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Archiv - Vermischtes

Horrorszenario des Tages: Holenders “West Side Story”-Idee

Eine neue Tageszeitung ist in Österreich an den Start gegangen, “ÖSTERREICH!”, so der sinnige Name, herausgegeben von Wolfgang Fellner, der mit mehr als einem Dutzend Zeitungsgründungen seit Jahrzehnten erfolgreich im Business ist. Wie es halt so üblich ist, braucht eine neue Zeitung vor allem am Beginn schön täglich eine knackige Schlagzeile. Im Fall von “ÖSTERREICH” lautet die Schlagzeile des zweiten Erscheinungstages: “Oper plant Coup: Netrebko in Musical”. Wiens Staatsopern-Direktor Ioan Holender würde gerne, so “ÖSTERREICH”, für seine letzte Spielzeit Anna Netrebko und Rolando Villazon als Stars einer Produktion des Musicals “West Side Story” gewinnen.
Selten so gelacht, Herr Holender. Uns ist allen noch die unglückselige Einspielung dieses Musicals mit Josà© Carreras & Kiri Te Kanawa in Erinnerung, wo der Wohlklang der Stimmen an der Glaubwürdigkeit derselben zerbrach. Gerne wird über die “West Side Story” gesagt, sie sei ja “eigentlich” eine “amerikanische Oper”, ich sehe das nicht so. Ich würde gerne Musicalstimmen hören, wenn ich eine Produktion der “West Side Story” besuche, und ich würde gerne Darsteller sehen, die auch altersmäßig noch halbwegs mit den Rollenvorgaben im Einklang sind.
Nun, Herr Holender hat, wie jüngst, als er über die Vereinigten Bühnen Wien philosophierte und meinte “die Soße aus Musical und Oper funktioniere nicht”, wieder mal ein paar Leute amüsiert, das ist ja auch etwas. Vielleicht gibt es nach seiner Karriere als Operndirektor ein neues künstlerisches Zuhause für ihn im Simpl.

Starmania uncut

Deutschland sucht den Superstar, aber erst wieder nächstes Jahr. Schließlich muss der aktuelle mal wieder richtig vergessen werden. Schon heuer sucht Österreich ein neues Sternlein. Die dritte Staffel der Castingshow Starmania ist seit heute on air, oder besser: im Netz. Was die Vermarktung betrifft, geht der ORF nämlich neue Wege. Die gesamte erste Castingrunde wird seit dem 7. August 2006 im Netz “gesendet” oder besser: gestreamt. Aufgeteilt auf Portiönchen von jeweils 2 Stunden kann man die 2486 Kandidaten bei ihrem ersten Vorsingen erleben, und natürlich die Juroren Monika Ballwein, Eberhard Forcher und Markus Spiegel. Ihren Kommentaren zuzuhören ist in den meisten Fällen dieser ersten Runde fast unterhaltsamer als so manche Darbietung des einen oder anderen potentiellen Sternleins. Im Gegensatz zu DSDS hat die österreichische Jury keinen Platzhirsch wie Dieter Bohlen zu bieten, es geht allgemein ein bisserl pssst zu. Die Kandidaten werden nicht erschossen und stranguliert, sie werden von Markus Spiegels ungeduldigem Schnaufen sanft wieder nach draußen befördert. Wenn Radiomoderator Eberhard Forcher ganz böse ist, dann betont er das doch vorhandene Potential der Kandidaten. Monika Ballwein grantelt vor sich hin, wenn die Herren der Schöpfung mit Hinblick auf die Vermarktung der Sendung dann doch den einen oder anderen männlichen Kandidaten in die zweite Runde lotsen, obwohl sie wohl jetzt schon weiß, dass da nichts draus wird. “Tits & Ass”, ja, aber, na egal …
Noch bis 8. August, 18 Uhr, sind die ersten 59 Kandidaten “on stream”, und viel düfte aus diesem Pool nicht ins Finale kommen. Vielleicht W27, aber wer kann das schon sagen?
Nach der ersten Runde ist nicht Schluss, nein, es werden alle Castingrunden ungeschnitten im Netz gesendet - ein Never-Ending-Leider-Nein, das für gute Unterhaltung sorgen wird, soviel verspricht schon der erste Tag. Und hier geht es zum Stream.

Vienna meets Google


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Lukas Perman “Mitten im Achten”

Am vergangenen Wochenende, so berichtet die Zeitschrift “TV-Media”, wurde in den Studios Potsdam-Babelsberg die Pilotfolge einer neuen ORF-1-Vorabend-Sitcom aufgezeichnet. Unter dem Titel “Mitten im Achten” blödeln einige Topkomiker Österreichs wie Gerold Rudle, Verena Scheitz, Christoph Fälbl oder Max Schmiedl. Mit an Bord auch Lukas Perman.
Worum geht es in der geplanten Sitcom? “Die durchgeknallten Bewohner des Bezirks gewähren - egal ob im Kaffeehaus oder in der WG - einen ungeschminkten, humorvollen Einblick in ihren Alltag.
“Mitten im Achten” basiert auf einer holländischen Vorlage (”Samen”, dt.: “Beisammen”). Wenn die Pilotfolge die Verantwortlichen des ORF überzeugt, werden im Herbst vermutlich 100 Folgen zu je 30 Minuten produziert. Drehzeit: 3 Monate. Gesendet wird dann täglich eine Folge, um den schwachen ORF-1-Vorabend zu pushen.

Alan Menken - Gratisdownload von raren Tracks

Komponist Alan Menken, 8-facher Oscar-Preisträger für Filme wie “Hercules”, “Arielle, die Meerjungfrau”, “Die Schöne und das Biest”, “Aladdin”, “Pocahontas” oder “Der Glöckner von Notre Dame”, bietet auf seiner Homepage ein häufig wechselndes Angebot an Gratisdownloads aus seinem Backkatalog an - rare, begehrte Songs, beispielsweise CDs, die längst vergriffen sind und auf absehbare Zeit nicht mehr veröffentlicht werden, aber auch Demo-CDs, Filmclips, Sheet Music und und und. Derzeit im Angebot unter anderem Demo-Songs von “The Hunchback of Notre Dame”.
Alan Menken schenkt damit nicht nur seinen Fans etwas, sondern sorgt auch dafür, dass man seine Site immer wieder gerne besucht. Bravo.

“Star Wars - The Musical”: Demo als Gratisdownload

Star Wars - The Musical
Es gibt einige “Star Wars”-Musicals da draußen im Universum, sagt man. Wenn man die Quellen im Internet dann recherchiert, landet man auf toten Planeten oder im Narrenhaus. Aber halt, es gibt doch ein “wirkliches” Star Wars-Musical. Aufgeführt wurde es zwar noch nie, aber wer Lust hat, kann sich eine Demo-CD (als ZIP-File) gratis aus dem Netz runterladen. Was gibt es noch? Beispielsweise einen Filmclip, der von der Titelnummer “One Season More” produziert wurde und bei den Star Wars Fan Film Awards den ersten Preis gewonnen hat. Fanart der etwas ulkigeren Art.

New York: Bühne frei für »The Fartist«

Joseph Pujol
Für alle, die schon Urinetown als Titel für ein Musical etwas merkwürdig fanden, und dann mit der deutschen Übersetzung Pinkelstadt ihre ärgsten Befürchtungen bestätigt sahen, gibt es eine gute/schlechte Nachricht: Man kann alles toppen.
Am 1. Juni 1857 wurde Joseph Pujol geboren. In die Theatergeschichte ist er unter seinem Künstlernamen »Le Pà©tomaneq eingegangen. Der Name leitet sich von dem französischen Verb pà©ter (furzen) ab. Bereits in seiner Jugend entdeckte Pujol sein Talent, durch Kontrolle seines Darmschließmuskels Luft anzusaugen, in Form geruchsfreier Darmgeräusche wieder auszustoßen und dabei die Tonhöhe zu modulieren, wobei er später bei seinen Bühnenauftritten auch einen Schlauch einsetzte oder Blasinstrumente mit dem Hintern spielte. Sein erstaunliches Repertoire umfasste populäre Melodien wie das Kinderlied »Au clair de la lune« oder »Le bon roi Dagobert«, die Imitation von Musikinstrumenten wie der Tuba bis hin zu einer eigenen Improvisation über die Geräuschkulisse des Erdbebens in San Francisco von 1906.
Beim diesjährigen New Yorker Fringe Festival feiert am 11. August im Harry de Jur Playhouse ein Musical über das Leben von Joseph Pujol unter dem Titel »The Fartist« seine Uraufführung. Charlie Schulman zeichnet für das Buch verantwortlich, Michael Roberts für Musik und Texte. Unter der Regie von John Gould Rubin sind Kevin Kraft (The Fartist), Mark Baker (Toulouse Lautrec), Jim Corti (Charles Zidler), Rebecca Kupka (Elizabeth), Lyn Philistine (La Goulue) und Nick Wyman (Aristide Bruant) sowie Molly Curry, Tom Gamblin, Rachel Kopf, Lindsay Northen, Charly Seamon und Steven Scott zu sehen.

Holenders Universum

Der ORF berichtet über jüngste Äußerungen des Wiener Staatsoperndirektors Ioan Holender, der, nach einem Besuch der Salzburger Festspiele meinte:

Da die Festspiele vor allem durch Steuergelder erhalten werden, sind die Preise unverschämt. Ich würde das nie bezahlen. […] Es kann keine Opernvorstellung geben, die 600 Euro wert ist […] Dann soll man halt weniger machen. Ich finde auch, dass der ‘Jedermann’ bei freiem Eintritt stattfinden sollte. Das wäre ein Zeichen …

Eine interessante Frage, was eine Opernvorstellung wert sein darf. 20 Euro? 50 Euro? 157 Euro oder 600 Euro? Holender wird wohl oder übel der Meinung sein, dass eine Opernvorstellung maximal um die 180 Euro wert sein darf, soviel kosten - im Durchschnitt - die teuersten Tickets an seinem Haus am Ring. Die billigsten Tickets sind an der Staatsoper um 9 Euro im Verkauf, bei den Salzburger Festspielen um: 5 Euro. Und da stellt sich dann die Frage, ob sich jemand, der bereit ist, 180 Euro für ein Ticket auszugeben, nicht sowieso auch die 600 Euro leisten kann.

“Musicalmania” - Andrew Lloyd Webber sucht den Musical-Superstar

Ganz eigene Ansichten hat “Cats”-Pappi Sir Andrew Lloyd Webber in Bezug auf Darstellerschmieden. Er meint an der Performance jedes Absolventen (fast) erkennen zu können, an welcher Schule dieser seine Ausbildung abgeschlossen hat. Im Originalwortlaut:

Stage schools tend to turn out performers with a certain patina. There is a certain sameness. You can almost tell which school they have come from.

Lloyd Webber geht daher einen ganz eigenen Weg beim Casting für die Hauptrolle in der Londoner Neuproduktion von The Sound of Music. Mit der Sendung How Do You Solve A Problem Like Maria? will der Komponist im Rahmen einer Castingshow seine ideale Erstbesetzung finden. 4 Millionen Pfund kostet der Spaß, der ab dem 29. Juli 2006 über die Bühne gehen und von BBC1 ausgestrahlt wird. Der Gewinnerin der Show winkt ein Vertrag für sechs Monate, für 6 Shows pro Woche.

Lloyd Webber betreibt für seine Londoner Produktion von “The Sound of Music” Promotion der etwas anderen Art. Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn er im Rahmen einer Castingshow neue Talente entdecken will. Schließlich ist das nichts Neues. Josh Strickland, derzeit als “Tarzan” in der blutleeren Broadway-Produktion des Disney-Musicals zu sehen, wurde im Rahmen der US-Castingshow “American Idol” entdeckt, Jennifer Hudson, ebenfalls “American Idol”-Teilnehmerin, wurde für die Verfilmung des Kultmusicals “Dreamgirls” gecastet, Lukas Perman hat einen Gutteil seiner Publicity ebenfalls einer Castingshow (”Starmania”) zu verdanken, wenngleich er eine fundierte Musicalausbildung hat, und das sind nur einige Beispiele.
Die Art und Weise, wie Llyod Webber generell die Musicalausbildung in seinem Heimatland England diskreditiert, hat viele der Verantwortlichen auf die sprichwörtlichen Barrikaden getrieben. Allein die Vorstellung, dass jemand ohne Ausbildung 6 Shows pro Woche durchsteht, ist völlig illusorisch. Wer wird sich also bewerben? Kommt die große Überraschung erst im Ernstfall, wenn die Auserwählte nach zwei Wochen dann nicht mehr kann. Sie wäre kein Einzelfall. Vor ein paar Jahren erst erlebte Martine McCutcheon in einer Londoner Produktion von “My Fair Lady” ihr ganz persönliches Waterloo, brachte es aufgrund ihrer angeschlagenen Stimme auf weniger Vorstellungen als ihre Understudies und musste ihre Verpflichtung vorzeitig beenden. Promotion also für ein “neues” Sendungsformat, okay, aber nicht auf Kosten jener Studenten, die jahrelang hart trainieren und oft am Existenzminimum leben, nur um dann bei einem Casting mitgeteilt zu bekommen, dass sie zu klein, zu groß, zu dick, zu dünn oder sonstwie nicht geeignet sind. So kontert denn auch Gerry Tebbutt, seines Zeichens “Head of Musical Theatre and Performance” am GSA Conservatoire von Guildford:

What is his point of reference? He should come here and see for himself, we seek out the individual and we look out for what is unique. We may not know what that is when they arrive, but we do when they leave.

»Kiss me, Kate«, in Wunsiedel

Am 30. Dezember 1948 ging am Broadway im New Century Theatre die Uraufführung von Kiss me, Kate über die Bühne. In den Hauptrollen: Alfred Drake (Fred Graham/Petruchio), Patricia Morison (Lilli Vanessi/Katharine), Lisa Kirk (Lois Lane/Bianca) und Harold Lang (Bill Calhoun/Lucentio). Diese erste Produktion brachte es auf insgesamt 1077 Aufführungen, die Dernià¨re fand am 28. Juli 1951 statt. Bei den Tony Awards 1949 war “Kiss me, Kate” der Abräumer: 5 Auszeichnungen konnte die Produktion für sich entscheiden: Best Musical, Best Author (Bella Spewack, Samuel Spewack), Best Composer (Cole Porter), Best Costume Design (Lemuel Ayers), Best Producer (Saint Subber, Lemuel Ayers).
Die Deutschsprachige Erstaufführung fand am 19. November 1955 in Frankfurt/Main (Städtische Bühnen) statt und seit damals ist das Musical aus den Spielplänen vieler Bühnen Deutschlands und Österreichs kaum wegzudenken. 2006 beispielsweise ist “Kiss me, Kate” in einer Produktion der Luisenburger Festspiele zu sehen. Die Besetzung: Gudrun Schade, Sissy Staudinger, Ina Nadine Wagler, Kai Bronisch, Wolfgang Haubner, Axel Herrig, Gerry Hungbauer, Mario Mariano, Manfred Molitorisz, Stephan Wapenhans, Frank Wünsche, sowie Sophie Blümel, Susanna Kratsch, Thorsten Kugler, Kerstin Löcker, Korbinian Reile, Barbara Schmid, Walter Spanny, Uwe Schwalbe, Christian Zmek,und Wolfgang Fellinger, Stephan Först, Christian Frank, Martin Grünzweig, Matthias Klausberger, Hans Lassnig, Bernd Leichtfried, Markus Leinholz, Klaus Lippitsch, Primus Sitter und Heimo Trixner. Für einige Vorstellungen konnte als Stargast Rainhard Fendrich verpflichtet werden. Zu sehen ist er noch in den Vorstellungen am 4. und 5. August.
Wer es nicht nach Wunsiedel schafft, kann sich per Webcam einen kleinen Eindruck von der Atmosphäre verschaffen. Die wird allerdings nur alle 30 Minuten aktualisiert, aber immerhin. Interessante Backstage- und Szenenfotos sind auf der Website von Thorsten Kugler (unter “News” zu finden), der selbst bei der Produktion im Ensemble mitwirkt.

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