Home RSS Go RED Go BLACK

»Credere alle Maschere« (An Masken glauben) von Romeo Castellucci

Bei den Wiener Festwochen ist noch bis 10. Juni die Produktion »Credere alle Maschere« (»An Masken glauben«) von Romeo Castellucci zu sehen.

Heinz Sichrovsky schreibt darüber in der »Kronen Zeitung«:
»›An Masken glauben‹ ist eine installative Performance, die uns lehrt, dass alles alles sein kann. Eine antike Vase wird hereingebracht und heißt ›Pfeife‹, ein Glas Milch nennt sich ›Hammer‹, ein ausgestopfter Fuchs ›Pferd‹, Siegfrieds ›Ring‹-Hornruf ›Staub‹, Stan Laurel ›Wasser‹ (weil er weint?). Hat man das Prinzip nach 15 Minuten begriffen, wird ein elektrischer Stuhl aufgebaut, der ›Stuhl‹ heißt, auf dem Besucher Platz nehmen dürfen, um verlegen zuckend ihren eigenen Exitus zu simulieren.«

Ich war in ebendieser Vorstellung. Eine kleine Beschreibung der letzten Szene:
Letzter Gegenstand: ein elektrischer Stuhl.
Er steht länger da als die anderen Gegenstände.
Zuschauer beginnen, auf ihm Platz zu nehmen.
Jemand fragt: »Ist er bequem?«
Eine Zuschauerin lässt sich von ihrer Freundin festbinden.
Eine Zuschauerin setzt sich auf den Stuhl, ein anderer wartet. Plötzlich simuliert sie einen Todeskampf.
Der Wartende wartet nicht mehr, er geht wieder zu seinem Platz.
Ein recht bekannter Kritiker nach dem Ende der Vorstellung: »Diese Idioten.«

Verbirgt sich hinter dieser Produktion vielleicht ein Geheimnis? Sind es wirklich nur Zuschauer, die sich mit dem elektrischen Stuhl spielen? Meinetwegen auch: Sind es ausschließlich Besucher, die sich mit dem elektrischen Stuhl spielen?
Ich glaube: nein. Denn wenn man vor Beginn der Vorstellung einen Musicaldarsteller unter den Zuschauern sieht – und zwar einen, den man gerade in einer solchen Produktion nicht als Teil der Besucherzielgruppe vermuten würde –, dann dessen Website googelt, wo er gepostet hat: »Erstmals bin ich dieses Jahr bei den Wiener Festwochen dabei, und zwar in Romeo Castelluccis installativer Performance ›Credere alle Maschere‹«, dann darf man zweifeln.

Wohl mit Absicht steht bei den Credits auf der Website der Wiener Festwochen nichts von mitwirkenden Performern. Dass die Mitwirkenden den Trick, der sich möglicherweise hinter der Performance verbirgt, verraten, – wer konnte das ahnen?

Update. Nun ist es kein Geheimnis mehr:
»Der Standard«: »Nach und nach treten nun vier Performer mitten aus dem Publikum an den Stuhl heran und interagieren damit. Stellen – mal besser, mal schlechter gespielt – eine Tötung nach oder hocken sich teilnahmslos daneben. Dann ist es aus. Keine Pointe, keine Auflösung, kein Applaus. ›Geldverschwendung, Frechheit‹, tönt es vereinzelt aus dem Publikum. Zumindest die Maske darf man als Give-away behalten. Sie wird einen daran erinnern, wie man einst von Romeo Castellucci getrollt wurde. Oder war da doch mehr dahinter?« (Stefan Weiss, 7. 6. 2026)

»

Ihr Kommentar

Abonniere ohne zu kommentieren

HTML-Tags:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>