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Archiv - 2011

Schubert Theater: “Der Untergang des Hauses Usher” (2011)

Wiens Off-Theater bietet derzeit eine Fülle an interessanten Shows. Eine davon: “Der Untergang des Hauses Usher”, eine Produktion des Schubert Theaters, die noch ein Mal, heute, am Sonntag, dem 30. Januar (Beginn: 19:30 Uhr), am Spielplan der Bühne steht (Infos zum Theater, siehe –> hier).

“The Fall of the House of Usher”, eine Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe, erschien erstmals 1839 in “Burton’s Gentleman’s Magazine” und 1840, nochmals überarbeitet, in der Sammlung “Tales of the Grotesque and Arabesque”.

Die Geschichte faszinierte Filmemacher und Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts gleichermaßen. Von 1928 bis 2008 entstanden nicht weniger als elf Verfilmungen, mindestens acht Vertonungen sind bekannt, darunter Werke von The Alan Parsons Project, Claude Debussy, Philip Glass oder Art Zoyd.

Das Schubert Theater zeigt eine atmosphärisch sehr dichte Sprechtheaterversion der Kurzgeschichte von Poe. Nicht nur die Bühne wird bespielt, der ganze Theatersaal ist Schauplatz, draußen vom Hof rütteln die Geister an der Tür, reißen sie auf, und bei Minusgraden wird das Grauen dann auch durch entsprechende Kälte spürbar. Schon vor Beginn des Stücks bringen pulsierende Lichter, Bühnennebel, Projektionen und Synthesizer-Sounds das Publikum in die passende düstere Stimmung.

Ann-Kristin Meivers, Linda Gondorf und Jasmin Sarah Zamani erarbeiteten für das Schubert Theater die Dramatisierung des Poe-Textes, eine stimmige Sache aus einer Serie an Monologen, sehr düster, bedrückend, Dialoge im eigentlichen Sinne gibt es in dieser Gespenstermär keine. Die Geschehnisse werden dem Zuschauer gefiltert durch die subjektive Perspektive des Erzählers geschildert, die Monologe des Roderick Usher kann man sich, wenn man möchte, ebenfalls gefiltert duch die Wahrnehmung des Erzählers vorstellen. Oder auch nicht, eine von vielen interpretierbaren Leerstellen, die sowohl die Kurzgeschichte als auch die dramatisierte Version auszeichnen - man weiß nie wirklich, was real ist.

Ein nicht unwichtiger Faktor, diese Wirkung zu unterstützen, ist die Soundkulisse, die Fabian Gräf erarbeitet hat. Düstere Klänge, Soundeffekte (Gewitter, Regen, Schreie) helfen, das unbestimmte niederdrückende Gefühl zu verstärken, das dieses Stück auszeichnet. Ein Gefühl, das Christoph Hackenberg als Erzähler beziehungsweise Jugendfreund Roderick Ushers von Sekunde 0 an stimmig nährt und pflegt, wenn er mit seiner Laterne im vom Bühennnebel erfüllten Saal sich den Weg durch den Zuschauerraum zur Bühne bahnt, und von den toten, wie leere Augenhöhlen starrenden Fenstern des Hauses Usher erzählt.

Benedikt Grawe spielt Roderick Usher, der von seinem Jugendfreund so beschrieben wird:

Sicherlich noch nie hatte sich ein Mensch in so kurzer Zeit so schrecklich verändert wie Roderick Usher! Nur mit Mühe gelang es mir, die Identität dieser gespenstischen Gestalt da vor mir mit dem Gefährten meiner Knabenjahre anzuerkennen. Doch war seine Gesichtsbildung immer schon merkwürdig gewesen, so hatte nun eine übertriebene Entwicklung genügt, das Antlitz seiner Züge derart zu verändern, dass ich nicht mal sicher wusste, ob er es wirklich war.
Was mich vor allem verblüffte, ja entsetzte, war die jetzt gespenstische Blässe der Haut; das jetzt überirdische Strahlen des Auges. Das seidige Haar hatte ein eigentümliches Wachstum entfaltet, und wie es da so seltsam wie hauchzarter Altweibersommer sein Gesicht umspielte, hatte ich Schwierigkeiten, dies arabeskenhaft verschlungene Gewebe mit dem einfachen Begriff Menschenhaar in Beziehung setzen.

Bleichgeschminkt gibt Grawe den Zustand zwischen Entrücktheit, Depression, Verwirrtheit und frostigem Erstarren seiner Figur bis hin zum völligen Wahn überzeugend. Die Inszenierung hat durchaus gewollt etwas Voyeuristisch-Sinnliches. Es geht nicht zuletzt um eine detaillierte Beschreibung des Roderick Usher, seines Geisteszustands, aber auch seines Äußeren. Er ist damit fast immer im Fokus des Geschehens, wenngleich der Erzähler ungleich mehr Text hat. Lena Sophie Lehmann als Schwester Ushers bringt ein faszinierendes zusätzliches Fünkchen Irrsinn in die Produktion. Wenn die lebendig Begrabene am Ende des Stücks aus der klirrenden Kälte barfuß in den Saal geistert, das Bühnenblut an ihren Armen, ihren Händen und in ihren Haaren dicklich glänzt, ihr Kleid blutdurchtränkt - da ist der Horror- oder Gespenstergeschichtenfan dann schon ordentlich bedient.

“Der Untergang des Hauses Usher” - eine kleine feine Produktion, die in rund einer Stunde dem Publikum wohltuendes Gruseln lehrt. Es ist Off-Theater, das mit bescheidenen Mitteln auskommen muss, aber dies durch Phantasie wettmacht. Fehlendes üppiges Bühnenbild wird durch Projektionen und ein Spiel mit dem Bühnenvorhang wettgemacht, die Kostüme sind stimmig, das Licht gespenstisch. Wohliges Gruseln ist garantiert.

Darsteller
Benedikt Grawe (Roderick Usher), Christoph Hackenberg (Erzähler), Lena Sophie Lehmann (Madeline Usher), Alexander E. Fennon (Hausarzt/Projektion)

Leading Team
Regie und Konzept: Ann-Kristin Meivers
Textfassung: Ann-Kristin Meivers
Dramaturgie: Linda Godorf/Jasmin Sarah Zamani
Musik/Sound: Fabian Gräf
Bühne: Bernard Roschitz
Kostüm/Maske/Ausstattung: Jasmin Sarah Zamani

Theaterablenkungen

So ungefähr zweieinhalb Jahrtausende nach der Premiere habe auch ich eine Vorstellung von “Guys and Dolls” in der Wiener Volksoper besucht. Eine ausführliche Rezension über eine Show zu schreiben, die gerade noch drei Mal am Spielplan steht, das muss nicht unbedingt sein. Auch war ich ja nur als einfacher Konsument in der Show, der viel aufzuholen hat an nicht besuchten Produktionen in den letzten Jahren. Ein paar salopp formulierte Worte wären: behäbige Inszenierung, furioses Bühnenbild, extrem fad wirkender Hauptdarsteller (Herrig), entzückend Sigrid Hauser, und für alle Fans des Operettentimbres Johanna Arrouas, die nicht nur stimmlich, sondern irgendwie auch in ihrer Körperhaltung ein gewisses dominantes Maß an Operette ausstrahlt, das muss man mögen, meine ich, und erlaube mir, es nicht zu mögen in einem Musical, gar nicht. Oder sagen wir so: Die Show war einfach nicht so ganz mein Fall, als einfacher Konsument, der sich nur mal nen schönen Abend machen wollte, kann man ja pauschal so formulieren.
Worauf ich aber kommen wollte, war die Reaktion des Publikums, und da auf sagen wir einer Mikroebene, nämlich das unmittelbar mich umgebende Publikum und dann wiederum die mich umgebenden Sitznachbarn: Vermutlich liegts an mir, vermutlich bin ich zu leicht ablenkbar, kann sein, dass ich auf akustische Störungen unangemessen reagiere, und es ist ja nicht das erste Mal, dass ich darüber schreibe. Eine neue Form der Ablenkung erfuhr ich jedenfalls in eben jener Vorstellung von “Guys and Dolls”. Um diese Ablenkung zu verstehen, muss man sich Fingerkuppen vorstellen, raue Fingerkuppen, vielleicht sogar mit extrem rissiger Haut, ganz ausgetrocknet, Fingerkuppen, mit denen man an feiner Wolle fast hängenbleibt. Mein Sitznachbar hatte solche rauen Fingerkuppen, und ab einem gewissen Zeitpunkt der Show fing er an, mit seinen Fingern an seiner Anzughose zu reiben, an ihr entlangzufahren, vermutlich ein Akt der Ablenkung, Gedankenlosigkeit, der Gewohnheit. Nun sollte man annehmen, dass man dieses Entlangstreichen von rissiger Haut an weichem Anzugstoff nicht allzu laut hören kann, und laut war es auch nicht, aber dieses beständige Geräusch verstärkte sich in Minuten, Viertelstunden, Halbstunden zu einem extremen Störfaktor, dem ich machtlos ausgeliefert war. Denn was hätte ich den armen Mann bitten sollen, ohne merkwürdig zu klingen.
Wie gut, dass von einem hinteren Sitznachbarn leises Schnarchen nach vorn drang, das das beständige Reiben teilweise überlagerte. Doch dann, im Abstand von wenigen Sekunden - KLAPP - KLAPP - KLAPP -, knallten drei der recht schweren und großartig gestalteten Theaterprogramme von anderen drei Besuchern auf den Boden. Dieses dreifaltige - KLAPP - KLAPP - KLAPP - war derart befreiend, unglaublich. Mein Sitznachbar verschränkte seine Hände, der Schnarcher hinter mir war wieder munter, und ich, ich konnte wieder ohne Einschränkung “Guys and Dolls” genießen.

Schubert Theater: Becoming Peter Pan - An Epilogue to Michael Jackson (2010/2011)

Angesagte Skandälchen finden so selten statt. Vor einigen Wochen verursachte die schiere Ankündigung der Premiere eines Theaterstücks über Michael Jackson unter einigen radikalen Fans des King of Pop Aufruhr. Es kam nicht nur zu gezieltem Mailbombing, nein, man drohte auch, die Aufführungen zu “unterbrechen” und zu “stoppen”, und als kleines Sahnehäubchen gab es eine Morddrohung gegen den Kodirektor jenes Theaters, in dem “Becoming Peter Pan” am 16. Dezember 2010 - ohne Störaktionen - seine Uraufführung erlebte.

In den oft von besonders fanatischen Fans bevölkerten Foren, egal zu welchem Thema sie angelegt werden, ob Uwe Kröger, Mitzi Imechtsogern oder eben Michael Jackson, herrscht nicht selten ein roher, unkultivierter Umgangston, der an jenes Verhalten erinnert, das in autoritären Regimen gelebt wird, oder aber man kommt sich vor wie in einer Krabbelstube, in der “Miss Jackson” und “Babyjackson” mit “WillYoubethere2090”, und wie die sinnigen Namen sonst noch lauten, miteinander brabbeln. Kein Wunder also, wenn erst vor einiger Zeit in einem dieser Michael-Jackson-Foren die “Verbrennung” jener Puppe gefordert wurde, die sozusagen der Hauptdarsteller der Show “Becoming Peter Pan” ist. Wohlgemerkt sind das Reaktionen von Menschen, die “Becoming Peter Pan” nie gesehen haben und wohl auch nicht sehen werden. Aber das war ja bei den Bücherverbrennungen auch nicht viel anders. Es gibt, unter keinen Umständen, eine Entschuldigung für ein solches Verhalten, das in einer Morddrohung gipfelte, es wäre also auch nicht notwendig, dass sich die Leiter dieses Theaters diesem Pöbel stellen, und doch haben sie es versucht, in eben jenen Foren, wenngleich auch mit nicht überwältigendem Erfolg. Es ist vergebliche Mühe - und kein Mensch sollte sich mit einer derart gestörten, kulturfeindlichen Grundgesinnung auseinandersetzen müssen. Doch kennen wir eben jene Einstellung aus vielen Diskussionen, die um die Stellung des Theaters in Österreich geführt wurden - und andererseits lieferte die Auseinandersetzung mit den Fans den Theatermachern sicher jede Menge Stoff bei der Feingestaltung des Figurentheaters “Becoming Peter Pan”.

Haben denn diese total verzweifelten Fans, die, so meinten einige von ihnen, in Heulkrämpfe ausgebrochen sind, als sie Fotos der Puppe gesehen haben, nun wirklich Grund, um den Ruf Michael Jacksons zu fürchten? Was macht Puppenmeister Nikolaus Habjan mit unser aller Michael Jackson? Wird, von Wien Alsergrund aus, nun der König des Pop vom Sockel gestürzt?

Mit Sicherheit nicht. Gehen wir davon aus, dass es in “Becoming Peter Pan” tatsächlich um “den” Michael Jackson geht, dann sprechen wir, und wir Erwachsenen unter uns wissen das doch, von einer Kunstfigur, einem für und von den Medien geformten “King of Pop”. Michael Jackson hat schon zu Lebzeiten mehr als genug selbst inszeniert und der Presse unterjubeln lassen, das seinen Ruf weit mehr geschädigt hat, als es eine Theaterproduktion im Wiener Schubert Theater machen könnte. Aber man muss die Fans verstehen, sie sind im “Internet” in ihrer eigenen Welt und haben teilweise gar keine Ahnung, was sie gerade beurteilen, oft scheint es, als ob sie tatsächlich gar nicht wüssten, was sie tun. Unzählige Mails sind an meine Mailadresse geschickt worden, mit der Aufforderung, “dieses Stück” nicht zu machen, der Text freilich war ein vorgefertigter, der nur in die Mail hineinkopiert worden war. Wie die Lemminge verbreiteten die “Fans” ihre Botschaft, ohne auch nur zu prüfen, wem sie ihren Wunsch mailten. Sie wollten nur ihre Meinung rausbrüllen, irgendjemanden anbrüllen, egal wen. Sie berufen sich in ihren Forenbeiträgen auf Michael Jacksons “Bücher”, auf seine “Interviews”, sie verhalten sich wie Prediger, die den Willen des Kings vollziehen wollen. Keiner von ihnen aber kennt den Menschen Michael Jackson, den sie so anbiedernd “verteidigen” wollen - vor was auch immer. Spätestens seit den Amokläufen in diversen Schulen auf dieser Welt sollte man jedoch dieses wenn auch nur im Netz verbalisierte Aggressionspotential aber ernstnehmen und diese Foren im Zweifelsfall auch polizeilich checken lassen, man weiß nie, was aus Aufforderungen, eine “Aufführung zu stoppen”, eine Puppe “zu verbrennen” dann in der Realität werden könnte.

Das Gute ist, dass all diese Menschen in ihren Foren einen recht begrenzten Aufmerksamkeitswert erzielen. Am einfachsten wäre es also, ihnen keine Öffentlichkeit zu bieten, andererseits hat die Diskussion, so ich sie persönlich mitverfolgt habe, überblicksartig, durchaus eine Art von Unterhaltungswert und könnte, wenn man sich das Programm beispielsweise der Wiener Kammerspiele ansieht, in dramatisierter Form in einer Bearbeitung von Daniel Glattauer einmal “Alle sieben Wellen” ablösen. Schön wäre es, würden sich all diese Fans mal nach Wien aufmachen, um sich die Show, die sie so eifrig dämonisieren, auch anzusehen. Sie ist mehr als sehenswert.

“Becoming Peter Pan” ist ein sehr poetisch gebautes und äußerst exakt ausgeführtes Puppenspiel, das mit Licht, Schatten, Bühnennebel, Sound, einigen Requisiten und zwei Puppen auf kleinster Bühne erstaunliche Theatermomente schafft. Es geht nicht nur darum, was Nikolaus Habjan mit seinen Puppen erzählt, ein ebenso wichtiger Faktor, wenn nicht der wichtigere, ist, wie er es macht, wie er mit den Puppen umgeht, als wären es zerbrechliche, lebendige Wesen, es wohnt dem Ganzen ein fast zeremonieller, ritueller Moment inne, der dieses Schau-Spiel in jeder Sekunde zu einem spannenden macht, in keiner Sekunde vohersehbar. Es ist erstaunlich, wie diese Puppen innert kurzer Zeit zu “leben” beginnen, wie man sich daran gewöhnt, dass die Stimmen zwar alle von Habjan gesprochen werden, aber doch die Puppen lebendig machen.

Es macht keinen Sinn, exakt inhaltsmäßig an dieses Stück heranzugehen. Macht man es doch, ist die Chance dahin, all die Lücken und Brüche, die in das Stück hineingeschrieben wurden, mit der eigenen Phantasie und der gerade in sich selbst vorhandenen Stimmung auszufüllen. Die ganze Show ist ein Spiel mit Stimmungen, mit wunderschönen und verspielten Projektionen, mit den laut eingespielten Songs von Michael Jackson.

Die Handlung des Stücks dreht sich um einen Mann in einer psychiatrischen Anstalt, der sich für Peter Pan hält, mit der Wohnadresse “second to the right and then straight on till morning”. Er hat keine Ahnung, wie alt er ist, hält sich aber für “quite young”, möchte für immer ein kleiner Junge sein und kommuniziert eifrig mit seiner Fee Tinkerbell. Er hält sich aber auch für Michael Jackson und meint, gerade vor einem großen Auftritt zu stehen - “the biggest show on the planet, the biggest show in the universe”.

Ausgehend von dieser recht konkreten Spielsituation wird das Figurentheater recht abstrakt und nur mehr interpretierbar. Bilder aus der Vergangenheit ziehen vorbei, man sieht als Schatten auf einer Leinwand Tanzsequenzen, man sieht Michaels “magic tree”, Michael Jacksons sarkastisch-brutales Alter Ego setzt ihm hart zu: “You’re so pathetic! When was the last time you took a closer look in the mirror? hahaha - Man in the mirror? Look what you’ve become - a coward, a freak, a looser!” Er möchte das gealterte Ich davon überzeugen, noch einmal von vorn zu beginnen, im Nimmerland, auf die harte Tour. Ein “Arzt” (?) “kümmert sich” um den Patienten, stellt Fragen, die Antworten drehen sich letztlich um die großen Themen im Leben Michael Jacksons: Einsamkeit, die ewige Auseinandersetzung mit der eigenen “verlorenen” Jugend, mit dem Alter, es geht um Ängste, Unsicherheiten, um die Beziehung zum Vater, all das verbrämt und eingebettet in einer Art Peter-Pan-Fiebertraum.

Der alte Mann im Rollstuhl freilich hat mit seinem Leben abgeschlossen: “They want to see their King, but the King is dead. He has been dead for a long time. But they still want to see their King of Pop. Please tell the waiting audience that I am not able to perform tonight. They are to leave immediately. Whenever I walk on stage people expect too much of me. They want to see my singing, they want my dance, the turns and the moves - they want the whole package. But I don’t know for how long I will be able to do this […] they gonna laugh at me, they gonna stare at me, as if I were a freak.”

Eine heikle Geschichte, Michael Jackson als alten Mann zu zeigen. Und doch so richtig, bedenkt man die euphorischen Reaktionen der Fans auf die Ankündigung der “This is it”-Tour, die ein 50-jähriger Jackson bestreiten hätte müssen. Ein Michael Jackson, dem man - sehr wohl - das Alter angemerkt hat. Oder, wie es das Alter Ego im Stück formuliert: “I don’t get, how I could get so old. That wasn’t part of the bargain. That wasn’t part of the plan. That doesn’t fit into the concept. He never invented himself as an old man, he never told stories about him being old. How could he? We have to change this. Yeah! We can! This is it! THIS IS IT! Not that! But what would you say if we could make you young again?”

Gegen Ende thematisiert “Becoming Peter Pan” unter anderem den “Heal the World”-Mythos, dieses so unendlich sich selbst überschätzende Weltverbesserer-Image, das Michael Jackson gerne symbolisierte, auf der anderen Seite werden die ungeklärten Umstände des Todes von Michael Jackson auf eine verschwörungstheoretische Basis gestellt. Nochmal die Frage: Wird der Ruf Michael Jacksons beschädigt? Nein, aber “Becoming Peter Pan” ist sehr wohl eine kritische und sarkastische Auseinandersetzung mit dem Phänomen und dem Wirken Michael Jacksons, auch seiner Beziehung zu seinen Fans, insofern ist, und hier schließt sich der Kreis, die Diskussion mit den heutigen Anhängern des King of Pop fast unabdingbarer Bestandteil der Entstehungsgeschichte des “Dramas” “Becoming Peter Pan”.

Einen Freak, das meinen viele der geschockten Fans in der Puppe, die Michael Jackson, oder eben Peter Pan, darstellt, zu sehen. Sie finden die Bilder der Show abstoßend. Da darf man die Wirkung eines Figurentheaters nicht unterschätzen. Was auf Fotos abstoßend wirkt, gewinnt “live” eine völlig andere Dimension. Gerade für Michael Jackson Fans, das als Fazit, ist diese Show ein Muss, der Text ist großartig, teils poetisch, ein Meer an Subtext, voller Anspielungen, und gespickt mit Zitaten aus Songs von Michael Jackson, direkt im Leben von Michael Jackson verankert, aber das mag auch einfach meine eigene Interpretation sein, denn wie Jacksons Alter Ego sich selbst fragt: “Is there an ultimative truth about you, Michael Joseph Jackson?”

Leading Team
Puppenspiel und Puppenbau: Nikolaus Habjan
Buch und Regie: Simon Meusburger
Visualisierungen: Johannes Hucek
Schattentänzer: Ronnie Veró Wagner
Regieassistenz und Inspizienz: Helene Ewert
Kostüme: Modeschule Graz: Billie Lea Lang, Martina Reichenpfader, Melanie Sonner, Angelika Waltl
Lichtdesign: Simon Meusburger
Zwei Schattenmänner: Christoph Hackenberg, Benedikt Grawe
Drei Schattenkinder: Franziska Singer, Matteo Ortner, Lucca Nocchieri
Additional Music: Otto M. Zykan
Übersetzung: Jasmin Sarah Zamani

Verwendete Songs von Michael Jackson
- History
- Stranger in Moscow
- Will You Be There
- Leave me alone
- Thriller
- Cry
- Smile

(in englischer Sprache)

Link
- Schubert Theater

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