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@Bandion-Ortner: Taser ist Folter, oder wie Michael Moore sagen würde: Shame on you

Der Taser-Einsatz wird wieder erlaubt. Justizministerin Claudia Bandion-Ortner lässt den Gebrauch des Elektroschockgeräts im Strafvollzug nun wieder zu. Ab Juni dürfen Taser von besonders geschulten Justizwachebeamten wieder verwendet werden.
Zwei Jahre waren sie in Gebrauch, bis Bandion-Ortners Vorgängerin Maria Berger (SPÖ) den Taser-Einsatz im Februar 2008 nach heftigen Protesten von Menschenrechtsorganisationen aussetzte. Amnesty International warnte vor Missbrauch und gesundheitlichen Schäden.[orf.at]

Allen Befürwortern des Taser-Einsatzes durch Exekutivbeamte sollte man jenes YouTube-Video zeigen, das demonstriert, wie der Elektroschocker als Folterinstrument eingesetzt wird. Am 17. September 2007 hielt Senator John Kerry an der Universität von Florida (UF) eine Rede. Andrew Meyer, Publizistik-Student an jener Universität, stellte unangenehme Fragen und wollte sie auch beantwortet wissen. Statt einer Antwort nahm ihn ein halbes Dutzend Polizisten in Gewahrsam, drückte ihn zu Boden, und folterte ihn mit einem Taser. John Kerry hielt währenddessen munter weiter seine Veranstaltung ab.

Im Hörsaal waren Mikrofone aufgebaut, jeder der Anwesenden hatte die Möglichkeit, offen seine Fragen an den Senator zu richten.
Das tat auch der Student Andrew Meyer. Er wollte unter anderem von Kerry wissen, wie es bei den Präsidentschaftswahlen 2004 in Florida zur massiven Einschüchterung von Wählern und zum Wahlbetrug kommen konnte. Immerhin war es John Kerry selbst, der durch die Manipulationen um die Präsidentschaft gebracht worden war. Weiter wollte Meyer wissen, warum es damals keine Bestrebungen gab, ein «Impeachment” (Amtsenthebung) gegen Bush einzuleiten.
Aber er stellt anscheinend die falschen Fragen. Meyer hält ein Buch von Greg Palace hoch und ruft Kerry zu, er hätte die Präsidentschaftswahlen 2004 gewonnen. Warum hat er nichts gegen Bush unternommen?
In diesem Augenblick heißt es, seine Fragezeit sei vorbei. Nachdem der Student auf seine Fragen und vor allem auf eine Antwort von Kerry besteht, stellt man das Mikro ab. Doch Meyer spricht unbeirrt mit erhobener Stimme weiter. Er ruft «Impeach Bush” und stellt die Frage, ob Kerry Mitglied der Geheimloge «Skull and Bones” sei. Plötzlich stürmen Polizisten in den Saal und nehmen ihn fest. «Was habe ich getan?”, ruft Meyer immer wieder. Er wehrt sich im ersten Moment nicht, als ihm aber klar wird, dass er verhaftet werden soll (‘are you arresting me?’), protestiert er und will sich den Griffen der Polizei entziehen.
Sie packen ihn, schleppen ihn in den hinteren Teil des Hörsaals und überwältigen ihn. Mittlerweile sind 19 Polizisten um ihn herum, Meyer leistet keinen Widerstand. Als er bereits am Boden liegt, stürzen sie sich auf ihn und richten eine Elektroschock-Pistole auf ihn. Wiederholte Male wird er mit Hochspannung (17.500 V bis 50.000 V ) beschossen - «getasert”. In dem Video ist nicht zu überhören, welche schrecklichen Schmerzen Meyer dabei zu erleiden hat. [via Politblog]

In Amerika sind nach einem Bericht von Amnesty International bisher 220 Menschen durch den Einsatz von Tasern gestorben.

Wiener Stadthalle: Eine Pressemeldung in Sachen Musical mit Fragezeichen

Vor einigen Tagen sorgte die Gratispostille “Heute” mit einer Meldung für Schlagzeilen, in der, sinngemäß, die programmmäßige Neuorienierung der Wiener Stadthalle (Halle F) in Richtung Musical angekündigt wurde. Heute fand eine Pressekonferenz der Wiener Stadthalle statt, und in punkto Musical ist bei wien.gv.at Folgendes nachzulesen:

Die Wiener Stadthalle und Vereinigten Bühnen Wien (VBW) werden noch heuer eine gemeinsame Gesellschaft gründen zur Entwicklung, Produktion und zum Vertrieb neuer Stoffe für Musicals, Shows und zeitgemäßer Entertainment-Programme.
Ebenfalls in enger Zusammenarbeit mit den VBW wird auf dem Areal der Wiener Stadthalle ein Ausbildungszentrum zur Förderung junger Nachwuchs Show- und Entertainmenttalente etabliert werden. Ziel ist es, eine regional und international attraktive Ausbildungsstätte inklusive Probebühne für Tanz, Gesang und Schauspiel (Musiktheater) zu schaffen, die den Standort optimal nutzt, Tagesbespielung bringt sowie auch bereits bestehende Ausbildungsangebote integriert und bündelt.
Die Nachwuchsförderung betreibt die Wien Holding verstärkt nun bereits seit zwei Jahren. So erfolgreiche Produktionen wie Disneys “High School Musical” und “Joseph And The Amazing Technicolor Dreamcoat” sind daraus bereits hervorgegangen.

Und ich war immer der Überzeugung, “High School Musical” sei eine Produktion des Perfoming Center Austria gewesen. Na da sieht man wieder, wie man sich täuschen kann.

Link
- wien.gv.at: Wiener Stadthalle: Mega-Spektakel und Top-Stars kommen

Kammerspiele Wien: Premiere für “Sugar - Manche mögen’s heiß”

Mirjam Weichselbraun © Rita Newman
Erstmals wird an den Wiener Kammerspielen im September 2009 en suite gespielt. Das Erfolgsteam vom »Weißen Rössl«, Regisseur Werner Sobotka, Choreograph Ramesh Nair sowie der Musikalische Leiter Christian Frank, bringt “Sugar - Manche mögen’s heiß” auf die Bühne. Mirjam Weichselbraun ist als Sugar zu sehen, in weiteren Hauptrollen: Boris Pfeifer und Martin Niedermair. Die Premiere geht am 10. September 2009 über die Bühne.

SUGAR – MANCHE MÖGEN’ S HEISS
Musik von Jule Styne, Gesangstexte von Bob Merrill
Nach dem Film »Some Like It Hot« von Billy Wilder und I. A. L. Diamond, basierend auf einer Story von Robert Thoeren

Leading Team
Regie: Werner Sobotka
Bühnenbild: Amra Bergman
Kostüme: Elisabeth Gressel
Musikalische Leitung: Christian Frank
Choreografie: Ramesh Nair

Cast
Sugar Kane, Sängerin und Ukulele-Spielerin: Mirjam Weichselbraun
Joe, ein arbeitsloser Saxophonist: Martin Niedermair
Jerry, ein arbeitsloser Bassist: Boris Pfeifer
Sir Osgood Fielding, ein Millionär: Siegfried Walther
Sweet Sue, Chefin der »Society Syncopaters«-Girl-Band: Susanne Draxler
Spats Palazzo, ein Gangsterboss: Toni Slama
und mit
Oliver Huether, Bernhard Viktorin. Thomas Mraz, Jasmin Bilek, Nina Tatzber, Daniela Lehner, Kerstin Löcker, Josef Blazivocs, Johannes Gerhart, Emanuel Kastner, Alexander Kuchar, Toni Matzl

PS: Für alle, die die Dame und vor allem die Herren auf dem Foto nicht erkannt haben: Es handelt sich um Boris Pfeifer, Mirjam Weichselbraun und Martin Niedermair.

Drama League Awards 2009 - die Nominierungen

Am 15. Mai 2009 werden die begehrten Drama League Awards im New Yorker Marriott Marquis Hotel verliehen. Es ist dies die traditionsreichste Preisverleihung der USA für besondere Leistungen auf dem Gebiet des Theaters. Die Drama League wurde 1916 gegründet, seit 1933 werden Awards unter anderem für das beste Musical, das beste Theaterstück, das beste Musical-Revival und das beste Revival im Bereich des Sprechtheaters vergeben. Die Nominierungen für die 75. Drama League Awards aus Musicalsicht:

Distinguished Production of a Musical
- 9 to 5: The Musical - Music and Lyrics by Dolly Parton; Book by Patricia Resnick
- Billy Elliot: The Musical - Music by Elton John; Book and Lyrics by Lee Hall
- Fela! - Music by Fela Kuti; Book by Bill T. Jones and Jim Lewis
- Liza’s at the Palace… - Music and Lyrics by Various Artists
- The Marvelous Wonderettes - Music by Various Artists; Book by Roger Bean
- Road Show - Music and Lyrics by Stephen Sondheim; Book by John Weidman
- Rock of Ages - Music by Various Artists; Book by Chris D’Arienzo
- Shrek The Musical - Music by Jeanine Tesori; Book and Lyrics by David Lindsay-Abaire
- The Toxic Avenger - Music and Lyrics by David Bryan; Book and Lyrics by Joe DiPietro
- This Beautiful City - Music, Lyrics by Michael Friedman; Book by Steven Cosson and Jim Lewis

Distinguished Revival of a Musical
- Enter Laughing - Music by Stan Daniels, Book by Joseph Stein
- Garden of Earthly Delights - Music by Richard Peaslee
- Guys and Dolls - Music and Lyrics by Frank Loesser; Book by Jo Swerling and Abe Burrows
- Hair - Music by Galt MacDermot; Book, Lyrics by Gerome Ragni, James Rado
- Pal Joey - Music by Richard Rodgers; Lyrics by Lorenz Hart; Book by John O’Hara
- West Side Story - Music by Leonard Bernstein; Lyrics by Stephen Sondheim; Book by Arthur Laurents

Die komplette Liste der Nominierungen bietet Playbill.

Bekommt Wien ein drittes fixes Musicalhaus?

Nach Meldungen der Wiener Gratispostille “Heute” könnte Wien neben dem Raimund Theater und dem Ronacher bald ein drittes fixes Musicalhaus bekommen. Genau gesagt plant angeblich die Wiener Stadthalle, sich zum Teil selbst neu zu erfinden, den Spielplan der Halle F (mit rund 2000 Sitzplätzen) umzustrukturieren und vermehrt auf Musical zu setzen.

Darüber hinaus möchte man sich selbst als Ausbildungsstätte für Musicaldarsteller mit angeschlossenem Internatsbetrieb etablieren.

Inwieweit diese Meldung stimmt, wird man in den kommenden Tagen wohl bei einer angesetzten Pressekonferenz der Wiener Stadthalle erfahren.

Tag der offenen Tür im Theater an der Wien

Foto: Paul Ott

Das neue Opernhaus Theater an der Wien lädt zum Tag der offenen Tür am Samstag, dem 25. April 2009, von 13.00 bis 16.00 Uhr.

Im Januar 2006 ist das Theater an der Wien zum neuen Opernhaus der Stadt Wien geworden, nun haben alle Opernfans die Gelegenheit, einen Blick »backstage« zu werfen. Geboten wird ein vielfältiges Programm: Bühnenführungen, Singen mit dem Arnold Schoenberg Chor, Künstlergespräche, ein bunt gemischtes Kinderprogramm, Filmvorführungen und vieles mehr. Der Eintritt ist frei.

Information: www.theater-wien.at
Info-Telefon: +43 1 588 30-660

Kabarett Simpl: Ein großes Gwirks

Foto: Johannes Glück

Während die ganze Theaterbranche derzeit in Schutt und Asche geht, über mangelnde Auslastung klagt und parallel die Kartenpreise in Regionen treibt, wo man dann tatsächlich dankend verzichtet, dreht das Kabarett Simpl scheinbar erst so richtig auf. Im Stammhaus in der Wollzeile Karten zu bekommen, ist wie bei der Lotterie. »Leider Nicht«, heißt es immer öfter. Kein Wunder also, dass man kurzerhand ein zweites Standbein geschaffen hat, das zirka 600 Sitzplätze fassende Palais Nowak, ein eigens errichteter Zeltbau in Wien Erdberg, in dem einige Monate bereits »Krawutzi Kaputzi«, die erfolgreichste Wiener Musicalproduktion der letzten Jahre, gelaufen ist und demnächst »Tschüss! Das war der ORF!« an den Start geht – und da das nun ja auch noch nicht alles sein kann, bespielt man ab Herbst noch ein drittes Haus, nämlich das Vindobona. Der genaue Spielplan dafür dürfte in den nächsten Wochen präsentiert werden.

Foto: Johannes Glück

Im Stammhaus, dem Kabarett Simpl, läuft seit vergangenen Oktober und noch bis zum 16. Mai 2009 die neueste Nummernrevue von Michael Niavarani und Albert Schmidleitner: »Ein großes Gwirks«. Genau das ist auch der Titel des musikalischen Intros zur Show. Zum Charts-Hit »New Soul« von Yael Naim schrieb Johannes Glück einen wienerischen Text, mit dem das Ensemble, bestehend aus Angelika Niedetzky, Alexandra Schmid, Christoph Fälbl, Ciro de Luca, Stefan Moser, Bernhard Murg und Thomas Smolej eine quasi sentimental-populärkabarettistische Abhandlung liefert, wie sehr unser aller Leben doch ein ganz ganz großes Gwirks sein kann. Eine von Cedric Lee Bradley nett choreografierte Einstimmung, bei der die Schauspieler als Marionetten stilisiert dem bitterbösen Schicksal ausgeliefert sind.

Foto: Johannes GlückCiro de Luca hält danach das Herzstück jeder Simpl-Revue, die Confà©rence. Es gilt das Publikum aufzuheizen, den Hardcore-Pensionistenanteil abzuchecken und herauszufinden, wos heut los is. Samma alle bereit zum Lachen, oder nicht? Seine Vorgänger: Ernst Waldbrunn, Karl Farkas, Maxi Böhm, Martin Flossmann, Ossy Kolmann, Peter Rapp, Erwin Steinhauer, Michael Niavarani, Dolores Schmidinger, Steffi Paschke, Viktor Gernot und Herbert Steinböck – das sagt viel und nichts. Als Simpl-Confà©rencier gilt es, souverän zu sein, spontan, eigentlich wäre eine gewisse Schneyder’sche Komponente kombiniert mit einer Farkas’schen nicht so übel. Bei der besuchten Vorstellung hat der Confà©rencier allerdings vor dem Feind, in diesem Fall das Publikum, nach einigen Minuten kapituliert. Wie? Nun, indem er das Publikum zum Klatschen aufgefordert hat, Marke All-inclusive-Animateur. Kaum beginnt ein leicht amüsierter Zuschauer einmal zaghaft zu klatschen, dröhnt es von der Bühne »Ja, klatschen Sie ruhig, klatschen Sie.” Das ist ungefähr so, als würde ein Koch zu jedem einzelnen Gast im Restaurant gehen und sagen: »Ja, essen Sie, essen Sie um Gottes Willen.”

Aber verbeißen wir uns nicht in den Simpl-Confà©rencier, mein Gott, er hats nicht leicht. Denn er kann ja nicht mal abgelöst werden. Warum? Schlicht und ergreifend deswegen, weil es keinen gibt, der den Job machen kann oder will. Sicher könnte man sagen: Also, da muss der Chef ran. Aber Michael Niavarani wäre schön blöd, sich 200 Mal pro Jahr auf die Bühne des Simpl zu stellen und 200 Mal pro Jahr … Ja, genau da liegt vielleicht der Hund begraben. Denn eine Simpl-Confà©rence sollte ja eine spannende Sache sein, auch für den, der sie hält. Und wenn sie heutzutage ein wenig so rüberkommt, als würde ein Büroangestellter seinen Job erfüllen, dann, ja dann stimmt vielleicht was nicht.

Das Gwirks mit dem Simpl-Confà©rencier sollte uns aber jetzt nicht mehr lange aufhalten. Nach der Confà©rence beginnt die Nummernrevue. Und es ist eine klassische Nummernrevue. Es folgt Sketch auf Sketch, dazwischen wird abgeblendet und mit dem einen oder anderen Lied, nett choreografiert, aufgelockert. Aus Queens »We are the Champions« wird zum Beispiel eine satirische Nummer über die EU, textmäßig ungefähr so im Refrain: »Ihr Brüssler Wappler – Ihr könnts jetzt alle - scheissn gehn.« Ein routiniertes Schauspielerteam ist am Werk, das geht alles fließend über die Bühne, und man merkt den Darstellern auch an, dass es ihnen Spaß macht, oder aber sie vermitteln zumindest gekonnt ebendiese Illusion. Beides muss und kann dem Publikum recht sein.

Foto: Johannes Glück

Auch diesmal, wie schon im letzten Programm, kämpft Bernhard Murg in einer der besten Nummern des Abends mit der Technik. Er hat so sein rechtes Gwirks mit den Passwörtern seines Laptops. Gemeinsam mit Thomas Smolej, der als sein Sohn in dieser Szene zu sehen ist, und Alexandra Schmid als seine Frau liefert Murg eine herrlich komische Parodie eines partiellen Informationszeitalter-Analphabeten, und auch der berühmte Simpl-Dreh am Ende, der den Sketch von der überzeichneten Alltagssituation ins völlig Abstruse kippt, gelingt köstlich. Wutentbrannt springt der Laptop-Gescheiterte auf seinen Sessel, stampft wütend auf und schreit:

»Jetzt reichts aber mit den DEPPERTEN Passwörtern. Jetzt werd ich an Usernamen und a Passwort schreiben, dass da schwindlig wird. So! Username: Schastrommel. Do host deine zwölf Buchstaben. Und weiter geht’s. Passwort: O-A-S-C-H-L-O-C-H-1. Und ENTER. AHA. I bin drin. I BIN DRIN!”

Eine unheimlich komische Nummer, in der alle Schauspieler, sei es Murg, Smolej oder Schmid, herrlich interagieren – und Murgs Rumpelstilzchen-Finale ist wunderbar.

Die gewisse Derbheit, die in den Gags der Simpl-Programme als Grundlinie vorhanden ist, macht die Shows deswegen noch lange nicht vulgär oder primitiv, sie ist vielmehr wie eine Art Unterlage, auf der die Schmähs im besten Fall abgehen wie Lumpi. Jeder Satz ein Lacher, das ist und bleibt das Ziel. Der derbe wienerische Slang ist das kleinste gemeinsame Verbindende aller Simpl-Stammgäste, und wenn die Darsteller hemmungslos Grimassen schneiden und Vokale im Mund zerquetschen, bevor sie sie genüsslich rausmurgeln, dann ist das ein Ergebnis von präzisem Timing und erarbeiteter Gestik.

Foto: Johannes Glück

Ein Lieblingsthema der Simpl-Macher, bei dem man dieses Zermurgeln genüsslich zelebriert, ist unser Lieblingsnachbar, Deutschland. Schick einen Deutschen in ein Wiener Kaffeehaus, film mit, und eigentlich braucht man Pointen dann nur mehr transkribieren. Und genau so einen Fall bietet auch das aktuelle Programm. Bernhard Murg (»Heißen tu ich Hans, rufen dürfen Sie mich ,Lieber Herr Ober‘) als typischer Wiener Ober in einem Kaffeehaus trifft auf das leibhaftige Klischee eines deutschen Pärchens, köstlich in Szene gesetzt von Regisseur Hannes Muik und herrlich gespielt von Thomas Smolej und Alexandra Schmid, die vom Wiener Original nicht bedient, sondern bestenfalls abgefertigt werden. Eine Variante dieser Situation bietet gleich der nächste Sketch, in dem ein Bauern-Pärchen (Bernhard Murg und Angelika Niedetzky) auf zwei Ober der ganz speziellen Sorte (Christoph Fälbl und Ciro de Luca) trifft. Das ist dann die Kür der gutturalen Lautfabrikation, und jeder Satz ein Lacher.

Das Simpl bemüht sich in den letzten Jahren, genauer gesagt, seit Werner Sobotka, Hannes Muik und Michael Niavarani an Bord sind, verstärkt den Nachwuchs aus dem Schauspiel-, Musiker- und auch Autorensektor zu fördern beziehungsweise sich die kreativen Potentiale jener Leute zu sichern. Beispiele dafür sind der Komponist Johannes Glück, der aus dem Stand mit »Krawutzi Kaputzi« einen Wiener Immergrün produziert hat, in der Hauptrolle war mit Otto Jaus ein Absolvent des Konservatoriums zu sehen. Beim »Gwirks« nun steuert Flo Stanek die gemeinsam mit Jürgen Miedl geschriebene Nummer »Dr .Hypochondris” bei, einen Sketch, in dem sich ein Krocha (Stefan Moser) und ein Emo (Thomas Smolej) im Wartezimmer von Psychoonkel Bernhard Murg treffen. Stanek studiert derzeit an der Konservatorium Wien Privatuniversität (Studienzweig Musikalisches Unterhaltungstheater, 1. Jahrgang) und tritt neben seinem Studium gemeinsam mit Jürgen Miedl als Miedl & Stanek mit dem aktuellen Kabarettprogramm »Stopptafel-Besessenheit« auf (beispielsweise am 28. Mai im Theater Forum Schwechat). Bei seiner ersten Show im Rahmen seiner Ausbildung am Konservatorium lieferte er nicht nur eine Probe als Darsteller, sondern auch als Übersetzer ab. Aus dem Marvin Hamlisch-Musical »They’re playing our song« interpretierte er die von ihm selbst ins Wienerische übertragene Nummer »Fallin‘«. Den vielversprechenden Nachwuchs ans Simpl zu holen, ist der erste Schritt, der zweite und noch wichtigere wäre, den engagierten Nachwuchs auch aufzubauen. Nehmen wird Thomas Smolej als Beispiel. Er hat 2006 in der Simpl-Nummernrevue “Welttag der Nudelsuppe” mehr oder weniger als Zeilenträger begonnen, bekommt schön langsam etwas größere Partien, na, da wäre es doch nicht schlecht, wenn er einmal eine Hauptrolle in einem Sketch auf den Leib geschrieben bekäme, oder bei einer Doppelconfà©rence dabei wäre. Im Prinzip würde sich da sogar noch das aktuelle Programm anbieten, denn wie man anbaggert, die Doppelconfà©rence, in der Ciro de Luca Christoph Fälbl das Frauenanbraten erklärt, wäre in einer Paarung wie Fälbl–Smolej vielleicht sogar einen Touch lustiger.

Foto: Johannes Glück

Absurdes hat Hauptsaison im »Gwirks«. So wird in einer Szene eine Leichenfeier zelebriert. Die schene Leich: die Zeitansage (Tel.: 1503), aber auch die Glühbirne und das Plastiksackerl und etliche Straßenbahnen. Die treffende Schlusspointe:

Er: »So ist das mit den Sachen, die ausgedient haben. Was die Gesellschaft nicht mehr braucht, stirbt, so is es.«
Sie: »Jösas, schauns a mal da drüben!«
Er: »Wo denn?«
Sie: »Na da drübn! Da schaufelns das Grab fürn ORF!«
Er: »Na endlich.«

Eine Parodie auf die Landeshauptmänner von Niederösterreich und Wien zeigt, mit wie wenig Mitteln Ciro de Luca und Bernhard Murg Charaktere skizzieren können. Mutierte Murg im letzten Programm zur ehemaligen Gesundheitsministerin Kdolsky, so gibt er diesmal den Wiener Bürgermeister Michael Häupl genauso gekonnt. Und auch de Luca zeigt, wo vor allem seine Talente liegen.

Foto: Johannes Glück

Von den Songs, die im “Gwirks” eingestreut sind, ist “u.s.w.”, ein von Johannes Glück komponiertes und getextetes Lied, das sich mit dem Abkürzungswahn bei Kontaktanzeigen beschäftigt und textmäßig ausschließlich aus Abkürzungen besteht, sicher das gelungenste. Es hat einen leicht sentimentalen Touch, und Angelika Niedetzky und Bernhard Murg interpretieren es grandios. Aber letztendlich erfüllt auch das Rausschmeißer-Lied “Warum san mir Ami a Weh”, in dem nach Simpl-Logik bewiesen wird, warum die USA ein Entwicklungsland sind, ebenfalls von Johannes Glück geschrieben, seinen Zweck. Das Publikum geht danach gut gelaunt nach Hause.

Foto: Johannes Glück

“Ein großes Gwirks” ist wieder ab 27. April und nur noch bis 16. Mai 2009 zu sehen.

Ein großes Gwirks
Eine Kabarettistische Revue
von Michael Niavarani und Albert Schmidleitner

Mit: Angelika Niedetzky, Alexandra Schmid, Christoph Fälbl, Ciro de Luca, Stefan Moser, Bernhard Murg und Thomas Smolej

Confà©rence: Ciro de Luca
Musikalische Leitung: Christian Frank
Choreographie: Cedric Lee Bradley
Kostüme: Gaby Rajtora
Bühnenbild: Markus Windberger
Regie: Hannes Muik

“I will always love you”: Dolly Parton & Stephanie J. Block

Country-Legende Dolly Parton hat mit Musical-Star Stephanie J. Block (”The Boy from Oz”, “Oliver”, “Wicked”, “The Pirate Queen”, “Bye Bye Birdie”, …) den Evergreen “I will always love you” (komponiert von Dolly Parton) als Duett eingesungen.

Veröffentlicht wird der Song auf Blocks erster Solo-CD “This Place I Know”, die am 12. Mai von PS Classics in den Staaten digital via iTunes in Umlauf gebracht wird. Drei Wochen später, am 2. Juni 2009, gibts dann auch die “reale” CD im Fachhandel.

Weitere Lieder auf dem Tonträger stammen von Stephen Schwartz (”Making Good”, ursprünglich für “Wicked” vorgesehen), Marvin Hamlisch (”Smart Women”), Stephen Flaherty (die erste CD-Aufnahme des Songs “Something Beautiful” sowie “The Human Heart” aus “Once on this Island”), Deborah Abramson (”Gotta Start Small”), Scot Alan (”Never Neverland (Fly Away)”), Zina Goldrich und Marcy Heisler (15 Pounds”), Andrew Lippa (”One Day”), Paul Loesel (”Life Starts Clapping”, “Invention”), Steve Marzullo (The Hardest Part of Love”) und Claude-Michel Schönberg (”Because I Am A Wife”).

Bei ihren Interpretationen wird Block großteils von den Komponisten der einzelnen Lieder begleitet. Stephen Flaherty ist am Piano zu hören, ebenso wie Stephen Schwartz und Marvin Hamlisch.

Block zu diesem Konzept:

Hearing a composer play their own music is an extraordinary experience… one that is very personal. It’s almost like you are listening in on a secret. I wanted to bring that experience to the recording studio. I asked some of my favorite composers and lyricists to not only lend me their music, but to perform with me on this album.

Stephanie J. Block ist ab 30. April im New Yorker Marquis Theatre im Dolly Parton-Musical “9 to 5″ zu sehen.

Links
- Stephanie J. Block: Homepage
- Dolly Parton: Homepage
- 9 to 5: Website zum Musical
- PS Classics

Buddywucher in Deutschland

Lustige Zeiten. “Buddy”, das Musical, wird ab Herbst im Essener Colosseum Theater laufen, und man möchte scheinbar eine besonders kurze Laufzeit anstreben. Anders kann man eine Headline wie “Tickets SCHON ab 52,70 Euro” nicht erklären. Dann auch noch der Familie viel Vergnügen zu wünschen, ist lustig. Vater, Mutter und sechs Kinder, da sind wir dann bei NUR 421,60 Euro und sitzen sicher, bei unserem Glück, in der letzten Reihe, gell Mami?

Link
- Premiumpresse: BUDDY Das Musical - Tickets schon ab 52,70 Euro

“Frühlings Erwachen” - PLAYBILL & die nackten Fassaden


In den Staaten berichtet man über “Frühlings Erwachen”, die Wiener Fassung des Duncan Sheik/Steven Sater-Musicals “Spring Awakening”, auf ganz eigene Art und Weise, nämlich in Form einer Bildreportage. In PLAYBILL zu sehen: die Fassade des Ronachers.
Bemerkenswert die Tippfehler in dem Artikelchen dazu. Aus Steven Sater wird Stephen Sater, aus Frank Wedekind wird Franz Wedekind, und was ein “alt-rock musical” ist? Keine Ahnung. Zum Artikel geht es –> hier.

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