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Archiv - März, 2007

West End: Castingshows und ihre Konsequenzen - das Problem mit Maria

Lange hat es nicht gedauert. Connie Fisher (23), die 2006 die Rolle der “Maria” in der aktuellen West-End-Produktion von “The Sound Of Music” im Rahmen einer TV-Castingshow “gewonnen” hat, war nach 98 Vorstellungen k. o.
Acht Vorstellungen die Woche, Autogrammstunden bei jedem Wetter, das hält ein Castingstar eben nicht durch.
Andrew Lloyd Webber, ganz aufgehend in seinem Bestreben, das TV-Format zu retten, nimmt alle Schuld auf sich:

“Connie did an injury to her throat muscle because she got a cold and she tried to sing through a cold. She did 98 performances and was determined to do eight performances a week and should have done the six performances we originally announced. And she was signing autographs for 400 people in the cold. You have to protect them. The public think they own her now. Connie feels a responsibility to be the people’s Maria.”

Nach zwei Wochen Erholungspause ist Fisher nun wieder auf der Bühne, ihre Auftritte hat sie auf sechs pro Woche reduziert. Mittlerweile sucht Sir Andrew fleißig weiter: Es gilt, ein paar neue Josephs zu finden. [Story]

“Ein Käfig voller Narren”: Karlheinz Hackl ab 14. April wieder als Zaza auf der Bühne

Karlheinz Hackl; Copyright: Dimo Dimov/Volksoper Wien

Am 7. Januar 1991 feierte das Musical “Ein Käfig voller Narren” (”La Cage Aux Folles”) in der Wiener Volksoper Premiere. Am 14. April 2007 startet die Volksoper mit der insgesamt 175. Vorstellung in eine neue Aufführungsserie dieses Hits. Als Albin/Zaza auf der Bühne: Karlheinz Hackl. Er wird in dieser 175. Vorstellung zum 170. Mal die Hauptrolle verkörpern.
Wer Musicals auch nur im weitesten Sinne mag und die Volksopernproduktion mit Hackl noch nicht gesehen hat: Nichts wie hin. Erfahrungsgemäß sind Musicals an der Volksoper schneller ausverkauft als die warmen Semmeln beim Bäcker.
Folgende Termine stehen zur Auswahl: 21., 23., 28., 29. April; 4., 12., 17. (18 h), 22., 23. Mai 2007 * mit Karlheinz Hackl als Albin/Zaza 27., 28., 30., 31. Mai; 10. Juni (16.30 h) 2007 * mit Erwin Windegger.

Kreativteam:
Musikalische Leitung: Michael Tomaschek
Inszenierung: Heinz Ehrenfreud, Dennis Callahan, David Scala

Cast:
Karlheinz Hackl / Erwin Windegger (Albin/Zaza)
Kurt Schreibmayer (Georges)
Guggi Löwinger (Jacqueline)
Sascha Oskar Weis (Jean Michel)
Johanna Arrouas (Anne)
Sigrid Martikke (Marie Dindon)
Klaus Ofczarek (Edouard Dindon)

Handlung:
Schon seit Jahrzehnten betreibt Georges den Club “La Cage aux Folles” in St. Tropez. Gefeierter Star der glitzernden Travestie-Show ist Albin alias Zaza, die “Frau” an Georges Seite. Eines Tages kündigt sich Besuch an: Jean-Michel, Georges Sohn aus seinem früheren Leben. Er hat das Mädchen seiner Träume gefunden. Die Sache hat nur einen Haken: Der Vater der Verlobten ist als Politiker ein erzkonservativer Sittenwächter und möchte die Familie des zukünftigen Schwiegersohnes kennen lernen. Wo soll George nur so schnell eine Mutter für den Sohn hernehmen? Albin/Zaza bietet hilfreich seine Dienste an …

Karten:
Preis: € 22,* bis € 66,*; 75% Ermäßigung für Kinder
Kartenbestellung: +43/1/513 1 513, Information: +43/1/514 44-3670 www.volksoper.at , tickets@volksoper.at

“Die goldenen Schuhe”: Marjan Shaki liest Vicki Baum

Marjan ShakiIm April 2007 bringt Random House ein 4-CD-Hörbuch von Vicki Baums Roman “Die goldenen Schuhe”, gelesen von Marjan Shaki, auf den Markt.
Das CD-Set erscheint in der Serie “WOMAN Voices Edition”, die bereits einige der bekanntesten Schauspielerinnen der Gegenwart wie etwa Senta Berger, Christiane Hörbiger, Erika Pluhar oder Andrea Eckert als Vorleserinnen zu bieten hat.
Die österreichische Autorin Vicki Baum (1888-1960) schrieb neben ihrem mehrfach verfilmten Welterfolg “Menschen im Hotel” 30 weitere Bestseller, die in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurden. Sie war die erfolgreichste deutschsprachige Autorin des 20. Jahrhunderts.
“Die goldenen Schuhe”, erschienen 1959 bei Kiepenheuer & Witsch in Köln, handelt von der Tänzerin Katja Milenkaja, die mit 45 auf dem Gipfel ihrer Karriere als Primaballerina steht und es recht schwer hat, Beruf und Ehe unter einen Hut zu bringen.
[ISBN: 978-3-86604-518-7; € 9,95 [D] / SFr 19,10]

Pia Douwes singt Maury Yeston: CD & Konzerte geplant

Wie Wolfgang Adenberg auf seiner Homepage schreibt, wird Maury Yestons Liederzyklus “December Songs”, der auf Schuberts Winterreise basiert, in deutscher Sprache auf CD erscheinen. Adenberg hat die Songs ins Deutsche übertragen und konnte Pia Douwes als Interpretin gewinnen. Produziert wurde die CD in Zusammenarbeit mit dem Saarländischen Rundfunk.
Am Mittwoch, dem 18. 4. 2007 um 20:00 Uhr werden Pia Douwes und Marina Komissartchik (Klavier) die CD im großen Sendesaal des Saarländischen Rundfunks in Saarbrücken vorstellen und die Dezemberlieder live vortragen. Ab da wird auch die CD erhältlich sein.
Karten können ab sofort telefonisch gebucht werden unter 0681/93 69 90 oder im Internet auf www.proticket.de [Story]

Stadttheater Baden 2007: “Les Misérables”

Foto: Martin Bruny

Alain Boublils und Claude-Michel Schönbergs “Les Misérables” hat sich in den letzten Jahren zu einem Musical entwickelt, das auf praktisch jeder Bühne gespielt wird. 2007 gibt es eine wahre Unzahl an Produktionen im deutschsprachigen Raum. Wenn dieser Trend anhält, wird bald jede mittlere Bühne “Les Mis” im Repertoire haben. Am 17. Februar 2007 war Baden dran: Das Stadttheater brachte seine Premiere von “Les Misérables” an den Start.

Die Bühne des Stadttheaters ist eigentlich zu klein für “Les Mis”, es ist praktisch unmöglich, alle Darsteller von der Bühne aus agieren zu lassen, also hat man den “Chor” kurzerhand in die linke und rechte Balkonloge gepackt. Das ist eine Lösung, mit der man das Platzproblem in den Griff bekommt, die aber aus dem “Chor” tatsächlich so etwas wie einen (statischen) Chor macht, und das wiederum ist für den Flow der Inszenierung (Robert Herzl) nicht gerade förderlich. Eine weitere Lösung ist, das Prinzip der Guckkastenbühne aufzuknacken. Und so durchbrechen Darsteller alle paar Minuten die imaginäre vierte Wand, um durch den Zuschauerraum auf- und abzutreten, mal von links, mal nach rechts, mal von der Mitte. Eine Art Catwalk um den Orchestergraben sorgt zusätzlich für eine recht intime Nähe von Zuschauern und Darstellern. Nicht, dass das keine interessante Lösung wäre, aber durch die grelle Beleuchtung dieses Catwalks ist in den ersten Reihen dann doch recht viel an Ablenkung im Raum.

Bühnenerweiternde Elemente also sind es, die massiv eingesetzt werden und das Platzproblem lösen, aber selbst wieder eigene Probleme schaffen. Die intime Nähe führt ab und zu zu lustigen Beobachtungen. So hat sich eine Besucherin in der ersten Reihe während einer dieser Catwalk-Szenen mit ihrem Programmheft davor geschützt, mit eventuellen Flüssigkeiten des einen oder anderen Darstellers in Berührung zu kommen. Auf sowas muss man mal kommen.

Eines der Hauptprobleme jeder Aufführung in Baden ist das Nebeneinander von Profis und Laien. Nichts gegen Statisten auf der Bühne, aber auch dafür bedarf es einer gewissen Begabung. Eine brauchbare Stimme zu haben, aber sonst absolut nicht im Sinne eines Bühnenstücks agieren zu können, ist zu wenig. Man stelle einen unbegabten Statisten neben einen Profi, und die Szene verkommt zum Laienschauspiel, egal wie gut der Profi ist. Und genau das ist das Problem von “Les Mis” in Baden. Ja, es sind viele Rollen zu besetzen, und ja, mag sein, dass man da auf Statisten zurückgreifen muss, aber JA, sie müssen auch schauspielerisch etwas draufhaben, gerade bei “Les Mis”. Und das ist leider bei einem Großteil des Chors des Stadtheaters Baden nicht der Fall. So werden Szenen manchmal zur Lachnummer, so gehen emotionale Momente völlig unter und man wundert sich nur die ganze Zeit, wieso so viele Leute mit so ausdrucksfreier Mimik und Gestik auf der Bühne herumtrotten.

Lustig geht es im Orchestergraben zu, wenn man vom Schlagwerker und dem Mann am Xylophon auf den Rest schließen darf. Der Mann am Schlagzeug ist eine wahre Entertainmentmaschine. Keinen Moment scheint er auf sein Spiel fokussiert, ständig ist er damit beschäftigt, die Arbeit seiner Kollegen mit missbilligenden oder ermunternden Kopf-, Gesichtsmuskel- und sonstigen Bewegungen zu kommentieren. Dann
wieder lobt er den jungen Mann am Xylophon, scherzt mit ihm, lacht pausenlos, zuckt vor sich hin, kurz und gut: So kann man eigentlich kein perfekt musizierendes Orchester erwarten, wenn Leute dermaßen dauerabgelenkt agieren. Dementsprechend ist das auch so eine Sache, das mit den Noten und dem Orchester, ein klein wenig wie Hase und Igel. Man bemüht sich, zwar, alle Noten einzufangen, aber, naja, Schwamm drüber. Weit ärger ist das, sagen wir eigenwillige, Tempo, das von der Musikmaschinerie vorgelegt wird und die gesamte Aufführung in fast zeitrafferartige Momente zwingt.

Foto: Martin Bruny

Eine der größten Schwächen dieser Produktion ist die Rollengestaltung und -umdeutung des “Marius”. Mit Zoltán Tombor hat man an sich leider einen etwas blass agierenden Darsteller engagiert, der in keinem Moment vermittelt, dass seine Rolle nicht gerade die unbedeutendste in diesem Musical ist. Das wahre Problem ist jedoch die Art und Weise, wie die Szene von Marius und Eponine auf der Barrikade umgedeutet wird. Als Eponine schwer verletzt zu Marius kommt, verzieht er angeekelt sein Gesicht und zuckt zurück, um nur ja kein Blut abzubekommen. Eponine stürzt zu Boden und stirbt, ohne dass Marius ihr zu Hilfe kommt. Das ist doch eine massive Rollenumdeutung, die man sich hätte sparen können. Sparen hätte man sich auch die diversen Änderungen und Streichungen können. Gestrichen unter anderem die komplette Hochzeitsszene, die Reprise von “Trink mit mir”, gestrichen weiters einzelne Zeilen … alle Textänderungen aufzuzählen würde keinen Sinn machen, genausowenig wie die Textänderungen selbst.

Foto: Martin Bruny

Mit Katrin Fuchs als Cosette verhält es sich so wie zwischen den Laien und den Profis auf der Bühne: die Homogenität fehlt. Katrin Fuchs hat so etwas von keiner Musicalstimme, dass man sich fragt, wie man auch nur auf die Idee kommen kann, sie für die Rolle der Cosette zu casten. Fuchs singt normalerweise Opern- und Operettenpartien, eine Fehlbesetzung, nicht mehr, nicht weniger.

Claudia Rohnefeld ist eine wunderbare Schauspielerin und Musicaldarstellerin, allein, sie ist kein kleiner Bub, die Rolle des Gavroche läuft also ebenso unter dem Titel Fehlbesetzung. Es gibt keine akzeptable Begründung dafür, Gavroche mit einer Frau zu besetzen.

Foto: Martin Bruny

Darius Merstein-MacLeod ist ein Valjean, der einen glaubwürdigen Alterungsprozess zu gestalten weiß. Das ist schon mal viel wert. Ich persönlich habe mit Merstein das Problem, dass bei Liedern mit vielen “L” seine Interpretationen für mich in den Schlagerbereich zu driften drohen, aber vielleicht hab ich ein latentes Karel-Gott-Syndrom, das bekanntlich als unheilbar einzustufen ist. Merstein ist jedoch zweifellos ein guter Valjean, auch wenn es ihm nur selten gelingt, zu berühren.

Chris Murrays Performance ist ganz und gar von Overacting geprägt. Wenn man von der Bühne weiter entfernt sitzt, mag das nicht sonderlich stören, sitzt man näher am Geschehen, ist die Mimik Murrays nicht weit von der Groteske entfernt. Stimmlich überzeugt er.

Wunderbar Patricia Nessy als Fantine, Johanna Arrouas als Eponine und Aris Sas als Enjolras. Vor allem Sas beweist, wie man mit Bühnenausstrahlung, glänzender Stimmtechnik und Schauspielkunst aus einer Rolle das Maximum herausholen kann.

Die Thénardiers (Franziska Stanner und Helmut Wallner) bleiben leider unterdurchschittlich. Sie schaffen es nicht, die volle Bandbreite an Ausgelassenheit, Frechheit, Vulgarität, Bosheit und was noch alles in diesen Glanzrollen steckt, auszuspielen. Schade drum.

Das Bühnenbild (Manfred Waba) ist eine Art Labyrinth aus Stiegen, kastenartigen Räumen, alles recht eng verschachtelt, aber mit ein wenig Phantasie dann doch als zweckmäßige Kulisse wahrnehmbar, die durch Projektionen recht interessant an die jeweiligen Szenen angepasst wird. Der Einsatz von Leinwänden, die ebenfalls mit Projektionen zu Kulissen werden, macht dieses Element zu einem bühnentauglichen Konstrukt. Bühnenumbauten gibt es keine. Das “Konstrukt” wird durch Projektionen, Leinwände etc. jeweils angepasst.

Passabel der Sound, auch wenn im hinteren Bereich des Theaters der Sound den Ticketpreisen maßgeschneidert angepasst erscheint.

Fazit: Musical in Baden ist ein Erlebnis, das man in den ersten Reihen des Theaters mit allen Sinnen genießen kann. Die Begeisterungsfähigkeit aller Mitwirkenden darf nicht unterschätzt werden, auch wenn man manchmal auf und unter der Bühne nichts davon mitbekommt. “Les Mis” auf die Bühne zu bekommen und die gesamte Laufzeit Wochen im Voraus auszuverkaufen, das ist eine Leistung, zu der man dem Team in Baden nur gratulieren kann.

Les Misérables - Ein Musical von Alain Boublil und Claude Michel Schönberg. Nach einem Roman von Victor Hugo.

Kreativteam:
Musik: Claude-Michel Schönberg / Buch: Alain Boublil, Jean-Marc Natel / Gesangstexte: Herbert Kretzmer / Deutsche Übersetzung: Heinz-Rudolf Kunze / Zusätzliches Material: James Fenton / Orchestrierungen: John Cameron
Musikalische Leitung: Franz Josef Breznik / Inszenierung: Robert Herzl / Ausstattung: Manfred Waba / Choreographie: Rosita Steinhauser / Choreinstudierung: Oliver Ostermann / Regieassistenz: Christa Ertl / Inspizienz: Denise Kaller / Technische Leitung: Ewald Baliko / Bühnenmeister: Franz Habres / Beleuchtung: Johann Quarda, Florian Neuber / Ton: Christoph Streicher / Sounddesign: Martin Mayer / Tonassistenz: Cornelia Ertl

Cast:
Johanna Arrouas (Eponine) / Katrin Fuchs (Cosette) / Darius Merstein-MacLeod (Valjean) / Chris Murray (Javert) / Patricia Nessy (Fantine) / Claudia Rohnefeld (Gavroche) / Aris Sas (Enjolras) / Zoltán Tombor (Marius)
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Margarete Aron (Frau) / Beppo Binder (Bamatabois, Lesgles) / Elisabeth Drach (Kleine Cosette) / Mario Fancovic (Claquesous) / Franz Födinger (Seemann, Babet, Major Domus) / Zuzana Gyürky (Junge Hure) / Robert Herzl (Bauer, Joly) / Josef Kirschner (Wirt) / Galina Klingenberger (Wirtin) / Christina Köppl (Junge Hure) / Gabriele Marett (Frau) / Thomas Nestler (Brujon) / Artur Ortens (Vorarbeiter, Zuhälter, Combeferre) / Anna-Sophie Prosquill (Kleine Eponine) / Bettina Reifschneider (Alte Frau, Alte Bettlerin) / Walter Schwab (Polizist, Arbeiter, Seemann, Montparnasse) / Dietmar Seidner (Zuhälter, Courfeyrac) / Therese Spiegel (Kleine Eponine) / Franziska Stanner (Madame Thénardier) / Anghelusa Stoica (Hure) / Max Volt (Bischof, Jean Prouvaire) / Dessislava Valeva-Philipova (Fabrikmädchen, Hure, Madeleine) / Helmut Wallner (Monsieur Thénardier) / Stephan Wapenhans (Knecht, Arbeiter, Seemann, Grantaire) / Elisabeth Zeiler (Kleine Cosette) / Monika Zirngast (Hure) / Christian Zmek (Fauchelevant, Polizist, Feuilly)
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Sträflingskolonne, die Armen, Farbrikarbeiterinnen, Polizisten, Schaulustige, Huren und Hochzeitsgäste: Chor und Ballett des Stadttheaters
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Es spielt das Badener Städtische Orchester

Weitere Fotos bei Flickr

MusicalTV auf youmee.tv

MusicalRadio war gestern, MusicalTV ist heute, könnte man meinen. In Zeiten von YouTube prinzipiell sowieso kein Problem. Zeitlich umfangreichere Formate in besserer technischer Qualität brauchen ein etwas anderes Umfeld. Beispielsweise youmee.tv. Dieser Online-Sender bietet derzeit die erste Internet-TV-Musicalsendung des Magazins “Blickpunkt Musical” an.
Dennis Durant führt durchs rund dreißigminütige Programm, das aus drei Modulen besteht: ein Interview mit Thomas Borchert, Werbeclips für “Best of Musical” und ein News-Teil.
Borchert outet sich als Hamburger, der zwar ganz gern mal in Wien gelebt hat, aber eigentlich Wien als “keine Stadt zum Leben” definiert. Auch Berlin hat da keine Chancen, denn “entweder ist man Berliner oder Hamburger”, und Borchert ist nun mal eben Hamburger. Neuigkeiten hat Borchert ab 17. August showmäßig auf Lager, da startet er in Graz sein neues Soloprogramm “Musical swings”, in dem er bekannten Musicalsongs ein Big-Band-Swing-Mäntelchen überziehen will. Auch das “Phantom der Oper” swingt, so Borchert. Mit “Musical swings” will der Sänger dann auch ab Herbst auf Tour gehen.

Lloyd Webber bestätigt Phantom-Sequel

Auf ihrem Totenbett übergibt die alte Kammerzofe Christines einem Notar einen verschlossenen Brief. Er soll ihn in New York Erik Muhlheim persönlich übergeben. Erik lebt zurückgezogen als schwerreicher Mann in Manhattan. Kaum jemand hat ihn je gesehen, denn sein Gesicht ist entstellt. Sein Vermögen hat er in den Neubau eines pompösen Opernhauses gesteckt und wen wundert, dass er alles daran setzt, dass die berühmte Sopranistin Christine die Hauptrolle bei der Einweihung singt. Sobald sie mit ihrem Sohn in New York ankommt, nimmt das Verhängnis seinen Lauf. [Quelle]

So oder so ähnlich könnte die Story kurzgefasst lauten - die Story der Fortsetzung von Andrew Lloyd Webbers Musical “The Phantom of the Opera”. Nicht, dass das an sich etwas Neues wäre, die tatsächliche Neuigkeit ist, dass man es von Sir Andrew in seinem Video Blog erstmals sozusagen ganz persönlich erfährt:

“I am 60 floors up in my apartment in New York, having made a decision today that I will do the Phantom of the Opera sequel. I have met with a couple of people today that persuaded me to do it, who I will not reveal … (it’s a) very exciting day for me. I’m going to Los Angeles tonight and then I’m back for my son’s wedding on Saturday, but more of the Phantom sequel anon … it’s going to be very exciting, and I can reveal it will be set in New York.” [Story]

Holenders Geistesblitz

Der 10. März 2007 wird wohl als jener Tag in die Geschichte eingehen, an dem der Wiener Staatsoperndirektor Ioan Holender den wahren Grund für die Theatermisere unseres Landes via “Österreich” aufgedeckt hat. Des Rätsels Lösung lautet:

“Politiker, Journalisten oder vermeintliche Promis pilgern zu Premieren und beanspruchen Freikarten. Die Folge: Gut besuchte Theater gehen bankrott. Karteneinnahmen sind aber wichtig für den Erhalt.”

Nein, nein, diese Sätze, die eigentlich so sinnvoll sind wie: “Morgen ist Sonntag, übermorgen ist Montag, es ist aber wichtig, dass jeden Tag die Sonne aufgeht”, diese Sätze also sind nicht aus irgendeinem Zusammenhang gerissen. Sie stehen genau so in der wunderbaren Tageszeitung “Österreich” vom 10. März 2007 auf Seite 21. Holender darf da täglich über Gott und die Welt plaudern und hat wohl keinen Endredakteur exklusiv zur Verfügung gestellt bekommen, der auch etwas Zusammenhang aus dem Zeichenkonvolut zu kitzeln imstande ist.

Was also wäre die Lösung? Premieren gehen ohne Journalisten, Politiker und “vermeintliche Promis” über die Bühne. Na, das passiert ohnedies recht oft. Allzu viele Politiker verirren sich nicht wirklich oft ins Theater. Journalisten würden sicher auch Events finden, die eine gewisse Berichterstattung zu schätzen wissen und die “vermeintlichen Promis”, die haben auch so genug Partys mit Gratisbuffet. Wenn DANN “gut besuchte Theater” nicht bankrott gehen, na das wär es doch wert.
Nur, wieso gehen eigentlich gut besuchte Theater bankrott? Ein einziger Premierenabend reicht dafür schon? Okay, wenn wir vom Theater an der Wien sprechen, dann vielleicht, denn da geht der Vorhang nur ein paar Mal pro Jahr auf, aber sonst?

Aber es ist ein so schönes Zitat, das muss man gleich noch einmal bringen:

“Politiker, Journalisten oder vermeintliche Promis pilgern zu Premieren und beanspruchen Freikarten. Die Folge: Gut besuchte Theater gehen bankrott. Karteneinnahmen sind aber wichtig für den Erhalt.”

Ja, die Theater haben es nicht leicht, immer diese Schmarotzer.

Robert Viagas: The Playbill Broadway Yearbook – June 2006–May 2007

Es ist das klassische Geschenkbuch für jeden Broadway-Fan. Auf 516 Seiten bietet das „Playbill Broadway Yearbook“ zu allen 67 Produktionen, die in der Saison 2006/2007, also von Juni 2006 bis Mai 2007, am Great White Way zu sehen waren, ausführlichste Bild- und Textinformationen – zu neuen Musicals wie „Spring Awakening“ oder „Curtains“ genauso wie zu Dauerbrennern wie „Wicked“ oder „Chicago“, Sprechstücken wie „The History Boys” oder „The Lieutenant of Inishmore“. Das Buch ist reich bebildert, und das ist noch untertrieben. Man muss es selbst gesehen haben. Robert Viagas hat buchstäblich tausende Fotos zusammengetragen, auf manchen Seiten bis zu 35. Abgebildet sind, zumindest mit Porträtfotos, alle Darsteller, Produzenten, Designer, Musiker, Maskenbildner, ja auch die Bühnenarbeiter und Billeteure der 67 Broadway-Shows. Alle bei Broadway-Produktionen Beschäftigte sind eingeladen, bei dieser Publikationsserie mitzumachen, und die Akzeptanz ist schon jetzt sehr groß. Die vorliegende dritte Ausgabe enthält, rein zahlenmäßig betrachtet, Informationen zu insgesamt 10.000 Menschen, die an den Broadway-Shows der Saison beteiligt waren – entsprechend umfangreich ist das Register ausgefallen. Sogenannte Korrespondenten liefern witzige Facts und Backstageberichte. Das können dann auch durchaus mal Musicalstars selbst sein, wie Victoria Clark, Darstellerin der Margaret Johnson in „The Light in the Piazza“, die von der emotionsgeladenen Derniere der Show erzählt und auch den Abdruck ihrer Rede anlässlich der letzten Vorstellung freigegeben hat. Andere Korrespondenten tragen lustige Facts zusammen wie Erzählungen über Backstagerituale, eine Auflistung der schnellsten Kostümwechsel oder Angaben zu den Spitznamen der Darsteller. Kris Koop Oulette, Mitglied des Ensembles von „The Phantom of the Opera“, erzählt von jenen Plätzen im Theater, an denen sich die Beschäftigten am liebsten treffen oder auch über den schönsten Moment in der Show. Im Anhang werden ausführlich Special Events wie „Broadway Bares“, „Broadway Under the Stars“ und Preisverleihungen wie die Outer Critics Circle Awards“ oder die „Tony Awards“ dokumentiert.
Kurz zusammengefasst ist „The Playbill Broadway Yearbook“ auf der einen Seite eine wertvolle Informationsquelle sowie Offline-Bilddatenbank und auf der anderen Seite eine amüsante Lektüre und ein Blick hinter die Kulissen. Das Ganze in Topqualität produziert und gebunden – und, was bei dieser Publikation vor allem auffällt – mit sichtlicher Begeisterung für das Theater zusammengestellt. Ein Buch, das man auch gerne immer wieder mal wie ein Erinnerungsalbum durchblättert. Playbill ist damit ein großer Wurf gelungen. Hat man einmal einen Band gekauft, ist man mit Sicherheit versucht, keinen mehr zu versäumen.

Robert Viagas (Herausgeber): The Playbill Broadway Yearbook – June 2006–May 2007. Third Annual Edition. Playbill Books, New York 2007, 516 S.; ISBN 978-1-55783-732-5. $ 35. www.playbill.com

Christoph Wagner-Trenkwitz: „Es grünt so grün …“ Musical an der Wiener Volksoper

Der neue Direktor der Wiener Volksoper
Einen Relaunch in Pomp und Gloria erlebte die Wiener Volksoper am 1. September 2007. Es war der Tag der Inauguration von Robert Meyer als neuer Volksoperndirektor. Zum Start seiner ersten Saison lud der Herr Direktor zu einem Tag der offenen Tür und plante dessen Ablauf akribisch: „Kurz vor zehn Uhr werde ich, begleitet von einem Hornquartett und bei hoffentlich schönem Wetter, mit einer alten Straßenbahngarnitur vom Schottentor die Währinger Straße zur Volksoper herauffahren. Dann ertönt vom Balkon eine Fanfare.“
Die Wachablöse auf Direktionsebene (seit 1996 hat kein Volksoperndirektor die volle Amtszeit abgedient) wurde von kleineren Neuerungen an Nebenfronten flankiert: Die Website der Volksoper (www.volksoper.at) ist jetzt auch optisch für jedermann klar erkenntlich in die vier Säulen Operette, Oper, Musical und Ballett getrennt, auch bei der neuen Außenbeleuchtung der Wiener Volksoper spielen die vier Farben nun eine maßgebliche Rolle. Die bedeutendste Neuerung ist jedoch der Aspekt der Kundenverbindlichkeit, verkörpert durch Robert Meyer. Der Direktor des Hauses hat sich in den ersten Wochen seiner, man möchte fast sagen (wir sind ja in Wien) Regentschaft, zu einem volksnahen Kaiser der Volksoper stilisiert, da ist Mörbisch mit Herrn Serafin nur ein Sommerlüfterl dagegen. Meyer war im Vorfeld der Eröffnung in allen Medien präsent und beim Tag der offenen Tür für jedermann ansprechbar – man spürt, da ist jemand, der mit Lust an der Aufgabe an die Arbeit herangeht. Am 2. September gab’s ein Eröffnungskonzert, bei dem das Publikum mittels Stimmzettel das Programm bestimmt hatte, und am 10. September schließlich kam das nächste Element im Masterplan Robert Meyers ins Spiel: In der Wiener Volksoper wurde das Buch “”Es grünt so grün …” Musical an der Wiener Volksoper” in Form einer Soirée präsentiert.

Soirée zur Buchpräsentation
Rund 100 Minuten schwelgte Moderator Christoph Wagner-Trenkwitz in Erinnerungen an die gute alte Zeit. TV-Clips und Wochenschaubeiträge wurden auf eine Leinwand projiziert, Norman Stehr versuchte sich an „I got plenty o‘ nuttin‘“ aus „Porgy and Bess“, Erwin Windegger bewies mit einem „La Cage aux Folles“-Medley, dass Karlheinz Hackl unerreichbar als Zaza ist, und Stargast Michael Heltau plauderte vor allem über all die Musicalrollen, die er nicht angenommen hat. Auf die Frage „Es heißt, Harold Prince wollte Sie für die Titelrolle im „Phantom der Oper““ erzählte Heltau: „Das stimmt. Ich unterhielt mich lange mit ihm darüber, aber er konnte mir meine Zweifel nicht nehmen. Schließlich, nach sechs Wochen des Hin und Her, sagte ich: „Hal, gib mir einen Grund, nicht viele, sondern einen, warum ich das Phantom spielen soll.“ Er antwortete: „Du bist eine Stunde vor Beginn der Show im Theater. Und wenn du aus der Maske kommst, erkennt dich keiner mehr.“ Damit war die Sache für mich erledigt. „Hal ich arbeite ein Leben daran, dass mich die Leute erkennen. Ich bin nicht der Richtige für diese Rolle.“ Da lachte er, umarmte mich und gab auf.“ Diese Anekdote ist auch im Buch „Es grünt so grün …“ abgedruckt, und es sind solche Momente, die Soiréen dieser Art auf seltsam sentimentale Weise sympathisch machen. Heltau kann noch so sehr seinen Sermon gegen all die modernen Musicals dieser Welt ablassen, die alle „zu viel Tanz und zu wenig Scherze“ haben (ein Zitat von Billy Wilder, der so den Misserfolg des Musicals „Das Appartement“, basierend auf seinem gleichnamigen Film, begründet hatte), man hört ihm dennoch gerne zu. Zum Abschluss der Soirée sangen Adrineh Simonian, Karl-Michael Ebner, Mathias Hausmann und Stefan Cerny ein jazziges „My Fair Lady“-Medley, erstklassig arrangiert von Béla Fischer.

Das Buch
50 Jahre Musical an der Volksoper, das klingt nach einer geradezu berauschenden Anzahl von Produktionen, doch man kann sie fast an zwei Händen abzählen. Es sind 14, nicht mehr und nicht weniger. Insgesamt 1461 Musicalvorstellungen gingen bis 30. Juni 2007 über die Bühne der Wiener Volksoper. Zu sehen waren: “Kiss me, Kate”, ”Wonderful Town”, “Annie, Get Your Gun”, “Porgy and Bess”, “West Side Story”, “Show Boat”, “Karussell”, “My Fair Lady”, “Hello, Dolly!”, “La Cage aux Folles”, “Der Mann von La Mancha”, “Gigi”, “Anatevka” und “The Sound of Music”. Mehr als die Hälfte dieser Produktionen kann man als erfolgreich bezeichnen, der Rest floppte und genießt dennoch Legendenstatus: „Karussell“ (1972) brachte es gerade mal auf 15 Vorstellungen, „Annie, Get Your Gun“ (1957) auf 18, „Gigi“ (1999)auf 20, „”Wonderful Town“ (1956) auf 26, „Show Boat“ (1971) auf 30, „Hello, Dolly!“ (1984) auf 45.
Der Autor des Buches „Es grünt so grün …“, Christoph Wagner-Trenkwitz, mäandriert durch die österreichischen Medien einerseits als ironischer Seitenblickegesellschafts-Berichterstatter (beispielsweise als Moderator des Wiener Opernballs), andererseits war er Pressechef der Staats- und Volksoper und Chefdramaturg der Wiener Staatsoper. Seit 2003 ist er Direktionsmitglied der Volksoper und tänzelt mit von ihm moderierten Soiréen auf den Spuren Marcel Prawys, wissend, dass die Erfolge des Großmeisters aus den 1950er und 1960er-Jahren heute schwer getoppt werden können.
„Es grünt so grün …“ kann man unter verschiedenen Gesichtspunkten „konsumieren“. Nehmen wir die 160 Fotos aus 50 Jahren Musical an der Volksoper. Hier sind es vor allem Momentaufnahmen aus den Anfängen, die am meisten Atmosphäre vermitteln. Beispielsweise jene von der Schallplattenpräsentation der „West Side Story“ mit einem enthusiasmierten Marcel Prawy im Hintergrund, stimmungsvolle Bühnenfotos von den großen Stars jener Jahre wie Brenda Lewis, Olive Moorefield, Peter Minich, Fred Liewehr, William Warfield, Julia Migenes, Adolf Dallapozza oder Dagmar Koller.
Sehr gelungen ist der Statistik-Teil des Buches. Auf 20 Seiten konzentriert bietet dieses von Felix Brachetka zusammengestellte Aufführungsverzeichnis sämtliche statistische Daten zu allen Musicalproduktionen. Hier kann man nachschlagen, wann wer welche Rolle gespielt hat, welche Rolle wann nicht (mehr) besetzt war, wer welche Aufführung dirigiert hat – ein wahrer Datenregen, sehr informativ und umfassend.
„Es grünt so grün“ ist in 14 Hauptkapitel eingeteilt. Jeder Musicalproduktion ist ein Kapitel gewidmet. Der erste Teil des Buches umfasst alle Shows, die Marcel Prawy bis zu seinem Wechsel an die Wiener Staatsoper Anfang der 1970er Jahre betreut hat. Diese ersten Kapitel sind nicht extra hervorgehoben, aber deutlich vom Rest des Buches zu trennen, vor allem, was ihren Informationsgehalt und Witz betrifft. Prawy, der Pionier des Musicals im deutschsprachigen Raum, hat ein reichhaltiges Archiv hinterlassen, in dem unter anderem auch seine Korrespondenz zu finden ist, mit deren Hilfe Wagner-Trenkwitz spannende und lustige Szenen aus dem Produktionsalltag an der Wiener Volksoper rekonstruieren konnte. Prawys Aufzeichnungen sind teilweise so unterhaltend, dass man damit mühelos einen eigenen Rezitationsabend gestalten könnte. Erinnerungen von Zeitzeugen machen diese Kapitel zusätzlich lebendig. Adolf Dallapozza, Star der „West Side Story“, über den Premierenabend des Werks von Bernstein: „Es war ein Riesenerfolg! Während des Schlussapplauses ist Prawy neben der Bühne herumgesprungen und rief immer wieder: „Wo ist der Eiserne?!“ Er wollte unbedingt melden, dass das Publikum nach Fallen des Eisernen noch weitergetobt hat. [Alan] Johnson und Prawy haben die Aufführungen weiter überwacht. Wenn etwas nicht gestimmt hat, wurde sofort eine Probe angesetzt. Prawy hat stets seine berühmten kleinen Notizen in den Garderoben hinterlassen: „Dallapozza – heute wieder sensationell! B besonders schön!“ oder: „Deine Rufe „Chino, erschieß mich!“ Unvergesslich!“
Die Prawy-Ära endete mit zwei Flops: „Show Boat“ und „Karussell“. Als der Meister Anfang der 1970er die Volksoper verließ und Karl Dönch Volksoperndirektor wurde, war es für sieben Jahre vorbei mit Musicals an der Volksoper. Mit dem Jahr 1979 – „My Fair Lady“, 362 Vorstellungen machen es zum erfolgreichsten Musical des Hauses – setzt der zweite Teil des Buches ein. Ab diesem Zeitpunkt stützt sich der Autor vor allem auf Interviews mit den Stars der Produktionen und leider allzu sehr auf Zitate aus den Kritiken der Tageszeitungen, wobei Wagner-Trenkwitz wenig Scheu kennt und von „Die Presse“ bis hin zu „Täglich Alles“ und dem „Frauenblatt“ alles zitiert, auch wenn es keinen Rang und Namen hat.
Ein wenig bedauerlich, wenn auch nachvollziehbar, ist die Tendenz des Autors, Musicalproduktionen der jüngeren Zeit in etwas verklärtem Licht zu präsentieren. So beispielsweise „The Sound of Music“, wo das Problem der stimmklangmäßig uneinheitlichen Besetzung (Popsängerin Sandra Pires versus Operetten- und Opernsänger) als gelöst verkauft wird, dank der „hervorragenden Akustik-Abteilung des Hauses“, die, so Wagner-Trenkwitz, mit Mikroports alles in den Griff bekommen habe. Wer die Show besucht hat, weiß, dass das, gelinde gesagt, eine etwas übertriebene Behauptung ist.
Wo das Buch also abdriftet von der objektiven Zusammenfassung bereits vorhandener Quellen hin zu einer Neu- und Umschreibung der Kritik, wird es inhaltlich angreifbar. So auch, was die latente Rivalität mit den Vereinigten Bühnen Wien betrifft. Wagner-Trenkwitz erklärt beispielsweise an Hand der Volksopern-Produktion „Der Mann von La Mancha“ (Premiere 1994, Wiederaufnahme 2007) sein Haus im ewig währenden Kampf gegen die VBW mit folgender Passage zum Rundensieger: „Diese Runde im Konkurrenzkampf mit den Vereinigten Bühnen entschied die Volksoper für sich. In einem „Barometer der Wiener Musicals“ verkündete „News“ im September 1994: „Die Volksoper produzierte den konkurrenzlosen Hit“, während „Elisabeth“, „das erfolgreiche Relikt aus der oft geschmähten Ära Weck“, sich nur „einigermaßen im Theater an der Wien“ behauptete und „My one and only“ im Ronacher sowie „Mama, I want to sing“ im Austria Center gar unter die „Flops“ gerechnet wurde (…)” Bei allem Verständnis für einen gewissen Level an Volksopernpatriotismus, aber eine solche Aussage, formuliert im Jahre 2007, angesichts der Erfolgsgeschichte von „Elisabeth“, verwundert. „Der Mann von La Mancha“ brachte es in der Volksoper auf bisher 70 Aufführungen, „Elisabeth“ im Theater an der Wien auf 1752.
Die Erfolgsformel der Wiener Volksoper ist gleichzeitig auch ihr größter Hemmschuh. Man sieht sich, zielgruppentechnisch, folgendermaßen: Stellen wir uns das Leben als langen ruhigen Fluss vor. Am Quell dieses Flusses steht die Geburt, an der Mündung ins Meer, der Tod. Die Volksoper fischt den Großteil der Menschen erst im letzten Drittel des Flusses ab und verlässt sich darauf, dass früher oder später einmal jeder an ihr vorbeischwimmt. Der Erfolg in manchem Bereich mag diese Strategie rechtfertigen, nur würde man sich manchmal wünschen, dass Impulse, die das Theater selbst setzt in Richtung jüngerer Zielgruppe, nicht gar so sehr ignoriert würden. So feierte am 4. März 2007 die Produktion „Tanzhommage an Queen“ Premiere, ein Ballettabend zur Musik von Queen, der durchaus moderne Musical-Elemente enthält, vielleicht sogar mehr als die musikalische Komödie „Die Weberischen“, eine Produktion der Vereinigten Bühnen Wien, die 2008 ins Volksopern-Programm aufgenommen wird. Christoph Wagner-Trenkwitz hat sich dagegen entschieden, die „Tanzhommage an Queen“ in sein Buch aufzunehmen. Das ist natürlich ganz im Sinne des klassischen Musicals, das im Haus am Gürtel regiert, andererseits eine verpasste Chance, die Erfolgsgeschichte des Musicals an der Volksoper noch ein wenig umfangreicher zu gestalten. Vermutlich „zu viel Tanz und zu wenig Scherze“.
Fazit: „„Es grünt so grün …“ Musical an der Wiener Volksoper“ schildert auf spannende und unterhaltende Weise, wie Marcel Prawy es schaffte, 1956 mit der Volksopernproduktion von „Kiss me, Kate“ das erste Musical in Kontinentaleuropa auf eine Bühne zu stellen. Von dieser europäischen Perspektive ausgehend, die das Haus für kurze Zeit kennzeichnete, dokumentiert das Buch dann 13 weitere Produktionen, deren Bedeutung zunehmend als regional und lokal einzustufen ist. Ein Buch voller Anekdoten, stimmungsvoller Momentaufnahmen, vor allem ein Ausflug in eine Vergangenheit voller Publikumslieblinge. Was wird die Zukunft bringen? Robert Meyer in seinem Vorwort: „Musiktheater im Allgemeinen und das Musical im Besonderen ist keineswegs, wie einige meinen, ein abgestorbener Ast. Im Gegenteil: „Es grünt so grün …““

Christoph Wagner-Trenkwitz (Mitarbeit: Felix Brachetka): „Es grünt so grün …“ Musical an der Wiener Volksoper. Mit einem Vorwort von Robert Meyer. Amalthea Signum Verlag, Wien 2007, 184 S.; ISBN: 978-3-85002-632-1. € 29,90 (Hardcover). www.amalthea.at

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