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»Ernxst, or the Importance of Being«

»Tell Me« (Krysta Rodriguez · Andy Mientus)
Aus dem »electro-pop musical romp« »Ernxst, or the Importance of Being« von Justin Elizabeth Sayre (Buch), Kait Kerrigan (Texte) und Bree Lowdermilk (Musik).
»Ernxst«, so der Theaterverlag Concord, sei das erste Musical mit flexibler Partitur, was eine geschlechterübergreifende Besetzung ermöglicht. Das tatsächlich Neue daran mag sein, dass bei »Ernxst« die Musik von Anfang an so komponiert und arrangiert wurde, dass jede Rolle unabhängig von Geschlecht und Stimmlage gespielt werden kann. Es gibt keine »richtige« Stimmlage für die Hauptrollen. Die Tonarten werden erst nach der Besetzung festgelegt. Zusätzliche Versionen der Songs werden vom Verlag bereitgestellt.
Die Bonustracks auf der Cast-CD zeigen die genderoffene Konzeption. Am Beispiel »Tell Me«:
Original Cast Recording: Anna Zavelson (Algernon), J. Harrison Ghee (Jack)
Bonus Track: Krysta Rodriguez (Algernon), Andy Mientus (Jack)
Sänger:innen der Castaufnahme: J. Harrison Ghee, Jeff Hiller, Bonnie Milligan, Ryan McCartan, Joy Woods, Anna Zavelson, Beth Leavel, Wren Rivera, Jesse James Rose, AnaNia, Krysta Rodriguez, Andy Mientus, Ari Notartomaso, Jay Armstrong Johnson.

»Mermaids to Lovers« (RTL)

Mermaiding ist seit Mitte der 2010er-Jahre in Deutschland und Österreich ein Trendsport, wenn auch der einer eher kleinen, allerdings sehr aktiven Nische, so gibt es die von der Profi-Meerjungfrau »Mermaid Kat« gegründete Mermaid Kat Academy in Potsdam.
Entstanden ist das moderne Mermaiding ursprünglich in den USA mit Ausprägungen wie Unterwasser-Shows, ikonischen Filmen bis hin zu Freizeitparks.
Der Weg zum Massenphänomen wird hierzulande von ein paar administrativen Hürden behindert, zum Beispiel von Flossenverboten in den Wiener Sommerbädern. Aber vielleicht ändert sich das ja demnächst, wenn die brandneue deutsche Young-Adult-RomCom-Serie »Mermaids to Lovers« (RTL) zum Hit werden sollte.
Mermaiding ist natürlich mehr als eine Trendsportart. Es steht für Genderfluidität, einen Aspekt, den man in den klassischen Disney-Märchen – etwa in »Arielle« – nur in Ansätzen findet. Für die Kunsthistorikerin Petra Stegmann steht die Meerjungfrau heute »nicht mehr nur für reine Weiblichkeit, sondern für den fließenden – ›fluiden‹ – Übergang zwischen den Geschlechtern«. Sie betont das »Dazwischen« als zeitgemäßes Identitätsmodell. Indem „Mermaids to Lovers“ einen Meermann (Philip Günsch) ins Zentrum der sonst klar weiblich codierten Meerjungfrauenfantasie rückt, übersetzt die Serie diese Idee zumindest ansatzweise in eine Popkulisse aus Chlorwasser, Insta-Feeds und Glitzerflossen.

Mermaids to lovers

Körper als Austragungsort von Gewalt, Projektion, Widerstand und Überleben

Die diesjährigen Wiener Festwochen versammeln mehrere Arbeiten, die Performance nicht als Illustration politischer Themen begreifen, sondern als eigenständige Praxis der Erkenntnis und der Zumutung. Besonders deutlich wird das an »Repertório N.1« von Davi Pontes & Wallace Ferreira, »CLAP & SLAP« von Agniete Lisickinaite und Igor Shugaleev sowie »Voyage Into Infinity« von Narcissister – drei sehr unterschiedliche Performances, die dennoch eine gemeinsame Achse erkennen lassen: den Körper als Austragungsort von Gewalt, Projektion, Widerstand und Überleben.
»Repertório N.1« ist der konzentrierteste Beitrag dieser Linie. Pontes und Ferreira entwickeln ihre Arbeit aus gestischen Repertoires Schwarzer und queerer Communities in Rio de Janeiro: kleinen Signalen der Zugehörigkeit und Warnung, mit denen sich Körper im öffentlichen Raum orientieren und schützen. Die Reihe entstand ab 2018 auch als Reaktion auf den zunehmenden Rechtsruck und staatliche Gewalt in Brasilien – »Repertório N.1« ist der radikale Auftakt dieser Reihe, die als offizielle Koproduktion der Festwochen im MAK (Museum für angewandte Kunst) zu sehen war. Die Performer stehen nackt, in leuchtend pinken Sneakern, ohne Musik und dicht vom Publikum umgeben im Raum; in der Mitte zwei kniehohe Podeste, rundherum Sesselreihen – die Zuschauer:innen werden so Teil des Bewegungsfelds. Aus Wiederholung, Verschiebung und Stillstand entsteht eine Anti-Inszenierung, die jeder dekorativen Virtuosität widersteht.
In einem Moment ungefähr zur Hälfte des Abends verdichtet sich die Spannung schlagartig: Während die Performer erneut ihr Aneignungsspiel beginnen – Taschen von Zuschauer:innen tauschen, Schuhe entführen –, wird eine Besucherin sichtbar unruhig. Sie greift in ihre Tasche, versucht offenbar, Kontrolle über ihre Dinge zu behalten, während das Stück genau diese Sicherheit unterminiert. Schließlich rafft sie ihre Tasche an sich, steht abrupt auf und flüchtet durch den Saal in Richtung Toiletten. Diese kleine Szene – kein Eklat, sondern ein stiller Rückzug – legt offen, wie sehr »Repertório N.1« nicht nur von abstrakter Gefahr erzählt, sondern reale Körper in eine Situation bringt, in der Besitz, Schutz und Durchlässigkeit neu verhandelt werden müssen. Die Performer erscheinen nicht als bloße Träger einer Botschaft, sondern als lebendige Archive von Gewalt- und Lustgeschichten, deren Bewegungsrepertoire aus Capoeira, Vogueing und Baile Funk ebenso schöpft wie aus zeitgenössischer politischer Theorie – und das Publikum zwingt, seine eigenen Strategien von Distanz und Nähe zu überdenken.
»CLAP & SLAP« setzt an einem anderen historischen und geografischen Nerv an. Igor Shugaleev beteiligte sich 2020 an den Protesten in Belarus und musste sein Heimatland verlassen, nachdem die Revolution niedergeschlagen worden war. Die litauische Choreografin Agniete Lisickinaite hatte aus Protest beschlossen, nicht mehr mit russischsprachigen Künstler:innen zusammenzuarbeiten. Und nun stehen die beiden gemeinsam auf der Bühne – und verhandeln die Spannungen eines von Kriegserfahrung gezeichneten Osteuropa, in dem Verantwortung, Opposition, Patriotismus und Mitschuld nicht mehr bloße Begriffe, sondern biografische Bruchlinien sind. Das Klatschen und Schlagen, das der Performance ihren Titel gibt, bildet den formalen Kern: als Rhythmus, als körperliche Selbstbefragung und als Moment der Selbstgeißelung. Wo »Repertório N.1« auf radikale Verknappung setzt, arbeitet »CLAP & SLAP« mit Überlagerungen aus Präsenz, Sprache und Material – und macht sichtbar, wie sehr geopolitische Gewalt in Haltungen, Reflexen und Sprechweisen sedimentiert, ohne dabei einfache moralische Eindeutigkeiten zu liefern.
Noch einmal anders operiert »Voyage Into Infinity«. Die New Yorker Künstlerin Narcissister bringt eine überladene Kettenreaktionsmaschine aus recycelten Alltagsgegenständen in die Halle G des MuseumsQuartiers auf die Bühne, in der ein Auslöser die nächste kleine Katastrophe nach sich zieht. Drei maskierte, puppenhaft kostümierte Performerinnen treiben dieses System an, zwischen Slapstick, Ritual und kalkulierter Überforderung. Die Arbeit versteht sich als feministische Neuschreibung von Peter Fischli und David Weiss’ Videoarbeit »Der Lauf der Dinge« (1987): Wo dort die männlichen Schöpfer hinter dem Filmschnitt verborgen blieben, stellt Narcissister die weiblich gelesenen Performerinnen explizit als treibende Kräfte in den Vordergrund. Feuer, mechanische Kettenreaktionen und popkulturelle Zitate verschränken sich zu einem Bildraum, in dem weiblich codierte Körper zugleich Fetisch, Spielzeug und Störgröße sind. Gerade dadurch fügt sich die Arbeit in die gleiche Fragestellung ein: Welche Bilder produzieren wir von Körpern, und wie lassen sie sich performativ unterlaufen?
Was diese drei Performances bei den Festwochen verbindet, ist eine gemeinsame Härte gegen Vereinfachung. »Repertório N.1« denkt Performance aus alltäglichen Verteidigungspraktiken Schwarzer, dissidenter Körper; »CLAP & SLAP« aus der moralischen und affektiven Überforderung eines postsowjetischen Kriegsraums; »Voyage Into Infinity« aus dem feministischen Maschinenraum des Spektakels.

»Credere alle Maschere« (An Masken glauben) von Romeo Castellucci

Bei den Wiener Festwochen ist noch bis 10. Juni die Produktion »Credere alle Maschere« (»An Masken glauben«) von Romeo Castellucci zu sehen.

Heinz Sichrovsky schreibt darüber in der »Kronen Zeitung«:
»›An Masken glauben‹ ist eine installative Performance, die uns lehrt, dass alles alles sein kann. Eine antike Vase wird hereingebracht und heißt ›Pfeife‹, ein Glas Milch nennt sich ›Hammer‹, ein ausgestopfter Fuchs ›Pferd‹, Siegfrieds ›Ring‹-Hornruf ›Staub‹, Stan Laurel ›Wasser‹ (weil er weint?). Hat man das Prinzip nach 15 Minuten begriffen, wird ein elektrischer Stuhl aufgebaut, der ›Stuhl‹ heißt, auf dem Besucher Platz nehmen dürfen, um verlegen zuckend ihren eigenen Exitus zu simulieren.«

Ich war in ebendieser Vorstellung. Eine kleine Beschreibung der letzten Szene:
Letzter Gegenstand: ein elektrischer Stuhl.
Er steht länger da als die anderen Gegenstände.
Zuschauer beginnen, auf ihm Platz zu nehmen.
Jemand fragt: »Ist er bequem?«
Eine Zuschauerin lässt sich von ihrer Freundin festbinden.
Eine Zuschauerin setzt sich auf den Stuhl, ein anderer wartet. Plötzlich simuliert sie einen Todeskampf.
Der Wartende wartet nicht mehr, er geht wieder zu seinem Platz.
Ein recht bekannter Kritiker nach dem Ende der Vorstellung: »Diese Idioten.«

Verbirgt sich hinter dieser Produktion vielleicht ein Geheimnis? Sind es wirklich nur Zuschauer, die sich mit dem elektrischen Stuhl spielen? Meinetwegen auch: Sind es ausschließlich Besucher, die sich mit dem elektrischen Stuhl spielen?
Ich glaube: nein. Denn wenn man vor Beginn der Vorstellung einen Musicaldarsteller unter den Zuschauern sieht – und zwar einen, den man gerade in einer solchen Produktion nicht als Teil der Besucherzielgruppe vermuten würde –, dann dessen Website googelt, wo er gepostet hat: »Erstmals bin ich dieses Jahr bei den Wiener Festwochen dabei, und zwar in Romeo Castelluccis installativer Performance ›Credere alle Maschere‹«, dann darf man zweifeln.

Wohl mit Absicht steht bei den Credits auf der Website der Wiener Festwochen nichts von mitwirkenden Performern. Dass die Mitwirkenden den Trick, der sich möglicherweise hinter der Performance verbirgt, verraten, – wer konnte das ahnen?

Update. Nun ist es kein Geheimnis mehr:
»Der Standard«: »Nach und nach treten nun vier Performer mitten aus dem Publikum an den Stuhl heran und interagieren damit. Stellen – mal besser, mal schlechter gespielt – eine Tötung nach oder hocken sich teilnahmslos daneben. Dann ist es aus. Keine Pointe, keine Auflösung, kein Applaus. ›Geldverschwendung, Frechheit‹, tönt es vereinzelt aus dem Publikum. Zumindest die Maske darf man als Give-away behalten. Sie wird einen daran erinnern, wie man einst von Romeo Castellucci getrollt wurde. Oder war da doch mehr dahinter?« (Stefan Weiss, 7. 6. 2026)

»Mythen des Alltags« – Wiener Festwochen im Volkstheater

Schauspielerin: Ich erinnere mich an eine Vorstellung, die mir unglaublich gut gefallen hat: »Tanz der Vampire«. Und ich hab die so vor ungefähr fünfzehn oder zwanzig Jahren gesehen. Aber das war jetzt wohl eher so ein Musical als eine Theatervorstellung.
Frage: Was hat dir denn so gut daran gefallen?
Schauspielerin: Na, dass es da um das Dunkle ging. Also das, weiß nicht, das Dunkle im Menschen, aber weißt du, auf so ’ne schöne und coole Art, und auch so mit ’ner großartigen Musik, und das war irgendwie wirklich aufregend. Und sexy. Also über den Vampir, den wir ja alle in uns haben. Und über all diese dunklen, verbotenen Wünsche und Triebe, die man im Alltag nicht ausleben kann in der modernen Zivilisation. Aber da auf der Bühne, da inmitten dieser blutrünstigen Vampire, da konnte ich plötzlich diese Gefühle in meinem Inneren spüren, und da dachte ich einfach, wie schön das doch einfach mal wäre, einfach mal loszulassen und eine von ihnen zu sein und all die schmutzigen und gewaltsamen Triebe, die man da in seinem wohlerzogenen und korrekt erzogenen Alltagsleben ständig unterdrückt, die einfach mal so auszuleben.
Frage: Basiert das nicht auf einem Film von Roman Polanski?
Schauspielerin: Das weiß ich nicht, hab ich keine Ahnung. Aber das war einfach, das war wirklich eine Theatervorstellung, die hat mir so richtig gut gefallen.
— »Gott ist tot« im Loop —

»Gibt es einen besonderen Moment deines Lebens, den du einmal aufgeführt sehen willst?« Diese Frage stellte der schwedische Regisseur und Dramatiker Mattias Andersson den Bewohner:innen Wiens. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Soziologie der Universität Wien wurden beinahe hundert Interviews mit Menschen geführt, die nach sozioökonomischen Aspekten einen Querschnitt der Stadtbevölkerung abbilden. Aus den Antworten entstand das Stück »Mythen des Alltags«, das von banalen wie existenziellen, von humorvollen wie dramatischen Momenten erzählt und ein pluralistisches, vielstimmiges Panorama der Stadt zeichnet. Gestern war Premiere.

Dem Team rund um Regisseur Mattias Andersson ist es gelungen, das Poetische der Statements, das Lakonische, den Witz, aber auch Verzweiflung, Gewalterfahrungen, Angst, Hoffnung und Ratlosigkeit in Spielszenen auf die Bühne zu bringen. Das ist oft berührend, ohne schmalzig zu sein. Und hat viel Witz.

Anhand der Miniszene zu »Tanz der Vampire« lässt sich gut nachvollziehen, wie das dokumentarische Ausgangsmaterial auf der Textebene in einen mehrdeutigen Bedeutungsraum verschoben worden sein könnte.

In einer Spielszene wird behauptet, die Statements der Interviewten seien mithilfe von KI transkribiert worden, dabei sei es zu KI-bedingten Änderungen gekommen. Dann wird auf witzige Weise erklärt, welche weiteren Filter die Ursprungsäußerungen durchlaufen hätten, durchlaufen haben könnten. Was ist echt? Es bleibt alles schwebend. Ein faszinierendes Spiel auch rein auf der sprachlichen Ebene.

Im Rahmen der Festwochen ist das Stück im Volkstheater noch fünfmal bis 21. Juni zu sehen.
https://www.festwochen.at/mythen-des-alltags

Regie : Mattias Andersson
Mit Bernardo Arias Porras, Aleksandra Corovic, Nancy Mensah-Offei, Paula Nocker, Vinzenz Sommer, Karoline Marie Reinke, Günther Wiederschwinger, Johanna Wokalek
Bühne, Kostüm : Ulla Kassius
Musikalische Leitung : Anna Sóley Tryggvádottir
Licht : Charlie Åström
Dramaturgie : Tobias Schuster
Aus dem Schwedischen von Jana Hallberg

Info-Chaos um das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien

Das Orchester der VBW war schön des Öfteren aus diversen Gründen ein Streitpunkt. Doch zumindest Fakten sollten doch von einem hoch subventionierten Unternehmen ohne Schönfärberei bereitgestellt werden. Etwa die Anzahl der Beschäftigten.
Was die Fakten betrifft: Das Orchester der VBW hatte in der Saison 2023/24 59 Beschäftigte. Das kann man in der jüngst veröffentlichten Theaterstatistik nachlesen:
Link zum PDF
Wie kommt der Deutsche Bühnenverein zu den Daten. Ich habe nachgefragt und als Auskunft erhalten: »Die Daten für die Wiener Bühnen erhalten wir vom Wiener Bühnenverein. Dieses Jahr hat Frau Mag. Ruth Pfetschinger, Generalsekretärin des Wiener Bühnenvereins, uns die aktuellen Zahlen übermittelt.«

Was die Selbstdarstellung der VBW betrifft: Das Unternehmen gibt aktuell die Zahl 80 an. Das sind immer lustige Diskussionen, die man da führen kann, wann man einen niedrigen Blutdruck hat. Denn so im lockeren Gespräch kann man mitunter Aussagen hören wie: »Na eigentlich sans 120.« Nur, das wäre dann keine Diskussion mehr um die tatsächlich Beschäftigten. Dass man sich Leihmusiker aus Ungarn oder woher auch immer holen kann, ändert an den Fakten nichts.

Link zum Orchester der VBW

PS: Der Präsident des Wiener Bühnenvereins ist Franz Patay.

»Pretty Woman« im MuseumsQuartier: »Captain Save-a-Ho« in Action

Ein Einbruch des 20. Jahrhunderts in gegenwärtige Zeiten wird derzeit im MuseumsQuartier mit dem Musical »Pretty Woman« gefeiert. Wobei dieser Retro-Trend prinzipiell ja an vielen Theatern zelebriert wird, demnächst auch wieder mal bei den VBW. In der gemeinten Superhero-Show wird das »Captain-Save-a-Ho«-Narrativ noch mal richtig schön aufgewärmt, die romantisierte Story einer Straßenprostituierten erzählt, Sexarbeit abgewertet. Vielleicht eine Art Support Act für das drohende »Moulin Rouge« irgendwann irgendwo in Wien. Wie auch immer, Kuschelrock ist in, und marketingmäßig ist der Hauptdarsteller wirklich klasse vorbereitet worden. Auf die eh schon harmlose Frage »Wer rettet wen?« antwortet er (siehe »Lehrbuch für angewandtes Whitewashing«, Seite 66): »Das Besondere an der Geschichte ist: Sie rettet ihn. Er ist Cinderella.«

VBW: Die Nachtportiere sollen’s richten

Postings zum 1. April über die VBW sind heikel, daher wird’s auch diesmal keines geben. Egal, was für einen Stuss man postet, die Wirklichkeit übertrifft die Fiktion. »›Schönbrunn-Version‹ von ›Elisabeth‹« als Inbegriff der Shrinkflation im Musicalbereich, die Marketingkampagne von »Maria Theresia«, bei der man als Schutzschild den Sanctus von Sachbuchautorinnen vor sich her getragen hat, um Plots knapp am Rand des Belegbaren zu konstruieren. Darsteller von »Maria Theresia« singen am Balkon eines Casinos, als wäre ausgerechnet Glücksspiel das, was man promoten sollte.
Jetzt hat der Geschäftsführer der VBW, Franz Patay, dem »Kurier« ein Interview gegeben, das wieder fast nicht zu toppen ist. Auf die Frage, wie er die Einsparung von fünf Millionen an Subventionen verarbeiten will, fällt ihm – und da ist es völlig egal, was er sonst noch gesagt hat – die Berufsgruppe der Nachtportiere ein. Klassisches »cherry picking« der übelsten Art. Eine prekäre Berufsgruppe, niedriges Gehalt. Hier hätte man sofort nachhaken müssen. Es fehlt nur noch die Aussage: Na bitte, stellen Sie sich das vor. Jetzt müss ma uns das Taxi nach der Weihnachtsfeier um 3 in der Früh selbst rufen.

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»Kurier«-Interview

»Titaníque« am Broadway 2026

Derzeit laufen die Previews des Jukebox-Musicals »Titaníque« im St. James Theatre am Broadway. Die Uraufführung der Show fand am 14. Dezember 2017 im Sorting Room Theatre in Los Angeles statt. Von 2022 bis 2025 war »Titaníque« 1211 Mal am Off-Broadway zu sehen. Weitere Produktionen gab es in Kanada, Australien, in London, Chicago und Paris.
Das »Broadway Journal« hat sich ein wenig die Finanzen der Show angesehen und herausgefunden, dass die Produktion am Off-Broadway in den ersten eineinhalb Jahren erfolgreich war und fast 60 Prozent der Investitionen einspielen konnte. 2024 war das jedoch vorbei. In 51 von 52 Wochen dieses Jahres machte die Show Verluste, insgesamt 2,3 Millionen Dollar.
Um am Broadway in der Gewinnzone zu landen, muss »Titaníque« mehr als 993.000 Dollar pro Woche einspielen. Das St. James Theatre hat 1345 Plätze. Mit Jim Parsons (»Big Bang Theory«) hat man sich immerhin einen Star an Bord geholt, der in »Titaníque« seine erste Rolle in einem Musical am Broadway spielt. Es hätte auch sein zweites Broadway-Musical sein können, aber bei einem geplanten Broadway-Transfer der Off-Broadway-Produktion (2022) von »Man of No Importance« (Lynn Ahrens, Stephen Flaherty, Terrence McNally; Regie: John Doyle) ist er vorzeitig ausgestiegen – die Show wurde daraufhin gecancelt. Berichten zufolge soll Parsons’ Engagement an finanziellen Vorstellungen gescheitert sein, und zwar knapp bevor die Tickets in den Verkauf hätten gehen sollen. Das Circle in the Square Theatre war fix gebucht und stand daraufhin neun Monate leer. Auch eine geplante Cast CD wurde nicht verwirklicht.

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Broadway Journal

VBW schaffen »Nachtportiere« ab

Man könnte den Eindruck bekommen, dass der Chef der VBW geradezu »Audienzen« gibt. Nach wie vor werden Informationen zu relevanten Daten des Unternehmens verweigert, wie der »Kurier« berichtet:

Geschäftsführer Franz Patay verweigerte lang Auskünfte (etwa über die erfolgte Anmeldung von Kündigungen beim AMS-Frühwarnsystem). Doch am Donnerstag nahm er in einer Pressekonferenz Stellung: Bei den »Sachkosten« hätten zwei Millionen Euro eingespart werden können – indem z. B. das Fremdpersonal reduziert worden sei, u. a. gibt es keine Nachtportiere mehr. Um zwei weitere Millionen wurden die Personalkosten gesenkt: 20 Angestellte haben den Konzern verlassen, auf Nachbesetzungen wird zum Teil verzichtet. Der «aktive Personalabbau« sei damit beendet.
Weitere drei Millionen Euro erspart man sich pro Jahr dadurch, dass man ab dem Sommer die Kammeroper nicht mehr bespielt. Patay spricht von einer »Pausierung«, ohne zu sagen, wann diese enden werde. Er verweigert auch Auskünfte darüber, welche Beträge dem Musical (im Ronacher und Raimund Theater) beziehungsweise der Oper (im MusikTheater an der Wien) zur Verfügung stehen.

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Kurier

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