Archiv - Theater
Martin Bruny am Montag, den
3. November 2008 um 12:21 · gespeichert in Theater
Am 6. November 2008 findet im Wiener Theater Die Neue Tribüne die Premiere des Schauspiels “zeit zum essen” statt. Auf der Bühne: Lukas Perman als Lasse und Lukas Johne als Toben.
Das Stück entspringt einer intensiven Auseinandersetzung mit dem über allem stehenden Thema “Liebe”. Dynamiken in der Liebe sind geschlechtsunspezifisch, und auf keinen Fall abhängig von bestimmten sexuellen Präferenzen.
Das Interesse bei “zeit zum essen” gilt dem Beleuchten zweier Menschen, die rein äußerlich, und auch innerlich, unterschiedlicher nicht sein könnten. Und dennoch fällt die Liebe, wo sie fallen möcht’. Auch gilt das Interesse dem Mysterium “Tabu”: Tabus einer Gesellschaft sind dem normativen Wandel unterworfen und ändern sich mit ebendieser Gesellschaft. Das Thema Homosexualität gilt nach wie vor in weiten Kreisen unterschiedlicher Gesellschaften als die Kastration des Mannes per se. Wenn Normen, Doktrinen und eigene Ängste aufeinander treffen, werden Dynamiken in Gang gesetzt, die nicht mehr beherrschbar sind … Mann/Mann, Mann/Frau, Frau/Frau … es gilt schlicht das eine festzustellen: Liebe kommt - Liebe geht.
Der Plot
Lasse und Toben, ein homosexuelles Männerpaar Ende 20, trennen sich nach einer vierjährigen Beziehung. “zeit zum essen” erzählt, wie unspektakulär und dennoch bedrückend eine Liebe sich verändern kann, und demonstriert Umstände, die das Ende einer Beziehung durchaus fördern können. Das Stück zeigt auch die Normalität einer schwulen Beziehung in alltäglichen Dynamiken - es gibt keinen Anspruch auf das ewige Glück. Manchmal ist bereits der Wunsch “nach den Sternen” stark genug, innere Kräfte zu mobilisieren und Festgefahrenes loszueisen. Realitäten werden erkannt, der Leidensdruck wird zum Verbündeten.
Die Schauspieler
Norman Stehr zeichnet für Regie und Buch verantwortlich. Über die Wahl der Hauptdarsteller meint er:
Ich habe mich für Lukas Perman und Lukas Johne entschieden, da es sich um zwei großartige Persönlichkeiten sowohl im Leben als auch auf der Bühne handelt. Sie entsprechen genau meiner Vorstellung von Unterschiedlichkeit und dem Phänomen, dass sich so oft Gegensätze anziehen.
Lukas Perman wurde bislang in seinem “Allround-Genie” von den großen Bühnen engagiert, und es war genau dieses Können, welches in der Regel die Ränge füllte und füllt und ihm einen großen Namen einbrachte. Ich habe Lukas Perman als Schauspieler engagiert, um ihm das Sicherheitsnetz zu entreißen und ihm die Möglichkeit zu bieten, noch weiter über seine Grenzen hinaus zu gehen … er ist quasi “nackt” auf einer kleinen Kammerbühne, und es zählt jeder Atemzug, jedes Wort und jeder Gedanke, ohne dass ein Fortissimo aus dem Orchestergraben seinen Höhepunkt unterstützt. Eine äußerst direkte, “ehrliche” Art also, Charaktäre zu porträtieren und erlebbar zu machen …
Lukas Johne durfte ich im Sommer dieses Jahres in einer gemeinsamen Produktion kennenlernen, wo er in einer stattlichen Rolle, einer Bühnenadaptation des Films “Fight Club”, hervorragend spielte. Johne ist als “reiner” Schauspieler den direkten Ton gewohnt und eine ideale Ergänzung zu Perman. Er hat mit Sicherheit von der großartigen Musikalität, welche im Schauspiel eine ebenso entscheidende Rolle spielt wie im Musiktheater, von Lukas Perman profitiert.
Und so gehen diese beiden jungen Schauspieler Hand in Hand mit einem Thema um, das für viele nicht alltäglich sein dürfte. Homosexualität muss den elitären Anspruch verlieren und auch aufgeben … auch und besonders, um dem Stempel der immer wiederkehrenden “Abnormität” zu entkommen.
“zeit zum essen” - Schauspiel für zwei
Premiere: 6. 11. 2008, 20 Uhr
Weitere Vorstellungen : 7. 11., 10. 11. und 12. 11.
Theater DIE NEUE TRIBÜNE
Dr.-Karl-Lueger-Ring 4, 1010 Wien
Tickets für 20,00 € bis 23,00 € (diverse Ermäßigungen für Schüler, Studenten etc. möglich) gibt es telefonisch unter +43 (0) 664-2344256 oder per E-Mail: office@tribuenewien.at
Martin Bruny am Sonntag, den
2. November 2008 um 12:31 · gespeichert in Theater
Eine interessante Zusammenstellung von “Do’s and Dont’s” hat das Deutsche Theater auf die Website des Unternehmens verpackt. Die insgesamt 12 Regeln einer “Hausordnung” lesen sich wie folgt:
1.
Damit Sie sich unter den festlich gekleideten Gästen selbst wohlfühlen, ziehen Sie sich so an , dass Sie nicht zu sehr auffallen. Chic ist niemals out — Aber bitte nicht zu sexy! Eine Show abziehen, das überlassen Sie lieber den Künstlern auf der Bühne.
2.
Ein schöner Hut mag ja fesch oder gar entzückend sein, aber Sie möchten ja auch nicht hinter einem Kopfputz sitzen, der Ihnen die Sicht auf die Bühne verstellt. Also runter damit und an der Garderobe abgeben! Übrigens können Sie bei dieser charmanten Person in der Eingangshalle alles abgeben, was Sie drinnen im Theater stören würde, wie Mantel, Tasche, Koffer, Rucksack etc. Es muss ja nicht unbedingt ein Hund oder gar ein Baby sein. Auch das ist schon vorgekommen und problemlos bewältigt worden. Falls Sie ein paar Cent über die offizielle Garderoben-Gebühr hinlegen, ernten Sie ein dankbares Lächeln.
3.
Wenn Sie eine besonders coole Melodie auf Ihr Handy gespeichert haben, sollten Ihre Freunde Sie am besten kurz nach Beginn der Vorstellung anrufen. Was glauben Sie, welche Begeisterung Sie dann im Zuschauerraum auslösen. — Spaß beiseite! — Vergessen Sie nicht, nach der Vorstellung Ihren »Kommunikationsknochen« wieder einzuschalten.
4.
Ein schöner Rücken kann ja gelegentlich entzücken, ein Po ebenso. Aber wenn Sie sich in Ihrer Reihe an den anderen Gästen vorbeidrücken müssen, besonders wenn Sie etwas verspätet sind, so sollten Sie Ihrem Sitznachbarn nicht Ihre Hinterseite zuwenden, sondern sie anschauen und ihnen danken.
5.
Falls sich ein Darsteller auf der Bühne laut Regieanweisung eine Zigarette anzünden muss, ist dies kein Grund, ihm nachzueifern. Zigarette, Pfeife oder Zigarre sind im ganzen Hause tabu.
6.
Fotoapparat, Video- oder Filmkamera sowie Tonaufnahmegerät lassen Sie am besten gleich zu Hause oder an der Garderobe, denn erstens ist es aus urheberrechtlichen Gründen nicht statthaft, während der Vorstellung Aufnahmen zu machen, zweitens stört es die Künstler und die Zuschauer.
7.
Viele Melodien des Musicals sind bereits bekannte und beliebte Ohrwürmer. Aber bitte erst nach der Vorstellung selbst singen!
8.
Sobald die Vorstellung beginnt, unterbrechen Sie Ihre Unterhaltung mit Ihren Nachbarn. Sie wollen ja auch nicht durch das Geschwätz und die Kommentare anderer vom Bühnengeschehen abgelenkt werden.
9.
Seltsamerweise bekommt mancher im Theater ausgerechnet bei den leisesten Stellen einen unstillbaren Hustenreiz. Wenn Sie dazu neigen, stecken Sie sich ein paar Hustenbonbons ein, aber bitte nicht in einer Knistertüte!
10.
Alles was Sie in den Zuschauerraum mitbringen, nehmen Sie auch bitte wieder mit. Die Abfälle von Ihren Naschereien wie Tüten und Becher ebenso.
11.
Wenn die Aufführung Ihnen gefallen hat, geizen Sie nicht mit Ihrem Applaus. Er ist das Brot des Künstlers, oder besser: die Wurst auf seinem Brot. Lassen Sie Ihrer Begeisterung am Schluss freien Lauf. Bravo-Rufe, Pfiffe, Fußgetrampel, Standing Ovations sind nicht verboten.
12.
Ein Theaterbesuch ist - im Gegensatz zum Kinoabend - für alle vor und hinter dem Vorhang immer ein besonderes Erlebnis, ein Fest, das Sie in der Pause mit Ihren Freunden bei einem Glas Sekt oder Champagner feiern sollten – und nach der Vorstellung vielleicht bei einem Mitternachts-Diner im Theater-Restaurant nebenan.
Eine hervorragende Zusammenstellung, die aber durchaus ergänzt werden kann. Ich habe diesbezüglich mal eine kleine Liste zusammengestellt, die man –> hier findet.
Aus jüngsten Erlebnissen könnte man noch hinzufügen, dass es nicht sinnvoll ist, mit knarzenden Schuhen in ein Theaterstück zu gehen und dann die ganze Zeit zu, ja knarzen.
Keine schöne Angewohnheit ist es auch beispielsweise das Programmheft 120 Minuten lang in der Hand kreisen zu lassen. Man hört es - okay, die anderen hören es, und man wird fast verrückt dabei, wenn man ständig von einer Seite mit diesem Geräusch beschallt wird.
An die Damen und Herren der Aufsicht im Theater: Es macht wenig Sinn, ständig raus und rein zu gehen. Wenn Sie das Publikum beaufsichtigen wollen, damit auch ja niemand ein Foto knipst und in Japan seinen Verwandten zeigt, dann bleiben Sie im Saal. Und ja, wenn jemand in der ersten Reihe eben geknipst hat und in diesem Moment gerade der wichtigste Song der Show auf dem Programm steht, wäre es nett, wenn Sie nicht just da quer durch den Saal rennen und allen die Stimmung zerbröseln. Sie werden den/die “Schuldige” in der ersten Reihe schon nicht aus den Augen verlieren (viele Grüße auch an die Wiener Stadthalle, Halle F).
Martin Bruny am Montag, den
27. Oktober 2008 um 15:22 · gespeichert in Theater, Theater, 2008

Atmosphäre in einen doch recht kühlen, arenaartigen Raum wie in jenen der Wiener Urania zu zaubern, das können die Schauspieler und der Regisseur, das ganze Leading Team der “Volkstheater in den Außenbezirken”-Produktion “La Strada”.
Sie schaffen eine Stimmung, die zwischen italienischem Film und einem Gefühl, das der französische Schriftsteller Philippe Djian in Romanen wie “Betty Blue” so wunderbar vermittelt, mäandriert. Für die Schauspieler ist der Prozess des Erzeugens dieser speziellen Stimmung, dieses, wie Fellini über seinen Film “La Strada” gesagt hat, “schwebenden Tons, der in mir das Gefühl unendlicher Traurigkeit weckte”, jeden Abend eine neue Herausforderung - denn die Produktion spielt fast wöchentlich in einem anderen Raum, und jeder Raum, in dem die Darsteller Station machen, ist auch anders, ganz anders. Im persönlichen “La Strada” der Protagonisten von “La Strada” gibt es mal eine Bühne, dann wiederum ist nicht mal für die ganze Deko Platz, die Auftritts- und Abgangsmöglichkeiten variieren. So kommt keine Routine auf, jeder Abend ist eine kleine Premiere.
Man tritt zum Großteil vor dankbarem Publikum auf, das mit dieser Produktionsschiene des Volkstheaters Theaterabende direkt in den Bezirk geliefert bekommt. Das darf man nicht unterschätzen. Hier werden Barrieren gekippt - du musst nicht zum Theater kommen, das Theater kommt zu dir, man will extra für dich spielen. Ein Großteil läuft auf Abo-Basis zu vernünftigen Preisen, mit denen man Publikum gewinnen und nicht vergraulen will, das Durchschnittsalter des Publikums ist ein etwas gehobeneres, und wer sich einmal gut unterhalten hat, kommt vielleicht auch öfters ins Haupthaus.
“La Strada - Das Lied der Straße” ist ein Schauspiel von Gerold Theobalt nach einem Drehbuch von Frederico Fellini, Tullio Pinelli und Ennio Flaione.
Der Schausteller Zampano braucht eine neue Assistentin. 10.000 Lire zahlt er für Gelsomina, ein einfaches, ein bisschen zurückgebliebenes Mädchen. Nun zieht sie mit ihm von Ort zu Ort, spielt den Clown, sammelt das Geld ein, kocht und wäscht für ihn. Zampano ist brutal, jähzornig, rücksichtslos und unfähig Gefühle zu zeigen. Er schlägt sie, schläft aber auch hin und wieder mit ihr und betrügt sie mit anderen Frauen. Sie hängt trotzdem an ihm. Dann lernt sie den Seiltänzer Il Matto kennen. Er spricht mit ihr, hört ihr zu und nimmt sie ernst. Von ihm lernt Gelsomina auch die kleine Melodie, die sie auf der Trompete spielt. Als er nicht aufhört, Zampano zu verspotten, kommt es zur Katastrophe …
Ein schwebender Ton, ein Gefühl unendlicher Traurigkeit, das sich in der wechselseitigen Abhängigkeit von Gelsomina und ihrem brutalen Zampano spiegelt, aber auch in der Beziehung zwischen Zampano und Il Matto, dem Seiltänzer, sowie Zampano und seinen Damenbekanntschaften, dieser schwebende Ton ist es, der bei dieser Produktion alles andere, auch die Handlung an sich, dominiert.
Doris Weiner gibt das einfache, etwas zurückgebliebene Mädchen nicht als ver-rückte Studie, sondern zeichnet es als liebenswert ent-rückt, auf eine ganz bezaubernde Weise. Es lebt in seiner eigenen Welt und in diese Welt dringt der Alltag so wie wir ihn alle kennen nur gefiltert ein. Andy Hallwaxx (Regie) setzt eine Vielzahl an Stilmitteln ein, um die Gefühlswelt der Gelsomina zu skizzieren. Er spielt mit Zeit und Realität, mit der Welt der Akrobatik, setzt einen ausgeklügelten Sound- und Musikteppich wie eine Art Underscore ein - alles scheint ineinander zu verfließen, die Zeit an sich wird unwesentlich. Die clownesquen Kunststückchen Gelsominas liefert Weiner manchmal mit einer Charlie Chaplinesquen Attitude, sie sind Teil ihres Wesens, nicht unbedingt als “Zirkuseinlagen” interpretierbar. Die vielen Brechungen in dieser Rolle, beispielsweise dass Weiner natürlich schon lange kein “kleines Mädchen” mehr ist, die traumartigen Sequenzen, das überragende Timing der Schauspielerin, mit dem sie Zeit und Raum balanciert und stets die völlige Aufmerksamkeit des Publikums auf sich fokussiert, das allein macht diesen Abend zu einem großen Erlebnis.

Zampano, der, so stellen wir uns das vor, muskelbepackte Grobling, wird von Thomas Bauer mit Wucht als Seelenkrüppel und Schwächling interpretiert. Er reagiert nicht mit Worten und Gefühlen, sondern ausschließlich körperlich, mit Gewalt.
Marjan Shaki spielt eine Wirtin, eine Hure und einige Szenen später eine Nonne - ein derartig breites Spektrum verlangt eine nuancenreiche Mimik und Gestik sowie Intonation, und mit all dem verleiht die Schauspielerin souverän ihren Auftritten Wirkung. Von der etwas spleenigen Nonne zur derben, karaokesingenden (”Stand by your man”), quietschigen Hure in wenigen Szenen, und beides glaubhaft dargestellt. Ein schöner Einstieg in die Wiener Sprechtheaterszene, abseits der Musicals.

Die restlichen Nebenrollen, auch jene der Mutter Gelsominas, spielt Reinhold G. Moritz, der im Verlauf der Stücks immer stärker wird und im direkten Aufeinandertreffen von Il Matto und Zampano ein paar glänzende Szenen hat.
Set Design und Lichtregie arbeiten nicht mit dem Aufwand einer Hightech-Bühne, aber wenn es darauf ankommt, welche Wirkung erzielt wird, so schaffen wenige Requisiten, die die Phantasie der Zuschauer anregen, oft mehr als noch so tolle Bühnenlandschaften. Ein paar Möbelstücke, verschiebbare Wände, einige wenige Requisiten, auch da ein poetisches Spiel mit Licht - wunderbar. “La Strada” sollte man gesehen haben. Nur noch wenige Termine sind auf dem Tourplan:
27. Oktober: Haus der Begegnung, Donaustadt
28. Oktober: Haus der Begegnung, Donaustadt
30. Oktober: Da capo (VH Inzersdorf)
31. Oktober: Volksheim Groß-Jedlersdorf
04. November: VHS Hietzing
05. November: VHS Hietzing
La Strada - Das Lied der Straße
Österreichische Erstaufführung
Schauspiel nach einem Drehbuch von Frederico Fellini, Tullio Pinelli und Ennio Flaione von Gerold Theobalt
Zampano: Thomas Bauer
Gelsomina: Doris Weiner
Matto: Reinhold G. Moritz
Wirtin/Hure/Nonne: Marjan Shaki
Regie: Andy Hallwaxx
Bühne: Judith Leikauf/Karl Fehringer
Kostüme: Erika Narvas
Dramaturgie: Hannah Lioba Egenolf
Regieassistenz/Souffleuse/Inspizienz/Abendspielleitung: Elisabeth Balog/Katja Knebel
Martin Bruny am Sonntag, den
26. Oktober 2008 um 12:27 · gespeichert in Theater
Das Totschlagargument per se in Diskussionen um das langsame Dahinscheiden der so genannten “Long Runs” lautet: “Na, kein Wunder, bei der Wirtschaftskrise.”
Die Wirtschaftskrise mag ein Faktor sein bei diesem Phänomen, tatsächlich steckt aber auch etwas anderes dahinter (abgesehen davon, dass die Zeit der Megamusicals der achtziger Jahre, aus denen sich die meisten Long-Runs rekrutierten, nun mal, bis auf wenige Ausnahmen, vorbei ist). Musicals sind für viele Besucher im Laufe der Zeit so etwas wie “beste Freunde” geworden, die man ab und an, oder auch häufiger, besucht.
Das war lange Zeit kein Problem - bis ein paar besonders kluge Köpfe auf die Idee kamen, die Ticketpreise schlagartig um einen Faktor X zu erhöhen, der diese Bindung vieler Zuschauer an “ihre” Shows kappte. Die Ticketpreise waren bis vor zirka zehn, fünfzehn Jahren am Broadway und bis vor ein paar Jahren in Wien im Vergleich zum Einkommen vieler Musicalfans “relativ” erschwinglich. Da war es für einen Fan am Broadway durchaus möglich, seine “Lieblinge” regelmäßig zu besuchen. Das ist ein Phänomen, das unbestreitbar existiert(e), so wie man das auch, auf einem anderen Niveau, in Wien kannte und auch heute, in geringerem Ausmaß, kennt.
Schaun wir uns die derzeitige Situation am Broadway an: Als Jason Robert Browns neue Show “13″ in aller Munde war und die prächtigen Kritiken noch nicht mal alle heruntergeklopft waren, kostete das billigste Ticket für die Show 76,50 Dollar. 76,50 Dollar, das ist ein Preis, den viele Theaterbesucher, die nicht nur einmal Tarzan furzen hören wollen und nicht unbedingt auf Löwen und Meerjungfrauen stehen, die nicht in Bussen herangekarrt werden, Musicals aber seit Jahrzehnten besuchen, meist noch nie für ein Ticket ausgegeben haben.
Freilich musste Jason Robert Brownn auch innerhalb kürzester Zeit erkennen, dass er mit solchen Preisen nicht lange am Broadway bleiben wird mit seiner Show (wieder einmal). Und so wie man am Basar mit Wurschtsemmeln handeln würde, gibt es nun, bei einer durchschnittlichen Auslastung von knapp über 50 Prozent, Rabatte. 25 Dollar pro Ticket, das ist der aktuelle Preis, den man zahlt, wenn man nicht so dumm war, beispielsweise als Brown-Fan, im Voraus zu kaufen.
Auf seiner Website schreibt Brown:
I want people to come see “13″, and I asked the producers what we could do to make sure that my fans and friends could come, and do it now when we really need to build momentum. And they really came through.
Through November 3, you can get orchestra and front mezzanine tickets for any weeknight (and Sundays at 7!) for only $25. That means you can take a family of four to see the show for less than the cost of one ticket to “The Lion King.”
Die Situation in Wien ist nicht viel anders (abgesehen davon, dass einige Theater subventioniert werden, was dem Ganzen doch einen etwas skurrilen Touch gibt). Die Ticketpreise steigen im Dreivierteltakt. Während man es aus Deutschland gewohnt war, dass neu erbaute riesige Mehrzweckhallen bestimmte Saalabschnitte wie den neunten Rang oder Reihe sechstausend gar nicht erst in den Verkauf brachten, werden in Wien in vergleichsweise Minimundus-Theatern nun auf einmal Ränge gesperrt. Weil die Shows so schlecht sind? Mag sein. Mag sein, wie man hört, dass in Wien das Publikum auf einmal “nicht reif für ein Stück ist”. Vielmehr aber kann man aber auch der Meinung sein, dass das Publikum irgendwann einmal sagt: Stopp, nicht mit uns. Die Preiserhöhungen reichen. Und vielleicht ist auch längst eine Grenze überschritten. Dann würden Wiens Theater Tag für Tag Zuschauer verlieren, die man nur mehr mit viel Aufwand wieder in die Häuser bekommt.
Martin Bruny am Dienstag, den
21. Oktober 2008 um 20:12 · gespeichert in Theater
Am Mittwoch, dem 22. Oktober 2008, findet die Eröffnung der neuen Wiener Bühne WEST SIDE (Mariahilfer Gürtel 15, 1150 Wien) statt. Das WEST SIDE soll sich als Präsentationsmöglichkeit für junge Künstler etablieren, aber auch “alten Hasen” der Musik- & Theaterbranche Raum für Experimente bieten.
Folgende KünstlerInnen werden mit ihren Stücken, Shows, Konzerten und Lesungen bis Weihnachten im WEST SIDE zu sehen sein: Francesco Cardeloni, Friedrich L. Eichberger, Claudine Gerrits, Astrid Golda, Josef Glatz, Anita Hofmann, Petra Kreuzer, Peter Mistlbacher, Dagmar Schwarz, Otti Schwarz, Thomas Thalhammer, Helmut Tschellnig, Wia d’Hund im Reg’n u. v. a.
TRASH FOR CASH
“Trash For Cash”, eine kultige Musikshow mit Petra Kreuzer und Astrid Golda, ist ab 13. November 2008 im WEST SIDE zu sehen.
Gretl und Trude, die vermeintlichen Trapp-Enkerln, sind nur in ihre Heimat zurückgekehrt, um abzucashen. Die genialen Entertainerinnen haben sich auf Möbelmessen genauso bewährt wie bei ihrem phänomenalen und glamourösen Auftritt in Las Vegas!
Was da vorfiel, werden Ihnen die Schwestern dann verraten. Wir sagen nur: Celine Dion, fünf weiße Tiger, eine Showtreppe und zwei kleine Italiener mit Vergangenheit …
Diese musikalische Comedy - von und mit Petra Kreuzer sowie Astrid Golda - zeigt das knallharte Showbiz mit kultiger Musik von Celine Dion bis Conny Froboess.
Update 2011
Das West Side gibt es nicht mehr.
Martin Bruny am Montag, den
20. Oktober 2008 um 18:56 · gespeichert in Theater

In den nächsten Wochen ist Musicalstar Maya Hakvoort mit ihrem aktuellen Programm “In My Life” in Wien zu sehen: am 2. November 2008 im Orpheum und am 29. Jänner 2009 im stadtTheater Walfischgasse.
»In My Life« ist ein musikalischer Streifzug durch das Leben der Sängerin - mit sehr persönlichen Geschichten über ihre künstlerischen Wurzeln und Inspirationen. Das Soloprogramm zeigt vor allem auch die humorvolle und komödiantische Seite der Künstlerin und bietet abwechslungsreiche Unterhaltung mit Liedern, die Maya Hakvoort durch ihr Leben begleitet haben. Am Klavier: Aaron Wonesch.
Ein Open-Air-Event steht am 26. Oktober 2008 im Rahmen des Wiener Sicherheitsfests auf dem Programm. Von 16.00 bis 16.45 gastieren Hakvoort & Band am Wiener Rathausplatz bei freiem Eintritt.
Maya Hakvoort: «In My Lifeâ€
Sonntag, 2. November 2008, Beginn 20:00 Uhr
Orpheum Wien, Steigenteschgasse 94b, 1220 Wien
Kartenpreis: Ab € 22,-
Tickets erhältlich im Orpheum Wien online unter www.orpheum.at, unter www.oeticket.com und in allen Bank Austria-Filialen.
Donnerstag, 29. Jänner 2009, Beginn 20.00 Uhr
stadtTheater Walfischgasse, Walfischgasse 4, 1010 Wien
Kartenpreis: Ab € 23,-
Tickets online erhältlich –> hier
Martin Bruny am Donnerstag, den
16. Oktober 2008 um 21:48 · gespeichert in Wien, Theater
Im Wiener Volktheater ist ab 17. Oktober 2008 Peter Weck als “Sonny Boy” zu sehen, an seiner Seite Harald Serafin - zwei (einer davon eine ehemaliger) Intendanten, die viel zu erzählen haben und hätten. Peter Weck könnte beispielsweise sicher ein dickes Buch über seine Jahre als Herr der Musicals in Wien füllen. 1983 bis 1992 war er als Intendant tätig, “Elisabeth”, “Cats” … Erfolgsgeschichten. In der aktuellen Ausgabe von NEWS ist diesbezüglich Folgendes zu lesen:
Er ging auf politischen Druck. Die Zeit seither nennt er “traurig. Manager lassen sich viel einreden, und das Ergebnis ist arm. Ich habe ELISABETH gemacht, weil ich unabhängig werden wollte. Dann habe ich gesehen, wie hinter meinem Rücken gebohrt und gesägt wurde, und mir war bald klar, dass ich es nicht nötig habe, ununterbrochen Leuten zu begegnen, die mir das Messer in den Rücken stoßen wollen. Also habe ich aufgehört. Dann wurde meine Existenz verleugnet. Ich wurde nicht mehr zu Premieren eingeladen, und wenn ja, dann hinter eine Säule gesetzt. Heute interessiert es mich nicht mehr. Man hat noch versucht, den Erfolg von ELISABETH mit demselben Team zu wiederholen, aber es wurde nur ein Abklatsch.”
Martin Bruny am Mittwoch, den
8. Oktober 2008 um 20:11 · gespeichert in Theater
Vom 23. Oktober 2008 bis 12. April 2009 läuft im Österreichischen Theatermuseum die Ausstellung “SCHEIN WERFEN Theater - Licht - Technik”, die die technische und künstlerische Geschichte des Bühnenlichts nachzeichnet, aber auch mit Hilfe zahlreicher Kooperationspartner die neuesten Entwicklungen vorstellt.
Den Griechen war das thà©atron (die “Schaustätte”) der Ort, wo sie in den Spiegel ihrer Geschichte blickten, wo Halbverborgenes und Vergessenes beleuchtet wurden und sorgsam Verstecktes ans Tageslicht gezerrt wurde, um dem Lachen preisgegeben zu werden. Bis heute ist das Theater eine Schaukunst geblieben, die den Fokus der Aufmerksamkeit lenkt. Sie bestimmt darüber, was ins Licht und was in den Schatten gestellt wird, was wie gesehen werden soll.
In der Antike spielte man bei natürlichem Licht Theater und nutzte das Schauspiel der Sonne mit ihren sich verändernden Farben und dem unterschiedlichen Lichteinfall. Fackeln und Öllampen setzte man symbolisch als Phänomen der Verbindung zwischen den Göttern und den Menschen ein. Bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert wurden Bühne und Zuschauerraum von Hunderten, manchmal Tausenden von Kerzen zugleich beleuchtet. Die Einführung des Gaslichtes ermöglichte sodann die Regelung von Hell und Dunkel und damit einen Wechsel von Lichtstimmungen und Farbübergängen. Die größte Veränderung wurde jedoch durch das elektrische Licht herbeigeführt, das in Verbindung mit den Errungenschaften der Psychologie und dem expressionistischen Kunstschaffen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert einen inneren Wandel des Theaters hervorrief. Das künstliche Licht dient nun nicht mehr nur dem reinen Sichtbarmachen, sondern kann so vielfältig eingesetzt werden mit seinen Farben, seiner Intensität und seinen Zielen, dass es zu einem Hauptgestaltungsmittel szenischer Kunst wurde, das den Zuschauer stärker zu manipulieren vermag als so manch anderes Mittel des Theaters.
Die Geschichte des Theaters ist auch eine Geschichte von Licht und Beleuchtung, von körperlosen Schatten und Schatten werfenden Körpern als Instrument der Interpretation einer mehr als 2000-jährigen Kulturgeschichte.
Österreichischen Theatermuseum
Lobkowitzplatz 2, Wien I
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr
Martin Bruny am Mittwoch, den
16. Juli 2008 um 17:42 · gespeichert in Theater
Im Wiener Narrenturm wird noch bis 20. Juli 2008 das Stück “Don’t talk about it - inside of a fightclub” zur Aufführung gebracht.
Mi-So, Beginn 20:00 Uhr
Karten unter: 01 406 86 72
Inhalt
6 Männer - 6 Geschichten.
“Erst wenn wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit, alles zu tun. Wir müssen begreifen, nicht fürchten, dass wir sterben werden.”
6 Männer begegnen einander in einer Selbsthilfegruppe. Jeder von ihnen kämpft mit seinem Leben; gemeinsam gründen sie den Fight Club. Schon bald verlangt die befreite Gewalt nach der Befreiung durch die Gewalt und die Gruppe beginnt, den Kampf gegen die Gesellschaft zu organisieren. Darf man die Freiheit aufgeben, um die Freiheit zu erlangen?
Darsteller
Babyface: Rainer Gradischnig
Blondie: Alexander Linhardt
Jojo: Lukas Johne
Mehmet: Aaron Arens
Mister Big: Norman Stehr
Ricky: Christopher Schärf
Tyler: Rasmus Borkowski
Leading Team
Regie: Marc Jago
Buch: Linde Prelog
Bearbeitung: Marc Jago
Dramaturgie: Martina Schwabenitzky
Musik: DJane Colette
Kampfcoach: Thomas Glen Cook
Links
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