Martin Bruny am Sonntag, den
12. Juni 2011 um 11:47 · gespeichert in Theater
Die Website “Theatre Monkey”, ein “Independent Inside Guide to London Theatre and Concert Venues”, bietet als einen Service detaillierte Beschreibungen, wie man in den einzelnen Londoner Theatern von bestimmten Sitzen aus sieht, hört, welchen Störfaktoren man ausgeliefert ist, welche Vorteile bestimmte Sitze bieten. “Best Seat Info” nennt sich die Rubrik, jeder Leser der Website, jeder Theaterbesucher ist eingeladen, durch seine eigenen Erlebnisse diese Datenbank der Eindrücke auszubauen.
Für Wiener Theater gibt es ein derartiges Projekt nicht. Ein Eindruck von einem Besuch des Musicals “Tanz der Vampire” gestern Abend, Wien, Ronacher: Platz 1, Loge 29, 1. Rang. Kategorie 3, Preis: 89 Euro. Soundmäßig ist dieser Sitz bestenfalls, aber wirklich bestenfalls Kategorie 5. Man versteht schwer, was auf der Bühne gesprochen wird, die Gesangsparts kommen sehr leise im Soundbrei zum Teil gebrochen an, extrem viele Bässe, kaum Höhen, man hat den Eindruck, dass man sich das akustische Erlebnis selbst mühsam zusammenstückeln muss. Das macht das Erlebnis ziemlich anstrengend. Sicht: bestenfalls Kategorie 4, ein Großteil des rechten Bühnenbereichs ist nicht einsehbar. Der Vorteil des Sitzes: Man ist nah am Geschehen dran und hat freie Sicht auf den Dirigenten, wenn man das möchte. Fazit: Kategorie 3 dürfte der Platz nie und nimmer sein. Eine Abstufung auf Kategorie 4 wäre notwendig. Im Musiktheater sollte man Musik auch halbwegs hören und genießen können.
Doch Totgesagte leben länger. Im Wiener “Bar & Co” in der Drachengasse ist am 24. und 25. Juni 2011 jeweils ab 20 Uhr die Show “Eine kaiserliche Geschichte” zu sehen, eine Produktion der Sunrise Studios, dem Konservatorium für Schauspiel, Tanz und Gesang.
Kurzinhalt
Eine kaiserliche Geschichte – 50 Jahre aus dem Leben des Kaisers Franz Josef. Eine Vorstellung über Liebe, Hoffnung, Glück, Enttäuschung, Verzweiflung, Mord und Trauer.
Cast
Tobias König: Kaiser Franz Josef (jung)
Max Berger: Kaiser Franz Josef (alt)
Rafael Weissengruber: Kronprinz Rudolf
Sabine Schmidt: Erzherzogin Sophie
Jasmina Fridl: Kaiserin Elisabeth (jung)
Verena Sigl: Kaiserin Elisabeth (erwachsen)
Mira Ihà¡sz: Prinzessin Marie Valerie
Felicitas Otto: Katharina Schratt
Daniela Deutsch: Gräfin Marie Festetics
Ursina Kreis: Gräfin Emma Emo-Capodilista
Manuela Wieninger: Kronprinzessin Stephanie
Nicole Gerzabek: Baronin Mary Vetsera
Martin Bruny am Dienstag, den
7. Juni 2011 um 11:12 · gespeichert in Netz, Theater
“Spielplan Deutschland” - hinter diesem Namen verbergen sich zwei ganz unterschiedliche, aber doch eng verbundene Projekte.
Eines davon ist rein webbasiert und möchte als Recherchewerkzeug allen am Theater Deutschlands Interessierten einen Überblick über die Spielpläne der staatlichen Theater (private Theater sind ausgeklammert) bieten. Auf einer kulturellen Landkarte findet man die Visualisierung der Spielpläne aller deutschen staatlichen Theater - so ist leicht erkennbar, welche Stücke an einem bestimmten Tag in welchen Theatern auf dem Spielplan stehen.
“Spielplan Deutschland” ist aber auch eine Bühnenveranstaltung, die seit 2007 in jährlich neuen Folgen herauskommt. Diese Show besteht aus:
1. Ausschnitten aus den Spielzeitheften der Theater – meist aus den Vorworten
2. Zitaten aus den tagesaktuell laufenden Stücken der Theater oder aus den Premierenstücken der Theater
3. Auffindungen aus der allgemeinen Recherche zum Zustand der deutschen Theaterlandschaft
Das Konzept der Show:
Stellen Sie sich vor, Sie gehen ins Theater und alle Stücke, die an diesem Abend in den Theatern öffentlicher Trägerschaft zwischen Aachen und Zittau zu sehen sind, werden Ihnen gezeigt. Schauspieler und Musiker springen von Genre zu Genre, Stadt zu Stadt, Inszenierung zu Inszenierung. Die ganze prächtige Gemengelage zwischen Klassikern, Uraufführungen, Liederabenden, Bürgerbühnen und Kassenschlagern wird tagesaktuell präsentiert: eine kulturelle Roadmap in schnellen Schnitten, Bruchstücken, Überblendungen – Wahnsinn eben.
Die nächsten Spieltermine der Show “Spielplan Deutschland”:
28., 29. Oktober 2011: Theaterdiscounter Berlin
4., 5. November 2011: Landungsbrücken Frankfurt
19. November 2011: Volkstheater Rostock
30. November, 1. Dezember 2011: Schaubühne Lindenfels in Leipzig
9., 10. Dezember 2011: Schauspielhaus Hamburg
Martin Bruny am Samstag, den
4. Juni 2011 um 14:35 · gespeichert in Theater, Event-Tipps
23. Juni 2011
19:30
bis
21:30
19:30
bis
21:30
Mit seiner eigenen Bearbeitung von Haydns »Schöpfung« gastiert der Grazer Skating Amadeus Chor im Rahmen des zweiten Schülertheatertreffens am Wiener Burgtheater.
Gegründet wurde der Chor vor zehn Jahren von Marguerite Dunitz-Scheer und Michael Schilhan, dem Intendanten des Grazer Jugendtheaters “Next Liberty”. Seither bringt der Chor alle zwei Jahre eine Oper für ein junges Publikum in Graz auf die Bühne.
Als eine von sieben Schülertheatergruppen wurde der Skating Amadeus Chor 2011 vom Leitungsteam der Jungen Burg für das heuer zum zweiten Mal stattfindende Schülertheatertreffen ausgewählt.
“Die Schöpfung” in der Version des Grazer Chors ist am 23. Juni ab 19:30 Uhr im Kasino am Schwarzenbergplatz zu sehen. Tickets zum Preis von 12 Euro sind bereits erhältlich (freie Platzwahl).
Martin Bruny am Freitag, den
3. Juni 2011 um 00:48 · gespeichert in Theater, Event-Tipps
11. Juni 2011
20:00
bis
22:00
Ken Davenports Off-Broadway-Hit “Mein erstes Mal”, der mit wahrhaftig erlebten Geschichten intime Premieren nackter Körper entlarvt, ist in Wien gelandet, als Produktion von werktreu5.
Als etwas Außergewöhnliches angekündigt, wird es nicht selten ein Flop: Das “erste Mal« als Akt zwischen wunderschön, aufregend, unbeschreiblich und peinlich, absurd, schmerzhaft, ungewollt und weniger süß.
Anregung zu dem Stück fand Davenport durch die Website MYFIRSTTIME.com. 1996 von Peter Foldy und Craig Stuart gegründet, haben im Laufe der Jahre dort tausende Menschen ihr ganz persönliches erstes Mal geschildert – von falschen Erwartungen, emotionalen und körperlichen Niederlagen, romantischen Hochgefühlen, fantasievollen Begegnungen bis hin zur gewaltsamen Entjungferung.
Vier Darsteller wühlen sich durch die Betten fremder Geschichten, die auf der Website zu finden sind. Die Web-2.0-Generation wird auf der Theaterbühne reflektiert.
Darsteller
Sabine Kranzelbinder, Michaela Mock, Markus Pol und Markus Schöttl
Leading Team
Regie: Stephan Wapenhans/Michaela Mock
Vorstellungen
Premiere: 08. Juni 2011 um 20.00 Uhr im 3raum-Anatomietheater Wien
Weitere Termine: 9., 10. und 11. Juni 2011
Martin Bruny am Donnerstag, den
2. Juni 2011 um 20:44 · gespeichert in Musical, Event-Tipps
14. Januar 2012
19:30
bis
22:30
Die Bühne Baden bringt ab 14. Januar 2012 Cy Colemans (Musik), Neil Simons (Buch) und Dorothy Fields’ (Texte) Musical “Sweet Charity” - die Show mit Hits wie “Hey, Big Spender”, »Rhythm Of Life« oder »If My Friends Could See Me Now«.
1966 und 1967 lief “Sweet Charity” unter der Regie und mit der Choreographie von Bob Fosse am Broadway. 608 Vorstellungen gingen im Palace Theatre über die Bühne, Bob Fosses Arbeit wurde mit einem Tony Award für die beste Choreographie des Jahres belohnt.
Das Musical basiert auf dem Film »Die Nächte der Cabiria« von Federico Fellini. 1969 wurde der Stoff sehr erfolgreich mit Shirley MacLaine, Chita Rivera, Sammy Davis Jr. u. v. a. unter der Regie von Bob Fosse verfilmt.
Inhalt
Im Nachtclub-Milieu unterhält Charity - wie ihre Kolleginnen - solvente Herren als Taxigirl, um nach ihrer Arbeit von einem bürgerlichen Leben und der großen Liebe zu träumen. Doch mit den Männern ist das ein Problem: Der eine hat es auf ihr sauer verdientes Geld abgesehen, der andere macht sie zur Seelentrösterin für eine Nacht, bis sie eines Tages auf den bodenständigen Angestellten Oscar trifft und sich in ihn verliebt. Er liebt sie auch, nur leider hat er eine fixe Idee …
Leading Team
Musik: Cy Coleman
Buch: Neil Simon
Text: Dorothy Fields/Karl Vibach, Marianne Schubart
Musikalische Leitung: Oliver Ostermann
Inszenierung: Ricarda R. Ludigkeit
Choreografie: Ricarda R. Ludigkeit
Bühnenbild: Sam Madwar
Kostüme: Friederike Friedrich
Besetzung
Ariane Swoboda / Julia Tiecher / Barbara Wanasek / Nina Weiss // Beppo Binder / Ramin Dustdar / Peter Lesiak / Martin Niedermair / Philip Ranson / Marcus Tesch / Timo Verse
Martin Bruny am Donnerstag, den
2. Juni 2011 um 17:28 · gespeichert in Theater
Wir schreiben das Jahr 1983. Unterrichtsminister Helmut Zilk beschäftigt sich mit dem Wiener Burgtheater. Auf seiner Agenda steht das sogenannte “Vorhangverbot”, ein “Verbot”, das zum damaligen Zeitpunkt bereits 200 Jahre lang seine Gültigkeit besaß.
1778 erließ Joseph II. ein Statut über das “Verhalten der Mitglieder” des in eben jener Zeit gerade zum Nationaltheater erhobenen Wiener Burgtheaters, mit dem Inhalt …
… daß keiner der Mitglieder, wenn ihm Beifall gespendet wird, während des Actes oder nach demselben noch einmal erscheinen dürfe, um sich zu bedanken, weil dadurch der Eindruck der darzustellenden Handlung gestört würde …
Vor den Vorhang zur Verbeugung durften nur Gäste und Debütanten (bei ihren ersten drei Rollen), nicht aber die Ensemblemitglieder.
Den Schauspielern war das teilweise durchaus recht. Werner Kraus etwa meinte:
Dieses Hausgesetz mit Nicht-verbeugen-Müssen oder –Dürfen, das fand ich so himmlisch, weil es schändlich ist und die größte Prostitution für einen ernsten Schauspieler, wenn er zum Beispiel als toter König Lear aufstehen und sich verbeugen muß. Das fand ich nach wie vor schrecklich, obwohl es natürlich Schauspieler innerhalb des Theaters gibt, die gern das Hausgesetz aufgehoben hätten. Aber das wäre ein Untergang, denn da käme dann die Claque wie in der Oper.
Um 1800 war Applaus als solcher umstritten. So kann man im “Theater-Kalender” von 1792 nachlesen:
Es ist wahr: das Klatschen hat die Menge der Schauspieler hervorgetrommelt, das Klatschen hat die Unternehmer in Schulden gebracht, das Klatschen hat die Schauspieler verdorben und aus manchem bescheidnen Gliede, welches, in Mißtrauen auf sein Talent, fleißig gearbeitet hat, einen unbesonnenen Verschwender und Prinzipalenplage gemacht, das Klatschen hat zu Ausschweifungen veranlaßt, das Klatschen hat alle Theaterintriken verursacht, das Klatschen hat alle Sitten verdorben und das Theater herabgebracht.
Mehr zur Geschichte des Beifalls hat Alexander Lechner in seiner Diplomarbeit “Applaus. Publikumskundgebungen vom Affekt zur Konvention. Fragmentarische theaterhistorische Untersuchung des Beifalls” zusammengetragen. [Download]