Martin Bruny am Samstag, den
28. März 2026 um 11:37 · gespeichert in Musical
Die »New York Times« hat sich die Ticketpreise (teuerste Kategorie) für Shows am Broadway und am West End angesehen. Interessanter Vergleich:
2025 zahlte man durchschnittlich 81 Dollar am West End, 129 Dollar am Broadway. Bei einzelnen Shows fällt der Vergleich besonders krass aus:
* »Six« (21.03.26) – London: 113 | New York: 290
* »Paddington«/»Just in Time« (13.03.26) – London: 330 | New York: 975
* »Hamilton« (03.07.26/23.11.25) – London: 365 | New York: 1500
* »Stranger Things« (21.03.26) – London: 367 | New York: 320
* »Wicked« (Mittwochs) – London: ~3x günstiger als in New York
* »The Lion King« (Mittwochs) – London: 98 | New York: 142
* »Hadestown« (Mittwochs) – London: 187 | New York: 277
* »Oh, Mary!« (letzte Woche) – London: 220 | New York: 375
Ein Blick auf die höchsten Ticketpreise am Broadway in letzter Zeit:
»Romeo + Juliet« (Kit Connor, Rachel Zegler): $ 1478.50 (letzte Vorstellungen)
»Othello« (Denzel Washington, Jake Gyllenhaal): $ 897
»Operation Mincemeat« $ 975 (letzte Vorstellungen)
»Just in Time«: $ 1499 (aktuell; letzte Vorstellungen von Jonathan Groff)
Ein Ausreißer ist »Moulin Rouge«, die Traumshow für alle Musicaldarsteller, die immer schon mal Popstars sein wollten oder fast gewesen wären und nun die verwaschenen Versionen von ehemaligen Chartsbangern belten dürfen (bis die Stimme bricht). Und für Sexualstraftäter, die in der Show genau das spielen, wofür sie verurteilt wurden (Boy George). Musicalinfluencer Sweaty Oracle beschreibt die Show aus einem anderen Blickwinkel: »The moral of ›Moulin Rouge‹ being ›don’t be a whore or you’ll get whore disease and die‹ really points to the fact that two straight men wrote it«. Nun, bei dieser Show, die hoffentlich nicht im Theater im Prater laufen wird, liegen die Preise am West End und am Broadway gleichauf. Das Vehikel ist vermutlich abgespielt, auch wenn man mit Castingtricks noch ein paar Dollar rausholen möchte.
Martin Bruny am Freitag, den
27. März 2026 um 11:33 · gespeichert in Musical
Mit dem Engagement von Christoph Buskies, dem Erfinder von Keycomp, für »Die Schöne und das Biest« liegen die VBW sozusagen voll im Trend. »Financial Review«, 27. März:
Tickets to »The Lion King« in Sydney next month will be about 35 per cent more expensive than during its last run, but the band under the stage will be 35 per cent smaller […]
The story of Simba and friends was soundtracked by 17 musicians the last time Disney Theatrical Group brought its biggest-grossing musical to Sydney’s Capitol Theatre in 2013. Next month, there will be just 11, with two trombonists and four string players missing from the line-up.
Their parts will instead be played by a single keyboardist, using software Disney licensed last decade called Keycomp. It’s essentially a backing track, but one that can be finessed by the musician to keep time with the action on stage and with the rest of the orchestra.
»Keycomp has been around for 15 or so years, but it’s sophisticated enough now where I think producers are going to start using it more and more,« said James Steendam, a violinist who is national president of musicians at media union, MEAA.
Martin Bruny am Sonntag, den
22. März 2026 um 11:02 · gespeichert in Musical
Wer über vergangene Musical-Produktionen (vor 2018) der VBW Details erfahren wollte, wurde im Archiv auf der Website des Unternehmens fündig. Bis vor gar nicht allzu langer Zeit. Das ist nun nicht mehr möglich. Man kann sich zwar mittels der Waybackmachine die Infos zum Teil holen, freilich ist das eine recht mühsame Angelegenheit. Diese Löschaktion ist bedauernswert, denn einen BroadwayWorld Austria Award für das weltbeste Musicalarchiv in Ostösterreich wird’s so nicht geben. Oder sagen wir: nicht so leicht. Man braucht Fantasie.
Für einige jüngere Produktionen bietet die Website VBW International Infos. Interessant dabei: Alle Beteiligten werden angegeben, nur eine Gruppe nicht: die Darsteller:innen. Denen ist es aber eh vielleicht lieber, wenn sie mit Shows wie »Schikaneder« oder »Don Camillo und Peppone« nicht mehr in Verbindung gebracht werden.
Für die Selbstdarstellung eines Unternehmens wäre ein Archiv nicht schlecht. Vielleicht etwas für die nächste Intendanz. Oder es kommt sogar früher zu einem Relaunch.
PS:
Ein Beispiel für die Angaben auf VBW International. https://www.vbw-international.at/home/schikaneder
Martin Bruny am Samstag, den
21. März 2026 um 11:07 · gespeichert in Literatur
Barbara Zeman und Clemens Setz sind für ihren Podcast »Erster Österreichischer Sachbuchpreis« diesmal bei Elias Hirschl zu Gast und schaun sich an, was sich so in seinem Buchregal findet.
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Zum Beispiel: »Bored Gay Werewolf«, ein Buch, das an Chuck Palahniuks »Fight Club« erinnert und nicht zuletzt eine Satire auf die »Bro«-Kultur ist. Eine recht witzige Kurzfassung des Inhalts:
»Brian, an aimless slacker in his twenties, has been struggling to manage his transition to adulthood almost as much as his monthly transitions to a werewolf. Really, he’s not great at the whole werewolf thing, and his recent murderous snaccidents have got his best friends Nik and Darby suspicious, and caught the attention of Tyler, a hot were-entrepreneur with a start-up idea for the mythological wellness market. Tyler wants Brian to be part of his vision, but as the two get closer – and Brian drifts further from his friends – it becomes clear that Tyler’s plans are much more nefarious than a little lupine enlightenment.«
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Am interessantesten sind immer wieder die kleinen Abschweifungen der Autor:innen in ihrem Podcast. Diesmal wird zum Beispiel ein YouTube-Channel erwähnt, in dem die schlimmsten nuklearen Unfälle aufbereitet werden.
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Erwähnt wird auch das »Evangelienbuch« von Ottfried von Weißenburg aus dem Jahr 870, in dem sich das Wort »horngibruader« (Bruderschaft vom Horn) findet. Eigentlich bezeichnet es Leprakranke, die ihr Erscheinen mit einem Glöckchen, einer Klapper oder eben mit einem Horn (Instrument) ankündigen mussten. Interessant ist das unter anderem auch deshalb, weil im berühmten Grimm‑Wörterbuch („Deutsches Wörterbuch“), herausgegeben von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, für diesen Begriff eine völlig falsche Bedeutung vermerkt ist: »eine art mönche«.
Martin Bruny am Dienstag, den
17. März 2026 um 11:03 · gespeichert in Musical
Schütze Public Results ist eine führende Wiener PR-Agentur für Wirtschafts-, Krisen- und Öffentlichkeitsarbeit mit über 30 Mitarbeitern und mehr als 70 Großkunden. Auf dem Kultursektor stechen im Moment zwei Kunden hervor: die VBW und ATG Entertainment.
Seit 2023 betreut Schütze Public Results den PR-Etat der Vereinigten Bühnen Wien (VBW). Was ATG betrifft, schreibt das Unternehmen auf Instagram: »Wir freuen uns sehr, das ›Theater im Prater‹ kommunikativ begleiten zu dürfen – von der Organisation des Pressefrühstücks bis zur laufenden Medienarbeit rund um den Bau des neuen Musicalhauses.«
Der Geschäftsführer der Agentur ist Gregor Schütze, stellvertretender Vorsitzender des ORF-Stiftungsrats und Sprecher der ÖVP-Freundeskreises.
Martin Bruny am Samstag, den
7. März 2026 um 19:19 · gespeichert in Musical
»Die Schöne und das Biest« stellt für die VBW eine Zeitenwende dar. Lange Zeit gab es Übelmeinende, die prophezeiten: Einmal, ja einmal werden die Preise der VBW noch über jenen von Stage Entertainment liegen.
Was für eine absurde Vorstellung. Dort Stage Entertainment, ein kommerzielles Unternehmen, das auf Marktmechanismen setzt, hier das Monopoly-Gegenstück. Die Wiener Ticketpreise, überspitzt formuliert, Chips mit einem Fantasiewert, beliebig festsetzbar, in dem Wissen, dass die erzielten Einnahmen in der Realität nie reichen würden, um kostendeckend zu produzieren. Steuerzahler finanzieren das Unternehmen, und das ist ja auch gut so. Kultur soll gefördert werden.
Dennoch ändert sich das mit Herbst 2026, denn mit »Die Schöne und das Biest« verlangen die VBW, wir nehmen als Vergleichsbeispiel Mittwoch, den 30.9., mehr für ein Ticket als Stage Entertainment.
30.9. »Der König der Löwen«, Hamburg: Premium, 1. Reihe: 185,99 Euro
30.9. »Die Schöne und das Biest«, Wien: VIP GOLD, 1. Reihe: 189 Euro
Der Vergleich ist natürlich etwas unfair, denn die VBW spielen das Spielchen mit flexiblen Kartenpreisen, wie es ihnen gefällt. In einem anderen Monat kosten Tickets wieder weniger. Aber: Die Preise an diesem Tag sind Fakt. Ich will damit eine Entwicklung zeigen. Nicht dass dann jemand überrascht ist, wenn die VBW 2027 vielleicht nicht nur an einem einzigen Tag die Stage-Preise toppen.
Noch interessanter wäre es vielleicht, die VBW Folgendes zu fragen. Gehen wir in die nächste Spielzeit zu »Die Schöne und das Biest« und schauen wird uns die Ticketpreise der teuersten Kategorie nur für die Dienstage an.
29.9.: 189 Euro
6.10.: 179 Euro
13.10.: 189 Euro
20.10.: 179 Euro
27.10. 189 Euro
3.11.: 159 Euro
10.11.: 159 Euro
17.11.: 169 Euro
24.11.: 169 Euro
1.12.: 159 Euro
15.12. 149 Euro
22.12.: 179 Euro
Dynamic Pricing made in Oberlerchenfeld?
Martin Bruny am Samstag, den
7. März 2026 um 18:31 · gespeichert in Theater
Theaterpodcast Schauspiel Hannover mit Nils Rovira-Muñoz. Er erzählt zum Beispiel von seinem Engagement am Wiener Volkstheater (2015–2017), direkt nach seinem Schauspielstudium.
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»Ich hatte ein richtiges Horror-Erstengagement in Wien, am Volkstheater. Das war für mich die Realitätskeule von ›Das ist Theater‹. Will ich das? Kann ich das? Was passiert hier? Das war ne Lektion, für die ich dankbar bin. […] Für mich war es ein Wahnsinn, in diese Riesentheaterstadt Wien zu ziehen mit so ner großen Tradition auch an dem Haus. Die Leute lieben das Theater dort. Es gibt viel Aufmerksamkeit dafür, und das checkt man sofort. Gleichzeitig war es auch eines der größeren Häuser in meinem Jahrgang. Quasi diese Bürde zu tragen: Man ist einer von den wenigen, die die Möglichkeit bekommen, in dieser Größenordnung zu arbeiten. Das hat mich überfordert, muss ich sagen. Dann hab ich ganz groß gespielt am Anfang, neben Starkollleg:innen, und ich war aber nicht so gut, würd ich sagen. Dann kriegst du Kritiken, die dein Spiel beurteilen, und da muss man kucken, wie geh ich da selber mit um. Welche Verantwortung liegt dann vielleicht auch bei der Leitung? Da sind so viele Sachen zusammengekommen, dass das Engagement dann nach zwei Jahren beeendet war und das eine große Erleichterung auch für mich war auf ne Art. Trotzdem wertvolle Jahre, muss ich sagen.«
Link zum Podcast –> hier
Martin Bruny am Mittwoch, den
4. März 2026 um 18:33 · gespeichert in Theater
Für kleine Bühnen in Wien gibt es derzeit keine Planungssicherheit. Sie bekommen für 2027 keine Zusage von Förderungen, weil mehrjährige Förderungen abgeschafft wurden. Die Bedeutung von mehrjährigen Förderungen ist der Stadt Wien bekannt. Auf wien.gv.at heißt es:
»Mehrjährige Förderungen geben Sicherheit, ermöglichen längerfristige Planungen, erhöhen den Handlungsspielraum von Kulturschaffenden und reduzieren den Verwaltungsaufwand. Zur Verbesserung von Resilienz ist es sinnvoll, längerfristiges Fördern, wie es der Theaterbereich modellhaft bereits vorführt, auf andere Genres zu übertragen bzw. spartenspezifisch anzupassen, um die Vorteile sinnvoller Planungsphasen zu nutzen. Regelmäßige Valorisierungen werden nach Maßgabe des städtischen Budgets angestrebt.«
Aus dem Büro der Wiener Stadträtin für Kultur und Wissenschaft heißt es dagegen derzeit:
Martin Bruny am Samstag, den
28. Februar 2026 um 11:45 · gespeichert in Musical
Vor sieben Jahren arbeitete Singer-Songwriter Aimee Mann an Liedern für eine Musicalversion des Films „Girl, Interrupted“ („Durchgeknallt“; 1999 mit Winona Ryder und Angelina Jolie als schräge Psychopathinnen in den Hauptrollen). Das Psychodrama basiert auf der Autobiografie von Susanna Kaysen, die Ende der 1960er-Jahre als 18-Jährige für eineinhalb Jahre in einer psychiatrischen Klinik weggesperrt wurde, die alle einschlägigen (Horror-)Vorstellungen von solch einer Institution zu jener Zeit erfüllte.
Aus der Show wurde nichts, aber die Songs veröffentlichte Aimee Mann unter dem Titel »Queens of the Summer Hotel«, wobei die psychiatrische Anstalt Aimee Manns „Summer Hotel“ ist, und die „Queens“ die Patientinnen, denen sie 15 melodisch eingängige Songs widmet.
2026 wird die Bühnenfassung nun doch verwirklicht. »Girl, Interrupted« ist vom 13. Mai bis 21. Juni im Public Theatre zu sehen. Als Choreografin dabei: Sonya Tayeh (2021 Tony Award für »Moulin Rouge«). Das Buch hat Martyna Mayok geschrieben (sie schrieb auch für das neue Musical von Florence Welch, »Gatsby: An American Myth«, das Buch). Regie: Jo Bonney.
Zum immerwährenden Thema der Zeit, Missbrauch, schrieb Aimee Mann für die Show den Song »Home by now«.
Martin Bruny am Sonntag, den
10. August 2025 um 07:53 · gespeichert in Musical
Über Szenen, die zur Mitte des Films und am Ende des apokalyptischen Raver-Films »Sirdat« stattfinden, im aktuellen »profil« (Ausgabe vom 9. August 2025):
»[Sie] müssen hier ungenannt bleiben, um seine Wirkung nicht einzuschränken, nur so viel sei angedeutet: Der gewaltigen emotionalen Fallhöhe, mit der Laxe hantiert, ist kaum gerecht zu werden. Natürlich fürchte auch er, sagt der Regisseur, dass sein Publikum in diesen drastischen Momenten aussteigen könnte. ›Aber darum dreht sich Kunst doch: sich auf dünnem Eis zu bewegen, am Abgrund zu stehen, der Absturzgefahr ins Auge zu blicken.‹ Er kalkuliere die Härte seiner Erzählung nicht, habe aber seine Absichten sehr genau erforscht – ‹und ich weiß, dass ich kein Sadist bin. Ich will dem Publikum bestmöglich dienen. Ich bin 43 Jahre alt, ich bin kein Nihilist, ich bin gläubig und sicher, dass meine Intentionen gut und richtig sind.‹ Das habe ihm das Vertrauen gegeben, diese Szenen zu drehen.«
Zu nicht konkret Benennbarem zählt auch die eine oder andere Szene in österreichischen Musicalproduktionen. In England gibt es Blogger, die seit Jahren (verstärkt seit 2012) Momente in VBW-Shows feststellen, »when the camp creeps in«. »Alien«-Fans würden wohl Ripley zitieren: »Das ist nicht unser Sonnensystem.« Nicht, weil Camp ein wesensfremder Zug bestimmter Musicals wäre, sondern weil in diesen Momenten »etwas nicht stimmt«. Wie in »Alien«. Die Mannschaft ist aufgewacht, aber nicht planmäßig. Man hat sich »verrannt«. Im System Gergen (Struppeck & Anhang) sind das zum Beispiel schwüle Szenen mit lose bekleideten Darstellern, die nicht ins Konzept des Musicals passen. Bei Konzerten können das Momente sein, wo auf einmal Balletttänzer zu Wildhorn-Songs auf einer Minibühne tanzen. Keine Sorge, es sind immer Stargeiger und Ballettstars, die die Stimmung crashen, pardon, einem Event den besonderen Touch verleihen. Frank Wildhorn wird kein Problem damit haben. Kürzlich hat er in einem Interview gesagt: »Ich hab Football gespielt, dann war ich Rettungsschwimmer, und dann hab ich mir selbst das Klavierspielen beigebracht. Ich hab 100 Millionen Platten verkauft, 40 Musicals von mir werden weltweit gespielt. Ich wache jeden Morgen auf und weiß: Ich bin der glücklichste Mensch der Welt. Ich muss nett sein, alles andere kostet zu viel Energie.«