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Archiv - Wien

Volkstheater Wien 2008/09: Peter Weck, Marjan Shaki & The Andrew Sisters

Am Wiener Volkstheater weiß man im Prinzip, wie man die Leute ins Haus bekommt: Musical muss man spielen. Mit “Cabaret” hat Direktor Michael Schottenberg einen Selbstläufer in der Hand, der mit 100 Prozent Auslastung für volle Kassen garantiert. Weitere Hits der Saison 2007/08: “Einen Jux will er sich machen” (90 Prozent ) und “Geschichten aus dem Wiener Wald” (84 Prozent). Die Gesamtauslastung: 72 Prozent, was insgesamt 161.500 Zuschauern entspricht (bis zum 21. April 2008), im Vergleichszeitraum 2006/07 waren es 152.000, 2005/06 148.000.

“Here we are! The Andrew Sisters”
Was macht man also in der Saison 2008/09 folgerichtig? Na Musical. Das ist allerdings nicht der wichtigste Punkt auf der Agenda von Michael Schottenberg. Zwar steht eine Musiktheater-Produktion auf dem Plan, sie wird allerdings nicht im Haupthaus, sondern in den Theatern in den Bezirken quasi auf Wien-Tournee gezeigt: “Here we are! The Andrew Sisters” ist der Titel des Stücks von Andy Hallwaxx (”My Way”). Die Uraufführung feiert am 29. April 2009 Premiere.

Die Andrews Sisters waren die erfolgreichste weibliche Vokalgruppe der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Dieses Trio brachte es zwischen 1938 und 1951 auf über einhundert Charthits und einige davon sind für immer unvergesslich. Wer erinnert sich nicht an die großartigen Songs: Bei mir bist du schön, Boogie Woogie Bugle Boy, Rum and Coca Cola.
Die drei Schwestern LaVerne Sofie, Maxine Angelyn und Patty Marie begannen mit Auftritten in Amateur-Revuen, doch schon bald lag ihnen ganz Amerika zu Füßen. Aber was war ihr Erfolgsrezept? War es der musikalische Vater aus Griechenland? Oder die kochende, norwegische Mutter, welche ein Restaurant in Minneapolis führte?
In der Küche der Mutter nahm alles seinen Anfang. Dort lernten die Andrews Sisters alles über das Leben, die Musik und das Kochen. Und genau dort treffen wir die Andrews Sisters zum perfekten »Promi-Dinner« wieder. Ganz privat, in ihrer Küche, verraten sie nicht nur das Rezept ihres legendären »Swinging Chicken«, wir lernen sie auch von einer neuen Seite kennen. Denn was als harmlose »Kochshow« beginnt, endet in einer kulinarischen Katastrophe.

Leading Team
Regie: Andy Hallwaxx
Bühne: Hans Kudlich
Kostüme: Erika Navas
Musikalische Leitung: Matthias Bauer
Cast
Beatrice Frey, Susa Meyer und Barbara Spitz

“La Strada - Das Lied der Straße”
Ebenfalls im Rahmen der Schiene Volkstheater in den Bezirken geht VBW-Star Marjan Shaki mit “La Strada - Das Lied der Straße” an den Start. Premiere dieser österreichischen Erstaufführung ist am 1. Oktober 2008.

Der Schausteller Zampano braucht eine neue Assistentin. 10.000 Lire zahlt er für Gelsomina, ein einfaches, ein bisschen zurückgebliebenes Mädchen. Nun zieht sie mit ihm von Ort zu Ort, spielt den Clown, sammelt das Geld ein, kocht und wäscht für ihn. Zampano ist brutal, jähzornig, rücksichtslos und unfähig Gefühle zu zeigen. Er schlägt sie, schläft aber auch hin und wieder mit ihr und betrügt sie mit anderen Frauen. Sie hängt trotzdem an ihm. Dann lernt sie den Seiltänzer Il Matto kennen. Er spricht mit ihr, hört ihr zu und nimmt sie ernst. Von ihm lernt Gelsomina auch die kleine Melodie, die sie auf der Trompete spielt. Als er nicht aufhört, Zampano zu verspotten, kommt es zur Katastrophe …
Fellinis Oscar-prämiertes Filmmeisterwerk La Strada – Das Lied der Straße aus dem Jahre 1954 – mit Giulietta Masina und Anthony Quinn in den Hauptrollen – zeigt dieWelt der Gaukler, Artisten und Schausteller und ihr Leben am Rande der Gesellschaft. Dieses poetische Märchen, angesiedelt in der rauen Wirklichkeit der Landstraße, erzählt vom »Unvermögen zweier Menschen einander zu begreifen« (Federico Fellini). Bisher konnte dieser Stoff nicht auf der Bühne gezeigt werden. Erst die hier vorliegende Bühnenfassung macht es möglich.

Leading Team
Regie: Andy Hallwaxx
Bühne: Judith Leikauf und Karl Fehringer
Kostüme: Erika Navas
Cast
Marjan Shaki, Doris Weiner, Thomas Bauer und Reinhold G. Moritz

“Sonny Boys”
Und dann sind da noch die “Sonny Boys”. Dass das Stück von Neil Simon, das schon in vielen Produktionen und Inszenierungen in Wien gelaufen ist, für volle Häuser sorgt, ist bekannt. Michael Schottenberg schießt allerdings besetzungsmäßig den Vogel ab und bietet mit Peter Weck und Harald Serafin zwei ganz besondere Publikumslieblinge. Premiere ist am 17. Oktober 2008, alles andere als eine hundertprozentige Auslastung wäre verwunderlich.

Ihr ganzes Leben lang waren sie Partner, wurden von ihrem Publikum landauf landab geliebt und gefeiert: Als kongeniales Duo »Sonny Boys« ernteten Willie und Al mit ihren Sketches überall Applaus. Doch die beiden Vollblut-Komiker konnten sich privat nicht ausstehen und irgendwann zog Al einen Schlussstrich unter die Partnerschaft. Aber aus den erhofften Solokarrieren wurde nichts. Stattdessen versuchen sie, sich mit dubiosen Werbespots über Wasser zu halten, leben aber hauptsächlich grantelnd in den Tag hinein und pflegen ihre Wehwehchen. Bis Willies Neffe Ben die beiden alten Hasen für eine Fernseh-Show noch einmal zusammenspannen möchte. Ihren berühmtesten Sketch sollen sie geben. Die Sticheleien sind immer noch die alten – Al bringt Willie mit seinem Zeigefinger nach wie vor zur Weißglut und Willie kann sich immer noch keine Namen merken – aber Bens Idee erweist sich für die beiden als wahres Lebenselixier …
Sonny Boys ist die Geschichte einer besonderen Freundschaft: rasant, tragikomisch und vor allem brillant geschrieben. Zudem bietet das Stück zwei Vollblutkomödianten die Möglichkeit, die eigenen Bühnenbiografien selbstironisch in die Geschichte zu verweben. Berühmte Sonny Boys waren etwa Martin Held und Bernhard Minetti oder Paul Verhoeven und Heinz Rühmann. Das Stück – eines von Neil Simons größten Erfolgen – wurde mehrfach verfilmt (u.a. mit Walter Matthau und George Burns, Woody Allen und Peter Falk) – und gilt zu Recht als eine liebevolle Hommage an das Theater.

Leading Team
Regie: Michael Schottenberg
Bühne: Hans Kudlich
Kostüme: Erika Navas
Cast
Peter Weck, Harald Serafin

Weitere Premieren: Peer Gynt, Ein spanisches Stück, Tod eines Handlungsreisenden, Die Fledermaus, Die Reifeprüfung, Drei Schwestern (weitere Infos)

Theater der Jugend zeigt österreichische Erstaufführung von “Honk!”

Honk!
Ab 3. Juni 2008 zeigt das Theater der Jugend im Wiener Renaissancetheater die österreichische Erstaufführung von “Honk!” (Aufführungen ab 29. Mai 2008, Premiere am 3. Juni 2008 um 16 Uhr. Weitere Vorstellungen: täglich außer sonntags bis 26. Juni 2008).

Das Musical von Anthony Drewe (Buch & Text) und George Stiles (Musik), das auf Hans Christian Andersens Märchen vom hässlichen Entlein beruht, wurde erstmals im Dezember 1993 im Watermill Theatre unter dem Titel “The Ugly Duckling, or The Aesthetically Challenged Farmyard Fowl” aufgeführt. 1997 feierte die Show als “Honk!” ihre Premiere im Stephen Joseph Theatre in Scarborough, England. 1999 ging die London-Premiere im Royal National Theatre über die Bühne. Im Jahre 2000 wurde “Honk!” in London als Bestes Neues Musical mit einem Laurence Olivier-Award ausgezeichnet und setzte sich damit gegen Shows wie “The Lion King” durch. Neben dem Laurence Olivier-Award wurde “Honk!” mit dem FNB VITA Award in Südafrika und dem Elliot Norton Award in den USA ausgezeichnet. 2001 tourte die Show (in der Version des National Theatre) durch England und wird immer wieder von Schulen und lokalen Theatergruppen aufgeführt.

Leading Team
Anthony Drewe (Buch & Text)
George Stiles (Musik)
frei nach Hans Christian Andersens »Das hässliche Entlein«
Deutsch von Stephan Kopf, Zelma und Michael Millard

Regie: Henry Mason
Musikalische Leitung: Gerald Schuller
Bühne: Judith Leikauf und Karl Fehringer
Kostüme: Jan Hax Halama
Choreographie: Alonso Barros

Cast
Susanne Altschul, Melanie Bayer, Sabine Bina, Hannes Drobetz, Tania Golden, Sophie Hassfurther, Jürgen Kapaun, Peter Kratochvil, Reinhold G. Moritz, Robert G. Neumayr, Martin Niedermair, Robert Pistracher, Bettina Reifschneider, Gerald Schuller, Andreas Siman, Sigrid Spörk, Roman Straka

Der Inhalt des Stücks
Der Frühling ist auch im Entenstall angekommen. Im Nest von Enterich Drake und Entenmutter Ida liegt dieses Jahr ein ungewöhnlich großes Ei. Heraus schlüpft ein hässliches Tier, das mit seinen Geschwistern wenig gemeinsam hat und außerdem statt des erwarteten “Quak” ein seltsames “Honk!” von sich gibt. Ida kümmert sich um “Gnomy”, das hässliche Entlein, wie um ihre eigenen Kinder und freut sich, dass es besonders gut schwimmen kann. Alle anderen Tiere auf dem Bauernhof, die eigene Familie eingeschlossen, machen sich lustig. Kater Tom lädt das hässliche Entlein zum “Essen” ein. Knapp schafft es die Flucht und lernt dabei die eingebildete Gans Greylag kennen. Fern von zu Hause, lebt das hässliche Entlein bei den Hühnern Lowbutt und Queenie. Erst im nächsten Frühjahr ist die Suche nach der Mutter, mithilfe des schönen Schwans Penny, erfolgreich - gerade rechtzeitig für die triumphale Rückkehr auf den Bauernhof.

George Stiles & Anthony Drewe
George Stiles wurde 1961 in England geboren und hat mit seinem ehemaligen Studienkollegen, dem Autor Anthony Drewe, die Shows “Tutankhaum”, “Just so” (produziert von Cameron Mackintosh und 1985 ausgezeichnet mit dem Vivian Ellis Prize), “Peter Pan”, “Soho Cinders”, “Tom Jones”, “Moll Flanders”, “The Card”, “A Twist of Fate”, “Twelfth Night” und “Honk!” entwickelt und komponiert. Anthony Drewe arbeitet auch als Schauspieler. In George Stiles Musical “Die drei Musketiere” spielte er die Rolle des Porthos. Gemeinsam sind sie Gründungsmitglieder der Mercury Musical Developments, die sich die Förderung und Ausbildung junger Musicalmacher zum Schwerpunkt gesetzt hat. Außerdem schreiben sie Revuen und Songs für Fernsehen, Radio und Theater. Ihre Arbeiten haben nicht nur die Aufmerksamkeit von Steven Spielberg erweckt, der sich die Filmrechte an “Just so” sicherte, sondern begeistern Zuschauer u. a. in Kanada, den USA, Deutschland, Russland, Israel, Singapur und Südafrika.

Volksoper Wien: “Die Weberischen” im ORF

Eines kann man Volksoperndirektor Robert Meyer mit Sicherheit nicht absprechen, nämlich dass er es versteht, publicityträchtige Aktionen zu setzen. Noch ist es nicht soweit, dass Musicals live im ORF gesendet werden (vielleicht ja 2038), aber am 31. Mai 2008 werden in ORF 2 live (zeitversetzt ab 22:50 Uhr, also eigentlich ja nicht live, aber Schwamm drüber) “Die Weberischen” zu sehen sein - musikalisches Unterhaltungstheater (das der eine oder andere gerne als Musical bezeichnen kann und soll, und andere eben nicht, wie beispielsweise die Wiener Volksoper) mit den Tiger Lillies, Robert Meyer (Schikaneder/Cilly), Ulrike Beimpold (Josefa), Anne Weber (Aloisia), Tanja Schleiff (Konstanze) und Ruth Brauer-Kvam (Sofie).

Update 19. Mai 2008
Mittlerweile wurde der Sendetermin der Aufzeichnung aus der Volksoper auf den 7. Juni 2008 (ORF 2) verschoben.

Volksoper Wien: “Guys and Dolls” (Premiere)

1. März 2009
19:00bis22:00

Am 1. März 2009 feiert in der Wiener Volksoper “Guys and Dolls”, ein Musical von Frank Loesser (Musik), Abe Burrows und Jo Swerling (Buch), basierend auf einem Stoff des österreichisch-ungarischen Autors Felix Salten, Premiere.

Die Uraufführung von “Guys and Dolls” fand am 24. November 1950 im 46th Street Theatre in New York statt, die deutschsprachige Erstaufführung ging am 26. Mai 1969 im Theater Bremen über die Bühne.

Zur Einstimmung auf die neue Musicalproduktion der Wiener Volksoper findet am 25. Februar 2009 die Soiree “Zwischen Broadway und Hollywood - Die Welt des Frank Loesser [1910-1969]”, gestaltet und moderiert von Christoph Wagner-Trenkwitz, statt.

Guys and Dolls

Leading Team
Deutsche Fassung von Alexander Kuchinka (Liedtexte)
und Christoph Wagner-Trenkwitz (Dialoge)
Regie: Heinz Marecek
Dramaturgie: Christoph Wagner-Trenkwitz
Bühnenbild: Sam Madwar
Kostüme: Ingrid Erb
Dirigent: Joseph Olefirowicz
Choreographie: Ramesh Nair

Cast
Sigrid Hauser: Miss Adelaide
Johanna Arrouas/Dagmar Bernhard: Miss Sarah Brown
Axel Herrig/Reinwald Kranner: Sky Masterson
Marko Kathol: Nicely-Nicely Johnson
Robert Meyer: Nathan Detroit
Sà¡ndor Nà©meth: Arvide Abernethy
Gernot Kranner: Benny Southstreet
Stefan Cerny: Rusty Charlie
Regula Rosin: General Matilda Cartwright
Gerhard Ernst: Big Jule

Voraufführung: 27. Februar 2009
Premiere: 1. März 2009
Weitere Vorstellungen: 3., 5., 6., 9., 14., 17., 18., 26., 29. März 2009; 1., 3., und 8. April 2009
Werkeinführungen mit Christoph Wagner-Trenkwitz eine halbe Stunde vor der Vorstellung im Pausenfoyer ab 3. März 2009

Fair enough - “My Fair Lady” an der Wiener Volksoper 2008

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

“Mein Gott, “My Fair Lady” ist doch ein MUSICAL!” Unglaublich, dass niemand in der Volksoper das zumindest mal leise vor sich hingemurmelt hat, am vergangenen Donnerstag, dem 3. April 2008, als “My Fair Lady” nach viereinhalb Jahren Pause wieder in das Haus am Währinger Gürtel einzog. Vielleicht haben es sich einige wenigstens gedacht. “My Fair Lady” ist kein Schauspiel mit Musik, es ist, wenn schon, Schauspiel mit Gesang, nicht mit Sprechgesang, oder wenn, dann von einer Güte, die ein Peter Matic (Oberst Pickering) liefert, bei dem jeder vorgetragene Text wie Musik klingt. Liest man sich die Kritiken der Tagespresse zu “My Fair Lady” durch, so scheint alles okay gewesen zu sein, bei der offiziellen Premiere der Neueinstudierung eines jener typischen Musical-Schlachtschiffe, die seit Jahrzehnten das “klassische” Musical weltweit am Leben halten.

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Auch diese Version wird wohl einige Jahre im Haus am Währinger Gürtel laufen, und vermutlich wird jede Vorstellung restlos ausverkauft sein, und das auch durchaus mit einiger Berechtigung, nur: Ein wirkliches “Musical” habe ich zumindest nicht gehört.

In der Wiener Volksoper hat man sich castingmäßig zu einem Publicity-Stunt entschlossen. An jenem 3. April 2008 war das Haus der kleinste gemeinsame Nenner von Burgtheater, Volkstheater, Josefstadt und den Vereinigten Bühnen Wien, Volksoper und Staatsoper - gesponsert von der Raiffeisen Bank. Wer kommt von wo?

Katharina Straßer (Eliza Doolittle): Volkstheater
Herbert Föttinger (Henry Higgins): Theater in der Josefstadt (Direktor)
Peter Matic (Oberst Pickering): Burgtheater
Robert Meyer (Alfred P. Doolittle): Volksoper (Direktor)
Lukas Perman (Freddy Eynsford-Hill): Vereinigte Bühnen Wien
Louise Martini (Mrs. Higgins): Theater in der Josefstadt
Ulli Fessl (Mrs. Pearce): Burgtheater
Chor und Orchester der Volksoper Wien
Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper
Bühnenorchester der Wiener Staatsoper

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

Wie schon bei “Cabaret” (in der Produktion des Volkstheaters 2007) habe ich mit Katharina Straßer ein kleines Problem. Schauspielerisch ist die Rolle der Eliza bei ihr in guten Händen. Im Vergleich zu Dagmar Koller, zu einer ihrer Vorgängerinnen in dieser Rolle, ist sie fast schon burschikos, das ist auf eine bestimmte Art und Weise sehr ansprechend. Ihre Handhabung des Wiener Dialekts ist entzückend, wie sie das Blumenmädchen und die anglernte Lady spielt, schauspielerisch top. Andererseits ist Straßer stimmlich der Rolle einfach nicht gewachsen. Natürlich kann man das Konzept verfolgen, eher Schauspielerinnen als Musicaldarstellerinnen in dieser Rolle zu besetzen, nicht jedem muss das aber gefallen. Herrliche Musicalmelodien verpuffen ins
Nichts, wenn solche Stimmen sie singen. Statt Gänsehaut zu bekommen, muss man sich räuspern, wenn Refrains fast schon ins Krächzen driften. Man kann das nicht mal verhindern. Wie unendlich schade ist es, wenn man gerade die Eliza nicht mit einer wunderbaren Sängerin besetzt. Ich meine damit keine operettenhaften Stimmen, sondern Musicalstimmen. Es gibt sie, wir haben sie, nehmt sie doch, besetzt sie.

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

Robert Meyer als Müllkutscher Alfred P. Doolittle war der Star des Abends. Mehr Szenenapplaus, mehr Bravo-Rufe konnte keiner abstauben. Und das mit Recht. Er spielt Lerner-Loewe als wär es Nestroy-Raimund. Passt, könnte man sagen. Seine Songs bringt er wie Couplets, da ist einiges geschickt auf Showstopper angelegt, und mit Routine und Ausstrahlung gestaltet er die Rolle in der “Wiener Fassung” von “My Fair Lady” souverän, ohne jetzt eine besondere Charaktertiefe aufzeigen zu können.

Herbert Föttinger gibt den Sprachforscher Higgins als modernen Single, ruppig, eigenbrötlerisch, weit weniger charmant als beispielsweise ein Michael Heltau, ein bisschen fehlt ihm dessen Funkeln, aber er hat andere Qualitäten und lässt erst gar nicht den Gedanken aufkommen, dass es sich bei ihm und Eliza um eine platonische Liebe handeln könnte. “My Fair Lady” wird da ganz unverblümt gedeutet. Da spielt kein Grandseigneur, sondern ein echter Kerl, der auch zupackt. Vielleicht fehlen manchmal die ganz leisen Zwischentöne.

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

Lukas Perman ist, so unglaublich es klingt, der einzige tatsächliche Musicaldarsteller dieser Neueinstudierung. Er gestaltet den Freddy als verliebten schmachtenden Träumer und singt, wie man Musicals singen sollte. Und er hat den, wie es “American Idol”-Star Simon Cowell formulieren würde, X-Factor, er hat Ausstrahlung, er weiß seine stimmliche Ausdruckskraft zwischen Pop und Musical fein zu nuancieren, ohne je gekünstelt zu wirken.

Mit Louise Martini ist eine tatsächliche Lady im Ensemble. Die Rolle der Mrs. Higgins ist gleichzeitig ihr Debüt an der Volksoper. Ihre Performance ist makellos. Peter Matic als Oberst Pickering schließlich ist quasi ihr männliches Pendant, eine stets fein nuanciert agierende Theatergröße, exaktest in der Diktion, jedes Wort ist da verständlich bis in die letzte Reihe des Theaters.

Tanzszenen gibt es, sie fallen nicht sonderlich auf, und das ist wohl gut so, denn da, wo sie auffallen, wirken sie schrecklich banal und ohne Esprit.

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

Am Ende des Abends war das Orchester ein wenig erschlafft, so scheints. Ein wenig mehr, so ein Zitat aus “My Fair Lady”, Pfeffer im Arsch, wäre gerade gut genug gewesen, um die Lady zum Finale schwungvoll in die Arme von Higgins zu begleiten. Nur mühsam kann man sich bei solchen Szenen zurückhalten, nicht doch zu versuchen, ein wenig anzutauchen, dem Dirigenten zuzurufen: “Und jetzt: Tempo, hopp!”. Am liebsten würde man mitdirigieren - aber es hilft alles nichts.

Ein Hit, soviel ist sicher, das ist das Fazit der Tagespresse, und dem kann man durchaus zustimmen. Wien ist derzeit bis auf die Volksoper praktisch musicallos. Im Raimund Theater läuft ein Rockvarietà©, ins Ronacher kommt eine Show, die musikalisch im Vergleich zu “My Fair Lady” wie aus einer anderen, längst vergangenen Epoche stammt, bleiben also die interessanten kleinen Produktionen und - “My Fair Lady”.

»My Fair Lady«
Musical in zwei Akten
nach Bernard Shaws “Pygmalion” und dem Film von Gabriel Pascal
Alan Jay Lerner (Buch und Texte)
Frederick Loewe (Musik)
Volksoper Wien: Premiere: Donnerstag, 3. April 2008, 19:00 Uhr

Leading Team
Textliche Einrichtung: Alexander Steinbrecher und Hugo Wiener nach der deutschen Übersetzung von Robert Gilet
Regie: Robert Herzl
Bühnenbild: Rolf Langenfass
Kostüme: Rolf Langenfass
Choreinstudierung: Thomas Böttcher
Choreographie: Susanne Kirnbauer, Gerhard Senft
Dirigent: David Levi
Musikalische Studienleitung: Gerrit Prießnitz
Regieassistenz und Abendspielleitung: Monika Steiner
Einstudierung der Tanzeinlagen und choreographische Assistenz: Lili Clemente, Ivan Lukas
Inspizienz: Elisabeth Schubert, Celia Olszewski
Souffleur: Rebecca Bedjai
Kostümassistenz: Jennifer Podehl
Techische Gesamtleitung: Friedemann Klappert
Technische Einrichtung: Andreas Tuschl
Technische Mitarbeit: Oliver Sturm, Lena Lentz
Ton und Multimedia: Martin Lukesch
Beleuchtung: Wolfgang Könnyü
Leitung Kostümabteilung: Doris Engl
Leitung Maske: Peter Köfler
Produktionsbetreuung Dekoration: Herbert Kienast
Produktionsbetreuung Kostüme: Christiane Burkhardt

Cast
Eliza Doolittle: Katharina Straßer
Mrs. Higgins: Louise Martini
Mrs. Pearce: Ulli Fessl
Mrs. Eynsford-Hill: Regula Rosin
Mrs. Higgins’ Zofe: Manuela Culka
Henry Higgins: Herbert Föttinger
Oberst Pickering: Peter Matic
Alfred P. Doolittle: Robert Meyer
Freddy Eynsford-Hill: Lukas Perman
Harry: Stefan Cerny
Jamie: Joseph Prammer
Butler: Hermann Lehr
Erster Obsthändler: Frederick Greene
Zweiter Obsthändler: Christoph Neumüller
Dritter Obsthändler: Heinz Fitzka
Vierter Obsthändler: Raimund-Maria Natiesta
Erste Zofe: Maja Wambersky
Zweite Zofe: Christiana Costisella
Dritte Zofe: Elisabeth Musger
Ester Diener: Thomas Tischler
Zweiter Diener: Tibor Levay
Blumenmädchen: Klaudia Nagy
Chor und Orchester der Volksoper Wien
Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper
Komparserie und Kinderkomparserie der Volksoper Wien
Bühnenorchester der Wiener Staatsoper

Markus Neugebauer als “Joseph” in der Wiener Stadthalle

Bei der ORF-Castingshow “Musical! Die Show” reichte es nicht zum Sieg, aber beim Casting in der Musical-Realität konnte Markus Neugebauer überzeugen. Er spielt in Andrew Lloyd Webbers Musical “Joseph and the amazing technicolor dreamcoat” im Herbst 2008 die Hauptrolle - in jener Produktion, die vom 1. bis 19. Oktober in der Wiener Stadthalle zu sehen ist. Tickets sind bereits erhältlich.

“Musical-Gebete”: Markus Dinhobl live in Wien, Wiener Neustadt und Stuttgart

Copyright: Markus Dinhobl/Rouven Guth“bitten. klagen. suchen. fragen. Wenn Männer mit dem Schöpfer ringen”, so nennt Musicaldarsteller Markus Dinhobl (”Jekyll & Hyde”, Wien; “Jesus Christ Superstar”, Bad Hersfeld; “Evita”, Bremen, “Elisabeth”, Stuttgart, “Les Misà©rables”, Bad Hersfeld, “Nicht von dieser Welt”, Stuttgart) sein Soloprogramm, das am 21. Mai 2008 in Wiener Neustadt Premiere feiern wird und danach auch in Wien (Donaucitykirche) und Stuttgart (Karl-Adam-Haus (KHG)) zu sehen ist.

An entscheidenden Punkten im Leben wenden sich die Menschen an Gott. Mit ihren Sorgen und Ängsten, ihren Zweifeln und Fragen, in Jubel oder Trauer. Auch viele Musicalfiguren tun das. Markus Dinhobl bietet einen besinnlichen Abend mit “Musical-Gebeten”.

Copyright: Markus Dinhobl/Rouven Guth

Termine
Mi, 21. Mai 2008, 20 Uhr
Wiener Neustadt, Neuklosterplatz
Neukloster, Barocksaal/Bernardisaal

Fr, 23. Mai 2008, 20 Uhr
Wien, UNO-City
Donaucitykirche

Mi, 28. Mai 2008, 20 Uhr
Stuttgart, Hospitalstr. 26
Karl-Adam-Haus (KHG)

Informationen zur Kartenreservierung demnächst auf der Website von Markus Dinhobl.

Universität für Musik und Darstellende Kunst: A Funny Thing happened on the Way to the Forum (Premiere)

14. Mai 2008
19:00bis22:00

Universität für Musik und Darstellende Kunst: A Funny Thing happened on the Way to the Forum (Premiere)
Mittwoch, 14. Mai 2008, 19:00 Uhr (Premiere)
Weitere Vorstellungstermine: 15. Mai und 16. Mai 2008, 19:00 Uhr
Neue Studiobühne, 14, Penzingerstraße 7-9

A Funny Thing Happened on the Way to the Forum
Musik/Texte: Stephen Sondheim
Buch: Burt Shevelove, Larry Gelbart
Inszenierung: Michael Mohapp
Musikalische Leitung: Jürgen Tauber
Aufführung des Instituts für Gesang und Musiktheater/Musical

Neue Studiobühne, 14, Penzingerstraße 7-9
Tickets ab 7. Mai 2008: +43 1 711 55-2702 (Ursula Schmiedpeter)
Mail: schmiedpeter@mdw.ac.at

Stadthalle Wien, Halle F: Jesus Christ Superstar (20.3.2008)

Jesus: Drew Sarich
Judas: Serkan Kaya
Simon/Annas: Rob Fowler
Maria Magdalena: Caroline Vasicek
Pilatus: Andrà© Bauer
Petrus: Roman Straka
Soulgirls: Jacqueline Braun, Kathleen Bauer, Tina Schöltzke
King Herod: Jacqueline Braun
Kaiphas: Karsten Kammeier

Copyright: Martin Bruny
Copyright: Martin Bruny
Copyright: Martin Bruny
Copyright: Martin Bruny
Copyright: Martin Bruny

April 2008: Premiere für “My Fair Lady” an der Wiener Volksoper

Copyright: Dimo Dimov / Volksoper

Am 15. März 1956 feierte »My Fair Lady«, ein Musical von Alan Jay Lerner (Buch und Texte) und Frederick Loewe (Musik), im Mark Hellinger Theatre seine Broadway-Premiere. Rex Harrison und Julie Andrews spielten die Titelrollen und wurden vom Publikum gefeiert. Bis 1962, 2717 Vorstellungen lang, war “My Fair Lady” am Broadway zu sehen, Melodien wie »The Rain In Spain / Es grünt so grün« oder »I Could Have Danced All Night / Ich hätt getanzt heut Nacht« gingen nicht zuletzt dank der Verfilmung (aus dem Jahre 1964) mit Audrey Hepburn und Rex Harrison um die Welt.

Über 350 Mal wurde der Welterfolg in einer wienerischen Fassung an der Volksoper gespielt. Peter Minich, Hans Kraemmer, Kurt Huemer und Michael Heltau sorgten mit ihren Interpreatationen des Henry Higgins für volle Häuser. Als Eliza waren Dagmar Koller, Helga Papouschek, Luzia Nistler, Guggi Löwinger, Julia Stemberger und Martina Dorak im Laufe der Jahre zu sehen.

Im April 2008 wird das populäre Musical nach einer vierjährigen Pause von Robert Herzl mit zahlreichen Volksoperndebütanten neu einstudiert. Die musikalische Leitung hat David Levi inne. Die Besetzung: Von der Josefstadt kommen Louise Martini als Mrs. Higgins und Direktor Herbert Föttinger als grantelnder Phonetik-Professor Henry Higgins an den Währinger Gürtel. Katharina Straßer, Schauspielerin des Volkstheaters, Nestroy-Nachwuchspreisträgerin und Shootingstar, verwandelt sich unter Higgins’ Anleitung vom mittellosen, rotzfrechen Blumenmädchen in eine elegante und geheimnisvolle Schönheit. Alternierend mit ihr wird das beliebte Ensemblemitglied der Volksoper Johanna Arrouas die Eliza geben. Das Burgtheater ist vertreten durch Peter Matic als Higgins’ distinguierter Freund Oberst Pickering und Ulli Fessl als Haushälterin Mrs. Pearce. Musicalstar Lukas Perman kämpft als Freddy um Elizas Gunst. Einziger Nicht-Debütant dieser Neueinstudierung ist Volksoperndirektor Robert Meyer als Elizas trunksüchtiger Vater Alfred P. Doolittle.

Cast
Katharina Straßer / Johanna Arrouas (Eliza Doolittle)
Herbert Föttinger (Henry Higgins)
Peter Matic / Josef Luftensteiner (Oberst Pickering)
Robert Meyer (Alfred P. Doolittle)
Louise Martini (Mrs. Higgins)
Ulli Fessl (Mrs. Pearce)
Lukas Perman (Freddy Eynsford-Hill)
Regula Rosin (Mrs. Eynsford-Hill) u. a.

Premiere: Donnerstag, 3. April 2008, 19:00 Uhr
Weitere Vorstellungen am 5., 9., 11., 17., 20., 28., 30. April 2008, 1., 3., 11., 12. Mai 2008

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