Martin Bruny am Samstag, den
7. März 2026 um 18:31 · gespeichert in Theater
Theaterpodcast Schauspiel Hannover mit Nils Rovira-Muñoz. Er erzählt zum Beispiel von seinem Engagement am Wiener Volkstheater (2015–2017), direkt nach seinem Schauspielstudium.
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»Ich hatte ein richtiges Horror-Erstengagement in Wien, am Volkstheater. Das war für mich die Realitätskeule von ›Das ist Theater‹. Will ich das? Kann ich das? Was passiert hier? Das war ne Lektion, für die ich dankbar bin. […] Für mich war es ein Wahnsinn, in diese Riesentheaterstadt Wien zu ziehen mit so ner großen Tradition auch an dem Haus. Die Leute lieben das Theater dort. Es gibt viel Aufmerksamkeit dafür, und das checkt man sofort. Gleichzeitig war es auch eines der größeren Häuser in meinem Jahrgang. Quasi diese Bürde zu tragen: Man ist einer von den wenigen, die die Möglichkeit bekommen, in dieser Größenordnung zu arbeiten. Das hat mich überfordert, muss ich sagen. Dann hab ich ganz groß gespielt am Anfang, neben Starkollleg:innen, und ich war aber nicht so gut, würd ich sagen. Dann kriegst du Kritiken, die dein Spiel beurteilen, und da muss man kucken, wie geh ich da selber mit um. Welche Verantwortung liegt dann vielleicht auch bei der Leitung? Da sind so viele Sachen zusammengekommen, dass das Engagement dann nach zwei Jahren beeendet war und das eine große Erleichterung auch für mich war auf ne Art. Trotzdem wertvolle Jahre, muss ich sagen.«
Link zum Podcast –> hier
Martin Bruny am Mittwoch, den
4. März 2026 um 18:33 · gespeichert in Theater
Für kleine Bühnen in Wien gibt es derzeit keine Planungssicherheit. Sie bekommen für 2027 keine Zusage von Förderungen, weil mehrjährige Förderungen abgeschafft wurden. Die Bedeutung von mehrjährigen Förderungen ist der Stadt Wien bekannt. Auf wien.gv.at heißt es:
»Mehrjährige Förderungen geben Sicherheit, ermöglichen längerfristige Planungen, erhöhen den Handlungsspielraum von Kulturschaffenden und reduzieren den Verwaltungsaufwand. Zur Verbesserung von Resilienz ist es sinnvoll, längerfristiges Fördern, wie es der Theaterbereich modellhaft bereits vorführt, auf andere Genres zu übertragen bzw. spartenspezifisch anzupassen, um die Vorteile sinnvoller Planungsphasen zu nutzen. Regelmäßige Valorisierungen werden nach Maßgabe des städtischen Budgets angestrebt.«
Aus dem Büro der Wiener Stadträtin für Kultur und Wissenschaft heißt es dagegen derzeit:
Martin Bruny am Samstag, den
28. Februar 2026 um 11:45 · gespeichert in Musical
Vor sieben Jahren arbeitete Singer-Songwriter Aimee Mann an Liedern für eine Musicalversion des Films „Girl, Interrupted“ („Durchgeknallt“; 1999 mit Winona Ryder und Angelina Jolie als schräge Psychopathinnen in den Hauptrollen). Das Psychodrama basiert auf der Autobiografie von Susanna Kaysen, die Ende der 1960er-Jahre als 18-Jährige für eineinhalb Jahre in einer psychiatrischen Klinik weggesperrt wurde, die alle einschlägigen (Horror-)Vorstellungen von solch einer Institution zu jener Zeit erfüllte.
Aus der Show wurde nichts, aber die Songs veröffentlichte Aimee Mann unter dem Titel »Queens of the Summer Hotel«, wobei die psychiatrische Anstalt Aimee Manns „Summer Hotel“ ist, und die „Queens“ die Patientinnen, denen sie 15 melodisch eingängige Songs widmet.
2026 wird die Bühnenfassung nun doch verwirklicht. »Girl, Interrupted« ist vom 13. Mai bis 21. Juni im Public Theatre zu sehen. Als Choreografin dabei: Sonya Tayeh (2021 Tony Award für »Moulin Rouge«). Das Buch hat Martyna Mayok geschrieben (sie schrieb auch für das neue Musical von Florence Welch, »Gatsby: An American Myth«, das Buch). Regie: Jo Bonney.
Zum immerwährenden Thema der Zeit, Missbrauch, schrieb Aimee Mann für die Show den Song »Home by now«.
Martin Bruny am Sonntag, den
22. Februar 2026 um 07:48 · gespeichert in Musical
Zahlen zu den VBW sind ja nur eher über Umwege zu bekommen. Etwa über das Protokoll des Gemeinderats der Bundeshauptstadt Wien, 22. Wahlperiode, 9. Sitzung vom 18. Dezember 2025.
Förderung der VBW durch die Stadt Wien
2025: 57,5 Millionen EUR
2026: 52,5 Millionen EUR
Eigendeckunggrad
2015: 61 Prozent
2019: 55 Prozent
Recht unterhaltsam ist eine Wortmeldung von Thomas Reindl (SPÖ). Er sagt: »Ein großer Unterschied ist aber, ob man so wie in Wien 40 Personen im Orchestergraben sitzen hat, die live spielen und für die wir Arbeitsplätze schaffen, oder ob die Musik aus der Dose kommt. Das ist ein ganz großer Unterschied.«
Bei welcher Produktion war er?
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Judith Edelmann (ÖVP) skizziert ein wenig die Zukunft:
»Keiner von uns – weder ich noch ein Mitglied meiner Fraktion – hat sich darüber aufgeregt, dass 5 Millionen EUR eingespart werden, möchte ich sagen. Es geht um den Eigendeckungsgrad von den Vereinigten Bühnen. Ich bin der Meinung, man muss auch nächstes Jahr 5 Millionen einsparen und übernächstes Jahr 5 Millionen einsparen, und ich bin sehr froh, dass damit begonnen wurde.«
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Johann Arsenovic (GRÜNE): zum Thema »Disney«:
»Ich habe mir vor allem diese Stage Entertainment Group sehr genau angeschaut. Das sind Häuser in Deutschland, die zu 100 Prozent eigenfinanziert sind - ja, das stimmt: zu 100 Prozent -, die Disney-Musicals spielen.«
Dieser Tage gabs ja die Gender-Reveal-Party der VBW rund um die Besetzung von Disneys »Die Schöne und das Biest«. Mehr als »It’s a Baby« fiel auch der Presse dazu nicht ein.
Quelle wien.gv.at
Martin Bruny am Freitag, den
13. Februar 2026 um 07:52 · gespeichert in Bücher
Dass sich Rina Tanaka in ihrem Buch »Wiener Musicals and Their Developments. Glocalisation History of Musicals between Vienna and Japan« dem von ihr so genannten »Wiener Musical« gewidmet und mit der Behauptung, dass es so etwas tatsächlich gibt, eine These aufgestelllt hat, über die man zumindest mal nachdenken kann, ist großartig. Aber schon beim Durchblättern sieht man, wie geschickt die VBW waren, Fakten so zu chiffrieren, dass man ihnen nicht ganz so leicht auf die Schliche kommt. Zumindest von Japan aus nicht. So glaubt Tanaka tatsächlich die Märchenzahl von 80 Prozent Auslastung bei der K… (jetzt hätte ich fast Katastrophenproduktion geschrieben, aber das würde ich natürlich nie machen) »Schikander«. Seite 108 wiederum (siehe unten) streift ein ganz wichtiges Thema (wenn auch nur in den Fußnoten). Unter der Intendanz von Kathrin Zechner herrschte eine ansteckende Freude am Theatermachen. Davon merkt man schon lange nichts mehr. Alles außerhalb des »Regulären« wurde aufgegeben bzw. an billiger produzierende Dienstleister abgegeben (»Musical Christmas«, »Jesus Christ Superstar«, »Musical Meets Opera« etc). Zum Verhältnis Japan und Österreich später mal mehr, da gibt es eine steile These, die Tanaka nicht erwähnt, die aber bis weit in die Geschichte zurückreicht.
Martin Bruny am Freitag, den
6. Februar 2026 um 07:55 · gespeichert in Musical
»Die Schöne und das Biest«, 2026 in Wien, kann man für das Orchester, wenn man so möchte, als Streicher-Fadeout mit Glissando betrachten. Im Creative Team haben wir mit Christoph Buskies einen in der Branche bekannten Erfinder. Er hat »KeyComp« entwickelt, »a revolutionary, keyboard-driven system that enables a single player to produce the sound and dynamics of a full-sized, live orchestra with an unparalleled level of detail and control«. Die Richtung stimmt, aus Sicht der Exit-Strategen.
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Technology in S.F.’s ‘Frozen’ reduces musicians in live performances, but at what cost to audiences?
KeyComp has been used in Europe for years, and the benefit it provides for producers is clear: They can get sound that’s better than most synthesizers without hiring more musicians. But members of the American Federation of Musicians union are concerned about the economic impact of KeyComp — especially on its subgroup, the Theatre Musicians Association, which has 565 members nationwide.
“It may eventually threaten the continued employment of nearly all theatrical musicians, local and touring alike,” AFM International President Ray Hair said in a statement to The Chronicle. He added that the union will continue to work “to win better economic terms and protections against further erosion of employment from reduced orchestrations and the use of electronic devices.”
Martin Bruny am Freitag, den
23. Januar 2026 um 08:03 · gespeichert in Theater
Ausgerechnet in diesen wilden Zeiten kommt es in Wien gleich zu einer Reihe von Theaterneuübernahmen. Die jüngste Meldung betrifft das ehemalige Volx/Margareten, ab 2015 eine Außenspielstätte des Volkstheaters, die irgendwann in den letzten Jahren still und heimlich aufgegeben wurde. Als »Das Margareten« wird der Raum jetzt neu eröffnet. Ob das klappt, wird sich zeigen. Es läuft eine Crowdfunding-Kampagne, am 28. Februar ist die erste Vorstellung angesetzt.
Vor rund 100 Jahren war die heißeste Theatermeile die Wiener Praterstraße. In den 1920er- und 1930er-Jahren bezeichnete man sie als den »Broadway Wiens«. Davon hat sich nichts erhalten. Wer nun auf das Theater Nestroyhof Hamakom hinweist: Ja, das ist heute eine sehr interessante Bühne, sie wurde aber erst 2009 eröffnet. Davor, nämlich am Beginn, sagen wir 1899, war auf diesem Grund das Café Reklame mit Wirtshaus, Bierhalle und Restaurant, ab 1904 das Intime Theater, nach den Kriegen Kinos und Supermärkte, und ab 1997 nutzte man den Grund kulturell. Wilde Zeiten.
Martin Bruny am Sonntag, den
18. Januar 2026 um 07:58 · gespeichert in Musical
2005: ca. 16 Millionen
2006: 31 Millionen (Umwidmung Theater an der Wien)
2012: 36,35 Millionen
2014: 42,08 Millionen
2018: 39 Millionen
2019: 40 Millionen
2021: 40,2 Millionen
2022: 49,9 Millionen (das waren 50 Prozent des Budgets aus dem Bereich darstellende Kunst)
2024: 56 Millionen
Martin Bruny am Freitag, den
19. Dezember 2025 um 08:11 · gespeichert in Theater
Die VBW machen wieder einmal Negativschlagzeilen. Oder, sagen wir, sie würden Negativschlagzeilen machen, wenn es eine Öffentlichkeit gäbe, die sich dafür tatsächlich interessierte. So läuft im Moment eine Diskussion vor allem via Kolumnen und Petitionen ab.
Worum gehts? Vor ein paar Tagen hat die Stadt Wien beschlossen, die Subventionen für die VBW zu kürzen, mit der (vermeintlichen) Auflage, dass die Einsparungen nicht den klassischen Bereich treffen sollten. Ein paar Momente später haben die VBW auch schon ihren »Sparplan« verkündet: Sie schließen die Kammeroper. Im Marketingsprech hört sich das so an: Die Kammeroper ist sanierungsbedürftig, daher pausiert man den Spielbetrieb.
Ab da verläuft der Ärger auf mehreren Ebenen. Die Kammeroper gehörte ursprünglich einmal der Familie Gabor und musste mit der Saison 2010/11 ihren Spielbetrieb einstellen, weil sich kein finanzieller Rettungsplan erstellen ließ (man hätte aber sehr wohl einen vonseiten Wiens finden können). Davor liefen an diesem Haus jahrelang unter anderem großartige Musicalproduktionen. All das wurde für immer beendet, als die VBW 2012 die Kammeroper übernahmen. Sie wurde daraufhin eine Spielstätte für das Junge Ensemble (JET) und war nun zumindest in diesem Bereich hoch angesehen. Ausgerechnet dieses Haus also nun (vorübergehend) zu schließen, ist in mehrfacher Hinsicht unangemessen. Vor allem, wenn man hören musste, wie stattdessen die VBW ihre Einnahmen pushen wollen. So hat man vor, die Anzahl der Vorstellungen pro Woche zu erhöhen (auf acht). Jeder vernünftige Mensch würde hier kontern: Kinder, ihr habt den 2. Rang im Raimund Theater derzeit nicht einmal im Verkauf, weil die Leute das »Phantom«einfach satt haben. Ihr verscherbelt einen nicht unerheblichen Teil eurer Tickets last minute über einen eigens gegründeten Verein namens Musicalclub um wohlfeile 25 Euro. Und nur, weil für ein paar Monate »Maria Theresia« noch ganz gut laufen wird, wollt ihr uns diese Maßnahme als finanziellen Lösungsversuch präsentieren?
Ich hätte eine anderen Vorschlag. Man möge die VBW anweisen, die akustische Bruchbude Ronacher zu schließen (vielleicht würde Michael Niavarani sie übernehmen, der macht aus jedem Loch ein Erfolgsprojekt). Weiters wird die Bespielung des Theaters an der Wien wieder ausschließlich mit Musicals erfolgen, allerdings im Stagione-Betrieb und nur mit Stücken mit Wert. Im Raimund Theater hat man ausschließlich Eigenentwicklungen zu zeigen. Um das Ganze auf den Weg zu bringen, müsste natürlich zuerst die VBW-Spitze ausgetauscht werden.
Martin Bruny am Sonntag, den
10. August 2025 um 07:53 · gespeichert in Musical
Über Szenen, die zur Mitte des Films und am Ende des apokalyptischen Raver-Films »Sirdat« stattfinden, im aktuellen »profil« (Ausgabe vom 9. August 2025):
»[Sie] müssen hier ungenannt bleiben, um seine Wirkung nicht einzuschränken, nur so viel sei angedeutet: Der gewaltigen emotionalen Fallhöhe, mit der Laxe hantiert, ist kaum gerecht zu werden. Natürlich fürchte auch er, sagt der Regisseur, dass sein Publikum in diesen drastischen Momenten aussteigen könnte. ›Aber darum dreht sich Kunst doch: sich auf dünnem Eis zu bewegen, am Abgrund zu stehen, der Absturzgefahr ins Auge zu blicken.‹ Er kalkuliere die Härte seiner Erzählung nicht, habe aber seine Absichten sehr genau erforscht – ‹und ich weiß, dass ich kein Sadist bin. Ich will dem Publikum bestmöglich dienen. Ich bin 43 Jahre alt, ich bin kein Nihilist, ich bin gläubig und sicher, dass meine Intentionen gut und richtig sind.‹ Das habe ihm das Vertrauen gegeben, diese Szenen zu drehen.«
Zu nicht konkret Benennbarem zählt auch die eine oder andere Szene in österreichischen Musicalproduktionen. In England gibt es Blogger, die seit Jahren (verstärkt seit 2012) Momente in VBW-Shows feststellen, »when the camp creeps in«. »Alien«-Fans würden wohl Ripley zitieren: »Das ist nicht unser Sonnensystem.« Nicht, weil Camp ein wesensfremder Zug bestimmter Musicals wäre, sondern weil in diesen Momenten »etwas nicht stimmt«. Wie in »Alien«. Die Mannschaft ist aufgewacht, aber nicht planmäßig. Man hat sich »verrannt«. Im System Gergen (Struppeck & Anhang) sind das zum Beispiel schwüle Szenen mit lose bekleideten Darstellern, die nicht ins Konzept des Musicals passen. Bei Konzerten können das Momente sein, wo auf einmal Balletttänzer zu Wildhorn-Songs auf einer Minibühne tanzen. Keine Sorge, es sind immer Stargeiger und Ballettstars, die die Stimmung crashen, pardon, einem Event den besonderen Touch verleihen. Frank Wildhorn wird kein Problem damit haben. Kürzlich hat er in einem Interview gesagt: »Ich hab Football gespielt, dann war ich Rettungsschwimmer, und dann hab ich mir selbst das Klavierspielen beigebracht. Ich hab 100 Millionen Platten verkauft, 40 Musicals von mir werden weltweit gespielt. Ich wache jeden Morgen auf und weiß: Ich bin der glücklichste Mensch der Welt. Ich muss nett sein, alles andere kostet zu viel Energie.«