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Martin Bruny am Donnerstag, den
20. Mai 2010 um 22:18 · gespeichert in Theater, Rezensionen, Theater, 2010

“Ich bin viele”, so lautete der Titel jener Simpl-Revue, die bis Anfang Mai 2010 im Stammhaus des Unternehmens Simpl, dem Kabarett Simpl in der Wollzeile, zu sehen war. “Ich bin viele”, also die Bezeichnung des Programms, spiegelt eine kleine Misere der äußerst erfolgreichen Spaßschneiderei Simpl wider: Die Titel der stets ausverkauften Revuen stehen oft dermaßen lange vor dem Schreiben derselben fest, dass Bezeichnung und Inhalt bisweilen eher lose miteinander zu tun haben. Man wagt ja gar nicht daran zu denken, dass im kommenden September die neue Revue “Nach der Krise” an den Start geht, wir aber eigentlich noch mitten in selbiger stecken (werden). Mit ein bisschen Geschick wird sich da aber schon ein Weg finden lassen, klar. Man darf gespannt sein.
Getauft wurde das Programm “Ich bin viele” jedenfalls, weil man damit signalisieren wollte (damals, vor einem Jahr, als das Programm benannt und noch nicht geschrieben war), dass das Simpl sich “vermehrt” hat. Das Kabarett Vindobona gehört nun ebenso wie das Palais Nowak mit dazu zum Spaßimperium. Das war am Beginn der Spielzeit 2009/2010 noch neu, da war man voller Hoffnung, so richtig durchzustarten mit einer “Grätzl-Soap” im Vindobona und einem Boulevardklassiker im Palais Nowak. Mag sein, dass sich die ganz ganz großen Erwartungen diesbezüglich nicht zu 100 Prozent erfüllt haben. Aber “Nach der Krise”, also daran kann man sich ja halten, nach der Krise also wirds sicher ganz steil bergauf gehen. Doch auch schon mit der derzeit laufenden Wiederaufnahme im Palais Nowak, dem dem Meidlinger “L” frönenden Musical “Krawutzi Kaputzi”, sollte ein Erfolg gelingen. Und worauf wir uns alle gern freuen würden, wäre ein Nachfolger dieser Erfolgsproduktion aus der Feder von Johannes Glück. Sicher, Musicals sind eine schwierige Sache, es gibt keine Erfolgsgarantie, und doch sollte man dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren.
Studiert man das Programmheft zur Show “Ich bin viele” vor der Show nicht, vertieft man sich nicht ein bisschen in das Vorwort, in dem traditionellerweise das Motto der Show so erklärt wird, dass man auch dann nicht wirklich eine Ahnung hat, worums gehen wird, weiß man diesmal noch weniger als sonst, womit mans zu tun bekommt. In der gesungenen Eröffnungsnummer erfahren wir, was wir alles sind: Studenten, Konsumenten, Arbeiter, Angestellte, Bettler, Philosophen, Spieler, Verlierer, … In der Confà©rence gleich daran anschließend erklärt man uns, dass das Motto “Ich bin viele” eine tiefenpsychologische Erkenntnis ist und auf Sigmund Freud zurückgeht - und Kinder, das wars praktisch. Ab da wird kaum mehr auf den Titel Bezug genommen, was folgt sind eine Reihe von Sketche und Gstanzln, die nicht wirklich unter einen gemeinsamen Nenner zu bringen sind. Lassen wir also Titel Titel sein, is eh wurscht.
Neu dabei im Ensemble des Simpl: Roman Frankl, Wilbirg Helml und Claudia Rohnefeld. Alle drei haben “auch” einen musicalischen Background. So war Rohnefeld vor gar nicht allzu langer Zeit in Baden als Gavroche im Musical “Les Misà©rables” zu sehen und steht derzeit im Palais Nowak im Puppenmusical “Krawutzi Kaputzi” auf der Bühne. Wilbirg Helml hat 2009 ihre Ausbildung zur Musicaldarstellerin am Performing Center Austria beendet - und Roman Frankl kann, neben allem anderen, was er drauf hat, auch Musical (was er in dem diffusen geschichtsklitternden Habsburger-Musical der VBW, benannt “Die Habsburgischen”, zu beweisen wusste).
Aus den letzten Programmen kennt man die anderen Mitwirkenden: Thomas Smolej, Alexandra Schmid, Bernhard Murg und Ciro de Luca, der sich auch als Confà©rencier betätigt. Die Confà©rence, da hätte ich gerne mal einen Sir wie Roman Frankl gesehen und mal zur Abwechslung nicht Luca, der ein bisschen zu sehr auf der Schleim-Schiene fährt und bisweilen nervt. Andererseits kann er nichts für die teils platten Pointen, die man ihm geschrieben hat. Ein Beispiel? Na bitte:
Werner Faymann und Josef Pröll. In Fachkreisen werden sie Stan und Olli genannt, die Polen nennen sie Bolek und Lolek. Und wenn man den Pepi Pröll so anschaut, ich möcht ja glauben, sei Kernkompetenz is Fressen. Ein voller Bauch studiert nicht gern. Er schaut aus, wia zwa aufeinanderglegte Germknödel. Hams erm gesehn am Opernball? Zwa Schärpen: ane am Bauch und ane am Goder. Hat eine Rede gehalten in der Loge: “Meine Herren, die Koalition ist vor dem Platzen …”
Mit Verlaub: Auch für ein Programm, das sich nicht in Schneyder’sche Dimensionen schwingen möchte, reicht vulgäres Bashing nicht. Oder anders formuliert: Wir haben an Randgruppen die Raucher, das sind sie elitären Süchtler, die Damen und Herren Abgeordneten oder die Stammtischliteraten, die vielleicht an Lungenkrebs krepieren, aber quasi ihr Schicksal in Würde zu Ende pfauchen. Ein Raucher, vom Krebs abgemagert, grau im Gesicht - nicht witzig, geht gar nicht. Dann haben wir die bemitleidenswerten, aber doch meist liebenswert gezeichneten Säufer, für deren Suchtverhalten man natürlich im Weinland Österreich Verständnis hat und ein Tränchen verdrückt oder mit ihnen und über sie herzlich lacht, und in beiden Fällen ist es, trotz ärgster Überzeichnung, keine menschenverachtende Häme, vor allem in den Programmen des Simpl. Und dann haben wir eine Gruppe, auf die können wir spucken und sie mit unserer geifigen Häme übergießen, das sind die Bladen. Die sind das ja gewohnt, Mobbing von der Wiege bis zur Bahre. Alle drei Gruppen sind Süchtler, nur würde es nie jemandem einfallen, einen Raucher oder Säufer ausschließlich auf seine Sucht zu reduzieren. Man benutzt die Sucht quasi als Setting und führt die Süchtler in Szenen vor, parodiert sie gekonnt. Bei den Dicken reicht der Hinweis: “Schau, der Blade” - und schön gröhlt das Publikum, auch jenes des Simpl. Im aktuellen Simpl-Programm ist ein Dicker im Zentrum: Vizekanzler Josef Pröll. Ich meine, es ist eine Sache, den Vizekanzler aufgrund seiner völlig wahnwitzigen Amtsführung, aufgrund seiner primitiven Rhetorik und hoffnungsfroh bemühten Mimik und Gestik zu persiflieren und zu karikieren, da gäbe es weiß Gott viele Ansätze, und eine andere, gefühlte hundert Mal vom Bladen zu reden und den Mensch Pröll ausschließlich auf sein Äußeres zu reduzieren. Mit ein bisschen mehr Hirn kann man den Politiker Pröll satirisch überzeichnet wunderbar darstellen. Gerade das würde Sinn machen, denn das bloße Reduzieren, genau diese Mache ist völlig abstrahiert vom Politiker Pröll, zielt nur auf den Menschen ab und kann nur als Instrument des Verletzens in dieser Kurzform verwendet werden. Hier geht es allein darum, eine Gruppe von Suchtkranken der Häme preiszugeben. “Die blade Sau”, das ist das geflügelte Wort. Oh ja, sehr witzig, darüber lacht das Publikum. Besonders schön ist es ja, wenn die Essgestörten als Randgruppe von anderen Randgruppen mit Häme übergossen werden. Das erleben wir im alltäglichen Leben live genauso wie digital in Facebook, Twitter oder was auch immer. Eines ist sicher, an der untersten Stelle der Imageskala steht der Blade, alles andere kommt darüber, das bekommen die Kinder in der Schule mit und die Erwachsenen lachen darüber im Simpl. Auf seine Weise ist das ein Symptom, wie es zu Vorgängen kommen konnte, die wir alle schon vergessen wollten. Ich persönlich kann mit diesen bösartigen, billigen und brutalen Sequenzen des Programms nichts anfangen, ich kann mich aber auch schwer damit anfreunden, dass man eine Frau, so verwerflich ihre politische Gesinnung und ihr Tun auch ist, als “Legebatterie” bezeichnet, das alles ist widerwärtiger Gossenspaß, egal wie tatsächlich verachtenswert das Ziel des Angriffs sein mag. Da haben es sich die Autoren etwas zu leicht gemacht. Solche Scherze sind auch für einen Confà©rencier eher ein Bumerang, denn etwas von diesem billigen Bashing bleibt an seiner Person kleben.

Nun sind diese Momente in der Simpl-Revue eben genau das: Momente. Die Confà©rence ist das schächste Glied in der Kette, da kommt auch noch mit Herrn Rogan ein Schwimmer von gestern vor, da wird der Papst exakt wie im letzten Programm kurz auf die Schippe genommen, das ist dann doch etwas schleißig. Dominiert wird das restliche Programm aber von einigen wirklich lustigen Sketchen wie beispielsweise dem “Nachsendeauftrag”, einem skurrilen Spaß, in dem Roman Frankl einen Polizeibeamten spielt, der mit Hilfe des Postjargons für eine verlorengegangene Omi eine “Nachsendeauftrag” erstellt. “Soll ma die Omi priority oder eingeschrieben zurückschicken?”

In der Nummer “Harte Eisen” wird auf die nach wie vor aktuelle Einbrecherwelle eingegangen. Da tauschen sich die harten Burschen de Luca, Murg und Frankl über das beste Einbrecherwerkzeug aus, dessen Härte in Fekter gemessen wird, und da kommt das Programm dann sprachwitzmäßig endlich in Fahrt.

Das ändert auch nicht die “Schottermitzi”, die als Sadomaso-Gesangsnummer angelegte Parodie der Innenministerin Fekter, die - etwas aus der Rolle - von der kleinen und so gar nicht nach Fekter aussehenden Claudia Rohnefeld gegeben wird. Der Text ist eine glasklare, beinharte Abrechnung mit der mitunter menschenverachtenden Politik von Maria Fekter, von Pressezensur bis zum Abschiebungsthema.

Ein Klassiker schon jetzt: “Die Beichte”. Bernhard Murg spielt den als Prister verkleideten allmächtigen Zeitungsherausgeber Hans Dichand, der den österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann zur Buße nötigt. Als Faymann mit dabei und großartig: Ciro de Luca.
Dichand: Ich hab dich nicht nicht zu dem gemacht, der du bist, damit du denkst, sondern damit du glaubst, was in der Krone steht.
Faymann: Schaun sie, Herr Dichand, ich denke, auch als Sozialdemokrat muss man 2 bis 3 Prozent Eigenmeinung haben.
In diesem Sketch reiht sich eine Lachsalve an die andere. Schade ist, dass die Nummer nach der Bundespräsidentenwahl umgeschrieben werden musste und die neuen Pointen, was die Präsidentschaftskandidaten betrifft, nicht mehr wirklich punktgenau passen, dazu kommt eine schlaffe Schlusspointe, und wie schnell sich manche Personen aus dem öffentlichen Interesse verabschieden, kann man an diesem Sketch ebenfalls erleben. Markus Rogan wird als Vizekanzler ins Spiel gebracht. Lange ist es her, dass der ehemalige Liebling aller Wassersportler seine Karriere in einer römischen Provinzdisse versenkt hat. Ungefähr ebenso lange muss es her sein, dass die Sketchautoren Rogan in ihr Werk aufgenommen haben, ohne damals ahnen zu können, wie out er ein Jahr später sein würde. Sicher kann man nicht ständig ein Programm umschreiben, aber andererseits, man kann schon, wenn man will. Und man sollte vielleicht. Schlusspointe:
Dichand: Faymann, als Buße wirst du in Hinkunft deine Regierung nicht so führen als wärs eine rot-schwarze, sondern eine schwarz-blaue.
Faymann: Ja, das nehme ich gerne an und sage danke. Ich glaub, den Unterschied wird eh kana merken.
Was das Simpl immer im Programm hat, sind absolute Skurrilitäten. Kabarettdada, um Themen durch die völlig absurde Aufbereitung recht einprägsam rüberzubringen. Ein Sketch, bei dem das recht gelungen passiert, ist der “Kundenüberfall”. Hier überfallen mal nicht Kunden eine Bank, sondern die Angestellten die Kunden, weil sie in Finanznöten unterzugehen drohen. Wie eine kleine Screwball-Comedy aufgezwirbelt ist das unterhaltsamer Schmäh mit relevantem Hintergrund.
Herrlich der Sketch “Schutzschirm für alle”, in dem die Täter der aktuellen Finanzkrise, Banken und Industrielle, im Ministerium vorsprechen, um ihren finanziellen “Schutzschirm” abzuholen. Pointe sitzt an Pointe, und wenn dann mit Bernhard Murg ein kleiner bsoffener Spekulant reinplatzt, dann ist das Spaßfeuerwerk gezündet.
Sind Sie ein internationaler Banker, der sich an der Börse verspekuliert hat?
Nein ich bin ein nationaler Trinker, der sich am Gürtel verspekuliert hat.
Ciro de Luca, Thomas Smolej und Bernhard Murg harmonieren in dem Spaß wunderbar, inklusive einem vermutlich inszenierten “aus der Rolle Lehnen”, um das etwas zache Publikum aus der Reserve zu locken. Da verrutscht dann mal schnell “unabsichtlich” ein Toupet, einer der Schauspieler “vergisst” seinen Einsatz und improvisiert. Einer neckt den anderen, überrascht mit Fragen, die nicht in die Szene passen, wie “Bist du traurig?” - und am Ende hätten sogar noch alle Uwe Kröger-Fans einen Grund gehabt, ins Simpl zu gehen, denn der Name - fällt. Andererseits, inszeniert oder nicht, es ist so und so fast unmöglich, nicht über Bernhard Murg zu lachen, wenn er aufdreht. Der Mann ist wie eine Lachlawine, die alle mitreißt, ob sie wollen oder nicht. Auch seinen Kollegen Thomas Smolej, der gekonnt und mit ansteckender Spiellaune den toupetverrrutschten, mit Uwe Kröger verwechselten Ministeriumssekretär gibt. Ein Highlight des Abends. Ein relevanter Hintergrund, anfangs satirisch in Szene gesetzt, driftet mit Murg in wunderbar verspielte und großartig geschauspielerte Blödelei ab und lehnt sich dann, wenns nur mehr ums Toupetverrutschen und “Du schaust aus wie der Uwe Kröger” geht, ins völlig Abstruse Spaß machen. Mehr geht nicht. Keiner spielt Bsoffene so gut wie Murg, ein Virtuose der Artikulation und der Mimik und Gestik. Zum Zerkugeln.

“Ich bin viele” ist zusammenfassend eine gelungene Sketchparade mit einem starken Team. Neuzugang Wilbirg Helml ist noch ein wenig unterschäftigt, andererseits zeigt sie auch schon in ihrem ersten Jahr am Simpl eine Qualität, die man nicht lernen kann: Wenn sie lacht, dann strahlt sie, und wenn sie strahlt, dann tut sie das ansteckend bis in die letzte Reihe. Eine Hoffnung für die Zukunft.

Thomas Smolej hat sich in den letzten fünf Jahren zum Simpl-Allrounder entwickelt: Er ist ein Schauspieler mit viel Gespür für Dialekte, mit einer sehr sensitiven Art, die von ihm gespielten Charaktere anzulegen, und er ist Sänger, also genau das, was es braucht, um das Publikum überzeugend in die Sketche reinzuziehen, und ähnlich wie Wilbirg Helml hat er den Schalk in den Augen. In seiner Rollengestaltung outriert er, im Gegensatz zu Bernhard Murg, nicht auf Teufel komm raus, nein, da ist die Rollenaufteilung fixiert, und genau weil die beiden ihre Parts so perfekt umsetzen, gelingen ihnen immer wieder herrliche Szenen. In seinen Auftritten mit Murg ist Smolej eine angenehme Insel des Realen im Meer des Humorwahnsinns, auch wenn da immer wieder doch eine Portion Abseitiges mitschwingt, wie im Sketch “Auf der Wippe”, wo sich zwei verrückte Väter am Spielplatz unterhalten - der eine eine Karikatur eines Laissez-faire-Papis (Murg) und der andere der kühle besessene Hightech-Daddy, der jeden Pups seines Sohnemanns mit ausgeklügelten digitalen Messgeräten erfasst und die Daten als SMS sofort übermittelt bekommt. Auch dieser Sketch würde in einem “Best-off” der Saison sicher nicht fehlen.

Roman Frankl ist der Schauspieler in der Truppe der Kabarettisten. Er serviert am besten knochentrocken seine Pointen, wenn er beispielsweise in einem Sktech als Arzt seiner Patientin lakonisch mitteilt:
Oh, liebe gnädige Frau, das gefällt mir aber gar nicht. Sie haben eine vergrößerte Prostata.
Was für ein perfekter Einstieg in einen hinreißenden Sketch. Und noch lustiger wird es, wenn Frankl dann und wann aus seiner Rolle kippt, Texte vergisst oder sich nicht mehr das Schmunzeln verkneifen kann angesichts eben jener Szenen, die er teilweise zu spielen hat.

“A Ruah is im Hof” bietet Claudia Rohnefeld Gelegenheit, ihr Gespür für all die Prolopolitikerinnen auszupacken, die mit Meidlinger LLLLLs, keinem Gespür für Rhetorik und grundsätzlich falsch betonten Worten einfach - die Sprache des Mobs sprechen und das bei diversen Reden, Eröffnungen und Ansprachen so herrlich immer wieder beweisen. Manche davon schaffen es mitunter bis an die Spitze von Unternehmen wie Siemens oder an die Spitze der Wiener Grünen. Vielseitig ist Claudia Rohnefeld, mal toughe Fekter, dann, gemeinsam mit Ulknudel Alexandra Schmid, als Tussi am Damenklo, in einem der typischen reduziert verbalen Sketches des Simpl. Zwei Dummtussis am Klo vor dem Spiegel, vor sich hin schminkend Nonsens brabbelnd - eine Studie der Bambi-, Hasi-, Schmatzigesellschaft.
Fazit: Lustig wars wieder im Simpl. Ein bestens harmonierendes und gut gelauntes, verspieltes Ensemble hat so manche starke Nummer auf die Bühne gezaubert. Wir sehen uns “Nach der Krise”.
Kabarett Simpl: “Ich bin viele”
Eine kabarettistische Revue von Michael Niavarani und Albert Schmidleitner
Mit Beiträgen von Joachim Brandl, Martin Buchgraber, Roman Frankl, Johannes Glück, Hannes Muik, Claudia Rohnefeld und Fritz Schnidlecker.
Mitwirkende:
Mit: Wilbirg Helml, Claudia Rohnefeld, Alexandra Schmid, Roman Frankl, Ciro de Luca, Bernhard Murg und Thomas Smolej
Confà©rence: Ciro de Luca
Musikalische Leitung: Erwin Bader
Choreografie: Cedric Lee Bradley
Bühnenbild: Markus Windberger
Kostüme: Gaby Rajtora
Regie: Hannes Muik
Produktion: Albert Schmidleitner
Regieassistenz: Mag. Andrea Kern
Kostüme: Gaby Rajtora
Assistenz: Erika Brausewetter
Maske: Aurie Humme/Karoline Hatzl
Lichtdesign: Pepe Starmann
Sounddesign: Raphael Spannocchi
Licht und Ton: Christoph Skorjanec
Bühnentechnik: Mate Farago/Robert Glass/Linus Riepler
Martin Bruny am Dienstag, den
18. Mai 2010 um 22:57 · gespeichert in Literatur, Theater, Event-Tipps
| 7. Juni 2010 |
| 20:00 | bis | 22:00 |
Am 7. Juni 2010 (von 20 Uhr bis 22 Uhr) gastieren die Schauspieler Max Mayerhofer und David Czifer im Wiener Theater Spielraum mit ihrem Programm “Blick in eine versunkene Welt”, einer Leseperformance mit Texten des österreichischen Schriftstellers und Journalisten Joseph Roth (1894-1939).

Tickets
Die Reservierung ist telefonisch unter 01/713 04 60-60 (Anrufbeantworter) möglich oder via www.theaterspielraum.at. Die Abendkassa ist eine Stunde vor Vorstellungsbeginn geöffnet.
Die Tickets kosten 12 beziehungsweise 10 Euro.
Der Begriff ‘Fortschritt’ allein setzt bereits die Horizontale voraus. Er bedeutet ein Weiterkommen und kein Höherkommen. [Joseph Roth]
Martin Bruny am Samstag, den
8. Mai 2010 um 18:42 · gespeichert in Theater, Newcomer, Event-Tipps
| 29. Mai 2010 |
| 20:30 | bis | 23:30 |
Seit der Spielzeit 2009/10 gibt es im Burgtheater ein umfangreiches Programm speziell für Kinder und Jugendliche! Die sogenannte Junge Burg bietet allen, die vom Theater träumen, vielfältige Möglichkeiten, erste Erfahrungen zu sammeln. Ob auf der Bühne oder im Zuschauerraum, das Angebot reicht vom Blick hinter die Kulissen über intensive Wochenendworkshops bis hin zu selbstständig erarbeiteten Theateraufführungen. Der Lusterboden unter der Kuppel des Burgtheaters wurde ab September 2009 Basislager und Schauspiellabor der Jungen Burg. Von hier aus starteten spannende Exkursionen in die Welt des Theaters, ob allein oder in der Gruppe.
Eine Schiene der Jungen Burg: die SchauSpielBar, die schon bald aufgrund des großen Erfolgs vom Vestibül der Burg ins Kasino übersiedelte. Anfänger oder Fortgeschrittene, alle sind willkommen. Der Eintritt ist frei, und ab 20.30 Uhr können junge Menschen ab 16 Jahren zeigen, was für Talente in ihnen stecken. Alle, die sich trauen, haben hier die Gelegenheit, die Bühne zu erobern. Gesang, Musik, ein Sketch, Gedichte – alles ist möglich. Ab 23 Uhr wird dann das Kasino gerockt. Der nächste Termin ist der 29. Mai 2010.
Was ist die SchauSpielBar?
â— OpenStage einerseits
â— Bar andererseits
â— Danach Party
Warum man da hingeht?
â— Um zu zeigen, wie viele Talente man hat, dass man der geborene Stand-up-Comedian, Rapper, Schauspieler, Musiker etc. ist – und das alles ganz ohne nervige Jury à la Dieter Bohlen oder Heidi Klum. Gewertet wird der Einsatz lediglich mit viel Applaus
â— Oder um den geborenen Stand-up-Comedians, Rappern etc. zuzusehen und zu applaudieren
â— Um zu plaudern, einen chilligen Abend mit Gleichgesinnten zu verbringen und später richtig abzurocken
â— Eintritt kostenlos, Unterhaltungswert unbezahlbar
â— Coole Atmo, heiße Mucke
â— Zuschauen, anschauen und anschauen lassen
â— Barbetrieb: kühles Coke und Bier zu heißen Preisen
Muss ich mich anmelden für
â— Party machen? Nein!
â— Zuschauen? Nein!
â— Spontanbeiträge? Nein!
â— Beiträge mit Soundcheck etc.? Ja!: junge.burg@burgtheater.at/Tel: 01 51444-4494
Links
- Neuigkeiten von der Jungen Burg –> hier
- Die SchauSpielBar
Martin Bruny am Freitag, den
7. Mai 2010 um 19:30 · gespeichert in Theater, Event-Tipps
| 29. Mai 2010 |
| 19:30 | bis | 21:30 |
Im vergangenen Jahr plante Sänger, Regisseur, Schauspieler und Autor Renà© Rumpold für Oberwaltersdorf ein Musical mit dem Titel “KFJ - Kaiser Franz Josef”. Seine Premiere sollte das Stück nicht erleben. Zugesagte Sponsorengelder blieben aus, die Produktion wurde abgeblasen.
In diesem Jahr sollte es klappen mit der Premiere einer neuen Rumpold-Show. Über die Bühne wird sie am 29. Mai im Wiener Theater-center-Forum gehen. Bekannt ist immerhin der Titel: “Loveboat”. Auch die Hauptdarsteller sind fixiert. Renà© Rumpold und die Roth-Zwillinge werden auf der Bühne stehen. Idee, Buch und Regie: Renà© Rumpold.
Zum Inhalt
Ein Zwillings-Schwesternpaar gewinnt eine Kreuzfahrt. Dort lernen die beiden einen Mann kennen, doch dann …
Das nenn ich eine saubere Inhaltsangabe. “doch dann” … herrlich. Ein paar Fragen hätten wir noch, bevor wir unsere Kreuzfahrt buchen. Was solls denn sein? Eine Komödie, ein Musical? Im Untertitel lesen wir “Eine musikalisch-amouröse Kreuzfahrt”. Scheint also Musik zu geben. Arrangiert hat die Fritz Fischer, aber wer hat sie komponiert?
Immerhin kennnen wir die Aufführungsdaten: 29. Mai, 1. Juni und 2. Juni.
Die Roth Zwillinge als Hauptdarstellerinnen. Nichts für ungut, aber sollte man da nicht vielleicht zur Sicherheit die Website der beiden Damen und vor allem die Hörproben aus ihrer neuesten CD verlinken? Nicht, dass am Ende wer enttäuscht ist. Bitte also für Hörproben –> hier entlang. Ein Hinweis noch, die Site ist mit Flash gebaut worden. Damit schließt man zwar, keine Ahnung, ich glaube mehr als 50 Prozent aller Internetuser aus, aber manche mögen das ja, dieses Flashige.
Ticketinfos –> hier
PS: Leider können wir diese Ankündigung nicht mit einem netten Foto illustrieren, da die Fotos auf der Website des Theaters so geschickt eingebaut wurden, dass man sie nur mit Tricks runterkopieren kann. Aber es sind ja eh nur drei Vorstellungen …
Martin Bruny am Freitag, den
7. Mai 2010 um 01:32 · gespeichert in Literatur, Theater, Newcomer

[Dramen_erwachen], so lautete der Titel der Abschlusspräsentation des 2009 erstmals vom proScript Verlag sowie von der Jugend-Literatur-Werkstatt Graz und dem Kinder- und Jugendtheater Dschungel Wien ausgeschriebenen Literaturwettbewerbs “Jugend_schreibt_Theater”, die dieser Tage im Dschungel des Wiener Museumsquartiers über die Bühne ging.
Im Prinzip, profan formuliert, ein Castingwettbewerb, nur nicht für Popsternchen, sondern dann doch eine Stufe seriöser für junge Dichter im gesamten deutschsprachigen Raum auf dem Gebiet des Sprechtheaters, wobei mit “jung” nicht erstpublizeirende “Jung”dichter um die 30 gemeint sind, sondern tatsächlich “jung” zu verstehen ist. Die Jury, bestehend aus Vertretern der drei Initiatoren sowie der jungen Autorin Sophie Reyer, konnte aus Einsendungen von jungen Leuten im Alter zwischen 13 und 19 Jahren wählen. 1300 Schulen, Bildungs-, Kultur- und Jugendeinrichtungen wurden angeschrieben. Das Resultat: 42 eingesandte Stücke, aus denen vier ausgewählt wurden. Auszüge daraus wurden am 4. Mai szenisch im Wiener Dschungel aufgeführt.
Die Ausgangsbasis: Eine recht schlichte Anweisung:
Schick uns deine Texte für die Bühne bitte so:
â— Szenen bis fertige Stücke in deutscher Sprache
â— Bitte nur getippte Texte (Schreibmaschine oder Computer min. 12 pt.)
â— Mindestens 5 Seiten im Format DIN A4
â— Keine Originale, da wir Texte nicht zurücksenden können
â— Texte per E-Mail bitte in der Anlage (Attachment)
â— Bitte keine Gruppenarbeiten
Ein paar nützliche Tipps für dich:
â— Schreibe deinen Text als Dialog (direkte Reden)
â— Lass nicht mehr als 5 Personen auftreten
â— Wähle nicht mehr als 3 Schauplätze
â— Mache kurze Anmerkungen, die die Situation beschreiben
Die Gewinne:
1. bis 3. Preis:
Dein Stück wird im DSCHUNGEL WIEN – Theaterhaus für junges Publikum aufgeführt, und du wirst zur Uraufführung nach Wien eingeladen! Der proScript Verlag unterstützt dich bei der Arbeit an neuen Theatertexten.
Ein wenig unspektakulär ging der Abend von Veranstalterseite an den Start. Die Rede des Verlagsrepräsentanten - etwas unsicher. Man sei froh, die jungen Talente gefunden zu haben, bevor man sie an, ja, da habe ich ihn nun nicht wirklich verstanden. Meinte er “an die Prosa verliere” oder “an die Großen [Verlage] verliere”? Möglich und wahrscheinlich ist beides. Ehrlich währt am längsten: Man sei bei diesem Wettbewerb ganz ohne Sponsoren ausgekommen, so der Verlagsrepräsentant weiter. Nachsatz: “Allerdings nicht ganz freiwillig.” Lachen im Publikum. Obwohl - eigentlich eine traurige Sache, wenn man einen solchen Wettbewerb ins Leben ruft und die Sache dann virtuell und real etwas versandet.
Unter den Jungdichtern beispielsweise Irene Diwiak. Sie, Jahrgang 1991, gewann schon 2008 mit 16 Jahren den Literaturwettbewerb “sprichcode” mit ihrem Text “Wir Genies”. 2008 ging auch der erste Preis der Jugendliteraturwerkstatt Graz an die junge Autorin. “Die Super-Maschine”, ein Text, den Diwiak mit 12 Jahren verfasst hat, ist im WWW nachlesbar (—> hier). “Die Stiegenkirche” hat sie mit 11 Jahren geschrieben (–> hier nachzulesen), auch “Der Glückszehner” ist online verfügbar (—> hier). 2010 war sie schon beim Grazer “Drama Slam” mit “Die Gefahr” erfolgreich. Ihr Siegertext für [Dramen_erwachen]: “Die Anderen”.
Auszug aus “Die Anderen”
Wir spielen so ein Spiel, das heißt “die Anderen kommen.” Wir trainieren für den Notfall, wenn die Anderen kommen. Weil die Anderen nicht da sind, noch nicht, muss immer eine Hälfte von uns die Anderen spielen und die andere Hälfte uns und das ist gar nicht so leicht, weil wir immer wissen müssen, ob wir jetzt wir sind oder die Anderen und wenn wir die Anderen sind, halten wir trotzdem zu uns und verlieren absichtlich.
Nicht alle der Jungautoren sind im Netz so ergiebig zu googeln. Charlotte Spitzner ist 15 Jahre alt - Anfang 2009 publizierte sie ihre Kurzgeschichte “Die offene Tür” [Online nachzulesen –> hier]. Ihr Siegertext heißt “Svenja”: Svenja wird im Klassenzimmer aufgefunden - tot. Ihr wurde die Halsschlagader durchgeschnitten. Im Rückblick erzählt sie die Geschichte und die ihrer Umgebung. Authentische und schonungslose Einblicke in jugendliche Gedanken- und Gefühlswelten.
Timo Kocielnik, mit 19 Jahren der “Senior” unter den Jungautoren, meint auf Facebook zum Wiener “Dramen_erwachen”:
Timo Kocielnik hat mit 4 Leuten Wien gecrusht! Wien = Random/Gestern um 10:41
Facebook, WWW, ganz sein Thema: In “Geek”, seinem Beitrag zu “Dramen_erwachen”, sehen wir vier Internetsüchtler, wie sie vor ihren Laptops sitzen und fressen: Infos, Chips, Zuckerl und virtuelle Zuneigungen. Ein konzertierter Alptraum von Bits und Bytes in Rausch und Bogen. Kocielniks Facebook-Profil ist offen zugänglich. Das WWW - Brillantin brutal.
Laura àlvarez, geboren 1992, liefert mit der Geschichte um das gefühllose Mädchen Valentina die perfekte Vorlage für eine gelungene, gefühlvolle und einprägsame Inszenierung. Hier passt alles zusammen. Die Reduktion an Themen vom ersten Stück “Die Anderen” (Irene Diwiak) bis zum vierten (”Valentina”) ist wohltuend spürbar. Die Hektik des WWW, wie Timo Kocielnik sie atemberaubend in “Geek” schildert, ist in diesem Stück nicht existent, auch die Gewalt der “Anderen”, das Schrille, Nervenzerfetzende ist nicht mehr da, und auch die Geschwätzigkeit, die Charlotte Spitzner so gekonnt mit “Svenja” eingefangen hat, ist nicht das Thema. Es ist eine Zweierbeziehung (+ Mutter), die sie schildert. Valentina lernt einen Mann kennen. Er liegt auf seinem Handtuch, sie nähert sich, verführt ihn auf gewisse Weise nicht zuletzt - mit Literatur, er schenkt ihr vielleicht das, was sie verloren hat: Gefühle.
Teilweise waren es viele Inhalte, die im Laufe des Abends in letztlich wenig Zeit untergebracht werden mussten, schnelles Sprechtempo war die Folge, das bei “Valentina”, dem vierten Stück, auf einmal angenehm sich verlangsamte. Ein poetischer Text, der sich sanft in einzelne Szenen unterteilen lässt, mit einem gefühlvollen Ende und Höhepunkt, da untermalt von gut gewählter Musik, mäandrierend zwischen Zuversicht und Hoffnungslosigkeit und am Ende doch vielleicht: Überzeugung.
Für jedes Stück schufen die Schauspieler Johanna Orsini-Rosenberg, Maria Spanring, Yvonne Zahn, Florian Hackspiel und Markus Schöttl eine ganz eigene Atmosphäre. Teils als szenische Lesungen angelegt, teils durchgespielt waren hier engagierte Schauspieler zu erleben, die den Texten Leben eingehaucht haben. Die szenische Einrichtung besorgte Yvonne Zahn.
Was nun unbedingt notwendig ist? Mehr Leben auf der Verlagssite von proScript. Ja, es kostet Zeit, Leben auf eine Site zu bringen, genauso wie es Zeit kostet, Sponsoren für einen Literaturwettbewerb zu finden. Leichter könnte das aber eben mit einer gelungenen Internetpräsenz von Erfolg gekrönt sein. Einen “Newsflash” zu posten, der aus vier Zeilen besteht und ausschließlich die Namen der Gewinner und den Titel der Werke enthält, wird zu wenig sein. Es ist junge Literatur, lebendige Literatur, das sollte man auch online spüren.
Mit der Aufführung am 4. Mai startete auch die Ausschreibung für 2010. Jugendliche von 13 bis 19 Jahren sind aufgerufen, Theaterstücke in deutscher Sprache zu schreiben und bis zum Donnerstag, dem 30. September 2010, an office@proscript.at zu mailen. Die Infos dazu bietet proScript –> hier
[Dramen_erwachen]/Die Stücke
»Valentina« von Laura àlvarez (Jg. 1992)
»Die Anderen« von Irene Diwiak (Jg. 1991)
»Geek« von Timo Kocielnik (Jg. 1990)
»Svenja« von Charlotte Spitzner (Jg. 1994)
Martin Bruny am Donnerstag, den
6. Mai 2010 um 01:59 · gespeichert in Theater
22 Previews, 16 reguläre Vorstellungen und zumindest mal vier Nominierungen für die begehrten Tony Awards (Original Score, Featured Actor Stephen Kunken, Lighting Design und Sound Design), damit wird die Broadwayproduktion “Enron”, die auf dem Finanzskandal aus dem Jahre 2001 beruht, in die Geschichte eingehen. Erfolg wird diese erste Laufzeit allerdings keiner mehr, denn am 9. Mai 2010 ist Schluss. [theatermania.com]
Rupert Goold, der Regisseur des Stückes, meint zur Schließung:
The really sad thing about the play’s closure is that, in directing it, I was really influenced by American showbiz and the Broadway musical, while Lucy [Prebble, the writer] was drawing on all the current great American TV drama. The Broadway cast felt that the text was really American, too – it didn’t feel as if we were bringing an English play over to the Americans.
And it’s sad that there was no consensus among audiences – some people, like the New York Times critic Ben Brantley, clearly found it problematic, but a lot of people raved about it.
Maybe it was a generational thing – in London, we were lucky to play to younger audiences. It’s a loud, fun, rock’n'roll show, so perhaps some people found that a little aggressive. It’s just a shame that now more New Yorkers won’t get a chance to decide for themselves. [guardian.co.uk]
Martin Bruny am Samstag, den
1. Mai 2010 um 19:05 · gespeichert in Musical, Theater
Als Brigitte Fassbaender 1992 am Tiroler Landestheater Alban Bergs “Lulu” inszenierte, hätte sie wohl kaum gedacht, dass sie im Jahr 2010 ein Musical gleichen Namens schreiben würde. Die Idee stammt von Regisseur und Choreograph Pierre Wyss, ein Komponist war bald gefunden: Stephan Kanyar, der bereits ein erfolgreiches “Frankenstein”-Musical geschrieben hat.
Als Vorlage dient mit Frank Wedekinds “Erdgeist und Die Büchse der Pandora” die Geschichte einer schillernden Frauenfigur der Weltliteratur – Lulu. Sie ist sprichwörtliche Kindfrau und Femme fatale, Unschuld und Verführerin, arglose Naive und gefährliches Tier, Projektionsfläche für männliche Sehnsüchte und Begierden. Lulu eilt von einem Mann zum nächsten. Ihrem beispiellosen Aufstieg zur Gattin des Chefredakteurs Dr. Schön folgt ein atemloser Abstieg, der mit ihrem Tod durch den Frauenmörder Jack the Ripper endet.
In einer revuehafte Erzählweise mit eindringlichen Liedern, lasziven Tangos und ironischen musikalischen Kommentaren zeigt “Lulu – das Musical” nicht nur das Schicksal einer Frau mit ihrem kompromisslosen Anspruch auf ein intensives Leben, sondern auch das bizarre Tableau einer bürgerlich-verlogenen Gesellschaft, in der Heuchelei höher geschätzt wird als lustvolles Begehren.
In den Hauptrollen zu sehen: Lucy Scherer als Lulu und Mà¡tà© Kamarà¡s als Jack the Ripper. Kamarà¡s über seine Rolle:
“Lulu” ist eine bekannte Geschichte, durch Wedekind und Berg, hier im Musical ist die Rolle des Jack beziehungsweise Erzählers neu definiert. Ich versuche zunächst, die emotionale Ebene des Charakters und sein Verhältnis zu Lulu gemeinsam mit dem Regisseur und dem Kreativteam zu erarbeiten. [Theaterzeitung]
Stephan Kanyar und Brigitte Fassbaender zur Musik:
Die Musik ist geprägt von einem eigenständigen Zugriff, kraftvoll und schmissig. Es gibt viele musikalische Ohrwürmer. Nicht alltäglich ist die durchkomponierte Form - und die Tatsache, dass “Lulu - das Musical” durchgereimt ist, mit Raffinesse und auch Ironie. Musical kann mehr sein als seichte Samstagabendunterhaltung. Das Wunderbare an Musilk ist, dass sie den Zuhörer treffen und berühren kann, ohne eine Verständnisebene dazwischen zu schalten. Das fordert Aufrichtigkeit in der Emotion, dann ist es niemals Kitsch. [Theaterzeitung]
Lulu – Das Musical
Musik: Stephan Kanyar
Texte: Brigitte Fassbaender
Nach einer Idee von Pierre Wyss, basierend auf dem Schauspiel von Frank Wedekind
Uraufführung am Samstag, 15. Mai 2010, 19.30 Uhr, Großes Haus
Musikalische Leitung: Michael Mader
Inszenierung: Pierre Wyss
Choreographie: Enrique Gasa Valga
Bühne: Helfried Lauckner
Kostüme: Michael D. Zimmermann
Cast
Lulu: Lucy Scherer
Prolog / Jack the Ripper: Mà¡tà© Kamarà¡s
Dr. Schön: Kenneth Derby
Schwarz: Thomas Paul
Alwa: Ansgar Matthes
Schigolch: Dale Albright
Gräfin Geschwitz: Anne Schuldt
Castipiani: Marc Kugel
Tiroler Symphonieorchester Innsbruck, Chor des TLT, Tanzcompany des TLT
Weitere Vorstellungen:
Mai: 22., 28. / Juni: 4., 13., 16., 22., 24.
Martin Bruny am Montag, den
26. April 2010 um 23:29 · gespeichert in Theater
Mit einer ganzen Menge an interessanten Shows wartet der Kultursommer Schloss Wolkersdorf in diesem Jahr auf.
Erich Schleyer tritt am 15. August mit seinen “Verschleyerte Geschichten” lesend auf, Josefstadt-Legende Otti Schenk zeigt am 24. Juli sein aktuelles Programm “Das Allerbeste zum 80. Geburtstag” und Alexander Goebel sorgt am 23. Juli für “Gute Gefühle” mit Hits und Schlagern aus vergangenen Jahrzehnten.
Uriges zaubert Roland Neuwirth mit seinen Extremschrammeln “Aus’n Huat”: Der Philosoph des Wienerliedes spielt alte und neue Lieder aus den mittlerweile 35 Jahren seiner Karriere. Mit “This isn’t it” feiert auch Alf Poier ein Bühnenjubiläum: Fünfzehn Jahre betreibt er seine klamaukhafte Publikumsverstörung nun schon sehr erfolgreich. Gery Seidl und Joesi Prokopetz treten am 6. August auf und “Die Echten” feiern am 20. August eine “Abschiedstour oder Aufbruch in die neue Welt”.
Eine “Musicalgala” geht am 27. August über die Bühne des Kultursommers - mit Martin Berger, Reinhard Reiskopf, Hannes Wiesinger und Lisi Heller.

Auf dem Gebiet des Schauspiels bietet der Kultursommer 2010 die “Offene Zweierbeziehung”, eine Tragikkomödie von Dario Fo, inszeniert von Thomas Smolej, einem Stammmitglied des Kabarett Simpl. Dazu hat sich der Regisseur den Paradekomiker Christoph Fälbl und als Gegenspielerin und leidgeprüfte Ehefrau die um nichts weniger witzige Angelika Niedetzky eingeladen. Vor dem romantischen Hintergrund des Schlosses Wolkersdorf werden die Funken sprühen.
Handlung
Die Farce “Offene Zweierbeziehung” dreht sich um’s Eheleben. Sie wird retrospektiv von Antonia, einer leidgeplagten Ehefrau, erzählt, die sich gleich in der Eröffnungsszene umbringen will. Grund ihrer Suizidabsichten: das wiederholte Fremdgehens ihres geliebten Ehemannes. Nach und nach enthüllt sich die komplette Geschichte rund um das Paar, die damit begann, dass sich Antonia überreden ließ, eine offene Zweierbeziehung zu führen. Der Haken an der Sache: Die Zweierbeziehung ist in Wirklichkeit nur nach einer Seite hin “offen”. Während die Ehefrau versucht, die Art einer derartigen Beziehung zu akzeptieren und gleichzeitig in der ihr angestammten Rolle der Mutter und Gattin zu bleiben, kostet der namenlose Ehemann die Situation voll aus. Doch das soll nicht so bleiben: Die eifersüchtige Ehefrau, die anfangs noch sehr leidet, beginnt sich zu verändern und neue Ziele zu setzen. Dies ist wiederum dem Mann nicht recht, weil der sich eine offene Zweierbeziehung anders vorgestellt hat …
Aufführungstermine: 30.7., 31.7., 5.8., 8.8., 13.8., 14.8.
Beginn: 20.00 Uhr
Eintritt: € 24
Tickets –> hier
Zur Website des Kultursommers Schloss Wolkersdorf gehts –> hier
Zur Premierenkritik der “Offenen Zweierbeziehung” –> hier
Martin Bruny am Dienstag, den
20. April 2010 um 20:41 · gespeichert in Musical, Theater
Das Stadttheater Klagenfurt präsentierte seinen Spielplan für die Saison 2010/2011 und bietet neben dem fast schon traditionellen Musical, diesmal “Miss Saigon” (Details –> hier), eine Vielzahl an interessanten Schauspielpremieren und -uraufführungen.
So zum Beispiel die dramatisierte Fassung der Kafka-Erzählung “Amerika” mit Musik von Naked Lunch und bekannten und beliebten Darstellern wie Robert Stadlober, Dagmar Hellberg, Erwin Windegger sowie Katharina Schmölzer, Nadine Zeintl, Daniel Doujenis, Arthur Klemt, Kai Möller, Jens Schnarre. Auch Naked Lunch selbst werden auftreten. Die Premiere findet am 24. März 2011 statt.
Am 8. Oktober 2010 geht, unter der Regie von Stephanie Mohr, die Premiere von Friedrich Schillers “Die Räuber” über die Bühne. Als Darsteller mit dabei: Isabella Szendzielorz, Daniel Berger, Florian Carove, Dominik Hees, Kyrre Kvam, Tino Leo, Dominic Oley, Matthias Schlüter, Roman Schmelzer, Heiner Stadelmann, Eduard Wildner u. a.
Das “Bienenmusical” “Blutiger Honig” gibt es 2011 am Stadttheater Klagenfurt zu sehen. Thomas Pigor hat es geschrieben, Ricarda Regina Ludigkeit inszeniert und auf der Bühne zu sehen: Dagmar Hellberg, Nadine Zeintl, Livio Cecini, Peter Lesiak, Hannes Muik und Erwin Windegger (Details –> hier)
MUT, der von Intendant Josef E. Köpplinger initiierte erste musikalische Unterhaltungstheater-Wettbewerb Österreichs für junge Gesangs- und Tanztalente, wird 2011 zum zweiten Mal ausgetragen. Im Frühjahr 2011 finden in Wien, Berlin und München Castings statt. 20 ausgewählte Kandidaten kommen am 23. Mai 2011 zum Semifinale nach Klagenfurt und präsentieren sich auf der Bühne des Stadttheaters einer mit Persönlichkeiten aus der internationalen Musicalszene besetzten Fachjury. Den Vorsitz führt Josef E. Köpplinger.
Aus den sechs Finalisten werden am 24. Mai 2011 die Gewinner ermittelt. Es werden drei Preise, dotiert mit 3.000 Euro, 2.000 Euro und 1.000 Euro, sowie ein Publikumspreis vergeben. Das Semifinale und das Finale sind öffentlich. Voraussetzungen für die Teilnahme:
• abgeschlossene oder begonnene Ausbildung im Bereich Musical, Operette, Chanson
• Alter 18 bis 27 Jahre
• Anmeldung mit Lebenslauf und Ausbildungsnachweis
Anmeldeformular, Pflichtstücke gibzt es ab Oktober 2010 auf www.stadttheater-klagenfurt.at.
Martin Bruny am Freitag, den
16. April 2010 um 01:54 · gespeichert in Theater, Pop
[…] Ganz anders das Performancestück »Silver Streetcar for the Orchestra« für Triangel von Alvin Lucier. Etwa zehn Minuten lang drosch der Schlagzeuger rapide die Triangel – Tempo, Dämpfung und Anschlag immer leicht modifizierend. Fast aus dem Nichts entstand dabei ein fiepsender Liegeklang, indem sich die raschen, harten Schläge im resonierenden Aktionsraum des Hamburger Bahnhofs schichteten. Dieser Klang gab dem »Blick nach draußen« einen weiteren Dreh, hin auf ein verdrängtes und verbotenes Draußen, das Hans-Peter Dürr in seinem Buch »Traumzeit« für verschüttet erklärte. Ein Draußen jenseits des Zauns, auf dem einst die Hexe als Hüterin der Schwelle zur Wildnis saß und nun Alvin Lucier als Herrscher über die Magie der Klänge thront.
Björn Gottstein, die taz, berlin-kultur, 11. Juni 2001
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