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Archiv - Oktober, 2007

Wikipedia: Der “Rudolf”-Irrtum

Lustig geht es auf wikipedia.de ja immer zu. Früher war es möglich, falsche beziehungsweise veraltete Angaben zu korrigieren, heute herrschen die Mods auf Wikipedia, die so, wie es ihnen beliebt, Artikel zur bearbeitungsfreien Zone erklären. Bestes Beispiel dafür ist jener Artikel, der Frank Wildhorns Musical “Rudolf” gewidmet ist. Er strotzt vor Fehlern und Gerüchten, freilich lässt er sich nicht verbessern. Am lustigsten sind die unter der Überschrift “Wiener Aufführung” angeführten Angaben. Als Quelle wird “Lars Friedrich” genannt, der Autor gibt hier das weit verbreitete Forengerücht weiter, “Rudolf” sei für 26. Oktober 2007 für das “Etablissement Ronacher” geplant gewesen. Wikipedia erweist der Autor des “Rudolf”-Artikels damit keinen guten Dienst, so viel ist sicher.

Cenario: “Ansichtssache Reloaded” mit Hannes Muik & Caroline Frank

Hannes Muik und Caroline Frank
Am 8. November 2006 ging das Wiener Musiklokal “Cenario” mit einem neuen Bespielungskonzept unter der Geschäftsführung von Michael Fischer an den Start. Fischer begann seine Karriere bei den Wiener Sängerknaben, absolvierte die Ballettschule an der Konservatorium Privatuniversität Wien und eine Stepausbildung, studiert derzeit am Konservatorium Jazz-Klavier und leitet seit zwei Jahren einen eigenen Chor. Im April 2008 ist Michael Fischer in “Evita” zu sehen (Wiederaufnahme einer Produktion am Stadttheater Baden), Maya Hakvoort, die gestern zum ersten Mal ihr zweites Soloprogramm “In My Life” im Theater Längenfeldgasse zeigte, hat ihn für ihre Österreich-Tour als 2. Pianist an Bord geholt.

Michael Fischer machte aus dem Cenario ein gemütliches Etablissement mit Schwerpunkt Jazz, Swing, Soul, aber auch Steptanz und Musical. Eröffnet wurde das Lokal 2006 mit einem Auftritt von Maya Hakvoort. Hannes Muik und Caroline Frank, zwei unter anderem im Musicalbusiness etablierte Künstler, brachten ihre Soloshow “Ansichtssachen” im November und Dezember 2006 im Cenario erstmals zur Aufführung.

Am 10. Oktober 2007 stand “Ansichtssachen Reloaded” auf dem Spielplan des Cenario, ein da capo der ersten Aufführungsserie. Hannes Muik und Caroline Frank texteten für ihre Show 14 Songs, Belush Koreny jun. schrieb zu den meisten der Lyrics angenehme Popmelodien mit Jazz- und Souleinflüssen und begleitete die beiden am Keyboard.

Hannes Muik und Caroline Frank

Herausgekommen ist ein ironisch-witziges Programm, in dem unter anderem die Selbsthilfeliteratur aufs Korn genommen wird. Zitate aus Selbsthilfebüchern wie “Aufwachen! Dein Leben wartet” werden äußerst gekonnt als Über- und Einleitungen zu Songs eingesetzt. So folgt auf einen Ausschnitt aus “Eine Minute Weisheit”

Einer Frau, die ihr Schicksal beklagte, sagte der Meister: “Du machst dir selbst dein Schicksal.”
“Aber ich bin doch wohl nicht verantwortlich, als Frau geboren zu sein.”
“Als Frau geboren zu sein, ist nicht Schicksal. Das ist Bestimmung. Schicksal ist, wie du dein Frausein akzeptierst und was du daraus machst.”

der irrsinnig witzige “Regelblues”, gesungen von Caroline Frank, wobei die Texte der Songs oft auf einer feinen Linie zwischen Witz und Ernsthaftigkeit balancieren und gekonnt mal da und mal dahin abdriften.

Auf einen weiteren besonders “sinnigen” Ausschnitt aus einem Selbsthilfe- und Sprücheklopferbuch:

Es ist traurig, eine Ausnahme zu sein, aber noch viel trauriger ist es, keine zu sein.

folgt Hannes Muik mit “Der Witz” (getextet von Caroline Frank) - ein Song, der exakt so auch Teil eines “Simpl”-Programms früherer Zeiten gewesen hätte sein können und in einer langen Tradition steht. Es ist genau der Stil, den beispielsweise Hugo Wiener mit seiner Frau Cissy Kraner jahrzehntelang gepflegt hat. So ist “Der Witz” auch ein völlig zeitloser Song - innerhalb dieses Programms mit Sicherheit ein Highlight.

Hannes Muik und Caroline Frank

In der Show und auf der winzigen Bühne auch vertreten: Nummern mit mitreißender augenzwinkernder Tanzchoreographie wie “Der Tag, an dem ich Peter Weck traf”. Scheinbar Improvisiertes ist bis ins kleinste Detail durchdacht - Muik mit Altblockflöte zum “Mission Impossible”-Theme, eine irrsinnig witzige Szene, das Lied ein Ohrwurm vor allem durch die Rhythmik des Refrains.

Zum Kreischen kommt Caroline Frank ausführlich in der Irrenhausballade “Mitleidstour”. Sie kreischt aus Verzweiflung, das Publikum vor Lachen.

Hannes Muik und Caroline Frank

Kennst du das Gefühl, wenn dein Spiegelbild nicht will, dass du es ansiehst
- es hat sich an dir satt gesehn
Und kennst du das Gefühl, wenn dein Pudel nicht mehr will, dass du ihn ausführst
- er will alleine Gassi gehn
Und kennst du das Gefühl, wenn deine Mutter nicht mehr will, dass du sie anrufst
- sie hat ja noch ein zweites Kind

Und keiner will mich
und keiner braucht mich
und keiner wollte, dass ich bei ihm bin
wolln meine Liebe nicht
wolln meinen Körper nicht
ich bin so ganz und gar mit mir allein

ja keiner will mich
und keiner braucht mich
und keiner wollte, dass ich bei ihm bin
wolln meine Liebe nicht
wolln meinen Körper nicht
ich bin so ganz und gar mit mir allein

Und kennst du das Gefühl, wenn dein Liebster nicht mehr will, dass du ihn angreifst
- er hat sich um sich selbst gesorgt
Ja ich kenne das Gefühl und ich weiß nur, dass ich will, dass es mal aufhört
und ich weiß, tief in mir drinnen muss ich finden, wer ich bin
dann kann ich zeigen wer ich bin, und spiegle wer ich bin
dann kann ich mich nehmen, wie ich bin, und weiß ungefähr, wie ich bin, und dann ist
alles anders, weil ich weiß, wer ich bin und weiß …
aber schön wärs schon

doch keiner will mich
und keiner braucht mich
und keiner wollte, dass ich bei ihm bin
wolln meine Liebe nicht
wolln meinen Körper nicht
ich bin so ganz und gar mit mir allein

ja keiner will mich
und keiner braucht mich
und keiner wollte, dass ich bei ihm bin
wolln meine Liebe nicht
wolln meinen Körper nicht
ich bin so ganz und gar mit mir allein

Muik (während Frank völlig auszuckt):
Ja keiner will sie
und keiner braucht sie
und keiner wollte, dass sie bei ihm ist
wolln ihre Liebe nicht
wolln ihren Körper nicht
ja sie ist so ganz und gar allein

Ja keiner will sie
und keiner braucht sie
und keiner wollte, dass sie bei ihm ist
wolln ihre Liebe nicht
wolln ihren Körper nicht
ja sie ist so ganz und gar allein

Frank:
Ich bin so ganz und gar mit mir allein

Fazit: “Ansichtssache Reloaded” ist ein äußerst unterhaltsames Set. Wer die Chance hat, Hannes Muik & Caroline Frank damit zu erleben, sollte sie nicht verpassen.

Setlist:
- Heut ist dein Tag
- Tausend Mal
- Du
- Und es geht
- Der Regelblues
- Der Witz
- Der Tag, an dem ich Peter Weck traf
- Ein Tango zum Beispiel
- Die Mitleidstour
- I can’t get you out of my head/If you go away
- Wann mei Herz mit dir red
- I always stay alive
- Die Suche
- Wann nur?

Hannes Muik hat sich in den letzten Jahren auch als Maler einen Namen gemacht. Ab sofort kann man seinen Kunstkalender für das Jahr 2008 unter der Mailadresse hannes.muik[at]chello.at vorbestellen. Es handelt sich dabei um eine limitierte Auflage mit neuen Bildern und zwei signierten und nummerierten Kunstpostkarten von Hannes Muik. Ein Exemplar des Kalenders kostet 38 Euro. Wer bei der Präsentation dabei sein möchte, kann sich unter hannes.muik[at]chello.at mit Informationen versorgen.

Sargfabrik: Thomas Kloiber

10. November 2007
20:00bis22:00

Sargfabrik, Thomas Kloiber
Sa, 10.11.2007, 20 Uhr / EUR 10

Pressetext:

High-Energy Pop Music
Man nehme einen Lead-Sänger zwischen der Maskulinität eines Jon Bon Jovi und Princescher Weiblichkeit, verrühre ihn mit den Dance Moves von James Brown und verfeinere den Geschmack mit einer 7-köpfigen Kick-Ass Band. Was dabei herauskommt? Ein Cocktail namens Thomas Kloiber und ein außergewöhnliches Konzerterlebnis.

In seinen Songs verbindet Thomas Kloiber eingängige Pop-Melodien mit funkigen Grooves und knackigen Gitarrenriffs. Seine Band aus Drums, Bass, Gitarre, Keyboards, Saxophon, Trompete und Posaune tut mit ihren durchdringenden Bläsersätzen ein Übriges zur ausdrucksstarken und energiegeladenen Bühnenshow. In diesem Sinne: Put on your dance pants and hit the party!

Sargfabrik: Camena to the fallen (feat. Rob Fowler)

30. Oktober 2007
20:00bis22:00

Camena to the fallen
Sargfabrik, 30.10.2007, 20 Uhr / EUR 15

Fred EISLER - Gitarre
Clementine GASSER - Cello
Volker WADAUER - Bass
Gerald FARID AL-SHAMI - Cajon, Perkussion
Rob FOWLER - Stimme

Getreu dem Namen Camena (lat. Muse, Gedicht) ist das musikalische Crossover des Wiener Gitarristen und Komponisten Fred Eisler liedorientiert und rückt vor allem melodische, harmonische und lyrische Qualität in den Mittelpunkt. Das Bandprojekt reflektiert jene Stile, die Fred Eisler im Laufe der Jahre beeinflusst haben und enthält Elemente aus Jazz-. Alternativ Rock- und zeitgenössischer Musik.

War die erste CD 2001 mit der österreichischen Sängerin Anne Marie Höller eine Gitarre/Stimme Duo Produktion, so stellte das zweite Album “Camena to the fallen” eine ganze Reihe von virtuosen MusikerInnen und Instrumenten vor, mit denen Eisler englischsprachige Songs zwischen Folk-Leichtigkeit, ArtRock-Komplexität und Jazz-Konzepten schafft: Ausdrucksstark bieten elektrische und akustische Gitarren, Cello, Schlagzeug, Bass und Cajon Percussions eine stimmungsvolle und tanzende Begleitung. Für das Konzert in der Sargfabrik konnte Eisler den englischen Rock- und Musicalsänger Rob Fowler (Morton, JCS, Elisabeth etc.) gewinnen.

Fred Eisler studierte Gitarre und Jazzkomposition an dem renommierten Bostoner Berklee College of Music und der Jazzabteilung der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz. Nach Abschluss der musikalischen Ausbildung und einer langjährigen Tätigkeit als Gitarrist in unterschiedlichen Jazz Ensembles, begann er Musik und Texte zu schreiben und gründete schließlich im Frühjahr 2000 das Bandprojekt Camena.

Lukas Perman blickt hinter die Kulissen von “Musical! Die Show”

Das ORF-Magazin “Szene” hat sich für seine Berichterstattung über die Castings von “Musical! Die Show” einen Musicalstar angelacht. Lukas Perman war am 6. Oktober und am 8. Oktober für “Szene” bei den Tanzcastings dabei und wird am Samstag (13. Oktober) noch einmal über das Schicksal der mittlerweile auf 20 Leute geschrumpften Gruppe von Musicaltalenten berichten.
Die Sendung vom 6. Oktober und 8. Oktober kann auch online abgerufen werden, und zwar bei “Szene On Demand”.

Update:
Die Sendungen vom 6. und 8. Oktober sind nun nicht mehr abrufbar, einige Tage gibt es aber noch die Sendung vom 13. Oktober online.

Most Expected Movies 2008

In einer Umfrage, welchen Filmen amerikanische Kinobesucher am meisten entgegenfiebern, steht “Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull”, die neueste Folge der “Indiana Jones”-Saga, unangefochten an erster Stelle. “Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull” wird weltweit im Mai 2008 in den Kinos starten, fast 20 Jahre nach dem dritten Teil “Indiana Jones and the Last Crusade”.

Weitere Kinoevents 2008: zum Beispiel das neueste Batman-Abenteuer “The Dark Knight”, aber auch “Mamma Mia!”, die Verfilmung des gleichnamigen ABBA-Musicals.

Insgesamt wurden 2000 amerikanische Kinobesucher befragt, die auf einer Liste ihr Interesse an den aufgeführten Filmen auf einer Skala von 1 bis 5 einstufen mussten.

Die Top 20 der “Most Expected Movies” liest sich wie folgt:

01. Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull
02. The Dark Knight (Batman Begins 2)
03. National Treasure: Book of Secrets
04. American Gangster
05. The Chronicles of Narnia: Prince Caspian
06. Iron Man
07. I Am Legend
08. Get Smart
09. The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor
10. Charlie Wilson’s War
11. Hancock
12. Beowulf
13. His Dark Materials: The Golden Compass
14. Mamma Mia!
15. The Incredible Hulk
16. Speed Racer
17. Step Brothers
18. Bee Movie
19. Mr. Magnorium’s Wonder Emporium
20. Starship Dave

“Musical! Die Show”: Auditions online

Seit 8. Oktober 2007 sind auf “Musical! Die Show” die ersten Auditions für die neue Castingshow des ORF als Stream online. Das meistgebrauchte Wort der Juroren scheint “super” zu sein, auch wenn der/die Kandidat/in ganz offensichtlich völlig falsch singt. Von der ursprünglichen Forderung des ORF, dass nur Kandidaten mit Ausbildung antreten dürfen, hat man sich meilenweit entfernt, zeitweise könnte man fast der Meinung sein, dass bei “Starmania” die besseren Stimmen zu hören waren, freilich ist erst eine erste Tranche der Kandidaten online (ca. 45 Minuten). Die Juroren Jack Poppell, Cedric Lee Bradley und Alexandra Frankmann-Koepp haben im Gegensatz zu “Starmania” nicht die Aufgabe, jedem Kandidaten unmittelbares Feedback zu vermitteln. Das macht ihre Aufgabe leichter und das Streaming langweiliger. Bleibt also das Können der Kandidaten, das unterhalten soll, und da kann man gespannt sein, wer überzeugen oder gnadenlos scheitern wird.

Musicals: Was ist wichtiger - die Geschichte oder die Musik?

Würde man Storyarchitekt Michael Kunze diese Frage stellen, die Antwort wäre klar. “Die Musik hat der Geschichte zu dienen”, das ist eines der bekannteren Statements des Autors zu diesem Thema. Nicht ganz genau so sieht das Dirk Krampitz von “Welt Online”:

Es ist der letzte Beweis dafür, wie wichtig eine Geschichte für ein Musical ist: nämlich absolut unwichtig. Und wie wichtig die Musik ist: essenziell. Ohne die Lieder von Abba wäre “Mamma Mia!” ein schnell vergessenes, sehr harmloses Stück. Denn die Geschichte ist banal.

An und für sich ein sympathischer Ansatz, würde er nicht dazu benützt werden, sich gleich selbst ad absurdum zu führen - fast:

Lange schon wartet man auf das Wende-Muscial der Scorpions. Wer die Leute von der Stage zum Augenrollen bringen will, muss sie nur auf das “Wind of Change”-Musical ansprechen, das die Scorpions für Berlin komponieren. Das Buch sei noch nicht fertig, heißt es immer wieder. Kleiner Tipp, siehe oben: Sorgen um die Geschichte muss man sich nicht machen, solang das mit der Musik stimmt. Aber vielleicht ist das ja auch der Knackpunkt.

Die Breitenwirkung von ABBA mit dem schwachen Nachhall der Hits der Scorpions zu vergleichen, ist gewagt, und so ist das wohl tatsächlich der Knackpunkt beim seit Jahren geplanten Scorpions-Musical “Wind of Change”: Keine Story kann diese Songs zu einem Erfolgsmusical machen.

Aber zurück zu Herrn Krampitz. Er schließt mit einer netten These, warum Musicalkarten teurer als Kinokarten sind - und warum auch nicht, am 11. November ist Faschingsbeginn:

Für alle, die sich wundern, warum Musicalkarten teurer als Kinokarten sind: Die Strasssteinchen auf den Super-Trouper-Kostümen sind per Hand aufgenäht. So ein Kostüm kostet schnell 6000 Euro. Und dann gibt es ja nicht nur eine Erstbesetzung, sondern auch Zweit- und Drittbesetzung mit je eigenen Maßen.

Thomas Borchert: Erinnerung 2007

Es gibt Musicalsongs, die kann kaum noch jemand hören, so abgesungen sind sie. Das ist freilich Geschmacks- und Empfindungssache, aber beispielsweise “Erinnerung” aus Andrew Lloyd Webbers “Cats” in Konzerten brav wie im Musical gesungen, das ist mittlerweile sogar für immer mehr Musicalfans ein schwer verdaulicher Brocken.

Thomas Borchert singt den Song dennoch, ebenso wie “The Phantom of the Opera” (auch ein Lied, das man eigentlich nur mehr im Rahmen der Originalshow hören mag), und zwar ver”swingt”. Die Masche ist nun nicht neu, innovative Wege geht er damit nicht, aber es ist einen Versuch wert.

Am 14.11.2007 tritt Borchert mit seinem “Musical Swings”-Programm im Berliner Admiralspalast auf, und auf seiner Homepage kann man sicherheitshalber den Elchtest machen, ob man das Programm aushält oder nicht. Zwei kurze Schnipsel aus “Erinnerung” und “The Phantom of The Opera” sollten reichen.

Klaus Bachler: “Ich mach’ doch nicht ‘Romeo und Julia’ als Eisrevue oder Musical!”

Eine ganze Seite ist in der Kurier-Ausgabe von heute (7. Oktober) einem Interview mit Burgtheater-Direktor Klaus Bachler gewidmet. Eine Seite, die er großteils dafür nützen darf, zu den verheerenden Kritiken der “Romeo und Julia”-Premiere an der Wiener Burg Stellung zu nehmen. In der Online-Ausgabe des Kurier wird man das Interview vergeblich suchen, denn auch der Kurier ist eines jener Medien, die es vorgezogen haben, kulturlos online zu gehen. Im Folgenden Ausschnitte aus dem Interview:

Kurier: Warum ist es passiert?
Bachler: Weil “Romeo und Julia” einzigartig ist. Die Liebesgeschichte der abendländischen Kultur. Jeder, der das sieht, fühlt sich persönlich gemeint. Jeder will seine kleine Liebe im kleinen Leben groß sehen. Und was haben die Menschen im Kopf? Meist nicht Shakespeare, sondern alles von Zeffirelli bis zum Lehrer am Theresianum. Ich finde die Aufführung theatralisch-ästhetisch sehr offen und angreifbar - inhaltlich finde ich sie überhaupt nicht angreifbar. Aber um das zu bemerken, müsste man sich sich wirklich mit dem Stück auseinandersetzen. Wenn ich jetzt lese, diese Aufführung sei ein “Tiefpunkt”, dann muss ich schon sagen: Der Tiefpunkt im Theater ist der Schlafsaal, niemals die Aufregung.

Kurier:
Aber es gibt doch konkrete handwerkliche Einwände gegen diese Aufführung, die Qualität des Schauspiels …
Bachler: Ich finde die Auseinandersetzung damit äußerst oberflächlich. Wenn das Einzige, was man bei Figuren wie Mercutio anzumerken hat, die Nacktheit ist, das Einzige bei Lorenzo, dass der Schauspieler einen deutschen Kritiker attackiert hat, dann ist das einfach flach. Ich lasse jetzt einmal den Kritikern ihre Meinung, die Aufführung sei nicht gut. Ich behaupte aber: Sie ist wichtig!

Kurier: Aber reden wir doch nicht nur von den Kritikern - das Premierempublikum hat sogar schon zur Pause gebuht!
Bachler: Das ist doch in Ordnung! Das ist Reaktion! Wir sind doch kein Dienstleistungsbetrieb! Ich mach’ doch nicht “Romeo und Julia” als Eisrevue oder als Musical! Regisseure und Schauspieler sind Künstler. Sie haben eine Eigenverantwortung und ein Recht auf künstlerische Freiheit, auch gegenüber dem Intendanten. Ich war bei den Proben viel dabei, habe viel gesagt. Bestimmte Dinge haben sich verändert, andere nicht. Man kann mich dafür kritisieren, dass ich Herrn Hartmann engagiere. Aber man kann nicht erwarten, dass ich ihn engagiere, um ihm dann das Stück aus der Hand zu nehmen. Es ist eine Interpretation von “Romeo und Julia”: Dass die jetzt so einen Schmerzensschrei auslöst - so what?

Kurier: Wie läuft “Romeo und Julia” jetzt?
Bachler: Ausverkauft! Eine Vorstellung war die Premiere, mt Pausen-Buhs. Die Schauspieler aber reagieren, entwickeln, eine extreme Vorstellung lebt. Es gab auch eine Aufführung mit jungem Publikum, die haben gejohlt wie im Popkonzert!

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