Home RSS Go RED Go BLACK

Archiv - Mai, 2011

Schloss Wolkersdorf: Musicalkonzert mit Otto Jaus, André Bauer, Florian Theiler und Katharina Dorian

12. August 2011
20:00bis22:00

Am Freitag, dem 12. August 2011 steigt im Rahmen des “Kultursommer Schloss Wolkersdorf” ein Musicalkonzert mit Katharina Dorian (”Tanz der Vampire”), Otto Jaus (”Krawutzi Kaputzi”), André Bauer (”Elisabeth”), Florian Theiler (”Tanz der Vampire”), Melanie Ortner (”Tanz der Vampire”) und Jennifer Pöll (”Tanz der Vampire”).

Tickets um 26 Euro sind bereits bei OE-Ticket –> hier erhältlich. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr.

Hamlet - The Musical

Link
- Hamlet - The Musical

“Save Live Music on Broadway”: Proteste gegen “Priscilla”

Im März 2011 feierte die Show “Priscilla, Queen of the Desert” im Palace Theatre von New York Premiere. Am vergangenen Donnerstag gingen Broadway-Musiker, organisiert von “Save Live Music on Broadway”, auf die Straße, um gegen die musikalische Umsetzung des “Musicals” zu protestieren. In der Show werden vorgefertigte Aufnahmen mit live gespielter Musik kombiniert.

“Save Live Music on Broadway”, bestehend aus Komponisten ebenso wie aus Darstellern und Musikern, wurde von Local 802 AFM gegründet.

Zum Fall “Priscilla” meint “Save Live Music on Broadway”:

Now, producers of the recently opened Priscilla Queen of the Desert have actually begun implementing the unthinkable—the producers of Broadway’s Priscilla Queen of the Desert have drastically cut the theatre’s live orchestra, and instead are forcing the remaining musicians to play along with a recording. Needless to say, theatre critics who reviewed the show have been appalled, calling it “synthetic to the core” (Time Out New York); “mechanical and monotonous” and “karaoke-inspired” (The New York Times); “a glossy costume party masquerading as a musical” (New York Daily News); “the songs… blend together into an undifferentiated morass” (everythingmusicals.com); and “an oversized karaoke party” (AM New York). This show deprives the audience of the robust, live musical experience they have every reason to expect.

Die Produzenten von “Priscilla” verstehen die ganze Aufregung natürlich nicht und setzen dem entgegen:

The orchestrations were created more than five years ago and have been performed in productions in Sydney, Aukland, London and Toronto for thousands of performances prior to Broadway. There are elements in the sound of the ‘Priscilla’ score that cannot be recreated by live performance. These are the recorded manipulated sounds that accompany the live musicians who play every performance of the show.

Tim Smith von der “Baltimore Sun” liefert dazu einen sehr passenden Kommentar:

I still haven’t forgotten the experience of seeing the celebrated revival of “South Pacific” at Lincoln Center, where the audience burst into rapturous applause partway through the overture simply because a cover over the pit opened to reveal the sight of an honest-to-goodness, Broadway-sized orchestra — an experience as rare for most of us as obtaining a $500,000 revolving charge account at Tiffany’s.

Links
- “Save Live Music on Broadway” @Facebook
- Protest to ‘Save Live Music on Broadway’ merits support
- Los Angeles Times: Broadway musicians to protest pre-recorded music in “Priscilla”

Gavin DeGraw: “Not Over You”

Drama Desk Awards 2011 - Die Gewinner

“The Book of Mormon” und “Anything Goes”, das sind die Gewinner der diesjährigen Drama Desk Awards. Beide Shows wurden mit je fünf Preisen ausgezeichnet, darunter mit den wichtigsten: “Outstanding Musical” und “Outstanding Revival of a Musical”.

Abgeschlagen Shows wie “Catch Me if You Can”, “How to Succeed in Business Without Really Trying” oder “Women on the Verge of a Nervous Breakdown”, die jeweils nur einen Preis für sich entscheiden konnten.

Ganz leer ging “Sister Act” aus [auslastungsmäßig liegt “Sister Act” derzeit bei 85,8 Prozent].

Die Liste der Gewinner im Musicalbereich:

The Book of Mormon
- Outstanding Musical
- Outstanding Director of a Musical: Casey Nicholaw, Trey Parke
- Outstanding Music: Trey Parker, Robert Lopez, Matt Stone
- Outstanding Lyrics: Trey Parker, Robert Lopez, Matt Stone
- Outstanding Orchestrations: Larry Hochman, Stephen Oremus

Anything Goes
- Outstanding Revival of a Musical
- Outstanding Actress in a Musical: Sutton Foster
- Outstanding Choreography: Kathleen Marshall
- Outstanding Set Design: Derek McLane
- Outstanding Sound Design in a Musical: Brian Ronan

See Rock City & Other Destinations
- Outstanding Book of a Musical: Adam Mathias

Catch Me if You Can
- Outstanding Actor in a Musical: Norbert Leo Butz

How to Succeed in Business Without Really Trying
- Outstanding Featured Actor in a Musical: John Larroquette

Women on the Verge of a Nervous Breakdown
- Outstanding Featured Actress in a Musical: Laura Benanti

Priscilla Queen of the Desert: The Musical
- Outstanding Costume Design: Tim Chappel, Lizzy Gardiner

Rain: A Tribute to the Beatles on Broadway
- Outstanding Revue

Link
- Drama Desk Awards 2011 - Die Nominierungen

9Q - Caspar Richter: “Musical ist ALLES” [2011]

richtercaspar.jpg
Am 27. Juni 2010 verabschiedete sich Caspar Richter, der Musikalische Direktor der Vereinigten Bühnen Wien, mit dem Konzert “Musical Forever 2″ im Etablissement Ronacher von seinem Publikum.
Richter und das Orchester der VBW, das war über viele Jahre eine Erfolgsgeschichte. Über 20 Jahre hat der Künstler Uraufführungen für Wien erarbeitet, neue Konzepte entwickelt und dafür gesorgt, dass das Orchester auch außerhalb der Theater der VBW ein Standing erreichte, auf das das Haus stolz sein konnte.

musical_forever_2.jpg
Mit “Musical Forever 2″ demonstrierte Caspar Richter unter anderem noch ein Mal eindrucksvoll und mit Nachdruck, was er unter dem Begriff Musical versteht.
Seit dem 26. April 2011 ist ein Mitschnitt von Teilen des Konzerts als CD im Handel erhältlich. Anlässlich dieser CD-Neuerscheinung von MG-Sound im Folgenden 9 Fragen an Caspar Richter zum Zustand des Musicals in diesem Lande, zu Details, aber wichtigen Details, des Musicalgenres … und zur Zukunft des neuen Musik- und Opernchefs von Brno.

Martin Bruny: Lieber Herr Richter, wir haben anlässlich der Pressekonferenz von “Rebecca” im Dezember 2005 über Ihre Pläne gesprochen, die Sie mit dem Orchester der Vereinigten Bühnen Wien verwirklichen wollten. Vorgeschwebt sind Ihnen konzertante Produktionen etwa von “The Secret Garden”, “Carousel”, “Funny Girl” oder “Gypsy”.
Nach der “Bernstein”-Konzertserie 2006 im Raimund Theater, die nicht ganz ausverkauft war, konnte von diesen Planungen nichts verwirklicht werden.
Hat Sie das getroffen? Hat diese Entwicklung Ihren Abschied 2010 von den VBW erleichtert? Wären Sie, um mit den Gerüchten aufzuräumen, jetzt noch bei den VBW, wenn Sie Ihre Wunschprojekte verwirklichen hätten dürfen? Woran ist das alles letztlich gescheitert?

Caspar Richter: Daß die Bernstein Konzerte nicht alle ausverkauft waren, spricht nicht gegen diese Idee, Bernstein dem Vergessen zu entreißen, es spricht nur gegen viele Teile des Publikums, sich nicht sehr für gute Musicalmusik zu interessieren. Außerdem, zwei Konzerte hätten genügt, und bei entsprechender Werbung wäre man auch auf großes Interesse gestoßen.
Mein Abgang hat aber damit nichts zu tun. Für mich stand fest, daß 2010 der Schluß meiner Beschäftigung mit dem Musical sein wird. Ich wollte meine Tätigkeit wieder auf die klassische Musik, sprich Oper und Konzert, konzentrieren. Ich hätte mir natürlich gewünscht, auch ab und zu Revivals klassischer Musicals zu machen, wie das ja auch sehr erfolgreich am Broadway geschieht. Aber dafür hat man hier leider keinen Sinn. Die Stückeentwicklung hierin vor allem in Mitteleuropa ist sowieso mehr als fragwürdig.

Martin Bruny: Im Booklet zur CD “Musical Forever 2″ schreiben Sie vom “Mangel an guten, gehaltvollen Musicals”. Beschreiben Sie doch bitte, wie Sie den Musicalmarkt in Österreich sehen und was Sie gerne ändern würden. Gab es eine Musicalproduktion der VBW, bei der Sie am liebsten mit Arbeitsverweigerung gedroht hätten oder auch gedroht haben.

Caspar Richter: Man hat es versäumt, rechtzeitig neue Autoren und Komponisten zu fördern, in Workshops etc. Das ist einfach abgelehnt worden, und nun ist fast nichts Gutes nachgewachsen. Ideen dafür hätte ich genügend gehabt. Eine Produktion, der ich mich am liebsten verweigert hätte, gab es eigentlich nicht wirklich, bei “Freudiana” war nur die Umsetzung eines tollen Stücks noch nicht entwickelt und nicht gut genug. Auch “Wake Up” hätte ein gutes, krasses Musical werden können, wenn man einen richtigen Regisseur gehabt hätte. Da gab es einige Fehlentscheidungen.

Martin Bruny: Peter Weck meint in seiner Autobiographie “War’s das?”, dass man ihm den Erfolg von “Cats” künstlich und mit Absicht durch zwei Opernpremieren verkürzt habe. Eine davon: Gottfried von Einems Oper “Tulifant”, die Sie im Booklet der CD “Musical Forever 2″ erwähnen. Wie sehen Sie das Ende von “Cats” - war es ein “erzwungenes”, wie Weck es formuliert: “Damit wurde unsere Erfolgsproduktion “Cats” regelrecht abgewürgt.”?

Caspar Richter: Ich fand das Ende von “Cats” sehr notwendig. Es ist doch nervig und geistiger Stillstand, wenn man 7 Jahre immer dasselbe macht!!!

Martin Bruny: Der Einsatz von klassisch ausgebildeten Stimmen, oder sagen wir gleich, Opernsängern und Opernsängerinnen, in einem Musical wie “Les Misérables”. Ist das für Sie legitim, logisch? Ist die Mischung von Opernsängern und “Musicalsängern” in “Les Mis” optimal? Was wäre zu beachten?

Caspar Richter: Es gibt viele Musicals, wo man klassische Stimmen braucht - bei “Les Misérables”: Cosette, einen lyrischen Sopran, bei Javert einen finsteren Bariton, bei Enjolras einen jungen Heldentenor etc. Bei “Phantom” kann man eigentlich alles mit Opernstimmen besetzen. Man braucht nur eine große Persönlichkeit als Phantom. Ich habe das schon mit Ramon Vargas gemacht und Jerry Hadley etc. Die Männerstimmen sind eh eher klassischer Natur. Manchmal ist eine tolle Mischung von Klassik und Pop wichtig wie bei “Jekyll & Hyde”.

Martin Bruny: 2005 meinten Sie in einem Interview mit der “Bühne”: “Ich komme ja ursprünglich von der Klassik. Und mein Ehrgeiz war es, die Professionalität und Qualität des Klassik-Bereichs ins Musical zu transportieren. Das haben wir alle zusammen realisiert, denn ein Musical kann man nicht mit fünf Musikern spielen.”
Nun läuft “Cats” derzeit als deutsche Tourneeproduktion und wird 2012 auch in Wien Station machen. Im “Orchester”: laut neuestem Stand angeblich schon bald nur mehr 6 Musiker. Macht das noch Sinn?

Caspar Richter: Wie gesagt, so wie auch die Stücke immer schlechter und unkünstlerischer werden, so schlecht wird auch das Orchester als unwichtig und verzichtbar behandelt. Die Klangfarbe eines Orchesters und der ausgewogene Orchestersound sind wichtig, immer weniger Streicher, eine Katastrophe. 6 Musiker bei Cats ist absolut unakzeptabel und äußert dumm und zerstörerisch, gemacht von Managern, die keine Ahnung von Musik haben. So wird die Kunstform Musical langsam zerstört.

Martin Bruny: Neue Musicals scheinen Mangelware zu sein in Wien derzeit, wir sind zum Käufer bundesdeutscher Ware geworden. Welche Komponisten, Texter der jüngeren Generation würden Sie für so spannend und kreativ einschätzen, dass man Sie mit der Erarbeitung eines Musicals beauftragen sollte. Welche Stoffe, Themen würden Sie diesbezüglich interessieren?

Caspar Richter: Spannende Texte gibt es genug, man muß nur die große Literatur von Aristophanes bis Thomas Mann “entdecken”, anstatt nur noch Movies nachzuspielen oder uninteressante Komponistencollagen zu verarbeiten. Es gibt wunderbare junge Komponisten sogar in den eigenen Reihen der VBW, habe ich öfters in kleinen Dingen ausprobiert.

Martin Bruny: Roman Polanski sagte anlässlich der “Tanz der Vampire”-Uraufführung: “Der wesentliche Unterschied zwischen Oper und Musical besteht im Publikum. In die Oper gehen prätentiöse Leute, die sich für die höchsten musikalischen Richter halten. Ich teile nicht die Meinung irgendwelcher Puristen, die das Musical verachten. Im Gegenteil: Es ist für ein breites Publikum gemacht, und das Publikum liebt dieses Theater.“
Ist Musical Kunst? Ist das, was derzeit im Raimund Theater läuft, ein Musical? Ist es Kunst?

Caspar Richter: Natürlich ist Musical große Kunst, Rodgers, Gershwin, Bernstein, Sondheim, Styne etc. Schon die “Zauberflöte” war ein interessanter Vorläufer musikalischen Unterhaltungstheaters, die Ãœbergänge sind fließend, auch von der Operette und Oper her kommend. Musical ist ALLES. Das beste Beispiel: “Candide” von Bernstein.

Martin Bruny: Aus dem Leben eines Dirigenten der VBW. Gabs einmal ein lustiges Hoppala, das Sie uns erzählen könnten?

Caspar Richter: Es gab sicherlich viele Hoppalas, wie immer am Theater, aber an ein bestimmtes kann ich mich nun nicht erinnern.

Martin Bruny: Sie sind nun Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Nationaloper Brno. Haben Sie den Bezug zum Musical rein beruflich nun “verloren” oder wollen Sie Projekte in Zukunft auch im Musicalbereich verwirklichen. Wenn ja, welche?

Caspar Richter: Meine neue Aufgabe als Musikchef und Opernchef in Brno füllt mich total aus, mehr als alles vorher. Aber ich habe jetzt schon eine Anfrage, hier die tschechische Erstaufführung von “Jekyll & Hyde” zu machen. Das werde ich auch. Und einzelne Lieblingsideen werde ich auch realisieren.
Aber meine Musicalzeit war wunderbar, ich habe sie geliebt und viel gelernt, auch wieder für die Klassik.

Links
- Caspar Richter: Offizielle Website
- MG-Sound
- Die CD zum Interview: “Musical Forever 2″

Webtipp: Die “Abteilung Schauspiel” der Konservatorium Wien Privatuniversität

Informationen über die “Abteilung 10″ der Konservatorium Wien Privatuniversität, also die Schauspiel-Abteilung, bietet die Website konservatorium-schauspiel.at

Zu finden sind Infos über die Studenten der einzelnen Jahrgänge, Absolventen und Lehrende sowie Termine aktueller Veranstaltungen.

Link
- konservatorium-schauspiel.at

Franz Schubert Konservatorium: Can-Can

8. Juni 2011
19:00bis21:00

Im Juni 2011 zeigt das Franz Schubert Konservatorium Cole Porters Musicals “Can-Can”. Zu sehen ist die Show im “Kunstpalais”, Dornbacherstraße 139, 1170 Wien.

Dirigent/Arrangement: Dir. Prof. Karl Svec
Gesamtleitung: Mag. Daniela Egg

Termine
8., 9., 10. und 11. Juni
15., 16., 17. und 18. Juni
22., 23., 24. und 25. Juni
Beginn: 19.00 Uhr

Nähere Infos –> hier

Tschauner Bühne: Schneewittchen & Co

13. Juli 2011
19:30bis21:30

Wie schön es doch im Märchen sein kann: Der Prinz küsst das Schneewittchen, rettet ihr das Leben, und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute. So romantisch kann die Liebe sein!

Niemand erzählt uns aber, wie es dann weitergeht. Denn nun schlägt sich Schneewittchen mit einer anstrengenden Schwiegermutter herum, fadisiert sich mit einem langweiligen Prinzen und stöhnt unter der Eintönigkeit des Ehealltags. Und so treibt sie die Sehnsucht zurück in den Wald. Dort begegnet sie dem Wolf im Schafspelz, einem verführerischen Fliegenpilz und dem lange herbeigesehnten 8. Zwerg. Und vorbei ist es mit Unschuld und Treue bis in den Tod.

Nach dem „Jedermann in Wien“ nimmt das Ensemble von “Stegreif Reloaded” die Grimm´schen Märchen genauer unter die Lupe.

Idee und Bearbeitung: Susanne Draxler, Helmuth Vavra und Berthold Foeger
Kostüm: Beatrice Radlinger
Regieassistenz: Angelina Tichy

Mit Albert ALEL Kessler, Eva D., Petra Kreuzer, Thomas Schreiweis und Valentina Kratochwil

Termine
13. Juli 2011 Premiere
20. Juli 2011
03. August 2011
10. August 2011
17. August 2011
31. August 2011
(Beginn: Jeweils 19:30)

Nähere Infos –> hier

Kabarett Simpl: “Niederösterreichischer Theatersommer* - alle Stücke an einem Abend! *unter besonderer Berücksichtigung des Burgenlandes”

img_4436.jpg

Da ist sie wieder, die Zeit des Theatersommers, der Festspielzeit, die Zeit, in der man an Wiens Theatern glaubt, die Läden dichtmachen zu müssen, weil die Wiener ja allesamt ans Meer fahren und gar keiner an die Kultur denkt. Beziehungsweise die Zeit, in der Theater ihre Mitarbeiter nötigen, ihre Urlaubsansprüche aufzubrauchen, weil man nicht überlegt hat, das Ganze anders zu managen.

So fahren die Wiener halt - die, die Theater auch bei 40 Grad brauchen - aufs Land, in Burgen, an Seen, an Tümpel, Ruinen, in klimatisierte Tennishallen … Kultur anschaun. Viele davon nach Niederösterreich, weils halt so nah ist.

Und unter dem Label “Niederöstereichischer Theatersommer” hat sich eine Vielzahl dieser Burgen, Seen, Hallen, Wirtshäuser und Hauptplätze bespielenden Veranstalter zusammengefunden, um gemeinsam stark zu sein. Manchmal hat man dann in der Hitze des Gefechts im Sommer zwar den Eindruck, dass manche der Intendanten eher Mitglieder der legendären Lord Jim Loge sind, die als Motto “Keiner hilft keinem” ausgegeben hatte, da wird miteinander gestritten, geätzt und ausgerichtet, aber was solls, das is eben ein Teil des Theaterdonners oder -sommers, den man sich Jahr für Jahr geben kann.

2011 kann man den Niederösterreichischen Theatersommer in eingedampfter Fassung ohne Probleme auch in Wien erleben, das Wiener Kabarett Simpl hat noch bis Juli die Produktion “Niederösterreichischer Theatersommer* - alle Stücke an einem Abend! *unter besonderer Berücksichtigung des Burgenlandes” auf dem Programm.

“Warum solls nur in Wien großes Theater geben? Auch die Niederösterreicher haben ein Recht auf Kultur. Auch sie wollen überhöhte Eintrittsgelder zahlen. Auch sie wollen nach einer misslungenen Inszenierung verstört das Theater verlassen. Oder im 2. Akt eines Klassikers gelangweilt einschlafen …”, so beginnt der Ãœbervater Niederösterreichs, der in dieser Produktion nur mehr Gottvater höchstpersönlich verantwortlich ist und über alles wacht und entscheidet, die Show zu den Klängen von Sylvester Levays “Elisabeth”-Intro. Alles, was er will, ist Gottes Segen zum Theaterfestival der Niederösterreicher. Dafür ist er zu allem bereit.

Eine scharfe Revue hat man nicht wirklich auf die Beine gestellt, im Simpl, scharf in dem Sinn, dass man befürchten müsste, die Parodierten könnten sich auf den Schlips getreten fühlen. Gezwickt wird ein bisserl, und ein bisserl mehr hätt’s schon sein dürfen. So ist es ein kleines Panorama der Merkwürdigkeiten, das Susanna Hirschler, Ariane Swoboda, Roman Frankl, Otto Jaus, Thomas Smolej und Roman Straka auf die Bühne bringen [Buch: Hannes Muik und Werner Sobotka, Beiträge von Roman Frankl und Fritz Schindlecker].

Schauspiel und Musical, Operette und Oper, jede Form des Theatersommers bekommt ihr Fett weg, manches ist ungemein unterhaltend, manches ein wenig repetitiv. Es mag ja stimmen, dass das Bemerkenswerteste an den Mörbischer Festspielen die Ansprache von Harald Serafin ist, und Roman Frankl vermag ihn gut zu parodieren, aber einen Gag zehn Mal mit kleinen Nuancen zu wiederholen, ist ein Gag, der acht Mal zu viel wiederholt wurde. Da muss es doch ein bißchen mehr geben, allein, wenn man Serafin Junior nur mit einbezogen hätte, das wäre dann eine richtige Lachnummer geworden, allemal!

Der Weg, den einige Sketche nehmen, ist durchaus lustig, doch es gibt eine Tradition im Simpl, die Schlusspointen in absolutem Nonsens aufzulösen oder ganz im eher Unlustigen verpuffen zu lassen. So erleben wir in der ersten Nummer eine Familie, die mit ihrer All-Inklusive-Festivalkarte des Niederösterreichischen Sommertheaters nicht und nicht zu einer Eintrittskarte kommt, weil alles schon ausverkauft ist - und am Schluss geht man in den Zoo. Was so witzig ist, in den Zoo zu gehen - irgendwer wird sich was gedacht haben.

img_4102.JPG

Lustig, der Seitenhieb aufs Regietheater, die Verarsche einer Hamlet-Inszenierung als Rap nachgetextet und getanzt. Sehr kurzweilig. Lustige Gags auch, was das Wetter (inkl. Gelsenplage) und das Sommertheater betrifft, ein Thema, das vor allem im Vorjahr dominant war, als praktisch jede Premiere ins Wasser gefallen ist. Da kommt auch viel Wahres ans Licht, zum Beispiel die Taktik vieler Theater, bei Regen und Unwetter möglichst bis zur Pause zu spielen, weil dann erst die Versicherung zahlt und die Zuschauer, wenn man bis zur Pause gespielt hat, keinen einzigen Cent vom bezahlten Eintrittsgeld zurückbekommen.

Im Programm auch diverse Nummern, die mit dem Theatersommer an sich nicht unbedingt etwas zu tun haben. Zuschauer bei einer Opernpremiere, die von nichts eine Ahnung haben und sich aufführen wie Rüpel, das haben wir auch in den Wiener Theatern im Winter. Ein lustiges Reim-Spielchen rund um Product-Placement, nett gemacht, aber nicht wirklich etwas, was zwingend Sommertheater-spezifisch wäre.

In vielen Zügen ist das Simpl-Programm fast eine Huldigung Erwin Prölls. Dass der Landesvati von der Show bei der Premiere, der er natürlich beigewohnt hat, begeistert war, liegt auf der Hand. Großartig von Werner Müller in der Show verkörpert, wird er eher stilisiert als parodiert.

Jedenfalls sehr unterhaltsam: die “Pröll-Version” des Barry-Manilow-Schlagers “One voice”, umgetextet zu “Als Erwin, will ich überall sein” zum Finale des 1. Akts [Musikalische Leitung: Erwin Bader]. Pröll klont sich, damit er auch ja bei allen Festen und Premieren des Festsommers dabei sein, bei allen Wahlen antreten und alle Medien kontrollieren kann.

Schön schrill die Simpl-Version von Chopins Minutenwalzer, in dem eine gepeinigte Sängerin ihr Leid klagt. Sie will interpretieren, muss aber gegen dreiste Aussagen eines Inspizienten kämpfen wie: “Bei uns ist der ÖBB-Fahrplan Theatergesetz” und “Das Einsingen wird überwertet”. Schöne Idee, könnte man natürlich noch ad infinitum ausbauen. Der Kürzungswahn mancher Intendanten, was Stücke betrifft, kennt kein Ende. Oberstes Ziel scheint es oft tatsächlich zu sein, dass die Besucher noch die Chance haben, den letzten Zug nach der Vorstellung zu erwischen. Vielleicht ist ja das der wahre Grund, warum das alljährliche Hallenspektakel in Amstetten heuer ausfallen muss. Vielleicht konnte man kein Stück auftreiben, das kurz genug war, um den Besuchern die Chance zu geben, nach der Show noch den letzten Zug Richtung Wien zu erwischen.

Ganz am Ende der Show gehts dann so richtig ums Musical, und die Satire kommt in Fahrt. Gott meint: “Ich bin nicht sicher, ob ich für sowas meinen Segen geben kann. Viele meiner Schäfchen sehen es als niedere bis gar keine Kulturform an. Ich bekomme täglich hunderte Beschwerde-Stoßgebete, das Musical doch endlich zur Hölle fahren zu lassen - von einem Rumänen, der in Österreich lebt, sich aber Holender nennt. Ich selbst hab vorher nie von ihm gehört. Er sagt, Musical sei keine Kultur …” Echte & scharfe Satire im Finale der Simpl-Show, sehr schön. Da merkt man, wie böse Werner Sobotka sein könnte, wenn er möchte. Amstetten, Staatz und Herr Haider in Stockerau … darüber lässt sich gut lästern. Und so bekommt Landespapa Pröll nur dann den Segen für das NÖ Theaterfestival, wenn er verspricht, sich jedes Jahr die Musicalpremiere in Stockerau anzusehen … Als Abschluss und Krönung folgt eine Alfons-Haider-Parodie, großartig gemacht. Nur leider ist dann die Show auch schon vorbei.

Wenn man sich also was fürs nächste Jahr am Simpl wünschen dürfte, dann wärs eine “Forbidden Musical”-Show ohne Tabus.

Link
- Kabarett Simpl

vor »