Archiv - Skurriles
Martin Bruny am Samstag, den
29. Juli 2006 um 01:12 · gespeichert in Theater, Skurriles

Für alle, die schon Urinetown als Titel für ein Musical etwas merkwürdig fanden, und dann mit der deutschen Übersetzung Pinkelstadt ihre ärgsten Befürchtungen bestätigt sahen, gibt es eine gute/schlechte Nachricht: Man kann alles toppen.
Am 1. Juni 1857 wurde Joseph Pujol geboren. In die Theatergeschichte ist er unter seinem Künstlernamen »Le Pà©tomaneq eingegangen. Der Name leitet sich von dem französischen Verb pà©ter (furzen) ab. Bereits in seiner Jugend entdeckte Pujol sein Talent, durch Kontrolle seines Darmschließmuskels Luft anzusaugen, in Form geruchsfreier Darmgeräusche wieder auszustoßen und dabei die Tonhöhe zu modulieren, wobei er später bei seinen Bühnenauftritten auch einen Schlauch einsetzte oder Blasinstrumente mit dem Hintern spielte. Sein erstaunliches Repertoire umfasste populäre Melodien wie das Kinderlied »Au clair de la lune« oder »Le bon roi Dagobert«, die Imitation von Musikinstrumenten wie der Tuba bis hin zu einer eigenen Improvisation über die Geräuschkulisse des Erdbebens in San Francisco von 1906.
Beim diesjährigen New Yorker Fringe Festival feiert am 11. August im Harry de Jur Playhouse ein Musical über das Leben von Joseph Pujol unter dem Titel »The Fartist« seine Uraufführung. Charlie Schulman zeichnet für das Buch verantwortlich, Michael Roberts für Musik und Texte. Unter der Regie von John Gould Rubin sind Kevin Kraft (The Fartist), Mark Baker (Toulouse Lautrec), Jim Corti (Charles Zidler), Rebecca Kupka (Elizabeth), Lyn Philistine (La Goulue) und Nick Wyman (Aristide Bruant) sowie Molly Curry, Tom Gamblin, Rachel Kopf, Lindsay Northen, Charly Seamon und Steven Scott zu sehen.
Martin Bruny am Samstag, den
29. Juli 2006 um 01:11 · gespeichert in Skurriles
Der ORF berichtet über jüngste Äußerungen des Wiener Staatsoperndirektors Ioan Holender, der, nach einem Besuch der Salzburger Festspiele meinte:
Da die Festspiele vor allem durch Steuergelder erhalten werden, sind die Preise unverschämt. Ich würde das nie bezahlen. […] Es kann keine Opernvorstellung geben, die 600 Euro wert ist […] Dann soll man halt weniger machen. Ich finde auch, dass der ‘Jedermann’ bei freiem Eintritt stattfinden sollte. Das wäre ein Zeichen …
Eine interessante Frage, was eine Opernvorstellung wert sein darf. 20 Euro? 50 Euro? 157 Euro oder 600 Euro? Holender wird wohl oder übel der Meinung sein, dass eine Opernvorstellung maximal um die 180 Euro wert sein darf, soviel kosten - im Durchschnitt - die teuersten Tickets an seinem Haus am Ring. Die billigsten Tickets sind an der Staatsoper um 9 Euro im Verkauf, bei den Salzburger Festspielen um: 5 Euro. Und da stellt sich dann die Frage, ob sich jemand, der bereit ist, 180 Euro für ein Ticket auszugeben, nicht sowieso auch die 600 Euro leisten kann.
Martin Bruny am Freitag, den
21. Juli 2006 um 10:08 · gespeichert in Musical, Skurriles
Juli 2006: Uwe Kröger, einer der bekanntesten und beliebtesten deutschsprachigen Musicalstars möchte man meinen, gibt in Essen die Rolle des Phantoms in Andrew Lloyd Webbers Musical “Das Phantom der Oper”.
In einem Interview mit dem Donaukurier nimmt er Stellung zu einigen Drohbriefen, die man ihm freundlicherweise zukommen ließ:
Wie ist denn die bisherige Resonanz mit Ihnen in der Rolle des Phantoms?
Kröger: Die Resonanz war sensationell, selbst ein bekannter Regisseur, der im Publikum saß, sagte mir anschließend, dass er nie gedacht hätte, dass es so spannend sein könnte. Allerdings bekam ich im Vorfeld auch einige anonyme Drohbriefe von einschlägigen Phantom-Fans, die mit dem Boykott der Premiere drohten.
Belastet Sie so etwas?
Kröger: Anfangs ja, weil mir Briefe, in denen mir gesagt wird, dass ich meines Lebens nicht mehr froh werde, Angst machen und ich so etwas geradezu erschreckend finde. Doch letztlich sind solch feige Briefe nicht nur unverschämt, sondern sogar anmaßend. Man kann nicht jedem gefallen und das will ich auch gar nicht. Zum Glück überwog die positive Resonanz.
Der Fan, das unbekannte Wesen. Und täglich schrauben sie die Grenzen etwas weiter runter.
Martin Bruny am Sonntag, den
16. Juli 2006 um 10:05 · gespeichert in Musical, Skurriles
41 Jahre existiert diese Tradition nun schon: der Weckruf für die NASA-Astronauten durch die Flugüberwachungszentren mit Songs, die entweder von Mission Control selbst ausgewählt werden oder von Familienangehörigen der Astronauten.
Begonnen wurde die Tradition bei der Gemini 6-Mission mit einem Klassiker: “Hello, Dolly!”, das war 1965. Sehr oft gewünscht in den letzten vier Jahrzehnten unter anderem “I got you babe” von Sonny & Cher.
Beim aktuellen Shuttle-Flug durften die Töchter von Discovery-Pilot Mike Kelly ihrem Vater ein Lied ins Weltall beamen lassen, und sie entschieden sich für: ABBA. Kelly: “Naja, für mich war es in Ordnung, aber ich glaube, es hat nicht allen gefallen!”
Andere Songs, die man in den letzten Tagen auf der Discovery gehört hat: Lieder von Elton John und Coldplay oder “Good Day Sunshine” von den Beatles. Voriges Jahr gab Ex-Beatle Paul McCartney den Song sogar live für die Besatzung der Raumstation.
1999 kam es zu einer kleinen Unstimmigkeit. Die Frau eines Astronauten wollte für ihren Mann unbedingt ein Lied von Barry Manilow gespielt wissen. Das war dem NASA Flight Director zu viel, Veto. Letztendlich aber konnte sich die Frau des Astronauten durchsetzen, und Barry Manilow bekam seinen “Auftritt” im Weltraum.
Martin Bruny am Donnerstag, den
8. Juni 2006 um 10:38 · gespeichert in Musical, Deutschland, Skurriles
Vielleicht wird man irgendwann einmal draufkommen, wann man in Europa endgültig beschlossen hat, das Musicalgenre abzumurksen. Vielleicht wird man dann einmal feststellen, ohja, das war eindeutig der 8. Juni 2006, an dem man folgende Meldung in den Medien lesen konnte.
Florian Silbereisen spielt in Musical «Elisabeth»
Stuttgart (ddp). Volksmusikstar Florian Silbereisen (24) geht zum Musical. Im August stehe er an der Seite von Pia Douwes für das Musical «Elisabeth» auf der Bühne des Stuttgarter Apollo Theaters, teilte die Kultureinrichtung am Donnerstag mit. Silbereisen werde als blonder Todesengel den jenseitigen Verführer der österreichischen Kaiserin Elisabeth spielen. Für Silbereisen ist es seine «absolute Traumrolle». Nachdem er bereits ein Duett aus dem Musical einstudierte und mehrmals öffentlich präsentierte, habe er den Part unbedingt einmal komplett übernehmen wollen, sagte er.
Für die Rolle nimmt Silbereisen Gesangs-, Schauspiel- und Tanzstunden, daneben stehen Proben mit dem Ensemble an.
Seit 2004 führt Silbereisen durch die ARD-Sendung «Feste der Volksmusik». Sein Schauspieldebüt gab er in dem ARD-Film «König der Herzen».
(ddp)
Es gibt gewisse Grenzen des guten Geschmacks, die man besser nicht überschreiten sollte, es ist tatsächlich möglich, einen für viele ohnedies lächerlichen Mythos eines Musicals zu zerstören. Die schon seit langem unerträgliche Kooperation von Musicalproduktionen und Volksmusiksendungen führt nun dazu, dass sich Sisi von einem Volksmusikheini abschleppen lassen muss. Fehlt nur noch, dass Angelika Milster im Hintergrund “Mondlicht” dazu stöhnt und Karl Moik als Lucheni ein fröhliches “Seavas, pfiat Gott und Auf Wiedersehen” anstimmt. Arme Pia Douwes!
Martin Bruny am Samstag, den
13. Mai 2006 um 10:49 · gespeichert in Sprache, Skurriles
Nein, das ist nicht die Aussage eines rechtsextremen Politikers, nein, das ist kein Ausschnitt aus einer ausländerfeindlichen Zeitschrift. Das ist die Meinung von Liese Prokopp, ihres Zeichens österreichische Innenministerin, und es ist nur eine von vielen Äußerungen österreichischer Politiker in den letzten Wochen, die meiner Meinung nach dazu beitragen, dass man sich angewidert abwenden möchte. Wo sind wir denn eigentlich? Gerade in Österreich, gerade in Wien, dem Schmelzpunkt vieler Kulturen, gerade in Zeiten, da manche rechtsextreme Partei ansetzt, den Wahlkampf zur nächsten Nationalratswahl wieder über eines der unmenschlichsten aller Themen zu führen, nämlich Rassismus, Fremdenfeindlichkeit etc., muss man sich von einer Vetreterin der Regierungspartei so etwas anhören? Da fragt man sich, ob man als Wiener in einem solchen Land etwas zu suchen haben möchte.
Martin Bruny am Sonntag, den
30. April 2006 um 10:54 · gespeichert in Skurriles
Heute groß in der Printausgabe des KURIER beworben: der neue Online-KURIER. Auch beim Relaunch des KURIER-Online-Angebots bleibt eines auf der Strecke: die Kultur. “Nachrichten”, “Sport”, “Freizeit”, Interaktiv” und “Service” wurden als Hauptkategorien eingerichtet, das war’s. Schade, und auch ein völlig unlogisches Konzept, geradezu klassisch konsumentenunfreundlich. Per Klickmarathon zu Theaterkritiken, falls online überhaupt verfügbar? Wirtschaftsnews? Nach wie vor beispielgebend: derStandard.at.
Martin Bruny am Donnerstag, den
13. April 2006 um 14:09 · gespeichert in Musical, Skurriles
Fans des Musicals “Das Phantom der Oper” sind manchmal etwas sehr eigen. Jahrelang zelebrierten amerikanische “Phans” Schmutzkübelkampagnen gegen einen der berühmtesten Darsteller des Phantoms, Michael Crawford, als Meldungen auftauchten, er könnte auch in der Verfilmung des gleichnamigen Andrew Lloyd Webber-Musicals die Hauptrolle übernehmen. Letztlich hat Crawford die Rolle nicht gespielt, und man könnte sagen, zum Glück, denn der Film ist nicht gerade das geworden, was man ein Filmmusical-Highlight bezeichnen könnte.
In Essen wird derzeit die gängige Bühneninszenierung des Webber-Musicals gegeben. Ab Mai wird Uwe Kröger das Phantom spielen, und, offensichtlich angelehnt an die amerikanischen Schmutzkübelkampagnen, haben nun ein paar deutsche Fans eine Website ins Netz gestellt, auf der sie ihren Unmut über die Besetzung Uwe Krögers als Phantom zum Ausdruck bringen. Sie tun dies recht putzig, ungefähr so, wie Herbert Prohaska im österreichischen Fernsehen Fußballmatches kommentiert. Ich empfehle die Lektüre des Buches “Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod” sowie einen Crashkurs in Marterpfahltechnik - irgendwo weit weg, dort wo der Bartl den Most herholt. Get a life!
Martin Bruny am Donnerstag, den
30. März 2006 um 14:10 · gespeichert in Netz, Skurriles

Martin Bruny am Dienstag, den
28. März 2006 um 14:12 · gespeichert in Netz, Musical, Skurriles
Stage Beauty
Dem “Golden Age of Theatre in England”, also der Epoche von 1870 bis 1920, ist die Website Stage Beauty gewidmet. Mit viel Liebe wurde hier ein interessanter Fundus an Biographien online gestellt, den man nur weiterempfehlen kann.
Jason Robert Brown
Jason Robert Brown (”Songs for a New World”, “Parade”, “The Last 5 Years”, …) ist einer jener Musicalkomponisten der Post-Sondheim-Ära, die für das Genre die so wichtigen neuen Impulse bringen, Songs schreiben, die für die Ewigkeit komponiert scheinen, trendlos - Perlen, die man heute genauso schätzt, wie man sie in 20 oder 100 Jahren lieben wird. Lange Zeit war Brown im Internet nur mit einer Fansite vertreten, nun ist seine offizielle Page online gegangen. Sie ist noch im Aufbau begriffen, aber immerhin … und als Begrüßungsgeschenk gibt es im “Weblog”-Bereich der Site die Songs “That’s How Texas Was Born” (unveröffentlichtes Lied aus dem Musical “Urban Cowboy”) und “In this room” (ein Song, den Brown für seine Hochzeit geschrieben hat) zum Gratis-Download.
Brown ist bekannt dafür, dass er sich gerne mit Musicalinteressierten austauscht. In seinem Weblog beantwortet er Fragen sehr ausführlich. Kurz und gut: Browns Site ist schon jetzt ein Musterbeispiel dafür, wie man das Web als Künstler sinnvoll nützt.
Urban Dictionary
Sprache lebt - und verändert sich ständig. Jeder von uns gestaltet mit, der eine mehr, der andere weniger. Das Urban Dictionary bietet für den englischsprachigen/amerikanischen Sprachraum ein Slang-Wörterbuch, das aktuellste Trends auffängt und katalogisiert.
Aktuelles Beispiel: Der Film “Brokeback Mountain” hat gleich mit 5 Redewendungen in das Wörterbuch Eingang gefunden.
Der Wicked-Blog
“Wicked” ist drauf und dran, eines der populärsten Musicals aller Zeiten zu werden. Wie groß diese Show tatsächlich wird, kann man meiner Meinung derzeit noch gar nicht abschätzen, aber die Chancen stehen gut, dass sie sich viele viele Jahre großer Beliebtheit erfreuen wird. Für all die verrückten Fansites rund um Wicked sei mal eine herausgegriffen, die recht witzig ist.
Frank Wildhorn - Global Vision
Am 18. April 2006 werden gleich zwei neue Cast-CDs von Musicals aus der Feder Frank Wildhorns erscheinen: “Jekyll & Hyde: RESSURECTION” (mit Rob Evan als Jekyll/Hyde, Kate Shindle als Lucy und Brandi Burkhardt als Emma) und “Dracula: Concept Recording”. Die Aufnahmen werden vom Label Global Vision veröffentlicht.
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