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Archiv - Wien

Fair enough - “My Fair Lady” an der Wiener Volksoper 2008

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

“Mein Gott, “My Fair Lady” ist doch ein MUSICAL!” Unglaublich, dass niemand in der Volksoper das zumindest mal leise vor sich hingemurmelt hat, am vergangenen Donnerstag, dem 3. April 2008, als “My Fair Lady” nach viereinhalb Jahren Pause wieder in das Haus am Währinger Gürtel einzog. Vielleicht haben es sich einige wenigstens gedacht. “My Fair Lady” ist kein Schauspiel mit Musik, es ist, wenn schon, Schauspiel mit Gesang, nicht mit Sprechgesang, oder wenn, dann von einer Güte, die ein Peter Matic (Oberst Pickering) liefert, bei dem jeder vorgetragene Text wie Musik klingt. Liest man sich die Kritiken der Tagespresse zu “My Fair Lady” durch, so scheint alles okay gewesen zu sein, bei der offiziellen Premiere der Neueinstudierung eines jener typischen Musical-Schlachtschiffe, die seit Jahrzehnten das “klassische” Musical weltweit am Leben halten.

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Auch diese Version wird wohl einige Jahre im Haus am Währinger Gürtel laufen, und vermutlich wird jede Vorstellung restlos ausverkauft sein, und das auch durchaus mit einiger Berechtigung, nur: Ein wirkliches “Musical” habe ich zumindest nicht gehört.

In der Wiener Volksoper hat man sich castingmäßig zu einem Publicity-Stunt entschlossen. An jenem 3. April 2008 war das Haus der kleinste gemeinsame Nenner von Burgtheater, Volkstheater, Josefstadt und den Vereinigten Bühnen Wien, Volksoper und Staatsoper - gesponsert von der Raiffeisen Bank. Wer kommt von wo?

Katharina Straßer (Eliza Doolittle): Volkstheater
Herbert Föttinger (Henry Higgins): Theater in der Josefstadt (Direktor)
Peter Matic (Oberst Pickering): Burgtheater
Robert Meyer (Alfred P. Doolittle): Volksoper (Direktor)
Lukas Perman (Freddy Eynsford-Hill): Vereinigte Bühnen Wien
Louise Martini (Mrs. Higgins): Theater in der Josefstadt
Ulli Fessl (Mrs. Pearce): Burgtheater
Chor und Orchester der Volksoper Wien
Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper
Bühnenorchester der Wiener Staatsoper

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

Wie schon bei “Cabaret” (in der Produktion des Volkstheaters 2007) habe ich mit Katharina Straßer ein kleines Problem. Schauspielerisch ist die Rolle der Eliza bei ihr in guten Händen. Im Vergleich zu Dagmar Koller, zu einer ihrer Vorgängerinnen in dieser Rolle, ist sie fast schon burschikos, das ist auf eine bestimmte Art und Weise sehr ansprechend. Ihre Handhabung des Wiener Dialekts ist entzückend, wie sie das Blumenmädchen und die anglernte Lady spielt, schauspielerisch top. Andererseits ist Straßer stimmlich der Rolle einfach nicht gewachsen. Natürlich kann man das Konzept verfolgen, eher Schauspielerinnen als Musicaldarstellerinnen in dieser Rolle zu besetzen, nicht jedem muss das aber gefallen. Herrliche Musicalmelodien verpuffen ins
Nichts, wenn solche Stimmen sie singen. Statt Gänsehaut zu bekommen, muss man sich räuspern, wenn Refrains fast schon ins Krächzen driften. Man kann das nicht mal verhindern. Wie unendlich schade ist es, wenn man gerade die Eliza nicht mit einer wunderbaren Sängerin besetzt. Ich meine damit keine operettenhaften Stimmen, sondern Musicalstimmen. Es gibt sie, wir haben sie, nehmt sie doch, besetzt sie.

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

Robert Meyer als Müllkutscher Alfred P. Doolittle war der Star des Abends. Mehr Szenenapplaus, mehr Bravo-Rufe konnte keiner abstauben. Und das mit Recht. Er spielt Lerner-Loewe als wär es Nestroy-Raimund. Passt, könnte man sagen. Seine Songs bringt er wie Couplets, da ist einiges geschickt auf Showstopper angelegt, und mit Routine und Ausstrahlung gestaltet er die Rolle in der “Wiener Fassung” von “My Fair Lady” souverän, ohne jetzt eine besondere Charaktertiefe aufzeigen zu können.

Herbert Föttinger gibt den Sprachforscher Higgins als modernen Single, ruppig, eigenbrötlerisch, weit weniger charmant als beispielsweise ein Michael Heltau, ein bisschen fehlt ihm dessen Funkeln, aber er hat andere Qualitäten und lässt erst gar nicht den Gedanken aufkommen, dass es sich bei ihm und Eliza um eine platonische Liebe handeln könnte. “My Fair Lady” wird da ganz unverblümt gedeutet. Da spielt kein Grandseigneur, sondern ein echter Kerl, der auch zupackt. Vielleicht fehlen manchmal die ganz leisen Zwischentöne.

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

Lukas Perman ist, so unglaublich es klingt, der einzige tatsächliche Musicaldarsteller dieser Neueinstudierung. Er gestaltet den Freddy als verliebten schmachtenden Träumer und singt, wie man Musicals singen sollte. Und er hat den, wie es “American Idol”-Star Simon Cowell formulieren würde, X-Factor, er hat Ausstrahlung, er weiß seine stimmliche Ausdruckskraft zwischen Pop und Musical fein zu nuancieren, ohne je gekünstelt zu wirken.

Mit Louise Martini ist eine tatsächliche Lady im Ensemble. Die Rolle der Mrs. Higgins ist gleichzeitig ihr Debüt an der Volksoper. Ihre Performance ist makellos. Peter Matic als Oberst Pickering schließlich ist quasi ihr männliches Pendant, eine stets fein nuanciert agierende Theatergröße, exaktest in der Diktion, jedes Wort ist da verständlich bis in die letzte Reihe des Theaters.

Tanzszenen gibt es, sie fallen nicht sonderlich auf, und das ist wohl gut so, denn da, wo sie auffallen, wirken sie schrecklich banal und ohne Esprit.

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

Am Ende des Abends war das Orchester ein wenig erschlafft, so scheints. Ein wenig mehr, so ein Zitat aus “My Fair Lady”, Pfeffer im Arsch, wäre gerade gut genug gewesen, um die Lady zum Finale schwungvoll in die Arme von Higgins zu begleiten. Nur mühsam kann man sich bei solchen Szenen zurückhalten, nicht doch zu versuchen, ein wenig anzutauchen, dem Dirigenten zuzurufen: “Und jetzt: Tempo, hopp!”. Am liebsten würde man mitdirigieren - aber es hilft alles nichts.

Ein Hit, soviel ist sicher, das ist das Fazit der Tagespresse, und dem kann man durchaus zustimmen. Wien ist derzeit bis auf die Volksoper praktisch musicallos. Im Raimund Theater läuft ein Rockvarietà©, ins Ronacher kommt eine Show, die musikalisch im Vergleich zu “My Fair Lady” wie aus einer anderen, längst vergangenen Epoche stammt, bleiben also die interessanten kleinen Produktionen und - “My Fair Lady”.

»My Fair Lady«
Musical in zwei Akten
nach Bernard Shaws “Pygmalion” und dem Film von Gabriel Pascal
Alan Jay Lerner (Buch und Texte)
Frederick Loewe (Musik)
Volksoper Wien: Premiere: Donnerstag, 3. April 2008, 19:00 Uhr

Leading Team
Textliche Einrichtung: Alexander Steinbrecher und Hugo Wiener nach der deutschen Übersetzung von Robert Gilet
Regie: Robert Herzl
Bühnenbild: Rolf Langenfass
Kostüme: Rolf Langenfass
Choreinstudierung: Thomas Böttcher
Choreographie: Susanne Kirnbauer, Gerhard Senft
Dirigent: David Levi
Musikalische Studienleitung: Gerrit Prießnitz
Regieassistenz und Abendspielleitung: Monika Steiner
Einstudierung der Tanzeinlagen und choreographische Assistenz: Lili Clemente, Ivan Lukas
Inspizienz: Elisabeth Schubert, Celia Olszewski
Souffleur: Rebecca Bedjai
Kostümassistenz: Jennifer Podehl
Techische Gesamtleitung: Friedemann Klappert
Technische Einrichtung: Andreas Tuschl
Technische Mitarbeit: Oliver Sturm, Lena Lentz
Ton und Multimedia: Martin Lukesch
Beleuchtung: Wolfgang Könnyü
Leitung Kostümabteilung: Doris Engl
Leitung Maske: Peter Köfler
Produktionsbetreuung Dekoration: Herbert Kienast
Produktionsbetreuung Kostüme: Christiane Burkhardt

Cast
Eliza Doolittle: Katharina Straßer
Mrs. Higgins: Louise Martini
Mrs. Pearce: Ulli Fessl
Mrs. Eynsford-Hill: Regula Rosin
Mrs. Higgins’ Zofe: Manuela Culka
Henry Higgins: Herbert Föttinger
Oberst Pickering: Peter Matic
Alfred P. Doolittle: Robert Meyer
Freddy Eynsford-Hill: Lukas Perman
Harry: Stefan Cerny
Jamie: Joseph Prammer
Butler: Hermann Lehr
Erster Obsthändler: Frederick Greene
Zweiter Obsthändler: Christoph Neumüller
Dritter Obsthändler: Heinz Fitzka
Vierter Obsthändler: Raimund-Maria Natiesta
Erste Zofe: Maja Wambersky
Zweite Zofe: Christiana Costisella
Dritte Zofe: Elisabeth Musger
Ester Diener: Thomas Tischler
Zweiter Diener: Tibor Levay
Blumenmädchen: Klaudia Nagy
Chor und Orchester der Volksoper Wien
Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper
Komparserie und Kinderkomparserie der Volksoper Wien
Bühnenorchester der Wiener Staatsoper

Markus Neugebauer als “Joseph” in der Wiener Stadthalle

Bei der ORF-Castingshow “Musical! Die Show” reichte es nicht zum Sieg, aber beim Casting in der Musical-Realität konnte Markus Neugebauer überzeugen. Er spielt in Andrew Lloyd Webbers Musical “Joseph and the amazing technicolor dreamcoat” im Herbst 2008 die Hauptrolle - in jener Produktion, die vom 1. bis 19. Oktober in der Wiener Stadthalle zu sehen ist. Tickets sind bereits erhältlich.

“Musical-Gebete”: Markus Dinhobl live in Wien, Wiener Neustadt und Stuttgart

Copyright: Markus Dinhobl/Rouven Guth“bitten. klagen. suchen. fragen. Wenn Männer mit dem Schöpfer ringen”, so nennt Musicaldarsteller Markus Dinhobl (”Jekyll & Hyde”, Wien; “Jesus Christ Superstar”, Bad Hersfeld; “Evita”, Bremen, “Elisabeth”, Stuttgart, “Les Misà©rables”, Bad Hersfeld, “Nicht von dieser Welt”, Stuttgart) sein Soloprogramm, das am 21. Mai 2008 in Wiener Neustadt Premiere feiern wird und danach auch in Wien (Donaucitykirche) und Stuttgart (Karl-Adam-Haus (KHG)) zu sehen ist.

An entscheidenden Punkten im Leben wenden sich die Menschen an Gott. Mit ihren Sorgen und Ängsten, ihren Zweifeln und Fragen, in Jubel oder Trauer. Auch viele Musicalfiguren tun das. Markus Dinhobl bietet einen besinnlichen Abend mit “Musical-Gebeten”.

Copyright: Markus Dinhobl/Rouven Guth

Termine
Mi, 21. Mai 2008, 20 Uhr
Wiener Neustadt, Neuklosterplatz
Neukloster, Barocksaal/Bernardisaal

Fr, 23. Mai 2008, 20 Uhr
Wien, UNO-City
Donaucitykirche

Mi, 28. Mai 2008, 20 Uhr
Stuttgart, Hospitalstr. 26
Karl-Adam-Haus (KHG)

Informationen zur Kartenreservierung demnächst auf der Website von Markus Dinhobl.

Stadthalle Wien, Halle F: Jesus Christ Superstar (20.3.2008)

Jesus: Drew Sarich
Judas: Serkan Kaya
Simon/Annas: Rob Fowler
Maria Magdalena: Caroline Vasicek
Pilatus: Andrà© Bauer
Petrus: Roman Straka
Soulgirls: Jacqueline Braun, Kathleen Bauer, Tina Schöltzke
King Herod: Jacqueline Braun
Kaiphas: Karsten Kammeier

Copyright: Martin Bruny
Copyright: Martin Bruny
Copyright: Martin Bruny
Copyright: Martin Bruny
Copyright: Martin Bruny

April 2008: Premiere für “My Fair Lady” an der Wiener Volksoper

Copyright: Dimo Dimov / Volksoper

Am 15. März 1956 feierte »My Fair Lady«, ein Musical von Alan Jay Lerner (Buch und Texte) und Frederick Loewe (Musik), im Mark Hellinger Theatre seine Broadway-Premiere. Rex Harrison und Julie Andrews spielten die Titelrollen und wurden vom Publikum gefeiert. Bis 1962, 2717 Vorstellungen lang, war “My Fair Lady” am Broadway zu sehen, Melodien wie »The Rain In Spain / Es grünt so grün« oder »I Could Have Danced All Night / Ich hätt getanzt heut Nacht« gingen nicht zuletzt dank der Verfilmung (aus dem Jahre 1964) mit Audrey Hepburn und Rex Harrison um die Welt.

Über 350 Mal wurde der Welterfolg in einer wienerischen Fassung an der Volksoper gespielt. Peter Minich, Hans Kraemmer, Kurt Huemer und Michael Heltau sorgten mit ihren Interpreatationen des Henry Higgins für volle Häuser. Als Eliza waren Dagmar Koller, Helga Papouschek, Luzia Nistler, Guggi Löwinger, Julia Stemberger und Martina Dorak im Laufe der Jahre zu sehen.

Im April 2008 wird das populäre Musical nach einer vierjährigen Pause von Robert Herzl mit zahlreichen Volksoperndebütanten neu einstudiert. Die musikalische Leitung hat David Levi inne. Die Besetzung: Von der Josefstadt kommen Louise Martini als Mrs. Higgins und Direktor Herbert Föttinger als grantelnder Phonetik-Professor Henry Higgins an den Währinger Gürtel. Katharina Straßer, Schauspielerin des Volkstheaters, Nestroy-Nachwuchspreisträgerin und Shootingstar, verwandelt sich unter Higgins’ Anleitung vom mittellosen, rotzfrechen Blumenmädchen in eine elegante und geheimnisvolle Schönheit. Alternierend mit ihr wird das beliebte Ensemblemitglied der Volksoper Johanna Arrouas die Eliza geben. Das Burgtheater ist vertreten durch Peter Matic als Higgins’ distinguierter Freund Oberst Pickering und Ulli Fessl als Haushälterin Mrs. Pearce. Musicalstar Lukas Perman kämpft als Freddy um Elizas Gunst. Einziger Nicht-Debütant dieser Neueinstudierung ist Volksoperndirektor Robert Meyer als Elizas trunksüchtiger Vater Alfred P. Doolittle.

Cast
Katharina Straßer / Johanna Arrouas (Eliza Doolittle)
Herbert Föttinger (Henry Higgins)
Peter Matic / Josef Luftensteiner (Oberst Pickering)
Robert Meyer (Alfred P. Doolittle)
Louise Martini (Mrs. Higgins)
Ulli Fessl (Mrs. Pearce)
Lukas Perman (Freddy Eynsford-Hill)
Regula Rosin (Mrs. Eynsford-Hill) u. a.

Premiere: Donnerstag, 3. April 2008, 19:00 Uhr
Weitere Vorstellungen am 5., 9., 11., 17., 20., 28., 30. April 2008, 1., 3., 11., 12. Mai 2008

Wien: “No way to die” - ein Stück Kulttheater, das man gesehen haben muss

No way to die
Wer die Suchwörter “Selbstmord” und “Internet” googelt, kommt auf die erstaunliche Trefferzahl von rund 297.000 Sites. Bei “suicide” & “internet” kommt man schon auf fast 2 Millionen Treffer. “Suicide” und “Chatroom” ergeben 603.000 Treffer. Die jährliche Selbstmordrate (je 100.000 Einwohner, Stand 2005) beträgt in Österreich laut www.who.int bei Männern 26,1, bei Frauen 8,2 (insgesamt: 16,9). In einer europaweiten Statistik liegt Österreich damit auf Rang 14, weit vor Deutschland (Rang 22).

Selbstmord ist nach wie vor ein Tabuthema. Hat das Internet auch nicht dazu geführt, dass es zu einem Anstieg der Selbstmordrate gekommen ist, so hat es doch die Kommunikation von lebensmüden Menschen untereinander wesentlich erleichtert. Es gibt sie, die Selbstmordchatrooms, und sie funktionieren im Wesentlichen nicht anders als normale Chatrooms, nur wird aus einem eventuellen Date meist nicht mehr als eine Verabredung zum gemeinsamen Tod. Kommunikation im Netz ist direkt, oft viel schneller ganz ins Persönliche reichend, als man das im “realen” Leben je zulassen würde. Es ist erwiesen, dass Chatter einander innert kurzer Zeit persönlichste Details anvertrauen, die sie langjährigen Freunden im “realen” Leben nie anvertrauen würden. Aber was ist “real” und was nicht? Was ist Fake und was Leben? Und was passiert, wenn man zwischen Fake und Leben nicht mehr unterscheiden kann? Oder es nie konnte?

Genau das ist das Thema des Theaterstücks “No way to die“, das derzeit in einer der ältesten Kleinkunstbühnen Wiens zu sehen ist, im “Theater Neue Tribüne“, gelegen im Untergeschoss des duchaus bekannteren Cafà© Landtmann.

Julie (20) und August (19) treffen sich in einem Selbstmordchatroom. Sie lernen sich kennen und planen ihren gemeinsamen Tod. Julie zahlt August den Flug zum gemeinsamen Todes-Date. Von einer 600 Meter hohen Felskante wollen sie springen. Ob sie es auch tun? - Das ist, kurzgefasst, die Handlung von “No way to die”, basierend auf Igor Bauersimas Theaterstück “norway.today”, für das der Autor von der Zeitschrift “Theater heute” zum Nachwuchsdramatiker des Jahres gewählt wurde.

Die beiden Darsteller Jan Hutter und Irà©na Flury, Absolventen der Konservatorium Wien Privatuniversität, haben aus dem Schauspiel “norway.today” gemeinsam mit Regisseur Erhard Pauer, Peter Uwira, der die Musikalische Leitung übernommen hat, sowie Markus Tesch (Choreographie) ein Stück Musiktheater gemacht. Sie reicherten das Schauspiel mit Tanzelementen an und mit Songs, beides Elemente, die das Theatererlebnis zu einem durchaus auch sinnlichen werden lassen. Gleichzeitig nehmen sie damit aus den Dialogen das Tempo und ermöglichen es dem Publikum, das eben Gehörte wirken zu lassen. Durch Musik und Tanz wird der Zuschauer emotionalisiert, empfänglich gemacht. Was auf einen Song folgt, trifft ohne viel Gegenwehr auf das Publikum.

Die Chancen stehen gut, dass man als Zuschauer in “No way to die” öfter lacht als in drögen Musicalblockbustern wie “We Will Rock You”, wobei es durchaus interessant ist, warum man bei “No way to die” lacht. Ist es einfach eine natürliche, gesunde Reaktion, das eben Gehörte, durchaus Schockierende zu verarbeiten beziehungsweise durch lautes Lachen abzuwehren? Zum Teil sicher, denn was man sieht, sind zwei Jugendliche, die sich darauf vorbereiten, Selbstmord zu begehen. Sie inspizieren den Ort der Tat, sie versuchen, sich letzte Zweifel auszureden, nehmen Videogrußbotschaften auf. Aber der Text ist raffiniert gebaut. Er verlockt durchaus auch zum Lachen, dreht dann mit einem Satz die Perspektive von vermeintlich witzig auf todernst, und schon würde das (unangebrachte?) Lachen erfrieren, wenn man so schnell reagieren könnte. Ein Musterbeispiel:

August: Ich hab ernsthafte Versuche unternommen [mich umzubringen]
Ich habe eine Narbe im Gesicht
Ich bin aus dem Bett gefallen
Gleich nach der Geburt
Ich hab mich sozusagen da runtergestürzt
Das war mein erster Reflex
Seit ich denken kann, denk ich daran mich umzubringen
Im Ernst

Julia: Ich hab ne Frage. Wenn du sie mir richtig beantworten kannst, überleg ichs mir.
Vernunft! Was ist das?
August: Was?
Julia: Ja?
August: Ja?
Julia: Das ist die Frage!
August: Achso!
Julia: Lass dir Zeit.
August: Vernunft. Vernuft ist krank. Das weiß doch jeder.
Julia: Ist das alles?

Zum Teil ist es auch Fassungslosigkeit darüber, wie die beiden Lebensmüden sich über ihre Situation lustig machen. Man wird vom Lachen der beiden Todesmüden angesteckt, empfindet sich als Zuschauer mitunter in einer voyeurartigen Situation, ein Lachen beobachtend und aufnehmend, das aus einer Situation heraus entsteht, die eigentlich todernst ist. Was Igor Bauersima in seinem Drama schafft, ist ein sprachlicher Drahtseilakt, stets seine Glaubwürdigkeit bewahrend, nie ins Kalauernde, Aufgesetzte abrutschend.

Jan Hutter und Irà©na Flury beweisen mit “No way to die” ihre Kunst in allen drei Sparten, die ein Musicaldarsteller, durchaus auch jeder Schauspieler, heutzutage idealtypisch beherrschen sollte: Schauspiel, Tanz und Gesang. Sie machen aus “No way to die” Theater, das normalerweise Kultstatus erreichen müsste und eine ganze Zeitlang laufen sollte. Freilich ist das in Wien nicht leicht, Werbung ist teuer, aber wie auch immer. Wenn es ein Stück gibt, das beispielsweise das Theater der Jugend in seinen Spielplan aufnehmen sollte, dann dieses, behandelt es doch ein Thema, das nicht zuletzt auch viele Jugendliche betrifft. Wenn Theater heutzutage vielleicht ein wenig noch verändern kann, dann eventuell so, als Anstoß, als Anregung zur Diskussion und Selbstreflexion.

“No way to die” ist noch am 6. März, am 7. März und am 8. März jeweils um 20 Uhr im Theater Neue Tribüne zu sehen.

“The Producers” in Wien: “Don’t book another show” - Mel Brooks vom Megaerfolg des Big-Fun-Musicals überzeugt

Andreas Bieber
Geht es nach Mel Brooks, so müssen sich Kathrin Zechner, die Intendantin der Vereinigten Bühnen Wien, und ihr Bereichsdirektor für Marketing, Wolfgang Hülbig, in den nächsten Jahren keine Sorgen mehr um das Wiener Ronacher machen, denn Brooks, der “Producer” schlechthin, ist überzeugt: “We can be there forever. Don’t book another show after us.”

Andreas Bieber

Nun, so weit plant man denn bei den VBW dann auch wieder nicht voraus. Vorläufig stehen die “Producers” einmal bis Mai 2009 am Spielplan des Wiener Ronacher. Am 30. Juni 2008 erfolgt mit der deutschsprachigen Uraufführung die feierliche Eröffnung des frischrenovierten Theaters, nur einen Tag nach dem Ende der Fußballeuropameisterschaft. Das nennt man Timing. So optimiert man die Chancen, internationale VIPS auf den roten Teppich bringen zu können, im Doppelpackage von Sport und Kultur. Bis 14. August 2008 steht die erste Tranche der ersten Saison am Spielplan, nach einer kleinen Sommerpause geht es dann ab September weiter. Für September ist die Veröffentlichung der Cast-CD geplant, die Aufnahmen dafür finden im Juli statt.

Andreas Bieber

Verkauft wird “The Producers” als Big-Fun-Musical, in der Tat könnte man “The Producers”, wie Mel Brooks meint, auch als Love Story bezeichnen. Es ist die Geschichte zweier charakterlich völlig unterschiedlicher Männer, die im Laufe des Musicals lernen, sich zu respektieren und zu lieben. Die Geschichte eines schüchtern-unschuldigen Buchhalters (Leo Bloom), der davon träumt, ins Showbusiness einzusteigen, und eines abgebrühten, gierigen, erfolgshungrigen Broadwayproduzenten (Max Bialystock). Max lehrt Leo, was es braucht, um im Business Erfolg zu haben, während Leo Max jene Werte zu vermitteln versucht, die ihm alles bedeuten: Fürsorge, Liebe, Kunst und Kultur. Eingebettet ist die “Love Story” in einen pointensprühenden Plot:

Max Bialystock und Leo Bloom haben einen perfekten Plan. Sie wollen einen programmierten Flop auf die Bühne bringen, um sich mit dem Geld der Finanziers, die kaum mit der Rückzahlung ihrer Investitionen rechnen werden, aus dem Staub zu machen. Die beiden Produzenten finden ein ganz und gar unmögliches Stück, engagieren den dämlichsten Regisseur, den geschmacklosesten Ausstatter und ein Reihe wenig versprechender Darsteller.
Doch die beiden Produzenten haben die Rechnung ohne das Publikum gemacht, ihre Show gerät zum unvermuteten Hit.

Andreas Bieber

Einen kleinen Videozusammenschnitt der Pressekonferenz bietet wienweb.at.

Leading Team
Buch: Mel Brooks/Thomas Meehan
Musik/Lyrics: Mel Brooks
Regie/Choreographie: Susan Stroman
Einstudierung der Inszenierung: Nigel West
Einstudierung der Choreographie: Leigh Constantine
Übersetzung: Philipp Blom (Lyrics), David Bronner (add. Lyrics), Michaela Ronzoni (Dialoge, Dramaturgie)
Regieassistenz (deutsche Dialoge): Viktoria Schubert
Bühnenbild: Robin Wagner (Design), David Petersen (Associate), Ted Irwin (Short Time Consultant)
Kostüm-Design: William Ivey Long
Licht-Design: Pia Virolainen
Sound-Design: Erich Dorfinger

Cast
Cornelius Obonya (Max Bialystock)
Andreas Bieber (Leo Bloom)
Bettina Mönch (Ulla)
Herbert Steinböck (Franz Liebkind)
Martin Sommerlatte (Roger de Bris)
Rob Pelzer (Carmen Ghia)

April 2009: Uraufführung von Eric Woolfsons “POE” in Wien

PoeLaut Recherchen der Redaktion des Kultur-Channels planen Times Square Production, das Musicaltheater Brno und die Gallissas Theaterverlag und Mediaagentur GmbH für April 2009 eine Produktion von Eric Woolfsons Musical “POE” in der Wiener Stadthalle. Regie wird Stanislav Mosa führen, Bühnenbild und Kostüme übernimmt Christoph Weyers.

“POE” wurde im November 2003 dreimal in den Londoner Abbey Road Studios konzertant aufgeführt, bei der Wiener Produktion handelt es sich um die Uraufführung der Musicalversion.

Theater Neue Tribühne: Jan Hutter & Irà©na Flury - “no way to die”

no way to dieAm 26. Februar 2008 findet im Theater Neue Tribühne die Premiere von “no way to die” statt. Es handelt sich dabei um eine Musiktheater-Fassung des weltweit erfolgreichen Dramas »norway.today« des Schweizer Schriftstellers Igor Bauersima. Der Text des ursprünglichen Dramas ist gekürzt und wird durch Lieder aus den verschiedensten Musikrichtungen ergänzt. Dadurch entsteht für den Zuschauer zum Text Bauersimas eine zweite erzählerische Ebene - kleine musikalische Inseln geben dem Zuschauer die Möglichkeit, sich durch die Kraft der Musik berühren zu lassen und so einen tieferen Einblick in die Materie des Stückes zu erhalten. Die Symbiose zwischen Text und Musik ist dabei von entscheidender Bedeutung. So sollen sich Text und Musik gleichermaßen ergänzen und ineinander übergehen, sodass der Zuseher die Handlung in einem Bogen erlebt.

Die Idee zu diesem Projekt stammt von den Jungdarstellern Jan Hutter und Irà©na Flury, die im Rahmen ihrer Bachelorprüfung am Konservatorium Wien nach neuen Formen des Musiktheaters suchten, abseits von den gängigen Sparten wie Musical, Operette oder Oper. Die ausgewählten Musiknummern stammen aus den diversesten musikalischen Richtungen und umfassen Pop- und Rocksongs ebenso wie Arien aus Barockopern, alte Schlager und Chansons.

Nach einer einmaligen Aufführung des Stückes »no way to die« an der öffentlichen Bachelorprüfung am Konservatorium Wien am 19. Juni 2007, stieß dieses Projekt auf große positive Resonanz, sowohl beim Publikum als auch bei Fachleuten im Bereich der darstellenden Künste.

Die Handlung:

Die zwanzigjährige Julie hat sich entschieden. Sie will sterben und zwar am liebsten mit jemandem zusammen. In einem Internet-Chatroom für Selbstmörder sucht sie nach Gleichgesinnten. So begegnet sie zum ersten Mal August. Er ist neunzehn und ebenfalls am Sterben interessiert. Sie verabreden sich auf einer 600 Meter hohen Klippe in Norwegen, an dem Ort,
den Julie für den gemeinsamen Freitod ausgesucht hat. Im Gepäck haben sie ein Zelt, Schlafsäcke, Essen und eine Videokamera.
Mit dieser Kamera versuchen die beiden ein Abschiedsvideo für ihre Angehörigen zu drehen. Doch dies will nicht so recht gelingen. Es wirkt entweder gekünstelt oder melodramatisch. Während sie ihren Freunden und Familien zu erklären versuchen, warum es sich nicht lohnt am Leben zu bleiben, entdecken sie immer mehr Gründe, die genau dafür sprechen. Am Leben zu bleiben.

Termine
26.2., 28.2., 29.2., 1.3., 2.3., 3.3., 6.3., 7.3., 8.3. 2008 jeweils 20.00 Uhr
(außer 2.3. 18.00)

Spielstätte
Theater Neue Tribüne
Dr. Karl Lueger Ring 4
1010 Wien

VBW: “Jesus Christ Superstar” auch 2008 in Wien - in der Stadthalle

Andrew Lloyd Webbers “Jesus Christ Superstar” wird es auch 2008 in konzertanter Form in einer Produktion der VBW in Wien geben. Da das Ronacher noch nicht bespielbar ist und man das Raimund Theater vermietet hat, mietet man sich für zwei Tage (20. und 21. März 2008) in die Wiener Stadthalle ein, das ist einer Pressemeldung von heute zu entnehmen.

Bereits zu Ostern haben wir die Vereinigten Bühnen Wiens, eine der renommiertesten Musicalbühnen Europas, zu Gast. Jesus Christ Superstar wird konzertant zur Aufführung gebracht. [Kommerzialrat Peter Hanke, Geschäftsführer der Wien Holding]

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