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Publikumsverarsche

Es gibt ein paar Begriffe im Theaterbereich, die eindeutig definiert sind. Ein Begriff wie »Postdramatisches Theater« würde vielleicht nicht dazu gehören, aber sagen wir »Uraufführung«, ja, darauf konnten sich alle einigen bis jetzt. Was eine Uraufführung ist, das ist mal klar:

Eine Uraufführung ist die erste öffentliche Aufführung eines Musikstückes oder Bühnenwerkes.

Ist ganz simpel. Einfach zu kapieren. Im Musicalbereich hierzulande kam mal wer auf die geistvolle Idee, zu behaupten, jaja, am Broadway hat man ja auch vorher Try-outs, und dann … Ja, was dann eigentlich? Kein Mensch hat es am Broadway nötig, von »Welturaufführungen« zu sprechen. Warum? Weil der Broadway jedem ein Begriff ist, und eine Broadway-Premiere ist eben eine Broadway-Premiere. Mit Labels verkauft man kein Ticket mehr, dahinter stecken andere Motive, und vielleicht sollte man sich deren Aufdeckung mal ganz intensiv widmen.

Doch wie auch immer: Ein Musical hat auch in den USA nur eine Uraufführung, und kein Mensch käme auf die Idee, nur weil die Hauptdarstellerin eine neue Perücke hat oder ein neues schickes Paar Pumps, nur weil irgendein depperter Bühnenboden wichtiger ist als musikalische Substanz oder es zwei neue Lieder in irgendeinem Musical gibt, diese überarbeitete Fassung dann als »Uraufführung« zu verkaufen. »Plays aren’t written, they’re rewritten«, diesen Spruch kennen wir seit über 100 Jahren, er wird Dion Boucicault (1820–1890) zugeschrieben, und der Spruch wurde auch fürs Musicalgenre adaptiert. Musicals werden ständig umgeschrieben … und kein Mensch käme auf die Idee, jede neue Fassung zu einer »Uraufführung« hochzujazzen.

Das Gute ist, dass Fachmagazine, die noch einen Ruf zu verlieren haben (alle gehören aus Gründen, die man ebenfalls mal genauer besprechen muss, nicht mehr dazu), nicht auf Etikettierungsbluffs aufspringen werden. Sie würden sich damit disqualifizieren.

Wiener Metropol: »Der Hofnarr«

In Wien-Hernals ist eine fast eigene Gattung des Musicals zuhause: das Metropol-Musical. Man müsste natürlich mal ernsthaft den Versuch unternehmen, genau zu definieren, was ein typisches Metropol-Musical ausmacht, aber ein wichtiger Faktor ist zweifellos das Gespür des Direktors des Hauses, Peter Hofbauer: Er weiß, was sein Publikum mag. Noch wichtiger: Er hat ein Stammpublikum. In den letzten Jahren hat Hofbauer verschiedenste Formen des Musicals, bis hin zur grandiosen Produktion »Hedwig and the angry inch« (die auch ebenso grandios gefloppt ist), getestet, und dann seine Konsequenzen gezogen. Seither lauft das Radl, und Jahr für Jahr ist das Metropol-Musical ein Fixpunkt in der Wiener Musicallandschaft. Dieses Gespür vermisst man an manch anderem Haus. Da wird bei Misserfolgen dann entweder die Branche als solche gleich infrage gestellt oder das Publikum bezichtigt, zu dumm zu sein, um zu verstehen, wie genial es vom Planungspersonal des Hauses war, ein Stück zu shoppen und 1:1 so, wie es im Iran, in Üzbühül oder am Broadway gelaufen ist, in Wien auf die Bühne zu pfropfen. Und statt aus Misserfolgen zu lernen, macht man munter weiter, immer nach dem gleichen Prinzip. Da ist doch eine Show im Metropol, die nicht vorgibt, was sie nicht auch halten kann, gleich ganz was anderes.

Die jüngste Ausgabe des Metropol-Musicals »Der Hofnarr« wurde im Juli 2013 in Asparn an der Zaya uraufgeführt und erlebt seine Wien-Premiere am 11. Februar 2014. Basis der Show ist der gleichnamige Film mit Danny Kaye, für die Bühne bearbeitet von Vicki Schubert, mit Musiknummern von Christian Deix und Peter Hofbauer. Mehr als 30 Mal ist die Show im Wiener Metropol zu sehen.

Zum »Hofnarr« gibt es eine übersichtlich gestaltete Website mit allen nötigen Informationen, die findet man –> hier. Nicht vermissen wird man sicher krampforiginelle Merchandisingartikel wie Hofnarr-Unterhosen, -Manschettenknöpfe, -Häferl, Inkontinenzwindeln für die alte Dame des Hofnarren oder ähnlichen Schmonzes.

Handlung
Diese Geschichte erzählt, wie sich die Geschicke einer Nation durch ein Muttermal änderten – ein königliches Muttermal, auf dem königlichen Hinterteil eines Säuglings von königlichem Geblüt. Am englischen Hof herrscht Roderick, der sich nach der Ermordung der gesamten Königsfamilie des Throns bemächtigt hat. Das royale Baby wurde beim Gemetzel allerdings übersehen. Das Gerücht geht um, dass der königliche Balg vom »Schwarzen Fuchs« im Wald verborgen wird. Intrigen, Morde, verräterische Taschentücher am Herzen, ritterliche Zweikämpfe in klappernden Rüstungen, Giftpillen im Becher mit dem Fächer oder doch im Pokal mit dem Portal? – Kurz: turbulenter mittelalterlicher Spaß, bei dem die Degen nur so klirren!

Besetzung
Alexander Jagsch, Doris Hindinger, Miriam Mayr, Pia Strauss, O. Lendl, Christof Messner, Christian Deix, Otto Jaus, Georg Leskovich, Wolfgang Klivana u. a.

Regie: Vicki Schubert
Liedtexte: Peter Hofbauer und Vicki Schubert
Musik: Christian Deix

Nähere Infos –> hier

Theater Drachengasse: »Topdog/Underdog«

topdog.jpgVom 10. bis 15. Februar 2014 zeigt das Vienna Theatre Project in Zusammenarbeit mit der US-Botschaft im Wiener Theater Drachengasse »Topdog/Underdog«, ein Stück von Suzan-Lori Parks. Gespielt wird in englischer Sprache.

Handlung
Two brothers in their mid-to-late thirties struggle to eek out an existence in a shabby little rooming house. The older brother, Lincoln (also known as «Link”), was once a skilled 3-card Monte con-artist who gave it up after the untimely death of his friend. The younger brother, Booth, wants to be a big shot – but spends most of his time shoplifting and awkwardly practicing the art of card hustling. Their father named them Booth and Lincoln; it was his dismal idea of a joke.
Booth talks about his many goals and dreams. He discusses his sexual conquests and his romantic frustrations. Lincoln is much lower-key. He often thinks about his past: his ex-wife, his successes as a card hustler, his parents who abandoned him when he was sixteen. Booth is impulsive throughout most of the play, sometimes reacting violently whenever frustrated or intimidated. Lincoln, on the other hand, seems to let the world step all over him.
Instead of grifting, Lincoln has settled into a very odd job at a carnival arcade. For hours on end, he sits in a display box dressed as Abraham Lincoln. Because he is black, his employers insist that he wears «white-face” make-up. He sits still, reenacting the final moments of the famed president (the «real” Lincoln was assassinated as he watched the play, My American Cousin ). Throughout the day, paying customers sneak up and shoot Link in the back of the head with a cap-gun. It’s a strange and morbid occupation. I certainly don’t blame Link for being lured back into card hustling; he’s in his natural element when he’s working the cards.

Besetzung
Lincoln: Ricky Watson
Booth: David Wuwara

Regie: Joanna Godwin-Seidl
Assistenz: Silke Müllner/Christina Koeppl/Kathy Firli

Theater Drachengasse Bar & Co
Fleischmarkt, 1010 Wien
www.drachengasse.at

Musiktheater Linz: »Show Boat«

Nachtkritik.de hat kürzlich eine kleine Statistik veröffentlicht, welche Inhalte der Programmhefte von Theaterproduktionen das Publikum als Erstes liest. Das Ergebnis war für die Dramaturgen etwas bitter, denn rund drei Viertel der Zuschauer lesen zuerst die Angaben zur Spieldauer, ein Viertel Angaben zur Besetzung, und nur ein bis zwei Prozent lesen die Texte des/der Dramaturgen als Erstes.
Also: »Show Boat« am Linzer Musiktheater (Premiere am 12. April) wird 2 Stunden und 30 Minuten dauern und die Cast steht fest (siehe unten). Nun können wir uns dann alle auf die Texte des Dramaturgen konzentrieren.
Wer übrigens »Show Boat« nicht in dieser Saison erwischt, könnte diese Produktion dann bei der Wiederaufnahme mit einer anderen Cast erleben, denn das Linzer Musicalensemble wird für die Saison 2014/15 (zum Teil) neu gecastet. Es wird mindestens eine Wiederaufnahme (»Show Boat«) und vier Neuproduktionen geben.

Show Boat
(Premiere: 12. April 2014)

Musikalische Leitung: Kai Tietje, Daniel Spaw
Inszenierung: Matthias Davids
Choreografie: Simon Eichenberger
Bühne: Mathias Fischer-Dieskau
Kostüme: Judith Peter
Lichtdesign: Michael Grundner
Dramaturgie: Arne Beeker

Besetzung
Käpt’n Andy Hawkes: Reinwald Kranner
Parthy Ann Hawkes: Kristin Hölck
Magnolia Hawkes: Lisa Antoni
Gaylord Ravenal: Christian Alexander Müller
Joe: Zelotes Edmund Toliver
Queenie: Adi Wolf
Julie LaVerne: Daniela Dett
Ellie May Chipley: Ariana Schirasi-Fard
Franz Schultz: Rob Pelzer
Pete/Ein weiterer Hinterwäldler/Jake, ein Pianist/Ein Betrunkener: Oliver Liebl
Steve Baker: Peter Andreas Landerl
Sheriff Vallon/Jim Greene: Erich Josef Langwiesner
Windy: Franz Binder
Jeb, ein Hinterwäldler/Ensemble: Jochen Bohnen
Junge Kim: Angelika Matscheko
Mrs. O’Brien/Alte Dame auf dem Uferdamm: Cheryl Lichter
Charlie/Türsteher/Hafenarbeiter: Craig Lemont Walters
Hafenarbeiter: Eddie Cole/Julius Williams
Ethel/Gal: Anastasia Bain
Gal: Conchita Zandbergen
Ballett des Landestheaters Linz
Chor des Landestheaters Linz
Statisterie des Landestheaters Linz

Theater 82er Haus: »An Evening with Cole Porter«

»Anything goes«, »Love for sale«, »I’ve got you under my skin«, »Night and day«, »I love Paris« … das sind einige der Songs des Konzertprogramms »An Evening with Cole Porter«, das im April 2014 im Theater 82er Haus zu sehen ist. Es singen: Katharina Dorian, Katrin Mersch, Oliver Arno und Markus Richter. Am Klavier: Jeff Frohner.

Termine: 4., 6 und 12. April 2o14
Nähere Infos –> hier

Ateliertheater: Einchecken zum Sterben – Uraufführung von »Hotel California«

hotel_california_2014.jpg Hotel California ist ein Ort, an dem Sterbehilfe der besonderen Art praktiziert wird. Lebensmüde Menschen, unabhängig von Alter, gesellschaftlichem Stand und finanziellen Ressourcen, können hier für einen gewissen Zeitraum einchecken – der Service des Hotels behandelt die Gäste, je nachdem wie viel sie für ihren Aufenthalt bezahlt haben. Doch eines ist davon unabhängig. Keiner verlässt das Hotel lebend. Bei der Ankunft wird ein Vertrag besiegelt, und er ist der Stempel auf diesem One-Way-Ticket in den Tod.
Im Hotel California treffen zwei Gäste aufeinander, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Beide haben 14 Tage Aufenthalt gebucht. Beide wissen, warum sie da sind. Louis und Louisa sind die einzigen Gäste des Hotels, und es beginnt ein neuer Abschnitt im Leben dieser beiden Reisenden. Ab sofort existiert die äußere Welt nicht mehr, alles bisher Bekannte ist nicht mehr greifbar, Teil einer anderen Wirklichkeit geblieben.
Ein Buch ist es, das wie ein verhängnisvoller Schlüssel in ihre Hände gelangt und ihnen den Weg zum anderen und zu sich selbst eröffnet: »Das obszöne Werk« von Georges Bataille. Provoziert durch die Unmittelbarkeit dieser sonst undenkbaren Begegnung, gedrängt von der absoluten und freien Konzentration aufeinander, geschleudert durch das Adrenalin der Gesamtsituation, verlieben sich Louis und Louisa Hals über Kopf in einander, als wäre es das letzte Mal – und das ist es auch.

HOTEL CALIFORNIA
von Nina C. Gabriel (Uraufführung)

Mit Gerti Drassl, Stephan Lewetz, Benjamin Vanyek, Anna Demel, Katharine Meerle Wickel und Nina C. Gabriel

Regie: Nina C. Gabriel
Dramaturgie/Bühne: Ludwig Drahosch
Musik: Katharina Meerle Wickel
Kostüme: Antoaneta Stereva
Maske: Teta S. Kartik
Licht: Lukas Kaltenbäck

Vorstellungstermine
6. bis 8. Februar und 12. bis 15 Februar 2014 (Beginn 19.30 Uhr)

Karten
kartenreservierung@ateliertheater.net
Regulär: 20 Euro
Schüler, Studenten und IG Mitglieder 10 Euro
Die Kassa öffnet um 18.30 Uhr.

Nähere Infos: www.ateliertheater.net/products/hotel-california/

Klagenfurt: Wiederaufnahme der Erfolgsproduktion »Juri« im Jazzclub Kammerlichtspiele

sujet-juri.jpgIn seiner zweiten off-season im Klagenfurter Jazzclub Kammerlichtspiele zeigt die Theaterinitiative kulturhof:sommer villach vom 30. Jänner bis zum 1. Februar 2014 die deutschsprachige Erstaufführung von Fabrice Melquiots französischer Gesellschaftssatire »Juri«. Es spielen Sabine Kranzelbinder, Markus Schöttl und Kristà³f Gellà©n. Für die Regie ist Thomas Smolej verantwortlich.

Handlung
Patrick und Andrea sind glücklich verheiratet. Nur mit dem Kinderkriegen klappt es nicht so ganz. Was tun? Patrick schluckt fleißig Hormone, während Andrea bereits über Alternativen nachdenkt. Eine Adoption vielleicht? Andrea will nicht mehr warten. Also nimmt sie ihr Schicksal selbst in die Hand. Das Schicksal heißt »Juri« …

Der Autor
Der Franzose Fabrice Melquiot ist im deutschen Sprachraum kein Unbekannter. Seine über 40 Theatertexte, anfangs noch romantisch-boulevardesk, haben sich mittlerweile zu schonungslosen Gegenwartsanalysen gewandelt. Mit sprachlicher Skurrilität und viel schwarzem Humor geht Melquiot in »Juri« gegen eine zunehmend von Burnout, Vorurteilen und Kinderlosigkeit geprägte Generation an, die trotz Wohlstand, Bildung und Überfluss schwer glücklich werden kann.

»Juri« von Fabrice Melquiot
Mit Sabine Kranzelbinder, Markus Schöttl und Kristà³f Gellà©n
Regie: Thomas Smolej
Bühne: Markus Schöttl
Kostüm: Corinna Sereinig
Technik: Wolfgang Franz
Produktions- und Regieassistenz: Natascha Ties

30. und 31. Jänner sowie 1. Febuar 2014: Jazzclub Kammerlichtspiele, Kardinalplatz, 9020 Klagenfurt

Kartenreservierungen unter 0660 2161966 oder juri8@silverserver.at

Nähere Infos –> hier

Die “Standard”-Kritik gibt es –> hier zum Nachlesen

Neues von »Rebecca« …

Nun, Neues von der VBW-Broadway-»Rebecca« hat man schon länger nicht gehört, was wahnsinnig viele Menschen urschade finden, wie man in in den gängigen Tratschforen immer wieder lesen kann (eigentlich ja nicht, abgesehen davon, dass eine beteiligte Künstlerin die geplante Broadway-Show als »little-known scandal« bezeichnet hat, eher schon findet man in Foren Threads zu Themen wie »Songs about Penises«, und ja, da gibt es Einiges).

Und wirklich Neues kann auch dieses Posting nicht bieten. Aber vermutlich ist es noch nicht Allgemeinwissen, dass es neben der VBW-»Rebecca« noch eine zweites »Rebecca«-Musical gibt. Die Musik dieser »Rebecca«-Show stammt von Kevin Purcell, die Texte und das Buch von Victor Kazan. Die Uraufführung dieser Version fand am 19. Juni 2004 in Australien, in der Concert Melba Hall der University of Melbourne statt. Es gibt von dieser Show keine offiziell veröffentlichte CD, aber scheinbar eine Art, nennen wir sie Demo-CD (siehe –> hier). Und wer Interesse hat, kann sich von der Website des Komponisten die Noten gratis downloaden (Teil 1 –> hier, und Teil 2 –> hier).

Wie stehts um Purcells »Rebecca«? Nun, man findet im Web folgende Info dazu:

This work is currently withdrawn due to unresolved international rights restrictions.

Mehr über die Show bietet australianmusicals.com –> hier.

Kosmos Theater: »Herzschritt«

schritt2.jpgAm 5. März 2014 bringt das Wiener Kosmos Theater die Österreichische Erstaufführung von Jan Neumanns »Herzschritt«. Es spielen: Susanne Altschul, Vera Borek, Katrin Stuflesser und Wolfgang Lesky. Die Regie hat Babett Arens übernommen, Martin Kratochwil hat die Musik komponiert, für die Ausstattung verantwortlich: Andrea Bernd.

Handlung
12 Monate im Leben von Ursula. Sie ist 60, kinderlos, partnerlos und arbeitslos. Zudem sitzt ihr ständig ihre 80-jährige Mutter im Nacken. Mami möchte mit ihr gemeinsam kochen, mit ihr auf Urlaub fahren und eigentlich am liebsten gleich ganz bei ihr einziehen. Sogar Ursulas Träume unterbricht sie durch penetrante Anrufe mitten in der Nacht.
Ursula träumt gerne von ihrem Traummann: dem ewigjungen Bäcker Harald, Schwarm ihrer Jugend. Harald kann aber je nach Bedarf auch Ritter, Matrose, Klempner, Feuerwehrmann oder Krimineller sein. Ursulas einzige Bekannte, ihre Arbeitskollegin Sabine, Mitte 40, hat zwar Kind, Partner und Arbeit – ist aber trotzdem nicht viel glücklicher. Ihr Mann erscheint als selbstgefälliger Ignorant und das Kind verhaltensauffällig und faul – es meidet frische Luft und verpasst sich und ihrer Puppe einen Hitlerbart.
Als die Mutter stirbt, beschließt Ursula, ihr Leben neu zu definieren; auch Harald, der Traummann, muss Haare lassen. Er soll altern und die gemeinsame Erotik soll sich in gemütliche, platonische Zweisamkeit am Kaminfeuer verwandeln. Aber Harald funktioniert nur als junger, strahlender Held – für einen alten Mann am Kamin braucht man keine Fantasie! Also lernt sie in der realen Welt über ein Inserat Herrn Schering kennen, einen Witwer in ihrem Alter, der vor allem Maria Callas verehrt. Da der Beziehung kein langes Dasein beschieden ist, muss Harald, der Traummann, wieder herhalten. Aber dieser weiß nicht mehr, wozu er noch gut sein soll. Ursula verlangt Dinge von ihm, die er nicht erfüllen will und kann. Sie gibt ihm und sich den Gnadenstoß, indem sie sich ein Messer fantasiert und ihn damit ermordet. Die 12 Monate sind um – das neue Jahr kann beginnen.

Termine
PREMIERE: 5. März 2014 (20:00 Uhr)
Weitere Vorstellungen (Mi–Sa, 20.00 Uhr):
6., 7., 8., 12., 13., 14., 15., 19., 20., 21. & 22. März 2014

KosmosTheater
1070 Wien, Siebensterngasse 42
Tel. 01/523 12 26, www.kosmostheater.at, karten@kosmostheater.at

Karten: € 18 | erm. € 15 & € 12 & € 10
KosmosEuro € 1 | Sparpaket (6-Bon-Package) € 78

Petra Paterno: Lichterloh. Das Wiener Schauspielhaus unter Hans Gratzer von 1978 bis 2001.

Das Wiener Schauspielhaus hat im Theaterleben der Stadt einmal eine wesentlich bedeutendere Rolle gespielt, als es das derzeit tut. Es ist immer nur von ganz wenigen Personen abhängig, wohin ein Theater steuert. Im Extremfall von einer einzigen, wie im Fall des Theatermachers Hans Gratzer, der 1978 das Schauspielhaus gründete und ab da Theater- und Musicalgeschichte schrieb. Pam Gems’ »Piaf« mit Maria Bill (DE 1982), die »Rocky Horror Picture Show« (sic! ÖE 1983) mit Erich Schleyer und Alexander Goebel wurden Kassenschlager, begründeten Karrieren. Über Bills »Piaf« schrieb der »Kurier«: »Wir werden diese Nacht nicht vergessen […] Wenn uns in fernen Zeiten die Enkel fragen Opa, hast du noch die Piaf gekannt?, werden wir antworten: Ja und nein, mein Kind […] Die Piaf habe ich nicht gekannt, aber ich hab’ die Bill als Piaf gesehen.«
1986 gab Gratzer das Schauspielhaus ab, er wollte das Ronacher übernehmen, und es waren nur wenige Menschen, die diese Weichenstellung verhinderten. Seit 1976 stand das Ronacher leer, ein Kulturkampf war ausgebrochen. 1979 kaufte Gratzer den zerschlissenen Vorhang des Theaters aus dem Fundus für sein Schauspielhaus. 1984 präsentierte er ein Bespielungskonzept. Ohne Subventionen wollte er das Ronacher führen, mit einer Mischung von Eigenproduktionen und Gastspielen. Zur Eröffnung plante er ein neues Musical von Richard O’Brien. 1986 betrat mit dem Unternehmer Alexander Maculan ein Geldgeber die Szene. Am 27. Februar 1986 kündigte Bürgermeister Zilk die Rettung und Wiedereröffnung des Ronacher an. Maculan sollte das Theater kaufen und um 5,4 Millionen Euro renovieren. Nach der Wiedereröffnung würde die Gemeinde Wien mittels 25-jähriger Kaufmiete das Theater erwerben. Mit der Operette »Cagliostro« ging Gratzer im Ronacher an den Start. Die Premiere am 22. Mai 1986 wurde zum Desaster. – Am 13. Mai 1986, eine Woche zuvor, ist er zu Gast in der ORF-Diskussionssendung »Cafà© Central«. Unter den Studiogästen: Helmut Zilk, Peter Weck, Ursula Pasterk und Luc Bondy. Thema: die bevorstehenden Festwochen. Im Laufe der Sendung wird klar: Das Ronacher geht an Weck – an die VBW. Gratzer sitzt mit steinerner Miene da, kommentiert die Situation mit keiner Silbe. Die fast einhelligen Verrisse für »Cagliostro« waren seiner Meinung nach »gesteuert«, um ihn auch in der öffentlichen Wahrnehmung als Intendant zu diskreditieren.
2014 ist die Zukunft des Ronacher wieder einmal ein heißes Thema. Der Generaldirektor der VBW, Thomas Drozda, überlegte im Dezember 2013 in einem Interview mit »News«: »Eine der beiden Bühnen [Ronacher oder Raimund Theater] könnte in einer Kombination aus Vermietung und Eigenproduktion« betrieben werden. Im »Standard« vom 7. Januar 2014 konterten Ernst Woller (SPÖ-Kultursprecher) und Klaus Werner-Lobo (Grüne-Kultursprecher): »Es gebe in Wien genügend kreatives Potenzial, um das Etablissement in einer völlig anderen Form, in einer neuen Form des Musiktheaters, zu bespielen. Für Woller und Werner-Lobo ist es nicht vorstellbar, dass Drozda das Ronacher untervermietet; sie schlagen vor, das Haus auszugliedern und die Intendanz auszuschreiben. Was aber, wenn Drozda das Ronacher nicht aufgeben will? Die Eigentümerin der Immobilie ist die Stadt. Sie hat einen Auftrag zu formulieren – und Drozda hat sich an diesen zu halten.«
Zurück zu Hans Gratzer. Er kehrte Wien 1986 den Rücken, ging nach New York, um 1990 wieder ans Schauspielhaus zurückzukehren und erneut Theatergeschichte zu schreiben, etwa mit einer eigenwilligen Version von »The Sound of Music« (ÖE 1993), Tony Kushners Drama »Angels in America« (ÖE 1994/1995) und Eve Enslers »Vagina Monologen« (DE 2000). »Die Wiener Theater waren fad, fad, fad«, erzählte Toni Wiesinger (Betriebsleiter/Kostümbildner am Schauspielhaus) der Autorin des Buches, über die 1970er Jahre. »Die Stadt war öd und grau, mit dem Schauspielhaus haben wir eine Insel geschaffen.« Michael Schottenberg, derzeitiger Direktor des Wiener Volkstheaters: »Jung und dynamisch war er […] Ein Magier, der alle, Schauspieler wie Publikum, in seinen Bann zog, der ein neues Gefühl in die Stadt brachte, eine neue Lebendigkeit.« Musical konnte damals Teil dieses neuen Gefühls sein, Musical, das relevant war, auf der Höhe der Zeit, nicht was etwa die Knalligkeit von Projektionen betrifft, sondern das Handwerk, die Umsetzung, die Qualität der Darsteller, der Regie, der Visionen – und was den Mut betrifft. Erich Schleyer über die »Rocky Horror Picture Show«: »Ich habe zuvor weder Rock ’n’ Roll gesungen, noch konnte ich, wegen meiner Herkunft aus der DDR, Englisch. […] Eine Stunde vor Vorstellungsbeginn war ich in der Garderobe, habe mich selbst geschminkt und ganz allein für mich eine Flasche Sekt getrunken, das war meine Art der Vorbereitung auf die Aufführung. Während dieser Zeit habe ich viele andere Rollenangebote erhalten, aber alles abgeschlagen, was karrieretechnisch nicht unbedingt klug war, aber ich konnte nicht anders […] Das war die Rolle meines Lebens – und ich habe sie wirklich gelebt. Ich war zu 100 Prozent Frank N. Furter.« Die wahre Bedeutung dieser Produktion schildet Toni Wiesinger: »Die ganze Stadt war damals homophob – ist sie im Grunde heute noch. Aber am Anfang, in den 70er-Jahren, war es ganz offensichtlich. Unsere Schaufenster sind morgens regelmäßig angespuckt gewesen. Die armen Putzfrauen, die das wegwischen mussten. Der neunte Bezirk war damals kein Ausgehviertel wie heute, es war ein durch und durch bürgerlicher Wohnbezirk. Man mochte uns dort anfangs nicht besonders. Das hat sich erst verändert, als wir mit der Rocky Horror Picture Show diesen Riesenerfolg hatten. Da haben die Anrainer gesehen, dass die Leute bis auf die Straße hinaus um Karten angestanden sind, daraufhin wurden sie neugierig.« In Wien bracht der »Hedonismus aus. Drogen, Sex, Alkohol, Kreativität. Wir haben zehn Jahre eine Orgie in der Stadt gefeiert«. (Karl Welunschek, Regisseur)
Petra Paterno, Redakteurin der Wiener Zeitung für den Bereich Theater, ist mit ihrem Buch »Lichterloh« ein spannendes, blendend recherchiertes und komponiertes Buch zu einem wichtigen Stück Wiener Theatergeschichte geglückt. Pointierte Zitate aus Kritiken, Aufführungsanalysen aus den Privatarchiven von Dramaturgin Ingrid Rencher und Interviews mit den Protagonisten aus der Zeit Gratzers wie Michael Schottenberg, Erich Schleyer, Justus Neumann oder Beatrice Frey machen das Werk zu einer lesenswerten Hommage an Hans Gratzer.

Petra Paterno: Lichterloh – Das Wiener Schauspielhaus unter Hans Gratzer von 1978 bis 2001. edition atelier. Wien 2013. 288 S.; (Broschur) ISBN 978-3-902498-69-4. 19,95 Euro. [www.editionatelier.at]

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