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Archiv - Rezensionen

Rathausplatz: Musicalkonzert der VBW 2007

Alexander Goebel
Ein eher unspektakuläres Konzert gaben die Vereinigten Bühnen Wien am 26. Oktober 2007, dem Österreichischen Nationalfeiertag, auf dem Wiener Rathausplatz. Zu einem Playbackband sangen Darsteller aus den “Habsburgischen” und “Rebecca”. Alexander Goebel führte durch die nasskalten 36 Minuten. Weniger Zuschauer als im Vorjahr versammelten sich vor der Bühne, damals jedoch wurde auch keine Sparversion geboten, sondern die Deluxe-Variante mit Band, Chor und Tänzern.
So bedauernswert es auch ist, haben sich die Vereinigten Bühnen Wien nun wohl doch intern darauf geeinigt, nach außen die “Habsburgischen” als Musical zu bezeichnen, anders kann man die Anmoderation von Alexander Goebel zum ersten Song des Konzerts nicht erklären.

Setlist:
- Maria Happel, Sigrid Hauser, Delia Mayer: “Ja die Männer”
Sigrid Hauser
Anmoderation von Alexander Goebel:

Meine Damen und Herren, die Vereinigten Bühnen Wien tragen eine große Verantwortung - nicht nur für die vielen hundert Arbeitsplätze, die sie zur Verfügung stellen, sondern natürlich auch eine künstlerische Verantwortung. Diese heißt, das Musical stets weiterzubringen. Und da war es natürlich nur ein kleiner Schritt, dass wir irgendwann mal gesagt haben, wir gehen es an, wir gehen die wohl berühmteste und mit Sicherheit einflussreichste Familie dieses Landes an und erzählen die Geschichte der Habsburger. “Die Habsburgischen” ist das neueste Werk der Vereinigten Bühnen. Michaela Ronzoni und Christian Kolonovits haben daraus eine Musical-Satire vom Feinsten gemacht, das heißt zwei Stunden lang wirklich ablachen. Es ist eine Gaudi zu Hofe, es ist wirklich sich abhauen auf Kosten des Kaisers. Und es ist ein Mehrwert. So ist es mir zumindest gegangen. Wenn man drinnen sitzt und dann wieder all die Geschichten sieht und all die Schmähs hört, von denen wir ja gehört haben, irgendwann in der Schule, die Habsburgischen, der Kaiser, der Karl und diese ganzen Geschichten. Die kommen aber auf überaus unterhaltsame Weise zwei Stunden lang dort zugange. Bis zum 16. Dezember auf jeden Fall noch im Museumsquartier.

Maria Happel
Uwe Kröger
- Uwe Kröger: “Gott, warum?”
Marika Lichter
- Marika Lichter: “I’m an American Woman”
Wietske van Tongeren & Kerstin Ibald
- Wietske van Tongeren & Kerstin Ibald: “Die Stärke einer Frau”
Carsten Lepper
- Carsten Lepper: “Eine Hand wäscht die andre Hand”
Susan Rigvava-Dumas
- Susan Rigvava-Dumas: “Rebecca”
Wietske van Tongeren & Uwe Kröger
- Uwe Kröger & Wietske van Tongeren: “Jenseits der Nacht”

Weitere Bilder unter “Kultur-Channel/Showfotos”.

Ateliertheater Wien/Ensemble ‘83: “I love you, you’re perfect, now change”

Ensemble '83
Joe DiPietros (Buch und Liedtexte) & Jimmy Roberts’ (Musik) Musical “I love you, you’re perfect, now change” ist, wenn man die Anzahl der verschiedenen Inszenierungen, die es in Wien in den letzten vier Jahren zu sehen gab, heranziehen möchte, eine der beliebtesten Shows der Stadt. Gemessen an der Zahl der Besucher, die dieses Musical gesehen haben, kann sie freilich mit den großen Produktionen nicht mithalten, aber egal, ob im Interkulttheater, wo im Mai 2004 die Österreichische Erstaufführung stattfand, im Ensembletheater, wo im April und Mai 2005 eine englischsprachige Version gespielt wurde, oder im Ateliertheater, wo im September und Oktober 2007 wiederum eine deutschsprachige Aufführung (deutsche Fassung von Frank Thannhäuser und Iris Schuhmacher) gegeben wurde - das Publikum nimmt die Show an und die Häuser sind sehr gut besucht bis ausverkauft.
Ensemble '83
Die jüngste Aufführungsserie im Wiener Ateliertheater gestaltete das in Bruck/Leitha beheimatete Ensemble ‘83 als Gastspielproduktion. Zwei Vorstellungen waren angesetzt (29.9. und 13.10.), beide Shows waren bis auf den letzten Platz ausverkauft.
Ensemble '83
Gespielt wurde ohne Mikros, ausschließlich mit Klavierbegleitung (Werner Müller) - im kleinen Ateliertheater eine Optimallösung. Petra Deutsch, Christine Haas, Eva Kohler, Doris Mernig, Eva Ursprung, Werner Haas und Andreas Mikuta zeigten eine im Gegensatz zu den anderen in Wien gelaufenen Inszenierungen etwas gestrafftere Version, wobei keine Szenen ausgelassen wurden, aber der Szenenflow zügiger vonstatten ging. Nach jeder der 17 Szenen ist ein Umbau nötig, das hat bei den bisherigen Versionen, die in Wien zu sehen waren, oft zu mehrminütigen Unterbrechungen geführt. Das Ensemble ‘83 konnte den Umbau binnen Sekunden bewerkstelligen. Selbstverständlich waren die Kulissen zum Teil recht einfach gehalten, aber genau das ist ja einer der Vorteile dieser Show: Geschildert werden Szenen des Einander-Kennenlernens und des Miteinander-Lebens, mit denen sich das Publikum sofort verlinken kann, und wenn das einmal geschafft ist, ist die Szenerie auf der Bühne Nebensache. Die Kunst, die genialen Melodien und Schauspielszenen mit Leben zu erfüllen, diese Kunst, die dieses “Sich Verlinken” ermöglicht, beherrscht das Ensemble ‘83 - und siegt im Direktvergleich mit den beiden anderen erwähnten Inszenierungen haushoch. In keiner der anderen Produktionen wurden die meisten der Szenen so glaubhaft gegeben. Beispielsweise die zwei schwersten: “Das erste Kontakt-Video von Rose Ritz” und “Begräbnis zum Verlieben” - wunderbare Schauspielszenen, oder auch der Song “Sag mir, ob die Liebe ewig währt” - mit viel Liebe zum Detail erarbeitet und berührend interpretiert, wie beispielsweise auch das urkomische “Familie auf Abwegen”, in dem mit einigen Rollstühlen eine Autoszene nachgestellt wird. Stühle wurden selbstverständlich bisher bei allen Inszenierungen verwendet, das Ensemble ‘83 jedoch schafft mit Rollstühlen und einer ausgeklügelten Rollstuhl-Choreographie einen Perspektivenwechsel im imaginären Auto selbst. Man täuscht sogar einen Ausparkvorgang vor. Da steckt viel Einfallsreichtum und Witz dahinter - und letztendlich Lust am Spiel, und das ist es, was diese Produktion vor allem auszeichnet: die Freude am Performen. Das gesamte Ensemble, eine reine Amateurgruppe, zeichnet für die Inszenierung verantwortlich, die Regie hat Thomas Mayer übernommen. Ein wunderbarer Abend.
Ensemble '83

Theater Längenfeldgasse: Maya Hakvoort - In My Life

Maya Hakvoort 2007; Foto: Martin Bruny
Am Silvestertag des Jahres 2004 startete Maya Hakvoort im Theater an der Wien, im Anschluss an eine umjubelte “Elisabeth”-Vorstellung, ihre Solo-Karriere. “Maya Goes Solo” hieß ihr erstes Programm, mit dem die Sängerin fast drei Jahre durch die Lande reiste. Am 12. Oktober 2007 feierte die Künstlerin mit ihrem zweiten Soloprogramm “In My Life” im Theater Längenfeldgasse Premiere.

Wieder erzählt Maya Hakvoort allerlei Biographisches, diesmal bei ihrer Kindheit beginnend. Teils sind es lustige Anekdoten, teils Berührendes.

Maya Hakvoort 2007; Foto: Martin Bruny

Wie schon bei “Maya Goes Solo” ist der Einstieg in die Show nicht wirklich gelungen. Während Aaron Wonesch als Pianist eine fabelhafte Performance hinlegt, ist er als Confà©rencier eher suboptimal und als Sänger, wenn wir mal ehrlich sind, nicht wirklich gut. Das klingt dann schon eher wie Brummen nach Noten als nach Gesang. Das Intro in die Show läuft folgendermaßen ab:

[Aaron Wonesch spielt ein paar Takte Klavier. Ein Handy läutet.]
Aaron Wonesch (ans Publikum gerichtet): “Ah, Handys bitte ausschalten.”
[Ein Telefon läutet. Maya Hakvoort ist dran.]
Aaron Wonesch: Hallo? Ja Maya. Ja, es sind schon alle da. Längenfeldgasse 13-15, wenn du von der Ubahn links - genau.”
[Aaron Wonesch spielt ein paar Takte Klavier, dann nach 5 Sekunden:]
Aaron Wonesch: “Meine Damen und Herren, heute Abend exklusiv für Sie: Maya Hakvoort.”

Das, mit Verlaub, ist kein wirklich showmäßiges Glamour-Intro - besser als bei der ersten Show, aber nicht wirklich optimal. Im Programmheft als erster Song angekündigt: “Jada” von den Pointer Sisters. Dass Maya Hakvoort dieses Lied gar nicht singt, dürfte nicht wirklich jemandem aufgefallen sein, ist “Jada” doch ein Song, der nicht gerade auf jedem iPod zu finden ist. Maya singt stattdessen ein Lied, das “Isn’t it just a beautiful day” heißen könnte [was den genauen Titel und den Originalinterpreten betrifft, muss ich passen].

Maya Hakvoort 2007; Foto: Martin Bruny

Maya Hakvoort startet in den Abend also mit ein paar Patzern, sie setzt ihn fort mit einer berührenden Geschichte aus ihren Kindheitstagen und einem ganz und gar unbekannten Lied: “Schau die an” [”Gut kijk haar”, im Original von Jenny Arean, gesungen in einer deutschen Übersetzung von Thomas Strobl]. Sie macht damit etwas, wovor beispielsweise amerikanische Entertainer immer warnen: Sie singt zu viele Songs, die das Publikum nicht kennt, nicht nur das, sie beginnt ihre Show mit Songs, die nur wenige kennen. Barry Manilow brachte das einmal überspitzt für seine Shows in Las Vegas so auf den Punkt:

Gib den Leuten Lieder, die sie nicht kennen, und sie rennen aufs Klo und kommen nie mehr wieder.

Maya Hakvoort-Fans machen das natürlich nicht, aber die Stimmung am Anfang ist eher flau. Und so ist es überaus spannend, mitzuerleben, ab wann sich das Publikum im Theater Längenfeldgasse auf Maya Hakvoort eintuned. Das als “Kirchenmedley” angekündigte Set aus Liedern von Elton John, Cat Stevens und Stevie Wonder schafft die Basis, und als Hakvoort dann Lieder singt, die tatsächlich jeder kennt, nämlich ein Medley mit Songcontest-Evergreens, ist das Eis, kein Wunder, tatsächlich gebrochen. Ab da hat sie das Publikum in der Hand und kann den Rest des Abends auch großteils wenig bekannte, aber sehr sehr clever gewählte Songs interpretieren.

Trotz des suboptimalen Beginns ist “In My Life” ein ganz hervorragendes Solopogramm geworden und übertrifft “Maya Goes Solo” bei weitem. Was Maya Hakvoort beispielsweise damit schafft, ist das Augenmerk der Konzertbesucher auf einige Küstler zu lenken, die vielleicht nicht jeder kennt, wie zum Beispiel auf Marco Borsato und seine Coverversion der Riccardo Cocciante-Ballade “Margherita”. Cocciante, Borsato und Hakvoort machen sich den Song auf ganz verschiedene Art und Weise zu eigen. Maya Hakvoort liefert in ihrer Show eine geradezu atemberaubende Version. Am Ende des Songs entschließt sich das Publikum - zumindest am Premierenabend - nicht zu klatschen, und vielleicht ist genau diese ohrenbetäubende Stille der lauteste Applaus des Abends. Ein Publikum so betroffen zu machen, dass es im entscheidenden Augenblick geradezu unfähig ist zu klatschen - das kommt ganz selten vor:

Maya Hakvoort 2007; Foto: Martin Bruny

Stellen Sie sich vor: Sie sitzen zu Hause, ganz gemütlich. Die Tür geht auf, Ihr Partner kommt herein und sagt: Wir müssen reden.

Wie von fern spricht eine Stimme
so vertraut von unseren Streiten
und zerstörten Illusionen und den vielen Kleinigkeiten
und ich hör die harte Kälte deiner unterdrückten Wut
doch was kann ich mehr als heulen
denn das hab ich nie vermutet

Wie im Nebel hör ich dir sagen
du willst alles das aufgeben
du willst alles mir verjagen
was ich lieb in diesem Leben

und ich höre wie deine Rede sich langsam zu Sätzen ballt
die mich treffen wie ein Blitz
mit vernichtender Gewalt

Diese Kälte macht mich rasend
und das Gefühl ist angsteinjagend
doch deine Sätze tönen weiter
und meine Augen schauen fragend
warum sagtest du nicht früher
dass du du dich von mir entfernt hast
warum sprachst du je von Liebe
wenn du mich doch nie geliebt hast

ich verlier mich in Verzweiflung
ich fühle meine Tränen brennen
und ich wünsche mir nichts lieber
als den Kopf in deinen Händen

doch was bis vor einer Stunde
noch so heil und sicher schien
ist nur eine große Lüge
und ein Kartenhaus im Wind

Es ist mir, als ob ein anderer
sich in deinen Körper schlich
und ich hab nicht mal bemerkt
dass er da reingeschlichen ist
deine Liebe fortzuwischen
und meine Welt mir zu zerstören
kann denn niemand mir versichern
ich hätt alles nur geträumt
[Margherita: Riccardo Cocciante; Übersetzung: Heidi Klinger]

Ob Maya Hakvoort mit einer solchen Reaktion gerechnet hat, kann man nicht wirklich beantworten. Es sind aber solche Momente, die noch lange in Erinnerung bleiben und Konzerte zu etwas Besonderem machen.

Maya Hakvoort 2007; Foto: Martin Bruny

“In My Life” ist vor allem ein Abend, der melancholischen, veträumten Balladen gewidmet ist. Wunderbar beispielsweise das von Aaron Wonesch und Thomas Strobel geschriebene Lied “Sie atmet schon” oder “This love” von Angela Aki in einer deutschen Übersetzung von Maya Hakvoort. Daneben macht Hakvoort auch wieder einige Abstecher Richtung Jazz, beispielsweise mit “Spain” (Al Jarreau), “Birdland” (Joe Zawinul) oder “Dass du fliegen kannst” (Tuck & Patti). “In My Life” ist eine Show, die man sich durchaus öfter ansehen kann. Die nächsten Termine:

22.11.2007 in Waidhofen a.d. Ybbs / Schloss Center
24.11.2007 Neunkirchen / VAZ
27.01.2008 Orpheum Wien (noch kein Kartenvorverkauf!)
Infos zum Kartenverkauf auf der Website des Maya Hakvoort-Fanclubs.

Maya Hakvoort 2007; Foto: Martin Bruny

Setlist
01) Isn’t it just a beautiful day (?)
02) Schau die an (Original: “Gut kijk haar” von Jenny Arean; Übersetzung: Thomas Strobl)
03) Kirchenmedley:
- Border Song (Elton John)
- Morning has broken (Cat Stevens)
- You and I (Stevie Wonder)
04) Michel Fugain-Medley
- Attention Mesdames & Messieurs
- Belle Histoire
05) Song Contest-Medley
- Dinge-Dong: (Teach-In)
- All kinds of everything (Dana Rosemary Scallon)
- Save all your kisses for me (Brotherhood of man)
- Hallelujah (Milk & Honey)
- Diggi-loo, Diggi-ley (Herreys)
06) Ich bin die Frau (Original: “I am the girl” von Roberta Flack; Übersetzung: Thomas Strobl)
07) Dass du fliegen kannst (Tuck & Patti; Übersetzung: Thomas Strobl)
08) It’s oh so quiet (Björk)
09) Tre Uomini (Ornella Vanoni)
10) Sie atmet schon (Thomas Strobl/Aaron Wonesch)
11) Roots and Wings (Thomas Strobl/Aaron Wonesch)
12) Margherita (Marco Borsato; Riccardo Coccianto; Übersetzung: Heidi Klinger)
13) Warum ich so fröhlich bin (Herman van Veen; Übersetzung: T. Woitkewitsch)
14) Spain (Al Jarreau/Chick Corea/A. Maren)
15) This love (Angela Aki)
16) Birdland (Joe Zawinul)

Kreativteam
Übersetzung: Thomas Strobl, Heidi Klinger
Choreographie: Annette Wimmer
Fashion-Design: Thang de Hoo
Lichtdesign: Gerhard Landauer
Ton: Klaus Gruber
Video, Photo: Gerald Berthold
Ausstattung, Merchandising: Andrea Berthold, Regina Huszar

Cenario: “Ansichtssache Reloaded” mit Hannes Muik & Caroline Frank

Hannes Muik und Caroline Frank
Am 8. November 2006 ging das Wiener Musiklokal “Cenario” mit einem neuen Bespielungskonzept unter der Geschäftsführung von Michael Fischer an den Start. Fischer begann seine Karriere bei den Wiener Sängerknaben, absolvierte die Ballettschule an der Konservatorium Privatuniversität Wien und eine Stepausbildung, studiert derzeit am Konservatorium Jazz-Klavier und leitet seit zwei Jahren einen eigenen Chor. Im April 2008 ist Michael Fischer in “Evita” zu sehen (Wiederaufnahme einer Produktion am Stadttheater Baden), Maya Hakvoort, die gestern zum ersten Mal ihr zweites Soloprogramm “In My Life” im Theater Längenfeldgasse zeigte, hat ihn für ihre Österreich-Tour als 2. Pianist an Bord geholt.

Michael Fischer machte aus dem Cenario ein gemütliches Etablissement mit Schwerpunkt Jazz, Swing, Soul, aber auch Steptanz und Musical. Eröffnet wurde das Lokal 2006 mit einem Auftritt von Maya Hakvoort. Hannes Muik und Caroline Frank, zwei unter anderem im Musicalbusiness etablierte Künstler, brachten ihre Soloshow “Ansichtssachen” im November und Dezember 2006 im Cenario erstmals zur Aufführung.

Am 10. Oktober 2007 stand “Ansichtssachen Reloaded” auf dem Spielplan des Cenario, ein da capo der ersten Aufführungsserie. Hannes Muik und Caroline Frank texteten für ihre Show 14 Songs, Belush Koreny jun. schrieb zu den meisten der Lyrics angenehme Popmelodien mit Jazz- und Souleinflüssen und begleitete die beiden am Keyboard.

Hannes Muik und Caroline Frank

Herausgekommen ist ein ironisch-witziges Programm, in dem unter anderem die Selbsthilfeliteratur aufs Korn genommen wird. Zitate aus Selbsthilfebüchern wie “Aufwachen! Dein Leben wartet” werden äußerst gekonnt als Über- und Einleitungen zu Songs eingesetzt. So folgt auf einen Ausschnitt aus “Eine Minute Weisheit”

Einer Frau, die ihr Schicksal beklagte, sagte der Meister: “Du machst dir selbst dein Schicksal.”
“Aber ich bin doch wohl nicht verantwortlich, als Frau geboren zu sein.”
“Als Frau geboren zu sein, ist nicht Schicksal. Das ist Bestimmung. Schicksal ist, wie du dein Frausein akzeptierst und was du daraus machst.”

der irrsinnig witzige “Regelblues”, gesungen von Caroline Frank, wobei die Texte der Songs oft auf einer feinen Linie zwischen Witz und Ernsthaftigkeit balancieren und gekonnt mal da und mal dahin abdriften.

Auf einen weiteren besonders “sinnigen” Ausschnitt aus einem Selbsthilfe- und Sprücheklopferbuch:

Es ist traurig, eine Ausnahme zu sein, aber noch viel trauriger ist es, keine zu sein.

folgt Hannes Muik mit “Der Witz” (getextet von Caroline Frank) - ein Song, der exakt so auch Teil eines “Simpl”-Programms früherer Zeiten gewesen hätte sein können und in einer langen Tradition steht. Es ist genau der Stil, den beispielsweise Hugo Wiener mit seiner Frau Cissy Kraner jahrzehntelang gepflegt hat. So ist “Der Witz” auch ein völlig zeitloser Song - innerhalb dieses Programms mit Sicherheit ein Highlight.

Hannes Muik und Caroline Frank

In der Show und auf der winzigen Bühne auch vertreten: Nummern mit mitreißender augenzwinkernder Tanzchoreographie wie “Der Tag, an dem ich Peter Weck traf”. Scheinbar Improvisiertes ist bis ins kleinste Detail durchdacht - Muik mit Altblockflöte zum “Mission Impossible”-Theme, eine irrsinnig witzige Szene, das Lied ein Ohrwurm vor allem durch die Rhythmik des Refrains.

Zum Kreischen kommt Caroline Frank ausführlich in der Irrenhausballade “Mitleidstour”. Sie kreischt aus Verzweiflung, das Publikum vor Lachen.

Hannes Muik und Caroline Frank

Kennst du das Gefühl, wenn dein Spiegelbild nicht will, dass du es ansiehst
- es hat sich an dir satt gesehn
Und kennst du das Gefühl, wenn dein Pudel nicht mehr will, dass du ihn ausführst
- er will alleine Gassi gehn
Und kennst du das Gefühl, wenn deine Mutter nicht mehr will, dass du sie anrufst
- sie hat ja noch ein zweites Kind

Und keiner will mich
und keiner braucht mich
und keiner wollte, dass ich bei ihm bin
wolln meine Liebe nicht
wolln meinen Körper nicht
ich bin so ganz und gar mit mir allein

ja keiner will mich
und keiner braucht mich
und keiner wollte, dass ich bei ihm bin
wolln meine Liebe nicht
wolln meinen Körper nicht
ich bin so ganz und gar mit mir allein

Und kennst du das Gefühl, wenn dein Liebster nicht mehr will, dass du ihn angreifst
- er hat sich um sich selbst gesorgt
Ja ich kenne das Gefühl und ich weiß nur, dass ich will, dass es mal aufhört
und ich weiß, tief in mir drinnen muss ich finden, wer ich bin
dann kann ich zeigen wer ich bin, und spiegle wer ich bin
dann kann ich mich nehmen, wie ich bin, und weiß ungefähr, wie ich bin, und dann ist
alles anders, weil ich weiß, wer ich bin und weiß …
aber schön wärs schon

doch keiner will mich
und keiner braucht mich
und keiner wollte, dass ich bei ihm bin
wolln meine Liebe nicht
wolln meinen Körper nicht
ich bin so ganz und gar mit mir allein

ja keiner will mich
und keiner braucht mich
und keiner wollte, dass ich bei ihm bin
wolln meine Liebe nicht
wolln meinen Körper nicht
ich bin so ganz und gar mit mir allein

Muik (während Frank völlig auszuckt):
Ja keiner will sie
und keiner braucht sie
und keiner wollte, dass sie bei ihm ist
wolln ihre Liebe nicht
wolln ihren Körper nicht
ja sie ist so ganz und gar allein

Ja keiner will sie
und keiner braucht sie
und keiner wollte, dass sie bei ihm ist
wolln ihre Liebe nicht
wolln ihren Körper nicht
ja sie ist so ganz und gar allein

Frank:
Ich bin so ganz und gar mit mir allein

Fazit: “Ansichtssache Reloaded” ist ein äußerst unterhaltsames Set. Wer die Chance hat, Hannes Muik & Caroline Frank damit zu erleben, sollte sie nicht verpassen.

Setlist:
- Heut ist dein Tag
- Tausend Mal
- Du
- Und es geht
- Der Regelblues
- Der Witz
- Der Tag, an dem ich Peter Weck traf
- Ein Tango zum Beispiel
- Die Mitleidstour
- I can’t get you out of my head/If you go away
- Wann mei Herz mit dir red
- I always stay alive
- Die Suche
- Wann nur?

Hannes Muik hat sich in den letzten Jahren auch als Maler einen Namen gemacht. Ab sofort kann man seinen Kunstkalender für das Jahr 2008 unter der Mailadresse hannes.muik[at]chello.at vorbestellen. Es handelt sich dabei um eine limitierte Auflage mit neuen Bildern und zwei signierten und nummerierten Kunstpostkarten von Hannes Muik. Ein Exemplar des Kalenders kostet 38 Euro. Wer bei der Präsentation dabei sein möchte, kann sich unter hannes.muik[at]chello.at mit Informationen versorgen.

Wiener Stadthalle: Carmen Cubana, a latin pop opera

Am 13. September 2007 feierte das Musical “Carmen Cubana” in der Halle F der Wiener Stadthalle als Tourproduktion seine Wien-Premiere.

In Anlehnung an die Novelle von Prosper Mà©rimà©e und Georges Bizets Oper erzählt das Stück die Geschichte der verführerischen Carmen, projiziert die ursprünglich in Sevilla spielende Handlung jedoch auf Kuba und den US-Stützpunkt Guantà¡namo.
1994 versuchen mehr als 30.000 Kubaner, mit Booten nach Miami zu flüchten. Unter ihnen ist Carmen, die in Amerika als Sängerin Karriere machen will. Das Floß mit ihr und ihrer Familie kentert, sie werden von amerikanischen Soldaten verhaftet und mit anderen Flüchtlingen nach Guantà¡namo gebracht. Dort verführt sie den schüchternen Soldaten Joe (bei Bizet Josà©), der ihr schließlich aus Liebe zur Flucht verhilft. Zurück auf Kuba verlässt Carmen Joe und lässt sich mit dem Pop-Sänger Escamillo ein, um ihren Traum von der großen Bühne, Berühmtheit und Luxus zu verwirklichen.

“Carmen Cubana” überzeugt am meisten, wenn Bühnenpersönlichkeiten wie Walter Reynolds (Lilas Pastia), Alvin Le-Bass (Sergeant Cooper) oder Dennis Le Gree (Rum) performen. Nehmen wir als Beispiel das groovige “Nothing is for free”, gesungen von Dennis Le Gree - ein Highlight von “Carmen Cubana”. In solchen Momenten hebt das Musical ab und erreicht Qualitäten einer perfekten R’n'B-Show. Hier verlassen sich Beat For Feat auf ihre wahre Stärke: auf das Redesign von Grooves & Sounds. Musterbeispiel für gutes Redesign: “L’amour est un oiseau rebelle”, die berühmte Arie aus Georges Bizets “Carmen”, die auf einer der populärsten Habaneras, “El arreglito”, beruht. Für ein paar Sekunden bauen Beat For Feet da eine Rhythmussequenz ein, die den Weg hätte weisen können und zeigt, was alles möglich gewesen wäre, um dann zwar in eine gute groovige Version einzumünden, aber letztlich doch eher konventionelle Neubearbeitung. “Habanera” hätte etwas wirklich Großartiges werden können innerhalb von “Carmen Cubana”, so ist immer noch ein stimmiges Redesign herausgekommen.

Carmen Cubana

Nicht immer ganz glücklich sind die Versuche geraten, opernhafte Elemente in diese Latin Pop Opera zu flechten. Weder hat Lana Gordon in dieser Hinsicht bestechende Qualitäten, noch passen gesynthesizerte Violinverwaberungen in den dominierenden Latin Rhythm Sound von “Carmen Cubana”. Das könnte man schon machen, aber dann müssten echte Streicher her und eine andere Carmen, die auch klassisch geschult ist. In diesen Passagen klingt Gordon seltsam dünn. Manche Zitate aus Bizets “Carmen” sind nett gemeint, aber letztlich im Rahmen des Gebotenenen dann doch eher Schnickschnack. Musterbeispiel: “Lena”, eine schöne, groovige Nummer, ein wenig im Earth, Wind & Fire-Stil, die kein “Carmen”-Zitat nötig gehabt hätte. Keine schlechte Idee wäre es übrigens gewesen, anzumerken, welche Songs tatsächlich neu für die Show geschrieben beziehungsweise welche Zitate für die einzelnen Songs verwendet wurden. Ein idealer Platz für diese Infos wäre das Programmheft gewesen.

Punkten kann “Carmen Cubana” vor allem auch mit Balladen, selbst wenn diese teilweise zu sehr zu Whitney-Houston-Soundalikes gestaltet wurden. “The Rose Song”, gesungen vom souveränen Rob Fowler, hat seine Qualitäten ebenso wie “If I had to do it all again”, sehr schön von Lana Gordon interpretiert, auch wenn man hier Whitney Houston fast schon mitsingen hört.

Carmen Cubana

Der größte Minuspunkt der Produktion sind die Dialoge. Wenn man die Darsteller bei den in englischer Sprache performten Songs besser versteht als bei den in deutscher Sprache gesprochenen Dialogen, ist etwas schiefgegangen. Es wirkt manchmal so, als würden die Musicalsänger nicht einmal wissen, was die Worte, die sie aufsagen, bedeuten. Sie betonen falsch, haben eine völlig kervehrte Satzmelodie und rauben sich selbst auf diese Weise jeglichen dramatischen Effekt. So wirkt “Carmen Cubana” in den Dialogszenen manchmal wie eine Schüleraufführung. Schade. Das “burst out in song”-Phänomen wird hier in ein “burst out in dialogue”-Phänomen transferiert. Vielleicht hätte man ein bisschen radikaler sein müssen und eine gänzlich englischsprachige Version produzieren sollen. Wenn dann noch, wie in der Schlussszene, die Regie danebengreift, hat das Konsequenzen. Joe ersticht Carmen, ohne dass diese Szene tatsächlich effektvoll gestaltet wurde. Fast hat man den Eindruck, dass sich Regisseurin Kim Duddy an diesem tragischen Ende vorbeischwindeln wollte, um die gute Laune nicht zu massakrieren. Ein paar Sekunden später ist die Show auch schon vorbei und das Publikum ratlos, bis dann eine schmissige Zugabe den Showkarren wieder auf Touren bringt.

Hervorragend und mitreißend die Tanzszenen, bei denen Kim Duddy in ihrer Funktion als Choreographin ihre Qualitäten voll ausspielen kann. Man spürt die Energie des Ensembles, und das könnte theoretisch sogar ansteckend sein, allerdings sind wir in Wien, und da sitzt man doch eher auf seinem Sesselchen und schaut anderen beim Tanz zu. Aus dem Tanzensemble hervorstechend: Josà© Wanderley. Er ist in den meisten Szenen purer Tanz, wie man es sehr selten erlebt. Sprühend im Ausdruck und äußerst präzise, ein Ausnahmetalent. Am Schluss hält es an doch niemanden in den Sitzen: Standing Ovations!

Carmen Cubana

Für eine Tourproduktion sind die Kulissen sehr ordentlich und multifunktional ausgefallen, Andrew Follers Lichtdesign sorgt für viel Abwechslung und interessante Nuancen.

“Carmen Cubana” ist in der Halle F der Wiener Stadthalle zu sehen. Die Halle F dient seit Anfang 2006 als Alternativlocation zur großen Halle D der Wiener Stadthalle. Bietet die Halle D bis zu maximal 16.000 Besuchern Platz, hat man in der Halle F für rund 2000 Zuschauer eine Showbühne geschaffen, die wenig bekanntere Pop- und Rock-Acts heutzutage füllen können. Sicher ist diese Halle auch für Musicals geeignet, allein man müsste zwei Dinge beachten. Der Ton müsste besser ausgesteuert werden. Wie, ist mir als Konsument egal. Von einer modernen Halle erwarte ich mir, dass der Sound glasklar ist und nicht schlechter als im Happel-Stadion. Ich möchte keinen Hall bei Sprechszenen und keine Trommelfellverletzung bei den Songs (insofern enthalte ich mich beim Sounddesigner von “Carmen Cubana”, Andreas Frei, der Stimme).
Zweitens müsste die Ticketpreisgestaltung adaptiert werden. Sowohl die ganz rechte als auch die ganz linke Tribüne sind zumindest in den ersten Reihen Positionen mit Sichtbehinderung. Diese Plätze der teuersten Kategorie zuzuordnen, ist fahrlässig. Man hat in den ersten Reihen eine “Säule” vor sich, und wenn man Pech hat, einen Fotografen, der tatsächlich glaubt, direkt an der Bühne stehen zu müssen. Das ist, mit Verlaub, eine Zumutung, vor allem, wenn man weiß, welche Anweisungen Fotografen erhalten. Sitzt man ganz rechts beziehungsweise ganz links, hat man auch keine Möglichkeit, die ganze Tiefe der Bühne zu erfassen. Man nimmt also alles bruchstückhaft auf. Da müssen sich die Verantwortlichen sicher mal Gedanken machen, ob das Sinn macht, den vollen Preis abzukassieren.

Carmen Cubana

Fazit: Alle, die bei Tourproduktionen normalerweise mit allergischen Reaktionen zu kämpfen haben und die eine oder andere dieser Shows schon mal fluchtartig verlassen haben, können sich an “Carmen Cubana” vielleicht kurieren. Das Level ist recht hoch, die Darsteller zwar keine Household Names, aber immer für eine Überraschung gut. Und, was nicht unwesentlich ist: Nach all den Dramen, die man in Wiener Musicals oft geboten bekommt, ist man am Ende dieser Show mit Sicherheit besser gelaunt als am Anfang.

Carmen Cubana - a latin pop opera
Nach der Novelle von Prosper Mà©rimà©e und der Oper »Carmen« von George Bizet

Kreativteam
Buch: Kim Duddy
Musik: Martin Gellner & Werner Stranka
Regie & Choreographie: Kim Duddy
Musikalische Leitung Martin Gellner & Werner Stranka / Beat 4 Feet
Dt. Buch: Mike Majzen
Bühne: Walter Vogelweider
Kostüme: Robert Schwaighofer
Lichtdesign: Andrew Voller
Tondesign: Andreas Frei
Produzent: Peter Fröstl / mc events & musicpromotions Gmbh
Produktionsleitung: Ulrike Bruckner / mc events & musicpromotions Gmbh

Cast
Carmen: Lana Gordon
Joe: Rob Fowler
Escamillo: Ruben Heerenveen
Lilas Pastia: Walter Reynolds
Francesca: Kudra Owens
Mercedes: Jacqueline Braun
Rum: Dennis Le Gree
Sergeant Cooper: Alvin Le-Bass
Morales: Pehton Quirante
Chuck: Steven Seale
Sam: Dominik Hofbauer
Jimmy: Andras Simonffy
Gabriella: Kenia Bernal Gonzales
Rum’s Girl: Michelle Marier
Rum’s Girl: Karen Henry
Rum’s Girl: Ines Hengl-Pirker
Rum’s Girl/Dance Captain: Lorna Dawson
Alicia: Laura Fernandez
Margarite: Carla Weissmann
Cousin Carlos: Brian Carmack
Juan: Hugo Cortes
Barato: Jose Wanderley

Band
Gitarre: Martin Gellner (Musical Director), Ariel Ramirez, Pedro Tagliani
Bass: Peter Schönbauer, Mathias Petereit
Keyboards: Martin Payr, Bernie Eder
Drums: Shayan Fathi, Florian Holoubek

“Idiot!” “Oberlehrer!” “Vollkoffer!” Marika Lichter sorgt für Rummel im Raimund Theater

Etwas hitzig ging es nach der Wiederaufnahme von “Rebecca” im Wiener Raimund Theater am 6. September 2007 in der Garderobe des 1. Rangs zu. Heftig wurde diskutiert, das eine oder andere Schimpfwort ist gefallen. Was war passiert?

Marika Lichter gab an jenem Abend ihr Debüt als Mrs. Van Hopper in Sylvester Levays & Michael Kunzes Musical “Rebecca”. Am Ende der Vorstellung, beim Schlussapplaus wurden alle Darsteller eifrig gefeiert - bis auf eine: Marika Lichter. Sie wurde von einigen Zuschauern unüberhörbar ausgebuht.

Warum? Interessante Frage. Es gibt dafür eigentlich keinen Grund, ihre Leistung an diesem Abend hat keinen Buhruf verdient. Dennoch musste jeder, der mal ab und zu einen Blick in die einschlägigen Musicalforen dieses Landes wirft, exakt damit gerechnet haben. Zu viele Hinweise hatte es dafür gegeben, dass Carin Filipcic-Fans die Ablöse ihres Lieblings nicht ohne Aktionen hinnehmen würden. Mich interessiert die Frage, ob Filipcic nun von sich aus ihren Vertrag nicht mehr verlängert hat (wovon ich ausgehe) nicht wirklich. Tatsache ist, dass man nicht den Rollennachfolger ausbuhen kann, nur weil man gern hätte, dass die Urbesetzung erhalten bleibt. Da sollte man doch lieber dabei bleiben, sich in den einschlägigen Kindergartenforen auszutoben.

Marika Lichter hatte das Pech, an diesem Abend ganz offensichtlich indisponiert zu sein. Sie konnte sich kaum bewegen, es fiel ihr offensichtlich schwer, auch nur einen Schritt zu machen. Hier hat (wenn das der Fall war), und das muss man leider sagen, das Theatermanagement versagt. Man darf einen Darsteller, der ganz offensichtlich indisponiert ist, nicht ohne Ankündigung auf die Bühne lassen. Wenn vor der Vorstellung durchgesagt wird, dass eine Darstellerin trotz Verletzung ihren Auftritt absolvieren wird, hat sie schon von Beginn an das Wohlwollen der Zuschauer auf ihrer Seite, nur bösartige Menschen brächten es übers Herz, einen Darsteller, der trotz Verletzung spielt, auszubuhen.

Mein Respekt gehört daher an diesem Abend Marika Lichter, die trotz allem tapfer auch die Buhrufe durchgestanden hat. Zwei Anmerkungen noch zuletzt: Für Uwe Kröger hat man nun endlich den Schlusston des vorletzten Liedes “Manderley in Flammen”, den er in der vergangenen Saison diverse Male nicht mehr treffen konnte, in erreichbare Dimensionen transponiert. Sauber getroffen hat er ihn dennoch nicht. Wurde er ausgebuht? Nein, natürlich nicht. Auch Carin Filipcic war in der Vorstellung. Was mag sie sich wohl beim Schlussapplaus gedacht haben.

Lukas Perman & Marjan Shaki: “Back from Japan” - Konzertdebüt in Wien

Es ist nicht lange her, da gaben Marjan Shaki & Lukas Perman unter dem Titel “Jeder Mann hat 2 Gesichter” in Japan eine Reihe von Konzerten und feierten damit ihr “Solo”-Konzertdebüt.
Zurück in Wien spielten die beiden am 23. Juni 2007 im Szenelokal “Cenario” des Pianisten Michael Fischer eine Kurzfassung dieses Konzertprogramms unter dem Titel “Back from Japan”.
Was zunächst einmal auffällt, ist die interessante Songauswahl. Anders als viele ihrer Kollegen scheinen Shaki & Perman abseits des Musicaltheaters nicht vom Anti-Musical-Virus befallen zu sein. Sie interpretieren auch in ihrem Konzertkurzprogramm “Back from Japan” Songs aus Musicals - Lieder, die man von ihnen kennt, und auch Neues, wie beispielsweise “Out here in my own” aus dem Filmmusical “Fame”, “Your eyes” aus “Rent” oder “On my own” aus “Les Misà©rables” (zum Teil in deutscher und zum Teil in japanischer Sprache). Fast noch interessanter war die Auswahl der “anderen Lieder”, wie beispielsweise eine romantisch-geschlurfte Fassung von “High enough” der Damn Yankees oder eine gelungene SoulJazz-Version von Bill Withers’ “Just the two of us” mit Michael Fischer am Klavier und Lukas Perman auch am Saxophon.
Den Schritt weg vom reinen Musicaldarsteller hin zum Entertainer versuchen viele - manchen gelingt er. “Back from Japan” war besser als vieles, was bis dato in Wien in dieser Richtung zu sehen war. Auf der Bühne konnte man zwei Persönlichkeiten erleben, die einen Raum mit ihrer natürlichen und authentischen Ausstrahlung ausfüllen - ohne eine fremde Rolle zu spielen. Manches kann man lernen, vieles, was man dazu braucht, um so “über die Bühne zu kommen” hat man oder nicht, und die beiden haben eine ganze Menge davon.
Das heißt nicht, dass alles perfekt war, kann es auch nicht, bei der wenigen Zeit die allen Beteiligten für Proben zur Verfügung stand, aber die Richtung stimmt. Man kann sich auf das freuen, was kommt - und im Übrigen ist mir die Spontaneität der beiden bei weitem lieber als Weltstars, die ihre Zeilen vom Teleprompter runterlesen; aber da erkläre ich mich für befangen.

Back from Japan (23. Juni 2007, Cenario)
Marjan Shaki & Lukas Perman
Special Guest: Mark Seibert
Klavier: Michael Fischer

Setlist
01) Die Schatten werden länger: Marjan Shaki & Lukas Perman (”Elisabeth”)
02) Ohne sie: Marjan Shaki & Lukas Perman (”Romeo & Julia”)
03) Out here on my own: Marjan Shaki (”Fame”; O.S.T.)
04) Your eyes: Lukas Perman (”Rent”)
05) Der Balkon: Marjan Shaki & Lukas Perman (”Romeo & Julia”)
06) On my own: Marjan Shaki (”Les Misà©rables”, deutsch/japanisch)
07) High enough: Marjan Shaki & Lukas Perman (Damn Yankees)
08) Hello: Lukas Perman (Lionel Richie)
09) Everything that I am: Mark Seibert (”Tarzan”)
10) Me and my shadow: Lukas Perman & Mark Seibert (Al Jolson/Dave Dryer/Billy Rose)
11) Ich gehör nur mir: Marjan Shaki (”Elisabeth”)
12) Just the two of us: Lukas Perman & Marjan Shaki (Bill Withers)

Nadine Beiler singt Frank Wildhorns “Something to believe in”

Welcher österreichische Sänger bzw. welche Sängerin bekommt schon mal die Chance, ein Lied von Komponist Frank Wildhorn interpretieren zu dürfen. Nun, beispielsweise Nadine Beiler, Starmania-Siegerin des Jahres 2007. Auf ihrer ersten Solo-CD “Komm doch mal rüber” (Veröffentlichungsdatum: 25. Mai 2007) findet sich der Song “Was wir sind”. Dabei handelt es sich um die deutsche Version von “Something to believe in”, einem Lied, das Linda Eder 1997 erstmals für ihre Solo-CD “It’s time” aufgenommen hat. Im Booklet zu “It’s time” schreibt Linda Eder über “Something to believe in”:

One of my greater worries over the last three years has been that someone else would record this song before I got the chance. It was written at the same time as the material for my last album “AND SO MUCH MORE” (remember that “batch” thing) but I had no place on that album. I close every performance with that piece, because I like what it says, and because my soul just loves that song

Was mich am meisten an Beilers Version (zu hören als Stream auf ihrer Website) stört, sind diese wirklich ekelhaft billigen Synthesizer im Refrain. Wenn man kein Geld hat für Streicher, was ja keine Schande ist, dann bitte, um Himmels Willen, wenigstens nicht dieses Puppendigiquatschorchester. Es macht jedes Lied zur Lachnummer, egal, was sonst noch zu hören ist.
Beiler tritt mit dieser Nummer, ob sie will oder nicht, gegen Linda Eder an (Eders Version ist auf YouTube zu sehen). Songs von Frank Wildhorn leben von der Interpretation. Man kann alles aus ihnen machen. Ein schlechter Sänger macht Schlager draus, ein guter Sänger unvergesslichen Pop, Linda Eder Pop/Gospel-Crossover vom Feinsten.
Beilers “Was wir sind” wurde am 4. Mai 2007 als Singleauskopplung veröffentlicht. Am 18. Mai 2007 stieg sie auf Platz 15 der Austria Top 75 ein, konnte sich danach aber platzmäßig nicht mehr verbessern. Am 22. Juni 2007 ist sie noch auf Platz 43 zu finden.
Beilers Interpretation ist nett, aber hinterlässt keinen Eindruck. Gefühlsmäßig eine Nullnummer. Zusätzlich störend sind Probleme, die sie mit ihrer Artikulation hat - all das scheint am Produzenten vorbeigegangen zu sein. Schade um die vertane Chance.

Wiener Volksoper: “La Cage aux Folles” - die letzten Vorstellungen

Kurt Schreibmayer & Karlheinz Hackl; Foto: Martin Bruny

Fünf Mal noch ist Jerry Hermans Musical “La Cage aux Folles” in der Wiener Volksoper zu sehen. Am 22. und 23. Mai 2007 gibt Karlheinz Hackl seine letzten beiden Vorstellungen als Dragqueen Zaza, am 30. und 31. Mai sowie am 10. Juni 2007 wird Erwin Windegger diese Rolle spielen.
“La Cage aux Folles” steht seit 1991 am Spielplan der Wiener Volksoper, von der ersten Vorstellung an war diese Inszenierung ein Triumph, wie gewöhnlich viel mehr noch bei den Musicalbegeisterten als bei den Kritikern. Bald schon waren die Fans bei jeder Vorstellung Legende. Seit 16 Jahren, mit einer längeren krankheitsbedingten Unterbrechung, spielt Burgschauspieler Karlheinz Hackl die schrille, zickige, und doch unheimlich sympathische Zaza so authentisch und glaubhaft, dass er nach jeder Vorstellung mit Standing Ovations abgefeiert wird. Er mag nicht der beste Sänger auf der Welt sein, aber das ist für diese Rolle auch kein Muss. Es schadet nicht, wenn man eine ausgebildeter Musicalsänger ist, keine Frage, aber man kann diese Rolle (vor allem diese) eben auch anders anlegen. Wenn Hackl bei “Ich bin, was ich bin” voller Inbrunst am richtigen Ton vorbeischrammt, tut er es voller Kraft und Stolz. Es mag ein bisserl wehtun im Ohr, aber es ist doch in diesem Moment das Glaubwürdigste, was man im Musicalbereich derzeit in Wien erleben kann.
Zaza kann man sicher auch noch mit 70 spielen, keine Frage, aber vermutlich wird Hackl (Jahrgang 1949) am 23. Mai zum letzten Mal den Fummel von Zaza anhaben. Eine Wiederaufnahme ist zumindest in der nächsten Spielsaison nicht geplant. Karten sind noch erhältlich, man sollte diese Vorstellung nicht versäumen.

La Cage aux Folles - Leading Team
Musical in zwei Akten von Jerry Herman
Gesangstexte von Jerry Herman
Buch von Harvey Fierstein
nach dem Bühnenstück “La Cage aux Folles” von Jean Poiret
Deutsch von Erika Gesell und Christian Severin
Musikalische Leitung: Michael Tomaschek
Inszenierung: Heinz Ehrenfreud, Dennis Callahan, David Scala
Choreographie: Dennis Callahan nach Scott Salmon

Cast
Albin/Zaza: Karlheinz Hackl
Georges: Kurt Schreibmayer
Bitelle: Vesna Orlic
Jacqueline: Guggi Löwinger
Marie Dindon: Sigrid Martikke
Anne: Johanna Arrouas
Jean Michel: Sascha Oskar Weis
Edouard Dindon: Klaus Ofczarek
Francesco: Ferdinando Chefalo
Jacob: Norman Stehr
Odette: Natalie Salazar
Angelique: Erika Kovà¡covà¡
Mercedes: Samuel Colombet
Chantal: Patrik Hullman
Hanna: Eduard Burnaev
Yvette: Una Zubovic
Monique: Vladimir Snà­zek
Nicole: Edgar Nikolyan
Phaedra: Florian Hurler
Clo-Clo: Adrian Cunescu
Lo-Singh: Alexej Khludov
Dermah: Bernhard Bläuel

Orchester und Chor der Volksoper Wien
Das Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper
Bühnenorchester der Wiener Staatsoper

Max Reinhardt Seminar: Little Shop of Horrors

Schlosstheater Schönbrunn; Foto: Martin Bruny

Das Institut für Schauspiel und Schauspielregie der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien trägt den Namen Max Reinhardts, unter dessen Leitung ein staatliches Hochschulseminar für Schauspiel und Regie im Schlosstheater Schönbrunn eingerichtet wurde. Angestrebt wird – wie von Max Reinhardt in seiner Eröffnungsrede von 1929 bereits programmatisch gefordert – eine möglichst umfassende Erarbeitung sprachlicher, theoretischer, körperlicher und musikalischer Fähigkeiten, die sich in der zentralen Arbeit an Rolle und Stück realisieren sollen. Ziel des vierjährigen Studiums ist eine Ausbildung, die den angehenden SchauspielerInnen und RegisseurInnen handwerkliches Können, künstlerische Handlungsfähigkeit und intellektuelle Kompetenz verleiht. Die Verbindung von Praxis und Theorie soll eine Persönlichkeit des Studierenden befördern, die sich im Theaterbetrieb mit Selbstbewusstsein und Intellektualität zu behaupten weiß. Ein Spezifikum am Max Reinhardt Seminar ist die gemeinsame Ausbildung von Schauspiel- und Regiestudenten, die der Vorbereitung auf die realen Theaterverhältnisse entspricht.

Soweit das Programm, die Parole, das Ziel. Überprüfen kann man die Erfolge bei der “umfassenden Erarbeitung sprachlicher, theoretischer, körperlicher und musikalischer Fähigkeiten” derzeit im Schlosstheater Schönbrunn, wo noch bis zum 24. Mai eine Reinhardt-Seminar-Produktion des Musicals “Little Shop Of Horrors” (Alan Menken/Howard Ashman) gegeben wird - ausschließlich und exklusiv für das Theater der Jugend.
Gemischte Gefühle sind es, die man, vielleicht auch nur als Erwachsener, hat, wenn man das Theater nach der Vorstellung wieder verlässt. Zum einen hat man eine Show gesehen, die ganz sicher dazu geeignet ist, die Phantasie der Kinder anzusprechen. Kaum je schien ein junges Publikum in einer Aufführung des Theaters der Jugend so fokussiert aufs Geschehen zu sein wie bei »Little Shop of Horrors«. Kein Wunder, geht es doch um Mord, (Sado-)Masochismus, Liebe, Eifersucht - alles schön verpackt, aber doch auch so deutlich, dass man die eine oder andere Mutter am Ende der Vorstellung etwas irritiert zu einer Freundin sagen hörte: »Also ob das wirklich für Kinder geeignet ist?« Ist es natürlich, die Show sollte aber auch als Anlass genutzt werden, sich mit dem Musical näher auseinanderzusetzen, unter anderem dafür sind ja die Produktionen des Theaters der Jugend gedacht - als Anlass, sich mit dem Theater allgemein zu beschäftigen - auch im Unterricht davor und danach.
Das Bühnenbild ist recht karg, aber bunt, verspielt und pfiffig. Das Budget der Produktion wurde nun nicht gerade dafür aufgebraucht, eine High-Tech-Kulisse zu gestalten, aber es ist effektiv und auch liebevoll gestaltet.
Die Band, ja, also die Band gibt es nicht. Auf der Bühne steht ein Klavier/Keyboard und der Pianist greift mitunter auch zur Gitarre. Das ist dann schon ein wenig wenig, gerade bei einer Show wie “Little Shop of Horrors”. Man sollte doch annehmen, dass es nicht allzu schwer ist, eine zumindest kleine Band für eine Musicalproduktion aufzustellen. Positiv dagegen ist wiederum, dass man sich nicht darauf eingelassen hat, zusätzlichen Sound vom Band einzuspielen. Es wirkt tatsächlich alles live, und das ist auch gut so.
Was ich ja gar nicht mag, ist, nicht zu wissen, wer gerade auf der Bühne spielt. Bei den Darstellern handelt es sich ja nicht gerade um die Hintertupfinger Laienschauspieltruppe, sondern um Studenten am Max Reinhardt Seminar, und das ist nach wie vor eine der bedeutendsten Kaderschmieden auf dem Gebiet des Schauspiels - von hier erwartet man sich Schauspieler, die in einer Liga mit Brandauer und Co. spielen. Da kann man sich als Publikum erwarten, einen Programmzettel vorzufinden, auf dem man auch Porträts der Studenten sieht, dem man entnehmen kann, wer gerade spielt. Das ist ohne großen finanziellen Aufwand zu bewerkstelligen, das schaffen die meisten anderen Schauspielschulen. Aber vielleicht ist das Studium am Max Reinhardt Seminar mit Absicht wie eine Art Verpuppungsstadium aufgebaut. Erst am Ende, wenn der Schmetterling schlüpft (oder wie man sich das vorstellen mag), wandert ein Porträt der “fertigen” Schauspieler in die Galerie der “Absolventen”. Bis dahin sind die Studenten No-Faces.

Little Shop of Horrors; Foto: Martin Bruny

Es gibt Kollegen von der Presse, die es tatsächlich lobenswert finden, wenn Schauspieler keine Homepages haben, wenn sie Pages ins Internet stellen, die außer einem Porträt nichts außer einem Hinweis auf jene Agentur zeigen, von der sie vertreten werden. Ich halte das Sich-dem-Web-Verweigern nun nicht gerade für eine Tugend, aber ein Porträt und der Hinweis auf die Agentur ist immerhin etwas. Es sollte der Mindeststandard sein. Nicht, dass es Schauspieler nötig hätten, unbedingt im Netz vertreten zu sein, nicht, dass man von ihnen verlangen würde, dass sie nun anfangen Kinderfotos zu posten - aber eine gewisse Öffentlichkeit dürfte keinen Schaden zufügen. Im Gegenteil. Möchte ich beispielsweise erfahren, bei welchen Hörbüchern XY als Sprecher mitgewirkt hat, so ist das mit einiger Googelei zwar eruierbar, einfacher wäre es, diese Informationen vom Künstler selbst auf seiner eigenen Homepage zur Verfügung gestellt zu bekommen.
Wie machen sich nun die Schauspielstudenten als Musicaldarsteller? Mal gut, mal weniger gut, würde ich es formulieren. Es ist ein deutlicher Unterschied in den Performances der beiden Besetzungen zu bemerken. Da ich keinen blassen Schimmer habe, wann ich bei meinen zwei Besuchen die erste bzw. wann die zweite Besetzung gesehen habe, und auch Googeleien zu nichts geführt haben, kann ich nur sagen, dass auch die Stimmung im Theater bei der von mir als besser empfundenen Show applausfreudiger war. Die gesamte Cast wirkte einmal etwas amateurhafter, schwerfälliger, überbemüht und noch weniger gesanglich begabt - im Vergleich zur anderen Besetzung. Man kann “Mushnik” natürlich mit übertriebener körperlicher Behinderung darstellen, keine Frage, nur, man kann es auch übertreiben. Als “Pflanze” Audrey 2 bräuchte man doch ein gewisses stimmliches Vermögen, um “Mean Green Mother From Outerspace” wirkungsvoll über die Rampe zu bekommen. Solche Nummern, die geile Performer brauchen, können zum Knackpunkt einer ganzen Aufführung werden, zu Momenten, da eine (semi)professionelle Aufführung nahtlos in Peinlichkeiten abdriftet. Sicher, gerade bei dieser Inszenierung ist es nicht leicht, bei der Schlussnummer zu glänzen, wenn man nur über beschränkte gesangliche Fähigkeiten verfügt und plötzlich den Rocker geben soll. Man hat keinen süffigen Sound einer Band, der manches kaschieren würde, nur das Piano, das Keyboard und einen Chor, der selbst wieder aus Schauspielstudentinnen besteht, die manchmal die herrlichsten Probleme haben, gewisse Stimmhöhen zu erklimmen. Kein Wunder, dass gerade bei dieser Knackschlussnummer der größte Unterschied auch stimmungsmäßig zu bemerken war. Einmal klatschte das Publikum begeistert mit, einmal saß es ruhig da und … wartete auf den Schluss. Wobei es nicht nur an der Stimme allein gelegen hat. Eine der Besetzungen hatte es einfach drauf, mitreißend über die Rampe zu kommen, die andere nicht.

Little Shop of Horrors; Foto: Martin Bruny

Ähnliche Performanceunterschiede lassen sich auch beim sadomasochistischen Zahnarzt Orin festmachen, wobei sich da der Unterschied primär auf die schauspielerische Leistung bezieht. Bei Seymour wäre noch anzumerken, dass die “bessere” Besetzung der beiden Darsteller bei seinen Sprechszenen eine dermaßen schöne Sprachmelodie hat, ein angenehmes samtenes Timbre, dass eben diese Sprechszenen fast schon allein wie Musik waren, eine ganz große Begabung.

Little Shop of Horrors; Foto: Martin Bruny

Insgesamt bietet das Reinhardt-Seminar, in welcher Besetzung auch immer, eine unterhaltsame Show für Kinder, effektvoll inszeniert, im wunderschönen Ambiente des Schlosstheaters Schönbrunn. Allein die Location wäre es wert, für die verbleibenden Vorstellungen noch schnell mal eine Restkarte über das Büro des Theaters der Jugend zu besorgen. Es erwartet die Zuschauer eine sanfte Einführung in das Gebiet des Musicals. Ein spannender Plot, melodiöse Songs und fast schon eher Schauspiel mit Gesang als umgekehrt.

Little Shop of Horrors; Foto: Martin Bruny

Little Shop of Horrors (Der kleine Horrorladen)
Vorlage nach dem gleichnamigen Film von Roger Corman
Musik nach Alan Menken, Buch und Gesangstexte von Howard Ashman. Deutsch von Michael Kunze

Leading-Team

Musikalische Leitung: Klaus Erharter
Bühnenbild und Kostüme: Marie-Luise Lichtenthal
Choreographie: Grant Mc Daniel
Regieassistenz: Jerome Junod, Christina Muschol
Bühnenbildassistenz: Nathalie Lutz, Lucie Strecker
Kostümassistenz: Britte Brüggemann
Maske: Kurt Stolzmann
Ton: Martin Klebahn
Inspizienz: Christine Mattner, Sarantos Zervoulakos

Cast
Seymour: Gerrit Jansen / Florian Köhler
Audrey: Emily Cox / Louisa von Spies
Mushnik: Nikolaus Barton / Wolf Gerlach
Orin: Daniel Göller / Alexander Meile
Pflanze: Thomas Meczele / Markus Westphal
Chiffon: Angela Smigoc / Petra Staduan
Crystal: Judith Mauthe / Yohanna Schwertfeger
Ronnette: Sophia Freynhofer / Marion Reiser

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