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Archiv - Absurditäten

Matà© Kamaras vs. Marcus Loeber - they thought they were Rockstars ….

… und dann sind sie aufgewacht, könnte man fast meinen, wenn man sich das Programm des Wiener Metropol ansieht. Das spielen Matà© Kamaras und Marcus Loeber am 19. Juni 2010 ihr neues Musikprogramm “We thought we were Rockstars”, und nach der Show gibt es ein “Meet & Greet”, für das noch mal Tickets um 15 Euro käuflich zu erwerben sind. Da nimmts, könnte man meinen, wer ganz genau …

Kooperation des Monats: Mit dem “Nordsee-Menü to go” ab ins Raimund Theater

Im neuen “musicals”, das Anfang April 2010 erscheint, wird in der Rubrik “Buchrezensionen” anlässlich einer Buchneuerscheinung eine Kooperation der Vereinigten Bühnen Wien mit dem Hotel Sacher angeregt. Doch wie so oft ist das Leben noch viel lustiger als jeder Spaß. So meldet eben die APA unter dem Titel “Das New York Menü zum Musical Hit “Ich war noch niemals in New York”":

Die mitreißenden Hits von Udo Jürgens und das Menü bei NORDSEE
Zum Start des Musicals mit den Kultsongs eines der größten österreichischen Entertainer bringt NORDSEE zwei spezielle Menüs im New York Style. Parallel verlost NORDSEE viele Sofortgewinne, Tickets oder Ermäßigungen und Fanpackages sowie als Hauptpreis drei Mal New York Dinner & Music Evenings für je zwei
Personen.

Robert Jung, Country Manager von NORDSEE Österreich freut sich über die Kooperation mit dem Raimund Theater: “Meer, Urlaubsfeeling, Fernweh aber auch die pure Lebenslust - das ist der gemeinsame Nenner für die Kooperation zwischen NORDSEE und dem Raimund Theater. NORDSEE steuert mit zwei speziellen Menüs die richtige Verpflegung bei! Wir bieten im Rahmen unserer Kooperation mit den Vereinigten Bühnen in allen unseren Filialen in Österreich das “New York Seafood” als Hauptgericht im Restaurant und das “New York Menu” als praktisches “Menü to go”.

Die New York Menüs zum Musical kommen von NORDSEE

Egal, ob als “Reiseverpflegung” vor dem Musicalabend oder danach - an 40 Standorten in ganz Österreich gibt es von 8. März bis 18. April das “New York Seafood” (Garnelen und Calamares mit Megafrites dazu Cocktail und BBQ Sauce um Euro 6,95) oder das “New York Menu” bestehend aus einem Bremer mit Megafrites und BBQ Sauce um nur Euro 3,95.

Bis 18. April: Das NORDSEE-Gewinnspiel “Ich war noch niemals in New York” Jedes Los gewinnt! 15 % Ermäßigung auf Tickets für “Ich war noch
niemals in New York” ab Juni und bis zur Sommerpause sowie im September.

NORDSEE verlost außerdem drei Mal New York Dinner & Music Evenings für je zwei Personen d.h. Dinner im NORDSEE Restaurant in der Kärntnerstraße, Transfer zum Raimund Theater und einzigartigem “Meet & Greet” mit den Hauptdarstellern, sechs Mal zwei Tickets, zehn Fanpackages bestehend aus je einem “Ich war noch niemals in New York”-Bademantel, Kaffeetasse, Badeente und “Rette Mich” T-Shirt des Erfolgsmusicals. Die Lose erhalten Musicalfans gratis in jeder
NORDSEE-Filiale oder unter www.nordsee.at. Karten sind über www.musicalvienna.at, telefonisch über Wien Ticket 01/588 85 oder an den Tageskassen der Vereinigten Bühnen Wien nach Vorweis des Gewinnloses buchbar.

Ich würde zur olfaktorischen Abrundung noch eine Kooperation mit Wrigley empfehlen und, allerdings betrifft das nur rein persönliche Traumata, eine Kooperation mit Tannalbin. Und dann gehts ab zum Schunkeln ins Raimund Theater.

Schönfärberei & Unwissenheit, wie wunderbar

Es gehört schon einiges dazu, einen Werbetext als redaktionellen Beitrag zu verkaufen. Wenigstens aber eines sollte man in dem Fall machen, nämlich sich ein bißchen auskennen.

Die “Kleine Zeitung” ist wohl in Sachen “Ich war noch niemals in New York” als kleine Flächenbombardement-Einheit unterwegs, um alles bereits zu machen für den Start der Show im Wiener Raimund Theater im März 2010. Und natürlich glauben wir die Geschichte, dass ein deutsches Unternehmen “Ich war noch niemals in New York” absetzt, obwohl der Verkauf “ungebremst” ist. Na ganz bestimmt ist das so, wenn Johannes Mock-O’Hara das doch auf einer Pressekonferenz so sagt, auf der ganz bestimmt unverblümt nur und ausschließlich die Wahrheit gesprochen wird, na das wird dann auf jeden Fall so sein. Gerade und vor allem in Zeiten der Wirtschaftskrise wird das Stage Entertainment machen. Der Verkauf wird nach wie vor ungebremst anhalten. Oder würde, denn man setzt die Show ja ab, nein, man verschickt sie. Man schickt sie Freunden in Deutschland und man schickt sie Freunden in Wien, die zu wenig Fantasie und Gestaltungskraft zu haben scheinen, eigene Produktionen auf die Beine zu stellen.

Und wie wunderbar auch, dass sich der “Soundtrack zum Musical” … der was? Der “Soundtrack” zum Musical? Wird die Show etwa Abend für Abend im Theater auf eine Leinwand projiziert? Ich meine, dass diese Show kein Musical ist, sondern bestenfalls eine getarnte Revue, gegessen, aber Soundtrack? Oder meint die “Kleine Zeitung” “Cast CD”? Aber vielleicht ist man in Sachen Metaphern unterwegs und meint die Leinwand der Gefühle, auf die Abend für Abend - was auch immer. Na egal. Hauptsache Werbung. Wird sowas dann eigentlich bezahlt?

Hier gehts zum Artikel der “Kleinen Zeitung” –> “Udo-Jürgens-Musical legt in neuem Hafen an”

“gehört” gelesen - gewundert

Die jüngste Ausgabe des ORF-Printmagazins “gehört” (Ausgabe 11/2009) enthält als Editorial einen Beitrag von Alfred Treiber, dem Kultur- und Programmchef des Radiosenders Ö1. Kultur- und Programmchef also. Als Titel hat er gewählt: “Schon gehört? Eine Koinzidenz und WELT AHOI”. Interessant, hat allerdings mit dem tatsächlichen Inhalt seines Artikels nur verschleiernd zu tun, in dem es dem guten Mann wohl eher um eine Abrechnung mit Michael Jackson und um einen Vergleich zwischen Michael Jackson und den Beatles geht, der in dem Fazit gipfelt:

Ich gebe es zu: Das omnipräsente hysterische Mediengetue vor (Stichwort: Kinderschänder) und nach (Stichwort: King of Pop) dem Tod Jacksons ging mir gewaltig auf die Nerven. Denn abgesehen von der medialen Verlogenheit, mit der der einst kranke und kaputte Selbstverstümmler plötzlich die menschliche Absolution und musikalische Seligsprechung erfahren hat, ist doch (fast) jeder Beatles-Song musikalisch mehr wert als das gesamte Jackson-Werk. Das ist jedenfalls meine Überzeugung, an der sich auch nichts ändern würde, sollten in einem wo auch immer doch noch zustande kommenden Gedächtnis-Zirkus der Papst und Neil Armstrong persönlich als “Moon-Walker” auftreten.

Man könnte dem natürlich entgegenhalten, dass jeder Furz Mozarts mehr wert ist als das gesamte Werk der Beatles, würde doch auch recht spaßig klingen, nur haben Mozart, die Beatles und Michael Jackson nicht viel gemein und jeweils eigene direkte Wurzeln, auch fand die musikalische Seligsprechung Jacksons bereits vor vielen vielen Jahren mit einer Unzahl an Grammys und American Music Awards statt. Gut, wenn man damals in miefigen Archiven nur Ö1 programmiert hat und der Trennung der Beatles nachtrauerte, wird man davon vielleicht nicht viel mitbekommen haben. Kann sein.

Gern würde ich mich auch mit der Analyse der Werke der Beatles im Vergleich zu Jacksons Mist auseinandersetzen, allein Treiber hat keine Argumente, er bietet jedenfalls keine an, wenn er schreibt:

Meiner Meinung nach trifft es sich nämlich geredazu unheimlich gut, dass mitten in der nur langsam abflauenden Hysterie um Michael Jackson das Gesamtwerk der Beatles neu digitalisiert in bester Soundqualität (bei EMI, Anm. der Red.) erschienen ist. Denn der musikalische Vergleich der Beatles mit dem völlig kranken Tanzbeinschwinger und Showtalent Jackson, der Hitler für ein Genie hielt und zum “King of Pop” hochstilisiert wurde, muss einen sicher machen. Man musste ja in letzter Zeit nahezu ein schlechtes Gewissen haben, wenn man den Kauf von Jackson-CDs verweigerte und selbst “Thriller” für keinen Höhepunkt der musikalischen Pop-Geschichte hielt. Keine 500-Euro-Karte für das Wiener “Tribute”-Konzert in Schönbrunn gekauft und am Ende geglaubt zu haben, der Affenzirkus hätte im Tiergarten Schönbrunn stattfinden müssen, gilt in fanatisierten Fan-Kreisen sowieso als Zeichen versnobter Ignoranz.

Schön schön, sicher kann man, um mal auf dem Niveau zu bleiben, auch für immer den kiffenden Beatles nachhängen, deren Sänger wie weiland der Nackerte im Hawelka in einem Wiener Hotel mit seiner Ehefrau nackt in einem Bett sich selbst inszenierte, man kann weiter live erleben, wie ein anderer Sänger der Beatles zwischen einbeinigen Frauen, LSD und Marihuana Schlagzeilen macht und mit kaputter Stimme seinen Ruhm absäbelt. Aber sind das Argumente für einen musikalischen Vergleich? Man könnte auch anführen, dass die Beatles seit Jahrzehnten ihren “Fans” immer wieder Geld für angeblich immer noch bessere Soundqualität 40 Jahre alter Songs abknöpfen, die kein Mensch nachvollziehen kann und vermutlich nur im Labor von M festgestellt werden kann. Sollte man aber von einem Ö1-Chef nicht ein bisschen mehr Anstrengung erwarten oder zumindest ein bisschen mehr Witz in den Formulierungen? Worum es zum Beispiel bei der Selbstinszenierung in jenem berühmten Bett im Sacher ging, würden wir auf diesem platten Niveau verschweigen, so wie Herr Treiber all die Bemühungen Jacksons verschweigt und ihm nur die Worte Kinderschänder und Hitler-Verehrer ins Grab nachschmeißt.

Fazit: Ö1 gehört vielleicht “gehört”, aber ob “gehört” gelesen gehört, das stelle ich mal in Frage. Einfach so.

Floppt “Musical Rocks!”?

Für Gesprächsstoff sorgt derzeit die von der Firma Event Marketing Service für 3. bis 5. Dezember 2009 geplante Musical-Konzertserie “Musical Rocks!”. Gesprächsstoff beispielsweise, was die “Bewerbung” der Show betrifft. Zu sehen sollen “die besten Solisten der neuen Generation - echte “Principals”" sein. Wunderbar!

Aber wer definiert, was die “neue Generation” ist, und wer sind die “Besten” dieser Generation? Schwammiges, nichts sagendes Marketing, das zunächst mal auf Kosten all derer geht, die in der erlauchten Auswahl nicht vorkommen. Gesprächsstoff könnte auch die Rechtschreibung auf der Website zur Show (–> hier) bieten, aber wir wollen es ja nicht übertreiben.

Nicht zu unterschätzen ist aber, dass, so hört man, nicht einmal alle der “auserwählten” Darsteller wissen, dass sie demnächst einen Auftritt bei “Musical Rocks!” haben werden. Das könnte zum echten Problem für die Veranstalter werden, denn wenn man sich wegen eines “Auserwählten” oder einer “Auserwählten” ein Ticket kauft und der/die aber gar nie gebucht war, dann, ja sollen wir dann von Täuschung sprechen?

Derzeit findet man auf der Website folgende “Auserwählte”: Patricia Meeden, Serkan Kaya, Mark Seibert, Rob Fowler und Lukas Perman. Dass sie nicht zum “alten Eisen” gehören, ist klar. Aber wie würde man dann die Generation um Matthias Bollwerk, Marlon Wehmeier oder Gernot Romic bezeichnen? Und sollte die “neue Generation” vielleicht nicht ein so unsagbar ödes Programm wie jenes von “Musical Rocks!” interpretieren? “The Rocky Horror Show”, “Grease”, “Hair”, “Miami Nights”, “Dirty Dancing”, “Evita”. Also bitte. Die meisten der echten “neuen Generation” waren zu Zeiten, in denen diese Shows liefen, fast noch in Abrahams Wurschtkessel.

Updates
- Lukas Perman wurde weder informiert oder angefragt, und daher auch nicht gebucht.
- Auf der Serkan Kaya-Fanpage findet man folgenden Hinweis:

Wie ihr sicher schon mitbekommen habt, findet in Wien bald “Musical Rocks” statt, mit Lukas Perman, Mark Seibert, Serkan und ein paar anderen. Allerdings: Es ist noch nicht sicher, ob Serkan wirklich bei MUSICAL ROCKS dabei sein wird. Er selber ist auch überrascht, dort schon aufgeführt zu werden, obwohl er noch gar nicht unter Vertrag steht. Daher würden wir euch raten, nicht auf die Castauflistung zu vertrauen, da Rob Fowler bereits abgesagt hat. [serkankaya-fanpage]

- Rob Fowler hat am 6. Dezember 2009 Premiere mit “Hairspray” in Deutschland. Wird er da vom 3. bis 5. Dezember im Wiener Arsenal auftreten? Das darf man wohlgetrost bezweifeln.
- Wie man hört, hat auch Mark Seibert von seinem Auftritt in Wien bis jetzt noch nichts erfahren. Das allerdings wurde bis dato noch nicht bestätigt.
- Angeblich bestehen Verträge mit: Mathias Edenborn, Jessica Kessler, Nadine Schreier und Vincent Bueno.
- 28.10.2009: Die Website zur Show wurde nun den Tatsachen angeglichen. Die Cast: Vincent Bueno, Mathias Edenborn, Serkan Kaya, Anke Fiedler, Jessica Kessler und Nadine Schreier. Zur Website gehts –> hier Nach wie vor könnte man auf einer Website zu einer Musicalproduktion eventuell die Titel der Musicals korrekt schreiben, oder zum Beispiel aus “Masstäbe” (was immer das auch sein mag) “Maßstäbe” machen. Und wie stehts mit der “neuen Generation”?

Regie: Dean Welterlen
Choreografie: Doris Marlis
Produzent: EMS Event Marketing Service
Musikalische Leitung: MG Sound
Visuals: Bernie Boess Filmproduktion
Technik: Music & Light

Ernst Woller (SPÖ) oder Thomas Drozda (Vereinigte Bühnen Wien) - wer ist der Papagei?

… der STANDARD deckt auf:

Das ist weltweit ziemlich einzigartig: Trotz hoher Subventionen machen die Vereinigten Bühnen Wien mit Musical-Produktionen Verluste in Millionenhöhe. Die Opposition verlangte daher einen Sonderkulturausschuss - der natürlich für die Fische war: Thomas Drozda, der Geschäftsführer, nannte keine konkreten Zahlen. Mit dem Hinweis, dass sein Geschäftsjahr erst mit dem 31. Dezember endet. Daraufhin schäumte die Opposition. Drozda ließ daher von seiner Pressesprecherin ein längeres Statement versenden. Es beginnt mit dem Satz: “Ich verstehe die Aufregung nicht.”

Ernst Woller, der Kultursprecher der Wiener SP, erachtete es ebenfalls für zweckdienlich, die Angelegenheit zu kommentieren. Der Pressedienst seiner Partei veröffentlichte über die APA eine sogenannte OTS-Aussendung. Sie beginnt mit dem Satz: “Die Aufregung der Opposition sei völlig unverständlich, erklärte Woller.”

Drozda und Woller sind sich ziemlich einig. Sie sind sich derart einig, dass man an Zufall nicht glauben mag. Vergleichen wir doch die beiden Aussendungen Satz für Satz:

Drozda: “Tatsache ist, dass die VBW im gesamtwirtschaftlichen Krisenjahr 2009 eine Subventionskürzung von 40 auf 37,3 Mio. Euro erfahren haben.”
Woller: “Tatsache ist, dass die Stadt Wien die Förderung der VBW im gesamtwirtschaftlichen Krisenjahr 2009 von 40 auf 37,3 Mio. Euro gekürzt hat.”

Drozda: “Die VBW kosten damit de facto dem Steuerzahler heuer um 2,7 Mio. Euro weniger als im vergangen Jahr, obwohl sie mit dem Ronacher ein Theater mehr - mit an die 100 MitarbeiterInnen und 250 Vorstellungen - bespielten und derzeit äußerst erfolgreich bespielen.”
Woller: “Damit kosten die VBW dem Steuerzahler heuer de facto um 2,7 Mio. Euro weniger als in den Vorjahren, obwohl sie mit dem Ronacher ein zusätzliches Theater mit 100 MitarbeiterInnen und 250 Vorstellungen mehr erfolgreich bespielen.”

Drozda: “Durch diverse Einsparungen, Synergiennutzungen und die Gewinnung neuer Sponsoren ist das Unternehmen jetzt aber dennoch in der Lage, das zu erwartende Minus aus eigener Kraft mittels der in den Vorjahren gebildeten Rücklagen abzudecken.”
Woller: “Durch diverse Einsparungen, Synergienutzungen und Gewinnung neuer Sponsoren ist das Unternehmen in der Lage, das für heuer zu erwartende Minus mittels der in den erfolgreichen Vorjahren gebildeten Rücklagen aus eigener Kraft abzudecken.”[weiter mit den Vergleichen gehts –> hier]

Fazit des STANDARD:

Abgesehen davon, dass die Sätze einen Kommentar verdient hätten, stellen sich ein paar Fragen. Die erste - Wer klaut von wem? - lässt sich recht leicht beantworten: Das Statement von Drozda traf einen Tag vor jenem von Woller ein. Ist Ernst Woller daher ein Papagei? Findet er es in Ordnung, sich Sätze vorformulieren zu lassen? Hat er keine eigene Meinung? Muss man auch seine übrigen Wortmeldungen auf Urheberschaft überprüfen? Und: Bekommt Drozda von der Wiener SP ein Honorar?

Zu seiner Ehre aber muss man sagen: Ernst Woller, der immer alles super findet, was seine Partei macht, denkt schon mit. Denn einen Satz von Drozda hat er nicht verwendet. Den einzigen selbstkritischen Satz. Er lautet: “Rudolf im Raimund Theater hingegen blieb unter den Erwartungen.” (Thomas Trenkler, derStandard.at, 22.10.2009)

Lachen mit (über) Kröger & Fechter

Schon immer mal wollten wir wissen wie der überaus tüchtige und bei Künstlern sehr gefragte Manager Herbert Fechter die Gagen für seine Schützlinge aushandelt. Fechters Büro selbst ließ uns einen Email Verkehr zukommen. Es geht um die Anfrage eines Musicalfest-Managers in Deutschland nach Uwe Kröger. Um den Informationsaustausch für Sie verständlicher zu machen hilft mir Kollege Meinrad Knapp. Er spielt die Rolle des Veranstalters, ich jene von Herbert Fechter! [–> zum Video: Beitrag vom Donnerstag, 22.10.2009, “Mailverkehr” sollte man fast transkribieren und für die Ewigkeit online stellen, falls also wer mag …]

Wattebäuschchenkrieg: Lichter klagt Kröger

TV-MEDIA: Frau Lichter, warum klagen Sie Herrn Kröger?
Marika Lichter: Mein Anwalt Dr. Zanger hat vergangenen Freitag Klage eingereicht. Dabei fordern wir Herrn Kröger auf, offenzulegen, was er in der Zeit der abgelaufenen Kündigungsfrist vereinbart hat, und meine Provisions ansprüche dafür anzuerkennen. Was er bis dato nicht getan hat. Das ist ein ganz übliches, unaufgeregtes Procedere.

TV-MEDIA: Geht es um viel Geld?
Lichter: Das glaube ich nicht, und darum geht es mir auch nicht. Es muss aber klar sein, dass auch im Showbusiness Verträge einzuhalten sind.

TV-MEDIA: Krögers neuer Manager Herbert Fechter hat große Pläne. Er hat nicht nur einen Soloabend angekündigt, sondern auch ein Elisabeth-Gastspiel in Frankfurt …
Lichter: So tolles Neues ist das nicht. Elisabeth habe ja ich (!) vertraglich verhandelt, und das Konzert findet wie immer mit unserer alten Band statt. [tv-media]

Irgendwann reichts dann auch, Herr Jürgens

Er freue sich, einen Beitrag zu leisten, »damit Wien seine Stellung als eine der wesentlichen Musical-Metropolen wieder zurückerobert«, bekräftigte Udo Jürgens. Denn: »Vergessen wir nicht, Wien wurde nicht durch seine Oper berühmt, sondern durch seine Unterhaltungsmusik. Strauß und Lehà¡r. Und genauso wie die New Yorker Oper mit Respekt auf den Broadway blickt, könnten auch die Wiener Opernhäuser etwas vom Musical lernen. Denn man muss ja in der Oper nicht schlafen.«[oe24.at]

Jetzt ist es also passiert, ganz offiziell. Während sich der Autor dieser Zeilen einer schmerzhaften Wurzelkariesbehandlung unterzog und sämtliche Mittel der Schmerzlinderung ablehnte, ging im Wiener Theatercafà© eine nicht minder schmerzhafte Pressekonferenz über die Bühne, mit der Stage Entertainment in Wien Einzug hielt. Die Krise, so liest man immer wieder, mache es notwendig, derartige Schritte zu setzen. Das Einstiegsgeschenk: “Ich war noch niemals in New York”.

VBW-Intendantin Kathrin Zechner meint, die VBW müssten “gefälliger” werden. Interessant. Vorbei also die Zeiten der “Habsburgischen”, der “Weberischen”, aus und vorbei mit all den so scheints “ungefälligen” Projekten der RonacherMobile-Schiene. Gut so, auf der einen Seite, denn was haben diese Produktionen mit dem Musicalgenre zu tun? Warum hat man all die Jahre vergeudet und nicht Stammpublikum gesammelt, das sich nun all die Musicalproduktionen ansehen würde, die die VBW bieten, wenn sie denn welche bieten würden.

Weiß heutzutage noch jemand, wofür die VBW stehen? Kann man sich auf neue, aufregende Produktionen freuen wie in den achtziger Jahren oder den neunziger Jahren? Nein. Mal kommt eine Revue, dann ein schlecht gewählter Import vom Broadway zum Thema Drittes Reich, hierzulande gänzlich ungeeignet für ein Musical, dann baut man eine ungarische Erfolgsproduktion dermaßen ungeschickt rund um einen vermeintlichen Kassenmagneten um, dass sie in Wien floppt.

Ganz ehrlich, in Zeiten der Krise, wen würde es wundern, wenn in nicht allzu entfernter Zeit Stage Entertainment die VBW einfach übernehmen würde. In Zeiten mangelnder Phantasie, in denen die leitenden Figuren der VBW offensichtlich keinen Plan und noch weniger Zeit haben, kann man Stage Entertainment geradezu als Ideensprudel bezeichnen. Ob man Sprudel will, ist eine andere Frage. Aber warum sollte man aus Sicht von Stage Entertainment Wien nicht einfach als zusätzliche Spielstätte neben Hamburg, Stuttgart oder Essen mit einplanen, wo sollte da das Problem liegen. Die Produktionen werden fett beworben und mit Steuergeldern voll ausfinanziert. Die Frage ist, wieso der Steuerzahler für eine billige (und wir reden hier nicht von Geld) Schlagerkaraokeparade wie “Ich war noch niemals in New York” zahlen soll, wofür man dann all die Mitarbeiter braucht, mit denen in Richtung Steuergelder argumentiert wird, wenn sämtliche kreative Umsetzung in Deutschland passiert und dort die Show ohne staatliche Subventionen läuft. Kann man das Märchen von den “Wiener Fassungen” nicht endlich mal weglassen. Die paar Zeilen und Szenchen, die da aus Marketinggründen in bestehende Shows wie “Tanz der Vampire” oder “We Will Rock You” eingepflanzt wurden, sind der Rede nicht wert.

Gespannt darf man auf die Kritiken sein, die “Ich war noch niemals in New York” in Wien einfahren wird. Sehr gespannt. Aber andererseits, die Busse, die sämtliche Damen und Herren über 60 aus ganz Österreich nach Wien kutschieren werden, sind sicher bereits angeleiert, und vorsorglich haben die VBW ihre Verkaufspreise den Verkaufspreisen von Wien-Ticket angeglichen, Nein, nein, das ist natürlich keine Verteuerung, auch wenn die Tickets nun teurer wurden. Marketing eben, Marke VBW.

Weitere Absurditäten
DiePresse.com: Udo Jürgens-Musical kommt nach Wien
TT.com: “Ich war noch niemals in New York” kommt nach Wien
OÖ-Nachrichten: Udo-Jürgens-Musical mit Wien-Kolorit
Neues Volksblatt: Endlich! Udo als Retter aus der Musical-Misere
Kleine Zeitung: Ein spätes Happy End
Salzburger Nachrichten: Udo-Jürgens-Muscial ab März in Wien
United Networker: Erste Lizenzvergabe einer Eigenproduktion von Stage Entertainment – Premiere im März 2010 in Wien
Kurier: Das Udo-Jürgens-Musical kommt nach Wien

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