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Michael Jackson: “This is it” (2009)

“This is it”, eigentlich, ja eigentlich ist der als “Dokumentation” bezeichnete Kinofilm “This is it” ein Musicalfilm, und weniger eine Dokumentation. Zwar dokumentiert er natürlich die Entstehung einer Show, die nie Premiere feiern sollte, aber eigentlich hat der Film, wenn man es so sehen will, auch eine Handlung und zeigt, wie ein Entertainer an seiner Performance arbeitet, wie er an jedem kleinsten Detail feilt, um die größtmögliche Wirkung zu erzielen, Tanzszenen choreografiert und mit den Effekten abstimmt, die, so eine Passage im Film, immer alles übertreffen müssen, was jemals dagewesen ist. Und wenn solche Ansagen normalerweise unsagbar übertrieben klingen, so wurden sie bei Michael Jackson fast immer bis ins Letzte durchgezogen. Das Schicksal wollte es, dass man das Endergebnis nie sehen wird, aber die Vermutung liegt nahe, dass auch das “Live-Spektakel” “This is it” Grenzen überschritten hätte.

In Zeiten, in denen wir Compilationmusicals auf der Tagesordnung vieler Musiktheater haben, sollte sich keiner davor schrecken, “This is it” als puren, gut gemachten und spannenden Musicalfilm, freilich mit einem tragischen Ende, zu sehen. Als Kinobesucher kann man nur staunen, mit welchem Aufwand Videoclips wie “Thriller” oder “Smooth criminal” teilweise für die Live-Show neu verfilmt wurden, versehen mit grandiosen 3D-Effekten, man erlebt mit, wie Michael Jackson seinen Musikern Raum zur Improvisation bietet, oder, wie es sinngemäß heißt, ihnen “time to shine” bietet, wie er an Stimmungen bastelt, Liedpassagen verlängert, Intros kürzt, Bridges neu gestaltet. Die Auditions der an dem Projekt mitwirkenden Tänzer werden in “This is it” etwas zu kurz behandelt, aber sie waren beinhart, und die Leute, die als “principal dancers” genommen wurden, tanzen atemberaubend gut, scheinen während der gesamten Zeit der Proben unter Strom zu stehen, nicht nur, wenn sie selbst tanzen, sondern auch, wenn sie vom Zuschauerraum dem Meister zusehen.

Wenn man den Hype um Michael Jackson vor einigen Jährchen miterlebt hat, kann man kaum glauben, wie vergessen er eigentlich viele Jahre lang war, und wie leicht er es durch seine Musik- oder Musicalclips geschafft hat und heute auch noch schafft, die Menschen zu begeistern. Da reicht ein TV-Gerät in der Elektronikabteilung eines Kaufhauses. Eine Szene, die ich selbst zufällig miterlebt habe. Auf dem Bildschirm zu sehen und zu hören: “Black or White” (die ungekürzte Version). Und schon bleiben Passanten stehen, vor allem junge, zufälligerweise Castmitglieder aus dem Wiener Ronacher. Und wenn dann mal 3 Leute stehen, sammeln sich mit der Zeit auch mehr - nach ein paar Minuten waren an die 20 Menschen im Bann von “Black or White”, einem Clip aus den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts. This is it.

“Rudolf” kickt Madonna: Wildhorn auf Platz 3 der österreichischen DVD-Charts

In den “Ö3-Austria Top 40 - Musik-DVD-Charts” (was für ein Name) steigt die von MG-Sound produzierte DVD des Frank-Wildhorn-Musicals “Rudolf” von 0 auf Platz 3 ein und verweist damit Madonna, die Kastelr…, okay, das lassen wir, aber sie verweist auch Michael Jackson auf die Plätze. Obwohl, nur zum Teil, denn Platz 1 und 2 gehören nach wie vor dem King of Pop. Die Top 4 der Woche 43 (28. Oktober 2009):

1) Michael Jackson: Live in Bucharest
2) Michael Jackson: Number Ones
3) Frank Wildhorn: Rudolf
4) Madonna: Celebration

Den Link zur Top 10 gibts –> hier

“gehört” gelesen - gewundert

Die jüngste Ausgabe des ORF-Printmagazins “gehört” (Ausgabe 11/2009) enthält als Editorial einen Beitrag von Alfred Treiber, dem Kultur- und Programmchef des Radiosenders Ö1. Kultur- und Programmchef also. Als Titel hat er gewählt: “Schon gehört? Eine Koinzidenz und WELT AHOI”. Interessant, hat allerdings mit dem tatsächlichen Inhalt seines Artikels nur verschleiernd zu tun, in dem es dem guten Mann wohl eher um eine Abrechnung mit Michael Jackson und um einen Vergleich zwischen Michael Jackson und den Beatles geht, der in dem Fazit gipfelt:

Ich gebe es zu: Das omnipräsente hysterische Mediengetue vor (Stichwort: Kinderschänder) und nach (Stichwort: King of Pop) dem Tod Jacksons ging mir gewaltig auf die Nerven. Denn abgesehen von der medialen Verlogenheit, mit der der einst kranke und kaputte Selbstverstümmler plötzlich die menschliche Absolution und musikalische Seligsprechung erfahren hat, ist doch (fast) jeder Beatles-Song musikalisch mehr wert als das gesamte Jackson-Werk. Das ist jedenfalls meine Überzeugung, an der sich auch nichts ändern würde, sollten in einem wo auch immer doch noch zustande kommenden Gedächtnis-Zirkus der Papst und Neil Armstrong persönlich als “Moon-Walker” auftreten.

Man könnte dem natürlich entgegenhalten, dass jeder Furz Mozarts mehr wert ist als das gesamte Werk der Beatles, würde doch auch recht spaßig klingen, nur haben Mozart, die Beatles und Michael Jackson nicht viel gemein und jeweils eigene direkte Wurzeln, auch fand die musikalische Seligsprechung Jacksons bereits vor vielen vielen Jahren mit einer Unzahl an Grammys und American Music Awards statt. Gut, wenn man damals in miefigen Archiven nur Ö1 programmiert hat und der Trennung der Beatles nachtrauerte, wird man davon vielleicht nicht viel mitbekommen haben. Kann sein.

Gern würde ich mich auch mit der Analyse der Werke der Beatles im Vergleich zu Jacksons Mist auseinandersetzen, allein Treiber hat keine Argumente, er bietet jedenfalls keine an, wenn er schreibt:

Meiner Meinung nach trifft es sich nämlich geredazu unheimlich gut, dass mitten in der nur langsam abflauenden Hysterie um Michael Jackson das Gesamtwerk der Beatles neu digitalisiert in bester Soundqualität (bei EMI, Anm. der Red.) erschienen ist. Denn der musikalische Vergleich der Beatles mit dem völlig kranken Tanzbeinschwinger und Showtalent Jackson, der Hitler für ein Genie hielt und zum “King of Pop” hochstilisiert wurde, muss einen sicher machen. Man musste ja in letzter Zeit nahezu ein schlechtes Gewissen haben, wenn man den Kauf von Jackson-CDs verweigerte und selbst “Thriller” für keinen Höhepunkt der musikalischen Pop-Geschichte hielt. Keine 500-Euro-Karte für das Wiener “Tribute”-Konzert in Schönbrunn gekauft und am Ende geglaubt zu haben, der Affenzirkus hätte im Tiergarten Schönbrunn stattfinden müssen, gilt in fanatisierten Fan-Kreisen sowieso als Zeichen versnobter Ignoranz.

Schön schön, sicher kann man, um mal auf dem Niveau zu bleiben, auch für immer den kiffenden Beatles nachhängen, deren Sänger wie weiland der Nackerte im Hawelka in einem Wiener Hotel mit seiner Ehefrau nackt in einem Bett sich selbst inszenierte, man kann weiter live erleben, wie ein anderer Sänger der Beatles zwischen einbeinigen Frauen, LSD und Marihuana Schlagzeilen macht und mit kaputter Stimme seinen Ruhm absäbelt. Aber sind das Argumente für einen musikalischen Vergleich? Man könnte auch anführen, dass die Beatles seit Jahrzehnten ihren “Fans” immer wieder Geld für angeblich immer noch bessere Soundqualität 40 Jahre alter Songs abknöpfen, die kein Mensch nachvollziehen kann und vermutlich nur im Labor von M festgestellt werden kann. Sollte man aber von einem Ö1-Chef nicht ein bisschen mehr Anstrengung erwarten oder zumindest ein bisschen mehr Witz in den Formulierungen? Worum es zum Beispiel bei der Selbstinszenierung in jenem berühmten Bett im Sacher ging, würden wir auf diesem platten Niveau verschweigen, so wie Herr Treiber all die Bemühungen Jacksons verschweigt und ihm nur die Worte Kinderschänder und Hitler-Verehrer ins Grab nachschmeißt.

Fazit: Ö1 gehört vielleicht “gehört”, aber ob “gehört” gelesen gehört, das stelle ich mal in Frage. Einfach so.

Nationalfeiertagsgig der VBW am Wiener Rathausplatz 2009 - “Ach wie schön”

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Am Wiener Rathausplatz ging auch dieses Jahr wieder das traditionelle Konzert der Vereinigten Bühnen Wien zum Nationalfeiertag über die Bühne. Die Zeiten, in denen man mit Orchester, Band, Chor und Tänzer eine fulminante Demonstration der Größe des Unternehmens ablegte, sind natürlich vorbei. In Zeiten der Krise muss man wenigstens so tun, als würde man sie wirklich auch spüren. Macht nichts, die Show ist gratis, und da gibts keinen Grund, herumzumosern. Es war ein Fest der Stimmen, der schönen und schön singenden und klingenden Stimmen, die Musik kam halt vom Band und nach 34 Minuten wars wieder aus.

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Auf der Bühne zu sehen: Carin Filipcic, Drew Sarich, Wietske van Tongeren und Lisa Antoni aus der Produktion “Rudolf”, sowie Marjan Shaki, Gernot Kranner, Alexander di Capri und Lukas Perman aus dem Musical “Tanz der Vampire”. Durchwegs alle verbreiteten sie gute Laune auf der Bühne, waren spontan und machten das wunderbar, was eine Show wie diese eigentlich leisten sollte: Lust auf Musical.

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Die Setlist:

“Rudolf”
1) “Wie jeder andre Mann”: Drew Sarich
2) “Ein hübscher Krieg”: Carin Filipcic & Lisa Antoni
3) “Du bleibst bei mir”: Wietske van Tongeren
4) “Vertrau in uns”: Lisa Antoni
5) “Du bist meine Welt”: Drew Sarich & Lisa Antoni

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“Tanz der Vampire”
6) “Draußen ist Freiheit”: Marjan Shaki & Lukas Perman
7) “Wahrheit” - Gernot Kranner
8) “Für Sarah” - Lukas Perman
9) “Totale Finsternis” - Alexander di Capri & Marjan Shaki

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Die 34-minütige Veranstaltung lebte von der Spontaneität der Darsteller. So vergaß Carin Filipcic bei ihrem Song “Ein hübscher Krieg” just jene Textstelle, die dermaßen schlecht übersetzt ist, dass sie ohnedies unsingbar ist. Mit Sicherheit hat nie auch nur einziger Besucher von “Rudolf” im Raimund Theater verstanden, was die Darstellerin da von sich gegeben hat. Zu viele Silben in zu wenig Zeit. Wie sich das Ganze anhörte und wie Filipcic reagierte? Na so:

Drew Sarich wiederum hatte die Aufgabe, eine Sprechstelle im Original von “Du bist meine Welt” so umzuändern, dass sie auch in den Rahmen eines Open Airs passt. Von wegen Sterben und Mayerling und jeden Tag ein bisschen. Die Nationalfeiertagsversion von Wildhorns “Du bist meine Welt” ging folgendermaßen:

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Marjan Shaki und Lukas Perman sind in “Tanz der Vampire” das programmierte Traumpaar. Da passt eben die Bühnenausstrahlung, die beide haben, perfekt. Auch das ist große Kunst und kann nicht als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt werden. Dem tristen Wetter entsprechend wurde bei “Draußen ist Freiheit” aus einem “Mondlicht” einfach mal “Regen”:

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Von 0 auf 100 in einer Zehntelsekunde schafft es Gernot Kranner sein Publikum in den Griff zu bekommen und auf gute Laune zu tunen. Immer wieder schön zu beobachten. Ein Schmäh, der nie alt wird, nie schal, weil doch alles wohl vom Herzen kommt.

Da ists fast schade, dass die Darsteller nicht alle mit einem kräftigen und begeisterten Applaus empfangen wurden, sondern zum Teil von Dauerquietschern. Vor jedem Lied, nach jedem Lied: Schweinchenquietschen, das dem Nachbarn der Quietscherin sicher als Nachspeis einen Hörsturz suprise beschert hat. Hörn wir uns das mal an. Drew Sarich erscheint auf der Bühne und:

Carin Filipcic erscheint auf der Bühne und:

Und so weiter und so weiter, mal mehr quietschig, mal leiser quietschig, aber ungeheuer nervend, auch aus ein paar hundert Metern Entfernung.

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Auch Alexander di Capri war mit dabei. Viel kann man dazu allerdings nicht sagen. Er durfte eine Rumpfversion von “Totale Finsternis” singen, das reicht einfach nicht, um das Lied überhaupt ins Programm aufzunehmen. Ganz oder gar nicht. Das Mikro viel zu leise eingestellt, keine Maske - aber einen sympathischen Eindruck hat er hinterlassen. Immerhin, und man kann erahnen, dass er vielleicht im Ronacher wirklich zu zaubern vermag.

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Frank Wildhorns “Rudolf” - die DVD von MG-Sound

rudi.jpg Mit “Rudolf” in Wien hat es schon weit vor der Premiere nur Probleme gegeben. Wie zum Beispiel konnte es passieren, dass man als Produktionsunternehmen zwar mit einer bekannten Historikerin zusammenarbeitete, sie dann aber ein mehr als peinliches Vorwort im Programm schreiben ließ und schließlich auch noch vor der ersten Runde angezählt in der Ecke stand, während die Historikerin zynisch-genüsslich nicht nur den Autor der Buchvorlage für das Stück hemmungslos diffamierte, sondern auch mit dem Musical selbst in einer Weise abrechnete, dass man meinen konnte, sie hätte Millionen investiert und all diese Millionen verloren.

Wieso produzierte man gemeinsam mit einem ungarischen Unternehmen eine von den Wienern schulterklopfend-scherzhaft als “Try-out” bezeichnete Version der Show, um dann nicht aus den eventuellen Fehlern zu lernen, sondern eine gänzlich neue Version auf die Beine zu stellen, eine sogenannte “Wiener” Version, die so gar nichts Wienerisches an sich hat. Ganz im Gegenteil, die einzig wirklich wienerische Figur, den Puppenspieler, tilgte man, da unter dem Generalverdacht stehend, zu sehr an “Elisabeths” Lucheni zu erinnern. Der Vorwurf könnte ja kommen, man hätte das “abgekupfert.” Als würde es ausgerechnet darauf ankommen - bei einem Musical, das nach “Elisabeth” einen weiteren Habsburger zum Thema hat.

Freilich war noch ein Grund ausschlaggebend, und zwar ein völlig außerhalb jeder künstlerischen Diskussion stehender: Man wollte neben dem “Rudolf”-Darsteller einen bekannten “Publikumsmagneten” an Bord haben: Uwe Kröger. Nun häufen sich ja die Meldungen auf dieser Site bezüglich Uwe Kröger sichtlich. Ja, das ist eben so, wenn man derart medien”wirksam” auftritt: an einem Tag ein Feature in der Österreich-Beilage “Madonna” über Yoga, dann in der Kronen Zeitung ein Bildchen von einer Tennisturnier-Eröffnung, und, als trauriger Höhepunkt, ein Miniplaybackauftritt in Peter Rapps “Millionenshow”, dem TV-Pool, in dem Karrieren enden, und nicht beginnen. Es war definitiv die falsche Entscheidung, die Figur des “Rudolf” zu schwächen und “Taaffe” aus seinem Nebenfigurstatus zu sehr herauszuholen, es war die falsche Entscheidung, “Taaffes” Songs auf die Stimme des Interpreten hinunterzujustieren, bis zum nahezu Sprechgesang. Es war, leider, in der Beziehung alles falsch. Von wegen, die Show würde ein neues Lied bekommen - fast möchte man meinen, der Komponist habe sein Musical nach der Entscheidung der Wiener für ihre Version mehr oder weniger abgeschrieben.

So haben wir nach wie vor einen ungarischen Erfolg mit “Rudolf” inklusive “Puppenspieler” und eine nicht wirklich wienerische Wiener Fassung ohne Puppenspieler, die man mittlerweile als Flop bezeichnen darf. Eine Show, für die man die Werbung auf einen “Nebendarsteller” fokussierte, ihn bei der Maniküre bis hin zum Frühstückmachen und bis zum absoluten Erbrechen featurete, aber den Hauptdarsteller im Regen stehen ließ. Das ist wohl im Theaterbusiness eine einzigartige Vorgehensweise, die völlig unverständlich ist, denn selbstverständlich hätte es genügend Möglichkeiten gegeben, Drew Sarich und Lisa Antoni zu Stars aufzubauen. So haben wir als Star der Show einen Widerling wie Taaffe, und wie soll eine solche Bühnenfigur, die, so von Kröger dargestellt, nur brüllt, bös schaut und grantig herumhüpft, schon die Massen ins Theater locken. Da hatten die Ungarn und das Leading Team rund um Frank Wildhorn, der sich der ungarischen Produktion sehr annahm, das weit bessere Gespür, indem sie auf die Figur des Puppenspielers setzten, der das Publikum am Beginn in die Show zieht und am Ende mit einem melancholischen Resümee wieder entlässt.

Wie auch immer, das Beste an der dieser Tage erschienenen “Rudolf”-DVD ist, dass sich jetzt jeder selbst überzeugen kann, was für eine Produktion in Grund und Boden kritisiert wurde, mit Argumenten, die kaum jemand verstehen wird, der sich nun die DVD ansieht. Keine Melodien? Keine Melodien? Wo muss man seine Ohren haben, wenn man ausgerechnet in dieser Show keine Melodien auszumachen vermag. Drew Sarich erreicht gesangsmäßig eine Qualität, die ihn für sämtliche Theater dieser Welt mehr als nur attraktiv erscheinen lassen wird. Es wäre fast schade, wenn er sein Talent in Wien vergeuden würde, wo in absehbarer Zeit (nach derzeitigem Stand) nichts, absolut nichts musicalmäßig halbwegs Anspruchsvolles von den VBW zu erwarten ist.

Wie auf allen Produkten von MG-Sound steigt Uwe Kröger auf der DVD wie ein Adler aus seinem Schatten empor. Die live manchmal so richtig falschen Töne sind auf der DVD natürlich nur zu erahnen, die ans absolut Schrille grenzenden Stellen in seinen Interpretationen hat man wohlfeil abgesäbelt und unter andere, etwas akustisch ästhetischere Tonspuren gelegt. Die MG-Sound-Politik scheint zu sein: Entweder man schneidet Kröger ganz raus oder man legt ihn flach, pardon, man verflacht seine Tonkurve derart, dass er kaum hörbar ist, während er im Theater so manch falschen Schlusston mit voller Wucht gegen die Säulen donnert. Man möchte ja das Produkt auch verkaufen, was bleibt also anderes übrig. Interessant wäre es mal bei der Arbeit an diesem Akustik-Photoshop zuzugucken.

“Live und ungeschnitten” kommt die DVD laut Werbung daher. Aber seien wir ehrlich, was sollte ein “Schnitt” auch bringen. Völlig unnötig, da wir das Ganze doch ohnedies aus einem subjektiven Winkel betrachten: dem Kameraauge. Da kann gezoomt werden, da wird manchmal die Totale der Bühne geboten, dann wieder ein Megazoom auf einen ausgelaugten, stöhnenden Uwe Kröger. Man könnte also all jene Dinge, die jemanden stören könnten, mit einem anderen Schnitt tilgen, und dennoch mit der Bezeichnung “ungeschnitten” Werbung machen. Alles kein Problem. Die Frage bleibt: Was bringt es für den Verkauf, wenn auf dem DVD-Cover ein 3,3 cm mal 3,3 cm großer, knallgelber Button aufgedruckt wird, auf dem zu lesen steht: “FSK ab 6 Jahren freigegeben”. Steht “Rudolf” in Konkurrenz zu “Puschel, dem Eichhorn”? Das macht also doch eigentlich nicht viel Sinn. Welchem Sechsjährigen sollte man die Story rund um einen (vermeintlichen) Doppelselbstmord zumuten? Da bieten sich doch spätere Lebensjahre genug, um diese Aspekte menschlicher Tragik kennenzulernen.

Wer sich für Musicals interessiert, sollte an dieser DVD eigentlich nicht vorbeikommen. Der Sound ist glasklar, die Regie einfallsreich, das Bild perfekt. Die Show lieben die einen und hassen die anderen, daran wird auch der Mitschnitt nichts ändern. Die Kürzung der Show durch die VBW kurz vor der Sommerpause hat genau gar nichts gebracht, um “Rudolf” so etwas wie zu “verbessern”. Die Kürzungen sind gänzlich und ohne Ausnahme ärgerlich und unverständlich. Sinnvoller wäre es gewesen, an der stellenweise erbärmlichen Übersetzung zu feilen, aber das war wohl nicht drin. MG-Sound hat mit dieser DVD einen Topseller im Programm, mit dem sie es nicht mal nötig haben, zu versuchen, die notorischen Wildhorn-Hasser als Käufer zu gewinnen. Der Weltmarkt steht damit offen, und allein in den USA sollten sich genügend Käufer für weitere Auflagen der DVD finden.

Kleiner Nachtrag:
Ich empfehle einen Klick in –> dieses Forum. Allein der variantenreiche Einsatz der Emoticons is köstlich.

Floppt “Musical Rocks!”?

Für Gesprächsstoff sorgt derzeit die von der Firma Event Marketing Service für 3. bis 5. Dezember 2009 geplante Musical-Konzertserie “Musical Rocks!”. Gesprächsstoff beispielsweise, was die “Bewerbung” der Show betrifft. Zu sehen sollen “die besten Solisten der neuen Generation - echte “Principals”" sein. Wunderbar!

Aber wer definiert, was die “neue Generation” ist, und wer sind die “Besten” dieser Generation? Schwammiges, nichts sagendes Marketing, das zunächst mal auf Kosten all derer geht, die in der erlauchten Auswahl nicht vorkommen. Gesprächsstoff könnte auch die Rechtschreibung auf der Website zur Show (–> hier) bieten, aber wir wollen es ja nicht übertreiben.

Nicht zu unterschätzen ist aber, dass, so hört man, nicht einmal alle der “auserwählten” Darsteller wissen, dass sie demnächst einen Auftritt bei “Musical Rocks!” haben werden. Das könnte zum echten Problem für die Veranstalter werden, denn wenn man sich wegen eines “Auserwählten” oder einer “Auserwählten” ein Ticket kauft und der/die aber gar nie gebucht war, dann, ja sollen wir dann von Täuschung sprechen?

Derzeit findet man auf der Website folgende “Auserwählte”: Patricia Meeden, Serkan Kaya, Mark Seibert, Rob Fowler und Lukas Perman. Dass sie nicht zum “alten Eisen” gehören, ist klar. Aber wie würde man dann die Generation um Matthias Bollwerk, Marlon Wehmeier oder Gernot Romic bezeichnen? Und sollte die “neue Generation” vielleicht nicht ein so unsagbar ödes Programm wie jenes von “Musical Rocks!” interpretieren? “The Rocky Horror Show”, “Grease”, “Hair”, “Miami Nights”, “Dirty Dancing”, “Evita”. Also bitte. Die meisten der echten “neuen Generation” waren zu Zeiten, in denen diese Shows liefen, fast noch in Abrahams Wurschtkessel.

Updates
- Lukas Perman wurde weder informiert oder angefragt, und daher auch nicht gebucht.
- Auf der Serkan Kaya-Fanpage findet man folgenden Hinweis:

Wie ihr sicher schon mitbekommen habt, findet in Wien bald “Musical Rocks” statt, mit Lukas Perman, Mark Seibert, Serkan und ein paar anderen. Allerdings: Es ist noch nicht sicher, ob Serkan wirklich bei MUSICAL ROCKS dabei sein wird. Er selber ist auch überrascht, dort schon aufgeführt zu werden, obwohl er noch gar nicht unter Vertrag steht. Daher würden wir euch raten, nicht auf die Castauflistung zu vertrauen, da Rob Fowler bereits abgesagt hat. [serkankaya-fanpage]

- Rob Fowler hat am 6. Dezember 2009 Premiere mit “Hairspray” in Deutschland. Wird er da vom 3. bis 5. Dezember im Wiener Arsenal auftreten? Das darf man wohlgetrost bezweifeln.
- Wie man hört, hat auch Mark Seibert von seinem Auftritt in Wien bis jetzt noch nichts erfahren. Das allerdings wurde bis dato noch nicht bestätigt.
- Angeblich bestehen Verträge mit: Mathias Edenborn, Jessica Kessler, Nadine Schreier und Vincent Bueno.
- 28.10.2009: Die Website zur Show wurde nun den Tatsachen angeglichen. Die Cast: Vincent Bueno, Mathias Edenborn, Serkan Kaya, Anke Fiedler, Jessica Kessler und Nadine Schreier. Zur Website gehts –> hier Nach wie vor könnte man auf einer Website zu einer Musicalproduktion eventuell die Titel der Musicals korrekt schreiben, oder zum Beispiel aus “Masstäbe” (was immer das auch sein mag) “Maßstäbe” machen. Und wie stehts mit der “neuen Generation”?

Regie: Dean Welterlen
Choreografie: Doris Marlis
Produzent: EMS Event Marketing Service
Musikalische Leitung: MG Sound
Visuals: Bernie Boess Filmproduktion
Technik: Music & Light

Shaun Fleming

Shaun Fleming has had his hands in the entertainment industry for almost fifteen years. He began with voice over acting for Disney and feature films before he discovered his true love: music. Shaun is a classicly trained vocalist with an innate flare for rock and roll. While he is well versed in musical theory, and is proficient in guitar, drum, and piano playing, his area of expertise is vocal performance. He has studied jazz, opera, and choral music, and has performed in both Carnegie Hall, and the Lincoln Center in New York. He has performed and recieved honorable mention from the legendary jazz musician Winton Marsalis, and the family of Duke Ellington. At twenty years old, Shaun is an actively playing musician, who can be seen frequently gigging …

- Shaun Fleming @YouTube
- Shaun Fleming @MySpace
- Shaun Fleming @IMDB.com
- Shaun Fleming @Wikipedia

Ernst Woller (SPÖ) oder Thomas Drozda (Vereinigte Bühnen Wien) - wer ist der Papagei?

… der STANDARD deckt auf:

Das ist weltweit ziemlich einzigartig: Trotz hoher Subventionen machen die Vereinigten Bühnen Wien mit Musical-Produktionen Verluste in Millionenhöhe. Die Opposition verlangte daher einen Sonderkulturausschuss - der natürlich für die Fische war: Thomas Drozda, der Geschäftsführer, nannte keine konkreten Zahlen. Mit dem Hinweis, dass sein Geschäftsjahr erst mit dem 31. Dezember endet. Daraufhin schäumte die Opposition. Drozda ließ daher von seiner Pressesprecherin ein längeres Statement versenden. Es beginnt mit dem Satz: “Ich verstehe die Aufregung nicht.”

Ernst Woller, der Kultursprecher der Wiener SP, erachtete es ebenfalls für zweckdienlich, die Angelegenheit zu kommentieren. Der Pressedienst seiner Partei veröffentlichte über die APA eine sogenannte OTS-Aussendung. Sie beginnt mit dem Satz: “Die Aufregung der Opposition sei völlig unverständlich, erklärte Woller.”

Drozda und Woller sind sich ziemlich einig. Sie sind sich derart einig, dass man an Zufall nicht glauben mag. Vergleichen wir doch die beiden Aussendungen Satz für Satz:

Drozda: “Tatsache ist, dass die VBW im gesamtwirtschaftlichen Krisenjahr 2009 eine Subventionskürzung von 40 auf 37,3 Mio. Euro erfahren haben.”
Woller: “Tatsache ist, dass die Stadt Wien die Förderung der VBW im gesamtwirtschaftlichen Krisenjahr 2009 von 40 auf 37,3 Mio. Euro gekürzt hat.”

Drozda: “Die VBW kosten damit de facto dem Steuerzahler heuer um 2,7 Mio. Euro weniger als im vergangen Jahr, obwohl sie mit dem Ronacher ein Theater mehr - mit an die 100 MitarbeiterInnen und 250 Vorstellungen - bespielten und derzeit äußerst erfolgreich bespielen.”
Woller: “Damit kosten die VBW dem Steuerzahler heuer de facto um 2,7 Mio. Euro weniger als in den Vorjahren, obwohl sie mit dem Ronacher ein zusätzliches Theater mit 100 MitarbeiterInnen und 250 Vorstellungen mehr erfolgreich bespielen.”

Drozda: “Durch diverse Einsparungen, Synergiennutzungen und die Gewinnung neuer Sponsoren ist das Unternehmen jetzt aber dennoch in der Lage, das zu erwartende Minus aus eigener Kraft mittels der in den Vorjahren gebildeten Rücklagen abzudecken.”
Woller: “Durch diverse Einsparungen, Synergienutzungen und Gewinnung neuer Sponsoren ist das Unternehmen in der Lage, das für heuer zu erwartende Minus mittels der in den erfolgreichen Vorjahren gebildeten Rücklagen aus eigener Kraft abzudecken.”[weiter mit den Vergleichen gehts –> hier]

Fazit des STANDARD:

Abgesehen davon, dass die Sätze einen Kommentar verdient hätten, stellen sich ein paar Fragen. Die erste - Wer klaut von wem? - lässt sich recht leicht beantworten: Das Statement von Drozda traf einen Tag vor jenem von Woller ein. Ist Ernst Woller daher ein Papagei? Findet er es in Ordnung, sich Sätze vorformulieren zu lassen? Hat er keine eigene Meinung? Muss man auch seine übrigen Wortmeldungen auf Urheberschaft überprüfen? Und: Bekommt Drozda von der Wiener SP ein Honorar?

Zu seiner Ehre aber muss man sagen: Ernst Woller, der immer alles super findet, was seine Partei macht, denkt schon mit. Denn einen Satz von Drozda hat er nicht verwendet. Den einzigen selbstkritischen Satz. Er lautet: “Rudolf im Raimund Theater hingegen blieb unter den Erwartungen.” (Thomas Trenkler, derStandard.at, 22.10.2009)

Lachen mit (über) Kröger & Fechter

Schon immer mal wollten wir wissen wie der überaus tüchtige und bei Künstlern sehr gefragte Manager Herbert Fechter die Gagen für seine Schützlinge aushandelt. Fechters Büro selbst ließ uns einen Email Verkehr zukommen. Es geht um die Anfrage eines Musicalfest-Managers in Deutschland nach Uwe Kröger. Um den Informationsaustausch für Sie verständlicher zu machen hilft mir Kollege Meinrad Knapp. Er spielt die Rolle des Veranstalters, ich jene von Herbert Fechter! [–> zum Video: Beitrag vom Donnerstag, 22.10.2009, “Mailverkehr” sollte man fast transkribieren und für die Ewigkeit online stellen, falls also wer mag …]

Volksoperndirektor Robert Meyer im Interview

Standard: Wie gehen Sie persönlich mit Buhrufen um?

Meyer: Ich habe noch nie welche bekommen. Aber ich kann mich erinnern, als wir an der Burg Hamlet in der Regie von Klaus Maria Brandauer gemacht haben. Als er ausgebuht wurde, ging er an die Rampe, legte den Zeigefinger an den Mund. Es wurde mucksmäuschenstill. Dann verbeugte er sich und ging.

Standard: Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann beteuert, dass er keine Kritiken liest. Und Sie?

Meyer: Keine Kritiken zu lesen nützt gar nichts. Weil: Sie kriegen sie sowieso um die Ohren. Spätestens in der Kantine wird das Erste, was ein Kollege sagen wird, sein:”Also, was sie über dich geschrieben haben: Wirklich eine Sauerei.” [via derstandard.at]

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