragg: Tom Schimon/David Sitka
Anthony Hope: Alexander Pinderak/Daniel Ochoa
Johanna: Anita Götz
Richter Turpin: Robert Meyer/Kurt Schreibmayer
Büttel Bamford: Kurt Schreibmayer/Wolfgang Gratschmaier
Pirelli: Vincent Schirrmacher/Jeffrey Treganza
Bettlerin: Patricia Nessy
Jonas Fogg: Franz Suhrada
Vogelhändler: Georg Wacks

Musical ist der Renner an der Volksoper schlechthin, in der kommenden Saison sind vom 29. Dezember 2013 bis zum 2. März 2014 fünf verschiedene Musicalproduktionen zu sehen: »My Fair Lady«, »Sweeney Todd«, »Kiss me, Kate«, »Guys and Dolls« sowie eine Musical-Soiree. Für diesen Zeitraum bietet die Volksoper einen Musical-Pass an, der zahlreiche Ermäßigungen und ein Vorverkaufsrecht beinhaltet. Der Musical-Pass kostet 25 Euro und ist ab 1. Juni erhältlich.

Im April 2014 gibt es dann eine weitere Serie der Volksopern-Version von Stephen Sondheims »Die spinnen, die Römer«

Im Bereich der Neuen Medien ist die Volksoper überraschend aktiv. Neben Flashmob-Videos, die bis zu 1,2 Millionen Klicks erzielten, bietet man nun für das iPhone/iPad (und bald auch für das Android-Betriebssystem) das Saisonprogramm als Gratis-Download im App-Store an, angereichert mit vielen eigens produzierten Videos und einem Einleitungsvideo des Direktors. Es gibt die Volksopern-Zeitung ebenfalls gratis im App-Store und man wird in Zukunft die Programmhefte um 89 Cent das Stück via App-Store kaufen können. Ein Probeheft ist gratis zum Download online.

Infos zu den weiteren Premiere gibt es auf der Website der Wiener Volksoper als PDF-Download -> hier

Einen Audiostream der PK gibt es hier:
Audiostream der Pressekonferenz

Links
- Wiener Zeitung: Blut Pasteten – und die Inflation
- Der Standard: Naturtalent und Märchenwelt
- orf.at: Volksoper: Auftakt mit »Sweeney Todd«
- Salzburger Nachrichten: Volksoper 2013/14 mit Blut und Italienischem
- Heute.at: Das Programm der Wiener Volksoper für 2013/14
- Kurier: Wenn ein Direktor genüsslich massakriert wird
- Die Presse: Volksoper: »Fidelio« und »Sweeny Todd« [sic!]
- Heute.at: Sweeney Todd metzelt sich durch Volksoper

Ein Aprilscherz, der keiner war

Als am 1. April 2013 auf orf.at die Meldung zu lesen war, dass der Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen Wien den bisherigen Verlauf des Ticketverkaufs von »Natürlich blond« als »zufriedenstellend« bezeichnet hat, musste man unwillkürlich von einem Aprilscherz ausgehen.

Wer den Ticketverkauf mitverfolgt, wer die Gewinnspiele in Betracht zieht, wer diverse Angebote beobachtet, etwa auf Facebook, Tickets günstigst zu erwerben, wer die langen Schlangen um Restplätze ebenso miteinbezieht, der wird vielleicht neben der Angabe »80 Prozent Auslastung« vor allem eines gerne wissen wollen: Wie viel Prozent dieser 80 Prozent sind zum regulären Preis über den Tisch gegangen?

Und was bedeutet eigentlich »Gewinne machen« im Konzept der Vereinigten Bühnen Wien?

Und welche Logik steckt dahinter, für eine Show, bei der die Auslastung alles andere als optimal ist, die Anzahl der verfügbaren Tickets zu erhöhen?

Und wie lange müsste die Show denn laufen, damit sie »Gewinn« abwirft?

Link
- »Natürlich Blond«: Hoffen auf Gewinn

Vienna’s English Theatre: »Spring Awakening – The Musical«

Das »Vienna’s English Theatre Youth Ensemble«, eine Jugendausbildungsschiene von »Vienna’s English Theatre«, zeigt vom 4. bis 5. Juli 2013 das Rockmusical »Spring Awakening« von Steven Sater und Duncan Sheik.

Nähere Infos –> hier.

Theater Drachengasse: »West End Winters« to »West End Spring – Switch«

westendwinter2013.jpgVom 10. Januar bis 12. Januar 2013 feierte das Vienna Theatre Project im Wiener Theater Drachengasse eine Serie ausverkaufter und viel umjubelter Konzertevents mit dem Titel »West End Winters«. Kieran Brown und Caroline Frank boten ein abwechslungsreiches Programm an Melodien aus erfolgreichen Musicals und ein paar jener Klassiker, die Kultstatus erreicht haben, ohne aus einer sogenannten Big Broadway- oder West-End-Production zu stammen.
Eines meiner Highlights des Konzerts vom 10. Januar war »Goodbye« aus dem Musical »Catch me if you can«, komponiert und getextet von Marc Shaiman und Scott Wittman. Nicht dass Kieran Brown an diesem Abend vermutlich seine beste Version abgeliefert hätte, das mag schon sein, aber er hat gezeigt, welche Kraft dieser Song hat, was für eine Sogwirkung, die im Englischen viel besser kurz als »soaring« bezeichnet wird, und auf welchem Niveau man singen muss, um bei einer Show, die das Label »West End« im Titel trägt, mitwirken zu dürfen. Brown dabei zuzusehen, wie er interpretiert, ist eine spannende Sache. Kein falsches Posing, keine aufgesetzten Gesten, stattdessen souveränes Arbeiten am Ausdruck.
Ein anderes meiner Lieblingslieder, »Anytime«, ebenfalls von Brown gesungen, wunderbar von Birgit Zach am Klavier begleitet, mit einigen interessanten Nuancen, beweist, dass es im Musicalgenre nicht um Volksverblödung und Kampfgrinsen gehen muss, dass es auch um ehrliche Gefühle, um Trauer gehen kann, dass man fein gebaute Melodien erarbeiten kann, die eine bezwingende Wirkung auszuüben imstande sind, wenn … der Interpret sie auch entsprechend rüberbringt. Und das kann Kieran Brown. »Anytime« schrieb William Finn ursprünglich für sein Musical »A New Brain« (1998), aus dieser Show wurde es jedoch gestrichen und in »Elegies: A Song Cycle« (2003) eingesetzt. Es ist eine Nachricht einer verstorbenen Mutter an ihr Kind.
Auch Caroline Frank hat an diesem Abend ein paar Songs aus Kultstücken gesungen, wie etwa »Summer in Ohio«, aus Jason Robert Browns »The Last 5 Years«. Ihre ironisch-sarkastischen Zwischenmoderationen waren eine wohltuende Abwechslung von den sonst oft gehörten eingelernten Schleimerdialogen, die einem für gewöhnlich den letzten Nerv ziehen. Nicht alles war vielleicht programmmäßig so, wie ich es mir gewünscht hätte. Das enervierende »Written in the stars« von Popikone Elton John in einem Genre, in dem ich ihn nicht brauche, hätte ich nicht wirklich hören müssen, und ABBA auf Deutsch ist für mich immer noch das Allerletzte. Aber Caroline Frank hat es doch geschafft, die Stimmung, die ein Song wie »Der Sieger hat die Wahl« auszudrücken vermag, rüberzubringen. Gemeinsam mit Kieran Brown sorgte sie für den komödiantischen Höhepunkt des Abends mit dem Song »The Temp and The Receptionist«, geschrieben von Michael Kooman und Christopher Diamond. Das Lied ist 2011 auf der CD »Out of our heads«, gesungen von Anderson Davis und Patina Miller, erschienen. Eine umwerfend komisch von Brown & Frank gesungene und gespielte Nummer, die im Zugabenteil auf Publikumswunsch hin noch einmal gebracht werden musste.
Stephen Sondheim, Scott Alan, Boubil & Schönberg, Stephen Schwartz, David Yazbek … die Liste an Komponisten, die sich die beiden Künstler für ihre Show ausgewählt haben, spricht für sich. Und weil der Abend so grandios war, gibt es bereits im März eine Neuauflage unter dem Titel »West End Spring – Switch«.

»West End Spring – Switch«
20., 21., 22. März 2013, Beginn 20 Uhr
Theater Drachengasse, Fleischmarkt 22, 1010 Wien
Karten Tel.: 01/5131444
oder per Mail: karten@drachengasse.at

westendspring.jpgMit den Bühnenstars Kieran Brown (»Love Never Dies«, »Wicked«) & Caroline Frank (»Evita«, »The Last 5 Years«)
Am Klavier: Belush Korenyi, Masaaki Saito
Special Guest: Suzanne Carey (»Sister Act«, »Tanz der Vampire«)
Inszenierung: Joanna Godwin-Seidl

Links
www.kieranbrown.com
www.carolinefrank.com
www.viennatheatreproject.com

Nach der mehrfach gelobten und ausverkauften Inszenierung von »West End Winters« bringt das vienna theatre proiect einen weiteren legendären Musikkabarett-Abend mit dem Kieran Brown (»Love Never Dies«, »Wicked«) und Caroline Frank (»Ich war noch niemals in New York«, »Evita«), am Klavier Belush Korenyi und Masaaki Saito. Special Guest Star ist diesmal Suzanne Carey.
Das vienna theatre project nimmt das Publikum wieder auf eine Reise durch viele populäre Musicals mit, aber diesmal mit einem kleinen Twist: Die Lieder werden mit vertauschten Rollen interpretiert, auf Deutsch und Englisch gesungen.

Volksoper Wien bringt »Sweeney Todd«

Einem Interviev mit Bühnenbildner Mathias Fischer-Dieskau ist zu entnehmen, dass die Wiener Volksoper im Herbst 2013 Stephen Sondheims Kultmusical »Sweeney Todd« bringen wird. Nähere Details wurden noch nicht verlautbart.

Link
- Die Presse: Volksoper: Die ganze Welt ist Hinterbühne

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