Martin Bruny am Samstag, den
7. März 2026 um 19:19 · gespeichert in Musical
»Die Schöne und das Biest« stellt für die VBW eine Zeitenwende dar. Lange Zeit gab es Übelmeinende, die prophezeiten: Einmal, ja einmal werden die Preise der VBW noch über jenen von Stage Entertainment liegen.
Was für eine absurde Vorstellung. Dort Stage Entertainment, ein kommerzielles Unternehmen, das auf Marktmechanismen setzt, hier das Monopoly-Gegenstück. Die Wiener Ticketpreise, überspitzt formuliert, Chips mit einem Fantasiewert, beliebig festsetzbar, in dem Wissen, dass die erzielten Einnahmen in der Realität nie reichen würden, um kostendeckend zu produzieren. Steuerzahler finanzieren das Unternehmen, und das ist ja auch gut so. Kultur soll gefördert werden.
Dennoch ändert sich das mit Herbst 2026, denn mit »Die Schöne und das Biest« verlangen die VBW, wir nehmen als Vergleichsbeispiel Mittwoch, den 30.9., mehr für ein Ticket als Stage Entertainment.
30.9. »Der König der Löwen«, Hamburg: Premium, 1. Reihe: 185,99 Euro
30.9. »Die Schöne und das Biest«, Wien: VIP GOLD, 1. Reihe: 189 Euro
Der Vergleich ist natürlich etwas unfair, denn die VBW spielen das Spielchen mit flexiblen Kartenpreisen, wie es ihnen gefällt. In einem anderen Monat kosten Tickets wieder weniger. Aber: Die Preise an diesem Tag sind Fakt. Ich will damit eine Entwicklung zeigen. Nicht dass dann jemand überrascht ist, wenn die VBW 2027 vielleicht nicht nur an einem einzigen Tag die Stage-Preise toppen.
Noch interessanter wäre es vielleicht, die VBW Folgendes zu fragen. Gehen wir in die nächste Spielzeit zu »Die Schöne und das Biest« und schauen wird uns die Ticketpreise der teuersten Kategorie nur für die Dienstage an.
29.9.: 189 Euro
6.10.: 179 Euro
13.10.: 189 Euro
20.10.: 179 Euro
27.10. 189 Euro
3.11.: 159 Euro
10.11.: 159 Euro
17.11.: 169 Euro
24.11.: 169 Euro
1.12.: 159 Euro
15.12. 149 Euro
22.12.: 179 Euro
Dynamic Pricing made in Oberlerchenfeld?
Martin Bruny am Samstag, den
7. März 2026 um 18:31 · gespeichert in Theater
Theaterpodcast Schauspiel Hannover mit Nils Rovira-Muñoz. Er erzählt zum Beispiel von seinem Engagement am Wiener Volkstheater (2015–2017), direkt nach seinem Schauspielstudium.
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»Ich hatte ein richtiges Horror-Erstengagement in Wien, am Volkstheater. Das war für mich die Realitätskeule von ›Das ist Theater‹. Will ich das? Kann ich das? Was passiert hier? Das war ne Lektion, für die ich dankbar bin. […] Für mich war es ein Wahnsinn, in diese Riesentheaterstadt Wien zu ziehen mit so ner großen Tradition auch an dem Haus. Die Leute lieben das Theater dort. Es gibt viel Aufmerksamkeit dafür, und das checkt man sofort. Gleichzeitig war es auch eines der größeren Häuser in meinem Jahrgang. Quasi diese Bürde zu tragen: Man ist einer von den wenigen, die die Möglichkeit bekommen, in dieser Größenordnung zu arbeiten. Das hat mich überfordert, muss ich sagen. Dann hab ich ganz groß gespielt am Anfang, neben Starkollleg:innen, und ich war aber nicht so gut, würd ich sagen. Dann kriegst du Kritiken, die dein Spiel beurteilen, und da muss man kucken, wie geh ich da selber mit um. Welche Verantwortung liegt dann vielleicht auch bei der Leitung? Da sind so viele Sachen zusammengekommen, dass das Engagement dann nach zwei Jahren beeendet war und das eine große Erleichterung auch für mich war auf ne Art. Trotzdem wertvolle Jahre, muss ich sagen.«
Link zum Podcast –> hier
Martin Bruny am Mittwoch, den
4. März 2026 um 18:33 · gespeichert in Theater
Für kleine Bühnen in Wien gibt es derzeit keine Planungssicherheit. Sie bekommen für 2027 keine Zusage von Förderungen, weil mehrjährige Förderungen abgeschafft wurden. Die Bedeutung von mehrjährigen Förderungen ist der Stadt Wien bekannt. Auf wien.gv.at heißt es:
»Mehrjährige Förderungen geben Sicherheit, ermöglichen längerfristige Planungen, erhöhen den Handlungsspielraum von Kulturschaffenden und reduzieren den Verwaltungsaufwand. Zur Verbesserung von Resilienz ist es sinnvoll, längerfristiges Fördern, wie es der Theaterbereich modellhaft bereits vorführt, auf andere Genres zu übertragen bzw. spartenspezifisch anzupassen, um die Vorteile sinnvoller Planungsphasen zu nutzen. Regelmäßige Valorisierungen werden nach Maßgabe des städtischen Budgets angestrebt.«
Aus dem Büro der Wiener Stadträtin für Kultur und Wissenschaft heißt es dagegen derzeit:
Martin Bruny am Sonntag, den
10. August 2025 um 07:53 · gespeichert in Musical
Über Szenen, die zur Mitte des Films und am Ende des apokalyptischen Raver-Films »Sirdat« stattfinden, im aktuellen »profil« (Ausgabe vom 9. August 2025):
»[Sie] müssen hier ungenannt bleiben, um seine Wirkung nicht einzuschränken, nur so viel sei angedeutet: Der gewaltigen emotionalen Fallhöhe, mit der Laxe hantiert, ist kaum gerecht zu werden. Natürlich fürchte auch er, sagt der Regisseur, dass sein Publikum in diesen drastischen Momenten aussteigen könnte. ›Aber darum dreht sich Kunst doch: sich auf dünnem Eis zu bewegen, am Abgrund zu stehen, der Absturzgefahr ins Auge zu blicken.‹ Er kalkuliere die Härte seiner Erzählung nicht, habe aber seine Absichten sehr genau erforscht – ‹und ich weiß, dass ich kein Sadist bin. Ich will dem Publikum bestmöglich dienen. Ich bin 43 Jahre alt, ich bin kein Nihilist, ich bin gläubig und sicher, dass meine Intentionen gut und richtig sind.‹ Das habe ihm das Vertrauen gegeben, diese Szenen zu drehen.«
Zu nicht konkret Benennbarem zählt auch die eine oder andere Szene in österreichischen Musicalproduktionen. In England gibt es Blogger, die seit Jahren (verstärkt seit 2012) Momente in VBW-Shows feststellen, »when the camp creeps in«. »Alien«-Fans würden wohl Ripley zitieren: »Das ist nicht unser Sonnensystem.« Nicht, weil Camp ein wesensfremder Zug bestimmter Musicals wäre, sondern weil in diesen Momenten »etwas nicht stimmt«. Wie in »Alien«. Die Mannschaft ist aufgewacht, aber nicht planmäßig. Man hat sich »verrannt«. Im System Gergen (Struppeck & Anhang) sind das zum Beispiel schwüle Szenen mit lose bekleideten Darstellern, die nicht ins Konzept des Musicals passen. Bei Konzerten können das Momente sein, wo auf einmal Balletttänzer zu Wildhorn-Songs auf einer Minibühne tanzen. Keine Sorge, es sind immer Stargeiger und Ballettstars, die die Stimmung crashen, pardon, einem Event den besonderen Touch verleihen. Frank Wildhorn wird kein Problem damit haben. Kürzlich hat er in einem Interview gesagt: »Ich hab Football gespielt, dann war ich Rettungsschwimmer, und dann hab ich mir selbst das Klavierspielen beigebracht. Ich hab 100 Millionen Platten verkauft, 40 Musicals von mir werden weltweit gespielt. Ich wache jeden Morgen auf und weiß: Ich bin der glücklichste Mensch der Welt. Ich muss nett sein, alles andere kostet zu viel Energie.«
Martin Bruny am Samstag, den
9. August 2025 um 07:57 · gespeichert in Literatur
Benjamin Dreyer schreibt:
These last few days, in the face of the grisly coverage of the grisly Las Vegas »reimagining« of the 1939 film »The Wizard of Oz,« I’ve been exercising my fascination with the newishfangled word »yassification,« a neologism I’m extremely fond of because it lives up to my chief criterion for neologisms, which is that they should fill a void no extant word currently occupies. In this case, our brave new word takes in the act of cranking the dials up on a person’s or object’s beauty, specifically as that person or object is represented online, and with the use of various softwares and filters that so oversucceed in their task that the result is uncanny-valley-ly grotesque. Also in »yassification«’s favor, it sounds (at least to me) precisely like what it means, which is endearingly user-friendly of it. Plus I was tickled to learn that the »yass« part of »yassification« derives indeed, as I’d hoped and prayed it would when I first went to look the word up, from the »yass« of »yass, queen.«
In the event, I find »yassification« so alluring, so on point, so simply-too-much-fun, that I’m willing to risk a certain mutton-dressed-as-lamb-ness in using it.
Coinages, I’d say, occupy a spectrum from essential (»regift« and »selfie,« for instance, and more recently the superb »doomscrolling«) to close-to-pointless-and-destined-to-be-discarded-and-forgotten-almost-as-soon-as-they’re-spawned, like, for instance, »goblin mode,« which I suspect most God-fearing people had never encountered before it was inexplicably named a word of the year, to the egregious »rizz,« which ditto, a word that’s useful, I suppose, if you’re so bereft of life expectancy that you don’t have enough time to say »charisma.«
Seine Beiträge auf Substack kann man –> hier abonnieren.
Martin Bruny am Montag, den
4. August 2025 um 21:17 · gespeichert in News
Ab 7. Februar 2026 ist wieder einmal Colin Higgins’ schwarze Komödie »Harold und Maude« in Wien zu sehen. Jonas Zeiler und Daniela Ziegler spielen unter der Regie von Boris von Poser bis 14. März 2026.
Zuletzt war das Stück 2017 mit Meo Wulf und Erni Mangold am Spielplan der Wiener Kammerspiele. Es war Erni Mangolds Bühnenabschied. Und auch Meo Wulf war danach nicht mehr lange auf Wiener Bühnen zu sehen. Das Stück an sich hat ihn aber nicht losgelassen. Anfang 2025 brachte er als Autor:in, Regisseur:in, Drag Artist, Choreograf:in und Hauptdarsteller:in eine queere Version an der Berliner Volksbühne zur Aufführung (mit Christine Groß). Und was er auf seinem Onlyfans-Account so treibt, wissen nur seine Abonnent:innen.
Martin Bruny am Samstag, den
2. August 2025 um 21:18 · gespeichert in News
News zum ESC 2026. Wer für Österreich antreten wird, soll in einer Auswahlshow entschieden werden. In Belgien gibt es Gerüchte, dass man bereits einen Kandidaten hat: Loïc Nottet. Er war zuletzt beim Song Contest 2015 dabei. In Wien.
Als Österreich zuletzt den ESC ausrichtete (2015), gab es eine Premiere: Zum ersten Mal holte ein Gastgeberland null Punkte ab. Auch damals wurde Österreichs Beitrag durch eine Vorentscheidung bestimmt. The Makemakes setzten sich dabei durch. Die Band macht derzeit eine Pause auf unbestimmte Zeit.
Erfolgreich waren die per Vorentscheidung ausgewählten Vertreter für Österreich selten. 2016 schaffte Zoë Platz 13 (151 Punkte), und das war bis zurück ins Jahr 2003 auch schon die beste Platzierung für eine so getroffene Wahl. 2003 war Österreich aber natürlich ganz besonders gfeanzt und hat Alf Poier zum ESC geschickt (101 Punkte, Platz 6).
Die erste Vorausscheidung gabs 1981. Der ORF wählte den Interpreten, das Publikum den Song. Marty Brem erreichte beim ESC dann 20 Punkte (Platz 17). Seit April 2012 ist Brem Head of Music Portfolio bei Red Bull Media House in Salzburg und Los Angeles. In seinem LinkedIn-Profil findet seine ESC-Teilnahme keine Erwähnung.
Martin Bruny am Mittwoch, den
30. Juli 2025 um 21:20 · gespeichert in Musical
In Baden ist die Premiere von Jason Robert Browns »Songs For A New World« noch immer nicht ausverkauft.
Meine Lieblingsversion von »Flying home« ist jene von Shaun Flemming, Melissa Womack, Ashley Strumwasser und A.J. Holmes. Eine Schülerproduktion (Agoura High School) von 2006. Shaun Fleming (später als Diane Coffee bekannt), damals 19, hat die Show nach einem Skateboard-Unfall im Rollstuhl gespielt.
Martin Bruny am Dienstag, den
15. Juli 2025 um 21:25 · gespeichert in Musical
DIE GESCHICHTE MEINES LEBENS - Wiederaufnahme
Kammermusical von Neil Bartram & Brian Hill
29.–30.9.; 2., 4.10.2025, Theater Spielraum, Wien
mit Christof Messner, Aris Sas
Regie: Robert G. Neumayr
Musikalische Leitung & Klavier: Bernhard Jaretz
Ausstattung: Anna Pollack
Martin Bruny am Freitag, den
4. Juli 2025 um 21:26 · gespeichert in Musical
Dass sich Maria Theresia gegen das Patriarchat durchgesetzt hätte, ist ein nettes Gschichtl, aber mehr nicht.
Historikerinnen wie Barbara Stollberg-Rilinger betonen, dass Frauen wie Maria Theresia nach ihrer Thronbesteigung im Geiste der Zeit als »Männer in Frauenkörpern« angesehen wurden. Ihr Erfolg bestätige das patriarchale System eher, da es besondere Rechtfertigungen und Umdeutungen bedurfte, um eine Frau an der Spitze zu akzeptieren.
Maria Theresias Position blieb eine Ausnahme, die patriarchale Gesellschaft und ihre Rollenmuster wurden dadurch kaum verändert.