Archiv - Wien
Martin Bruny am Montag, den
9. Oktober 2006 um 17:46 · gespeichert in Musical, Wien
Es ist noch nicht so lange her, da hat Ex-Musicalstar Viktor Gernot dem Musicalgenre abgeschworen. Und nein, er hat bis heute keinen Rückzieher gemacht. Am 19.11.2006 jedoch nähert er sich dem Business, mit dem er nichts mehr zu tun haben will, doch wieder ein wenig.
Gemeinsam mit Maya Hakvoort wird er im Wiener Konzerthaus Songs aus dem “Great American Songbook” interpretieren. Das Motto des Abends lautet “VIKTOR GERNOT featuring MAYA HAKVOORT und die RICHARD OESTERREICHER BIG BAND”. Der Titel der Show: “BIG BAND DREAMS”. Der Veranstalter beschreibt das Event folgendermaßen: “The Great American Songbook, das Repertoire der großen Jazzvokalisten und ausgesuchte Broadway Melodien versprechen einen unvergesslichen Konzertabend unter dem Motto: Musical meets Jazz!”
Könnte ein ganz netter Abend werden, weniger nett ist die Gestaltung der Eintrittspreise. Die billigsten Tickets kosten 30 Euro, die teuersten 42. Nicht, dass die teuersten zu teuer wären, aber 30 Euro für die letzte Reihe. Kann nich ganz euer Ernst sein, Kinder.
Martin Bruny am Mittwoch, den
4. Oktober 2006 um 17:47 · gespeichert in Musical, Wien
Abend für Abend läuft derzeit im Wiener Raimund Theater das Multimedia-Musical “Rebecca” ab. Die Firma Renox lieferte die Hard- und Software für die Projektion von bühnenfüllenden Bildern:
- 4 Beamer Sanyo XF46 mit 12.000 Lumen
- 4 Schallschutzgehäuse 100 x 100 x 35 cm
- 5 Hochleistungs-Computer
- “Edgeblending-Software”, um die 4 überlappenden Bilder
zu einem einzigen Bild zusammenzufügen
- 1.500 Meter Kabel
Die Herausforderungen: Die Montage der 45 Kilogramm schweren Beamer rund 3,5 bzw. 7 Meter über den Sitzreihen im Parkett, sowie die Kühlung der Geräte, die rund 1.700 Watt aufnehmen. Die Schallschutzgehäuse sollen das Publikum vor lautem Gebläse bewahren.
Sven Ortel, der für die künstlerische Inszenierung der Videoprojektionen verantwortlich zeichnet, filmte an den Originalschauplätzen die Motive (Meereswelle, Feuer, Schloss etc.). Das Material wurde auf den Masterrechner überspielt, der das Bild auf 4 Hilfsrechner aufteilt. Die 4 projizierten Bilder ergeben auf der Bühne ein Gesamtbild. [Pressemeldung]
Martin Bruny am Freitag, den
29. September 2006 um 17:48 · gespeichert in Musical, Wien, Fotos

Am Donnerstag, dem 28. September 2006, feierte “Rebecca”, das neue Musical von Sylvester Levay und Michael Kunze, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Daphne du Maurier, im Wiener Raimund Theater seine Uraufführung. Die Story, eine Mischung aus Krimi und Love Story, spielt in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts in einem fashionablen Hotel an der Cà´te d’Azur und auf dem englischen Landsitz Manderley.
“Ich”, ein junges, unbedarftes Mädchen, das als Gesellschafterin der reichen Amerikanerin Mrs. van Hopper nach Monte Carlo kommt, verliebt sich in Maxim de Winter, einen verwitweten englischen Adelsspross. Schon nach kurzer Zeit heiraten die beiden und ziehen nach Manderley, de Winters prachtvollem Herrensitz, irgendwo an der Küste, weitab von jeglichem Ort. Der Personalstab auf Manderley wird von der gestrengen Haushälterin Mrs. Danvers dirigiert. Der neuen Mrs. de Winter verhält sie sich kühl und abweisend gegenüber. “Ich” ist kaum in der Lage, die neue Herrin auf Manderley abzugeben. Sie hat Angst. Angst, eine neue Rolle zu übernehmen, Angst, weil sie eine wertvolle Porzellanfigur zerbrochen und die Scherben heimlich im Schreibtisch versteckt hat, Angst, dass sie gegen den offenbar immer noch großen Einfluss von Rebecca keine Chance hat. Und schnell muss sie auch begreifen, dass Mrs. Danvers alles tun wird, um sie aus dem Haus zu vertreiben. Als ein Maskenball in Manderley stattfinden soll, rät ihr Mrs. Danvers, sich ein Kleid schneidern zu lassen, das dem auf einem Gemälde im Haus gleicht. Als de Winter seine Frau in diesem Kleid sieht, reagiert er aggressiv, denn es ist ausgerechnet jenes Kleid, das Rebecca auf ihrem letzten Maskenball getragen hat.
Alles scheint sich zu ändern, als das Boot, mit dem Rebecca ums Leben gekommen ist, eines Tages gefunden wird. In der verschlossenen Kajüte findet man eine Leiche: Rebecca. Erst jetzt beichtet Maxim seiner Frau, was damals wirklich geschehen ist …

Gebaut ist “Rebecca” nach allen Regeln der Kunst, sehr feinspinnig und sehr feinsinnig. Sylvester Levay hat das Spiel mit Leitmotiven in “Rebecca” auf hohem Level in Szene gesetzt. Rebecca ist zu dem Zeitpunkt, an dem die Handlung einsetzt, bereits tot. Sie dennoch auf die Bühne zu bringen, das ist die Kunst von Regisseurin Francesca Zambello, Komponist Sylvester Levay, Texter Michael Kunze, Set- und Effekt-Design (Peter J. Davison, Andrew Voller, Sven Ortel, Hendrik Maassen).
Wie erwacht “Rebecca” zum Leben? Nun, die ersten Szenen des Stücks führen uns nach Monte Carlo. Wir erleben Maxim de Winter mit seiner jungen Frau in einer Berglandschaft, auf Hochzeitsreise in Frankreich und Italien, bevor die Handlung nach Manderley verlegt wird. Das Herrenhaus Manderley sehen wir als Projektion von außen, auf die Bühne selbst gestellt wird die Halle von Manderley, die Bibliothek, das Morgenzimmer von Mrs. de Winter, eine Suite im Ostflügel … und Rebeccas Zimmer, ihr Reich. Rebecca zum Leben zu erwecken, das erfolgt in Stufen. Bereits das erste Solo von Mrs. Danvers, der Haushälterin, gibt das Motto vor. Mit “Sie ergibt sich nicht” ist Levay/Kunze eines der glänzenden Leitthemen des Stückes gelungen. Die Haushälterin beschwört die Kraft der toten Rebecca:
Orchideen sind ganz besondere Blumen,
manchmal sehen sie aus, als wären sie tot.
Aber irgendwann, ganz unerwartet,
blühen sie wieder weiß und dunkelrot.
Sie starb, sagt man und glaubt daran,
doch ich weiß es besser.
Sie ergibt sich nicht,
man besiegt sie nicht,
sie ist stark, der Macht des Todes unterliegt sie nicht.
Nein, man sieht sie nicht,
doch ich spür, sie ist hier und lebt noch,
sie hört uns, sie sieht uns.
Sie ergibt sich nicht.
Orchideeen waren ihre Lieblingsblumen,
rätselhaft wie sie und fremdartig schön,
und auch die verblühten und verdorrten ließ sie immer
hier am Fenster stehn,
sie starb, sagt man und liege im Grab,
doch ich weiß es besser.
Sie ergibt sich nicht,
man besiegt sie nicht,
sie ist stark, der Macht des Todes unterliegt sie nicht.
Nein, man sieht sie nicht,
doch ich spür, sie ist hier und lebt noch,
sie hört uns, sie sieht uns.
Sie klagt und spricht mit mir.
Kein Mann dieser Welt war ihr je genug,
sie war stolz und frei,
sie war selbstbewusst und klug.
Kein Mann konnte für sie je wichtig sein,
diese Art von Liebe gab ihr nichts.
Sie ergibt sich nicht,
man besiegt sie nicht,
sie ist stark, der Macht des Todes unterliegt sie nicht.
Nein, man sieht sie nicht,
doch ich spür, sie ist hier und lebt noch,
sie hört uns, sie sieht uns.
Sie ergibt sich nicht.
man besiegt sie nicht,
Sie ergibt sich nicht.
Sie ergibt sich nicht.
Dieses Thema der “untoten Rebecca” wird als Underscore in vielfältiger Weise im Laufe des Stücks eingesetzt, um allein schon durch die Musik im Zuschauer jene Gefühle auszulösen, die dabei helfen, das auf der Bühne Dargestellte rein gefühlsmäßig zu interpretieren. Neben der Musik arbeitet das Leading Team von “Rebecca” mit satter Farbsymbolik.
In der 9. Szene des ersten Aktes, “Rebeccas Zimmer”, ist es soweit: Rebecca wird zum Leben erweckt. Mrs. Danvers erzählt “Ich” von Rebecca. Sie öffnet die Tür zum Balkon, man hört das Rauschen der Brandung, Wind strömt ins Zimmer - das Bühnenbild, eine Szenerie aus meterhohen Vorhängen in Weiß, beginnt zu leben. Strahlend blaues Licht, das ab dieser Szene zum Farbsymbol für Rebecca wird, flutet die Bühne. Wenn sich dann das Zimmer von Rebecca dreht (2. Akt, 2. Szene “Rebecca Reprise”), “Ich” und Mrs Danvers den Balkon betreten, sich die Innenansicht von Rebeccas Zimmer in eine Außenansicht des Herrenhauses von Manderley wandelt und die Fassade buchstäblich lebendig wird, durch Projektionen und den Chor, der verborgen in den Ranken auftaucht, die auf den Mauern des Hauses wuchern, dann ist es eigentlich “Rebecca”, die mittels Licht und Technik lebt. Das ist ohne Zweifel die hohe Kunst des Set Designs, der Regie und der Orchestrierung, die da auf der Bühne abläuft.
Opulent, das ist das passende Wort für die Bühnenbauten von “Rebecca”, sei es nun die prachtvolle luxuriöse Lobby des Hotels in Monte Carlo, die atmosphärische Bibliothek des Herrenhauses von Manderley oder die gespenstische Szenerie des Bootshauses. Da spielen die Vereinigten Bühnen Wien in der absoluten Oberliga mit. Peter J. Davison, der für das Bühnenbild verantwortlich zeichnet, ist gemeinsam mit Sven Ortel (Video Design), Andrew Voller (Licht Design) und Hendrik Maassen (Sound Design) ein großer Wurf gelungen.
Neben dem Lebendigwerden des Hauses und damit von Rebecca stellt das Abfackeln des Herrenhauses von Manderley am Ende der Show aus der Sicht der Bühnentechnik einen letzten großen Höhepunkt dar. Auch hier wird, diesmal in noch stärkerem Ausmaß, das ausgeklügelte, spektakuläre Set Design wieder zum alles dominierenden Hauptdarsteller. Flammen, als Projektionen, in Form von Licht und als tatsächliches Feuer auf der Bühne, Soundeffekte und, obwohl in dieser Szene nur Beiwerk, Uwe Kröger - spektakulärer kann man man die Höllenfahrt von Mrs. Danvers und Manderley nicht umsetzen, und wie bei einem regelrechten Showstopper bricht das Publikum in frenetischen Applaus aus, wenn Manderley in Schutt und Asche versinkt.

Sylvester Levays ausgeklügeltes Spiel mit Leitmotiven zeigt sich idealtypisch in jener Szene, in der die neue Mrs. de Winter sich emanzipiert, die 6. Szene des 2. Akts. Im Morgenzimmer treffen Mrs. Danvers und die neue Mrs. de Winter aufeinander. Die neue Mrs. de Winter hat das Regiment auf Manderley übernommen. Alles, was an Rebecca erinnert, wird entfernt. Mrs. Danvers kann nicht glauben, was sie sieht und bietet der neuen Herrin anfangs trotzig Paroli - bis auch das letzte Symbol, das an Rebecca erinnert, krachend im Umzugskarton landet, der Armor, eine der Lieblingsfiguren der ehemaligen Herrin von Manderley. Ab diesem Zeitpunkt ist Mrs. Danvers in der Defensive. Ab diesem Zeitpunkt wird aus dem Duett “Mrs. de Winter bin ich” ein Quodlibet. “Ich” singt ihre Emanzipationshymne “Mrs. de Winter bin ich”, Mrs. Danvers singt dazu eine Reprise von “Sie ergibt sich nicht”, das Leitmotiv von Rebeccas Status auf Manderley. Diese Szene ist musikalisch gesehen eines der Glanzstücke des Kreativteams der Show, allen voran Sylvester Levay. Durch die Musik schafft er es, im Zuschauer sowohl Freude für die gewonnnene Selbstsicherheit der neuen Mrs. de Winter auszulösen, als auch Mitleid mit Mrs. Danvers, die in jenem Augenblick, als der Armor zerbricht, zum ersten Mal ihre Fassung verliert und ihr Selbstverständnis als die wahre vertretende Herrscherin auf Manderley zerbrochen sieht. Das ist Theaterkunst auf höchstem Niveau, ein Zusammenspiel von Darsteller, Musik, Text und Regie, in Szene gesetzt auf einer Bühne wie aus dem Phantasialand des Set Designs, wo alles erlaubt ist.
Sein Gespür für Leitmotivkunst beweist Levay auch in den Szenen mit Ben. Ben, hervorragend gespielt von Norberto Bertassi, ist ein geistig zurückgebliebener Mann, den Mrs. de Winter in der Bucht von Manderley in der Nähe des Bootshauses trifft. Er weiß über das wahre Schicksal von Mrs. de Winter Bescheid. Sein ihm eigenes Leitmotiv ist so lange Symbol der Bedrohung des Glücks von Maxim und “Ich”, bis sich die Handlung dreht und dem Glück von Maxim und seiner Frau nichts mehr im Wage steht, in diesem Augenblick spiegelt sich die Wende in der Handlung auch in der Musik und das zuvor so bedrohende Leitmotiv wird zur erlösenden orchestralen Hymne.
Ein wenig problematisch ist die “Inszenierung” so mancher Songs der Show. Zu sehr konzentriert sich Francesca Zambello auf die Inszenierung der Handlung, zu wenig auf die effektvolle Gestaltung von Showstoppern. Gerade “Rebecca” ist ein Reigen von erstaunlich vielen potentiellen Musicalklassikern, die vielleicht in den nächsten Jahren im Rahmen von Musicalkonzerten gerne gesungen werden. Fast jeder Song, abgesehen von einigen Ensemblenummern, hat das Zeug zum Showstopper, letztlich wurde hier aber auf allzu viele Einzeleffekte zugunsten einer zügigen Handungsführung verzichtet. Manch Melodie geht so einfach unter.
Wer seine Chance auf eine gut inszenierte Solonummer bekommt, nützt sie meistens. Carsten Lepper zum Beispiel: Als schmieriger, zynischer Jack Favell legt er mit “Eine Hand wäscht die andre Hand” eine broadwayreife Performance hin. Da stimmt jede Geste, da passt das Licht, das ist eine gut getimte, gut ausgeleuchtete Einzelszene, genau choreografiert. Lepper gehört in “seinem Moment” die Bühne.
Anders verhält es sich bei einer der musikalisch schönsten Nummern des Musicals, gesungen von Andrà© Bauer in der Rolle des Frank Crawley. “Ehrlichkeit und Vertrauen” verplätschert in knapp zwei Minuten auf der Bühne. Das ist nicht die Schuld Bauers, und auch nicht die Schuld des Komponisten, absolut kein Problem wäre es gewesen, hier mehr draus zu machen. Gut aufbereitet, adäquat in Szene gesetzt wäre das eine der stärksten Solonummern der ganzen Show. Doch der Song hat Zukunft, und vielleicht wird in einer der nächsten Inszenierungen mehr Augenmerk darauf gelegt.
Carin Filipcic darf als Mrs. van Hopper gleich zwei Showstopperchen ihr eigen nennen: “Du wirst niemals eine Lady” und “I’m An American Woman”. Freilich sind es eher Genrenummern, flotte teils chicagoesque Lieder, harmlos, vermutlich dazu gedacht, die Stimmung etwas aufzulockern. Was freilich durch das Talent Filipcics gelingt, aus meiner Sicht aber zum Teil übertrieben wird. Nehmen wir als Beispiel die Szene “Golfclub” mit dem Song “Wir sind britisch”. Das Lied fällt völlig aus dem Rahmen, hat absolut keine zwingende Aussage, trägt zum Handlungsfortgang nichts bei und führt den Begriff “DramaMusical”, den Michael Kunze geprägt hat, ad absurdum. Freilich liegt diese Wir-machen-jetzt-mal-auf-Spaß-Szene zwischen der aufwendigen 9. Szene “Rebeccas Zimmer” und der ebenfalls aufwendigen 11. Szene “Bootshaus”, und so dürfte es sich beim “Golfclub” um einen Pausenfüller handeln, der nötig ist, um den Bühnentechnikern genügend Zeit zu geben, die nächste Szene vorzubereiten. Das ist dann leider eine sehr schwache Idee gewesen. Die Spannung sinkt in den Keller. Leider muss man auch sagen, dass die reinen Dialogszenen nicht Kunzes Stärke sind. Sie kommen etwas holprig und aufgesetzt daher.
Kerstin Ibald mit ihrem Solo “Was ist nur los mit ihm?” und dem Duett “Die Stärke einer Frau” (gemeinsam mit Wietske van Tongeren) gibt die etwas gluckenhafte, sehr gefühlsbetonte und einfühlsame Beatrice souverän.

Wietske van Tongeren ist eine entzückende Mrs. de Winter. Sicher wäre es möglich, schauspielerisch noch ein wenig mehr aus der Rolle herauszuholen, aber Strahlkraft hat sie, und mit der zauberhaften Art, wie die Holländerin manche Wörter betont (immer schon ein Teil des Erfolgsrezepts der holländischen Musicalstars im deutschen Sprachraum), ihrer rehhaften Grazie und mit Wiens Leading Man des Herzens, Uwe Kröger, gemeinsam bietet sie eine überzeugende Rollengestaltung.
Uwe Kröger schließlich interpretiert Maxim de Winter äußerst bühnenwirksam. Genau das hat er in den letzten Jahren perfektioniert, unter anderem durch die Entwicklung von Soloprogrammen. Er kennt die Wirkung kleiner Gesten und ist, wie meistens, wenn er die Möglichkeit hat, ausreichend lange eine Figur einzustudieren, in Bestform. “Hilf mir durch die Nacht”, “Jenseits der Nacht” im Duett mit Wietske van Tongeren, seine Solonummern “Gott, warum?”, “Keiner hat sie durchschaut” - Kröger überzeugt und wird aufgrund seiner Popularität dafür sorgen, dass es wieder schwer wird, gute Plätze im Raimund Theater zu bekommen.
Der Star des Abends ist Susan Rigvava-Dumas. Nicht nur, dass sie die gefühlsgewaltigsten Songs hat, schafft sie es mit einem recht überschaubaren Repertoire an schauspielerischen Ausdrucksmitteln ein Maximum an Wirkung zu erzielen. “Sie ergibt sich nicht”, “Rebecca”, “Sie war gewohnt, geliebt zu werden”, “Nur ein Schritt”, “Mrs. de Winter bin ich” (Duett mit Wietske van Tongeren) - Dumas interpretiert ihre Nummern mit enormer Stimmgewalt und hat das Glück, dass alle ihre Songs aufs Bühnenwirksamste umgesetzt werden. Manchmal hat man das Gefühl, dass Dumas, würde man ihr freie Bahn lassen, Manderley auch allein mit der Wucht ihrer Stimme ins Nirwana donnern könnte. Sie hat Charisma und prägt durch die sie umgebende geheimnisvolle Aura Szenen selbst dann, wenn sie nur im Hintergrund zu sehen ist. Rigvava-Dumas ist eine geradezu idealtypische Mrs. Danvers und Wiens neue Leading Lady.
Mischt man sich in der Pause der Show und nach der Vorstellung unters Publikum, hört man immer wieder Sätze wie “Vieles hat mich an Elisabeth erinnert”. Ist das tatsächlich so? Sicher hat jeder Komponist seinen Stil, im besten Fall wird er zur Trademark, ist erkennbar, prägt einen neuen Stil, wird unverwechselbar. Inwiefern Sylvester Levay jenen Status hat, kann man schwer beurteilen, ob allerdings Songs aus “Rebecca” tatsächlich an “Elisabeth” erinnern, bezweifle ich sehr. Hier blitzt dann doch der Wunsch so mancher Fans auf, “Elisabeth 2″ serviert zu bekommen. Da wird in jede Geste, in jede Gefühlsregung hineininterpretiert, was das Zeug hält.
Nein, mich erinnert “Rebecca” nicht an “Elisabeth”. Aber selbst wenn man sich an “Elisabeth” erinnert fühlt, halte ich es für eine etwas merkwürdige Einstellung, das gegen den Komponisten zu verwenden. In der Popmusik kann einem Komponisten nichts Besseres passieren. Wenn man Songs aus der Feder eines Komponisten auf Anhieb erkennt und schätzt, hat er es geschafft. Ein Henry Mancini, Elton John, Stevie Wonder, etc. - sie alle sind zur Trademark geworden. Wenn man dennoch Vergleiche anstellen will, so halte ich “Rebecca” für die bessere Show.
Hier in Wien wird man uns in den nächsten Tagen vermutlich erklären, wie kitschig und mittelmäßig “Rebecca” ist. So ist das nunmal in Wien. Man kann es nur immer wieder wiederholen: Die Musicalkritik hat in diesem Land keine Tradition. In der Premiere sitzen einerseits Opernfetischisten und andererseits Grunge- und Rockfans - beides Gruppen, die selbstverständlich nichts mit dem Musicalgenre anzufangen wissen. Weder muss sich das Musicalgenre mit jenem der Oper messen, noch mit einem anderen. Musicals funktionieren nach eigenen Gesetzen und Regeln. Entweder man nimmt das Musicalgenre ernst und bewertet Musicals nach legitimen Kriterien oder man lässt es lieber ganz. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Musicals ist am ehesten noch am Broadway gegeben, wo zwar das Urteil noch schärfer und prägnanter sein kann, aber wenigstens inhaltlich begründet und meistens fundiert ist. Insofern meine ich, dass “Rebecca” einen ähnlichen Erfolgszug antreten wird wie “Elisabeth” und “Mozart!” und im Ausland dann jene Beurteilung erfährt, die dem Stück tatsächlich angemessen erscheint.
Martin Bruny am Sonntag, den
17. September 2006 um 20:54 · gespeichert in Musical, Wien

Noch bis 11. Oktober 2006 steht in “Vienna’s English Theatre” die Produktion “Billie Holiday - Tribute To A Blue Lady” auf dem Programm.
Carole Alston, die auch das Buch zur Show geschrieben hat, interpretiert zwölf ausgewählte Songs von Billie Holiday, begleitet von einer sechsköpfigen Band. Was wir erleben, kann man brechen in einen Monolog, in dem Alston als Billie Holiday in acht Szenen manchmal in zeitlicher Distanz von ihrer Jugend und ihren ersten Karriereschritten erzählt, manchmal zeitnah über ihre Probleme mit Drogen, Männern, ihrer offen gelebten Bisexualität, Rassismus und Depressionen berichtet - und in den gesanglichen Teil des Abends, in dem Alston die wesentlichen Tunes aus dem Holiday-Songbook interpretiert. Ganz im Stil der großen Performer agiert Alston stets im Vordergrund, die Band wird nur ab und an in den Mittelpunkt des Geschehens gezoomt.
Irgendwann in der Show kommt der Moment, in dem Carole Alston es schafft - ein Moment, da sie tatsächlich als Billie Holiday auf der Bühne steht, ein Augenblick, eine Stimmung, die, unterstützt vom Lichtdesign und der Band, tatsächlich diese Illusion ermöglicht. Nicht, dass Alston exakt so aussieht wie Billie Holiday oder genau so klingt wie die Holiday, aber ab einem gewissen Zeitpunkt in der Show schafft es Alston mit ihrer stilvollen und eleganten Performance, das Publikum auf Black & Blue einzutunen. Leute, die gerade einen stressigen Tag hinter sich haben, ältere Stammbesucher des Vienna’s English Theatre, Jazz-Fans, denen die Show als Geheimtipp ans Herz gelegt wurde, sie alle schwingen dann auf einer gemeinsamen Ebene. Man kann das durchaus spüren - und das ist mehr, als viele andere Theaterabende ermöglichen, das ist wesentlich mehr, als viele andere Darstellerinnen je erreichen.
Die Bühne, die mit sehr wenigen Requisiten (Schminktisch, Kleiderständer, Standmikro, Treppe, Barhocker) auskommt, wird durch Alstons Performance mal in einen verrauchten Nachtclub verwandelt, mal in den Backstage-Bereich, in dem die völlig den Drogen verfallene Holiday über ihr Leben erzählt.
Attitude, das ist das Motto des Abends. Holiday mag ein tragisches Ende gefunden haben, aber Mitleid war das letzte, was sie gewollt hätte, so Alston. Auf der Bühne war “Lady Day” unter anderem stets eine Performerin mit Attitude, die mit ihren Mitteln versuchte, gegen bestehendes Unrecht anzukämpfen (”Strange Fruit”). Das herauszuarbeiten, gelingt Alston unter der Regie von Cathy Meils in wunderbarer Art und Weise. Positiv hervorzuheben ist auch das Sounddesign, eine Mischung aus rein akustischer und mikrophonverstärkter Inszenierung, perfekt zum Konzept der Show passend.
“Billie Holiday - Tribute To A Blue Lady” - da stimmt einfach alles, von der Konzeption bis zur Umsetzung, ein Erlebnis in Black & Blue, das man nur allen ans Herz legen kann.
Billie Holiday - Tribute To A Blue Lady
written & performed by Carole Alston
Regie: Cathy Meils
Musikalische Leitung: Uli Datler
Arrangements: Martin Reiter
Licht: Ernst Peinlich
Sound: Bruno Gruber
Band:
Piano: Uli Datler (Clemens Wagler)
Bass: Bernd Satzinger (Raphael Preuschel)
Drums: Herbert Pirker (Michael Provatznig)
Trompete: Alexander Wladigeroff (Manfred Holzacker)
Saxophon & Klarinette: Sà¡ndà³r Rigà³ (Clemens Salesny)
Posaune: Martin Ptak (Robert Bachner)
Szenen/Songs:
01) Eleonora To Billie - The Start Of Something New
- “Travelin’ All Alone”,
- “Them There Eyes”
02) Harlem - Getting Some Fun Out Of Life
- “Getting Some Fun Out Of Life”-
- “What A Little Moonlight”
03) The “Little Black Bag Syndrome” - Wishing On The Moon
- “I Wished On The Moon”
04) Sadie And Me - God Bless The Child
- “God Bless The Child”
05) On Racism - What Did I Do To Be So Black An Blue?
- “Ain’t Nobody’s Business If I Do”
06) Looking For Love - Lover Man, Oh Where Can You Be?
- “Fine And Mellow”
- “All of Me”
- “Lover Man, Oh Where Can You Be?”
07) On Dope - Getting My Kicks
- “Good Morning Heartache”
08) Decline Of A Blue Lady - Please Don’t Talk About Me
- “Please Don’t Talk About Me When I’m Gone”
Martin Bruny am Samstag, den
16. September 2006 um 21:35 · gespeichert in Musical, Wien, Fotos

Am 28. September 2006 feiert “Rebecca”, das neue Musical von Sylvester Levay und Michael Kunze, seine Premiere im Wiener Raimund Theater. Mit der bestandenen Film- und Fotoprobe am 16. September 2006 gehen die Vorbereitungen für die Uraufführung in die Endrunde. Ab 20. September steigen die Previews, Karten für einige dieser begehrten und spannenden Voraufführungen sind für Musicalclub-Mitglieder nach wie vor zum halben Preis über Wien-Ticket oder an den üblichen Vorverkaufsstellen der Vereinigten Bühnen Wien erhältlich.
Bei der Film- und Fotoprobe wurden folgende Songs präsentiert:
1) “Ich hab geträumt von Manderley” (Wietske van Tongeren [Ich])
2) “Die neue Mrs. de Winter” (Ensemble)
3) “Hilf mir durch die Nacht” (Wietske van Tongeren [Ich], Uwe Kröger [Maxim de Winter])
4) “Gott, warum?” (Uwe Kröger [Maxim de Winter])
5) “Rebecca” (Wietske van Tongeren [Ich], Susan Rigvava-Dumas [Mrs. Danvers])

Rebecca - Leading Team
Musik und Orchestrierung: Sylvester Levay
Buch und Liedertexte: Michael Kunze
Inszenierung: Francesca Zambello
Choreographie: Denni Sayers
Musikalische Leitung: Caspar Richter
Musical Supervisor: Seann Alderking
Bühnenbild: Peter J. Davison
Kostüme: Birgit Hutter
Licht Design: Andrew Voller
Video Design: Sven Ortel
Sound Design: Hendrik Maassen
Es spielt das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien.
Dirigenten: Caspar Richter, Adrian Manz, Walter Lochmann und Michael Römer
Rebecca - Besetzung
“Ich”: Wietske van Tongeren
Maxim de Winter: Uwe Kröger
Mrs. Danvers: Susan Rigvava-Dumas
Jack Favell: Carsten Lepper
Mrs. van Hopper: Carin Filipcic
Beatrice: Kerstin Ibald
Frank Crawley: Andrà© Bauer
Ben: Noberto Bertassi
Oberst Julyan: Thomas Bayer
Giles: Marcel Meyer
Horridge: Kai Peterson
Frith: Andreas Kammerzelt
Robert: Oliver Mülich
Ensemble
Kathleen Bauer, Bettina Bogdany, Sigrid Brandstetter, Michaela Christl, Katharina Dorian, Nathalie Kleeberger, Claudie Reinhard, Jana Stelley, Joana Fee Würz, Andreas Kammerzelt, Robert D. Marx, Marcel Meyer, Oliver Mülich, Kai Peterson, Tim Reichwein, Henrik Sehnert, Christoph Sommersguter, Lucius Wolter
Swings
Matilda Hansson, Katrin Mersch, Tina Schöltzke, Simon Eichenberger, Noud Hell, Karsten Kammeier, Fritz Schmid
In weiteren Besetzungen
“Ich”: Jana Stelley, Joana Fee Würz
Maxim de Winter: Tim Reichwein, Lucius Wolter
Mrs. Danvers: Kerstin Ibald, Michaela Christl
Mrs. van Hopper: Katharina Dorian, Claudie Reinhard
Jack Favell: Kai Peterson, Tim Reichwein
Beatrice: Michaela Christl, Kathleen Bauer
Frank Crawley: Marcel Meyer, Andreas Kammerzelt
Ben: Fritz Schmid, Noud Hell
Martin Bruny am Montag, den
11. September 2006 um 21:40 · gespeichert in Wien
David Arnsperger von der Universität der Künste Berlin hat bei der diesjährigen WestLB Musical-Sommerakademie das Stipendium für die Royal Academy of Music in London gewonnen. Dies gab Dr. Norbert Emmerich, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der WestLB, im Rahmen der Musical-Sommernacht im Club des Düsseldorfer Capitol Theaters bekannt.
Neben dem überragenden David Arnsperger wollte die Jury aber zusätzlich die Fähigkeiten von Mark Seibert, Student des Konservatoriums Wien Privatuniversität, gewürdigt wissen. Daher entschied sich die Bank einen zweiten Preis auszuloben, den der 1979 geborene Seibert am Freitag in Empfang nehmen durfte: Auch er erhält die Möglichkeit, ein ganzes Trimester an der Royal Academy of Music in London zu studieren.
[Pressemeldung]
Martin Bruny am Montag, den
4. September 2006 um 21:46 · gespeichert in Musical, Wien, Event-Tipps

Zwischen allen Stühlen
Das Wiener Kabarett Simpl hat sich in den letzten Jahren mit seinen Produktionen zum interessanten Theatertummelplatz für Auch-Musicaldarsteller entwickelt. Am 7. September startet das Simpl mit der kabarettistischen Revue “Zwischen allen Stühlen” in die neue Saison. In der von Michael Niavarani und Albert Schmidleitner geschriebenen Revue sind auf der Bühne und im Kreativteam viele bekannte Namen zu finden.
Darsteller:
Sigrid Hauser, Angelika Niedetzky, Alexandra Schmid, Markus Mitterhuber, Bernhard Murg, Thomas Smolej, Herbert Steinböck und Thomas M. Strobl. Conference: Herbert Steinböck
Kreativteam:
Musikalische Leitung: Christian Frank
Choreografie: Cedric Lee Bradley
Bühnenbild: Markus Windberger und Petra Fibich
Kostüme: Gaby Rajtora
Regie: Dolores Schmidinger
“Zwischen allen Stühlen” ist ein Programm über falsche Wahlentscheidungen, verhaute Pisatests, 13 mal verheiratete Jungfrauen, über Ewiggestrige und immer Fortschrittliche, über 6 falsche Lottozahlen mit richtiger Zusatzzahl, über mieses Wetter am Traumstrand und andere Höhepunkte, denn es gibt nichts Richtiges im falschen Leben und nichts Falsches im richtigen Leben.

Krawutzi Kaputzi - Strengstes Jugendverbot
Ab 16. Oktober im Simpl zu sehen: Krawutzi Kaputzi - Strengstes Jugendverbot, ein Sozialdrama mit: Pezi, Minki, Großvati, Helmi, Drache Dagobert, Mimi, Habakuk, Kasperl, Tintifax, Zwerg Bumsti und vielen anderen Helden aus unserer Kindheit.
Eines Nachts schweißgebadet aus einem Alptraum erwacht: Was ist aus den Helden meiner Kindheit geworden? Was aus Pezi, dem Bären? Dem Großvati? Der Minki? Was ist aus Fips geworden und was aus Helmi? Wo ist der Drache Dagobert und wo der Kasperl höchstpersönlich? Hat Fortuna es gut gemeint mit ihnen? - Krawutzi Kaputzi!!
Einfach war es nicht, aber nach langen Recherchen ist es gelungen, sie alle aufzuspüren und zu einem einmaligen und sensationellen Bühnenauftritt im Kabarett Simpl zu bewegen. Manch einer hat sich geziert, andere haben nur auf die Gelegenheit gewartet.
Soviel sei verraten: Pezi hat sein Boku-Studium noch immer nicht abgeschlossen, umso mehr kennt er sich aus bei den Frauen. Großvati hat zwei Schlaganfälle hinter sich, und da er erst mit 60 begonnen hat für seine Pensionsversicherung einzuzahlen, steht er noch immer in seinem Geschäft. Minki, die graue Maus, ist die fescheste Katz von Meidling. Fips ist beruflich erfolgreich und schwul, aber niemand in seiner Umgebung weiß von dem einen noch von dem anderen.
Darsteller:
Susanne Altschul, Claudia Rohnefeld, Sigrid Spörk, Roman Frankl, Otto Jaus, Ronald Seboth und Roman Straka.
Kreativteam:
Puppenbau: Erika Reimer
Puppentraining: Bodo Schulte
Bühnenbild und Puppenentwurf: Markus Windberger und Petra Fibich
Musikalische Leitung: Erwin Bader
Buch und Musik: Johannes Glück
Regie: Werner Sobotka
Martin Bruny am Mittwoch, den
23. August 2006 um 22:46 · gespeichert in Musical, Wien, Tonträger
Am Mittwoch (23. August 2006) strahlt der TV-Sender ATV einen Bericht über die Studioaufnahme der englischsprachigen Vorab-Single für das neue Levay/Kunze-Musical “Rebecca” aus. Interpretiert wird das Lied von Disco-Queen Gloria Gaynor. Zu sehen ab 19:45 Uhr in Hi Society.
Martin Bruny am Sonntag, den
13. August 2006 um 22:56 · gespeichert in Musical, Wien, Tonträger

So wie bereits bei “Romeo & Julia” wird es auch für das Musical Rebecca vorab eine englischsprachige radiotaugliche Single geben, mit der die Vereinigten Bühnen Wien die neue Sylvester Levay/Michael Kunze-Show in die Charts pushen wollen. Interpretiert wird die Vorab-Single von der “Queen of Disco” Gloria Gaynor, die mit Hymnen wie “I will survive” oder “I am what I am” in die Musikgeschichte eingegangen ist.
Gloria Gaynor wird Ende August in einem New Yorker Studio “The Power of a Woman in Love”, die englische Version von “Die Stärke einer liebenden Frau”, aufnehmen.
Martin Bruny am Dienstag, den
8. August 2006 um 23:15 · gespeichert in Musical, Wien

Wenn Musicalstars Solokonzerte geben, kann man nie wissen. Einige meinen außerhalb ihres gewohnten künstlerischen Wirkungsfelds beweisen zu müssen, wie mies doch eigentlich Musicals sind, wie schlecht die letzte Show war, in der sie gespielt haben und wie viel lieber sie doch weiß der Geier was singen, sei es Jazz, Rock, Soul, Blues, Samba oder selbstgestrickte Liederware von der Stange, egal, nur bitte keine Musicals. Dann ruft ihr Agent an, und husch husch sieht man sie wieder in der jüngst erst verschmähten Rolle. Man mag sich fragen, wie sehr muss der/die Ärmste doch leiden, aber so ist das eben. Nun, über Musicals zieht Maya Hakvoort in ihrer Soloshow “Maya goes solo”, mit der sie derzeit durch Österreich und Deutschland tourt, keineswegs her, doch dann gibt es da diesen einen Moment - aber dazu später.
Die Musicals, in denen Maya Hakvoort in den letzten Jahren zu sehen war, sind die schlechtesten nicht: “Elisabeth”, “Jekyll & Hyde”, “Les Misà©rables”, “Die drei Musketiere”, “Chicago”, “Blutsbrüder”, “Aspects of love”, “There’s no Business like Showbusiness”, “Gaudi”, “Catherine” und “Evita”.
Am Silvestertag des Jahres 2004 startete die Künstlerin im Theater an der Wien ihre Solo-Karriere - eine Schiene, die sie seit der Derniere von “Elisabeth” Ende 2005 forciert. Mitte 2005 ist ein Livemitschnitt des Silvesterkonzerts im Theater an der Wien unter dem Titel “Maya goes solo” als CD erschienen.
Zoomen wir uns ins Wiener Theater Metropol, wir schreiben den 29. April 2006. Der Saal ist praktisch ausverkauft. Das Konzert beginnt mit einer Lautsprecherdurchsage: “Meine Damen und Herren, Ladies and Gentlemen, Mesdames et Messieurs, bitte begrüßen Sie mit mir Aaron Wonesch am Klavier und die wunnnderbaaare Maya Hakvoort.” Es ist die Stimme von Dennis Kozeluh, als “Konserve” - bei aller Liebe, wer lässt sich per Konserve als “wunderbar” ankündigen? Das ist ein stimmungsmäßiges No-no. Ich kann mir viele Intros vorstellen, aber per lobhudelnder Konserve?
“Maya goes solo” ist eine Art von Biographical. Die Künstlerin plaudert über einige Stationen in ihrem Leben, über ihre Familie, ihre Leidenschaften, dazwischen eingestreut interpretiert sie thematisch passende Lieder, beispielsweise widmet sie “Papa can you hear me” (”Yentl”; Michel Legrand/Alan & Marilyn Bergman) ihrem Vater. Maya Hakvoorts Stärke sind die Wohlfühlballaden, nicht die “Bigger than Life-Ballads” mit Mörderfinish, sondern Lieder, die zum Träumen einladen, Songs, die keiner extremen Vokalakrobatik bedürfen, die durch eine perfekte Symbiose von metaphernreichem Text, verträumter Musik, wohltuender Stimme und Piano (musikalischer Showbegleiter: der famose Aaron Wonesch am Klavier) strahlen, Songs wie beispielsweise Claire Hamills “You take me breath away”, eines der Highlights des Abends, oder “Sweet life/It’s a long way up” - Kompositionen von Barry Manilow, die er anlässlich seiner legendären Showserie “Barry Manilow Live On Broadway” als Medley aufgenommen hat - Lieder, die auf Mayas CD nicht zu hören sind, die man sich live dann doch nicht entgehen lassen sollte. Maya Hakvoorts Songauswahl an sich ist zum Teil tatsächlich wunderbar. Lieder von Jason Robert Brown (”Stars and the moon”) verzaubern immer, mit Burt Bacharach (”Wives and Lovers”) kann nicht viel schiefgehen, auch Jonathan Larsons “Seasons of love” oder Stephen Sondheims “Our time” sind perfekt für das Hakvoortsche Verzauberungspotential. Sehr schön ihr “Gold von den Sternen” (Levay/Kunze), weniger geglückt dann Versuche, mit brasilianischem Flair (Bossa-Nova-Medley) Schwung in die Bude zu bringen sowie Mördershowstopper wie “Don’t rain on my parade” oder “Defying Gravity” in das Haakvoortsche Interpretationspotential einzutunen. Aber die Künstlerin hat für diese Songs und auch beispielsweise für jazzige Titel eine Leidenschaft, und so ist es letztendlich durchaus interessant, ihre Versionen dieser Songs mal zu hören.
Es gibt einen Moment, ganz spät in der Show, schon im Zugabenteil, da singt der Musicalstar doch noch jenes Lied, das, ob sie es will oder nicht, ihr Lebenslied ist: “Ich gehör nur mir”. Es ist ein Zauber, der von der Kombination Lied/Interpretin ausgeht. Wenn “die Hakvoort” “Ich gehör nur mir” singt, dann klickt es. Ihre Fans geraten außer Rand und Band, sind kaum mehr zu bändigen. Fast hat man jedoch den Eindruck, Hakvoort ist nur mehr eine Kaiserin wider Willen. Im Mittelteil des Songs persifliert sie die schauspielerische Leistung, mit der sie dem Instrumentalteil vor dem Finish so viel an Intensität verliehen hat. Denn seien wir uns ehrlich, Maya Hakvoort punktete nie mit einem grandiosen Schlusston, wie etwa Pia Douwes, bei ihr war es die Gesamtperformance von “Ich gehör nur mir”, die immer stimmig, intensiv und berührend war. In ihrer Soloshow nun macht sie sich darüber lustig: “Da lieg ich dann am Boden, und weine. Und alle denken: wie dramatisch, wie dramatisch. Das brauch ich alles nicht mehr machen, weil ich gar keine Flügel mehr hab” - zwei, drei Lacher, kippt die Stimmung? Nein, auf die Fans ist Verlass, ein gutes Finish und der Saal tobt wieder. Ein Lied wie “Ich gehör nur mir”, das Publikum und Künstler aufs Engste aneinander bindet, per Persiflage abzumurksen, das hat auch Tradition unter Musicalstars, ich erinnere an Bruno Grassini und Thomas Borchert. Es ist aber ein Zeichen großer Entertainer, dem Publikum das zu geben, was es mit den “Hits” verbindet, vielleicht wird auch Maya Hakvoort das einmal noch stärker berücksichtigen. Mit “Ich gehör nur mir” hat sie einen Song an der Hand, den man so leicht als Trademark verwenden könnte. Instrumental beispielsweise als Auftritts- und Abgangslied, ohne auf peinliche Konserven zurückgreifen zu müssen, während der Show als unvergessliches Highlight. Es hilft nichts, dieses Lied nicht zu singen oder stimmungsmäßig zu meucheln, genausowenig wie ein Barry Manilow “I write the songs” seinem Publikum vorenthalten würde, egal, ob er es nun zum 100.000. Mal oder 200.000. Mal singt.
“Maya goes solo” ist, bei aller Kritik, eine unterhaltsame Show des sympathischen “Elisabeth”-Stars, mit vielen Highlights. Und wer weiß, vielleicht wird sie ihre Schatten los und schafft es demnächst wieder “Ich gehör nur mir” so zu singen, dass man den Song auch tatsächlich genießen kann.
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