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Archiv - News

Serkan Kaya als Siegfried in “Der Ring - Das Musical”

Am 16. Dezember 2007 geht im Theater Bonn die Uraufführung von “Der Ring - Das Musical” über die Bühne. Frank Nimsgern und Daniel Call haben die Show als Auftragswerk für das Theater Bonn geschrieben. Erzählt wird:

… die große Geschichte von Aufstieg, Blüte und Verfall, von Wiedergeburt im Untergang: »Das Ende ist immer auch ein Neubeginn!« Zwerge, Menschen, Götter entbrennen im Kampf um den Ring und die Macht, die er verspricht. Alberich raubt den Rheintöchtern den Ring, verliert ihn aber wieder an die riesen Fasolt und Fafner, doch auch bei ihnen bleibt er nicht ewig. Der Ring wandert von Mensch zu Mensch, von Gottheit zu Gottheit. Mit sich bringt er Zerstörung, Korruption, Verrat und Leid. Doch alle wollen ihn, den Ring, sind verzaubert, besessen. Und jeder Kampf um die Macht wird von einer großen Liebesgeschichte begleitet. In diesem Fall begegnen sich Siegfried und Brunhild. Wird ihre Liebe stärker sein als die Macht des Ringes?

Der deutsche Musicalkomponist Frank Nimsgern wurde durch seine Shows “Hexen”, “Poe” und “Snowhite” bekannt. Daniel Call gehört zu den erfolgreichsten und produktivsten deutschen Theaterschreibern seiner Generation. In der Spielzeit 1996/97 startete er als Newcomer mit gleich drei Uraufführungen am Düsseldorfer Schauspielhaus, am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und am Theater Dortmund.
Für “Der Ring” wurden einige bekannte Musicaldarsteller verpflichtet:

Cast

Brunhild: Aino Laos
Alberich: Darius Merstein-McLeod
Wotan: Karim Khawatmi
Siegfried: Serkan Kaya
Tänzerinnen und Tänzer des Choreographischen Theaters Johann Kresnik

Leading Team
Inszenierung: Christian von Götz
Bühne: Heinz Hauser
Kostüme: Gabriele Jaenecke

Vorstellungstermine
21. Dezember 2007, 28. Dezember 2007, 9. Januar 2008, 24. Januar 2008, 26. Januar 2008, 2. Februar 2008, 3. Februar 2008, 10. Februar 2008, 4. März 2008, 6. März 2008

Idina Menzel - Defying Gravity remixed

Gemeinsam mit Glen Ballard arbeitet Idina Menzel derzeit an ihrer neuen Solo-CD, die im Herbst 2007 erscheinen soll. Ballard arbeitete unter anderem als Produzent und Musiker für Barbra Streisand, Paula Abdul und Michael Jackson.
Um die Wartezeit bis zum Erscheinen der CD zu verkürzen, hat Menzel ein grausliches Techno-Remix von “Defying Gravity” auf den Markt geschmissen, das bei iTunes erhältlich ist. Schon interessanter ist eine andere Remix-Version von “Defying Gravity”, die man sich auf idina.com anhören kann.

“Forfel, Ach und Krokodeil” - Musicalpremiere auf Burg Forchtenstein

Vom 30. Juni bis 29. Juli 2007 steht die im nördlichen Burgenland gelegene Burg Forchtenstein ganz im Zeichen des Kinder- und Familienkulturfestivals “Burg Forchtenstein Fantastisch”. Das diesjährige Programm bietet beispielsweise eine “Ritter- und Ritterinnenprüfung”, ein Puppentheaterstück und die Premiere eines Musicals mit dem Titel “Forfel, Ach und Krokodeil”.

Forfel, Ach und Krokodeil
Leading-Team

Text: Jutta Treiber
Musik: Gerhard Krammer
Inszenierung: Angelika Messner
Choreografie: Julia Hechenblaikner
Kostüme: Eszter Kovasznay
Bühnenbildentwurf: Rolf Langenfass

Cast
Nina Weiß: Forfel - die listige Burgmaus
Marius Schiener: Ach - das ängstliche Gespenst
Thorsten Kugler: Krokodeil, Prinz Ali, Ritter
Nicole Lankmayer: Prinzessin Koketta
Maria Mucha: Prinzessin Rosetta
Jürgen Kapaun: Ritter, Königin
Rainer Spechtl: König

Vorstellungen
Premiere: Samstag, 30. Juni 2007, 11:00 Uhr
Vorstellungen an den Veranstaltungstagen von BURG FORCHTENSTEIN FANTASTISCH jeweils um 11:00 Uhr / 13:00 Uhr / 15:00 Uhr; Bei Bedarf wird eine Zusatzvorstellung um 16:30 Uhr angeboten.

Stadttheater Baden: Musicalpläne 2007/08

Am 14. Mai 2007 gab das Stadttheater Baden unter anderem einen kleinen Ausblick auf kommende Musicalproduktionen des Hauses.

Unter dem Titel “Theaterplatz Summerstage” geht Ende Juli ein dreitägiges Open-Air-Festival über die Bühne mit Konzerten von Konstantin Wecker (28. Juli), Wolfgang Ambros (29. Juli) und einer konzertanten Aufführung von Andrew LLoyd Webbers Rockoper “Jesus Christ Superstar” (30. Juli) mit Darstellern aus den Musicalproduktionen “Les Misà©rables” und “Evita”.

Am 7. Juli findet die Premiere der musikalischen Komödie “Irma la Douce” statt. Das Werk von Alexandre Breffort (Text) und Marguerite Monnot wird in der deutschen Fassung von Ivo Kohorte (Liedtexte Hanns Bernhardt) gezeigt.

Leading Team
Musikalische Leitung: Oliver Ostermann
Inszenierung: Alexandra Frankmann-Koepp
Bühnenbild und Kostüme: Markus Windberger
Choreographie: Bohdana Szivacz

Cast
Patricia Nessy, Michael Duregger, Joachim Feichtinger, Robert Kolar, Franz Josef Koepp, Klaus Ofczarek, Martin Niedermair, Matthias S. Raupach, Markus Schöttl, Stephan Wapenhans, Erwin Windegger

Der Winterspielplan 2007/08 bringt eine Wiederaufnahme des Andrew Lloyd Webber-Musicals “Evita” sowie eine Andrew Lloyd Webber-Gala.

Die Wiener Kammerspiele als Operettenhochburg mit Musicalstars

Als “Kammermusical” möchte Viktor Gernot gerne die Produktion der Ralph Benatzky-Operette “Im Weißen Rössl” rezipiert wissen, die im Februar 2008 in den Wiener Kammerspielen ihre Premiere feiern wird. Operette bleibt Operette, würd ich mal sagen. Gegen eine gute Operette ist ja an und für sich nichts zu sagen. In der Wiener Volksoper läuft zur Zeit Kurt Weills Operette “Der Kuhhandel”, und das sollte man sich nicht entgehen lassen. Eine Operette in den Kammerspielen ist mal was Neues. Leading-Team und Cast setzen sich zu einem Großteil aus Musical-Profis zusammen. Viel kann da nicht schiefgehen.

Leading-Team
Regie: Werner Sobotka
Bühnenbild: Hans Kudlich
Kostüme: Elisabeth Gressel
Musikalische Leitung: Christian Frank
Choreografie: Ramesh Nair

Cast
Josepha Vogelhuber, Wirtin zum »Weißen Rössl«: Eva Maria Marold
Leopold Brandmeyer, Zahlkellner: Viktor Gernot
Wilhelm Giesecke, Trikotagenfabrikant: Toni Slama
Ottilie, seine Tochter: Caroline Vasicek
Dr. Otto Siedler, Rechtsanwalt: Boris Eder
Sigismund Sülzheimer: Martin Niedermair
Professor Dr. Hinzelmann: Christian Futterknecht
Klärchen, seine Tochter: Ruth Brauer-Kvam
Der Kaiser Franz Joseph II.: Kurt Sobotka
Der Piccolo: Joe Ellersdorfer
Kathi Weghalter, Briefträgerin und Präsidentin des Jungfrauenvereins: Martina Moharitsch

Drama League Awards 2007 - die Gewinner

Am 11. Mai wurden die Gewinner der Drama League Awards 2007 bekannt gegeben. Die Liste der Preisträger liest sich wie folgt:

Distinguished Production of a Play
The Coast of Utopia

Distinguished Production of a Musical
Spring Awakening

Distinguished Production of a Revival—Play
Journey’s End

Distinguished Production of a Revival—Musical

Company

Distinguished Performance Award
Liev Schreiber, Talk Radio

Distinguished Achievement in Musical Theatre Award
John Kander & Fred Ebb

Julia Hansen Award for Excellence in Directing
Michael Mayer (Spring Awakening)

Unique Contribution to the Theatre Award
Broadway Cares/Equity Fights AIDS

Wien: Massive Ticketpreiserhöhungen bei “We Will Rock You” im Raimund Theater

Es gab mal eine Zeit, da war es für Musical-Hardcorefans noch leistbar, fast jeden Tag ins Theater zu gehen - wird es vielleicht bald mal heißen. Zumindest, was das Raimund Theater betrifft. So manch Musicalfan leistete sich hunderte Vorstellungen seiner Lieblingsshow. Einer der Gründe: Stehplätze gab es in den Theatern der Vereinigten Bühnen Wien um wohlfeile 2,5 Euro.
2008 zieht die Queen-Show “We Will Rock You” ins Raimund Theater ein - und ein anderer Wind. Es gibt bei den Tickets Preissteigerungen um bis zu 500 Prozent. So kostet ein Stehplatz nun nicht mehr 2,5, sondern 15 Euro.
Sollen wir es gleich das Barbra-Streisand-Syndrom nennen, das hier bei den Kalkulationen mitgespielt haben könnte? Barbra treibt es natürlich etwas weiter, sie nimmt gleich 125 Euro für Plätze, auf denen man maximal die Live-Übertragung ihrer Show auf Vidiwalls erkennen kann.
Mir persönlich ist es ja gleich, Stehplatz ist nicht mein Ding. Man sieht im 2. Rang schlecht, die Luft ist schlecht. 2,5 Euro, ja, da kann man notfalls damit leben. 15 Euro ist gleichzusetzen mit einem Sperren der Stehplätze, denn sie sind das Geld nicht mehr wert. Das gleiche gilt für Sitze mit eingeschränkter Sicht. Hier steigt der Preis um 100 Prozent von 10 Euro auf 20 Euro. 10 Euro sind Sitze mit eingeschränkter Sicht wert, immer mit dem Risiko verbunden, dass man, wenn man Pech hat, auch tatsächlich fast gar nichts sieht. 20 Euro sind diese Plätze nicht wert. Insgesamt ist die massive Preiserhöhungspolitik deutlich im Billigpreissegment angesiedelt und widerspricht allem, was in den vergangenen Jahrzehnten in Wien von der Politik im Kulturbereich verwirklicht wurde. Aber vielleicht hat es ja auch ein Gutes, und die jungen Leute gehen wieder verstärkt in die Burg, in die Volksoper oder ins Volkstheater - zu Preisen, die sich nicht an Verhältnissen orientieren, die es in Wien nicht gibt.

Die Preise im Überblick (in Euro, Mo-Do):
Kategorie Preis alt/neu
Gelb 72 / 78
Blau 67 / 72
Rot 59 / 60
Orange 45 / 46
Grün 23 / 30
Rosa 10 / 20
Stehplätze 2,50 / 15

Die Preise im Überblick (in Euro, Fr +Sa Abendvorstellungen):
Kategorie Preis alt/neu
Gelb 95 / 98
Blau 88 / 90
Rot 69 / 78
Orange 53 / 62
Grün 25 / 52
Rosa 10 / 20
Stehplätze 2,50 / 15

Mit “We Will Rock You” zieht auch ein anderer Spielplan ins Raimund Theater ein. Es gibt keinen Schließtag, und am Samstag und Sonntag sind durchgehend zwei Vorstellungen pro Tag angesetzt. Die Nachmittagsvorstellungen sind preislich etwas günstiger als die Abendvorstellungen am Wochenende (90/84/72/56/42/20/15).

Update, 21. Mai 2007: Mittlerweise wurden die meisten Montage aus dem Ticketsystem von Wien-Ticket eliminiert. Auch von den Doppelvorstellungen am Sonntag findet man ab Februar keine mehr. Da man weitere Änderungen wohl nicht ausschließen kann, ist es besser, den aktuellen Stand entweder telefonisch bei Wien-Ticket zu erfragen oder im Netz nachzusehen.
Update, 28. Mai 2007: Nun wurden auch die Ticketpreise etwas gesenkt. Stehplätze kosten nun 10 Euro, statt 15 Euro. Die ursprüngliche 10-Euro-Kategorie, die auf 20 Euro gehoben wurde, kostet nun 15 Euro.

Jason Robert Browns Sound-Blog: “Songs for a New World in utero”

Jason Robert Browns Website hat sich in den vergangenen Monaten zu einer lebendigen Austauschplattform zwischen dem Komponisten und all jenen entwickelt, die sich für seine Musik interessieren. Bei manchen Anfragen platzt ihm schon mal der Kragen, woraufhin er sich dann gleich ein paar Mal dafür entschuldigt und verspricht, ein besserer und geduldigerer Mensch zu werden. Meistens dreht es sich dabei um die Frage, ob die Reihenfolge der einzelnen Lieder bei seinem Musical “Songs for a New World” eine zufällige sei oder von ihm tatsächlich beabsichtigt.
Wie auch immer, von seinem Musical “Songs for a New World” hat er auf seiner Website in der Rubrik “Weblog” einige Demos online, die er 1992-1994 mit Billy Porter und Kristine Zbornik aufgenommen hat: “King of the World” und “”Surabaya-Santa”.

Las Vegas: Bette Midler löst Celine Dion ab

Fünf Jahre war Celine Dion im Colosseum des Caesars Palace von Las Vegas mit ihrer Live-Show “A New Day …” jeweils Mittwoch bis Samstag zu Gast, am 15. Dezember 2007 läuft ihr Vertrag aus. Bereits zwei Monate später, nämlich am 20. Februar 2008, startet ein wahrer Showgigant im 4.100 Sitze-Entertainment-Tempel neu durch: Bette Midler.
2 Jahre lang wird “The Divine Miss M” 20 Wochen pro Jahr 5 Shows die Woche spielen, Elton John wird wie bisher auch 2008 ca. 50 Konzerte im Colosseum bestreiten.
Bette Midler hat scheinbar von ihrem langjährigen musikalischen Partner Barry Manilow gelernt, denn sie begründet ihren Vertrag mit dem Caesars Palace fast mit denselben Worten wie er: “It just seemed like this was the next step. After wrapping a string of 2005 dates, I thought, ‘Wouldn’t it be great to set the show down somewhere?’”
Was kann man von Bette Midler in Vegas erwarten? Midler: “This is a chance to have lots of gorgeous girls in skimpy costumes. I love feathers and rhinestones and high heels. If it glitters, I’ve got to have it. I want this to be the funniest show on the Strip. The sticking point is that it’s a short show, so while there will be things people want you to do, you can’t do everything.” [Story]

Kabarett Simpl: Krawutzi Kaputzi - Strengstes Jugendverbot - Das Sozialdrama

Otto Jaus und Roman Straka; Foto: Martin Bruny

Zippeti Zappeti Zeppeti-Zupp,
einmal Schwipp und einmal Schwupp,
Piffzipaffzi Trallalla,
und der Kasperl, der ist da!
Seid ihr auch alle da?

[Arminio Rothstein: Kasperls Spruch — Download]

Im Kabarett Simpl derzeit zu sehen: “Krawutzi Kaputzi”, mit den Untertiteln: “Das Sozialdrama” und “Strengstes Jugendverbot”. Geht man vom Theater aus, in dem sich das Ganze abspielt, so könnte man eine der am Hause üblichen Kabarettproduktionen erwarten. Das Simpl (1912 als “Bierkabaret Simplicissimus” gegründet und damit das älteste noch immer bespielte deutschsprachige Kabarett) ist für zwerchfellstrapazierende kabarettistische Revuen berühmt. Wer diese Erwartungshaltung hat, wird nicht enttäuscht. “Krawutzi Kaputzi” ist, unter anderem, auch ein Stück herrliches Kabarett, nur eben einen Dreh anders.

“Krawutzi Kaputzi” ist aber auch eine Hommage an all jene Künstler, die die Puppenspielfiguren, die Stars der Show, geschaffen
haben. Dem Programmheft kann man Angaben dazu nicht entnehmen. Da heißt es zu, sagen wir mal “Zwerg Bumsti”, einer der Nebenfiguren der Show: “52, Kaufmann, Biertrinker, Verzahrer”. Wollte man exakt sein, müsste man sagen: Falsch. Bumsti ist schon 60, denn Teja Aicher, ein Wiener Künstler, hat den kleinen pausbäckigen “Zwerg Bumsti” als Comicfigur im Jahre 1947 erfunden.
Kasperl, die Gans Mimi, der Zauberer Tintifax, Helmi - all diese Figuren wiederum haben Arminio und Christine Rothstein zum Leben
erweckt. Arminio Rothstein (1927-1994), besser bekannt als Clown Habakuk, war ein österreichischer akademischer Maler, Puppenmacher und Puppenspieler, Drehbuchautor und Buchautor, Musiker, Zauberer und AHS-Professor. Von 1968-1994 arbeitete er beim Kinderfernsehen des ORF und entwickelte Sendungen, in denen Puppen mit ihm selbst als Clown Habakuk und anderen Menschen interagierten.
Die “Familie Petz” wiederum, die einen anderen Teil der “Cast” von “Krawutzi Kaputzi” beistellt, als da sind Pezi, Großvater, Pezis Freund Fips (eine Maus), die Katze Minki und die Ziege Meckerle, ist Star der ORF-Sendereihe “Betthupferl”. 198 Folgen davon produzierte das Wiener Urania Puppentheater für den ORF. Der Titel der Simpl-Show, “Krawutzi-Kaputzi” (Download), ist Pezis Standard-Ruf, wenn er wieder mal Unfug angestellt hat und aufgeflogen ist. So würde sich auch noch die eine oder andere Puppenspielserie anführen lassen, aus der die Macher der Simpl-Show ihr Personal rekrutierten - Sendungen, die zum Teil seit 1957 vom ORF ausgestrahlt werden.

Roman Straka; Foto: Martin Bruny

Natürlich hat das Simpl nicht den kleinen Pezi auf die Bühne gestellt und mit ihm ein Puppentheater für Kinder inszeniert. Pezi ist
in “Krawutzi Kaputzi” vielmehr 29 Jahre alt, hat sein Boku-Studium noch immer nicht abgeschlossen, und steht kurz vor seinem -
1000. One-Night-Stand (das macht 1,46 One-Night-Stands die Woche, bei einem Start im 16. Lebensjahr, wie ihm Fipsi, sein Freund, akribisch ausrechnet). Sein Großvati hat zwei Schlaganfälle hinter sich, und da er erst mit 60 begonnen hat für seine Pensionsversicherung einzuzahlen, steht er noch immer in seinem Geschäft. Fips, die graue Maus, ist beruflich erfolgreich im Bankgewerbe tätig und schwul, aber niemand in seiner Umgebung weiß von dem einen noch von dem anderen. Erste Kontakte in die Szene knüpft er auf der Single-Plattform gayromeo.at als “TraumMaus31W” und lernt dort ausgerechnet “Helmi”, 45, arbeitslos, depressiv, spielsüchtig und hoch verschuldet, kennen, der ebenfalls unter einem “vielsagenden” Pseudonym auf Männerjagd ist. Bevor Pezi den 1000er einlochen kann, taucht Minki auf, die fescheste Katz von Meidling, Pezis Jugendliebe. In Herrn Özgüls Internetcafà© treffen Pezi und Minki aufeinander - und verlieben sich. Stammgäste bei Özgül sind auch die Gans Mimi, eine erfolgreiche Chansonette im Klimakterium, die Eheprobleme mit dem Drachen Dagobert hat. Der schaut sich nämlich im Internet ständig Pornos an und bringt außer “Bussi Bussi” kaum ein vernünftiges Wort raus. Statt auf “duden.de” an seinem Wortschatz zu arbeiten, surft er auf “tuttln.at” und ist da ganz in seinem Element. Als auch noch die beiden Penner Kasperl und Tintifax auftauchen und Großvatis Trafik überfallen wollen, ist das Chaos perfekt.

Susanne Altschul; Foto: Martin Bruny

In bester “Avenue Q”- oder auch “Villa Sonnenschein”-Manier werden die Puppen von Darstellern geführt. Die Puppenspieler leihen den Puppen ihre Stimme, sie tanzen, sie agieren, so als wären sie eins. Mitunter wird dieses Konzept gebrochen, wenn beispielsweise eine Puppe von ihrem Puppenspieler Hilfe bei Tätigkeiten verlangt, die die Puppe als solche nicht verrichten kann (Blumen aus dem Blumenpapier auswickeln zum Beispiel). Man könnte meinen, dass dieses Konzept etwas verwirrend ist, weil man sich weder auf die Puppen noch auf die Darsteller voll konzentrieren kann. Das Problem löst sich aber nach einigen Minuten von selbst, weil man dann sicher für sich eine Entscheidung getroffen hat. Und wer will, kann sich ja eine zweite Runde im Simpl geben.

Als Puppenspieler am Werk: Vollprofis auf dem Gebiet des Musicals: Susanne Altschul (”Elisabeth”, “Freudiana”, “Les Misà©rables”),
Claudia Rohnefeld (”The Wild Party”, “Strangers in the Night” und “Camelot”), Sigrid Spörk (”Sommernachtsträume”, “Die Geggis”),
Roman Frankl (”Kiss me, Kate”, “Hello Dolly”), Otto Jaus (”Jekyll & Hyde”, “Les Misà©rables” und “Das Lächeln einer Sommernacht”),
Ronald Seeboth (u. a. Lehrer am Performing Arts Center) und Roman Straka (”Elisabeth”, “Jesus Christ Superstar”, “Assassins”).

Claudia Rohnefeld; Foto: Martin Bruny

Gesungen und gesprochen wird fast durchgehend im Wiener (Meidlinger) Dialekt. Dialekt ist immer eine schwierige Sache. Man muss sich drauf einlassen, ganz oder gar nicht. Mal ein paar Worte im Dialekt einzustreuen wirkt manchmal sehr sehr gekünstelt. Dialekt ist auch eine sehr intime Sache. Wer im Dialekt spricht, offenbart oft mehr von sich als er eigentlich will. Dialekt ist eine sehr gefühlsintensive Sprachebene, verglichen mit der glatten Hochsprache. Dialekt muss man ohne Zurückhaltung rauslassen. Da gehört schon mal ein gepflegtes “Oarsch” dazu. Wobei die Grenze zwischen einem vulgären “Oarsch” und einem, über den man noch lachen kann, auch keine ganz so einfach zu bewältigende Sache ist. Denn glaubhaft sollte es dann doch sein.

Am meisten werden diejenigen die Show genießen, die in Krapfen reinbeißen, ohne vorher nachzudenken, ob ihnen gleich die Marmelade aufs Hemderl spritzt, diejenigen, die mit Wonne grünen Slime mit den Fingern geknetet haben, Leute, die nicht eben zusammenzucken, wenns um Oarschlöcher geht und die nicht den Saal verlassen, wenn Puppen ficken. Oder aber Leute, die das schon immer gerne mal gemacht hätten (also nicht das mit den Puppen), aber sich nicht trauen. Es hat keinen Sinn, groß drumherum zu reden, in “Krawutzi Kaputzi” werden die Dinge beim Namen genannt und auch explizit gezeigt, denn letztendlich sind es ja Puppen, dies miteinander treiben.

Johannes Glück, Sigrid Spörk, Erwin Bader; Foto: Martin Bruny

“Krawutzi Kaputzi” ist ein charmantes, präzise getimtes Spiel mit Worten auf einer bestimmten Zielebene. Hier wird nicht burgtheaterreife Unterhaltung angestrebt, eher schon ist es eine musikalische Wuchtel-Parade, Blödeln auf hohem Witzniveau. Die Songs leben vom Wortwitz, der in den meisten Fällen einen, wenn möglich, hysterischen Lacher im Publikum als absolutes Ziel hat. Es hätte nicht viel Sinn, Textbeispiele zu bringen, denn wirksam sind Wuchteln meistens nur live.

Johannes Glück hat den Puppen und ihren Darstellern eine Reihe von lieben Melodien auf den Leib geschrieben, in denen es um Drogen, Minderheiten, Ausländerfeindlichkeit, Suizid, Depressionen, den ORF und andere aktuelle Themen geht, neben den ewig aktuellen Themen: Liebe, Eifersucht und Tod. Dass auf der Bühne des Simpls, die die Ausmaße eines kleinen Wohnzimmers hat, kein Orchester und auch keine Band den Sound liefern kann, schlicht weil kein Platz ist, die Musik also vom Band kommt, ist in dem Fall egal. Viele der Songs haben einen Touch Melancholie, etwas Berührendes, andere einen gehörigen Kick an frechem Witz. Es sind durchwegs Ohrwürmer, die innerhalb der Show perfekt funktionieren. Eine Cast-CD der Produktion ist für den Herbst 2007 geplant.

Ja, “Krawutzi Kaputzi” wäre ohne die “Wickie, Slime & Piper”-Welle einen Kick innovativer gewesen, auch ohne Puppenspiel-Musicals wie “Avenue Q” oder “Villa Sonnenschein”, aber es ist legitim, vorhandene Trends zu erkennen, zu verarbeiten und in eine eigene Form zu gießen, und so präsentiert sich “Krawutzi Kaputzi” als stimmiges und mitreißendes “Avenue Meidling” mit einem eigenständigen USP, nämlich als Dialektmusical. Bei so vielen wirklich hervorragenden Zutaten wie Musik, Text, Inszenierung (Werner Sobotka), Bühnenbild, Licht, Puppen sind dennoch die Puppenspieler der wahre Volltreffer und ideal besetzt. Das Ensemble ist eine Mischung aus erfahrenen Darstellern wie Susanne Altschul, Roman Frankl oder Ronald Seeboth bis hin zu Musicalstudenten wie Otto Jaus, der bei “Krawutzi Kaputzi” seine erste tragende Rolle in einer relevanten Musicalproduktion mit Bravour, spielerischer Freude und dem für diesen Part notwendigen Charme spielt. Roman Straka, in vielen Rollen bei den Vereinigten Bühnen Wien eher mit mittleren und kleineren Parts oder als Zweitbesetzung bedacht, kann in “Krawutzi Kaputzi” viel viel mehr zeigen als in jeder anderen Rolle bisher. Ob als “Zwerg Bumsti”, “Fips” oder “Kasperl”, er überzeugt in jeder Rolle. Claudia Rohnefeld scheint spezialisiert auf Männerrollen. Erst kürzlich gab sie in der Badener Produktion von “Les Misà©rables” den Gavroche, in “Krawutzi Kaputzi” ist sie als depressiver, spielsüchtiger Herr Helmi zu sehen und in einer zweiten Rolle als männergeile Ziegentussi. Beide Rollen gestaltet sie mit Wonne und Spielfreude. Ronald Seeboth gibt einen lässigen, potrauchenden Großvati und in einer zweiten Rolle den dusseligen Dagobert souverän. Sigrid Spörk als Katze Minki ist, schlicht und einfach, entzückend, genauso wie Susanne Altschul als Möchtegern-Diva Mimi, die Gans. Roman Frankl als typischer Meidlinger Türke Özgül spielt souverän die Klischee-Orgel und hat die Lacher immer auf seiner Seite.

Kreativteam
Buch, Liedtexte und Musik: Johannes Glück
Regie: Werner Sobotka
Musikalische Leitung: Erwin Bader
Regieassistenz: Andrea Kern
Regiehospitanz: Julia Screm
Korrepetition: Harald Hauser
Puppenbau: Bodo Schulte/Erika Reimer
Puppentraining: Bodo Schulte
Kostüm: Gaby Raytora
Kostümassistenz: Erika Brausewetter
Maske: Aurora Hummer
Bühnenbild und Puppenentwurf: Markus Windberger/Petra Fibich

Bühnenbildassistenz: Bettina Fibich
Lichtdesign: Pepe Starman
Tondesign: Raphael Spannocchi
Requisite: Julia Schmidleitner
Lichttechnik: Alexander Felch
Tontechnik: Philipp Habenicht
Bühnentechnik: Robert Glass/Robert Saringer
Produktion: Albert Schmidleitner

Cast
Susanne Altschul: Mimi, Frau Maus
Claudia Rohnefeld: Helmi, Ziege
Sigrid Spörk: Minki
Roman Frankl: Özgül
Otto Jaus: Pezi, Tintifax
Ronald Seboth: Großvati, Dagobert
Roman Straka: Fips, Zwerg Bumsti, Kasperl

Vorstellungen und Tickets
Kassa täglich 14-20 Uhr, geöffnet (1010 Wien, Wollzeile 36), Tel. 01/ 512 47 42
Telefonische Bestellung Montag-Freitag 9-12 Uhr, Tel. 01/ 512 39 03
täglich 14-20 Uhr, Tel. 01/ 512 47 42
Schriftliche Bestellungen: Kabarett Simpl, Wollzeile 36, 1010 Wien
“Krawutzi Kaputzi” steht vom 14. Mai bis 30. Juni sowie vom 27. August bis 23. September 2007 am Spielplan des Kaberett Simpl

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