Archiv - Pop
Martin Bruny am Freitag, den
8. Dezember 2006 um 16:42 · gespeichert in Pop, Awards
Dieser Tage wurden die Nominierungen für die Grammy-Awards 2007 bekanntgegeben. Die Kandidaten in den musicalrelevanten Kategorien:
Best Traditional Pop Vocal Album:
Tony Bennett
“Duets: An American Classic” (RPM Records/Columbia)
Michael Bublà©
“Caught in the Act” (143-Reprise)
Sarah McLachlan
“Wintersong” (Arista Records/Nettwerk)
Bette Midler
“Bette Midler Sings The Peggy Lee Songbook” (Columbia)
Smokey Robinson
“Timeless Love” New Door Records)
Best Musical Show Album:
“The Color Purple”
(Jay David Saks, producer; Stephen Bray, Brenda Russell & Allee Willis, composers/lyricists (Original Broadway Cast With LaChanze, Elisabeth Withers-Mendes & Others) (Angel Records)
“The Drowsy Chaperone”
(Kurt Deutsch, Joel Moss & Phil Reno, producers; Lisa Lambert & Greg Morrison, composers/lyricists (Original Broadway Cast With Bob Martin, Sutton Foster, Beth Leavel & Others) (Ghostlight)
“Jersey Boys”
(Bob Gaudio, producer (Bob Gaudio, composer; Bob Crewe, lyricist) (Original Broadway Cast With Christian Hoff, Daniel Reichard, J. Robert Spencer, John Lloyd Young & Others) (Rhino)
“The Pajama Game”
(Harry Connick, Jr. & Tracey Freeman, producers (Richard Adler & Jerry Ross, composers/lyricists) (New Broadway Cast With Harry Connick, Jr., Kelli O’Hara & Others) (Columbia)
“Sweeney Todd — The Demon Barber of Fleet Street”
(Tommy Krasker, producer (Stephen Sondheim, composer/lyricist) (Broadway Cast With Patti LuPone, Michael Cerveris & Others) (Nonesuch)
Best Song Written For Motion Picture, Television Or Other Visual Media
(A Songwriter(s) award. For a song (melody & lyrics) written specifically for a motion picture, television or other visual media, and released for the first time during the Eligibility Year. Singles or Tracks only.)
“Can’t Take It In” (From “The Chronicles Of Narnia - The Lion, The Witch & The Wardrobe”) Imogen Heap, songwriter (Imogen Heap) (Walt Disney Records; Publishers: Walt Disney Music, Rondor Music.)
“I Need To Wake Up” (From “An Inconvenient Truth”) Melissa Etheridge, songwriter (Melissa Etheridge) (Island Def Jam; Publisher: Songs of Ridge Road.)
“Our Town” (From “Cars”) Randy Newman, songwriter (James Taylor) (Walt Disney Records/Pixar; Publishers: Walt Disney Music, Pixar Talking Pictures.)
“There’s Nothing Like A Show On Broadway” (From “The Producers”) Mel Brooks, songwriter (Nathan Lane & Matthew Broderick) (Sony Classical; Publisher: Mel Brooks Music.]
“Travelin’ Thru” (From “Transamerica”) Dolly Parton, songwriter (Dolly Parton) (Nettwerk Records; Publisher: Velvet Apple Music.)
Eine Liste aller Nominierungen bietet Al.com.
Martin Bruny am Montag, den
27. November 2006 um 16:52 · gespeichert in Listen, Pop, Awards
01) Timbaland
Nelly Furtado: Loose (CD)
Justin Timberlake: FutureSex/LoveSounds (CD)
Pussycat Dolls: “Wait A Minute” (Song)
02) Stargate
Ne-Yo: “So Sick” (Song)
Rihana: “Unfaithful”(Song)
Beyonce: “Irreplaceable” (Song)
03) Rick Rubin
Johnny Cash: American V: A Hundred Highways (CD)
Red Hot Chili Peppers: Stadium Arcadium (CD)
Dixie Chicks: Taking The Long Way (CD)
Justin Timberlake: “(Another Song) All Over Again” (Song)
04) Linda Perry
James Blunt (Back to Bedlam/US-Release)
Christina Aguilera: Back To Basics (CD)
05) Scott Storch
Paris Hilton, Brooke Hogan, LL Cool J, JoJo, …
06) Rob Cavallo
Jewel: Goodbye Alice In Wonderland (CD)
My Chemical Romance: The Black Parade (CD)
07) will.i.am
Pea Fergie: The Dutchess (CD)
08) Billy Mann
Pink: “Stupid Girls” (Song)
Teddy Geiger: “For You I Will (Confidence)” (Song)
09) Jermaine Dupri
Janet Jackson: 20 Y.O. (CD)
Dem Franchize Boyz: On Top Of Our Game (CD)
Monica: The Makings Of Me (CD)
10) Swizz Beatz
Beyonce: B’Day (CD), The Game, JoJo
[Quelle]
Martin Bruny am Sonntag, den
26. November 2006 um 16:54 · gespeichert in Pop, Newcomer
“I tried to be like Grace Kelly/But all her looks were too sad.” Manchmal kann man den Charme eines Songs oder einer Interpretation eines Songs nicht mal annähernd beschreiben. Der Sänger und Komponist Mika ist 22 Jahre alt. Schon allein seine genaue Identität ist geheimnisumwoben. Seinen vollständigen Namen verrät er nicht. Geboren im Libanon, flüchteten seine Familie und er während des Kriegs nach Paris, danach zog man nach London um. Mika war damals neun Jahre alt - und ein Außenseiter. Die Schule gab er schon bald auf und besuchte stattdessen die Royal Opera School. Sein Bühnendebüt gab er als Chormitglied in einer Produktion der Richard-Strauss-Oper “Die Frau ohne Schatten”. Mika verlangt von seinen Songs vor allem eines: Sie müssen einzigartig sein. Da scheint er ja schon mal am richtigen Weg zu sein. [Interview mit Mika]
Martin Bruny am Donnerstag, den
23. November 2006 um 16:57 · gespeichert in Flicks, Musical, Pop
Dieser Tage startet in den USA die Kinoverfilmung des Musicals “Dreamgirls”. “Dreamgirls” am Broadway - damit verbinden Musicalfans vor allem eines: die eindringliche gesangliche Leistung der damals gerade 21-jährigen, völlig unbekannten Jennifer Holliday. Sie wurde 1982 für ihre Interpretation der “Effie” mit einem Tony Award in der Kategorie “Best Actress” und zwei Grammy Awards ausgezeichnet. “And I am telling you” in ihrer Version wurde zum Klassiker, Holliday startete zu einer Karriere als R’n'B-Sängerin durch … und dann wurde es ruhig um sie. Ruhig deshalb, weil sie von ihrer Plattenfirma fallengelassen wurde. Und das nicht unbedingt wegen schlechter Verkaufszahlen. Holliday war ihrem Arbeitgeber zu dick geworden. 154 Kilo brachte die Sängerin in ihren stärksten Zeiten auf die Waage. Ohne Plattenvertrag dazustehen war für Holliday wie ein Todesurteil. Sie wurde depressiv, nahm eine Überdosis Schlaftabletten, überlebte den Selbstmordversuch und lernte im Laufe von vielen Jahren, ihre Krankheit zu überwinden.
Nicht ganz hatte sie die Hoffnung aufgegeben, in der Verfilmung von “Dreamgirls” mitzuwirken. Allein, man hat sie nicht einmal kontaktiert, ob sie in irgendeiner Form mitwirken wollen würde. Im Trailer zu der Verfilmung allerdings wurde sechs Monate lang ihre Version von “And I am telling you” verwendet.
Ein bisschen stolz ist die Sängerin darauf, dass ihr legendärer Tony-Award-Auftritt von 1982 bei YouTube der Renner schlechthin ist. Holliday in einem Interview: “I’m glad about [it’s] showing my Tony performance because that way the public can see that I did it first and that this is being copied.”
Martin Bruny am Montag, den
23. Oktober 2006 um 17:38 · gespeichert in Pop

Starmania ist derzeit wieder populär. Zwar scheinbar nicht ganz so ausgesprochen populär wie bei der ersten Staffel, nicht mal so sehr wie bei der zweiten Staffel, aber sagen wir mal Starmania ist wieder mal ausgebrochen. Die Klatschmedien des Landes versuchen krampfhaft - und vergeblich - ein paar kleine Skandälchen der neuen Kandidaten auszuforschen, so war auf ATV zu sehen, dass eine der (mittlerweile Ex-)Kandidatinnen im Feuerwehrkalender 2007 recht spärlich bekleidet posiert hat. Jo mei. Klatschpostillen berichten über die katastrophalen Auswirkungen, die ein Karriereknick auf Menschen haben kann, so landete einer der Kandidaten der ersten Staffel erst jüngst in der Psychiatrie. “Was wurde aus …” ist sowieso immer und überall eines der beliebtesten Spielchen.
Was wurde aus … Michael Tschuggnall, dem Gewinner der ersten Staffel von Starmania? Wir erinnern uns, er hat mit dem selbst komponierten Lied “Tears of happiness” gepunktet, als Siegesprämie wurde von “Starproduzent” Peter Wolf in Los Angeles diesem Song die Seele geraubt, und auch der erste Longplayer von Michael Tschuggnall konnte nicht wirklich in den Charts punkten (das Erscheinen eines zweiten wurde dann gar nicht mehr wahrgenommen).
Warum das so ist? Aus den Songs des Sängers ist das gar nicht mal erschließbar, denn die haben zu einem Großteil internationales Format. Ob es etwas mit den berühmt-berüchtigten Starmania-Verträgen zu tun hat, die die Künstler für Jahre an den ORF binden und ihnen nicht viel Entscheidungsfreiheit lassen? Das müsste Michael Tschuggnall selbst einmal darlegen, beispielsweise in einem Interview, in dem er nicht die Kandidaten der aktuellen Staffel beurteilt, sondern einmal ein bisschen mehr über die Hintergünde seiner verhinderten Karriere plaudert.
Wie auch immer, vor einigen Tagen gab Michael Tschuggnall im Bösendorfersaal ein Konzert in intimem Rahmen, vor an die 70 Zuschauern. Natürlich ist kein Geld für Promotion da, Plakate kann man sich nicht leisten, in den jüngsten Berichten über Tschuggnall anlässlich des Starts der neuen Starmania-Staffel wurde mit keinem Wort eben dieses Konzert erwähnt. So war der kleine, aber feine Bösendorfersaal zwar gut, aber nicht sehr gut gefüllt. Tschuggnall bezeichnete dieses Konzert als quasi Schlusspunkt und Anfang. Als Schlusspunkt hinter seiner “Karriere”, die vor drei Jahren mit dem Starmania-Sieg begonnen hat, und als Anfang … Ja, wovon? Gerüchteweise konnte man lesen und hören, dass der Sänger wieder zu studieren begonnen hat, also quasi den Job des Performers an den Nagel hängt. Ein Dementi gabs beim Konzert nicht, eher im Gegenteil. Da hört dann der geübte Starmania-Fan die Stimme von Markus Spiegel im Hinterkopf, der dröhnend-süffisant zu bedenken gibt, dass es nur jene schaffen werden, die auch den unbedingten Willen haben, auf der Bühne zu stehen. Aber was hilft das alles, wenn man Miete zahlen muss und eine erkennbare Perpektive im Leben auch eigentlich zu schätzen weiß?
Tschuggnalls Problem sind auf keinen Fall seine Songs. Lieder wie “Book of love” müssten es bei der aktuellen Melodiearmut in den Charts mit Leichtigkeit in die Hitparaden schaffen. Tschuggnall, als einer der Piano-Men des Pop-Business, wandelt mit seinen oft melancholischen Songs ein wenig auf den Spuren eines Joshua Kadison. Joshua Kadison hat sich nach ein paar Welthits (beispielsweise “Jessie”) von der Bühne zurückgezogen und lebt seit Jahren in Malibu am Strand. Er singt natürlich nach wie vor, seine Songs stellt er großteils gratis ins Netz. Ein Comeback-Versuch ging erst vor wenigen Wochen in Deutschland in Form einer Mini-Tournee über die Bühne, aber obs was wird?
Tschuggnall ist keine Rampensau, und das ist noch untertrieben - und das ist Teil seines Problems. Er wirkt beim Performen sehr introvertiert, verschmilzt ganz mit seinen Songs und seinem Klavier. Das muss an sich kein Nachteil sein, wenn sich diese Art des Interpretierens auf ein paar Songs beschränkt. Ein ganzes Konzert so durchzuziehen, kann allerdings wenig mobilisierend wirken.

Vielleicht hätte Tschugnall aber auch mehr Chancen, wenn er der Melancholie seiner Songs Texte zur Verfügung stellen würde, die ungefähr die gleiche Richtung einschlagen und in deutscher Sprache verfasst sind: etwas, was ans Herz geht. Das könnte klappen, muss aber nicht. Musterbeispiel dafür: Manual Ortegas neue CD “Angekommen”. Ortega, von einer megamäßigen Promotionwelle in alle Medien dieses Landes gespült, konnte es trotz einer im Wiener Dialekt gehaltenen CD nicht schaffen, in den Charts nachhaltig zu punkten. Was ihn noch mit Tschuggnall verbindet? Das fehlende Konzept einer Bühnenshow. Nur auf der Bühne zu stehen und sympathisch rüberzukommen, ist zu wenig - sowohl bei Tschuggnall, der wie ein Häschen die ganze Zeit still am Piano sitzt, als auch bei Ortega, der wie eine Wirbelwind die ganze Zeit über die Bühne fegt, aber keinerlei Bühnenpräsenz in jenen Phasen des Konzerts erkennen lässt, in denen Moderation angesagt ist. Nicht umsonst nehmen viele Performer Schauspielunterricht, um gerade in diesen viel entscheidenden Phasen authentisch über die Bühne zu kommen.
Michael Tschugnall freilich ist noch jung, und egal, was sein Umfeld ihm einredet, er sollte seinen Traum durchziehen und weiter Musik machen, weiter Konzerte geben, weiter CDs einspielen. Irgendwann ist auch Starmania nur mehr Geschichte.
Martin Bruny am Dienstag, den
26. September 2006 um 18:30 · gespeichert in Theater, Pop, Fotos

Ein Doppelkonzert, das stand am Programm des Theaters am Spittelberg vor rund einer Woche, am 15. September 2006. Den ersten Teil des Abends gestalteten Anne-Marie Höller und Mario Berger mit ihrem Programm “Die 20 schönsten Lieder der Welt”, den zweiten Teil Tini Kainrath & Geri Schuller mit “A Tribute To Burt Bacharach”.
“Die 20 schönsten Lieder”, das hört sich an wie die gesammelten Schmachtfetzen der letzten 40 Jahre, tatsächlich jedoch war die Songauswahl eine ganz andere. Songs aus Frankreich, Spanien, Portugal, eine wahre Vielfalt an Musikstilen und Sprachen, das wurde in der ersten Stunde dieses kurzweiligen Abends geboten. Mario Berger gilt als einer der besten Gitarristen (zumindest) Österreichs. Es gibt kaum eine heimische Popgröße, die er nicht schon live oder im Studio begleitet hat. Er war mit Georg Danzer, Rainhard Fendrich, Mo, Joe Zawinul und vielen anderen auf Tour, komponierte für Sandra Pires, Marianne Mendt, Manuel Ortega, … Ihm zuzuhören ist immer wieder ein Vergnügen, im Duo mit Anne-Marie Höller gestaltete er ein relaxtes Konzert zwischen Soul und Jazz über Chansons und lateinamerikanische Musik bis hin zu klassischen Gitarrenstücken.

Zu hören unter anderem “Find my love” von Fairground Attraction, die Eigenkomposition “Take it easy”, eine Arie aus Mozarts “Zauberflöte”, gespielt von Mario Berger auf der Gitarre. Ein virtuoses Wohlfühlkonzert erster Güte, das die beiden hoffentlich bald wieder in Wien spielen werden.

Bei Tini Kainrath und Geri Schuller stand alles im Zeichen von Burt Bacharach, einem der erfolgreichsten Pop-Komponisten der USA, bekannt durch Welthits wie “Raindrops Keep Falling On My Head”. Kainrath und Schullers Performance muss man trennen in das, was man Moderation nennen könnte - und in die tatsächliche Performance.

Wenn man einen Abend über Burt Bacharach gestaltet, so könnte man normalerweise ja davon ausgehen, dass es sich um eine Art Hommage handelt. Das war an diesem Abend definitiv nicht der Fall. Die Interpretationen der größten Hits von Bacharach waren zwar vom Feinsten, die Moderationen allerdings nur zum Lachen, Weinen oder Ärgern, je nachdem, wie man drauf war.
Burt Bacharach, einen der größten Songschreiber aller Zeiten, als Schlagerkomponisten abzutun, ist schon etwas dreist, dann noch zu behaupten, keiner seiner Songs wäre in dem, was die Amerikaner als “The Great American Songbook” nennen, also die “Hall of Fame” der Songs der letzten, sagen wir 100 Jahre, ist schlichtweg falsch. Da kann man den beiden Künstlern nur das Buch “America’s Songs” von Philip Furia & Michael Lasser empfehlen, ein Standardwerk zum Thema “The Great American Songbook”, und selbstverständlich ist darin auch Burt Bacharach aufgenommen worden. Das Ärgerliche an diesem zweiten Teil des Konzerts war die Art und Weise, wie mit dem Publikum umgegangen wurde. Da wird von den Veranstaltern ein Konzert mit Liedern von Burt Bacharch angekündigt, und die erste Frage der Interpreten lautet: “Wer kennt denn Burt Bacharach überhaupt?” Dass auf eine solch doofe Frage niemand antwortet, ist klar. Weswegen war ich gleich nochmal auf diesem Konzert? Kenne ich eher Oscar-Preisträger Bacharach oder einen Geri Schuller? Nun, die Nichtreaktion des Publikums war natürlich eingeplant, denn das Motto des Abends schien zu lauten: “Burt Bacharach ist ein altbackener Schlagerkomponist, der in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein paar Hits hatte, dann Pferde züchtete und gut ist.”
Normalerweise sollte man da eigentlich aufstehen und gehen, aber das war noch nicht alles. Nicht nur Burt Bacharach ist laut Kainrath & Schuller ein Spießer, auch beispielsweise Hal David war ein richtiger, also wirklich wirklich richtiger spießiger Geselle, der nur schlechte und frauenfeindliche Texte verbrochen hat. Jaja, gemeint ist Hal David, verantwortlich für die Texte von Welthits wie “Raindrops Keep Falling on my Head”, “This Guy?s in Love With You”, “I’ll Never Fall in Love Again”. Für “Raindrops” wurde David mit einem Oscar ausgezeichnet, Lieder wie “Don?t Make Me Over”, “Close to You” and Walk on By” wurden in die “Grammy Hall of Fame” aufgenommen. “What The World Needs Now” wurde noch 2004 von der “Songwriters Hall of Fame” als “The Towering Song” bezeichnet, mit folgender Begründung: “distinguished by its unforgettable melody and prayerful plain-spoken words that sound utterly contemporary today when conflict is so wide-spread around the world, even though it was written in 1965″.
Wenn man einen Abend über Bacharach gestaltet, so müsste man meiner Ansicht nach auch ein bißchen sicher sein, was seine Biographie betrifft, und nicht ständig Falsches in den Raum stellen. So wird zwar Carole Bayer Sager als “seine Frau” bezeichnet, ohne aber darauf Bezug zu nehmen, dass er zuerst einmal mit dem Kinostar Angie Dickinson verheiratet war. Was wäre das doch für eine treffende Überleitung zu Filmkompositionen Bacharachs gewesen, hat ihn doch Dickinson dazu gebracht, für Filme zu komponieren. Lustig auch die Bemerkung der beiden Künstler, Bacharach hätte sich nach seinem Hit “Arthur’s Theme” vom Komponieren abgewandt und der Pferdezucht zugewandt und das wars mit seiner Karriere. Woher haben die beiden diesen Schmonzes nur? Gerade in den 80ern nach “Arthur’s Theme” konnte Bacharach einige seiner größten Hits erzielen. Und Carole Bayer Sager, die Schuller & Kainrath den ganzen Abend mit so viel Begeisterung als die viel bessere Texterin lobten, nun mit ihr arbeitete er erst ab “Arthur’s Theme” zusammen, die beiden heirateten 1982.
Bacharach, so viel sei gesagt, ist nach wie vor kreativ tätig, Ende 2005 ist seine viel beachtete Solo-CD “At This Time” erschienen, auf der er mit aktuellen Trendsettern wie Rufus Wainwright zusammengearbeitet hat.
Fazit: Musikalisch war das Doppelkonzert vom Spittelberg ein Fest, was die Anmoderationen des zweiten Teilkonzerts betrifft, so sollte man das lieber vergessen und hoffen, dass dieses Event ein einmaliges bleibt. In den Raum gestellt wurde von Kainrath & Schuller die Idee, ein “Great Austrian Songbook” als Konzert zu veranstalten. Viel Spaß dabei, das dürfte ein kurzer Gig werden.

Martin Bruny am Montag, den
28. August 2006 um 21:59 · gespeichert in Pop, Awards
In der Nacht zum Montag wurden in den USA die Emmys, die Fernseh-Oscars, verliehen. Die 58. “Annual Emmy Awards” konnten mit zumindest einer Riesenüberraschung aufwarten. Die Kategorie “Outstanding Individual Performance In A Variety Or Music Program” entschied Barry Manilow für sich. Folgende Sendungen waren nominiert:
Barry Manilow: Music And Passion (PBS/Stiletto)
Television in association with Serpent Productions and PJM Productions; Barry Manilow, Performer
The Colbert Report (Comedy Central/Central)
Productions with Busboy Productions and Spartina Productions; Stephen Colbert, Host
The Late Late Show With Craig Ferguson (CBS)
Worldwide Pants Incorporated; Craig Ferguson, Host
Late Show With David Letterman (CBS)
Worldwide Pants Incorporated; David Letterman, Host
The 59th Annual Tony Awards (2005) (CBS)
White Cherry Entertainment; Hugh Jackman, Host
Eine Überraschung ist der Emmy für Manilow deshalb, weil Konkurrenten wie David Letterman fast täglich auf der Mattscheibe zu sehen sind, während es sich bei “Music and Passion” um den Mitschnitt eines Las-Vegas-Konzerts des Performers handelt. Musikshows gegen Comedyformate und täglich gesendete Talkshows wie jene David Lettermans, da hatte sich Manilow nicht viele Chancen ausgerechnet.
Die diesjährige Auszeichnung ist Manilows zweiter Emmy-Gewinn. 1977 wurde das erste einer ganzen Reihe von Manilow-TV-Specials mit einem Fernseh-Oscar in der Kategorie “Best Special of the Year” ausgezeichnet. Die von ABC produzierte Show sahen damals über 37 Millionen Zuschauer in den USA.
Manilow war bei den Emmys 2006 auch als Performer zu erleben. Im Rahmen einer Ehrung für den legendären Fernsehmoderator Dick Clark interpretierte er “American Bandstand”, die Titelnummer eines Fernsehformats, das Dick Clark Jahrzehnte im amerikanischen Fernsehen präsentiert hat.
Barry Manilows nächste CD “The Greatest Songs of the Sixties” erscheint Mitte Oktober.
Die Preisträger in allen restlichen Kategorien sind hier abrufbar: Emmy-Awards 2006/Die Gewinner
Martin Bruny am Montag, den
5. Juni 2006 um 10:40 · gespeichert in Netz, Pop

Ingrid Michaelson soll ich mir anhören, hat man mir empfohlen. Girls and Boys sollte mir gefallen. Ich persönlich geh ja immer mit den geringsten Erwartungen an solche Empfehlungen heran. Vorteil: Enttäuscht zu werden, ist einigermaßen unwahrscheinlich, zumindest kann ich dann sagen: “Jo, nett.” Nicht anders bei Ingrid Michaelson. Hör ich halt mal rein. Nett. Gleich wieder weglegen? Naja, noch ein Track. Interessant. “The way I am”. Angenehme, relaxte Stimme - was für ein fröhlich stimmender Refrain. Ich hasse die Sonne, aber da geht ne Sonne auf, die mir gefallen könnte - eine relaxte, die nicht brennt und blendet, die man gerne anstarrt, in die man gerne versinkt, eine mit nem lachenden Mund und verträumten Augen. Da ist auch ein bisschen Melancholie, ich hörs genau, und noch mehr bei anderen Tracks. “Overboard” zum Beispiel. Der Song startet mit diesen Gitarren- & Pianoakkorden, die alle Melancholie instantmäßig in See stechen lassen. Michaelson tanzt am Heck dazu und lässt die Schaumkrönchen der Melancholie in den Himmel wachsen.
Michaelson findet man nicht bei Amazon, noch nicht. Aber sie hat eine nette Homepage, da kann man in ein paar Songs reinhören. CDBaby hat auch ihre erste Scheibe “slow the rain” im Angebot, auch da kann man ein bisschen reinhören.
Ein wenig klingt sie wie Norah Jones, Vanessa Carlton, dann wieder hört man was von Fiona Apple und Coldplay aufblitzen, auch ein bisschen Ben Jelen ist dabei, andererseits, wer kennt den hier schon. Was immer da ist: spannender, meistens überraschender Liedaufbau, ein interessanter Text und eine einprägsame Melodie. Stimmungsmäßig hat sie die uferlose Melancholie einer Joni Mitchell drauf. Dort, wo Norah Jones und Vanessa Carlton schon schön brav massenmarkttauglich produziert wurden, ist Ingrid indie geblieben, indie pop, folk, alternativ aufbereitet.
Kaufempfehlung? Ne, wozu? Diese CD mag nicht empfohlen werden. Es ist eine der CDs, die wie für einen selbst geschrieben scheint und auch von jedem selbst entdeckt werden muss.
Martin Bruny am Freitag, den
10. Februar 2006 um 14:23 · gespeichert in Pop

In den 70er Jahren war an Barry Manilow chartsmäßig kein Vorbeikommen möglich. 25 US-Top 40 Hits konnte er verbuchen, manchmal war er mit mehreren Songs gleichzeitig in den Charts vertreten, mit seinen Tourneen knackte er Zuschauerrekorde von Stadien und Hallen in den USA, Japan, England und auch Europa.
Anfang der 80er Jahre war es chartsmäßig plötzlich vorbei. Ein letzter Stoßgesang in Richtung Top Ten ging mit dem Jim Steinman-Song “Read’em and weep” daneben, danach waren die US Top 40 unerreichbares Terrain. Warum es zu dieser Entwicklung kam, das kann so richtig niemand begreifen, aber die Vermutung liegt nahe, dass Manilow sich zu einem Teil selbst aus dem Spiel genommen hat, weil ihm der Rummel, dem er als Popstar ausgesetzt war, den letzten Nerv gezogen hat. Der Performer konzentrierte sich fortan auf seine musikalischen Leidenschaften Jazz, Big Band-Sound, Swing und Musical, veröffentlichte weiter fast jedes Jahr eine CD, komponierte Film-Soundtracks, publizierte seine Autobiographie, produzierte Künstler wie Diane Schuur, Bette Midler und Nancy Wilson, tourte nach wie vor in ausverkauften Hallen - und wurde nach wie vor von der Journaille als Schnulzensänger verhöhnt.
Und damit sind wir auch schon beim eigentlichen Grund angelangt, warum es auf dieser Site regelmäßig Postings über Manilow gibt. Es gibt kaum einen Popsänger, der jahrzehntelange Verhöhnungen derart lässig weggesteckt hat wie Barry Manilow. Seit Anfang der 70er Jahre ist er im Geschäft, seinem Stil ist er treu geblieben, hat seine musikalische Bandbreite aber kontinuierlich erweitert, und langsam, sehr langsam, konnte er einzelne Kritikergruppen für sich gewinnen. Die einen fanden an seinem Jazz-Album “2. a.am. Paradise Cafe” Gefallen, die anderen an seinen Arbeiten als Produzent, wieder andere begeisterten sich für seine Musicalprojekte (”Copacabana”, “Harmony”).
Die harte Arbeit hat sich gelohnt, das Durchhalten allemal. Am 8. Februar 2006 katapultierte sich die neue Manilow-CD “The Greatest Songs of the Fifties” von 0 auf Platz 1 der BILLBOARD-Charts. Mit 156.000 verkauften Exemplaren pulverisierte er damit auch den Rekord an meisterverkauften CDs innerhalb einer Woche. 29 Jahre sind ins Land gezogen, seit Barry Manilow mit seiner Doppel-LP “Live” auf Platz 1 der US-Charts landen konnte. Auch das ein rekordverdächtiger Zeitraum. Mittlerweile wurde aus dem Schnulzensänger, zumindest in den USA, der King of Easy Listening. Nach Monaten der Rap-Herrschaft an den Spitzen der US-Charts ist mit Manilow ein wenig Musik zurückgekehrt. Niemand macht sich Illusionen darüber, dass das allzu lange anhalten könnte, aber letztlich ist das egal. Manilow: “I’ve had some pretty amazing experiences in my career, but this one tops them all … if you live long enough, anything is possible!”
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