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Archiv - News

Alexander Klaws: “Was willst du noch?”

Alexander Klaws’ größtes Problem ist gleichzeitig auch der Grund für seine bisherigen Erfolge: DSDS. Während sich dieses Castingformat beispielsweise in den USA unter dem Titel “American Idol” zu einer ernstzunehmenden Talenteshow entwickelt hat, firmiert DSDS in Deutschland als Dieter Bohlen-Talentwerkstatt. Solange die Gewinner Songs des Jurors interpretieren, können sie Erfolge einfahren, wenn sie sich gegen Songs von Bohlen entscheiden, ist es mit ihrer Karriere vorbei - oder aber sie startet eigentlich nie richtig durch.

Das musste auch Klaws zur Kenntnis nehmen. Seine ersten beiden CDs (”Take your Chance”, 2003, und “Here I Am”, 2004) erreichten jeweils Platz 1 in den deutschen Charts. Der von Bohlen produzierte Soundbrei verkaufte sich auch in Österreich (Platz 4 bzw. 24) und der Schweiz (Platz 11 bzw. 26). 2006 kam mit der dritten CD “Attention” der Absturz. In Deutschland erreichte der bohlenfreie Tonträger nur mehr Platz 20, in Österreich und der Schweiz keine Platzierung mehr.

2008 ging Klaws mit “Was willst du noch?” an den Start, erstmals mit deutschsprachigen Songs, und schaffte es bislang auf Platz 28 der deutschen Charts (keine Platzierungen in Österreich und der Schweiz). Die erste Singleauskopplung “Welt” floppte (Platz 65), am 11. Juli erhält Klaws mit “Sie liebt dich” noch eine Chance, seine Chartstauglichkeit zu demonstrieren und zu beweisen, dass es doch ein kreatives UND erfolgreiches Leben nach Bohlen als DSDS-Gewinner gibt.

Jenseits des Musikbusiness sind die Versuche des Sängers, beispielsweise im Musical, Fuß zu fassen, recht umstritten. Als “Alfred” in “Tanz der Vampire” musste er sich von der Kritik darstellerische und gesangliche Defizite bescheinigen lassen - dass Klaws überhaupt beim Musical landen konnte, ist freilich nur ein Symptom der Misere des deutschsprachigen Musicals an sich. Ab einem gewissen Zeitpunkt jagte man insbesondere in Deutschland bei Open-Run-Produktionen jegliche künstlerische Vorbehalte über Bord und gesellte sich zum kulturellen Trash. Man schickte die Künstler in Megashows wie “Wetten, dass …” und erniedigte sie, indem man sie zu Playbacks anderer Künstler singen ließ, man loggte sich in triefend dümmliche Volksmusiksendungen ein und holte sich dann den Kapitän volkstümlicher Dümmlichkeit als “Tod” ins Theater - all das duldeten nicht nur Produzenten, Komponisten und Autoren, sondern, und somit wurden all diese Publicitystunts im Nachhinein gerechtfertigt, auch das Publikum. Musical an sich wurde spätestens ab da auf einer gewissen Ebene Trash, und wer nicht schon immer der Meinung war, dass Musicals nur für Vollkoffer unterhaltend sind, der war es nach all den Silbereisens auf jeden Fall. Von “Mamma Mia!” ausgehend startete man dann in Sachen Klon-Factory durch. Auf “Ich war noch niemals in New York” folgt “Ich will Spaß”, dem Verlangen nach Dümmlichkeiten kommt man mit “Der Schuh des Manitou” entgegen. Bald wird man es auf diese Weise nicht mal mehr in Volksmusiksendungen schaffen.

Zurück zu Alexander Klaws, der scheinbar erkannt hat, dass er im Musicalbereich aufgrund seiner Limitierungen nicht berühmt werden wird und nun eine neue Karriere ansteuert: Für die Sat.1-Telenovela “Anna und die Liebe” steht er als “Lars Hauschke” in Berlin vor der Kamera, gemeinsam mit Schauspielern/Starlets wie Jeanette Biedermann, Heike Jonca oder Mathieu Carrià¨re - und ist damit imagemäßig am unteren Ende der Entertainmentpyramide angelangt. Vielleicht hat er im Hinterkopf, dass eine solche Telenovela auch eine Titelmelodei benötigt, und das, ja das wäre vielleicht wieder eine Chance, in die Charts zu kommen, oder zumindest auf einen Fixplatz in den Hörercharts von Radio Burgenland.

Dabei hat Klaws mit “Was willst du noch?” eine CD im Rennen, die etwas unter ihrem Wert geschlagen wird. Man kennt das ja: Plattenkritiken sind oft was Ärgerliches. Wovon soll der Rezensent auch ausgehen als von seinem persönlichen Interesse. Legendär, die “We Will Rock You”-Cast-CD-Kritik in der österreichischen Tageszeitung KURIER anlässlich der Wien-Premiere des Queen-Musicals - also Jahre nach der Veröffentlichung der CD. Und natürlich war die KURIER-Kritik vernichtend. Keine Frage, Musical, das geht gar nicht. Da kann man in anderen Rubriken des Blattes noch so viele Features schalten, am Plattenkritiker wirst du scheitern.

Klaws zeigt sich auf seiner CD als guter Studiosänger, es gibt eigentlich keinen Grund, warum er nicht mit etwas besserem Songmaterial auch wieder einen Hit haben sollte. Was ihm und seinem Team allerdings dabei eingefallen ist mit “Zu spät zu früh” einen Song von Lukas Permans erster Solo-CD zu covern, wird eines jener Rätsel bleiben, die wir gar nicht lösen wollen. Das Lied war, gesungen von Lukas Perman, ein ganz guter CD-Track, aber ohne wirkliches Hitpotential. Es gibt also eigentlich keinen Grund, ausgerechnet dieses Lied noch einmal, und leider wesentlich schlechter produziert und nervend eintönig arrangiert, einzuspielen. Gibt es wirklich so wenig gute Songwriter im deutschsprachigen Raum?

Auf “Was willst du noch?” hören wir einerseits eine Ansammlung von Lyrics, die keinen Moment packen. Metaphern bis zum Erbrechen, keine Poesie, Reime, die mit Gewalt in Zeilen gezwängt scheinen. Am Tiefpunkt kommen wir bei “Ich erinner’ mich” an - einem völlig sinnfreien Song, der ungefähr so gebaut ist: ” Nur keine Reue, wer ist programmiert auf ewige Treue. Wir sind doch nie für immer monogam, denn unsere Herzen sind nicht so zahm […] Sie ist’ ne Tramperin schon immer und ewig. Und ich erinner mich so gern an dich, mein Herz ist frei - dein Herz ist frei - viel zu groß für nur zwei.” Das sind Texte, wie man sie in den 80ern von deutschen Schlagerschnulzern gewohnt war, insofern Retro-Nonsens schlimmster Art, Baukastengeschreibsel ohne Seele.

Was diese CD andererseits beweist, ist die stimmliche Ausdrucksarmut von Alexander Klaws. Mag sein, dass es gewollt war, dieselbe leicht melancholische Grundstimmung ein ganzes Album lang zu transportieren, viel eher aber könnte man glauben, dass der Sänger einfach derzeit nicht mehr drauf hat. Die Trübsinnigkeit beginnt spätestens nach dem dritten Lied zu irritieren, da packt nichts nachhaltig, Klaws berührt fast nie.

Und dann ist da doch ein Lied wie “Vor dir”, das zeigen könnte, was aus diesem Album hätte werden können. Es sind nicht unbedingt die Lyrics, die den Song interessant machen - aber wenn man aus dieser CD überhaupt ein Lied auskoppelt, der Song hätte es sein müssen. Und noch ein zweites Lied ist gelungen: “Schönes Leben” - ein wenig Rhythmus im langweiligen Tal der Trübsinnigkeit, auch “Es wird immer Liebe sein” ist von Melodie und Groove her nett, allerdings textmäßig nicht wirklich tragbar (”Du sagst, ich könnt jetzt gehen, du würdest mich verstehen, doch ich seh in dir die Titanic untergehen” - wie bitte?) - letztlich ist das alles jedoch leider zu wenig. Schade, aber vielleicht wird’s was mit der Telenovela-Titelmelodei.

Schloss Wolkersdorf: Martin Berger & Freunde

14. August 2008
20:30bis22:30

Eine etwas andere Musical-Nacht mit Martin Berger und Freunden
(Kultursommer Schloss Wolkersdorf)

Wie schon der Titel vermuten lässt, erwartet das Publikum kein Musical-Potpourri der Marke 08/15, sondern eine einmalige Best-of-Musical-Show, die von vier Künstlern auf die Bühne gebracht wird, die eine innige, zum Teil auch langjährige Freundschaft verbindet.

Das Quartett um den Weinviertler Martin Berger bringt nicht nur die größten Hits jener Musical-Produktionen, bei der sie selbst rund um den ganzen Erdball mitgewirkt haben, sondern auch einen eigenen Showblock der Marke “Rat-Pack”, bei dem den legendären Entertainern rund um Frank Sinatra, Sammy Davis Jr. und Dean Martin Tribut gezollt wird.

Termin: 14.8.
Beginn: 20.30 Uhr
Eintritt: € 22
Tickets: oeticket.com

Metropol Wien: Ein Abend mit der »Schule für Dichtung«

26. Juni 2008
20:00bis22:00

viva la poesà­a!« - gedichte, performances, videoclips. Eine Leistungsschau der Wiener Poetenschmiede. Gezeigt werden Videos, die H.C. Artmann, Wolfgang Bauer, Falco, Gerhard Rühm, Anne Waldman, Allen Ginsberg, Nick Cave beim Unterricht zeigen.

Live auf der Bühne: Studenten präsentieren Ergebnisse aus den aktuellen Klassen. Die Schule für Dichtung (Direktion: Christian Ide Hintze) wurde 1991 in Wien gegründet. Sie bietet Klassen im Spannungsfeld eigene Sprache / fremde Sprache, sowohl im analogen Bereich als auch via internet: www.sfd.at

Stargäste: Julian Schutting und Peter Rosei

Karten:
Preis: 12 € freie Platzwahl
Wiener Metropol
Hernalser Hauptstr. 55
Tel.: 407 77 407
www.wiener-metropol.at

Metropol Wien: Dreiländermatch - Grand Slam of Poetry

24. Juni 2008
20:30bis22:30

Ein Poetry Slam ist ein abwechslungsreiches, interaktives Wettlesen um die Gunst des Publikums. Das performte Wort steht im Vordergrund. Der Grand Slam of Poetry lädt 12 slamerprobte Literatenaus Deutschland, Österreich und der Schweiz zum freundschaftlichen Dreiländertextmatch ins Wiener Metropol.

Die Pause und Afterparty wird von Rayl Patzak, Organisator und Moderator des dienstältesten Poetry Slams Deutschlands und PJ (= DJ unterwegs in Sachen Poetry), bestritten.

Moderation: Diana Köhle & Mieze Medusa

Karten:
Preis des Finales: € 10,-
Metropol
Hernalser Hauptstr. 55
Tel.: 407 77 407
www.wiener-metropol.at

Metropol Wien: Nicole Beutler und die Wiener Theatermusiker

18. Juni 2008
20:00bis22:00

Doppelte Premiere im Wiener Metropol: Die frankophile Schauspielerin Nicole Beutler, bekannt von Film, Fernsehen und Bühne, debütiert im Rahmen des »Festivals der Poesie« als Chanson-Sängerin; die Wiener Theatermusiker begleiten erstmals einen anderen Künstler als Michael Heltau, den Doyen des Burgtheaters, großen Chansonier und Mentor dieses Programmes. Premiere ist am 18. Juni um 20 Uhr. Zweite Vorstellung: 25. Juni.

Nicole Beutler singt an diesen Abenden fast ausschließlich in deutscher Sprache: »Ich möchte dem Publikum die Poesie dieser Texte und die Geschichten der Lieder nahe bringen«, sagt sie.

Zu hören ist ein Brückenschlag Wien - Paris, von Greta Keller bis Juliette Greco: Endlich wieder gehobene und neu polierte Schätze, Rückblicke und Einblicke, die viel über Nicole Beutlers Persönlichkeit und die zahlreichen Gesichter einer Frau verraten. In einer erstklassigen, feinen Besetzung der vor zehn Jahren gegründeten Theatermusiker, die in Wien längst ihre Fangemeinde haben: Tscho Theissing (Arrangements und Geige), Otmar Binder (Klavier), Maria Reiter (Akkordeon) und Herbert Mayr (Kontrabass). Beutler: »Es ist ein Vergnügen, mit diesen Musikern zusammenzuarbeiten.«

Mit diesem Programm begibt sie sich künstlerisch in ein völlig neues Genre: »Ich habe das Chanson schon als Kind geliebt. Mich jetzt damit als Frau auf die Bühne zu stellen, ohne eine Theaterrolle zu spielen, ist eine wunderschöne Herausforderung.«

Kartenpreise:
Kat 1: € 25,- nummeriert / Cercle & Rang
Kat 2: € 23,- nummeriert / Seitenränge
Kat 3: € 19,- freie Platzwahl / Parkett

USA: “South Pacific” stürmt Billboards Cast Album Charts / Mit “Passing Strange” ins digitale Cast-Album-Zeitalter

Passing StrangeImage via WikipediaDie 2008 Cast-CD des Rodgers & Hammerstein-Musicals “South Pacific” steht derzeit an der Spitze der Billboard Cast Album Charts, auf Nummer 59 der Top 200 Charts und auf Nummer 2 der Internet Sales Charts.

Das sieht beeindruckend aus, allerdings in tatsächlichen Absatzzahlen ausgedrückt bedeutet das: 9700 Einheiten (digital oder als Silberscheibe) des Tonträgers wurden in seiner ersten Woche im Verkauf abgesetzt.

Auf Rang 5 der Cast Album Charts: “A Catered Affair” mit 1500 verkauften Einheiten. Die Cast-CD von “Passing Strange” konnte 1250 Mal abgesetzt werden.

“Passing Strange” wird im Übrigen als jene “Cast-CD” in die Geschichte eingehen, die ein rein digitales Debüt gab. Um besonders schnell die große Nachfrage befriedigen zu können, die nach einem Mitschnitt dieser Show aufgrund diverser Nominierungen (unter anderem 7 Tony-Awards-Nominierungen) für verschiedene Musical-Preise besteht, brachte das Label Sh-K-Boom eine Liveaufnahme via iTunes Anfang Juni auf den Markt. Der physische Datenträger inklusive Booklet wird erst am 15. Juli 2008 in den Läden stehen.

Die Top Cast Albums der Woche
01 South Pacific (2008)
02 Jersey Boys
03 Wicked
04 Mamma Mia!
05 A Catered Affair
06 Passing Strange
07 The Little Mermaid
08 Legally Blonde
09 Spring Awakening
10 The Lion King
11. Avenue Q
12. Young Frankenstein
13. The Phantom of the Opera: Highlights
14. Monty Python’s Spamalot
15. Mary Poppins

Zemanta Pixie

Arena Wien: Sigur Ros (Open Air)

8. Juli 2008
21:20bis23:20

Arena Wien: Sigur Ros, 8. Juli 2008
Supports
THE KISSAWAY TRAIL (dk) - 19.20h
YEASAYER (us) - 20.10h
Beginnzeit »Sigur Rà³s«: 21.20h

Kaum eine andere Band der letzten Jahre schaffte es, so unmittelbare und wahrhaftige Kinomusik für den Kopf zu formulieren und aufzunehmen. Und wer Sigur Ros je live gesehen hat, kennt die großen Momente ihrer Konzerte, wenn Melodien und Lärm, Licht und visuelle Effekte ein einmaliges Ganzes ergeben. So dürfen wir uns auch am 8. Juli wieder einen wahren Augen- und Ohrenschmaus erwarten.
Die Band Sigur Ros besteht seit 1994. Als das englische Label »Fat Cat«auf sie aufmerksam wurde und 1999/2000 zuerst ihre Single »Svefn-G-Englar« und danach das Album »Agaetis Byrjun« ausserhalb von Island zu vertreiben begann, verbreitete sich die Kunde dieser besonderen Band, die teilweise in einer Fantasiesprache namens »hopeländisch« singt, sehr rasch. Gemeinsam mit Bands wie Mogwai oder Tortoise sind Sigur Ros die Aushängeschilder des Post Rock.
Ein neues Studioalbum darf für Frühsommer 2008 erwartet werden!
www.sigur-ros.co.uk

www.myspace.com/psi2

Tickets
Karten gibts bei wienXtra-Jugendinfo (01/1799 und www.wienxtra.at), österreichweit bei allen Ö-Ticket Vertriebstellen (www.oeticket.com) und von Mo-Fr 11.00h-17.00h im Arena Büro (01 7988595).

Jazzfest Wien: Helen Schneider in der Wiener Staatsoper

Photos by Mayk Azzato AZZATO PHOTO DESIGN, www.azzato.comEines der Highlights des diesjährigen Jazzfest Wien wird, neben dem Auftritt von Curtis Stigers in der Wiener Kammeroper (8. Juli 2008), mit Sicherheit das Konzert von Helen Schneider, das am 3. Juli 2008 im Doppelpack mit Sinead O’Connor in der Wiener Staatsoper stattfindet.

In den achtziger Jahren startete Helen Schneider, die bis dahin als Rocksängerin Erfolge feierte, eine neue Karriere. Der Intendant des Theater des Westens in Berlin, Helmut Baumann, besetzte sie als Sally Bowles in “Cabaret”. An der Seite von Hildegard Knef als Fräulein Schneider wurde die Inszenierung zu einer der herausragenden in der jüngeren Geschichte des Hauses - und für Helen Schneider begann die Zeit als Musicaldarstellerin (»Sunset Boulevard« (1995-1998), “Evita” (1999-2001)) und als Interpretin der Songs von Kurt Weill, Stephen Sondheim u. v. a. 2007 veröffentlichte Schneider ihre CD “Like a Woman”, mit der sie an ihr Schaffen der siebziger Jahre anknüpft: Pop und Rock.

Kabarett Simpl: Kein schöner Land

Copyright: Kabarett Simpl Foto: Kössler/Knott
So schrill Kabarett oft ist, das wirkliche Leben kann sogar die überzogenste Lachnummer manchmal toppen. Nehmen wir nur die aktuelle Revue des Kabarett Simpl “Kein schöner Land”, die noch bis 9. Juni 2008 zu sehen ist. Da erleben wir Österreichs Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky, wie sie leibt, lebt und Kondome verteilt, gnadenlos kabarettistisch verulkt von Bernhard Murg. Wer unlängst das exekutierende ÖVP-Mitglied in der ORF Nachrichtensendung Zeit im Bild erlebt hat, wie “es” sich buchstäblich aufgepudelt hat, angesichts der Proteste der Ärzte über die anstehende “Gesundheitsreform”, die unter anderem zum Ziel hat, Ärzte zu entmündigen und die Apotheker Medikamente für die Patienten bestimmen zu lassen, der hat ja im Prinzip schon Kabarett pur gesehen. Wie die werte Ministerin ihren Body voll Empörung in aufgebrachter Pose leicht streckt, den Kopf nach hinten wirft, die Arme ein wenig unkoordiniert seitlich und nach hinten wirft, ein symbolisiertes langgezogenes nonverbales JETZT SCHEIIIISSTS EUCH DO NED SO AAAAAN in die Kamera und den Ärzten zumimt, da braucht man nicht mehr viel karikieren, das ist bereits bestens vorgelegtes Kabarett. Die Realität der Gesundheitsministerin kabarettistisch toppen zu wollen, würde bedeuten, eine Art Dagoberthausen zu entwerfen, und ja, im Prinzip haben die Macher des Simpl-Programms “Kein schöner Land” genau das gemacht. Österreich als Dagoberthausen Europas. Da wird über den Ausverkauf Österreichs an russische Magnaten geulkt, über das marode Gesundheitssystem, über Auswüchse der modernen Technologie und das sinnentleerte Dasein des Militärs, über die Schule einst und jetzt, All-inclusive-Urlaube und vieles mehr - alles unter dem Motto: aber schön hammas schon hier.

Copyright: Kabarett Simpl Foto: Kössler/Knott

Die Gags bei “Kein schöner Land” sind, wie vom Simpl der “Neuzeit” erwartet wird, manchmal sehr deftig, was die Wahl des Vokabulars betrifft, und das natürlich gewollt und gut ausgearbeitet. Was für Michael Niavarani und Albert Schmidleitner zählt, ist laut lachendes Publikum. Das allerdings war schon immer so im Simpl. Die Schmunzler sind die Feinde der guten Performance. Wer laut lacht, wird Teil der Show, wenn der ganze Saal wie aus einer Kehle lacht, dann, und nur dann ist es für die Kabarettmacher ein perfekter Abend. Manche der Darsteller gehen dafür laut lachend über Leichen, natürlich nur bildlich gesprochen. Es gibt sehr wohl Tricks, ein lahmarschiges Publikum aus der Reserve zu holen, wenn man beispielsweise aus der Bühnenrolle heraustritt und Texthänger simuliert. (Nein, natürlich macht man so etwas niemals nie.) Auf der einen Seite lacht das Publikum gerne über solche “Hoppalas”, Schadenfreude ist die schönste Freude, auf der anderen Seite kann man als Kabarettist diese Taktik gezielt einsetzen, um Lacher abzustauben. Motto: Jeder Lacher zählt, selbst wenn nicht über das gelacht wird, was man eigentlich darstellen wollte.

Das Schöne am Simpl ist bei gelungenen Sketches das perfekte Timing und die hohe Taktrate der Gags, Tak - Tak - Tak, im Stakkato, auf ganz unterschiedlichem Niveau. Manchmal gehts einfach auch nur darum, im ärgsten Slang derbste Vokabel zu zermatschen, und damit das zu machen, was so viele in ähnlichen Situationen machen wollen, sich aber nicht trauen - völlig auszurasten. Musterbeispiel dafür ist einer der herrlichsten Sketche des Abends: “Ein neues Telefon”, in dem Bernhard Murg einen verdrossenen Handybesitzer gibt, der voller mühsam zurückgehaltenen Aggressionen “ein Vierteltelefon” im Handyshop ordert. Pointe folgt auf Pointe, bis das Ganze ins Abstruse driftet und der Mann, der einfach ein Telefon zum Telefonieren will, mit Wählscheibe, ohne Funktion zum Anklopfen, ein Wurschtsemmerl bei der Handytussi bestellt, aber OHNE GURKERL.

Das, was beispielsweise für “Forbidden Ronacher” angekündigt wurde, nämlich Gag auf Gag auf Gag, Wuchteln im Sekundentakt, das gabs zwar bei der Produktion der Vereinigten Bühnen Wien im Museumsquartier nicht, dafür hat Regisseur Werner Sobotka, der dem Simpl von Kindheit an engverbunden ist, bei “Kein schöner Land” gute Arbeit geleistet. Schon mit sechs Jahren hat Sobotka seine erste Doppelconfà©rence geschrieben, gedacht wäre sie für Gerhard Bronner und Peter Wehle gewesen. Durch seinen Vater Kurt Sobotka bekam er mit neun Jahren seinen ersten Kontakt ins Simpl. Sobotka:

Schon damals war klar, dass ich etwas in der Richtung mache. Mir zumindest. Von da an war ich jedes Jahr bei der Premiere, weil mich das so fasziniert hat.

Im Simpl unter der Regie Sobotkas und der Leitung von Michael Niavarani ist die Darstellerriege im Vergleich zur letzten Intendanz (Martin Flossmann) erheblich verjüngt worden, und auch die Anforderungen sind andere geworden. Praktisch alle Darsteller haben neben einer Schauspiel- auch eine Gesangs- und Tanzausbildung. Das wiederum ist die Voraussetzung für ein sehr abwechslungsreiches Programm, das von Cedric Lee Bradley choreographiert wurde. Die musikalischen Einlagen haben bei “Kein schöner Land” allerdings eher die Funktion von Nummerngirls, die die Pause zur nächsten Gagparade überbrücken. Das ist zwar ein bisserl schade, bietet aber doch ein wenig Abwechslung. Neben Bernhard Murg auf der Bühne: Angelika Niedetzky, Alexandra Schmid, Christoph Fälbl, Ciro de Luca, Thomas Smolej und Thomas M. Strobl, ein durch die Bank spielfrohes Ensemble, mit einer Produktion, die man sich schnell noch ansehen sollte.

KEIN SCHÖNER LAND
Eine kabarettistische Revue von Michael Niavarani und Albert Schmidleitner

mit: Angelika Niedetzky, Alexandra Schmid, Christoph Fälbl, Ciro de Luca, Bernhard Murg, Thomas Smolej und Thomas M. Strobl.

Conference: Ciro de Luca
Musikalische Leitung: Christian Frank
Choreographie: Cedric Lee Bradley
Bühnenbild: Markus Windberger
Kostüme: Gaby Rajtora
Regie: Werner Sobotka

Matt Duke: “Rabbit”

Die Sonne scheint, die Temperaturen steigen auf über 30 Grad, die Marktschreier in den Radiojournalen schlagen Purzelbäume vor lauter Pseudofreude über das ach so tolle Wetter.

Matt Duke, ein amerikanischer Singer/Songwriter, liefert da für all jene etwas, denen dieses Wetter sowas von sonstwo vorbeigeht. Musik zum Entspannen für die lauen und kühleren kommenden Sommerabende, oder wie es ein Kollege formuliert hat, für alle, die gerade im “market of love” sind.

Every sentiment hangs around
No longer than a minute or two
I find I keep falling for love
But I can’t seem to follow it through

So run, little rabbit, run

I leave one good hand on the wheel
Been counting mile markers for days
Everything falls further behind
I can disappear in several ways

So run, little rabbit, run

Sleep through the morning
Don’t wake me up
Sleep through the morning
One little man to one mighty sun

Try to break away from yourself
Throw your broken bones in a heap
All your blood and guts are exposed
Your spirit has been begging to leave

Mehr von Matt Duke gibt es auf seiner MySpace-Site –> hier

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