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Archiv - Theater

Jazz Fest Wien: Curtis Stigers & Gisele Jackson live

Mit einem phänomenalen Konzert begeisterte Curtis Stigers am 8. Juli 2008 in der Wiener Kammeroper beim Jazz Fest Wien.

Foto: Martin Bruny

Begonnen hat alles mit dem Einheiz-Soul/R&B/Funk-Act von Gisele Jackson, die es mit dem Wiener Publikum etwas schwer hatte. Ganz nach Performer-Manier einer Patti Labelle enterte sie die ersten Sitzreihen und animierte die Wiener zum Mitsingen, daraus wurde - natürlich - nichts, dann reduzierte sie auf “Can you show me love - in your way”, was nach zwei zaghaften Ich-weiß-nicht-wie einer der Wiener mit einem herzhaften “NO” beantwortete.

Gut war sie dennoch, Gisele Jackson, auch wenn sie auf eine Line-up zurückgreifen musste, die aus Wien stammte (Christoph Helm, g; Hannes Oberwalder, keys; Bernhard Wiesinger, ss, ts; Bastian Stein, tp; Jojo Lackner, b) und nicht wirklich auf einen stimmigen Groove kam. Zu sehr klebten die Musiker an ihren Noten, Drummer Joris Dudli, langjähriger musikalischer Begleiter von Gisele Jackson, tat sein Möglichstes, und in manchen Momenten ging die Show dann auch wirklich ab.

Curtis Stigers wurde bei seinem ersten Gig in Wien nach sechzehn Jahren von Matthew Fries an Bösendorfer, an den Drums von Keith Hall, am Kontrabass von Cliff Schmitt und an der Trompete von John Sneider begleitet. Er startete mit einem verjazzten Elvis-Klassiker (”That’s alright Mama”, geschrieben von Arthur Crudup) und gab danach “You’re all that matters to me”, einen seiner eigenen Klassiker von seinem ersten Album, mit kleiner Scat-Einlage. In seinem rund 90-minütigen Programm verließ sich Stigers aber nicht auf das, was er für viele, die seine Karriere in den letzten Jahren nicht mitverfolgt haben, am besten kann, nämlich poppige Love-Songs. Er rechtfertigte quasi seinen Auftritt beim Jazz Fest Wien mit ein paar satirischen Kommentaren zu seinem Image als Pop-Schnulzer und dass er eigentlich ja den Jazz schon immer geliebt hat:

Joe Jackson, Randy Newman, Bob Dylan, Tom Waits, Emmylou Harris - die großen Songwriter und Interpreten waren es dann, die Stigers in der Wiener Kammeroper interpretierte - und seinen Trademark-Song “I wonder why”. Ein charmanter Abend mit einer durch und durch gediegenen, swingenden Band und einem Curtis Stigers in Hochform. Wunderbar.

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Kultur-Channel/Showfotos

Kabarett Simpl: Kein schöner Land

Copyright: Kabarett Simpl Foto: Kössler/Knott
So schrill Kabarett oft ist, das wirkliche Leben kann sogar die überzogenste Lachnummer manchmal toppen. Nehmen wir nur die aktuelle Revue des Kabarett Simpl “Kein schöner Land”, die noch bis 9. Juni 2008 zu sehen ist. Da erleben wir Österreichs Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky, wie sie leibt, lebt und Kondome verteilt, gnadenlos kabarettistisch verulkt von Bernhard Murg. Wer unlängst das exekutierende ÖVP-Mitglied in der ORF Nachrichtensendung Zeit im Bild erlebt hat, wie “es” sich buchstäblich aufgepudelt hat, angesichts der Proteste der Ärzte über die anstehende “Gesundheitsreform”, die unter anderem zum Ziel hat, Ärzte zu entmündigen und die Apotheker Medikamente für die Patienten bestimmen zu lassen, der hat ja im Prinzip schon Kabarett pur gesehen. Wie die werte Ministerin ihren Body voll Empörung in aufgebrachter Pose leicht streckt, den Kopf nach hinten wirft, die Arme ein wenig unkoordiniert seitlich und nach hinten wirft, ein symbolisiertes langgezogenes nonverbales JETZT SCHEIIIISSTS EUCH DO NED SO AAAAAN in die Kamera und den Ärzten zumimt, da braucht man nicht mehr viel karikieren, das ist bereits bestens vorgelegtes Kabarett. Die Realität der Gesundheitsministerin kabarettistisch toppen zu wollen, würde bedeuten, eine Art Dagoberthausen zu entwerfen, und ja, im Prinzip haben die Macher des Simpl-Programms “Kein schöner Land” genau das gemacht. Österreich als Dagoberthausen Europas. Da wird über den Ausverkauf Österreichs an russische Magnaten geulkt, über das marode Gesundheitssystem, über Auswüchse der modernen Technologie und das sinnentleerte Dasein des Militärs, über die Schule einst und jetzt, All-inclusive-Urlaube und vieles mehr - alles unter dem Motto: aber schön hammas schon hier.

Copyright: Kabarett Simpl Foto: Kössler/Knott

Die Gags bei “Kein schöner Land” sind, wie vom Simpl der “Neuzeit” erwartet wird, manchmal sehr deftig, was die Wahl des Vokabulars betrifft, und das natürlich gewollt und gut ausgearbeitet. Was für Michael Niavarani und Albert Schmidleitner zählt, ist laut lachendes Publikum. Das allerdings war schon immer so im Simpl. Die Schmunzler sind die Feinde der guten Performance. Wer laut lacht, wird Teil der Show, wenn der ganze Saal wie aus einer Kehle lacht, dann, und nur dann ist es für die Kabarettmacher ein perfekter Abend. Manche der Darsteller gehen dafür laut lachend über Leichen, natürlich nur bildlich gesprochen. Es gibt sehr wohl Tricks, ein lahmarschiges Publikum aus der Reserve zu holen, wenn man beispielsweise aus der Bühnenrolle heraustritt und Texthänger simuliert. (Nein, natürlich macht man so etwas niemals nie.) Auf der einen Seite lacht das Publikum gerne über solche “Hoppalas”, Schadenfreude ist die schönste Freude, auf der anderen Seite kann man als Kabarettist diese Taktik gezielt einsetzen, um Lacher abzustauben. Motto: Jeder Lacher zählt, selbst wenn nicht über das gelacht wird, was man eigentlich darstellen wollte.

Das Schöne am Simpl ist bei gelungenen Sketches das perfekte Timing und die hohe Taktrate der Gags, Tak - Tak - Tak, im Stakkato, auf ganz unterschiedlichem Niveau. Manchmal gehts einfach auch nur darum, im ärgsten Slang derbste Vokabel zu zermatschen, und damit das zu machen, was so viele in ähnlichen Situationen machen wollen, sich aber nicht trauen - völlig auszurasten. Musterbeispiel dafür ist einer der herrlichsten Sketche des Abends: “Ein neues Telefon”, in dem Bernhard Murg einen verdrossenen Handybesitzer gibt, der voller mühsam zurückgehaltenen Aggressionen “ein Vierteltelefon” im Handyshop ordert. Pointe folgt auf Pointe, bis das Ganze ins Abstruse driftet und der Mann, der einfach ein Telefon zum Telefonieren will, mit Wählscheibe, ohne Funktion zum Anklopfen, ein Wurschtsemmerl bei der Handytussi bestellt, aber OHNE GURKERL.

Das, was beispielsweise für “Forbidden Ronacher” angekündigt wurde, nämlich Gag auf Gag auf Gag, Wuchteln im Sekundentakt, das gabs zwar bei der Produktion der Vereinigten Bühnen Wien im Museumsquartier nicht, dafür hat Regisseur Werner Sobotka, der dem Simpl von Kindheit an engverbunden ist, bei “Kein schöner Land” gute Arbeit geleistet. Schon mit sechs Jahren hat Sobotka seine erste Doppelconfà©rence geschrieben, gedacht wäre sie für Gerhard Bronner und Peter Wehle gewesen. Durch seinen Vater Kurt Sobotka bekam er mit neun Jahren seinen ersten Kontakt ins Simpl. Sobotka:

Schon damals war klar, dass ich etwas in der Richtung mache. Mir zumindest. Von da an war ich jedes Jahr bei der Premiere, weil mich das so fasziniert hat.

Im Simpl unter der Regie Sobotkas und der Leitung von Michael Niavarani ist die Darstellerriege im Vergleich zur letzten Intendanz (Martin Flossmann) erheblich verjüngt worden, und auch die Anforderungen sind andere geworden. Praktisch alle Darsteller haben neben einer Schauspiel- auch eine Gesangs- und Tanzausbildung. Das wiederum ist die Voraussetzung für ein sehr abwechslungsreiches Programm, das von Cedric Lee Bradley choreographiert wurde. Die musikalischen Einlagen haben bei “Kein schöner Land” allerdings eher die Funktion von Nummerngirls, die die Pause zur nächsten Gagparade überbrücken. Das ist zwar ein bisserl schade, bietet aber doch ein wenig Abwechslung. Neben Bernhard Murg auf der Bühne: Angelika Niedetzky, Alexandra Schmid, Christoph Fälbl, Ciro de Luca, Thomas Smolej und Thomas M. Strobl, ein durch die Bank spielfrohes Ensemble, mit einer Produktion, die man sich schnell noch ansehen sollte.

KEIN SCHÖNER LAND
Eine kabarettistische Revue von Michael Niavarani und Albert Schmidleitner

mit: Angelika Niedetzky, Alexandra Schmid, Christoph Fälbl, Ciro de Luca, Bernhard Murg, Thomas Smolej und Thomas M. Strobl.

Conference: Ciro de Luca
Musikalische Leitung: Christian Frank
Choreographie: Cedric Lee Bradley
Bühnenbild: Markus Windberger
Kostüme: Gaby Rajtora
Regie: Werner Sobotka

Fair enough - “My Fair Lady” an der Wiener Volksoper 2008

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

“Mein Gott, “My Fair Lady” ist doch ein MUSICAL!” Unglaublich, dass niemand in der Volksoper das zumindest mal leise vor sich hingemurmelt hat, am vergangenen Donnerstag, dem 3. April 2008, als “My Fair Lady” nach viereinhalb Jahren Pause wieder in das Haus am Währinger Gürtel einzog. Vielleicht haben es sich einige wenigstens gedacht. “My Fair Lady” ist kein Schauspiel mit Musik, es ist, wenn schon, Schauspiel mit Gesang, nicht mit Sprechgesang, oder wenn, dann von einer Güte, die ein Peter Matic (Oberst Pickering) liefert, bei dem jeder vorgetragene Text wie Musik klingt. Liest man sich die Kritiken der Tagespresse zu “My Fair Lady” durch, so scheint alles okay gewesen zu sein, bei der offiziellen Premiere der Neueinstudierung eines jener typischen Musical-Schlachtschiffe, die seit Jahrzehnten das “klassische” Musical weltweit am Leben halten.

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Auch diese Version wird wohl einige Jahre im Haus am Währinger Gürtel laufen, und vermutlich wird jede Vorstellung restlos ausverkauft sein, und das auch durchaus mit einiger Berechtigung, nur: Ein wirkliches “Musical” habe ich zumindest nicht gehört.

In der Wiener Volksoper hat man sich castingmäßig zu einem Publicity-Stunt entschlossen. An jenem 3. April 2008 war das Haus der kleinste gemeinsame Nenner von Burgtheater, Volkstheater, Josefstadt und den Vereinigten Bühnen Wien, Volksoper und Staatsoper - gesponsert von der Raiffeisen Bank. Wer kommt von wo?

Katharina Straßer (Eliza Doolittle): Volkstheater
Herbert Föttinger (Henry Higgins): Theater in der Josefstadt (Direktor)
Peter Matic (Oberst Pickering): Burgtheater
Robert Meyer (Alfred P. Doolittle): Volksoper (Direktor)
Lukas Perman (Freddy Eynsford-Hill): Vereinigte Bühnen Wien
Louise Martini (Mrs. Higgins): Theater in der Josefstadt
Ulli Fessl (Mrs. Pearce): Burgtheater
Chor und Orchester der Volksoper Wien
Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper
Bühnenorchester der Wiener Staatsoper

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

Wie schon bei “Cabaret” (in der Produktion des Volkstheaters 2007) habe ich mit Katharina Straßer ein kleines Problem. Schauspielerisch ist die Rolle der Eliza bei ihr in guten Händen. Im Vergleich zu Dagmar Koller, zu einer ihrer Vorgängerinnen in dieser Rolle, ist sie fast schon burschikos, das ist auf eine bestimmte Art und Weise sehr ansprechend. Ihre Handhabung des Wiener Dialekts ist entzückend, wie sie das Blumenmädchen und die anglernte Lady spielt, schauspielerisch top. Andererseits ist Straßer stimmlich der Rolle einfach nicht gewachsen. Natürlich kann man das Konzept verfolgen, eher Schauspielerinnen als Musicaldarstellerinnen in dieser Rolle zu besetzen, nicht jedem muss das aber gefallen. Herrliche Musicalmelodien verpuffen ins
Nichts, wenn solche Stimmen sie singen. Statt Gänsehaut zu bekommen, muss man sich räuspern, wenn Refrains fast schon ins Krächzen driften. Man kann das nicht mal verhindern. Wie unendlich schade ist es, wenn man gerade die Eliza nicht mit einer wunderbaren Sängerin besetzt. Ich meine damit keine operettenhaften Stimmen, sondern Musicalstimmen. Es gibt sie, wir haben sie, nehmt sie doch, besetzt sie.

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

Robert Meyer als Müllkutscher Alfred P. Doolittle war der Star des Abends. Mehr Szenenapplaus, mehr Bravo-Rufe konnte keiner abstauben. Und das mit Recht. Er spielt Lerner-Loewe als wär es Nestroy-Raimund. Passt, könnte man sagen. Seine Songs bringt er wie Couplets, da ist einiges geschickt auf Showstopper angelegt, und mit Routine und Ausstrahlung gestaltet er die Rolle in der “Wiener Fassung” von “My Fair Lady” souverän, ohne jetzt eine besondere Charaktertiefe aufzeigen zu können.

Herbert Föttinger gibt den Sprachforscher Higgins als modernen Single, ruppig, eigenbrötlerisch, weit weniger charmant als beispielsweise ein Michael Heltau, ein bisschen fehlt ihm dessen Funkeln, aber er hat andere Qualitäten und lässt erst gar nicht den Gedanken aufkommen, dass es sich bei ihm und Eliza um eine platonische Liebe handeln könnte. “My Fair Lady” wird da ganz unverblümt gedeutet. Da spielt kein Grandseigneur, sondern ein echter Kerl, der auch zupackt. Vielleicht fehlen manchmal die ganz leisen Zwischentöne.

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

Lukas Perman ist, so unglaublich es klingt, der einzige tatsächliche Musicaldarsteller dieser Neueinstudierung. Er gestaltet den Freddy als verliebten schmachtenden Träumer und singt, wie man Musicals singen sollte. Und er hat den, wie es “American Idol”-Star Simon Cowell formulieren würde, X-Factor, er hat Ausstrahlung, er weiß seine stimmliche Ausdruckskraft zwischen Pop und Musical fein zu nuancieren, ohne je gekünstelt zu wirken.

Mit Louise Martini ist eine tatsächliche Lady im Ensemble. Die Rolle der Mrs. Higgins ist gleichzeitig ihr Debüt an der Volksoper. Ihre Performance ist makellos. Peter Matic als Oberst Pickering schließlich ist quasi ihr männliches Pendant, eine stets fein nuanciert agierende Theatergröße, exaktest in der Diktion, jedes Wort ist da verständlich bis in die letzte Reihe des Theaters.

Tanzszenen gibt es, sie fallen nicht sonderlich auf, und das ist wohl gut so, denn da, wo sie auffallen, wirken sie schrecklich banal und ohne Esprit.

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

Am Ende des Abends war das Orchester ein wenig erschlafft, so scheints. Ein wenig mehr, so ein Zitat aus “My Fair Lady”, Pfeffer im Arsch, wäre gerade gut genug gewesen, um die Lady zum Finale schwungvoll in die Arme von Higgins zu begleiten. Nur mühsam kann man sich bei solchen Szenen zurückhalten, nicht doch zu versuchen, ein wenig anzutauchen, dem Dirigenten zuzurufen: “Und jetzt: Tempo, hopp!”. Am liebsten würde man mitdirigieren - aber es hilft alles nichts.

Ein Hit, soviel ist sicher, das ist das Fazit der Tagespresse, und dem kann man durchaus zustimmen. Wien ist derzeit bis auf die Volksoper praktisch musicallos. Im Raimund Theater läuft ein Rockvarietà©, ins Ronacher kommt eine Show, die musikalisch im Vergleich zu “My Fair Lady” wie aus einer anderen, längst vergangenen Epoche stammt, bleiben also die interessanten kleinen Produktionen und - “My Fair Lady”.

»My Fair Lady«
Musical in zwei Akten
nach Bernard Shaws “Pygmalion” und dem Film von Gabriel Pascal
Alan Jay Lerner (Buch und Texte)
Frederick Loewe (Musik)
Volksoper Wien: Premiere: Donnerstag, 3. April 2008, 19:00 Uhr

Leading Team
Textliche Einrichtung: Alexander Steinbrecher und Hugo Wiener nach der deutschen Übersetzung von Robert Gilet
Regie: Robert Herzl
Bühnenbild: Rolf Langenfass
Kostüme: Rolf Langenfass
Choreinstudierung: Thomas Böttcher
Choreographie: Susanne Kirnbauer, Gerhard Senft
Dirigent: David Levi
Musikalische Studienleitung: Gerrit Prießnitz
Regieassistenz und Abendspielleitung: Monika Steiner
Einstudierung der Tanzeinlagen und choreographische Assistenz: Lili Clemente, Ivan Lukas
Inspizienz: Elisabeth Schubert, Celia Olszewski
Souffleur: Rebecca Bedjai
Kostümassistenz: Jennifer Podehl
Techische Gesamtleitung: Friedemann Klappert
Technische Einrichtung: Andreas Tuschl
Technische Mitarbeit: Oliver Sturm, Lena Lentz
Ton und Multimedia: Martin Lukesch
Beleuchtung: Wolfgang Könnyü
Leitung Kostümabteilung: Doris Engl
Leitung Maske: Peter Köfler
Produktionsbetreuung Dekoration: Herbert Kienast
Produktionsbetreuung Kostüme: Christiane Burkhardt

Cast
Eliza Doolittle: Katharina Straßer
Mrs. Higgins: Louise Martini
Mrs. Pearce: Ulli Fessl
Mrs. Eynsford-Hill: Regula Rosin
Mrs. Higgins’ Zofe: Manuela Culka
Henry Higgins: Herbert Föttinger
Oberst Pickering: Peter Matic
Alfred P. Doolittle: Robert Meyer
Freddy Eynsford-Hill: Lukas Perman
Harry: Stefan Cerny
Jamie: Joseph Prammer
Butler: Hermann Lehr
Erster Obsthändler: Frederick Greene
Zweiter Obsthändler: Christoph Neumüller
Dritter Obsthändler: Heinz Fitzka
Vierter Obsthändler: Raimund-Maria Natiesta
Erste Zofe: Maja Wambersky
Zweite Zofe: Christiana Costisella
Dritte Zofe: Elisabeth Musger
Ester Diener: Thomas Tischler
Zweiter Diener: Tibor Levay
Blumenmädchen: Klaudia Nagy
Chor und Orchester der Volksoper Wien
Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper
Komparserie und Kinderkomparserie der Volksoper Wien
Bühnenorchester der Wiener Staatsoper

Wien: “No way to die” - ein Stück Kulttheater, das man gesehen haben muss

No way to die
Wer die Suchwörter “Selbstmord” und “Internet” googelt, kommt auf die erstaunliche Trefferzahl von rund 297.000 Sites. Bei “suicide” & “internet” kommt man schon auf fast 2 Millionen Treffer. “Suicide” und “Chatroom” ergeben 603.000 Treffer. Die jährliche Selbstmordrate (je 100.000 Einwohner, Stand 2005) beträgt in Österreich laut www.who.int bei Männern 26,1, bei Frauen 8,2 (insgesamt: 16,9). In einer europaweiten Statistik liegt Österreich damit auf Rang 14, weit vor Deutschland (Rang 22).

Selbstmord ist nach wie vor ein Tabuthema. Hat das Internet auch nicht dazu geführt, dass es zu einem Anstieg der Selbstmordrate gekommen ist, so hat es doch die Kommunikation von lebensmüden Menschen untereinander wesentlich erleichtert. Es gibt sie, die Selbstmordchatrooms, und sie funktionieren im Wesentlichen nicht anders als normale Chatrooms, nur wird aus einem eventuellen Date meist nicht mehr als eine Verabredung zum gemeinsamen Tod. Kommunikation im Netz ist direkt, oft viel schneller ganz ins Persönliche reichend, als man das im “realen” Leben je zulassen würde. Es ist erwiesen, dass Chatter einander innert kurzer Zeit persönlichste Details anvertrauen, die sie langjährigen Freunden im “realen” Leben nie anvertrauen würden. Aber was ist “real” und was nicht? Was ist Fake und was Leben? Und was passiert, wenn man zwischen Fake und Leben nicht mehr unterscheiden kann? Oder es nie konnte?

Genau das ist das Thema des Theaterstücks “No way to die“, das derzeit in einer der ältesten Kleinkunstbühnen Wiens zu sehen ist, im “Theater Neue Tribüne“, gelegen im Untergeschoss des duchaus bekannteren Cafà© Landtmann.

Julie (20) und August (19) treffen sich in einem Selbstmordchatroom. Sie lernen sich kennen und planen ihren gemeinsamen Tod. Julie zahlt August den Flug zum gemeinsamen Todes-Date. Von einer 600 Meter hohen Felskante wollen sie springen. Ob sie es auch tun? - Das ist, kurzgefasst, die Handlung von “No way to die”, basierend auf Igor Bauersimas Theaterstück “norway.today”, für das der Autor von der Zeitschrift “Theater heute” zum Nachwuchsdramatiker des Jahres gewählt wurde.

Die beiden Darsteller Jan Hutter und Irà©na Flury, Absolventen der Konservatorium Wien Privatuniversität, haben aus dem Schauspiel “norway.today” gemeinsam mit Regisseur Erhard Pauer, Peter Uwira, der die Musikalische Leitung übernommen hat, sowie Markus Tesch (Choreographie) ein Stück Musiktheater gemacht. Sie reicherten das Schauspiel mit Tanzelementen an und mit Songs, beides Elemente, die das Theatererlebnis zu einem durchaus auch sinnlichen werden lassen. Gleichzeitig nehmen sie damit aus den Dialogen das Tempo und ermöglichen es dem Publikum, das eben Gehörte wirken zu lassen. Durch Musik und Tanz wird der Zuschauer emotionalisiert, empfänglich gemacht. Was auf einen Song folgt, trifft ohne viel Gegenwehr auf das Publikum.

Die Chancen stehen gut, dass man als Zuschauer in “No way to die” öfter lacht als in drögen Musicalblockbustern wie “We Will Rock You”, wobei es durchaus interessant ist, warum man bei “No way to die” lacht. Ist es einfach eine natürliche, gesunde Reaktion, das eben Gehörte, durchaus Schockierende zu verarbeiten beziehungsweise durch lautes Lachen abzuwehren? Zum Teil sicher, denn was man sieht, sind zwei Jugendliche, die sich darauf vorbereiten, Selbstmord zu begehen. Sie inspizieren den Ort der Tat, sie versuchen, sich letzte Zweifel auszureden, nehmen Videogrußbotschaften auf. Aber der Text ist raffiniert gebaut. Er verlockt durchaus auch zum Lachen, dreht dann mit einem Satz die Perspektive von vermeintlich witzig auf todernst, und schon würde das (unangebrachte?) Lachen erfrieren, wenn man so schnell reagieren könnte. Ein Musterbeispiel:

August: Ich hab ernsthafte Versuche unternommen [mich umzubringen]
Ich habe eine Narbe im Gesicht
Ich bin aus dem Bett gefallen
Gleich nach der Geburt
Ich hab mich sozusagen da runtergestürzt
Das war mein erster Reflex
Seit ich denken kann, denk ich daran mich umzubringen
Im Ernst

Julia: Ich hab ne Frage. Wenn du sie mir richtig beantworten kannst, überleg ichs mir.
Vernunft! Was ist das?
August: Was?
Julia: Ja?
August: Ja?
Julia: Das ist die Frage!
August: Achso!
Julia: Lass dir Zeit.
August: Vernunft. Vernuft ist krank. Das weiß doch jeder.
Julia: Ist das alles?

Zum Teil ist es auch Fassungslosigkeit darüber, wie die beiden Lebensmüden sich über ihre Situation lustig machen. Man wird vom Lachen der beiden Todesmüden angesteckt, empfindet sich als Zuschauer mitunter in einer voyeurartigen Situation, ein Lachen beobachtend und aufnehmend, das aus einer Situation heraus entsteht, die eigentlich todernst ist. Was Igor Bauersima in seinem Drama schafft, ist ein sprachlicher Drahtseilakt, stets seine Glaubwürdigkeit bewahrend, nie ins Kalauernde, Aufgesetzte abrutschend.

Jan Hutter und Irà©na Flury beweisen mit “No way to die” ihre Kunst in allen drei Sparten, die ein Musicaldarsteller, durchaus auch jeder Schauspieler, heutzutage idealtypisch beherrschen sollte: Schauspiel, Tanz und Gesang. Sie machen aus “No way to die” Theater, das normalerweise Kultstatus erreichen müsste und eine ganze Zeitlang laufen sollte. Freilich ist das in Wien nicht leicht, Werbung ist teuer, aber wie auch immer. Wenn es ein Stück gibt, das beispielsweise das Theater der Jugend in seinen Spielplan aufnehmen sollte, dann dieses, behandelt es doch ein Thema, das nicht zuletzt auch viele Jugendliche betrifft. Wenn Theater heutzutage vielleicht ein wenig noch verändern kann, dann eventuell so, als Anstoß, als Anregung zur Diskussion und Selbstreflexion.

“No way to die” ist noch am 6. März, am 7. März und am 8. März jeweils um 20 Uhr im Theater Neue Tribüne zu sehen.

Musical Forever, Wiener Museumsquartier, 21. Dezember 2007

Zwanzig Jahre gibt es nun das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien, und da man immer feiern sollte, wenn sich ein Anlass bietet, gingen vom 19. bis 21. Dezember 2007 im Wiener Museumsquartier drei Shows mit dem Titel “Musical Forever” über die Bühne.

Musical Forever

Mit der Wahl des Veranstaltungsorts haben sich die Produzenten keinen großen Gefallen getan hat. Der Bau (die ehemaligen Reitstallungen) ist relativ ungeeignet für Events dieser Art. Sicher, man bekommt eine große Menge an Leuten unter, aber nur die Zuschauer in den vorderen Reihen haben etwas von der Show, hinten wird das Ganze uninteressant. Das betrifft beispielsweise den Ton. Er wurde für die vorderen Sitzreihen optimiert, hinten, auf den billigen Plätzen, nahm man ihn als viel zu leise wahr, der Vergleich macht sicher. Er wirkte so wie der Sound auf alten Videobändern, die man sich auf alten Videorekordern mit verschmutztem Tonkopf anhört. Dumpf und unklar. Wie zum Hohn hängen in der ganzen Halle bis hinten an den Wänden Lautsprecherboxen - allerdings wurden sie nicht in das Soundsystem integriert, die Musik kam ausschließlich von ganz vorne, und das ist in einem sich derart weit nach hinten und oben ziehenden, schlauchartigen Raum fatal. Zu den Vereinigten Bühnen Wien gehört auch das Theater an der Wien, und genau da hätte man die drei Shows spielen müssen. Da gibt es keine Ausreden, das Theater an der Wien wird kaum bespielt, Termine hätten sich finden lassen müssen. Im Theater an der Wien hätte man zumindest für etwas mehr Menschen akzeptablen Ton garantieren können. Und auch eine akzeptable Sicht, denn von hinten erkannte man nicht mal mehr die Darsteller, die man ohnedies schon kaum hörte.

Musical Forever

Die Wahl des Programms war bieder. Caspar Richter, Michael Pinkerton und Werner Sobotka wählten den Mainstream, bis auf wenige Ausnahmen, manchmal war man ganz offensichtlich geradezu gezwungen, bestimmte Songs reinzunehmen, um Stars wie Maya Hakvoort und Pia Douwes in einem Stück “unterzubringen”, so dufte Hakvoort aus “Elisabeth” die “Irrenhausballade” singen und Douwes gab “Ich gehör nur mir”. “Ich gehör nur mir” als Duett zu bringen, wäre wesentlich prickelnder gewesen, sinnvoller, aber auch mit ein wenig mehr Vorbereitungszeit verbunden. Eine solche Version wäre aber dem Abend angemessen gewesen.

Musical Forever

Uwe Kröger musste sich bei den drei Shows wie ein Verurteilter in einem “Murmeltier”-Film vorkommen, den man Abend für Abend zum Schafott führt. Bei keinem seiner Songs war er fehlerfrei, jedes Lied war ihm sichtlich eine Qual. Als Sänger versagte er im Rahmen dieser Produktion völlig. “Die Musik der Dunkelheit” (”Das Phantom der Oper”) zerstörte er mit schiefen Tönen, den “letzten Tanz” (”Elisabeth”) sang er fast nur auf einer Tonhöhe, “Wie kann es möglich sein” (”Mozart!”) killte er mit einem für ihn an diesen Tagen nicht erreichbaren Schlusston. Bei aller Liebe: Das kann man nicht machen. Wenn man weiß, dass man indisponiert ist, muss man die Konsequenzen ziehen. Da funktionieren auch keine Argumente mehr wie “Toll, dass er so ein Profi ist und den Abend gerettet hat.” Freilich war Kröger wie gewohnt charmant bei der Anmoderation der ersten Titel, und beim Weihnachtsmedley am Ende zeigte er allen, wer der Entertainer im Star-Ensemble ist, als er mit kleinen Gesten fröhliche Stimmung in die Halle zauberte. Diese Kunst beherrschen gute Entertainer. Das kann ein Alexander Goebel aus dem Effeff, und auch Kröger ist darin sehr gut.

Musical Forever

Pia Douwes sang ausschließlich Standardware wie “Memory” und “Macavaty” aus “Cats”, “Ich gehör nur mir”, “All that Jazz” (”Chicago”). Schade, dass man sich die Chance entgehen ließ, einen ihrer in den letzten Jahren so raren Wien-Auftritte etwas interessanter zu gestalten. Warum nicht ein Song aus “Freudiana” - aber Caspar Richter und sein Team beschränkten sich darauf, die Ouverture aus diesem unterschätzten Musical zu spielen. Selbstverständlich war Douwes bei ihren Songs makellos, die Choreographie (Ramesh Nair) bei “All that Jazz” grandios.

Musical Forever

Thomas Borchert und Carin Filipcic lieferten ihre Songs solide, abgesehen von “Ich bin Herr im Haus” (”Les Misà©rables”), das den Charme einer Schulaufführung hatte, Susan Rigvava-Dumas gab ein sensationelles “All by myself” (Eric Carmen) und ein gewohnt perfektes “Rebecca”. Die Überraschung des Abends war Lukas Perman, der am ehesten das umsetzen durfte, was man von einer solchen Gala erwartet hatte. Er sang mit “Warum kannst du mich nicht lieben” aus “Mozart!” und “Close every door/Any dream will do” (”Joseph”) - Songs, die nicht zu seinem Standardrepertoire gehören, er gab als Solo-Interpret “Just the way you are” (Billy Joel) und spielte dabei Saxophon, gemeinsam mit Marjan Shaki interpretierte er schließlich auch noch “You’re the one that I want”.

“Warum kannst du mich nicht lieben” war neben “All by myself” von Susan Rigvava-Dumas rein von der Interpretation her eines der Highlights der Show. Mit seiner reinen Popstimme, die so gar nichts Operettenglucksig-knödelndes an sich hat, und einer wahrhaft glaubhaften Interpretation gab Lukas Perman einen sensationellen “Mozart”. Marjan Shaki mit “Nur für mich” aus “Les Misà©rables” und “Somebody to love” (Queen), Maja Hakvoort mit “Kuss der Spinnenfrau” - das wäre, was das Konzept der Songauswahl betrifft, ein guter Standard gewesen. Dann wäre aus diesem zweifellos sehr schönen und unterhaltenden Abend, bei dem auch das Orchester mit Instrumentalnummern seine Qualität bewies, tatsächlich ein Event geworden, an das man sich noch lange erinnert hätte.

“Musical Forever - Das Beste Aus Zwanzig Jahren Musical”
1.Akt:
1. Ouverture aus “Freudiana” - Orchester
2. Sei hier Gast aus “Die Schöne und das Biest” - Alle
3. Memory aus “Cats” - Pia Douwes
4. Macavity aus “Cats” - Maya Hakvoort, Pia Douwes & Ensemble
5. Nur für mich aus “Les Misà©rables” - Marjan Shaki
6. Ich bin Herr im Haus aus “Les Misà©rables” - Thomas Borchert, Carin Filipcic & Ensemble
7. Phantom der Oper aus “Das Phantom der Oper” - Uwe Kröger & Pia Douwes
8. Die Musik der Dunkelheit aus “Das Phantom der Oper” - Uwe Kröger
9. Leroy Anderson Medley (Buglers Holiday, Clarinet Candy, Fiddle Faddle) - Orchester
10. Nimm mich wie ich bin aus “Jekyll & Hyde” - Thomas Borchert & Maya Hakvoort
11. Dies ist die Stunde aus “Jekyll & Hyde” - Thomas Borchert
12. Close every Door / Any Dream will do aus “Joseph” - Lukas Perman & Ensemble
13. Leonard Bernstein
Lonely town aus “On the town” - Thomas Borchert
I can cook too aus “On the town” - Carin Filipcic
Somewhere aus “West Side Story” - Susan Rigvava-Dumas
Conga aus “Wonderful town” - Orchester
14. Irrenhausballade aus “Elisabeth” - Maya Hakvoort
15. Der letzte Tanz aus “Elisabeth” - Uwe Kröger & Ensemble
16. Ich gehör nur mir aus “Elisabeth” - Pia Douwes

2.Akt
1. Musical Chairs - Orchester
2. Pop-Medley
Somebody To Love - Marjan Shaki & Ensemble
Just The Way You Are - Lukas Perman
All by Myself - Susan Rigvava-Dumas
3. Totale Finsternis aus “Tanz der Vampire” - Thomas Borchert, Marjan Shaki & Ensemble
4. Hier in Wien aus “Mozart” - Ensemble
5. Wie kann es möglich sein aus “Mozart” - Uwe Kröger
6. Gold von den Sternen aus “Mozart” - Carin Filipcic
7. Warum kannst du mich nicht lieben wie ich bin aus “Mozart” - Lukas Perman
8. Kuss der Spinnenfrau aus “Kuss der Spinnenfrau” - Maya Hakvoort
9. ESCAPADES aus “Catch me if you can” - Orchester
10. All That Jazz aus “Chicago” - Pia & Ensemble
11. Liebe aus “Romeo und Julia” - Marjan Shaki , Lukas Perman & Ensemble
12. Siehe da, sie liebt aus “Romeo und Julia” - Carin Filipcic
13. You’re the one that I want aus “Grease” - Marjan Shaki, Lukas Perman & Ensemble
14. Rebecca aus “Rebecca” - Susan Rigvava-Dumas & Ensemble
15. Wenn ich einmal geh aus “A Chorus Line” - Alle
Zugabe: Weihnachtslieder-Medley

Ensemble: Katharina Annà¡, Sabrina Harper, Esther Hehl, Iris Morakis, Simon Eichenberger, Steven Seale, Ingolf Unterrainer, Ronnie Wagner

Konzept und Zusammenstellung: Caspar Richter/Michael Pinkerton/Werner Sobotka

Musikalische Leitung: Caspar Richter

Regie: Werner Sobotka
Choreographie: Ramesh Nair
Licht: Gustav Vychron
Sound: Erich Dorfinger

Der Reigen, oder so … Ein Musical

Der Reigen, oder so: Foto: Martin Bruny

Ein Musical nach Arthur Schnitzlers “Reigen” zeigte der aktuelle Abschlussjahrgang der Abteilung Musikalisches Unterhaltungstheater der Konservatorium Wien Privatuniversität Wien am 6. Dezember im Leonie-Rysanek-Saal des Konservatoriums.

Der Reigen, oder so: Foto: Martin Bruny

Rainer Bräuer, Dea Andrea Frohn, Donja Daniela Golpashin, Elisabeth Heller, Peter Kratochvil und Richard Schmetterer sangen Lieder aus “Chicago”, “Songs for a New World”, “The Act”, “Parade”, “Gigi”, “Spring Awakening” und “Sweet Charity” sowie “El Tango De Roxanne” (”Moulin Rouge”), “Wenn du lachst” (Juli), “I’m still standing” (Elton John & Bernie Taupin), “Swing” (Louis Prima), “That Smile” (”It’s only Life” - John Bucchino), “Don’t let the sun go down on me (Elton John & Bernie Taupin) und spielten sechs Szenen aus dem “Reigen”. Von einer Nummernrevue zu sprechen wäre in diesem Fall nicht angebracht, vielmehr handelt es sich um ein klug durchdachtes und konzipiertes Stück Musiktheater. Mehr dazu in der Februar/März 2008-Ausgabe von “musicals”.

Der Reigen, oder so: Foto: Martin Bruny

Die weiteren Vorstellungstermine: 7. Dezember, 10. Dezember und 11. Dezember. Alle Shows sind bereits ausverkauft, es gibt allerdings Restkarten 15 Minuten vor jeder Vorstellung.

Der Reigen, oder so: Foto: Martin Bruny

Leading Team
Regie: Erhard Pauer
Musikalische Leitung: Lior Kretzer
Raum: Erhard Pauer, Ernst Wilfinger
Kostüm: Mimi Zuzanek
Choreografie: Marcus Tesch
Lichtdesign: Barbara Dulcinea Jan
Technische Leitung: Werner Eichelberger
Technische Koordination: Ernst Wilfinger
Bühnenmeister: Harald Lindermann
Ton: Martin Laumann, Michael Schmidt, Hannes Motal
Bühnenbild: Stefan Michaelfeit
Produktionsleitung- und Assistenz: Michaela Riedl-Schlosser
Inspizienz: Doris Richter

Musik
Vienna C@lling Muppets Band Reloaded:
Lior Kretzer, Manuel Brunner, Alfred Kern, Gerfried Krainer
Der Reigen, oder so: Foto: Martin Bruny

Kammeroper: The Last Five Years

Es hat sich mittlerweile zur Tradition unter Kritikern entwickelt, Jason Robert Browns Musical “The Last Five Years” von der Handlung her als “zu kompliziert” abzuqualifizieren. Lang und breit erklären sie, dass es die Liebesgeschichte eines Paares ist, aber er und sie erzählen die Beziehung von unterschiedlichen Zeitpunkten startend. Er steht zu Beginn des Stücks am Anfang ihrer fünfjährigen Lebensgemeinschaft und erlebt sie chronologisch von Beginn bis zum Ende, sie steht am Anfang des Stücks am Ende der Beziehung und erlebt sie quasi im Rückwärtsschritt. Kompliziert? Nicht wirklich, aber man kann “The Last Five Years” ja sowieso auch ganz anders sehen - nämlich als Manifestation reinen Gefühls. Es sind die letzten Zuckungen eines liebenden Herzens, das im Sterben begriffen ist und wie im Schnelldurchlauf noch einmal die letzten fünf Jahre einer Beziehung kammerflimmert. “The Last Five Years” ist schließlich auch so etwas wie eine klassische “Ghost Story”, denn die beiden Hauptdarsteller sind zwar sehr oft gemeinsam auf der Bühne, aber zu verschiedenen Spielzeiten. Sie singen bis auf ein Duett in der Mitte des Stücks, bei dem sie für einen kurzen Moment tatsächlich im Raum- und Zeitgefüge des Plots aufeinandertreffen, sich berühren, küssen und sich die Ehe versprechen, nur Solo-Songs, agieren nie tatsächlich miteinander, sondern nur mit der Imagination des Partners, die durch die reale Person tatsächlich dargestellt wird, aber eben nur, um dem Zuschauer das Mitverfolgen der Handlung zu erleichtern. Hier beginnt dann der andere Zugang zur Story auch schon wieder kompliziert zu werden, und es mag sein, dass deswegen Browns Musical nie der wirkliche Publikumsrenner war, wenngleich viele der Songs längst Klassiker des modernen Musical-Repertoires sind.

Der andere Zugang, die Story zu rezipieren, wird durch die englischsprachige österreichische Erstaufführung von »The Last Five Years«, die am 22. November 2007 in der Wiener Kammeroper über die Bühne ging, perfekt umgesetzt. Das Bühnenbild zeigt einen riesigen Damenkoffer, der am Anfang geschlossen ist, sich mit den ersten Takten der Musik öffnet und eine in vier Stages gegliederte Bühne freigibt. Am Ende schließt sich der Koffer wieder. Mag sein, dass es ein Koffer ist, man kann sich das Szenario aber auch als pumpendes Herz vorstellen.

Rob Fowler als Jamie und Caroline Frank als Catherine bieten eine formidable Ensembleleistung. Wenn man möchte, kann man kann sich streiten, wer der bessere Sänger und wer der wirkungsvollere Schauspieler ist, man mag anführen, dass Rob Fowler sich mehr an die Musik Browns anschmiegt, in sie versinkt und in der Musik aufgeht, dass er mit bemerkenswert fein inszenierter Gestik und Mimik das Maximum herausholt, dass er die Wandlung des von ihm gespielten Jungautors glaubhaft und deutlich herausarbeitet und als Jamie eine der besten Bühnenleistungen seiner Karriere abliefert, doch Caroline Frank setzt ebenso berührende emotionale Höhepunkte, ihr steht die sehnsüchtige Melancholie sehr gut. Beide liefern auch köstliche Proben ihres Talents für Komik, Caroline Frank beispielsweise in der Audition-Szene, Rob Fowler als leicht Verführbarer in einer Bar. Geht man aus der Show und fragt sich, wer nun die Schuld trägt am Scheitern der Beziehung, so fällt die Antwort vielleicht gar nicht so schwer. Sie war es, sie trägt die Schuld. Sie verweigert die Kommunikation, ist nicht mitfühlend genug, teilt nicht die starken Gefühle des Jungautors Jamie, als sein erstes Buch zum Verkaufserfolg wird, ist verbittert, dass ihre eigene Karriere als Musicalsängerin so gar nicht in die Gänge kommt. Es mag sein, dass eine andere Art der Regie oder aber der Darstellung diese eindeutige Schuldzuweisung verhindert hätte, denn in den Songs selbst ist diese Art der Interpretation freilich nicht so eindeutig angelegt, aber das ist eine der größten Stärken dieses Musicals. Es genügen Nuancen, um den Zuschauer in seiner Interpretation in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen oder aber auch einfach nur Möglichkeiten der Interpretation zu bieten. Wir haben hier kein Megamusical vor uns, «The Last Five Years« ist ein äußerst feinsinnig gesponnenes Stück Musiktheater, und auch ein forderndes. Man kann sich nicht einfach im Sessel zurücklehnen und darauf warten, dass einem Affen oder Hexen um die Ohren fliegen, die Abenteuer dieses Stücks fühlt man mit dem Herzen – oder gar nicht.

Jason Robert Browns Kammermusical kann man, wenn man möchte, auch in einem Wohnzimmer ohne jegliche Deko spielen. Die Kammeroper hat eine vergleichsweise pompöse Bühnenmaschinerie entwickelt. Auf der vordersten Stage spielt sich ein Hauptteil des Geschehens auf zwei Minihebebühnen ab, die äußerst wirkungsvolle Effekte und Szenenwechsel erlauben. Für jeden der vierzehn Songs hat Duncan Hayler ein stimmiges Set Design entworfen, die Szenenwechsel erfolgen äußerst präzise und ruhig, um die Stimmung in keiner Weise zu stören. Eine logistische Herausforderung, die gelingt. Michael Schnack, der Musikalische Leiter und Pianist der Show, sitzt mit seiner Band (Gerda Breslmayr, Violine; Peter Profant, Cello 1; Boris Boho, Cello 2; Stefan Först, Bass; Kerstin Neubauer, Gitarre) auf der hintersten und vierten Stage. Sehr wirkungsvoll und durchdacht ist das Beleuchtungskonzept (Harry Michlits). In warme, helle Farben wird der jeweils im Jetzt agierende Darsteller getaucht, während der imaginierte Partner in kalte Farben getaucht wird. Satte Blau- und Rottöne dominieren das Lichtdesign, stärker ausgeleuchtet und in hellere Farben gegossen wird das Set bei den weniger traurigen Nummern wie »A Summer In Ohio«. Nur ein einziges Mal berühren sich die Hauptdarsteller, nur ein einziges Mal sehen sie sich tatsächlich an, und das ist zur Halbzeit der Show. Sensibel hat Regisseur und Choreograph Alonso Barros all die Feinheiten der Darstellungsmöglichkeiten der Songs herausgearbeitet. Ganz wunderbar, wie Rob Fowler “The Schmuel Song” spielt und mit drei verschiedenen, ganz eigenen Singstimmen als Stück im Stück interpretiert. Der Ton (Gregor Neuwirth) ist für das Parkett perfekt gemischt, lediglich am Balkon kommt das Ganze etwas dumpf daher. Wie meistens in der Kammeroper gibt es deutschsprachige Untertitel (Übersetzung: Derek Weber), die man besser nicht verfolgt, weil sie viel zu sehr ablenken und auch nicht immer den Kern der Texte von Jason Robert Brown exakt treffen – als grobes Hilfsmittel sind sie aber durchaus tauglich. Regie und Choreographie fließen in dieser Inszenierung zu einem perfekten Ganzen zusammen und machen gemeinsam mit der musikalischen Umsetzung, für die Michael Schnack verantwortlich zeichnet, “The Last Five Years” zum eindeutig besten in Wien gezeigten Musical des Jahres 2007.

The Last Five Years
Einfühlsame englischsprachige österreichische Erstaufführung in der Kammeroper
von Martin Bruny

The Last Five Years – Buch, Musik und Texte: Jason Robert Brown / Musikalische Leitung: Michael Schnack / Inszenierung & Choreographie: Alonso Barros / Ausstattung: Duncan Hayler / Licht: Harry Michlits. Darsteller: Rob Fowler (Jamie) / Caroline Frank (Catherine). Englischsprachige österreichische Erstaufführung: 22. 11. 2007, Wiener Kammeroper. www.kammeroper.

International Theatre Vienna: “A Christmas Carol”

A Christmas Carol1985, also vor 23 Jahren,
- programmierte Alexey Pajitnov das Computerspiel Tetris;
- siegte Boris Becker als erster Deutscher und (mit 17 Jahren) jüngster Tennisspieler aller Zeiten beim Grand Slam-Turnier von Wimbledon;
- wurden die beiden Formel-1-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg sowie Daniel Küblböck geboren;
- startete in der Bundesrepublik Deutschland mit “Sat 1″ das erste private Satelliten-Fernsehprogramm;

und in Wien feierte “A Christmas Carol” in der Inszenierung des International Theatre Premiere.

Gegründet wurde das International Theatre Vienna 1974 von Marilyn Close und William Wallace, die erste Vorstellung des Theaterunternehmens fand im November 1974 in Graz statt. Man gab Noel Cowards “Blithe Spirit”. Einige Jahre zog das International Theatre Vienna als Tourneetheater durch die Lande, bis man 1980 in der Porzellangasse 8 geeignete Räumlichkeiten fand. Am 14. Januar 1980 ging mit Paul Zindels “The Effect of Gamma-Rays On Man-In-The-Moon Marigolds” die erste Vorstellung im neuen Haus des Vienna International Theatre über die Bühne. Bis heute hat das Theaterunternehmen rund 150 Stücke zur Aufführung gebracht, darunter auch Musicals wie “Into the Woods” oder “You’re a good man, Charlie Brown” - und seit 23 Jahren alljährlich: “A Christmas Carol”, von Charles Dickens.

Seit 1990 bespielt das International Theatre zusätzlich ein Kellergewölbe der Servitenkirche, ein paar Gehminuten vom Haupthaus entfernt. Rund 400 Quadratmeter ist “The Fundus” groß, ab 1994 gingen die “A Christmas Carol”-Vorstellungen hier, unter der Erde, über die “Bühne”.

“A Christmas Carol” hat sich in Wien längst zur Weihnachts-Institution entwickelt. Manche sehen die Show als Schüler im Rahmen einer “Exkursion” im Fundus und kommen dann Jahre später wieder. Es gibt auch Besucher, die sich alljährlich, ähnlich wie mit “Dinner for One” zu Silvester, in eine bestimmte Stimmung versetzen lassen wollen und “A Christmas Carol” bereits viele Male erlebt haben. Es ist fast eine Art “gemeinsames Älterwerden” dann, auch wenn nicht alle Schauspieler viele Jahre am International Theatre bleiben.

Im Fundus gibt es keine Bühne im traditionellen Sinn, in einem Halbkreis rund um einen gedachten Bühnenbereich werden Stühle aufgestellt. Rund 70 Besucher finden Platz und erleben hautnah die Geschichte von Ebenezer Scrooge, einem alten grantigen Geizhals, der in einer einzigen Nacht zunächst Besuch von seinem verstorbenen Teilhaber Jacob Marley und dann von drei weiteren Geistern erhält, die ihm schließlich dazu verhelfen, sein Leben zu ändern. 1843 veröffentlichte Dickens seine sozialkritische Erzählung, seit 1901 wurde “A Christmas Carol” viele Male verfilmt. 2009 soll ein 3D-Film mit Jim Carrey in die Kinos kommen. Robert Zemeckis wird bei dieser Produktion Regie führen. Im Fundus zeigt man eine von Jack Babb dramatisierte Version. Den Text dazu können sich beispielsweise Lehrer, die ihre Schüler auf das Stück vorbereiten wollen, von der Website des International Theatre downloaden. Selten ist man als Zuschauer näher am Geschehen dran, die Schauspieler sind im Fundus buchstäblich in Griffweite, und umgekehrt. Das gibt der Aufführung durchaus eine eigene, intime Note. Geht man die Stufen ins Gewölbe hinunter, ist es, als würde man in eine eigene Welt und Zeit abtauchen. Wer immer ein Faible hat für die englische Sprache und englisches Theater, ist bei “A Christmas Carol” im Fundus gut aufgehoben. Wer sich partout nicht in Weihnachtsstimmung versetzen kann, ab in den Fundus, nichtmal Ebenezer Scrooge könnte da hart bleiben.

A CHRISTMAS CAROL by Charles Dickens
The Fundus, November 19 to December 29, 2007
Mondays through Saturdays
All performances start at 7.30 pm.
Adapted by Jack Babb

Directed by Jack Babb
Stage Manager: Cheryl Carabelli
Lights and Sound: Cheryl Carabelli
Costumes: Gloria Sattà©l and Laura Mitchell
Properties: Laura Mitchell
Technical Director: Eric Lomas

With:
Kevin Brock (Ebenezer Scrooge)
Eric Lomas (Fred, Scrooge as a young man, Peter Cratchit, child)
Jack Babb (Narrator, Bob Cratchit, Topper)
Marilyn Close (Lady doing charitable work, Mrs. Fezziwig, Mrs. Dilber, Ghost of Christmas Present)
Laura Mitchell (Lady doing charitable work, Ghost of Christmas Past, Mrs. Cratchit, A Confused Guest)
Roxanne Carless (Narrator, A Girl Singing Christmas Carols, Belle, Martha Cratchit, Fred’s Sister in Law)
Gene De Wild (Ghost Of Jacob Marley, Mr. Fezziwig, A Lamplighter, Ghost Of Christmas Future)
Amanda Wilkins (Narrator, Fan, Tiny Tim, Fred’s Wife, Child)

International Theatre
Porzellangasse 8/Ecke Müllnergasse
1090 Wien
office@internationaltheatre.at
www.internationaltheatre.at

The Fundus
Müllnergasse 6A
1090 Wien

Karten: 01/319 62 72 oder
an der Tageskassa (Mo - Fr von 11.00-15.00)
Normalpreise: € 20.- bis 24.-
Preis für Schüler, Studenten (-26), Senioren (ab 60/65): € 14.-

“schnurlos” - Marjan Shaki & Lukas Perman live im Cenario

schnurlos, Foto: Martin Bruny
“Schnurlos” nannten Marjan Shaki und Lukas Perman ihr zweites Soloprogramm, das sie am 17. und 18. November 2007 im Wiener Szenelokal Cenario zur Aufführung brachten. Schnurlos im Sinne von konzeptlos, also ohne roten Faden. Roterfadenlos geht nicht wirklich, also: schnurlos. Natürlich war der Abend alles andere als konzeptlos, aber schnurlos ist auch als Untertreibung ein sympathischer Titel, in den man auch manch anderes hineininterpretieren konnte, zumindest bis zur Erklärung des Titels.

schnurlos, Foto: Martin Bruny

Das Cenario ist an und für sich schon ein sehr gemütliches Lokal, mit Platz für schätzungsweise 40 bis 60 Leute, je nach Kuschelwilligkeit. Stimmungsmäßig waren die Abende dann auch von den Performern ganz auf Gemütlichkeit getuned. Es gab Räucherkerzen und eine Sweetie-Time, in der Marjan Shaki Schokolade verteilte. Das alles kann so ungeheuer peinlich rüberkommen, wenn man nicht weiß, wie man diese Stimmung vermitteln soll, dafür gibt es unter all den Soloprogrammen, die in Wien im Laufe der letzten Jahre über die Bühne gegangen sind, wahrhaft schreckliche Musterbeipiele.

schnurlos, Foto: Martin Bruny

Bei “schnurlos” ging das alles problemlos und ganz natürlich. Natürlichkeit hat man oder nicht, sie allerdings einem Publikum vermitteln zu können, ist auch Teil einer persönlichen Entwicklung. So kann ich mich noch an eine ganz in sich versunkene Marjan Shaki bei einem Benefiz-Konzert im Wiener Museumsquartier am 29. Dezember 2003 erinnern. Sie sang Songs von Tori Amos und Barbra Streisand und hatte die Augen meist geschlossen. Den Wechsel zum Singing Actor, der auch zeigt, dass die Augen neben der Stimme ein enorm wichtiges Instrument des Performens sind, den hat sie mittlerweile auch für das Publikum sichtbar vollzogen.

schnurlos, Foto: Martin Bruny

Die Gemütlichkeit des Abends war eine Art Konzept, und zwar ein sympathisches, und eines, das voll aufging. Umgesetzt wurde das Konzept beispielsweise mit zum Großteil improvisierten Zwischenmoderationen. Wer Konzerte, Shows und Musicals gerne öfter sieht und bei beiden Abenden dabei war, hatte so die Chance, zwei doch in vielen Nuancen sehr unterschiedliche Performances der beiden Darsteller zu erleben.

schnurlos, Foto: Martin Bruny

Die “Band” der beiden bestand aus Lior Kretzer am Keyboard und Ulrich Permanschlager an der Gitarre und am Bass. Zum Saxophon hat Lukas Perman bei einigen Songs selbst gegriffen. Lior Kretzer, von Lukas Perman und Marjan Shaki als “bester Pianist Wiens” gelobt, ist all jenen, die beispielsweise die Aufführungen der Konservatorium Wien Privatuniversität besuchen, mit Sicherheit ein Begriff. Er ist derzeit stellvertretender Abteilungsvorstand für Musikalisches Unterhaltungstheater, Korrepetitor und Musikalischer Leiter der Eigenproduktionen des Hauses - und er ist vor allem Klavierspieler mit Drive und Seele. Er liefert die nötige Power an den Tasten und das gewisse verspielte Etwas bei Balladen. Neben Ulrich Permanschlager am Bass und der Gitarre wäre auch noch Lukas Permans Schwester am zweiten Abend als Bandmitglied zur Verfügung gestanden, allerdings spielt sie Harfe, und da hätte man zum Cenario vermutlich noch ein Lokal dazumieten müssen.

schnurlos, Foto: Martin Bruny

Es waren unterhaltsame Shows mit gut gewählten Songs aus Musicals wie “Annie Get Your Gun”, “Phantom”, “Mozart!”, “The Lion King”, “City of Angels” oder “The Scarlet Pimpernel” - und klassische Pop-Balladen wie “Promise me” von Beverly Craven oder “Just the way you are” von Billy Joel. Ein Song aus Frank Wildhorns “Civil War” (”Sarah”) wurde am zweiten Abend durch das etwas flottere “Have you met Miss Jones” von Richard Rodgers & Lorenz Hart aus dem Musical “I’d rather be right” ersetzt. Balladen blieben aber dennoch dominant, und das ist auch gut so.

schnurlos, Foto: Martin Bruny

Nicht zuletzt war “schnurlos” ein Benefiz-Konzert. Rund 1700 Euro Reinerlös brachten die beiden Abende der Aktion “Menschen für Menschen” - ein schöner Erfolg auch in dieser Hinsicht.

schnurlos, Foto: Martin Bruny

Setlist:
01) Unehrlichkeiten - Lukas Perman (”City of Angels”, Cy Coleman/David Zippel)
02) My Funny Valentine - Marjan Shaki (”Babes in Arms”, Richard Rodgers/Lorenz Hart)
03) Can You Feel The Love Tonight - Lukas Perman (”The Lion King”, Elton John/Tim Rice)
04) Promise Me - Marjan Shaki (Beverly Craven)
05) Dich kennen heißt dich lieben - Marjan Shaki & Lukas Perman (”Mozart!”, Sylvester Levay/Michael Kunze)
06) Have You Met Miss Jones - Lukas Perman (”I’d Rather Be Right”, Richard Rodgers/Lorenz Hart)
07) When I Look At You - Marjan Shaki (”The Scarlet Pimpernel”, Frank Wildhorn/Nan Knighton)
08) Medley: Hasta que vuelvas - Lukas Perman (Felipe Gil/Mario Arturo)/Historia de un amor - Marjan Shaki (Carlos Eleta Almaran)
09) Who Could Ever Have Dreamed Up You (in japanischer Sprache gesungen) - Lukas Perman (”Phantom”, Maury Yeston)
10) Rosen und Prinzen - Marjan Shaki (Marjan Shaki)
11) Anything You Can Do, I Can Do Better - Marjan Shaki & Lukas Perman (”Annie Get Your Gun”, Irving Berlin)
12) Fly Me To The Moon - Lukas Perman (Bart Howard)
13) Autumn Leaves - Marjan Shaki (Joseph Kosma/Johnny Mercer)
14) Just The Way You Are - Lukas Perman (Billy Joel)
15) I’m With You - Marjan Shaki (Avril Lavigne/Lauren Christy/Graham Edwards/Scott Spock)
16) Endless Love - Marjan Shaki & Lukas Perman (Lionel Richie)

schnurlos, Foto: Martin Bruny

Kammeroper Wien bringt “The Last Five Years” von Jason Robert Brown

The Last Five Years Foto: Martin Bruny
Am Donnerstag, dem 22. November 2007, geht die Musicalpremiere der diesjährigen Wiener Herbstsaison schlechthin über die Bühne der Wiener Kammeroper: “The Last Five Years” von Jason Robert Brown (geboren 1970). Man kommt, wenn man sich mit der Zukunft der Kunstform Musical beschäftigt, am Komponisten (und Texter und Autor) dieser Show nicht vorbei.
The Last Five Years Foto: Martin Bruny
Jason Robert Brown liefert mit “The Last Five Years” einen sensiblen, feinen Score mit Elementen aus Pop, Jazz, Latin, Klezmer, Klassik, Rock und Folk. Jeder einzelne Song ist ungeheuer fein gepinselt, kann für sich allein stehen und hat eine Vielzahl an Melodie-Nuggets in sich geborgen, die, wenn man auch nur halbwegs dafür offen ist, eine unverwechselbare Wohlfühlstimmung schaffen.
The Last Five Years Foto: Martin Bruny
“The Last Five Years” ging Off-Broadway am 3. März 2002 im Minetta Lane Theatre ins Rennen und war da bis zum 5. Mai 2002 zu sehen. Jason Robert Brown wurde für seine Show mit einem Drama Desk Award ausgezeichnet (”Outstanding Music and Lyrics”). Nominiert war das Musical auch in den Kategorien “Outstanding Musical”, “Outstanding Actor [Norbert Leo Butz]”, “Outstanding Actress [Lauren Kennedy]”, “Outstanding Orchestrations” und “Outstanding Set Design”. Weitere Nominierungen: Lucille Lortel Award Nominierung als “Outstanding Musical” und “Outstanding Actor” sowie Outer Critics Circle Award Nominierung als “Outstanding Off-Broadway Musical”.
The Last Five Years Foto: Martin Bruny
In der Wiener Kammeroper ist, und das ist eine Ideallösung, die englischsprachige Originalversion zu sehen. Es spielen Rob Fowler (Jamie) und Caroline Frank (Catherine). Die Musikalische Leitung hat Michael Schnack übernommen, Alonso Barros zeichnet für Inszenierung und Choreographie verantwortlich.

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