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Archiv - Musical

Nein, es ist keine Wiederaufnahme, Herr Struppeck

Dieser Tage war Christian Struppeck, zurzeit noch Intendant der Vereinigten Bühnen Wien, zu Gast in der TV-Sendung »Cafà© Puls«. Es ging eigentlich um »Evita«, doch am Ende kündigte er die »Wiederaufnahme« von »Ich war noch niemals in New York« an. Und genau das ist die Produktion, die demnächst im Raimund Theater zu sehen sein wird, eben nicht. Um Markus Spiegel zu zitieren: Diese Produktion wird »nichts anderes als ein Tournee-Import des deutschen Veranstalters Stage Entertainment – mit Musik vom Band« (Zitat: Markus Spiegel). Eine Wiederaufnahme würde bedeuten, dass exakt die gleiche Produktion wie vor vier Jahren eben wieder aufgenommen wird. Das scheint nicht der Fall zu sein.
Zum Puls 4-Video geht’s –> hier.

Slamming the critics

Dieser Tage hatte Jacqueline Braun, eine Musicaldarstellerin, die ich persönlich sehr schätze, in Bristol Premiere mit einer Tourproduktion des Musicals »Mamma Mia!« (die Show gastiert auch in Manchester und Edinburgh). Auf Facebook postete sie eine Kritik, die der Produktion die allerbesten Noten ausstellt (–> hier nachzulesen).
Als Reaktion auf dieses Posting kam von einem Facebook-User eine Meldung ungefähr folgenden Inhalts: »Musicalkritiken können also auch nett und gut sein und am Punkt. Etwas, was Wiener Kritiker auch mal überlegen könnten.«
Okay. Nehmen wir mal an, jemand wollte diese Tourproduktion mit einer Produktion der VBW vergleichen … Stopp. Und da endet auch schon jeder sinnvolle Versuch, das zu tun. Denn an Produktionen der VBW muss man andere Maßstäbe anlegen als an eine englische Tourproduktion.
Eines der wertvollsten Assets der VBW ist das Orchester. Gut, schauen wir uns mal an, was die »Bristol Post« zum Orchester … Nein, gibt es nicht. In Ordnung, also zur Band schreibt: nada. Nichts. Da steht: »The music is simply fabulous.« Und das hat nichts mit der Qualität der Band zu tun, zumindest meiner Interpretation nach, sondern einzig und allein mit ABBA.
Das ist also eine gute, ausgewogene Kritik? Wissen Sie, könnte man da antworten. So schreibt man natürlich gerne über Stadttheater-Produktionen, die handwerklich prima gemacht sind, mit Darstellern, die überzeugen. Da spricht dann auch nichts dagegen, dass eben eine Band, von mir aus auch in kleiner Bandversion, die Musik liefert und jede Menge Musik vom Band kommt. Aber wenn die VBW mit ihren Millionensubventionen »Mamma Mia!« machen, dann erwarte ich mir einen Flash. Und nicht Erklärungen, dass man eine bestimmte Version spielen musste, mit der kleinsten oder zweitkleinsten Besetzung. Dann erwarte ich mir nicht einen dermaßen hohen Playbackanteil. Ich erwarte mir vor allem nicht ausgerechnet von den VBW Produktionen, die längst zum Stadttheater-Repertoire gehören.
In einem der vielen Musicalforen habe ich unlängst gelesen: »Ja, wie haben sie denn begonnen, die VBW, gab’s denn da Eigenproduktionen?« Nein, am Anfang lag die Leistung der Intendanz Peter Weck auf anderen Gebieten, aber er hat eine Entwicklung in Richtung Eigenproduktionen eingeleitet. Da war das Ziel klar, in der Umsetzung gab es Erfolge und Misserfolge, aber immer Mut. Und Mut vermisse ich derzeit. Mit Ausnahmen.

Die Musicalhasser mal wieder …

Nichts ist schrecklicher in der superbunten Musicalwelt, als wenn jemand mal Wahres sagt. Mit der Wahrheit ist es in diesem Genre nicht so gut bestellt. Zu viel Politik und Business geigen da hinter den Kulissen, als dass man als Konsument auch nur annähernd die Wahrheit erfährt. Beispiele? Nicht nur blöd herumreden? Okay.

Also. Beispiel Ronacher. Und formulieren wir es als Fragen, auf die ich gerne Antworten hätte. Gut. Ist es richtig, dass sich im Zuschauerraum des Ronacher mehrere Überwachungskameras befinden? Wie viele sind es? Wo genau stehen sie? Wird mit diesen Kameras aufgezeichnet? Werden die Streams gespeichert? Wer sieht diese? Wer hat entschieden, Überwachungssysteme im Ronacher zu installieren? Was haben sie gekostet? Laufen die Kameras auch bei Mitarbeiterversammlungen mit?

Beispiel Ronacher. Ist es richtig, dass Billeteure vor ein paar Wochen auf ein billigeres Gehaltsschema umgestellt wurden? Wie viel bekommen Billeteure nun pro Stunde, wie viel davor? Ist es richtig, dass die Volksoper nun viel mehr bezahlt? Wer hat das entschieden?

Beispiel Raimund Theater. Wer hat entschieden, dass »Ich war noch niemals in New York« wieder auf den Spielplan kommt? Was waren die Gründe? War die Entscheidung umstritten? Wer war dagegen, und warum? Wer war dafür, und warum?

Beispiel Raimund Theater, Silvester. Wie viele Streicher waren im Orchester?

Ein heikles Thema hat dieser Tage auch Sänger und Moderator Gunther Emmerich auf welt.de thematisiert. Er meinte, an Musicalschulen werde nach einem bestimmten Schema ausgebildet, und es kämen verwechselbare Künstler heraus, nichts Außergewöhnliches. Natürlich mag das etwas übertrieben sein. Und doch ist es völlig richtig. Wie viel Prozent der Absolventen von Musicalschulen sind denn nach fünf Jahren noch regelmäßig im Business beschäftigt? Wie viele sind fünf Minuten nach dem Abschluss wieder hauptberuflich als Finanzberater, Fitnesscoachs, Fashionisters oder in anderen Jobs tätig? Wie viele bieten sich, noch bevor sie auch nur eine relevante Rolle bekommen haben, als Lehrer an? Spricht man mit Leitern von Musicalschulen, so wird nicht selten der Aspekt betont, dass eine Musicalausbildung als Teil der Persönlichkeitsentwicklung betrachtet werden muss. Völlig richtig. Erkennt jemand, dass sein Talent doch woanders liegt, dann ist das eben so. Freilich. Man könnte auch andere Auswahlkriterien anlegen. Man könnte mit Sicherheit einen Teil der angehenden Pizzaverkäufer mit Musicalausbildung minimieren. Sicher nicht alle. Doch hier kommt wieder der Aspekt der Wahrheit ins Spiel. Gehen wir lieber nicht drauf ein.

Noch interessanter wird es, wenn Musicalsänger eine Meldung wie jene Emmerichs als Basis für eine »We fight back«-Initiative hernehmen, weil sie angesichts des schlechten Rufs des Musicalbusiness im deutschsprachigen Raum, und nur hier, völlig frustriert sind. Niemand behauptet etwa, dass Musicalsänger generell schlechte Schauspieler sind. Aber sehr viele von ihnen. Oft werden gerade die eher mäßig Talentierten von triebgesteuerten Minderjährigen in den Musicalhimmel gehpyt, weil sie im Theater ihres Vertrauens offensichtlich zum ersten Mal einen halbnackten Mann LIVE gesehen haben (der auch nach ganz passabel singt). Billiges Argument. Trotzdem. Kein guter Musicaldarsteller müsste Ablehnung im Business begegnen, wenn er sich nicht für Schrott hergeben würde. Und das ist der Punkt. Nicht »die anderen« sind schuld. Da ist das Musicalgenre im deutschsprachigen Raum schon selbst schuld. Wer so viel Schrott bietet, dem wird eben auch irgendwann imagemäßig die Rechnung präsentiert. Es gibt genug Theater, die tatsächlich Ansprüche an ihre Musicalproduktionen stellen. Suchen sie dann geeignete Musicaldarsteller aus dem Pool der Absolventen, spielt sich bei den Auditions Grausames ab, so hört man. Ist es da ein Wunder, wenn lieber auf Schauspieler, die auch singen können, zurückgegriffen wird. Das Reinhardt Seminar etwa bietet mitunter Musicalproduktionen, die um Welten interessanter sind als das mit Millionensubventionen hochgejazzte Musicalnichts, das die großen Theatertanker bisweilen in die Lust blasen.

PS: Man ist kein Musicalhasser, wenn man »Ich war noch niemals in New York« ablehnt. Im Gegenteil, man ist einer, wenn man diese Show mag.

Ein großer Tag für das Filmmusical-Genre

30 Millionen Dollar hat der FIFA-Film »United Passions« gekostet. Unter der Regie von Frederic Auburtin spielt Tim Roth unser alles Hero: Sepp Blatter. Letzte Woche ist der Streifen in den US-Kinos angelaufen. Und hat in seiner ersten Woche 918 Dollar eingespielt. In Worten: neunhundertundachtzehn. Prompt wurde das Kunstwerk aus den Kinos auch wieder abgezogen.

Gut für alle Filmmusical-Fans, denn damit ist »United Passions« in der Welt der Statistik ganz offiziell der Streifen mit dem niedrigsten Einspielergebnis aller Zeiten (in den USA). Und diesen Rekord hielt bisher das Vampir-Rockmusical »I Kissed a Vampire« (1380 Dollar).

»Das Phantom der Oper«, Stadthalle Wien, 2015

Seit vielen Jahren gastiert die Musiktheaterproduktion »Das Phantom der Oper«, und zwar die Version von Sasson/Sautter, in der Halle F der Wiener Stadthalle. Mag vor einigen Jahren vielleicht noch die kleine Chance bestanden haben, dass der eine oder andere Kartenkäufer der Meinung war, Andrew Lloyd Webbers Version des Stoffs geboten zu bekommen und nicht das, was ohnedies angekündigt war, nämlich eben die Version von Sasson/Sautter, ist es im Jahr 2015 einfach nur mehr albern, ein Ticket für ein Musical von Sasson/Sautter zu kaufen und eine andere Version, nämlich jene von Lloyd Webber, zu erwarten.
Wer heute nicht in der Lage ist, sich ausreichend zu informieren, kann sich natürlich dennoch an seine Kartenverkaufsstelle wenden, aber mehr als detailliert die Macher der Show anzugeben, können diese Stellen auch nicht machen.
Kurzum: Ich habe keine Lust mehr, alljährlich die beißenden Kommentare jener frustrierten Zuschauer zu fast zehn Jahre alten Postings von mir zu lesen. Daher sind sie dort gelandet, wo sie auch mittlerweile hingehören: im Datennirwana. Und ich gehe sogar so weit, diese Show zu empfehlen. Was ich in den letzten Jahren in den großen Musicaltempeln dieser Stadt gesehen habe … Na, wollen wir nicht weiter drauf eingehen.

Schöne Grüße von Peter Weck

»Da spielen teilweise Leute Hauptrollen, die hätten bei mir nicht einmal in der dritten Reihe getanzt.«

Das lässt Peter Weck via »Kurier« (Ausgabe vom 30. Dezember 2014) unter dem Motto »Peter Weck übers derzeitige Musical-Niveau« wissen. Casting ist halt keine Aufgabe für Präsidentinnen und Sekretärinnen. Aber wir hoffen auf 2015 und eine heilende Flurbereinigung.

Frank Wildhorn im Interview

Die Misserfolge am Broadway gehen ihm zweifelsohne nahe, aber seinen Enthusiasmus lässt sich Frank Wildhorn auch nicht von Flops rauben. Manchmal muss man eben dorthin gehen, wo man geliebt wird, sein Fazit. Und das ist scheinbar überall (vergessen wir mal Wien), außer am Broadway.

Open House Theatre Company: »A Christmas Carol«

Weihnachten, das ist die Zeit, die in Wien viele mit einem Besuch des Theaterstücks »A Christmas Carol« beginnen (oder auch beenden). Viele Jahre hatten die Wiener die Chance, Produktionen, basierend auf diesem Dickens-Klassiker, im »International Theatre« zu erleben, und zwar von 1985 bis 2011. Dann musste das Theater sperren. Auf die genauen Gründe, warum das Theater sperren musste, soll hier gar nicht eingegangen werden, und eigentlich hat das Theater ja auch sicher gar nicht zugesperrt, denn wenn ich mich nicht irre, hat Moniseur Mailath-Pokorny, Wiens Kulturstadtrat, im Rahmen der diesjährigen Nestroy-Verleihung doch glatt gesagt, dass während seiner Amtszeit kein Theater schließen musste. Gut, da haben wir alle bitter gelacht, aber wer auch immer einen Tipp hat, wo die neue Wirkungsstätte des nicht geschlossenen »International Theatre« sich nun befindet: einfach ne Mail schicken, danke.

Doch zum Glück haben wir Wiener seit 2012 ja die »Open House Theatre Company«, die die Tradition des »International Theatre« aufgegriffen hat und 2014 nun bereits ihre dritte Version des Stücks auf die Bühne stellt. Unter der Regie von Robert G. Neumayr in diesem Jahr auf der Bühne: James Sbano, Alan Burgon, Tom Middler, Nina Monschein, Klara Steinhauser und Julia C. Thorne. Gespielt wird in englischer Sprache, und das Ganze bringt garantiert mehr Weihnachtsstimmung als so mancher Kitschchristkindlmarkt incl. Turbopunsch. Gespielt wird im KIP, dem Theater im Cafà© Prückel, vom 4. bis 23. Dezember. Tickets sind bereits erhältlich, am einfachsten über die Website der Open House Theatre Company –> hier.

A Christmas Carol
von Charles Dickens
für die Bühne adaptiert von Robert G. Neumayr
(in englischer Sprache)

Es spielen:
James SBANO
Alan BURGON
Tom MIDDLER
Nina MONSCHEIN
Klara STEINHAUSER
Julia C. THORNE

Regie: Robert G. NEUMAYR
Bühnenbild: Eric LOMAS
Kostüme: Maria KREBS
Produktionsleitung: Paul ELSBACHER
Abendspielleitung: Gabriel GEBER

PREMIERE: Do. 4. Dezember 2014
(Beginn: 19.30 Uhr)

Weitere Vorstellungen:
5., 6., 8., 9., 10., 11., 12., 13., 15.,
16., 17., 18., 19., 20., 22., 23. Dezember 2014
(Mo.–Sa.,19.30 Uhr)

Nachmittagsvorstellungen:
13., 14., 20., 21. Dezember 2014
(Sa. & So.,16.00 Uhr)

KIP – Kunst im Prückel
A-1010 Wien; Biberstraße 2

Karten: € 22
Erm: € 20 (UN Org.,TEA) / € 17 (Senioren) / € 14 (Studenten)
Karten-Tel. 0680 225 12 90 (Mo–Fr von 10.00–14.00 Uhr)
E-Mail: tickets@openhousetheatre.at

Vorverkauf ab 8. Oktober 2014
Die Abendkasse öffnet an Spieltagen 1,5 Stunden vor Vorstellungsbeginn

Markus Olzinger & Caspar Richter bringen »Blutsbrüder« nach Gmunden

Im März 2014 gründeten Markus Olzinger (Initiator, Gesamtleitung) und Caspar Richter (Mitgründer, Musikalische Supervision) den Verein »Musical Frühling in Gmunden«, mit dem Ziel, künstlerisch hochwertige Musicalproduktionen im Rahmen alljährlich stattfindender Musicaltage im Stadttheater Gmunden zu realisieren.

Im März 2015 geht die erste Produktion über die Bühne: »Blutsbrüder«, mit Marika Lichter als Mrs. Lyons und Elisabeth Sikora als Mrs. Johnstone (die komplette Besetzung wird in den nächsten Wochen bekannt gegeben).

Nähere Infos –> hier.

Anne-Katrin Böhm: »Alltagswahnsinn – das Kabarettical«

bohm.jpgAm 15. November zeigt Musicaldarstellerin Anne-Katrin Böhm ihre Soloshow »Alltagswahnsinn« in der Wiener Theatercouch. Worum geht’s:

Wer kennt sie nicht, die ganz normalen Stolpersteine des täglichen Lebens, die einen immer wieder in den Wahnsinn treiben?
Nervenzusammenbrüche in der Küche, Bestechungsversuche des inneren Schweinehundes, der Wunsch, Mami manchmal einen Maulkorb zu verpassen oder in der vermeintlichen Traumwohnung endlich einmal ohne Ohropax einschlafen zu können …
Mit Schwung, Charme und Champagner stellt sich die sympathisch-chaotische Protagonistin ihrem ALLTAGSWAHNSINN.
Das Solostück vereint wahnwitzige Situationen mit einer schräg-bunten Mischung aus altbekannten Chansons, ohrwurmträchtigen Schlagern und schmissig-modernen Musicalmelodien. Ein Abend zum angeregten Schmunzeln, nostalgischen Schwelgen, lauthals Lachen und wissend Lächeln.

Buch: Anne-Katrin Böhm/ Edda Klepp
Es spielt: Anne-Katrin Böhm
Nähere Infos auf der Website zur Show –> hier.
Tickets über die Website der Theatercouch –> hier.

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