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Archiv - März, 2007

Thomas Siedhoff: Handbuch des Musicals – Die wichtigsten Titel von A bis Z

Ein „Handbuch des Musicals“ in deutscher Sprache, 732 Seiten stark, randvoll mit Informationen zu den “wichtigsten Titeln von A bis Z” – was kann sich ein Musicalinteressierter mehr wünschen? Dem Pressetext zum Werk ist zu entnehmen: „Das Buch ist eine Antwort auf die Frage „Was ist Musical?“ und behandelt alle Facetten des jüngsten Genres des Musiktheaters. Es beschreibt im internationalen Kontext und zum ersten Mal in diesem detaillierten Format die Entstehung, die Blüte, das enorme Geschäft, die Flops und die Chancen des Musicals.“ Wird ja immer besser, ich freue mich auf die Analyse der Werke von beispielsweise Jason Robert Brown, William Finn, Bill Russell oder gar Adam Guettel! Mitten im als „Opening“ betitelten Kapitel „Was ist Musical? Versuch einer Antwort aus deutscher Sicht“, auf Seite 22, dann folgende Passage:
„Es gibt durchaus Momente, die am eigenen Engagement für dieses Metier zweifeln lassen, wenn zu erkennen ist, dass man sich vor argen Fehlentwicklungen zu fürchten hat. Etwa vor dem Missverständnis, aus dem Leben eines Menschen, der, anders als Kaiserin Elisabeth von Österreich, nicht mit seiner Biographie, sondern durch seine Musik zu unsterblichem Ruhm gelangte, ein Musical anzubieten, dessen ohrenbetäubende, nur oberflächlich Stimmungen andeutende Musik nicht mehr als eine Beleidigung für Mozart! [sic!] ist.“
Nicht nur stilistisch ist das ein Satz, der nicht passt. Nicht nur die Schreibweise “Mozart!” ist falsch, gemeint ist ja der Komponist und nicht das Musical, auch inhaltlich ist diese Aussage nicht haltbar. Oder um es mit Oscar Hammerstein II. (oder wahlweise Jerome Kern, auch ihm wird das Zitat zugeschrieben) zu formulieren: „Ein Musical kann alles sein, was es will, es muss nur eines haben: Musik!“ Es gibt unter den kreativen Menschen dieser Welt wohl nur wenige, die sich der von Siedhoff vertretenen Ansicht anschließen würden, man dürfe zum Beispiel über einen Komponisten kein Musical schreiben. Auch das von Siedhoff gefällte Urteil über die Kompositionen Sylvester Levays kann man nur verwundert schmunzelnd zur Kenntnis nehmen. Levay steht, soviel ist sicher, auf der Abschussliste des Autors. So findet sich auf Seite 21 folgendes Zitat:
„Levay und Kunze setzten für die deutschsprachige Szene mit (…) „Elisabeth“ in der Inszenierung von Harry Kupfer ein sehr bemerkenswertes Signal, mit einem stringenten, wirkungsvollen Buch, aber mit einer Musik, die den Charakter der Konfektion kaum abstreifen kann, der ein wirklich eigenes kompositorisches Profil fehlt. Derart prominent eingeführt und damit einen Welterfolg hervorgebracht habend, folgten die nur noch routinierten Nachfolger dieses Gespanns mit MOZART! und REBECCA.”
„Elisabeth“ reiht der Autor dann doch überraschenderweise in die seiner Meinung nach rund 250 wichtigsten Musicals ein. Freilich nicht ohne, stilistisch wieder problematisch, zu vermerken: „Levay erfand für die Titelfigur ein schlichtes durchgängiges Thema, quasi als Pop-Konstante, das ihre Balladen „Ich gehör’ nur mir“ und „Ich will dir nur sagen“, aber auch Rudolfs „Wenn ich dein Spiegel wär’“ beherrscht. Luchenis aggressiv skandierende Ballade „Kitsch!“, deren Duktus mit geringerem Tonumfang in „Mein neues Sortiment“ aufgegriffen wurde, gehört ebenso zu den wenigen musikalischen Höhepunkten wie die zynischen Kommentare des Wiener Hofstaat-Ensembles „Sie passt nicht“ und dem gespenstischen Marsch der Kaffeehausbesucher in der „Fröhlichen Apokalypse“. Dramatische Steigerungen werden in der bisweilen eindimensionalen Instrumentation leider allzu häufig nur durch Lautstärke suggeriert, weniger durch wirkliche Melodieerfindungen.“
Das „Handbuch des Musicals“ ist für alle jene enttäuschend, die sich gerade in Bezug auf die jüngsten Entwicklungen dieses Genres eine tiefergehende Analyse erwartet haben. Vom Zeitraum 1998 bis 2007 haben es gerade mal zwölf Musicals in das Buch geschafft, aus den Jahren 1988 bis 1997 25. Insofern gibt es wenig neue Erkenntnisse, sind doch die Werke vor 1987 längst von diversen, auch deutschsprachigen, Werken von verschiedensten Gesichtspunkten aus durchleuchtet worden. Nicht ganz nachvollziehbar sind die Auswahlkriterien des Autors, so pickte er beispielsweise aus sämtlichen Premieren der Jahre 1988/89 die Musicals „Ragtime“, „Der Glöckner von Notre Dame“ und „Contact“ heraus, ignorierte aber „Hedwig and the Angry Inch“, „Mamma Mia!“, „Mozart!“, „Parade“ oder „Fosse“, um nur einige zu nennen. Thomas Siedhoff hat sich weiters dazu entschlossen, kein einziges Werk von William Finn („A New Brain“, „Falsetto“-Trilogie, „25th Annual Putnam County Spelling Bee“, „Elegies – A Song Cycle“) aufzunehmen, nicht einmal in eine als „Chronologie“ bezeichnete Übersicht, die neben den rund „250“ wichtigsten noch weitere wichtige Premieren auflistet. Kein Werk von Jason Robert Brown hat Eingang gefunden in dieses Buch, keines von Adam Guettel. Bill Russell („Elegies for Angels, Punks and Raging Queens“, „Side Show“) wird nicht einmal in seiner Funktion als Komponist erwähnt. Aus den Jahren 2004 bis 2007 hat Siedhoff nur ein einziges Musical aufgenommen: „Spamalot“. Nicht vertreten sind zum Beispiel „Spring Awakening“, „Grey Gardens“, „The Drowsy Chaperone“, „Jersey Boys“, „The Color Purple“, „The Boy from Oz“ oder „Taboo“. Was man stattdessen im Buch findet: Ausführungen zu „Im Weißen Rössl“, „Linie 1“, „Helden, Helden“ oder „Ludwig II. Sehnsucht nach dem Paradies“.
Zu jedem der ausgewählten Werke bietet Siedhoff Angaben zu Werktitelei (gebräuchliche Titel in der Originalsprache, alternative originalsprachliche Titel, gebräuchliche Übersetzungstitel und leider auch eigentlich völlig unnötige wörtlich übersetzte Titel), Komponist, Autor der Gesangs- bzw. Liedtexte, Autor der Dialoge und des Szenariums, Choreografie, Tryouts, Uraufführung, Verfilmungen, Musiknummern, Inhalt, Rollenbezeichnungen, Stimmfachbezeichnungen, Cast und Orchesterbesetzung, Inhaber der Rechte, Literaturangaben, Hinweise zu Notendrucken und Textbüchern und zu erschienenen Tonträgern (CDs, DVDs). Weiters einen Kommentar, der mitunter verzopft formulierte und sehr eigenwillige Wertungen der besprochenen Musicals enthält. Im Anhang findet sich ein „Verzeichnis der wichtigsten Werke der Musicalgeschichte“ und ein Nachweis der verwendeten Literatur, eine Beschreibung der wichtigsten choreografischen Erscheinungsformen des Musicals, eine Liste der „wichtigsten und zuverlässigsten Internetadressen“, wobei es ruhig ein paar mehr hätten sein dürfen. 24 Stück sind nicht ausreichend, und es ist auch nicht wirklich nachvollziehbar, warum der Link zu einer Sondheim-Site angegeben ist, aber sonst keine Hinweise auf Websites anderer Komponisten und Autoren vorhanden sind. Lückenhaft auch die Auflistung der Anschriften der „wichtigsten Rechtsinhaber“.
Im Buch sind zwei Bildteile zu je 16 Seiten vorhanden. Die Bilder sind alle in Schwarzweiß und zum Teil von entsetzlich schlechter Qualität. Die Beschriftung ist zum Teil falsch. So ist das stiefmütterlich behandelte Levay/Kunze-Musical „Elisabeth“ auch im Bildteil Opfer einer gewissen Lieblosigkeit geworden: Abbildung 14 zeigt laut Bildlegende „Pia Douwes als Elisabeth und Uwe Kröger als Tod”, zu sehen sind aber Maya Hakvoort als Elisabeth und Leon van Leeuwenberg als Franz Joseph. Als Musterbeispiel, wie man es einfach nicht machen sollte, kann Abbildung 35 gelten. Zu sehen ist eine Szene aus „Les Misérables“ – völlig verschwommen und unscharf. Bei vielen Abbildungen fehlt die Angabe der Darsteller gleich ganz. Auch bei der Konzeption des Buches für den Buchbinder ist einiges schiefgegangen. Der Einband bricht schon beim ersten Aufbiegen. Schlussendlich hat man das Buch dann im hinteren Bereich fast als Einzelblätter vorliegen.
Auf dem Cover des Buches sehen wir ein Szenenfoto aus “Wicked”. Man sollte sich allerdings nicht täuschen lassen und etwa davon ausgehen, dass ausgerechnet dieses Musical bei Thomas Siedhoff Gnade findet: „Bei der Lektüre des Buchs, das Vieles aus einer sprachlich bewusst alltäglich gehaltenen Märchenwelt in die heutige Zeit zu bringen vermag, gewinnen die Figuren manches Leben. Hört man die Musik, bleiben sie durch das Ausbleiben aller märchenhafter Assoziationen eindimensional, und, mit Ausnahme der exzentrischen Madame Morrible, zudem verwechselbar.“ Es wäre nur logisch gewesen, wenn der Autor für das Cover beispielsweise eine Szene aus „Kiss me, Kate“ oder „Das Wirtshaus im Spessart“ ausgewählt hätte, da hat man sich aber wohl dann doch von Verlagsseite dazu entschieden, etwas Modernes zu nehmen. Und während sich die deutschen Produzenten begreiflicherweise dazu entschlossen haben, den Titel “Wicked“ nicht ins Deutsche zu übersetzen, kann man bei Thomas Siedhoff nun nachlesen, was „Wicked“ auf Deutsch heißt, nämlich „Verwünscht“. Abgefahren!

Thomas Siedhoff: Handbuch des Musicals – Die wichtigsten Titel von A bis Z. Schott Music GmbH & Co KG, Mainz 2007, 732 S.; ISBN 978-3-7957-0154-3. €29,95. www.schott-music.com

Alfons Haider – geliebt. verteufelt. Die Autobiografie. Aufgezeichnet von Walter Pohl

Alfons Haider ist im Österreichischen Fernsehen im Fasching Mr. “Opernball”, im Winter Mr. “Dancing Star”, im Herbst Mr. “Musical! Die Show!“ Seit 1998 ist er Künstlerischer Leiter der Stockerauer Festspiele, wo er neben seiner leitenden Funktion auch jeweils die Hauptrolle des gerade angesetzten Musicals übernimmt (2008 die Zaza in “La Cage aux Folles”). Nebenbei ist Haider bei Neuproduktionen seiner alten Musicalerfolge immer wieder mit dabei, wie zum Beispiel ab Mai 2008 im Innsbrucker Landestheater als König in “The King and I” von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II.
In Österreich ist Haider ein Star von äußerst professioneller US-amerikanischer Prägung – eine Marke, die er im Laufe der letzten Jahre mit viel Kraftaufwendung kreiert hat. Haider ist als Entertainer ein Mann der Seitenblickegesellschaft, nicht negativ gemeint, sondern feststellend, – in dem Sinn, dass er diese professionell bedient. Wenn jemand eine Homestory möchte und den Inhalt von Haiders Kühlschrank featuren will, wird dieser Wunsch vermutlich in Erfüllung gehen, so das Medium kein unbedeutendes ist. Ein Beitrag in einer Fernsehklatschsendung wie “Seitenblicke” (ORF) bringt zirka 1000 verkaufte Tickets der aktuellen Produktion. (O-Ton Haider)
Was für den Entertainer zählt, ist die Quote, das hat er im Laufe seines Lebens gelernt. Und Quote in großem Ausmaß erzielt man im Fernsehen. Oder um es anders zu formulieren. Alles andere außer dem Fernsehen hat im gegenwärtigen Stadium der Karriere des Entertainers dem Fernsehen zu dienen. Haider hat sich vor zirka zehn Jahren entschlossen, im Brotberuf “Moderator” zu sein. Die Folgen merkt man deutlich auch an seiner im Ueberreuter erschienenen Autobiografie. Denn obwohl Haider einen Gutteil des Jahres als Musicaldarsteller und Entertainer, der sehr stark musicalhafte Elemente in seinen Shows einsetzt, auf der Bühne verbringt, füllen die Zeilen über seine Erfahrungen im Musicalbusiness kaum eine Seite.

Stilistisch betrachtet ist Haiders Autobiographie wie ein Interview angelegt, aus dem man die Fragen ausgeblendet hat. Aus 127 Stunden und 42 Minuten Tonmaterial hat Walter Pohl, Gründungsmitglied und einer der Chefredakteure des österreichischen Wochenmagazins NEWS ein Buch zusammengefügt, das wie ein überlanges Interview wirkt. So könnten die einzelnen Abschnitte durchaus auch als Folgen in einer Zeitschrift erscheinen. Das hat Vor- und Nachteile. Positiv kann man bewerten, dass Haiders Autobiographie dadurch sehr authentisch wirkt. Ja, so würde er tatsächlich bei Interviews rüberkommen. Andererseits haben Haider und Pohl dadurch ein Buch auf den Markt gebracht, das sich dem Storytelling eher verweigert. Kleine Anekdoten, die von wenigen Sätzen bis maximal einer halben Buchseite reichen, erzeugen beim Leser einen hastigen, gerafften Eindruck. Der Interviewstil ist einer, der möglichst rasch auf den Punkt kommen will, um die Aufmerksamkeit des Zuhörenden nicht zu verlieren. Hier aber sind wir, die Konsumenten, Lesende, und wären bereit, auch über viele Seiten hinweg Gedankengänge nachzuvollziehen.
Durch die, so wirkt es, nahezu ungebrochene und wenig bearbeitete Transkription des mündlichen Vortrags in die schriftliche Sprache ist Haiders Autobiografie auf jeden Fall sehr leicht lesbar, wie geschaffen, um als Audiobook auf den Markt zu kommen, eigentlich perfekter als Vorlage für ein Audiobuch geeignet denn als literarisches Produkt. Die Umfokussierung vom Interview auf einen Erzähltext erfolgt großteils nur durch nachträglich eingefügte Füllpartikel wie “geneigter Leser”, die wie Fremdpartikel aus dem Buch hervorragen.

Distanz ist eines der Keywords im Medienleben Haiders. So offen er sich der Seitenblickegesellschaft gibt, so sehr ist diese Offenheit auch eine exzellent konstruierte und dosierte, von ihm bewusst gesteuerte. Haiders Autobiografie ist somit ein ideales Mittel der Selbststilisierung. So wie die Fiaker in Wien ihre Pferdchen durch die historischen Straßen lenken und nur auf Ausgewähltes hinweisen, schildert sich Haider als Star in der Carnegy Hall, als internationaler Star einer Fernsehsoap, analysiert aus wohlüberlegter Selbstdistanz auch die Tiefpunkte seiner Karriere. Packend sind durchaus jene Passagen des Buches, die die schwierigste Phase seiner Karriere behandeln: jene nach seinem Outing 1997 im Theater Akzent auf offener Bühne und die Folgen für ihn privat und beruflich.

„geliebt. verteufelt“ nennt Haider sein Buch und widmet ein Kapitel den Medien, von denen er sich ungerecht behandelt fühlt: „Ja, ich habe ein Problem mit den Medien, und es ist seit Jahren immer das gleiche: Die sogenannte intellektuelle Presse will mich entweder nicht wahrhaben, oder, was eigentlich schlimmer ist, sie verspottet oder verteufelt mich.“ Haiders Medienschelte ist ein Tiefpunkt des Buches, nicht, weil man seinen Ansatz nicht verstehen will, sondern weil er genau das macht, was er seinen „Mediengegnern“ vorwirft: Er pauschaliert klischeehaft: „Viele Vertreter dieses Berufes, das wissen wir ja, haben in frühen Jahren Theaterwissenschaften studiert. Fertig oder halbfertig oder sonst wie was.“ Er spricht von „journalistischen Kleinkrämern“ und von „gnadenloser Jagd“ durch die Yellow Press. Vielleicht ist dieses Kapitel andererseits das ehrlichste des Buches, in dem der Entertainer in einem Moment des Angriffs die Deckung fallen lässt und Einblick gewährt in eine verletzte, oftmals unverstandene Persönlichkeit.

Fazit: Alfons Haiders Autobiografie ist sehr leicht zu lesen, reich illustriert (65 der 240 Seiten sind bebildert), im Anhang gut recherchiert (hier findet man eine Chronologie aller Bühnen-, Film- und Fernsehauftritte) und als Merchandisingartikel für Fans bestens geeignet. Alfons Haider, der Musicaldarsteller, kommt in „geliebt. verteufelt“ praktisch nicht vor. Mit Musical macht man wohl keine Quote. Schade, denn es ist bekannt, dass Haider das Musicalgenre ein Anliegen ist und er hinter den Kulissen, beispielsweise an den Wiener Musicalschulen, sei es nun das Performing Center Austria oder die Konservatorium Wien Privatuniversität Wien, immer wieder eine Rolle spielt.

Alfons Haider: geliebt. verteufelt. Die Autobiografie. Aufgezeichnet von Walter Pohl. Ueberreuter, Wien 2007, 240 S.; ISBN: 978-3-8000-7288-0. € 22,95 (Hardcover). www.ueberreuter.at

Ken Bloom: The Routledge Guide to Broadway

„Broadway may only be a street to some people, but to some of us it’s a religion“ – mit diesem Zitat von Eddie Foy Sr., dem legendären Schauspieler, Komödianten und Tänzer (1865–1928), startet Ken Bloom in seine Einleitung zu dem, was er Broadway-Guide, also Führer, Orientierungshilfe oder Leidfaden, ganz wie man es auffassen möchte, nennt. Ursprünglich konzipiert für Studenten der Theaterwissenschaften, der Regie, des Schauspiels, ist dieses Buch im Prinzip für alle eine höchst informative Lektüre, die sich näher mit den wichtigsten Broadway-Begriffen beschäftigen wollen, wobei mit dem Wort „Begriffe“ hier gemeint ist: Komponisten, Autoren, Darsteller, Theater, Awards.
Autor Ken Bloom ist eine Autorität, was die Geschichte des Broadways, des Musicals, des Theaters betrifft. Er hat mittlerweile zu Klassikern avancierte Bücher verfasst wie „American Song: The Complete Musical Theatre Companion“, in dem jedes Lied, das für das amerikanische Theater geschrieben wurde, aufgelistet ist. Oder „Hollywood Song“, in dem er Informationen zu Songs von über 7000 Kinofilmen bietet. Das von ihm und Frank Vlastnik verfasste Werk „Broadway Musicals: The 101 Greatest Shows of All Time“ wurde zum veritablen Bestseller. Neben seiner Karriere als Autor ist Bloom seit einem Jahrzehnt als Berater für Decca Broadway tätig, und auch als Autor macht er von sich reden. Gemeinsam mit Barry Kleinbort schrieb er das Off-Broadway-Musical „A Brief History of White Music“.
Für all jene, die in nächster Zeit vielleicht zum ersten Mal eine Broadwayshow besuchen und sich vorab informieren wollen, beispielsweise über das Theater, in dem die Show gegeben wird, bietet Ken Bloom unter anderem auch sehr ins Praktische gehende Passagen. So schreibt er im Eintrag über das Minskoff Theatre: „Though the walk to the auditorium is well designed, the theater is not. The balcony overhangs too far from the front of the stage and the uppermost seats are also too distant. The orchestra area has what is called continental seating – no center aisles, only two aisles on either side of the seats. Row T, for example, is fifty-two seats wide. Patrons who have tickets in the center of the row must cross over the feet of twenty-five people to get to their seats. On a matinee day, when many audience members have shopping bags, this can be extremely difficult. In its favor, however, the Minskoff was the first New York theater to be fully accessible to handicapped patrons.” Bloom hat ein richtiges Buch zum Schmökern verfasst. Die Auswahl der im Guide enthaltenen Komponisten und Darsteller ist eher konservativ gestaltet. Die legendären Klassiker sind dabei, Größen wie Sondheim, Bernstein, die Gershwins natürlich, nicht aber Jason Robert Brown oder Frank Wildhorn. Darstellerlegenden wie Maude Adams, die Barrymores, nicht aber aktuelle wie Patti Lupone oder Nathan Lane. Die Gliederung des Buches ist alphabetisch, es gibt keine Kapitel, keinen Index, kein Quellenverzeichnis, aber man vermisst das alles auch nicht. Hier schreibt jemand, dem man das, was er erzählt, auch abnimmt. Vielleicht resultiert das auch ein wenig aus der Erzählerperspektive. Es geht Bloom nicht darum, das abzuqualifizieren, was für ihn nicht zu dem gehört, was er „Broadway key figures“ nennt, sondern mit Empathie all das zu vermitteln, was den Broadway zur Legende werden ließ. Wenn er die Geschichte eines Theaters auf wenigen Seiten Revue passieren lässt, dann erzählt er auch die eine oder andere Anekdote über die Hits und Flops des Theaters, und er tut dies in einem typisch amerikanischen Stil: lebendig, sehr kompetent, ohne den verbissenen Drang, die Musicalgeschichte umdeuten zu wollen nach eigenem Gutdünken oder Theoriegebäude skizzieren zu wollen. Am Ende setzte sich wie von selbst aus all den Puzzlesteinen eine Art von Musicalgeschichte der letzten 100 Jahre zusammen. In diesem Buch lebt der Broadway – sehr empfehlenswert.

Ken Bloom: The Routledge Guide to Broadway. Routledge – Taylor & Francis Group, New York 2007, 290 S.; (Papaerback) ISBN 978-0415973809. $ 22,95. www.routledge-ny.com

“Mamma Mia!” - Pierce Brosnan macht bei ABBA-Filmmusical mit

Am 25. Juni 2007 beginnen die Dreharbeiten zu “Mamma Mia!”, der Verfilmung des gleichnamigen Musicals der Popgruppe ABBA. Mit an Bord ist Meryl Streep.
Nun konnte noch ein weiterer bekannter Name gebucht werden: Seine Herrlichkeit 007 a. D. vulgo Pierce Brosnan.
James, pardon, Pierce wird in “Mamma Mia!” die Rolle des “Sam” spielen und hat damit die Chance, sich an ABBA-Hits wie “S.O.S.” zu beweisen.
Dem Branchenfachblatt VARIETY diktierte der Schauspieler ins Mikro: “I said yes right away because it meant working with Meryl Streep. Secondly, I saw the show with my family in London, and found it just so wonderfully happy and joyful, and so pitched in time forever in the 1970s. What a kick in the pants, to be able to go off and spend time with Meryl on some Greek island, singing ABBA songs.” [Story]

Arsenal 221 - Wiens neues Veranstaltungszentrum

Mitten in Wien, im 3. Bezirk, befindet sich das Arsenal, ein ehemaliger militärischer Gebäudekomplex, der aus Anlass der Märzrevolution 1848 von 1849 bis 1856 erbaut wurde und in dem heute unter anderem das Heeresgeschichtliche Museum, ein nicht öffentlich zugänglicher 155 Meter hoher Funkturm der Telekom, Dekorationswerkstätten der Bundestheater, eine Probebühne des Burgtheaters oder beispielsweise auch das Fernmeldezentralamt untergebracht sind.

Im Arsenal befand sich lange Jahre auch ein Forschungszentrum, das so genannte “Österreichische Forschungs- und Prüfzentrum Arsenal”, das mittlerweile “arsenal research” heißt und nach Floridsdorf übersiedelt ist. Was also machen mit einem leerstehenden Forschungszentrum? Warum nicht einfach ein anderes Zentrum, eines, das der Unterhaltung dient? Gesagt, getan: “Arsenal 221″ war geboren. In einem mehrmonatigen Prozess wurde das Gebäude mit seinen drei riesigen Hallen (die insgesamt eine überdachte Fläche von mehr als 7.000m² bieten) in eine exklusive Veranstaltungslocation umgebaut.

Das “Arsenal 221″ bietet drei Veranstaltungshallen mit recht ungewöhnlichen Bzeichnungen:
1) Hochspannungshalle
Länge: 80 Meter/Breite: 20 Meter/Gesamtfläche: 1600m²
2) Turbinenhalle
Länge: 28 Meter/Breite: 14 Meter/Gesamtfläche: 392m²
3) Audimax
Länge: 15 Meter/Breite: 15 Meter/Gesamtfläche: 225m²

Das Bespielungskonzept reicht derzeit von Alexander Goebel bis zu “Kuddelmuddel und Gesprudel”, ein Konzert für Kinder mit Bernhard Fibich.

High School Musical - Europäische Erstaufführung im Herbst 2007 in Wien

Die Performing Arts Studios Vienna bringen im Herbst 2007 eines der erfolgreichsten TV-Musicals der Geschichte als Bühnenversion nach Wien: Disneys “High School Musical”.
Ursprünglich rein fürs Fernsehen konzipiert, lief der Film zum ersten Mal am 26. Jänner 2006 im amerikanischen TV und war ab da nicht mehr zu stoppen. Der Soundtrack zum Film wurde die erfolgreichste CD 2006 in den BILLBOARD-Charts. Bühnenversionen der unterschiedlichsten Art laufen derzeit in den USA bzw. sind in Planung. So gibt es eine Konzert-Tour, eine Bühnenmusical-Version, auch ein High School Musical On Ice wird es geben. Sequels sind ebenfalls in Planung.
Die Performing Arts Studios Vienna bringen ihre Produktion in Zusammenarbeit mit einem neuen Sponsor, der die Einzelheiten dieser Produktion am 26. März 2007 in einer Pressekonferenz präsentieren wird. Aufgeführt wird die Show ausschließlich von den Studenten der Performing Arts Studios Vienna.

“Jesus Christ Superstar” mit Luzia Nistler in der Wiener Votivkirche

Jesus Christ Superstar Votivkirche

Es ist zu einer Tradition geworden, dass in Wien zur Osterzeit Andrew Lloyd Webbers Musical “Jesus Christ Superstar” am Programm der Vereinigten Bühnen Wien steht. Das ist auch 2007 der Fall. Doch 2007 gibt es noch eine zweite Produktion dieser Rockoper, die aufgrund ihrer Besetzung vielversprechend klingt: Am 30. und 31. März bietet die Atlantis Event Production in der Wiener Votivkirche “Jesus Christ Superstar” in konzertanter Fassung und deutscher Sprache. Die Produktionsleitung übernimmt der junge Schauspieler und Regisseur Robert Vollmer.

Cast:
JESUS: René Rumpold
MARIA MAGDALENA: Luzia Nistler
JUDAS ISCHARIOT: Armin Rostami
PONTIUS PILATUS: Terry Chladt
KAIHPHAS: Artur Ortens
ANNAS: Daniel Williams
PETRUS: Strohmaier Tobias
HERODES: Christian Deix
SIMON ZELOTES: Benjamin Rufin

Tickets:
Unter der Telefonnummer 01/ 600 42 46 od. online unter www.k-ticket.at

Die Simpsons & Stephen Sondheim

In eine der aktuellsten Folgen der Zeichentrickserie “The Simpsons”, die heute in den USA ausgestrahlt wird, wurde ein Cameo-Auftritt von Broadway-Legende Stephen Sondheim eingebaut. Ein kurzer Ausschnitt aus “Yokel Chords” ist derzeit auf tv.com online. Um ihn zu sehen, muss man auf der rechten Seite unter das Werbefenster scrollen. Sondheim hat seinen Auftritt selbst synchronisiert. Weitere Gaststars in dieser Episode: Peter Bogdanovich (Psychologist), Andy Dick (Himself), James Patterson (II) (Himself) und Meg Ryan (Dr. Swanson).

Update:
Der ganze “Auftritt” Sondheims ist auf “Something Old, Nothing New” zu finden.

West End: Aus für “Evita”

Nicht mal ein Jahr konnte sich das das Revival von Andrew Lloyd Webbers “Evita” in London halten. Bereits am 26. Mai 2007 wird im Adelphi Theatre der letzte Vorhang für diese Produktion fallen.
Die Premiere fand am 21. Juni 2006 statt. Die aktuelle West End-Produktion war das erste größere “Evita”-Revival seit der Uraufführung 1978. [Story]

“We Will Rock You” 2008 in Wien

Aus Wien gibt es zwar keine Bestätigung, hier mahlen die Mühlen bekanntlich immer etwas langsamer, aber auf brianmay.com wird nun eine Produktion von “We Will Rock You” in Wien 2008 offiziell bestätigt. Die Premiere wird im Januar stattfinden.

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