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Eklat in Röttingen

Renate Kastelik, seit 2002 Künstlerische Leiterin der Festspiele in Röttingen, hat “wegen Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses”, wie es heißt, die fristlose Kündigung erhalten.

In einem Zeitungsbericht, der über die aktuellen Entwicklungen berichtet, wird Kastelik mit einem Spruch zitiert, der wohl in die Geschichte eingehen wird:

“Musicals haben in der Kulturlandschaft nichts verloren, sie gehören in den Musikantenstadl”.

Link
Fränkische Nachrichten: Renate Kastelik die fristlose Kündung ausgesprochen

“Someone give me a chance” – Eden Espinosas CD-Projekt

Manchmal kommt man aus dem Staunen nicht raus, welche Künstler und Künstlerinnen in den USA ihre CD-Soloprojekte über Funding-Plattformen finanzieren (müssen), während im deutschsprachigen Raum man manchmal den Eindruck gewinnen könnte, dass fast jeder schon mit einem eigenen Tonträger ausgestattet wird, der einmal bei Tarzan gebrüllt oder ein paar Sekündchen am Marterpfahl gejodelt hat. Die Zeiten haben sich offensichtlich geändert (das ist ja an sich nichts Schlechtes) … in den 90er Jahren war es in den Staaten vermutlich leichter, als etwa ein Bruce Kimmel in der Hochblüte seiner Produzententätigkeit war.

Jüngstes Beispiel einer Funding-Initiative ist Eden Espinosa, bekannt aus “Brooklyn – The Musical”, “Wicked”, “Rent”. Sie hat sich für ihre erste Solo-CD Lieder aus “Wicked”, “Ghost – The Musical”, “Rent”, “Sweeney Todd”, “Will Rogers Follies”, “Aida”, “Brooklyn – The Musical”, “Taboo – The Musical” und “Next To Normal” ausgesucht. Ihr Ziel ist es, die Lieder wie Pop-Songs klingen zu lassen, eigenständig, oder wie Espinosa sagt: “Broadway hits with a pop sensibility”.

Die gute Nachricht ist, dass das Funding-Experiment per kickstarter.com bereits geglückt ist. 19.000 Dollar wollte die Sängerin als Zuschuss zu den Studiokosten, bis jetzt sind schon über 22.000 Dollar zusammengekommen, und jeder, der möchte, kann noch bis 16. September 2012 mitmachen. Wer gar bereit ist 75 Dollar zu investieren, bekommt eine ganz spezielle Limited Edition Christmas EP, die nur an die Kickstarter Backer verschickt wird zusätzlich zum Download und zur signierten Solo-CD, außerdem einen zehnminütigen Telefon- oder Skype-Chat.

Eden Espinosa ist derzeit bereits im Studio und nimmt ihre CD auf, Videos davon finden sich auf der Website von kickstarter.com –> hier.

Stadttheater Fürth: Auditions für »next to normal« – »fast normal«

Am 26. und 29. Oktober 2012 finden in Berlin die Auditions für die deutschsprachige Erstaufführung des Broadway-Musicals »next to normal« statt.

Die Premiere der Show wird im Oktober 2013 im Stadttheater Fürth über die Bühne gehen. Nähere Infos –> hier.

Leading Team
Musik: Tom Kitt
Buch und Gesangstexte: Brian Yorkey
Deutsche Fassung: Titus Hoffmann
Inszenierung: Titus Hoffmann
Musikalische Leitung: Christoph Wohlleben
Choreographie: Melissa King
Ausstattung: Stephan Prattes

Link
- »next to normal« – »fast normal« @facebook

OPEN HOUSE THEATRE COMPANY – Wiens neue englischsprachige Theatergruppe

open_house_theatre_logo.jpgNach 37 Jahren hat vor wenigen Wochen das »International Theatre Vienna« schließen müssen. Warum es schließen musste, dazu gibt es mehrere, sagen wir »Ansichten«, wobei es müßig ist, weiter darüber zu spekulieren. Die positive Nachricht ist, dass sich bereits eine neue englischsprachige Theatergruppe zusammengefunden hat, die als »OPEN HOUSE THEATRE COMPANY« folgendes Motto hat:

A new Viennese based theatre group aiming to bring good quality English (and occasionally German) language shows to the people in and around Vienna.

Die erste Produktion der Gruppe konnte schon fixiert werden. Es ist »A Christmas Carol« von Charles Dickens, jenes Weihnachtsstück, das das International Theatre Vienna einige Jahrzehnte lang immer zur Weihnachtszeit gegeben hat – vor stets ausverkauftem Haus.

Die Produktion wird vom 3. bis 23. Dezember 2012 im »Kunst im Prückel«-Theater zu sehen sein, einem kleinen, aber feinen Theater im Keller des Traditionscafà©s Prückel am Dr.-Karl-Lueger-Platz, gleich gegenüber der U3-Station Stubentor.

Link
Open House Theatre
Open House Theatre @Facebook
Kunst im Prückel

»àštvesztÅ‘ minden àºt« oder Lisl – die neue Alte (alte) [Version]

Der Sonntag, der 19. August 2012, war recht interessant, was die »neue Version« des Musicals »Elisabeth« betrifft, deren Premiere am 5. September 2012 im Raimund Theater vor ausschließlich geladenen Gästen stattfinden wird.

Bis heute musste man davon ausgehen, dass, wie Koen Schoots es in einem Interview mit der »musicalzentrale« skizzierte, mehr oder weniger die Version von 1992 gegeben wird, mit einer Änderung: der Prolog der Fassung von 1992 wird wiederhergestellt, inklusive der Solosätze von Sophie, Ludovika, Franz Joseph, Max, und Rudolf als Kind und Erwachsener. [LINK]

Von Sylvester Levay, dem Komponisten des Musicals, erfuhr die Tageszeitung KURIER jedoch folgende Neuerung: Man wird eine Version spielen »… mit Liedern, die in Wien auch schon in der Version von 2004 enthalten waren. Aber erstmals dem Lied ‚Kein Kommen ohne Geh’n‘ auf Deutsch vom Tod im 1. Akt, das bisher nur in Japan gezeigt wurde.« [LINK]

Unter den Fans der Show ist das maximal ein netter Marketing-Gag, ausgerechnet in diese Version diesen Song reinzustöpseln, aber soll sein. Inhaltlich richtig ist die Aussage aber natürlich nicht, denn »Kein Kommen ohne Geh’n« ist bereits in die ungarische Version des Stücks eingebaut worden, und das sollte der Meister doch wissen.

PS: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass in einem subventionierten Theater Karten für Premieren in den öffentlichen Verkauf gehören.

Palais Nowak: »Broadway Can Bounce«

bcb.jpg Vom 28. bis 30. September 2012 (Beginn 19:30 Uhr) bringt Regisseur, Choreograph, Tänzer und Sänger Cedric Lee Bradley seine Show »Broadway Can Bounce” im Wiener Palais Nowak zur Aufführung. Das »Killer Rock Musical« war bereits am 29. November 2004 im Wiener Raimund Theater zu sehen und kommt nun in einer überarbeiteten Version auf die Bühne.
Zu einer ausführlicheren Inhaltsangabe der Show geht’s –> hier.

Cast
Sabrina Harper, Angelika Ratej, Chris Coras, Dave Moskin, Jacqueline Braun, Andreas Wanasek, Jurriaan Bles

Ensemble
Samuel Calas, Franziska Fröhlich, Kathrin Hassenrück, Christian Joannidis, Peter Knauder, Verena Kollruss, Wei-Ken Jeffrey Liao, Lara Miloslavic, Mary Scherzer, Matthias Rathammer, Andrà© Wright

Leading Team
Konzept, Regie, Choreographie, Set, Kostüme: Cedric Lee Bradley
Musical Orchestration: Mario Dancso
Sounddesign: Richard Redl
Lichtdesign: Michael Grundner

Aufführungstermine
28. bis 30. September 2012
Palais Nowak (Zelt beim Gasometer)
Döblerhofstraße 20
1110 Wien

Tickets
Telefonisch unter +431 512 47 42 (täglich von 14–20 Uhr)

»Alles sehr billig! Bitte, treten Sie näher!” –»Elisabeth” -15 %

Es mag nicht das erste Mal sein, dass Tickets für eine Show bereits lange vor der Premiere zum Sonderpreis angepriesen werden, aber es ist wohl nicht die Regel. »Management by Chaos« scheint in die Verlängerung zu gehen, nun wird das Prinzip des Vorverkaufs geopfert.

Worum geht es? Nun, derzeit machen Mails und Facebook-Statusmeldungen die Runde, dass Tickets für alle Showtermine des VBW-Musicals »Elisabeth«, die man ab sofort bis 31. August 2012 erwirbt, um 15 Prozent ermäßigt unter Angabe des Kennworts »Majestaet« zu haben sind.

Warum führt man Aktionen dieser Art durch? Weil der Vorverkauf so super läuft? Vermutlich deshalb, weil der Musicaltourismus aus Deutschland voll eingesetzt hat und alle nochmal dieselben Leute in denselben Rollen sehen wollen, die sie schon auf der letzten Tour gespielt haben? Oder weil die Farben am neuen Sitzplan des Raimund Theaters so schön blau-gelb sind? Fragen über Fragen.

Aber es soll sich niemand ärgern, der schon frühzeitig seine Tickets gebucht hat. Manche machen einen Fehler nur ein Mal, manche auch zehn Mal, damit sie auch ganz sicher sind, dass es falsch war. Es besteht also noch Hoffnung.

Ärgern könnten sich vielleicht all jene, die bei einem Gewinnspiel der VBW teilgenommen haben, bei dem es zwei Tickets für die »GALAPREMIERE« von »Elisabeth« zu gewinnen gibt. Einsendeschluss bei diesem Spielchen ist der 22. August. Schon heute, am 14. August, gingen aber Mails raus mit der Meldung, dass man leider nicht gewonnen hat. Nun, einfach schmunzeln, vielleicht waren das die ersten Testläufe einer neuen Show des österreichischen Mentalisten Manuel Horeth. Na, das kann ja was werden.

Wer noch am Gewinnspiel teilnehmen will, zu den Informationen geht es –> hier. Ignorieren muss man als musicalaffiner Leser vielleicht den Umstand, dass es natürlich pro Musical nur eine »Uraufführung« geben kann und dass Herr Abbasi noch niemals Abassi geheißen hat. Vielleicht lautet die richtige Antwort daher: »Wie lautet die richtige Frage?«

Oh Lord, Lloyd Webber hat sich geirrt

Im vergangenen Dezember ließ Andrew Lloyd Webber mit einer düsteren Prognose aufhorchen (siehe –> hier). Er sagte für das West End in der Zeit der Olympischen Spiele ein Blutbad voraus. Die Theater würden keinen Umsatz machen, alles würde sich nur für die Spiele interessieren. Das Ganze gipfelte in dem Statement:

Nobody’s going to go to the theatre at all, most of the theatres in London will shut. It’s going to be very tough.

Nun, der gute Lord hat sich geirrt. Der Kartenverkauf am West End hat durch die Spiele um 25 Prozent zugelegt. Alle Stücke, die in den Theatern von Lloyd Webber zu sehen sind, wie “The Phantom of the Opera”, “War Horse” und “Shrek”, konnten während der Spiele ein Umsatzplus verbuchen. “The Wizard of Oz” im Palladium wollte Lloyd Webber während des 14-tägigen Sportevents sogar schließen, und auch diese Show hat durch die Spiele rund 100.000 Pfund mehr Umsatz gemacht als davor – pro Woche.

Lloyd Webber:

I’m the one who said it would be all doom and gloom, but I have been proved wrong and I couldn’t be more delighted about that. I thought it was going to be terrible because there would be no foreign visitors whatsoever, and it is true that we’re not seeing the foreigners we normally get at this time of year.
But what is happening is that a lot of families from all over the country are coming to see things such as the equestrian events or the volleyball … and saying, ‘What else can we go and see?’ So suddenly we see this huge upturn, and what’s interesting is that they are clearly all Brits.

Also doch noch die Kurve gekriegt. Mit ausländischen Touristen, so Lloyd Webber, könne man in diesen 14 Tagen freilich trotzdem nicht wie sonst rechnen, es sind vielmehr die Briten selbst, die dafür sorgen, dass aus den Olympischen Spielen keine Hunger Games fürs Theater werden.

Link
- Andrew Lloyd Webber: ‘I was wrong about summer theatre bloodbath’

Broadway: - 50 Prozent

Viel wurde in Foren und auch anderswo in den letzten Wochen über die Flops am Broadway und auch die ganz normalen letzten Vorstellungen von Produktionen am Great White Way geschrieben. Ein paar Fakten.

In den letzten 30 Jahren waren zur Zeit der Tony Awards durchschnittlich 27,23 Shows in den Theatern am Broadway zu sehen. Bis zum ersten Montag im September jeden Jahres, dem Labour Day, findet dann am Great White Way das jährliche Ausbluten statt. Der Durchschnittswert für die letzen 30 Jahre: 10,61. – Von den 27,23 Shows schließen also durchschnittlich 10,61 im Zeitraum von den Tony Awards bis zum Labour Day, das sind 38,96 Prozent.

2011/12
In dieser Broadway-Spielzeit sieht die Statistik etwas anders aus. Wir hatten zur Zeit der Tony Awards 34 Shows am Start, und 17 davon, das sind 50 Prozent, werden bis zum Labour Day schließen. Das gab es erstens erst zwei Mal in der Broadway-Geschichte, und das letzte Mal 1996.

Weitere Daten
Im Laufe der letzten 15 Jahre waren durchschnittlich 32,27 Shows zur Zeit der Tony Awards am Start, in den 15 Jahren davor: 22,5 Shows.
Im Laufe der letzten 15 Jahre mussten durchschnittlich 12,73 Shows von den Tony Awards bis zum Labour Day schließen (39,46 Prozent), in den Jahren davor 8,625 Shows (38,33 Prozent).

Die letzten 5 Jahre
Betrachtet man nur den Zeitraum der letzten 5 Jahre, so mussten 40,96 Prozent aller Shows von den Tonys bis zum Labour Day schließen. Produziert wurden in diesen letzten 5 Jahren um 2 Stücke mehr als im Vergleich zu den 10 Jahren davor und um 11 Stücke mehr als in den wiederum davor liegenden 15 Jahren.

Broadway-Produzent Ken Davenport, der diese Daten erhoben hat, kommt zu folgendem Schluss:

We just might be producing more shows than our market can bear. Sure, the vendors are happy. They’re working on a ton of more shows, and aren’t tied into profitability. But the investors aren’t.
With attendance flatter than the earth before Columbus took it for a spin, it’s counter-intuitive to profit-making to create more product. Imagine, for a second, if during the financial crisis that devastated the auto industry, Detroit just started making a few more cars.
While everyone thinks their show can beat the odds and be the best, it’s important to be objective about your show. There’s only so much business to go around. And if you try to compete in a flooded market, you may just get run aground.
And that’s scarier than any little blonde girl staring at a bunch of static.

Link
- Is it just me? Or does it feel like more shows are closing this summer?

Saufen wir uns doch alles schön … Part II

Sagen wir es so: Als man unter Kathrin Zechner auf gut Wienerisch meinte: »Es kommt nix Besseres nach …«, musste man sich den Vorwurf gefallen lassen, allzu pessimistisch zu sein. Nun, mittlerweile haben wir die großartige »Legally Blonde«-Ankündigung, man versucht uns einzureden, dass eine konzertante Produktion von Musicals eine »Innovation« sei, obwohl Caspar Richter ALLE Credits dafür (in Bezug auf Produktionen dieser Art mit dem Orchester der VBW) zuzuschreiben sind und nicht etwa einem neuen Intendanten … Wir haben, das alles ist natürlich nur meine Sicht, ein perfektes »Management by Chaos«, denn natürlich findet das Casting für die angekündigte konzertante Produktion viel zu spät statt, um mindestens ein halbes Jahr zu spät, sodass unwillkürlich die Frage auftauchen muss, ob »Das Phantom der Oper” die zweite, dritte, vierte oder fünfte Wahl war, aber …

… das Beste kommt ja noch. War es früher immer ein Abwägen und Herumdiskutieren, ob nun Karten für Premieren in den allgemeinen Verkauf kommen, gibt es derzeit Stimmen, die besagen, dass Premieren unter Struppeck nur mehr für Sponsoren, deren Angehörige, Darsteller und deren Angehörige – und natürlich Promis – stattfinden werden. Sicher kommt von den VBW umgehend, wie auch zu anderen Themen, ein Widerruf, wenn dem nicht so ist. Und mit großer Freude würde ich dann berichten wollen, wo und wann man Karten kaufen kann, ohne betteln zu müssen. Falls dem aber doch so sein sollte, dass es diesmal keine Karten im Vorverkauf gibt, dann bewahrheitet sich einfach wieder mal der oben angeführte Spruch.

Und man kann die Situation nicht etwa mit Stage Entertainment vergleichen, denn wie ein Privatunternehmen seine Premieren gestaltet, ist Sache dieses Unternehmens. Die VBW sind aber von Steuergeldern abhängig, sie bekommen Subventionen, und es stellt sich die Frage, ob wir alle dafür zahlen müssen, damit Frau Kaisersemmel und Herr Marmeladenkringel fadisiert in den ersten Reihen lungern können und sich Alfons Haider bei Dominik Heinzl zum x-ten Mal als »Elisabeth«-Fan outen kann. Merkwürdiger Weise ist es möglich, für jede Premiere im Wiener Burgtheater ohne Probleme an Karten zu kommen, und die Besetzung in diesem Bereich bewegt sich auf internationalem Niveau, während man im Musicalbereich oft nicht mal mehr von Regionalliga sprechen kann.

Was könnte man dagegen tun? Nun, man könnte an die Kulturverantwortlichen der Wiener Parteien schreiben und vielleicht mal ihr Interesse darauf lenken, wie mit Subventionen umgegangen wird und ob mit Subventionen nicht Theater für Theaterinteressierte gemacht werden sollte, die bereit sind, ihre Karten zu kaufen.

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