»Dear Evan Hansen«: »You will be found«
Die Frage ist: Wer bekommt die deutschsprachigen Aufführungsrechte?
Die Frage ist: Wer bekommt die deutschsprachigen Aufführungsrechte?
Was mich wundert. Die VBW betreiben auf Facebook mehrere Info-Sites. Für praktisch jede Produktion eine eigene. Dennoch bekommt man relevante Infos nur selten. Beispiel »Musical meets Opera 8«. Da ging das Ankündigungsposting des Vorverkaufsstarts mit der lakonischen Notiz online: Nur mehr Restkarten. Egal ob es dafür eine Erklärung gibt, sie ist nicht relevant.
Nun liest man online, allerdings nicht auf einer der Facebook-Sites der VBW, dass der Vorverkauf zu »Tanz der Vampire« und »I am from Austria« heute, am 31. Jänner um 14 Uhr startet. Ist es so wahnsinnig schwer, ein Facebook-Posting zu formulieren?
Links
- VBW-Facebook-Site zu »Tanz der Vampire«
- VBW: »Musicalvienna«
Man könnte vermuten, die beiden renommiertesten Wiener Musicalausbildungsanstalten, das Performing Center Austria und die Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, hätten in den letzten Jahren ihre Wirkung nach außen, was öffentliche Auftritte betrifft, krass zurückgefahren.
Was das Performing Center Austria betrifft, so habe ich schon lange keine große Eigenproduktion außerhalb der natürlich nach wie vor stattfindenden Abschluss- und Weihnachtsshows gesehen. Früher gab es tolle Produktionen etwa im KlubOst (»1070 Wien«), im Raimund Theater (»Finix«) oder (anfangs interessante, danach weniger gute) in der Wiener Stadthalle. Das scheint derzeit nicht stattzufinden – aber vielleicht habe ich es auch einfach nicht mitbekommen.
Was das Kons betrifft, ist seit der Ablöse Erhard Pauers nichts Wesentliches zu berichten. Die letzte Musicalproduktion gab es dort vor einem Jahr unter dem damaligen Leiter Werner Sobotka: »Verschlingt Raoul« – eine völlig missglückte Veranstaltung. Die traditionellen Shows des ersten Jahrgangs zu sehen, ist reines Glücksspiel und hängt meistens davon ab, ob man es irgendwie schafft, an die Information zu gelangen, wann diese stattfinden. Was von Jahr zu Jahr schwieriger wird.
Doch es gibt auf beiden Seiten erfreuliche Neuigkeiten. Das Performing Center Austria hat im aktuellen Abschlussjahrgang zumindest ein großes Talent aufzubieten: Paul Csitkovits. Er war bei der VBW-Produktion »Messiah Rocks« dabei, ebenso bei »Into the Woods« (Vienna’s English Theatre). Die diesjährige Abschlussshow des PCA, »Dernià¨re« lautet der Titel, ist am 28. Februar und am 3. März 2017 im Theater Akzent zu sehen (Infos siehe –> hier).
Die diesjährige Musicalproduktion des Kons, »Grimm!« (Zaufke/Lund), wird mit dem Theater der Jugend erarbeitet. Die Vorstellungen finden vom 15. bis 27. Februar im Wiener Renaissancetheater statt. Regie: Werner Sobotka (siehe Infos –> hier). Ein beide Ausbildungsinstitute verbindendes Element ist der musikalische Leiter der Show, Michael Schnack. Er war von 1994 bis 2010 künstlerischer Leiter der Performing Arts Studios Vienna und setzte in Wien entscheidende Impulse im Off-Musical-Bereich, unter anderem mit einer Serie von Produktionen an der Wiener Kammeroper, bevor sie zweckentfremdet wurde. Nun ist er also »bei der Konkurrenz« (als Studiengangsleiter »Musikalisches Unterhaltungstheater«). Und auch sonst scheint das Kons derzeit gut aufgestellt. Hauptrollen bei den VBW sind nicht selten von Kons-Absolventen abonniert. Das ist an sich positiv und spricht für ihr Niveau. Man muss eines aber dennoch bedenken: Seit Franz Patay Rektor des Kons und Geschäftsführer der VBW ist, wird man auf die Besetzungen genauer hinsehen. Zum Beispiel bei jener des angekündigten Fendrich-Musicals. Ein Abo auf Hauptrollen kann es nicht geben, aber wir werden uns nicht wundern, wenn es dennoch so ist.
APOSTELHOF
Das Wiener Theater im Rabenhof, ursprünglich eine Dependance des Theaters in der Josefstadt, ist dermaßen erfolgreich, dass es sich nun eine eigene Dependance geschaffen hat. Der ehemalige Probenraum und das Lager des Theaters im Rabenhof werden ab sofort bespielt – der neue »Apostelhof« bietet 50 Zuschauern Platz. Unter dem Label »Fringe@Rabenhof« läuft hier derzeit eine wilde Westernshow in drei Teilen. Mehr Infos –> hier
BRONSKI & GRÜNBERG
Das ehemalige International Theatre, ein Juwel, das unter unwürdigen Umständen geschlossen werden musste, wird neu eröffnet. Die Stadt Wien fördert, ein Zehn-Jahres-Plan steht, gespielt wird ganzjährig. 70 Plätze bietet das Theater, geleitet wird es von Kaja Dymnicki, Alexander Pschill, Julia Edtmeier und Salka Weber. Am 9. November geht’s los. Ein voller Spielplan steht auch schon: »Dracula«, »Gefährliche Liebschaften«, »Brave New World«, »Lolita«. Mehr Infos –> hier
OFFSTAGE
Der Theaterverein OFFstage, drei Jahre geleitet von Oliver Arno, wurde einem neuen Leitungsteam übergeben. Bad News. Mit »Tick, Tick … BOOM!« brachte der Verein unter Arno im Sommer 2016 die letzte Produktion an den Start, unter der Regie von Erhard Pauer spielte neben anderen Aris Sas und bewies auch hier wieder einmal, dass man als Musicaldarsteller nur dann glaubhaft bleibt, wenn man Rollen klug wählt. Für mich hat er in dieser Inszenierung neue, ungewohnte Facetten gezeigt. Es war eine jener Shows, die auch von der Regie her eine interessante Handschrift hatten und zumindest versuchten, klug in den Originalstoff einzugreifen.
Über diesen Verein unter der neuen Leitung wird hier nichts mehr zu lesen sein.
Am 20. Mai 2016 veröffentlicht HitSquad Records die erste Solo-CD des Musicalsängers Oedo Kuipers. Er spielte in der großartigen aktualisierten Version des VBW-Musicals »Mozart!« 2015/2016 die Titelrolle, und nach wie vor bin ich der Meinung, dass seine Leistung einerseits nicht verstanden und andererseits unterschätzt wurde. Die Hardcore-Fans wollten ihren Original-Mozart wiederauferstanden wissen auf der Bühne. Jede Abweichung interpretierten sie nicht als anderen Zugang, sondern als Fehler. Die Art und Weise, wie Kuipers Mozart spielte, wurde als »er ist halt noch nicht in der Rolle« bezeichnet, ohne zu bemerken, dass er die ganze Zeit in der Rolle war, auf seine Art. Es ist auch die Kunst eines Darstellers, in einem Stück, dessen Dialoge sagen wir mal nicht gerade auf hohem Level sind, wenigstens eine gewisse Atmosphäre zu vermitteln, durch sein Schauspiel in Schwingung mit der Musik zu gelangen. Man mag zur Musik von Levay stehen, wie man will, man mag sie als rhythmusbasiert, nicht gerade kompliziert gebaut bezeichnen, aber sie spricht durch ihre einfachen Melodien und im besten Fall durch ein bisschen raffinierter gebaute Arrangements Gefühle sehr effizient an. Und das konnte auch Kuipers durch sein Schauspiel.
Wie auch immer. Längst ist Mozart! wieder Geschichte. Da müsste man eigentlich schon wieder viel über die Umstände erzählen, die dazu führten, aber ersparen wird uns diese VBW-Interna.
Erfreulich ist, dass es wieder mal eine Solo-CD eines Musicalsängers gibt, den man ernstnehmen kann. Produzent Martin Böhm über das CD-Projekt: »Ziel war, für die heutige Zeit etwas Ungewöhnliches zu produzieren und zwar: Songs aus vollkommen unterschiedlichen Epochen und Stilen zu einem! konsistenten Hörerlebnis zu vereinen. Von Unchained Melody aus den 60ern bis Chandelier aus der Jetztzeit wird alles zu einer homogenen Klangwelt vereint.« Begleitet wird Kuipers von einem Sinfonieorchester der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien
Tracklist:
1 Wonderful
2 Broken Wings
3 Unchained Melody
4 Lady In Red
5 How Am I Supposed
6 Now And Forever
7 You Raise Me Up
8 Don‘t Dream It‘s Over
9 Say Something
10 1000 Years
11 Wind Beneath My Wings
12 Chandelier
13 Send In The Clowns
Titel: Cover art
Interpret: Oedo Kuipers
EAN: 9120006683708
Katalog: 668370
Packaging: CD Jewel Case
Label: HitSquad Records
VÖ: 20.05.2016
CREDITS (Foto): Hilde van Mas
Wer die Kunstform Musical mag und sich für eine zeitgemäße Variante dieses Genres interessiert, wird noch bis 1. Mai im Wiener MuseumsQuartier mit einem Hit bedient. Auf dem Programm steht die mit einem Pulitzerpreis und drei Tony Awards ausgezeichnete Show »Next to Normal«.
Erstmals in Österreich war eine Inszenierung dieses Musicals vor ein paar Jahren in Linz zu sehen. Und es war eine gute Show in Linz. Allerdings nicht mit dem zu vergleichen, was derzeit im MuseumsQuartier geboten wird. Einer der Gründe, warum die in Wien zu sehende Version so gut ist, ist die Besetzung. Linz hat ein Musicalensemble, aus dem heraus Darsteller bisweilen in Rollen gezwängt werden, die sie nicht packen. Ein Musicalensemble hat eben Vor- und Nachteile. Geschenkt. (Regie, Textbearbeitung waren im Vergleich zur in Wien zu sehenden … auch geschenkt.)
Felix Martin, in der Regie von Titus Hoffmann nun in Wien als Dan zu sehen, bietet dagegen in dieser Rolle so viele packend gespielte Momente, wie ich sie ihm nie zugetraut hätte. Er legt so viel Gefühl in seine Songs, dass es einen körperlich geradezu mitnimmt. Wie er mit Dirk Johnston (als Gabe) die Szene »I am the One (Reprise)« spielt, ist allein den Besuch dieser Show wert. Das kann Theater, das kann auch Musical. Wenn Musicaldarsteller spielen und nicht nur von einer Lichtstimmung in die nächste trampeln. Wenn sie von einem fähigen Regisseur geleitet werden. Pia Douwes gestaltet die bipolare Diana Goodman und ihre Wandlung mit einer Intensität und schauspielerischen Momenten, die man etwa in ihrer letzten Rolle in einer VBW-Produktion, »Der Besuch der alten Dame«, nicht feststellen konnte. Man darf nicht sagen, dass Douwes schlecht war als »alte Dame« (aber sie war schlecht). Die Show war grottenschlecht. Was da den Darstellern und Tänzern für Blödsinn abverlangt wurde, wird noch einmal in einer Musicalgeschichte ausführlich zu behandeln sein. Wenn ein Intendant (gleich welcher) die Musicals, die am Haus aufgeführt werden, auch selbst schreibt, frage ich mich: Wer ist die kritische Instanz, die die Qualität prüft. Und jetzt soll mir bitte niemand kommen und antworten: der Geschäftsführer. Wie Douwes in »Next to Normal« etwa die Abschiedsszene von ihrem Mann gestaltet, glaubhaft, der Tonfall, ganz stark.
Der Zuschauer wird übrigens auch nicht mit Choreografien bis aufs Blut gequält wie etwa beim »Besuch der alten Dame«. – Ich komm nicht los von der »Dame« … diese Show bereitet mir nach wie vor manch schlaflose Nacht, wenn ich mir überlege, wie ein Intendant es zulassen konnte, derartigen Nonsens Theaterwirklichkeit werden zu lassen. Eine derartige Regie. Darsteller mit eigenartigen Vorstellungen vom Beruf des Schauspielers. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ein Ensemblemitglied von »Der Besuch der alten Dame« bei einem Auftritt bei einer Gala auf seine Art geradezu vorexerziert hat, welche Vorstellungen von Schauspiel er hat. Gerade eben sitzt er mit seinen Kollegen noch gemütlich tratschend auf einer Couch. Nun ist er an der Reihe, ein Lied zu performen. Er stellt sein Sektglas aufs Tischchen, geht nach vor an den Bühnenrand, hockerlt sich auf den Boden – und flennt los. Vom Aperol Sprizz zum Abheulen in zwei Sekunden. Eher Pawlow denn Stanislawski.
Die Choreografien in »Next to Normal« passen. Sie sind enorm wirkungsvoll, elegant, etwa wenn Dirk Johnston sich in einer der letzten Szenen das Bühnenkonstrukt hinunter wieder in die Wirklichkeit seiner Eltern schwingt und zwingt. Gänsehautmomente.
Der Sound könnte knackiger sein. Lauter. Rockshow und so, aber die Band gibt Stoff, und gegen die Gegebenheiten einer Halle kann man nicht immer an. Immer noch besser als der Sound im Ronacher, wo man oft in einem muffigen Soundgatsch frustriert nur mehr an eines denkt: Nie mehr geb ich so viel Geld für so was aus.
»Next to Normal« ist das beste Musical, das derzeit in Wien läuft. Wer das verpasst, ist selbst schuld.
Infos gibt es –> hier.
Ende April (Premiere: 27. April) läuft das Musical »Next to Normal« im Wiener MuseumsQuartier. Außerordentliches Musiktheater neben dem Normalzustand. Wie kann man den beschreiben, diesen Normalzustand? So vielleicht: Disneyquak in der Wiener Stadthalle, Disneyquak im Ronacher, Matrosenschwachsinn im Ronacher, Disneyquak mit dem Personal des Disneyquak-Universums im Theater Akzent. Normalzustand eben. Viel näher der Hochschaubahn und dem Autodrom als an dem, was es so gern vorgibt, zu sein: Broadway. Bezeichnend, dass Wiener Musicalproducer wie Otto Normalo, der es einfach nicht besser gelernt hat und nicht bereit ist, dazuzulernen, simple Begriffe wie »Broadway-Musical« nicht richtig schreiben können. Sie schreiben »Broadway Musical«. Und ich frage mich. Was soll das? Ist das die subtile Art der Anbiederung? Die am Broadway schreiben ja auch »Broadway Musical«. Bindestriche, Rechtschreibung, Zeichensetzung, nicht wichtig. Ignoranten.
Nun gut, aber jetzt kommt tatsächlich mal ein »Broadway-Musical« nach Wien. Übrigens meine ich gelesen zu haben, dass in der Presse stand, es handle sich um die Österreich-Premiere. Ist es nicht. Es ist die Wien-Premiere – und die Österreich-Premiere dieser Produktion in dieser Übersetzung. Die Österreich-Premiere des Musicals an sich (in einer davon abweichenden Übersetzung) fand vor ein paar Jahren in Linz statt.
»Next to Normal« ist, abgesehen davon, dass es eine fabelhafte Show ist, für die Presse hierzulande, vor allem in der Besetzung, leicht thematisch aufzugreifen. Pia Douwes spielt Diana. Was für eine starke Rolle für eine Frau in einem Musical. Sicher. Und wieso sollte Pia Douwes nicht ganz dieses Klischee bedienen, ganz nach dem Motto: Die aktuelle Rolle ist immer die superste. Aber.
»Next to Normal« ist nur scheinbar ein Musical, das geeignet ist, »für die Sache der Frauen« instrumentalisiert zu werden, auch wenn das gerne vor allem in deutschen Blogs von Emanzen-Musicalfans gemacht wird. Wie kommt’s? Zuerst einmal: Das Kreativteam, das hinter der Broadway-Produktion stand, bestand nur aus Männern. Und.
»Next to Normal« bietet eine ausschließlich männliche Sicht auf weibliche Depression. Mann, wie der Mann leidet. Dieser tolle Dan. Diana mag die starke Rolle der Show sein, aber erzählt wird aus der Perspektive des Mannes. Ganz richtig merkt Grace Barnes in ihrem Buch »Her turn on Stage. The Role of Women in Musical Theatre« (2015) an: »A female lyricist would perhaps have led us to a deeper understanding of the sufferings of the female patient rather than focusing our attention on how her husband copes. A female doctor onstage may have alleviated some of my misgivings about two men discussing electric shock treatment for a woman, requiring her husband’s permission, without including her in the discussion. A great role should empower both the actress playing it and the women in the audience experiencing it. I’m not sure what is empowering by her weaknesses instead of her strengths.«
Was macht denn Diana krank? Der langweilige Ehemann, die nicht gerade kommunikative Tochter, ein Leben ohne Karriere? Warum vermisst sie Berge? Die Höhen und Tiefen des Lebens? Vielleicht, weil sie die gehabt hätte, wenn sie ihr Kind, das sie bekommen hat, während sie im College war, abtreiben lassen hätte? Sie vermisst ihr Leben, sie sagt es, und niemanden juckt’s. Alle arbeiten am Comeback der »guten Mutter«. Als sie endlich den faden Tropf Dan verlässt, was singt er da?
I am the one who loved you
I am the one who stayed
I am the one and you walked away
I am the one who waited
And now you act like you just don’t give a damn
Like you never knew who I am
Oh Mann, was für ein Märtyrer!
Dennoch, was für eine Show! Was für eine Wohltat. Nicht versäumen!
Nähere Infos unter: lskonzerte.at
RAPUNZELS LIED aus dem Liederzyklus ALLES MÄRCHEN
Musik: Michael Bellmann Text: Ralf Rühmeier
Gesang: Maike Katrin Merkel
Klavier: Michael Bellmann
aufgezeichnet am 11.1.2016 in THE BALLERY in Berlin bei dem Konzert
ALLES MÄRCHEN - in concert
Kamera: Silvie Firat, Marcus Müller-Witte, Ron Schneider
Noten verfügbar über Message an facebook.com/bellmannundruehmeier
Mehr Infos gibt es unter
alles-märchen.de
Dieser Tage war Christian Struppeck, zurzeit noch Intendant der Vereinigten Bühnen Wien, zu Gast in der TV-Sendung »Cafà© Puls«. Es ging eigentlich um »Evita«, doch am Ende kündigte er die »Wiederaufnahme« von »Ich war noch niemals in New York« an. Und genau das ist die Produktion, die demnächst im Raimund Theater zu sehen sein wird, eben nicht. Um Markus Spiegel zu zitieren: Diese Produktion wird »nichts anderes als ein Tournee-Import des deutschen Veranstalters Stage Entertainment – mit Musik vom Band« (Zitat: Markus Spiegel). Eine Wiederaufnahme würde bedeuten, dass exakt die gleiche Produktion wie vor vier Jahren eben wieder aufgenommen wird. Das scheint nicht der Fall zu sein.
Zum Puls 4-Video geht’s –> hier.
Dieser Tage hatte Jacqueline Braun, eine Musicaldarstellerin, die ich persönlich sehr schätze, in Bristol Premiere mit einer Tourproduktion des Musicals »Mamma Mia!« (die Show gastiert auch in Manchester und Edinburgh). Auf Facebook postete sie eine Kritik, die der Produktion die allerbesten Noten ausstellt (–> hier nachzulesen).
Als Reaktion auf dieses Posting kam von einem Facebook-User eine Meldung ungefähr folgenden Inhalts: »Musicalkritiken können also auch nett und gut sein und am Punkt. Etwas, was Wiener Kritiker auch mal überlegen könnten.«
Okay. Nehmen wir mal an, jemand wollte diese Tourproduktion mit einer Produktion der VBW vergleichen … Stopp. Und da endet auch schon jeder sinnvolle Versuch, das zu tun. Denn an Produktionen der VBW muss man andere Maßstäbe anlegen als an eine englische Tourproduktion.
Eines der wertvollsten Assets der VBW ist das Orchester. Gut, schauen wir uns mal an, was die »Bristol Post« zum Orchester … Nein, gibt es nicht. In Ordnung, also zur Band schreibt: nada. Nichts. Da steht: »The music is simply fabulous.« Und das hat nichts mit der Qualität der Band zu tun, zumindest meiner Interpretation nach, sondern einzig und allein mit ABBA.
Das ist also eine gute, ausgewogene Kritik? Wissen Sie, könnte man da antworten. So schreibt man natürlich gerne über Stadttheater-Produktionen, die handwerklich prima gemacht sind, mit Darstellern, die überzeugen. Da spricht dann auch nichts dagegen, dass eben eine Band, von mir aus auch in kleiner Bandversion, die Musik liefert und jede Menge Musik vom Band kommt. Aber wenn die VBW mit ihren Millionensubventionen »Mamma Mia!« machen, dann erwarte ich mir einen Flash. Und nicht Erklärungen, dass man eine bestimmte Version spielen musste, mit der kleinsten oder zweitkleinsten Besetzung. Dann erwarte ich mir nicht einen dermaßen hohen Playbackanteil. Ich erwarte mir vor allem nicht ausgerechnet von den VBW Produktionen, die längst zum Stadttheater-Repertoire gehören.
In einem der vielen Musicalforen habe ich unlängst gelesen: »Ja, wie haben sie denn begonnen, die VBW, gab’s denn da Eigenproduktionen?« Nein, am Anfang lag die Leistung der Intendanz Peter Weck auf anderen Gebieten, aber er hat eine Entwicklung in Richtung Eigenproduktionen eingeleitet. Da war das Ziel klar, in der Umsetzung gab es Erfolge und Misserfolge, aber immer Mut. Und Mut vermisse ich derzeit. Mit Ausnahmen.