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Martin Bruny am Samstag, den
8. März 2008 um 14:12 · gespeichert in Rezensionen, Bücher, 2008
Das Filmmusical ist derzeit wieder angesagt. In den nächsten Monaten wird die Neuverfilmung von »Fame« ebenso in die Kinos kommen wie die Filmversion von Maury Yestons »Nine«, 2010 steht unter anderem eine neue Version von »Footloose« auf dem Programm und »High School Musical 4« (allerdings als »TV-Musical«), 2011 ein Remake von »My Fair Lady« – und auch Steven Soderberghs Cleopatra-3D-Rock’n’Roll-Musical »Cleo« ist im Entstehen.
Ist nun«Fame« ein Filmmusical oder ein Tanzfilm, wann vermischt sich alles mit Genres wie dem Ballettfilm wie beispielsweise in »White Nights« (USA, 1985) oder »Billy Elliot – I Will Dance« (UK, 2003) oder gar in Herbert Ross’ »The Turning Point« (USA 1977) und Robert Altmans »The Company« (USA, 2003). Wie grenzt man Musiker-, Musik- und Konzertfilm voneinander ab? Das sind einige der Themen, mit denen sich Dorothee Ott im Rahmen ihrer Dissertation im Fach Filmwissenschaft der Universität Mainz auseinandergesetzt hat. 2007 promovierte sie mit dem hier vorliegenden Werk, das 2008 als Buch erschienen ist. Derzeit arbeitet Ott beim Hessischen Rundfunk als Redakteurin.
Was die Autorin bietet, ist eine genaue und genau belegte Analyse der Entwicklung des Filmusicals (bleiben wir jetzt mal ungenau und schließen da sämtliche Gattungen ein) nicht nur im amerikanischen Sprachraum, sondern auch mit Abstechern nach Deutschland (»Rhythm is it!«) und Japan (»Shall we dansu?«) oder Australien (»Moulin Rouge!«) – und auch beispielsweise mit einem spannend zu lesenden Kapitel zum Subgenre des Tangofilms mit seinen prominenten Regisseuren wie Carlos Saura (»Bluthochzeit«, 1981, »Carmen«, 1983 und »El Amor Brujo«, 1986) und Fernando E. Solanas (»Tangos – El Exilio de Gardel«, 1985 und »Sur« 1987).
Dorothee Ott beginnt ihre Ausführungen mit einer genauen Untersuchung der Entwicklung des Musical-und Tanzfilms, beginnend bei der ersten Tonfilm-Revue, Harry Beaumonts »The Broadway Melody« (USA, 1929), beschäftigt sich dann mit der Musik im Film generell und erzählendem Gesang im Musicalfilm, um sich schließlich der dramaturgischen Funktion des Tanzes in Musicalfilmen der 1930er, 1940er und 1950er Jahre zu widmen. In kurzen Kapiteln werden daran anschließend die Krisenjahre, die 1950er und 1960er, untersucht, um schließlich in die Gegenwart einzubiegen mit eigenen Kapiteln zur »West Side Story« (USA, 1961) und zum Einfluss der Popmusik auf Musical- und Tanzfilme der letzten Jahre.
Langsam baut die Autorin ihr Instrumentarium auf und festigt die begrifflichen Grundlagen, als Voraussetzung für den Hauptteil des Werkes, die Untersuchung besonders interessanter Werke für das Genre. Für diesen Hauptteil hat Ott »Dirty Dancing« (USA, 1987), »Strictly Ballroom« (Australien, 1991) und den japanischen Film »Shall we dansu?« (1996) von Masayuki Suo ausgesucht, der zum bis dahin erfolgreichsten japanischen Film in den USA wurde.
Nach einem Kapitel, in dem zeitgenössische Musicalfilme wie »Evita« (USA, 1996), »Everyone says: I Love You« (USA, 1996) und »Dancer in the Dark« (Dänemark, 2000), Animationsfilme (»Snow White and the Seven Dwarfs«, USA 1937 – bis hin zu »Corps Bride«, USA 2005) generell sowie das Bollywood-Kino besprochen werden, folgen ausführliche Auseinandersetzungen mit »Moulin Rouge!« (Australien, 2001), »Chicago« (USA, 2002) und »Rhythm is it!« (BRD, 2004). Insgesamt werden 44 Filme ausführlicher behandelt, angefangen bei Filmklassikern wie »The Jazz Singer« (USA, 1927) über »Swing Time« (USA 1936) und »Sweet Charity« (USA, 1968) bis hin zu »Mad Hot Ballroom« (USA, 2005) und »Take the Lead« (USA, 2006).
Interessant, weil auch in den kommenden Monaten wieder aktuell: Otts Vergleich zwischen aktuellem Filmmusical und Bühnenmusical: »Das zeitgnössische Publikum scheint eher nach der authentischen Bühnenerfahrung – nach dem Live-Erlebnis und der Live-Musik – zu verlangen als nach einer gesungenen Filmerzählung, das zeigt sich an der ungebrochenen Popularität der Bühnenmusicals, die Jahr um Jahr ein Massenpublikum ins Theater locken. Hier finden sich auch professionelle, solide ausgebildete Musicaldarsteller, die auf der Leinwand meistens noch fehlen. Denn mit der Rückkehr zur Formtradition geht im Musicalfilm eines leider nicht daher: das Casten echter Musicaldarsteller für den Film. Während es im zeitgenössischen Tanzfilm meist gelingt, professionelle Tänzer mit ausreichend schauspielerischem Talent einzusetzen (siehe Patrick Swayze oder Paul Mercurio), sucht der zeitgenössische Musicalfilm hauptsächlich unter bekannten Filmschauspielern seine Darsteller, was dem Genre nicht immer gerecht wird. (…) Sollte der Trend zur konventionellen Inszenierung von Musicalfilmen fortbestehen, dann bleibt zu hoffen,dass die Produzenten billantere Musicaldarsteller für die nächsten Filme engagieren als bis dato, damit das Publikum, in Ermangelung innovativer Regie-Ideen, zumindest wieder virtuose Gesangs- und Tanzdarbietungen genießen kann (…) Die Zukunft des Musicals wird auch mit dem richtigen Casting entschieden.«
Fazit: Man lasse sich nicht abschrecken von dem Umstand, dass dieses Buch ursprünglich als Dissertation geschrieben wurde. Dafür ist es nämlich sehr leicht lesbar, aber gleichzeitig basierend auf einem gefestigten Boden von Tatsachen und Fakten. Verwendete Fachbegriffe werden erklärt und so sparsam wie möglich eingesetzt. Das Buch ist bebildert, aber zweifellos textzentriert, ein Quellenverzeichnis sowie eine kleine Internetlink-Zusammenstellung bieten einen guten Überblick über bisher erschienene Literatur zum Thema. Trotz einer Konzentration im Hauptteil auf einige wenige Musicals bietet dieses Buch den wohl besten Gesamtüberblick und die beste Analyse zum Genre des Filmmusicals und Tanzfilms auf dem Gebiet der deutschsprachigen Fachliteratur.
Dorothee Ott: Shall we Dance and Sing? Zeitgenössische Musical- und Tanzfilme. UVK Verlagsgesellschaft mbH, Konstanz 2008, 362 S.; (Softcover) ISBN 978 3 86764 045 9. EUR 39,00 www.uvk.de
Martin Bruny am Dienstag, den
4. März 2008 um 01:35 · gespeichert in Wien, Theater

Wer die Suchwörter “Selbstmord” und “Internet” googelt, kommt auf die erstaunliche Trefferzahl von rund 297.000 Sites. Bei “suicide” & “internet” kommt man schon auf fast 2 Millionen Treffer. “Suicide” und “Chatroom” ergeben 603.000 Treffer. Die jährliche Selbstmordrate (je 100.000 Einwohner, Stand 2005) beträgt in Österreich laut www.who.int bei Männern 26,1, bei Frauen 8,2 (insgesamt: 16,9). In einer europaweiten Statistik liegt Österreich damit auf Rang 14, weit vor Deutschland (Rang 22).
Selbstmord ist nach wie vor ein Tabuthema. Hat das Internet auch nicht dazu geführt, dass es zu einem Anstieg der Selbstmordrate gekommen ist, so hat es doch die Kommunikation von lebensmüden Menschen untereinander wesentlich erleichtert. Es gibt sie, die Selbstmordchatrooms, und sie funktionieren im Wesentlichen nicht anders als normale Chatrooms, nur wird aus einem eventuellen Date meist nicht mehr als eine Verabredung zum gemeinsamen Tod. Kommunikation im Netz ist direkt, oft viel schneller ganz ins Persönliche reichend, als man das im “realen” Leben je zulassen würde. Es ist erwiesen, dass Chatter einander innert kurzer Zeit persönlichste Details anvertrauen, die sie langjährigen Freunden im “realen” Leben nie anvertrauen würden. Aber was ist “real” und was nicht? Was ist Fake und was Leben? Und was passiert, wenn man zwischen Fake und Leben nicht mehr unterscheiden kann? Oder es nie konnte?
Genau das ist das Thema des Theaterstücks “No way to die“, das derzeit in einer der ältesten Kleinkunstbühnen Wiens zu sehen ist, im “Theater Neue Tribüne“, gelegen im Untergeschoss des duchaus bekannteren Cafà© Landtmann.
Julie (20) und August (19) treffen sich in einem Selbstmordchatroom. Sie lernen sich kennen und planen ihren gemeinsamen Tod. Julie zahlt August den Flug zum gemeinsamen Todes-Date. Von einer 600 Meter hohen Felskante wollen sie springen. Ob sie es auch tun? - Das ist, kurzgefasst, die Handlung von “No way to die”, basierend auf Igor Bauersimas Theaterstück “norway.today”, für das der Autor von der Zeitschrift “Theater heute” zum Nachwuchsdramatiker des Jahres gewählt wurde.
Die beiden Darsteller Jan Hutter und Irà©na Flury, Absolventen der Konservatorium Wien Privatuniversität, haben aus dem Schauspiel “norway.today” gemeinsam mit Regisseur Erhard Pauer, Peter Uwira, der die Musikalische Leitung übernommen hat, sowie Markus Tesch (Choreographie) ein Stück Musiktheater gemacht. Sie reicherten das Schauspiel mit Tanzelementen an und mit Songs, beides Elemente, die das Theatererlebnis zu einem durchaus auch sinnlichen werden lassen. Gleichzeitig nehmen sie damit aus den Dialogen das Tempo und ermöglichen es dem Publikum, das eben Gehörte wirken zu lassen. Durch Musik und Tanz wird der Zuschauer emotionalisiert, empfänglich gemacht. Was auf einen Song folgt, trifft ohne viel Gegenwehr auf das Publikum.
Die Chancen stehen gut, dass man als Zuschauer in “No way to die” öfter lacht als in drögen Musicalblockbustern wie “We Will Rock You”, wobei es durchaus interessant ist, warum man bei “No way to die” lacht. Ist es einfach eine natürliche, gesunde Reaktion, das eben Gehörte, durchaus Schockierende zu verarbeiten beziehungsweise durch lautes Lachen abzuwehren? Zum Teil sicher, denn was man sieht, sind zwei Jugendliche, die sich darauf vorbereiten, Selbstmord zu begehen. Sie inspizieren den Ort der Tat, sie versuchen, sich letzte Zweifel auszureden, nehmen Videogrußbotschaften auf. Aber der Text ist raffiniert gebaut. Er verlockt durchaus auch zum Lachen, dreht dann mit einem Satz die Perspektive von vermeintlich witzig auf todernst, und schon würde das (unangebrachte?) Lachen erfrieren, wenn man so schnell reagieren könnte. Ein Musterbeispiel:
August: Ich hab ernsthafte Versuche unternommen [mich umzubringen]
Ich habe eine Narbe im Gesicht
Ich bin aus dem Bett gefallen
Gleich nach der Geburt
Ich hab mich sozusagen da runtergestürzt
Das war mein erster Reflex
Seit ich denken kann, denk ich daran mich umzubringen
Im Ernst
Julia: Ich hab ne Frage. Wenn du sie mir richtig beantworten kannst, überleg ichs mir.
Vernunft! Was ist das?
August: Was?
Julia: Ja?
August: Ja?
Julia: Das ist die Frage!
August: Achso!
Julia: Lass dir Zeit.
August: Vernunft. Vernuft ist krank. Das weiß doch jeder.
Julia: Ist das alles?
Zum Teil ist es auch Fassungslosigkeit darüber, wie die beiden Lebensmüden sich über ihre Situation lustig machen. Man wird vom Lachen der beiden Todesmüden angesteckt, empfindet sich als Zuschauer mitunter in einer voyeurartigen Situation, ein Lachen beobachtend und aufnehmend, das aus einer Situation heraus entsteht, die eigentlich todernst ist. Was Igor Bauersima in seinem Drama schafft, ist ein sprachlicher Drahtseilakt, stets seine Glaubwürdigkeit bewahrend, nie ins Kalauernde, Aufgesetzte abrutschend.
Jan Hutter und Irà©na Flury beweisen mit “No way to die” ihre Kunst in allen drei Sparten, die ein Musicaldarsteller, durchaus auch jeder Schauspieler, heutzutage idealtypisch beherrschen sollte: Schauspiel, Tanz und Gesang. Sie machen aus “No way to die” Theater, das normalerweise Kultstatus erreichen müsste und eine ganze Zeitlang laufen sollte. Freilich ist das in Wien nicht leicht, Werbung ist teuer, aber wie auch immer. Wenn es ein Stück gibt, das beispielsweise das Theater der Jugend in seinen Spielplan aufnehmen sollte, dann dieses, behandelt es doch ein Thema, das nicht zuletzt auch viele Jugendliche betrifft. Wenn Theater heutzutage vielleicht ein wenig noch verändern kann, dann eventuell so, als Anstoß, als Anregung zur Diskussion und Selbstreflexion.
“No way to die” ist noch am 6. März, am 7. März und am 8. März jeweils um 20 Uhr im Theater Neue Tribüne zu sehen.
Martin Bruny am Samstag, den
22. Dezember 2007 um 00:29 · gespeichert in Wien, Fotos, Theater, 2007
Zwanzig Jahre gibt es nun das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien, und da man immer feiern sollte, wenn sich ein Anlass bietet, gingen vom 19. bis 21. Dezember 2007 im Wiener Museumsquartier drei Shows mit dem Titel “Musical Forever” über die Bühne.

Mit der Wahl des Veranstaltungsorts haben sich die Produzenten keinen großen Gefallen getan hat. Der Bau (die ehemaligen Reitstallungen) ist relativ ungeeignet für Events dieser Art. Sicher, man bekommt eine große Menge an Leuten unter, aber nur die Zuschauer in den vorderen Reihen haben etwas von der Show, hinten wird das Ganze uninteressant. Das betrifft beispielsweise den Ton. Er wurde für die vorderen Sitzreihen optimiert, hinten, auf den billigen Plätzen, nahm man ihn als viel zu leise wahr, der Vergleich macht sicher. Er wirkte so wie der Sound auf alten Videobändern, die man sich auf alten Videorekordern mit verschmutztem Tonkopf anhört. Dumpf und unklar. Wie zum Hohn hängen in der ganzen Halle bis hinten an den Wänden Lautsprecherboxen - allerdings wurden sie nicht in das Soundsystem integriert, die Musik kam ausschließlich von ganz vorne, und das ist in einem sich derart weit nach hinten und oben ziehenden, schlauchartigen Raum fatal. Zu den Vereinigten Bühnen Wien gehört auch das Theater an der Wien, und genau da hätte man die drei Shows spielen müssen. Da gibt es keine Ausreden, das Theater an der Wien wird kaum bespielt, Termine hätten sich finden lassen müssen. Im Theater an der Wien hätte man zumindest für etwas mehr Menschen akzeptablen Ton garantieren können. Und auch eine akzeptable Sicht, denn von hinten erkannte man nicht mal mehr die Darsteller, die man ohnedies schon kaum hörte.

Die Wahl des Programms war bieder. Caspar Richter, Michael Pinkerton und Werner Sobotka wählten den Mainstream, bis auf wenige Ausnahmen, manchmal war man ganz offensichtlich geradezu gezwungen, bestimmte Songs reinzunehmen, um Stars wie Maya Hakvoort und Pia Douwes in einem Stück “unterzubringen”, so dufte Hakvoort aus “Elisabeth” die “Irrenhausballade” singen und Douwes gab “Ich gehör nur mir”. “Ich gehör nur mir” als Duett zu bringen, wäre wesentlich prickelnder gewesen, sinnvoller, aber auch mit ein wenig mehr Vorbereitungszeit verbunden. Eine solche Version wäre aber dem Abend angemessen gewesen.

Uwe Kröger musste sich bei den drei Shows wie ein Verurteilter in einem “Murmeltier”-Film vorkommen, den man Abend für Abend zum Schafott führt. Bei keinem seiner Songs war er fehlerfrei, jedes Lied war ihm sichtlich eine Qual. Als Sänger versagte er im Rahmen dieser Produktion völlig. “Die Musik der Dunkelheit” (”Das Phantom der Oper”) zerstörte er mit schiefen Tönen, den “letzten Tanz” (”Elisabeth”) sang er fast nur auf einer Tonhöhe, “Wie kann es möglich sein” (”Mozart!”) killte er mit einem für ihn an diesen Tagen nicht erreichbaren Schlusston. Bei aller Liebe: Das kann man nicht machen. Wenn man weiß, dass man indisponiert ist, muss man die Konsequenzen ziehen. Da funktionieren auch keine Argumente mehr wie “Toll, dass er so ein Profi ist und den Abend gerettet hat.” Freilich war Kröger wie gewohnt charmant bei der Anmoderation der ersten Titel, und beim Weihnachtsmedley am Ende zeigte er allen, wer der Entertainer im Star-Ensemble ist, als er mit kleinen Gesten fröhliche Stimmung in die Halle zauberte. Diese Kunst beherrschen gute Entertainer. Das kann ein Alexander Goebel aus dem Effeff, und auch Kröger ist darin sehr gut.

Pia Douwes sang ausschließlich Standardware wie “Memory” und “Macavaty” aus “Cats”, “Ich gehör nur mir”, “All that Jazz” (”Chicago”). Schade, dass man sich die Chance entgehen ließ, einen ihrer in den letzten Jahren so raren Wien-Auftritte etwas interessanter zu gestalten. Warum nicht ein Song aus “Freudiana” - aber Caspar Richter und sein Team beschränkten sich darauf, die Ouverture aus diesem unterschätzten Musical zu spielen. Selbstverständlich war Douwes bei ihren Songs makellos, die Choreographie (Ramesh Nair) bei “All that Jazz” grandios.

Thomas Borchert und Carin Filipcic lieferten ihre Songs solide, abgesehen von “Ich bin Herr im Haus” (”Les Misà©rables”), das den Charme einer Schulaufführung hatte, Susan Rigvava-Dumas gab ein sensationelles “All by myself” (Eric Carmen) und ein gewohnt perfektes “Rebecca”. Die Überraschung des Abends war Lukas Perman, der am ehesten das umsetzen durfte, was man von einer solchen Gala erwartet hatte. Er sang mit “Warum kannst du mich nicht lieben” aus “Mozart!” und “Close every door/Any dream will do” (”Joseph”) - Songs, die nicht zu seinem Standardrepertoire gehören, er gab als Solo-Interpret “Just the way you are” (Billy Joel) und spielte dabei Saxophon, gemeinsam mit Marjan Shaki interpretierte er schließlich auch noch “You’re the one that I want”.
“Warum kannst du mich nicht lieben” war neben “All by myself” von Susan Rigvava-Dumas rein von der Interpretation her eines der Highlights der Show. Mit seiner reinen Popstimme, die so gar nichts Operettenglucksig-knödelndes an sich hat, und einer wahrhaft glaubhaften Interpretation gab Lukas Perman einen sensationellen “Mozart”. Marjan Shaki mit “Nur für mich” aus “Les Misà©rables” und “Somebody to love” (Queen), Maja Hakvoort mit “Kuss der Spinnenfrau” - das wäre, was das Konzept der Songauswahl betrifft, ein guter Standard gewesen. Dann wäre aus diesem zweifellos sehr schönen und unterhaltenden Abend, bei dem auch das Orchester mit Instrumentalnummern seine Qualität bewies, tatsächlich ein Event geworden, an das man sich noch lange erinnert hätte.
“Musical Forever - Das Beste Aus Zwanzig Jahren Musical”
1.Akt:
1. Ouverture aus “Freudiana” - Orchester
2. Sei hier Gast aus “Die Schöne und das Biest” - Alle
3. Memory aus “Cats” - Pia Douwes
4. Macavity aus “Cats” - Maya Hakvoort, Pia Douwes & Ensemble
5. Nur für mich aus “Les Misà©rables” - Marjan Shaki
6. Ich bin Herr im Haus aus “Les Misà©rables” - Thomas Borchert, Carin Filipcic & Ensemble
7. Phantom der Oper aus “Das Phantom der Oper” - Uwe Kröger & Pia Douwes
8. Die Musik der Dunkelheit aus “Das Phantom der Oper” - Uwe Kröger
9. Leroy Anderson Medley (Buglers Holiday, Clarinet Candy, Fiddle Faddle) - Orchester
10. Nimm mich wie ich bin aus “Jekyll & Hyde” - Thomas Borchert & Maya Hakvoort
11. Dies ist die Stunde aus “Jekyll & Hyde” - Thomas Borchert
12. Close every Door / Any Dream will do aus “Joseph” - Lukas Perman & Ensemble
13. Leonard Bernstein
Lonely town aus “On the town” - Thomas Borchert
I can cook too aus “On the town” - Carin Filipcic
Somewhere aus “West Side Story” - Susan Rigvava-Dumas
Conga aus “Wonderful town” - Orchester
14. Irrenhausballade aus “Elisabeth” - Maya Hakvoort
15. Der letzte Tanz aus “Elisabeth” - Uwe Kröger & Ensemble
16. Ich gehör nur mir aus “Elisabeth” - Pia Douwes
2.Akt
1. Musical Chairs - Orchester
2. Pop-Medley
Somebody To Love - Marjan Shaki & Ensemble
Just The Way You Are - Lukas Perman
All by Myself - Susan Rigvava-Dumas
3. Totale Finsternis aus “Tanz der Vampire” - Thomas Borchert, Marjan Shaki & Ensemble
4. Hier in Wien aus “Mozart” - Ensemble
5. Wie kann es möglich sein aus “Mozart” - Uwe Kröger
6. Gold von den Sternen aus “Mozart” - Carin Filipcic
7. Warum kannst du mich nicht lieben wie ich bin aus “Mozart” - Lukas Perman
8. Kuss der Spinnenfrau aus “Kuss der Spinnenfrau” - Maya Hakvoort
9. ESCAPADES aus “Catch me if you can” - Orchester
10. All That Jazz aus “Chicago” - Pia & Ensemble
11. Liebe aus “Romeo und Julia” - Marjan Shaki , Lukas Perman & Ensemble
12. Siehe da, sie liebt aus “Romeo und Julia” - Carin Filipcic
13. You’re the one that I want aus “Grease” - Marjan Shaki, Lukas Perman & Ensemble
14. Rebecca aus “Rebecca” - Susan Rigvava-Dumas & Ensemble
15. Wenn ich einmal geh aus “A Chorus Line” - Alle
Zugabe: Weihnachtslieder-Medley
Ensemble: Katharina Annà¡, Sabrina Harper, Esther Hehl, Iris Morakis, Simon Eichenberger, Steven Seale, Ingolf Unterrainer, Ronnie Wagner
Konzept und Zusammenstellung: Caspar Richter/Michael Pinkerton/Werner Sobotka
Musikalische Leitung: Caspar Richter
Regie: Werner Sobotka
Choreographie: Ramesh Nair
Licht: Gustav Vychron
Sound: Erich Dorfinger
Martin Bruny am Freitag, den
7. Dezember 2007 um 00:23 · gespeichert in Wien, Fotos, 2007

Ein Musical nach Arthur Schnitzlers “Reigen” zeigte der aktuelle Abschlussjahrgang der Abteilung Musikalisches Unterhaltungstheater der Konservatorium Wien Privatuniversität Wien am 6. Dezember im Leonie-Rysanek-Saal des Konservatoriums.

Rainer Bräuer, Dea Andrea Frohn, Donja Daniela Golpashin, Elisabeth Heller, Peter Kratochvil und Richard Schmetterer sangen Lieder aus “Chicago”, “Songs for a New World”, “The Act”, “Parade”, “Gigi”, “Spring Awakening” und “Sweet Charity” sowie “El Tango De Roxanne” (”Moulin Rouge”), “Wenn du lachst” (Juli), “I’m still standing” (Elton John & Bernie Taupin), “Swing” (Louis Prima), “That Smile” (”It’s only Life” - John Bucchino), “Don’t let the sun go down on me (Elton John & Bernie Taupin) und spielten sechs Szenen aus dem “Reigen”. Von einer Nummernrevue zu sprechen wäre in diesem Fall nicht angebracht, vielmehr handelt es sich um ein klug durchdachtes und konzipiertes Stück Musiktheater. Mehr dazu in der Februar/März 2008-Ausgabe von “musicals”.

Die weiteren Vorstellungstermine: 7. Dezember, 10. Dezember und 11. Dezember. Alle Shows sind bereits ausverkauft, es gibt allerdings Restkarten 15 Minuten vor jeder Vorstellung.

Leading Team
Regie: Erhard Pauer
Musikalische Leitung: Lior Kretzer
Raum: Erhard Pauer, Ernst Wilfinger
Kostüm: Mimi Zuzanek
Choreografie: Marcus Tesch
Lichtdesign: Barbara Dulcinea Jan
Technische Leitung: Werner Eichelberger
Technische Koordination: Ernst Wilfinger
Bühnenmeister: Harald Lindermann
Ton: Martin Laumann, Michael Schmidt, Hannes Motal
Bühnenbild: Stefan Michaelfeit
Produktionsleitung- und Assistenz: Michaela Riedl-Schlosser
Inspizienz: Doris Richter
Musik
Vienna C@lling Muppets Band Reloaded:
Lior Kretzer, Manuel Brunner, Alfred Kern, Gerfried Krainer

Martin Bruny am Donnerstag, den
29. November 2007 um 12:05 · gespeichert in Rezensionen, Theater, 2007
Es hat sich mittlerweile zur Tradition unter Kritikern entwickelt, Jason Robert Browns Musical “The Last Five Years” von der Handlung her als “zu kompliziert” abzuqualifizieren. Lang und breit erklären sie, dass es die Liebesgeschichte eines Paares ist, aber er und sie erzählen die Beziehung von unterschiedlichen Zeitpunkten startend. Er steht zu Beginn des Stücks am Anfang ihrer fünfjährigen Lebensgemeinschaft und erlebt sie chronologisch von Beginn bis zum Ende, sie steht am Anfang des Stücks am Ende der Beziehung und erlebt sie quasi im Rückwärtsschritt. Kompliziert? Nicht wirklich, aber man kann “The Last Five Years” ja sowieso auch ganz anders sehen - nämlich als Manifestation reinen Gefühls. Es sind die letzten Zuckungen eines liebenden Herzens, das im Sterben begriffen ist und wie im Schnelldurchlauf noch einmal die letzten fünf Jahre einer Beziehung kammerflimmert. “The Last Five Years” ist schließlich auch so etwas wie eine klassische “Ghost Story”, denn die beiden Hauptdarsteller sind zwar sehr oft gemeinsam auf der Bühne, aber zu verschiedenen Spielzeiten. Sie singen bis auf ein Duett in der Mitte des Stücks, bei dem sie für einen kurzen Moment tatsächlich im Raum- und Zeitgefüge des Plots aufeinandertreffen, sich berühren, küssen und sich die Ehe versprechen, nur Solo-Songs, agieren nie tatsächlich miteinander, sondern nur mit der Imagination des Partners, die durch die reale Person tatsächlich dargestellt wird, aber eben nur, um dem Zuschauer das Mitverfolgen der Handlung zu erleichtern. Hier beginnt dann der andere Zugang zur Story auch schon wieder kompliziert zu werden, und es mag sein, dass deswegen Browns Musical nie der wirkliche Publikumsrenner war, wenngleich viele der Songs längst Klassiker des modernen Musical-Repertoires sind.
Der andere Zugang, die Story zu rezipieren, wird durch die englischsprachige österreichische Erstaufführung von »The Last Five Years«, die am 22. November 2007 in der Wiener Kammeroper über die Bühne ging, perfekt umgesetzt. Das Bühnenbild zeigt einen riesigen Damenkoffer, der am Anfang geschlossen ist, sich mit den ersten Takten der Musik öffnet und eine in vier Stages gegliederte Bühne freigibt. Am Ende schließt sich der Koffer wieder. Mag sein, dass es ein Koffer ist, man kann sich das Szenario aber auch als pumpendes Herz vorstellen.
Rob Fowler als Jamie und Caroline Frank als Catherine bieten eine formidable Ensembleleistung. Wenn man möchte, kann man kann sich streiten, wer der bessere Sänger und wer der wirkungsvollere Schauspieler ist, man mag anführen, dass Rob Fowler sich mehr an die Musik Browns anschmiegt, in sie versinkt und in der Musik aufgeht, dass er mit bemerkenswert fein inszenierter Gestik und Mimik das Maximum herausholt, dass er die Wandlung des von ihm gespielten Jungautors glaubhaft und deutlich herausarbeitet und als Jamie eine der besten Bühnenleistungen seiner Karriere abliefert, doch Caroline Frank setzt ebenso berührende emotionale Höhepunkte, ihr steht die sehnsüchtige Melancholie sehr gut. Beide liefern auch köstliche Proben ihres Talents für Komik, Caroline Frank beispielsweise in der Audition-Szene, Rob Fowler als leicht Verführbarer in einer Bar. Geht man aus der Show und fragt sich, wer nun die Schuld trägt am Scheitern der Beziehung, so fällt die Antwort vielleicht gar nicht so schwer. Sie war es, sie trägt die Schuld. Sie verweigert die Kommunikation, ist nicht mitfühlend genug, teilt nicht die starken Gefühle des Jungautors Jamie, als sein erstes Buch zum Verkaufserfolg wird, ist verbittert, dass ihre eigene Karriere als Musicalsängerin so gar nicht in die Gänge kommt. Es mag sein, dass eine andere Art der Regie oder aber der Darstellung diese eindeutige Schuldzuweisung verhindert hätte, denn in den Songs selbst ist diese Art der Interpretation freilich nicht so eindeutig angelegt, aber das ist eine der größten Stärken dieses Musicals. Es genügen Nuancen, um den Zuschauer in seiner Interpretation in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen oder aber auch einfach nur Möglichkeiten der Interpretation zu bieten. Wir haben hier kein Megamusical vor uns, «The Last Five Years« ist ein äußerst feinsinnig gesponnenes Stück Musiktheater, und auch ein forderndes. Man kann sich nicht einfach im Sessel zurücklehnen und darauf warten, dass einem Affen oder Hexen um die Ohren fliegen, die Abenteuer dieses Stücks fühlt man mit dem Herzen – oder gar nicht.
Jason Robert Browns Kammermusical kann man, wenn man möchte, auch in einem Wohnzimmer ohne jegliche Deko spielen. Die Kammeroper hat eine vergleichsweise pompöse Bühnenmaschinerie entwickelt. Auf der vordersten Stage spielt sich ein Hauptteil des Geschehens auf zwei Minihebebühnen ab, die äußerst wirkungsvolle Effekte und Szenenwechsel erlauben. Für jeden der vierzehn Songs hat Duncan Hayler ein stimmiges Set Design entworfen, die Szenenwechsel erfolgen äußerst präzise und ruhig, um die Stimmung in keiner Weise zu stören. Eine logistische Herausforderung, die gelingt. Michael Schnack, der Musikalische Leiter und Pianist der Show, sitzt mit seiner Band (Gerda Breslmayr, Violine; Peter Profant, Cello 1; Boris Boho, Cello 2; Stefan Först, Bass; Kerstin Neubauer, Gitarre) auf der hintersten und vierten Stage. Sehr wirkungsvoll und durchdacht ist das Beleuchtungskonzept (Harry Michlits). In warme, helle Farben wird der jeweils im Jetzt agierende Darsteller getaucht, während der imaginierte Partner in kalte Farben getaucht wird. Satte Blau- und Rottöne dominieren das Lichtdesign, stärker ausgeleuchtet und in hellere Farben gegossen wird das Set bei den weniger traurigen Nummern wie »A Summer In Ohio«. Nur ein einziges Mal berühren sich die Hauptdarsteller, nur ein einziges Mal sehen sie sich tatsächlich an, und das ist zur Halbzeit der Show. Sensibel hat Regisseur und Choreograph Alonso Barros all die Feinheiten der Darstellungsmöglichkeiten der Songs herausgearbeitet. Ganz wunderbar, wie Rob Fowler “The Schmuel Song” spielt und mit drei verschiedenen, ganz eigenen Singstimmen als Stück im Stück interpretiert. Der Ton (Gregor Neuwirth) ist für das Parkett perfekt gemischt, lediglich am Balkon kommt das Ganze etwas dumpf daher. Wie meistens in der Kammeroper gibt es deutschsprachige Untertitel (Übersetzung: Derek Weber), die man besser nicht verfolgt, weil sie viel zu sehr ablenken und auch nicht immer den Kern der Texte von Jason Robert Brown exakt treffen – als grobes Hilfsmittel sind sie aber durchaus tauglich. Regie und Choreographie fließen in dieser Inszenierung zu einem perfekten Ganzen zusammen und machen gemeinsam mit der musikalischen Umsetzung, für die Michael Schnack verantwortlich zeichnet, “The Last Five Years” zum eindeutig besten in Wien gezeigten Musical des Jahres 2007.
The Last Five Years
Einfühlsame englischsprachige österreichische Erstaufführung in der Kammeroper
von Martin Bruny
The Last Five Years – Buch, Musik und Texte: Jason Robert Brown / Musikalische Leitung: Michael Schnack / Inszenierung & Choreographie: Alonso Barros / Ausstattung: Duncan Hayler / Licht: Harry Michlits. Darsteller: Rob Fowler (Jamie) / Caroline Frank (Catherine). Englischsprachige österreichische Erstaufführung: 22. 11. 2007, Wiener Kammeroper. www.kammeroper.
Martin Bruny am Samstag, den
24. November 2007 um 11:09 · gespeichert in Theater, Theater, 2007
1985, also vor 23 Jahren,
- programmierte Alexey Pajitnov das Computerspiel Tetris;
- siegte Boris Becker als erster Deutscher und (mit 17 Jahren) jüngster Tennisspieler aller Zeiten beim Grand Slam-Turnier von Wimbledon;
- wurden die beiden Formel-1-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg sowie Daniel Küblböck geboren;
- startete in der Bundesrepublik Deutschland mit “Sat 1″ das erste private Satelliten-Fernsehprogramm;
und in Wien feierte “A Christmas Carol” in der Inszenierung des International Theatre Premiere.
Gegründet wurde das International Theatre Vienna 1974 von Marilyn Close und William Wallace, die erste Vorstellung des Theaterunternehmens fand im November 1974 in Graz statt. Man gab Noel Cowards “Blithe Spirit”. Einige Jahre zog das International Theatre Vienna als Tourneetheater durch die Lande, bis man 1980 in der Porzellangasse 8 geeignete Räumlichkeiten fand. Am 14. Januar 1980 ging mit Paul Zindels “The Effect of Gamma-Rays On Man-In-The-Moon Marigolds” die erste Vorstellung im neuen Haus des Vienna International Theatre über die Bühne. Bis heute hat das Theaterunternehmen rund 150 Stücke zur Aufführung gebracht, darunter auch Musicals wie “Into the Woods” oder “You’re a good man, Charlie Brown” - und seit 23 Jahren alljährlich: “A Christmas Carol”, von Charles Dickens.
Seit 1990 bespielt das International Theatre zusätzlich ein Kellergewölbe der Servitenkirche, ein paar Gehminuten vom Haupthaus entfernt. Rund 400 Quadratmeter ist “The Fundus” groß, ab 1994 gingen die “A Christmas Carol”-Vorstellungen hier, unter der Erde, über die “Bühne”.
“A Christmas Carol” hat sich in Wien längst zur Weihnachts-Institution entwickelt. Manche sehen die Show als Schüler im Rahmen einer “Exkursion” im Fundus und kommen dann Jahre später wieder. Es gibt auch Besucher, die sich alljährlich, ähnlich wie mit “Dinner for One” zu Silvester, in eine bestimmte Stimmung versetzen lassen wollen und “A Christmas Carol” bereits viele Male erlebt haben. Es ist fast eine Art “gemeinsames Älterwerden” dann, auch wenn nicht alle Schauspieler viele Jahre am International Theatre bleiben.
Im Fundus gibt es keine Bühne im traditionellen Sinn, in einem Halbkreis rund um einen gedachten Bühnenbereich werden Stühle aufgestellt. Rund 70 Besucher finden Platz und erleben hautnah die Geschichte von Ebenezer Scrooge, einem alten grantigen Geizhals, der in einer einzigen Nacht zunächst Besuch von seinem verstorbenen Teilhaber Jacob Marley und dann von drei weiteren Geistern erhält, die ihm schließlich dazu verhelfen, sein Leben zu ändern. 1843 veröffentlichte Dickens seine sozialkritische Erzählung, seit 1901 wurde “A Christmas Carol” viele Male verfilmt. 2009 soll ein 3D-Film mit Jim Carrey in die Kinos kommen. Robert Zemeckis wird bei dieser Produktion Regie führen. Im Fundus zeigt man eine von Jack Babb dramatisierte Version. Den Text dazu können sich beispielsweise Lehrer, die ihre Schüler auf das Stück vorbereiten wollen, von der Website des International Theatre downloaden. Selten ist man als Zuschauer näher am Geschehen dran, die Schauspieler sind im Fundus buchstäblich in Griffweite, und umgekehrt. Das gibt der Aufführung durchaus eine eigene, intime Note. Geht man die Stufen ins Gewölbe hinunter, ist es, als würde man in eine eigene Welt und Zeit abtauchen. Wer immer ein Faible hat für die englische Sprache und englisches Theater, ist bei “A Christmas Carol” im Fundus gut aufgehoben. Wer sich partout nicht in Weihnachtsstimmung versetzen kann, ab in den Fundus, nichtmal Ebenezer Scrooge könnte da hart bleiben.
A CHRISTMAS CAROL by Charles Dickens
The Fundus, November 19 to December 29, 2007
Mondays through Saturdays
All performances start at 7.30 pm.
Adapted by Jack Babb
Directed by Jack Babb
Stage Manager: Cheryl Carabelli
Lights and Sound: Cheryl Carabelli
Costumes: Gloria Sattà©l and Laura Mitchell
Properties: Laura Mitchell
Technical Director: Eric Lomas
With:
Kevin Brock (Ebenezer Scrooge)
Eric Lomas (Fred, Scrooge as a young man, Peter Cratchit, child)
Jack Babb (Narrator, Bob Cratchit, Topper)
Marilyn Close (Lady doing charitable work, Mrs. Fezziwig, Mrs. Dilber, Ghost of Christmas Present)
Laura Mitchell (Lady doing charitable work, Ghost of Christmas Past, Mrs. Cratchit, A Confused Guest)
Roxanne Carless (Narrator, A Girl Singing Christmas Carols, Belle, Martha Cratchit, Fred’s Sister in Law)
Gene De Wild (Ghost Of Jacob Marley, Mr. Fezziwig, A Lamplighter, Ghost Of Christmas Future)
Amanda Wilkins (Narrator, Fan, Tiny Tim, Fred’s Wife, Child)
International Theatre
Porzellangasse 8/Ecke Müllnergasse
1090 Wien
office@internationaltheatre.at
www.internationaltheatre.at
The Fundus
Müllnergasse 6A
1090 Wien
Karten: 01/319 62 72 oder
an der Tageskassa (Mo - Fr von 11.00-15.00)
Normalpreise: € 20.- bis 24.-
Preis für Schüler, Studenten (-26), Senioren (ab 60/65): € 14.-
Martin Bruny am Mittwoch, den
21. November 2007 um 23:04 · gespeichert in Wien, Fotos, Theater, 2007

“Schnurlos” nannten Marjan Shaki und Lukas Perman ihr zweites Soloprogramm, das sie am 17. und 18. November 2007 im Wiener Szenelokal Cenario zur Aufführung brachten. Schnurlos im Sinne von konzeptlos, also ohne roten Faden. Roterfadenlos geht nicht wirklich, also: schnurlos. Natürlich war der Abend alles andere als konzeptlos, aber schnurlos ist auch als Untertreibung ein sympathischer Titel, in den man auch manch anderes hineininterpretieren konnte, zumindest bis zur Erklärung des Titels.

Das Cenario ist an und für sich schon ein sehr gemütliches Lokal, mit Platz für schätzungsweise 40 bis 60 Leute, je nach Kuschelwilligkeit. Stimmungsmäßig waren die Abende dann auch von den Performern ganz auf Gemütlichkeit getuned. Es gab Räucherkerzen und eine Sweetie-Time, in der Marjan Shaki Schokolade verteilte. Das alles kann so ungeheuer peinlich rüberkommen, wenn man nicht weiß, wie man diese Stimmung vermitteln soll, dafür gibt es unter all den Soloprogrammen, die in Wien im Laufe der letzten Jahre über die Bühne gegangen sind, wahrhaft schreckliche Musterbeipiele.

Bei “schnurlos” ging das alles problemlos und ganz natürlich. Natürlichkeit hat man oder nicht, sie allerdings einem Publikum vermitteln zu können, ist auch Teil einer persönlichen Entwicklung. So kann ich mich noch an eine ganz in sich versunkene Marjan Shaki bei einem Benefiz-Konzert im Wiener Museumsquartier am 29. Dezember 2003 erinnern. Sie sang Songs von Tori Amos und Barbra Streisand und hatte die Augen meist geschlossen. Den Wechsel zum Singing Actor, der auch zeigt, dass die Augen neben der Stimme ein enorm wichtiges Instrument des Performens sind, den hat sie mittlerweile auch für das Publikum sichtbar vollzogen.

Die Gemütlichkeit des Abends war eine Art Konzept, und zwar ein sympathisches, und eines, das voll aufging. Umgesetzt wurde das Konzept beispielsweise mit zum Großteil improvisierten Zwischenmoderationen. Wer Konzerte, Shows und Musicals gerne öfter sieht und bei beiden Abenden dabei war, hatte so die Chance, zwei doch in vielen Nuancen sehr unterschiedliche Performances der beiden Darsteller zu erleben.

Die “Band” der beiden bestand aus Lior Kretzer am Keyboard und Ulrich Permanschlager an der Gitarre und am Bass. Zum Saxophon hat Lukas Perman bei einigen Songs selbst gegriffen. Lior Kretzer, von Lukas Perman und Marjan Shaki als “bester Pianist Wiens” gelobt, ist all jenen, die beispielsweise die Aufführungen der Konservatorium Wien Privatuniversität besuchen, mit Sicherheit ein Begriff. Er ist derzeit stellvertretender Abteilungsvorstand für Musikalisches Unterhaltungstheater, Korrepetitor und Musikalischer Leiter der Eigenproduktionen des Hauses - und er ist vor allem Klavierspieler mit Drive und Seele. Er liefert die nötige Power an den Tasten und das gewisse verspielte Etwas bei Balladen. Neben Ulrich Permanschlager am Bass und der Gitarre wäre auch noch Lukas Permans Schwester am zweiten Abend als Bandmitglied zur Verfügung gestanden, allerdings spielt sie Harfe, und da hätte man zum Cenario vermutlich noch ein Lokal dazumieten müssen.

Es waren unterhaltsame Shows mit gut gewählten Songs aus Musicals wie “Annie Get Your Gun”, “Phantom”, “Mozart!”, “The Lion King”, “City of Angels” oder “The Scarlet Pimpernel” - und klassische Pop-Balladen wie “Promise me” von Beverly Craven oder “Just the way you are” von Billy Joel. Ein Song aus Frank Wildhorns “Civil War” (”Sarah”) wurde am zweiten Abend durch das etwas flottere “Have you met Miss Jones” von Richard Rodgers & Lorenz Hart aus dem Musical “I’d rather be right” ersetzt. Balladen blieben aber dennoch dominant, und das ist auch gut so.

Nicht zuletzt war “schnurlos” ein Benefiz-Konzert. Rund 1700 Euro Reinerlös brachten die beiden Abende der Aktion “Menschen für Menschen” - ein schöner Erfolg auch in dieser Hinsicht.

Setlist:
01) Unehrlichkeiten - Lukas Perman (”City of Angels”, Cy Coleman/David Zippel)
02) My Funny Valentine - Marjan Shaki (”Babes in Arms”, Richard Rodgers/Lorenz Hart)
03) Can You Feel The Love Tonight - Lukas Perman (”The Lion King”, Elton John/Tim Rice)
04) Promise Me - Marjan Shaki (Beverly Craven)
05) Dich kennen heißt dich lieben - Marjan Shaki & Lukas Perman (”Mozart!”, Sylvester Levay/Michael Kunze)
06) Have You Met Miss Jones - Lukas Perman (”I’d Rather Be Right”, Richard Rodgers/Lorenz Hart)
07) When I Look At You - Marjan Shaki (”The Scarlet Pimpernel”, Frank Wildhorn/Nan Knighton)
08) Medley: Hasta que vuelvas - Lukas Perman (Felipe Gil/Mario Arturo)/Historia de un amor - Marjan Shaki (Carlos Eleta Almaran)
09) Who Could Ever Have Dreamed Up You (in japanischer Sprache gesungen) - Lukas Perman (”Phantom”, Maury Yeston)
10) Rosen und Prinzen - Marjan Shaki (Marjan Shaki)
11) Anything You Can Do, I Can Do Better - Marjan Shaki & Lukas Perman (”Annie Get Your Gun”, Irving Berlin)
12) Fly Me To The Moon - Lukas Perman (Bart Howard)
13) Autumn Leaves - Marjan Shaki (Joseph Kosma/Johnny Mercer)
14) Just The Way You Are - Lukas Perman (Billy Joel)
15) I’m With You - Marjan Shaki (Avril Lavigne/Lauren Christy/Graham Edwards/Scott Spock)
16) Endless Love - Marjan Shaki & Lukas Perman (Lionel Richie)

Martin Bruny am Dienstag, den
20. November 2007 um 12:48 · gespeichert in Wien, Fotos, 2007

Am Donnerstag, dem 22. November 2007, geht die Musicalpremiere der diesjährigen Wiener Herbstsaison schlechthin über die Bühne der Wiener Kammeroper: “The Last Five Years” von Jason Robert Brown (geboren 1970). Man kommt, wenn man sich mit der Zukunft der Kunstform Musical beschäftigt, am Komponisten (und Texter und Autor) dieser Show nicht vorbei.

Jason Robert Brown liefert mit “The Last Five Years” einen sensiblen, feinen Score mit Elementen aus Pop, Jazz, Latin, Klezmer, Klassik, Rock und Folk. Jeder einzelne Song ist ungeheuer fein gepinselt, kann für sich allein stehen und hat eine Vielzahl an Melodie-Nuggets in sich geborgen, die, wenn man auch nur halbwegs dafür offen ist, eine unverwechselbare Wohlfühlstimmung schaffen.

“The Last Five Years” ging Off-Broadway am 3. März 2002 im Minetta Lane Theatre ins Rennen und war da bis zum 5. Mai 2002 zu sehen. Jason Robert Brown wurde für seine Show mit einem Drama Desk Award ausgezeichnet (”Outstanding Music and Lyrics”). Nominiert war das Musical auch in den Kategorien “Outstanding Musical”, “Outstanding Actor [Norbert Leo Butz]”, “Outstanding Actress [Lauren Kennedy]”, “Outstanding Orchestrations” und “Outstanding Set Design”. Weitere Nominierungen: Lucille Lortel Award Nominierung als “Outstanding Musical” und “Outstanding Actor” sowie Outer Critics Circle Award Nominierung als “Outstanding Off-Broadway Musical”.

In der Wiener Kammeroper ist, und das ist eine Ideallösung, die englischsprachige Originalversion zu sehen. Es spielen Rob Fowler (Jamie) und Caroline Frank (Catherine). Die Musikalische Leitung hat Michael Schnack übernommen, Alonso Barros zeichnet für Inszenierung und Choreographie verantwortlich.
Martin Bruny am Montag, den
19. November 2007 um 19:14 · gespeichert in Wien, Fotos, Theater, 2007

Es gibt sie noch, die Musical-Überraschungen. Das Wiener Gloria Theater ist (noch) nicht dafür bekannt, eine Heimstätte für Musicalevergreens zu sein, eher schon für Boulevard und Komödien - mit den alten Publikumslieblingen wie beispielsweise Götz Kauffmann, Peter Lodynski oder Brigitte Neumeister als Zugpferde. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Am 16. November 2007 feierte jedenfalls im Gloria Theater Howard Ashmans & Alan Menkens Show “Little Shop of Horrors” Premiere, eine liebenswerte Version in einem gelungenen wunderbar verspielten altmodischen Bühnenbild (Robert Sinn, Gerold Kubitschek) mit knallig grünblau designten fleischfressenden Audreys II in verschiedensten Entwicklungsstufen bis hin zur riesengroßen fleischfressenden Furie, in einer Inszenierung von Gerhard Ernst, der, und das muss man bei den Versionen, die bisher in Wien zu sehen waren, fast betonen, auch den Schauspielszenen in diesem Musical die angemessene Beachtung zukommen lässt. Gerade bei “Little Shop of Horrors” erkennt man oft die Tendenz, die Schauspielszenen entweder aufs Notwendigste zu kürzen oder in furiosem Tempo runterzunudeln. Das ist bei der Version des Gloria Theaters nicht der Fall. Da ist es vielleicht ganz gut, an diesem Theater eine Art Crossover-Produktion von Boulevard und Musical zu haben, in der Wert auf gut getimte Pointen gelegt wird, vor allem vom Prinzipal des Hauses, Gerald Pichowetz.

Mit Pichowetz in der Rolle des Blumenladenbesitzers Mr. Mushnik steht der Direktor des Gloria Theaters selbst in einer Hauptpartie auf der Bühne und gibt die Rolle mit fein einstudierter Mimik und Gestik, mit wunderbarem jiddischen Akzent, was dem Ganzen zusätzliches Flair verleiht - auch das eine Facette, die man nicht in jeder Produktion hört. Und auch eine flotte Tanzszene legt er gemeinsam mit Gernot Kranner (in der Rolle des Seymour) auf die Bühne, choreographiert von Cedric Lee Bradley, der damit einmal mehr beweist, dass man mit dem nötigen Know-how auch vermeintlichen Nichttänzern einen unpeinlichen und durchaus schwungvollen Tanzauftritt auf den Leib schneidern kann.


Gernot Kranner als “schüchterner Lehrling” Seymour ist ein schwieriger Fall. Im Prinzip könnte man es sich einfach machen und sagen, dass die Rolle mit ihm nicht altersadäquat besetzt ist, doch man nimmt Kranner den Seymour zum Teil durchaus ab, vor allem, was sein Schauspiel betrifft. Dass er einen Pepi trägt, damit man ihm die von der Rolle geforderte jugendliche Kraft oder auch Tollpatschigkeit bis in die (falschen) Haarspitzen ansieht, ist nicht das Problem. Es liegt schon eher daran, dass Seymours Songs nicht wirklich zu Kranners Stimme passen, denn den Körper kann man mit allerlei Mittelchen auf jung trimmen, aber die Stimme? Auch schien Kranner zumindest bei der Premiere nicht ganz wohl in seiner Haut zu sein, nicht ganz in der Rolle, aber das mag ein tatsächlich viel zu subjektiver Eindruck sein. Freilich kann es auch daran liegen, dass bei dieser Vorstellung in der ersten Reihe Mitte drei ältere Damen saßen, die sozusagen ohne Rücksicht auf Verluste ihre eigene, ganz private Show abzogen und ein Benehmen an den Tag legten, wie ich es in all den Jahren, die ich ins Theater gehe, noch nie erlebt habe. Die drei Damen könnten buchstäblich aus dem “Kaisermühlenblues” stammen. Im tiefsten Wiener Slang waren sie sich nicht zu dumm, fast jede Szene zu kommentieren oder sogar Vorschläge auf die Bühne zu brabbeln, wie ihrer Meinung nach die Handlung weitergehen könnte. Vielleicht mag es ja zu seiner Rolle gehören, aber als Mat Schuh als sadistischer Zahnarzt Dr. Orin Scrivello endlich das Zeitliche segnete und röchelnd zu Boden ging, zeigte er mit der rechten Hand, quasi als schene Leich, in Richtung der drei lärmenden Hausmeisterinnen den Stinkefinger. Wäre fast zu schön, wenn das eine spontane Geste gewesen wäre, aber letztlich blieb sie ohnedies ohne Wirkung, denn die drei waren schon dabei, eifrig Ratschläge zu geben, was Gernot Kranner denn als nächstes tun sollte. Gaben sie Kranner vor ein paar Sekunden noch lauthals den Rat “DASCHIESS EAM”, fragten sie ihn nun: “NA WOS MOCHST JETZA?”

Mat Schuh als Dr. Orin Scrivello ist eine helle Freude. Der Vollblutentertainer entert die Bühne auf eine Weise und mit einem Gesichtsausdruck, den man wohl nur dann schafft, wenn man einen Blutdruckwert von 280 zu 140 hat und in ein Paar sensiblen Körperteilen Elektroden stecken, die sämtliche Gesichtsmuskeln gleichzeitig in alle vier Himmelsrichtungen reißen. Was immer Schuh vor seinem Auftritt getan hat, er sollte es sich patentieren lassen. Nicht mal ein Jim Carrey bekommt eine solche Mimik ohne Special Effects hin. Schuh war eindeutig eines der Glanzlichter dieses Premierenabends.

Die Rounder Girls (Tini Kainrath, Kim Cooper und Lynne Kieran) geben als Crystal, Chiffon und Ronnette quasi ein Dacapo jener Rollen, die sie seinerzeit schon im Wiener Metropol spielten. Dieses Mal stimmlich noch überzeugender, sympathisch und mit witzigen wienerischen Einwürfen.

Der Star des Premierenabends war Caroline Vasicek. Wenn man von ihr das typische lispelnde hysterische Blondinchen erwartet hätte, wäre man vermutlich enttäuscht. Weder lispelt sie übertrieben noch gestaltet sie ihre Rolle als Zerrbild eines billigen Blondinenwitzes. Was sie jedoch abliefert, sind wunderbare Interpretationen ihrer Songs. Da hört man im Theater keinen Mucks, bis zur letzten Reihe lauscht man dem sanften weichen Ausklingen von Liedern wie “Im Grünen irgendwo”. Sie verleiht ihrer Rolle weniger den Charakter einer Comicfigur, wie das bei vielen Inszenierungen des “Kleinen Horrorladen” der Fall ist, sondern gestaltet sie glaubhaft und berührend, auf jeden Fall auf ihre ganz eigene Weise.

Der kleine und am Ende ganz große Pflanzenschreck Audrey II wird von Eddie Cole gesungen, einem Original-Mitglied der legendären US-TV-Show “Soul Train”. Als Sänger hat Cole mit Größen wie Diana Ross, Aretha Franklin, Tom Jones, The Pointer Sisters, Chaka Khan und Prince zusammengearbeitet. Cole ist ein begnadeter Soulsänger, und was den Gesang betrifft, liefert er eine perfekte Leistung beim “Kleinen Horrorladen” im Gloria Theater ab. Ein kleines Handicap hat er leider: Man versteht ihn relativ schlecht, wenn er Texte in deutscher Sprache singt. Noch dazu scheint ausgerechnet bei ihm die Tonregie (Walter Berger), die bei allen übrigen Darstellern ausgezeichnete Arbeit geleistet hat, keinen Weg gefunden zu haben, seine Gesangspassagen klarer auf die Bühne zu bekommen.
Die Band, bestehend aus Mario Pecoraro (Keyboard), Bernhard Eder (Keyboard), Juan Garcia (Bass), Christoph Helm (Gitarre), Michael Höglinger (Gitare) und Silvio Berger (Drums) liefert einen soliden Klangteppich, manchmal leiern die Synthis ein bisschen zu sehr, aber an und für sich macht man das Beste aus den Gegebenheiten.
Der “Kleine Horrorladen” im Floridsdorfer Gloria Theater ist ein Hit, den man nicht versäumen sollte.
Gloria Theater: “Little Shop of Horrors” - “Der Kleine Horrorladen”
Buch und Liedtexte: Howard Ashman
Deutsch von Michael Kunze
Musik: Alan Menken
Nach dem Film von Roger Corman
Drehbuch von Charles Griffith
Bühnenrechte: Gallissas Theaterverlag
Premiere: 16. November 2007 (Vorstellungen bis zum 27. Dezember)
Regie: Gerhard Ernst
Musikalische Leitung: Mario Pecoraro
Choreographie: Cedric Lee Bradley
Bühnenbild: Robert Sinn, Gerold Kubitschek
Kostümbild: Barbara Langbein
Maske: Harry Pfeifer, Wolfgang Haller
Inspizienz: Franz Mifkovic
Regie-Assistenz: Kirsten Rochhart
Licht: Thomas Feratova
Ton: Walter Berger
Seymour: Gernot Kranner (Leopold Paul Dallinger)
Audrey: Caroline Vasicek (Sandra Högl)
Mr. Mushnik: Gerald Pichowetz (Peter Faerber)
Dr. Orin Scrivello: Mat Schuh (Chris Kaye)
Crystal: Tini Kainrath
Chiffon: Kim Cooper
Ronnette: Lynne Kieran
Audrey II: Eddie Cole
Mrs. Luce: Kathrin Unterrainer
Sandler/Reporter: Rochus Millauer
Keyboard: Bernhard Eder, Mario Percoraro
Bass: Juan Garcia
Gitarre: Christoph Helm, Michael Höglinger
Drums: Silvio Berger
Karten & Information:
Online: tickets.jet.at
Hotline: +43 1 278 54 04
Fax: +43 1 278 54 04 4
Adresse: Gloria Theater, Prager Straße 9, 1210 Wien
Martin Bruny am Mittwoch, den
31. Oktober 2007 um 23:47 · gespeichert in Tonträger, Tonträger
Nur als Import ist die CD des Monats schlechthin erhältlich: “Best of Friends” von Jools Holland. Der englische Pianist, Bandleader und Moderator hat auf seiner neuesten und zwölften CD die besten jener Aufnahmen zusammengestellt, die er mit der Elite der Jazz-, Pop-, R&B- & Crossover-Szene in den letzten Jahren aufgenommen hat. So finden sich als Gaststars auf dieser CD George Harrison, Bono, Tom Jones, die Blind Boys of Alabama, Edwin Starr, Lulu, Ruby Turner, die Stereophonics, Norah Jones, Chrissie Hynde, Sting, Indie.Arie, Eric Clapton, der legendäre Shane Mc Gowan, der unsterbliche Solomon Burke und viele andere.
Holland war als Keyboarder Gründungsmitglied der Band Squeeze. Seine Solokarriere startete er 1978 mit der EP “Boogie Woogie ‘78″. 1987 gründete Holland seine 18-köpfige Tourband “The Rhythm & Blues Orchestra”, die oft durch die Sängerinnen Sam Brown und Ruby Turner verstärkt wird. Seine Karriere als Fernsehmoderator begann Holland als Co-Moderator der Musiksendung “The Tube” zusammen mit Paula Yates. Seit 1992 präsentiert er die Sendung “Later with Jools Holland”, in der er sowohl bekannte Künstler als auch Newcomer verschiedenster Musikrichtungen vorstellt. Und dass er ein Gespür dafür hat, was gut ist, beweist unter anderem die Tatsache, dass der englische Neo-Superstar Mika bei “Later with Jools” seinen ersten TV-Auftritt hatte.
Ein paar kurze Videoclips von den Studioaufnahmen für diese CD bietet Amazon.co.uk. Allein die Art und Weise, wie Jools Holland aus dem alten Hadern “Tuxedo Junction” eine irre, funkensprühende Nummer zaubert, ist den Kauf der CD wert. Weitere Anspieltipps: “Horse to the water” (eine der letzten Aufnahmen, die George Harrison vor seinem Tod eingespielt hat), “Just to be home with you” (gemeinsam mit Shane McGowan) oder die wunderbare Coverversion des Ewan McColl-Hits “First Time Ever I Saw Your Face”, die Holland mit den Stereophonics aufgenommen hat.
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