Archiv - News
Martin Bruny am Dienstag, den
8. April 2003 um 20:17 · gespeichert in Literatur

Awards - fast so gut wie Listen, für uns Listenfetischisten. Einer der abstrusesten Awards: der Bad Sex in Fiction Award. Der Gewinner 2001 hieß Christopher Hart und fabrizerte in seinem Werk “Rescue Me” die folgende güldene Textstelle, die ihn zum würdigen Sieger machte:
Her hand is moving away from my knee and heading north. Heading unnervingly and with a steely will towards the pole … Ever northward moves her hand, while she smiles languorously at my right ear. And when she reaches the north pole, I think in wonder and terror — she will surely want to pitch her tent.
2002 konnte Wendy Perriam mit ihrem Roman “Tread Softly” den Preis für sich gewinnen. Auch sie hats wirklich drauf:
Weirdly, he was clad in pin-stripes at the same time as being naked. Pin-stripes were erotic, the uniform of fathers, two-dimensional fathers. Even Mr. Hughes’s penis had a seductive pin-striped foreskin. [story]
Martin Bruny am Montag, den
7. April 2003 um 20:16 · gespeichert in Literatur

Hach, das Leben kann so trivial sein:
Frage an Jonathan Carroll: Hi Jon, I have never read any of your books, but I recently (today) discovered you. As you may have guessed, I was intrigued by the name of one of your characters. How did you come up with it? Do you know any other Michael Billas? I was a bartender for about four years in Portugal, Italy and New York. Can you see why I’m utterly enthralled by my discovery of your work? This blows my mind! Maybe I’m reading into this too much, but I do believe in certain symbols that manifest themselves in everyday life. And this looks like one of them to me. Please email me…curiosity is killing this cat. Thanks, Michael Billa PS: I make a killer Martini (figuratively speaking).
Antwort: Ah Michael, I hate to disappoint you, especially when it comes to magic, but the name Michael Billa comes from something very mundane. There is a large chain of supermarkets in Austria named “Billa.” The Michael I just tagged onto it because early in my career, a nasty critic said (among my many other literary failures) I gratuitously use strange names much too often. So Michael it was. But you know, the fact that you discovered my work and a character of mine with your name is a magic of sorts no matter what, you know? [story]
Martin Bruny am Freitag, den
4. April 2003 um 20:13 · gespeichert in Literatur

Es war einmal … Benjamin Lebert (was wurde eigentlich aus ihm?), der als Teenager mit seinem Roman Crazy den Buchmarkt und die Filmbranche in Furore versetzte. Seitdem hat man von Teenager-Bestseller-Autoren nicht mehr viel gehört … bis, ja bis Nick McDonell auftauchte und im Jahre 2002 im Alter von 17 Jahren mit seinem Roman “Twelve” (”Zwölf”) in den USA einen Bestseller landete. Sein Werk verfasste er in den Sommerferien, aber lassen wir ihn selbst schildern:
Part of it was that I only had the summer holidays. It’s hard to write when you’re going to school full-time. Part of it was out of necessity and I wanted to finish it before I had to go back to school and part of it was that it came quickly. The plot came all at once. I still have the paper I had the plot written on before I started the book and it hasn’t changed. The thing was I really wrote this book because I really wanted to do it so that will always be the case. I’m not going to do something just for the sake of doing it if I’m not passionate about it.
McDonells Debüt kommentierte die New York Times einfach so:
So schnell wie Speed und so erbarmungslos wie Acid.
Der Playboy meint:
A dramatic debut. . . . An enthralling read about apathetic youth who have everything and nothing. [Patty Lamberti, Playboy]
Und worum gehts in “Zwölf”? Das lassen wir uns mal erzählen:
Paris ist viel besser als New York”, schreibt der heute 18-jährige Nick McDonell im Nachwort zu “Zwölf”. McDonell muss als Jugendlicher enorm an New York gelitten haben. Entsprechend düster ist das Porträt der Stadt, das er in seinem Romandebüt entwirft. Um den Drogendealer White Mike bildet sich eine Gruppe von reichen weissen Highschool-Schülerinnen und -Schülern, die von Party zu Party ziehen und sich unter anderem mit der Droge Zwölf volldröhnen. Höhepunkt ist die Silvesterparty bei Chris, wo es zu einem eigentlichen Feuerwerk kommt. McDonells Buch ist flott geschrieben und mit den zwei Erzählsträngen - da White Mikes Leben, dort die letzten vier Tage vor Silvester - spannend strukturiert. Doch das Werk ist als Verschnitt von Irvine Welshs Bestseller «Trainspotting» und Larry Clarks New-York-Film «Kids» nicht allzu originell. Die Originale überzeugen mehr: «Trainspotting» hat mehr Tiefgang, «Kids» ist realistischer. (net)”
Mittlerweile studiert McDonell in Harvard, “Zwölf” wurde in 11 Sprachen übersetzt, demnächst steht eine Verfilmung an, und das nächste Buch ist bereits in Arbeit - wobei das College für Nick Vorrang hat. Unter das Kapitel “leider zu spät” fällt folgende Veranstaltung: “29. März: Nick McDonell (18, USA) liest zusammen mit Tom Schilling (21, D) aus seinem Bestseller “Twelve”. Türöffnung 20h. Eintritt CHF 25.–. Studierende CHF 20.– Vorverkauf über Ticketcorner. Abendkasse geöffnet ab 20h. Zürich, Säulenhalle, Limmatstrasse 266, (Tram 4 bis Dammweg), 21h” [schade schade]
Martin Bruny am Donnerstag, den
3. April 2003 um 20:10 · gespeichert in Pop
Mannheim ist nicht eben eine Stadt, die man weit über deutsche Grenzen hinaus kennen würde. Kulturell reiht es sich in keine der deutschen Hochburgen ein. Noch! Aber schon ab dem Wintersemester 2003/04 wird man in Mannheim an einer Pop-Akademie studieren können, wie sie es landesweit kein zweites Mal gibt.
Ob nun Gesang, Management oder Konzertveranstaltung – alles lässt sich für 500 Euro Semestergebühr theoretisch und auch praktisch an der neuen Akademie erlernen. 55 Studenten sollen jährlich nach jeweils drei Jahren Ausbildung ihren Bachelor of Arts machen. Diese 55 Studienplätze stehen schon jetzt 1000 Bewerbern gegenüber.
Als Dozent stellt sich u. a. Xavier Naidoo, Sohn der Stadt Mannheim, zur Verfügung. Er hätte es zu schätzen gewusst, erklärte der Soul-Sänger, hätte er seinerzeit die Möglichkeit gehabt, von Leuten zu lernen, die er respektiere.
Als »Starschmiede« versteht sich die Akademie ausdrücklich nicht. Aber als Sprungbrett in eine vielleicht doch erfolgreiche Zukunft wird sie sicher dem einen oder anderen eine kleine oder auch große Hilfe sein.
Martin Bruny am Dienstag, den
1. April 2003 um 20:07 · gespeichert in Theater

… das sind die wichtigsten Zutaten für die “24 HR. Plays”. Rechnet man die Production Staff dazu, kommt man auf zirka 50 Leute.
Wie entsteht nun so ein “24 HR. Play”? Nun, wenn einmal der Tag der Produktion der 24-Stunden-Schauspiele gekommen ist, treffen sich alle Beteiligten um 22 Uhr am Vorabend der Aufführung zur Initialisierung ihres Rituals. Man bespricht am Ort des Geschehens (also im Theater) die Details und lässt danach die 6 Schriftsteller alleine. Ihre Aufgabe ist es, bis 7 Uhr morgens je ein 10-Minuten-Schauspiel zu verfassen. Punkt 7 Uhr morgens treffen die Regisseure ein und übernehmen. Sie lesen die brandneuen Werke, besprechen sich und beginnen mit dem Casting. Um 8 Uhr morgens stoßen die Schauspieler zur Gruppe, die Proben beginnen um 9 Uhr. Von 17 Uhr bis 19:30 finden die letzten Proben statt, pünktlich um 19:45 wird das Publikum eingelassen. Um 20 Uhr beginnt die Vorstellung.
Seit 1995 sind auf diese Art und Weise über 200 10-Minuten-Schauspiele entstanden und zur Aufführung gebracht worden. Keine üble Idee das. Wann steigt Schlingensief ein?
Martin Bruny am Sonntag, den
23. März 2003 um 17:35 · gespeichert in Literatur
Der Horror beginnt 1995. Der japanische Autor Koji Suzuki veröffentlicht sein Werk The Ring - und landet damit einen Volltreffer. Das Buch wird fürs Fernsehen verfilmt, danach von Hideo Nakata fürs Kino. Der große Erfolg pusht drei weitere “Ring”-Streifen Kino, ein Prequel (”Ring 0″) und zwei Sequels (”Ring 2″ und “Spiral”). Spätestens nun war es klar, dass Hollywood auf den Erfolgsrun aufmerksam wird. Mit dem US-Remake (2002) gelingt ein Sensationserfolg. Der zweite Teil ist bereits in Vorbereitung.
Koji Suzuki hat von seinem “Ring”-Zyklus laut Verlag mittlerweile acht Millionen Bände verkauft. Als “Japans Antwort auf Stephen King” (Cover) wird er beworben. Der deutsche Heyne-Verlag greift bei der Übersetzung des Horrorschockers nicht auf das japanische Original zurück, sondern auf die amerikanische Lizenzausgabe. Ouh, was für ein Fehler. Wenn man bedenkt, dass das japanische Original schon bei der Übersetzung ins Englische viel eingebüßt haben muss, kann man sich vorstellen, wieviel an Urkraft bei der Übertragung vom Englischen ins Deutsche auf der Strecke geblieben ist. Nicht zu sprechen von den wirklich heftigen Rechtschreibfehlern, die man da auf den 352 Seiten findet.
Während in der westlichen Welt also der “Ring”-Rummel so richtig durchstartet, treibt er in Japan heftigste Blüten: “The Ring” hat so ziemlich alle Medien, die es gibt, geentert, es gibt eine TV-Serie, ein Manga und weitere auf dem “Ring”-Thema basierende Geschichten von Suzuki.
Eine Frage bleibt allerdings offen: Ist Suzuki tatsächlich die japanische Antwort auf Stephen King? Und wer will das beurteilen können aufgrund einer Übersetzung, die wohl aufgrund des deutschen Kinostarts ziemlich überhastet und fehlerhaft auf den Markt geschmissen wurde?
Martin Bruny am Freitag, den
21. März 2003 um 17:31 · gespeichert in Literatur

Das On-& Offline-Magazin Volltext hat in seiner Februar/März-Ausgabe 2003 ein ziemlich interessantes Interview mit Hugo Claus gebracht. Seit langer Zeit ist Claus legitimer Anwärter auf den Nobelpreis für Literatur, erst jüngst ist sein sehr zu empfehlendes Werk Der Schlafwandler in deutscher Sprache erschienen. Zum Thema Tod/Selbstmord meint Hugo Claus:
“Ich habe ein schlimmes Rückenleiden und werde andauernd auf die Tatsache hingewiesen, dass die Maschinerie nicht nur sehr viele Unglücke überlebt hat, sondern auch, dass sie langsam einrostet. Ich habe einmal Kenzaburo Oe in Tokio getroffen. »Hallo«, sage ich, »wie geht’s?«. »I’m preparing for my death«, antwortet er. – Ja, genau so ist es, aber dürfen wir das den Leuten sagen?”
19. März 2008:
Hugo Claus starb am 19. März 2008, das meldete der flämische Rundfunksender VRT. Der Autor wurde 78 Jahre alt.
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