Martin Bruny am Mittwoch, den
20. Juni 2012 um 23:37 · gespeichert in Musical, Broadway
Lange hat es gedauert, aber letztendlich mussten die Produzenten doch einsehen, dass sie ihr »Sister Act«-Abenteuer mehr kostet, als sie durch ihre Taktik, es recht lange am Leben zu erhalten, um es dadurch noch ein paar europäischen Produzenten als BROADWAY-Musical andrehen zu können, lukrieren können.
Und so heißt es Abschied nehmen. 28 Previews und 561 Vorstellungen (bei einer durchschnittlichen Auslastung von 65 Prozent) wird man im Broadway Theatre gespielt haben seit der Premiere am 20. April 2011, wenn am 26. August 2012 der Vorhang zum letzten Mal fällt.
Sister Act will be closing its 16-month run WITHOUT recouping its full capitalization — which is baaaad news for Whoopi and the rest of the producers who sunk $10 million into the show! [Perez Hilton]
Link
- Playbill: Broadway’s Sister Act Will Kick the Habit Aug. 26
- The New York Times:‘Sister Act’ Set to Close on Broadway
- ok!: Whoopi Goldbergs Sister Act wird abgesetzt
Martin Bruny am Mittwoch, den
20. Juni 2012 um 11:31 · gespeichert in Musical, Wien
»Musicals in Concert« lautet der Titel einer von VBW-Intendant Christian Struppeck ins Leben gerufenen neuen Konzertreihe. Als erstes Werk der geplanten Reihe hat sich Struppeck Andrew Lloyd Webbers »Das Phantom der Oper« ausgesucht, das am 20. Dezember 1988 seine deutschsprachige Erstaufführung im Theater an der Wien feierte.
Premiere für die Gala-Konzertversion des »Phantoms« ist laut Website der VBW am 29. November 2012, Karten gibt es aber bis jetzt nur für die Vorstellungen ab dem 30. November 2012 (weitere Termine: 1.12., 2.12., 3.12., 4.12., 6.12., 7.12., 8.12. und 9.12.).
Preise: 5 Euro bis 109 Euro.
Die musikalische Leitung übernimmt Koen Schoots, es spielt das Orchester der VBW. Zur Besetzung gibt es bis jetzt noch keine Angaben. Regie führt Andreas Gergen, u. a. Geschäftsführer der von Christian Struppeck und Andreas Gergen gegründeten Creative Agency.
Tickets sind bereits erhältlich –> hier.
Links
- VBW: Das Phantom der Oper - Das Konzert
- Vienna Online: Orchester der Vereinigten Bühnen Wien feiert Jubiläum mit Phantom der Oper
- VBW-Orchester feiert Phantom
- Wien Holding: “Das Phantom der Oper” im Ronacher
PS: So einfach sollte man eine solche Meldung natürlich nicht durchwinken. Die Idee, Musicals konzertant auf die Bühne zu bringen mit dem Orchester der Vereinigten Bühnen Wien hatte Caspar Richter schon lange bevor Christian Struppeck diese Idee nun mit einem Label versehen und verwirklichen darf. Caspar Richter durfte seine Ideen, und er hatte großartige Pläne, nicht verwirklichen. Weitere Ergänzungen dann vielleicht demnächst nach Klärung bestimmter Fakten.
Martin Bruny am Montag, den
18. Juni 2012 um 17:37 · gespeichert in Theater
Mit einem sensationellen Programm findet vom 29. Juni bis 1. Juli 2012 bei freiem Eintritt in Wien die Tagung »Die Operette und das Tragische« statt. Die einzelnen Tagungspunkte:
Freitag, 29. Juni
15 bis 18 Uhr Eröffnung/Moderation: Prof. Dr. Michele Calella
– Prof. Dr. Michele Calella (Universität Wien), Begrüßung
– Prof. Dr. Nikolaus Ritt, Vizedekan der Philologisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, Begrüßung
– PD Dr. Wolfgang Fuhrmann (Universität Wien), Einführung in das Thema
– Dr. Marie-Therese Arnbom (Musikuniversität Wien), »Wer wird denn weinen, wenn man auseinander geht?« Tragische Biographien und heitere Kunst
– Dr. Kevin Clarke (Operetta Research Center, Amsterdam), Amor vincit omnia – Die Verweigerung des Tragischen in der Operette der 1850er bis 70er Jahre
– Dr. des. Anna Langenbruch (Hochschule für Musik, Theater und Medien, Hannover), Parodie des Tragischen? Internationalität und Gender in Hervà©s “Le Petit Faust”
– 19 Uhr Konzert: Joseph Beer und die Operette
Lehrgang Klassische Operette des Konservatoriums Wien Privatuniversität. Leitung: Wolfgang Dosch. Eintritt frei - Spenden erbeten!
Samstag, 30. Juni
10 bis 13 Uhr: Moderation: ao. Prof. Dr. Christian Glanz
– Dr. Wolfgang Jansen (Universität der Künste, Berlin), Der lustige Krieg und andere Schlachten, Vom Umgang der Operette mit Militär und Krieg
– Dr. Pà©ter Bozà³ (Institut für Musikwissenschaft der Ungarischen Akademie der Wissenschaften) Nà¡dors Erzählungen oder das Budapester Dreimädlerhaus. Offenbach als tragischer Operettenheld
– Franziska Feuerstein (Wien), »Hannerl« – Das vierte Mäderl im Dreimäderlhaus
– Dr. Stefanie Rauch (Universität Detmold-Paderborn), Rosen in Tirol – Zur Tragik des Volkstümlichen in Zellers Operetten
15 bis 18 Uhr: Moderation: Prof. Dr. Nils Grosch
– PD Dr. Marion Linhardt (Universität Bayreuth), »Ein Fall, der komisch wäre, wenn er nicht so tragisch wäre!« - Die Operette mit »Herzton« als musikdramatisches Modell der Moderne. Edmund Eyslers »Künstlerblut« (1906)
– PD Dr. Wolfgang Fuhrmann (Universität Wien), Varianten des Tragischen: zu den Fassungen von Oscar Straus’ »Walzertraum«
– Dr. Helene Sommer (Volksoper Wien), Theaterpraktische Überlegungen zu Oscar Straus’ »Walzertraum«
– Dr. Stefan Schmidl (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien), Felix Dörmann und das Libretto zu Straus’ »Walzertraum«
Sonntag, 1. Juli
10 bis 13 Uhr: Moderation: Dr. Stefan Schmidl
– Dr. Stefan Frey (München), Operettentragik im Land des Lächelns, oder: Lippen schweigen auf chinesisch. Franz Lehà¡rs Melos der Entsagung
– Prof. Dr. Melanie Wald-Fuhrmann (Humboldt-Universität zu Berlin), Tragischer Verzicht auf Goethe: Lehà¡rs Singspiel »Friederike«
– Wolfgang Dosch (Konservatorium Wien), Joseph Beer – Operette im inneren Exil
– Prof. Dr. Panja Mücke (Universität Wien), Jazz, Film und andere »Moden«: Paul Abrahams »Viktoria und ihr Husar«
15–17 Uhr: Moderation: Prof. Dr. Panja Mücke
– Prof. Dr. em. Volker Mertens (Berlin), Eine Schwalbe macht (k)einen Sommer: Puccinis »Rondine” und die tragische Operette
– Dr. Daniel Ender (Wien), Lesarten der Operette an der Wiener Volksoper
Schlussdiskussion
Tagungsort: Lehà¡r-Schlössl, Hackhofergasse 18, 1190 Wien
Konzeption: PD Dr. Wolfgang Fuhrmann und Dr. Stefan Schmidl
Organisation: Mag. Ursula Schmiedpeter
Gefördert mit Mitteln der Stadt Wien und der Philologisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.
Der Eintritt ist frei.
Kontakt und Informationen: fuhrmannwolfgang@gmail.com
Nähere Infos –> hier.
Martin Bruny am Sonntag, den
17. Juni 2012 um 12:43 · gespeichert in Theater
Ihr kabarettistisches Musical »Kalamitäten« bringen Claudia Rohnefeld und Markus Simader am 19. Juli 2012 im Stadttheater Berndorf (Beginn: 20 Uhr) auf die Bühne. Im Pressetext dazu heißt es:
»Kalamitäten« ist die Beziehungsgeschichte einer Frau aus der Sicht des Mannes, und die Beziehungsgeschichte eines Mannes aus der Sicht der Frau.
Claudia Rohnefeld und Markus Simader haben nach musikalischen und literarischen Schätzen gesucht und daraus eine irrwitzige Geschichte eines Paares gebastelt. Herr und Frau Österreicher lieben sich, hassen sich,
betrügen sich und haben definitiv sehr viel Spaß miteinander! Und »das End‘ von der Geschicht‘« ist ein überraschendes Finale furioso, das den Zuschauer zum Schmunzeln bringen und in Erstaunen versetzen wird!
Tickets dafür sind bei OE-Ticket erhältlich –> hier.
Ticketpreise: 20,30 Euro bis 40,60 Euro
Martin Bruny am Samstag, den
16. Juni 2012 um 13:55 · gespeichert in Musical, Wien
»Jeder Alptraum hat einmal ein Ende«, das wird nicht das Motto gewesen sein, unter dem die gestrige Derniere (15. Juni 2012) der musikalischen Volksverdummung »Ich war noch niemals in New York« über die Bühne gegangen ist. Ein paar Sektkorken haben aber Musicalfans sicher knallen lassen, um so richtig zu feiern, dass diese Show der absurden Choreographien, der widerlichen Falschheiten endlich Geschichte ist. Eine Show, die gesellschaftlich durchaus relevante Themen missbraucht hat, um auf sich aufmerksam zu machen. Keines dieser Themen wurde auch nur im Entferntesten so behandelt, wie es nötig gewesen wäre. Fast könnte man meinen, es handelte sich nur um eingepflanzte Motivierungspatterns, um überhaupt Musicaldarsteller zu finden, die einen solchen Nonsens bereit sind umzusetzen.
Wie auch immer, Schweinchenpink ist das neue Hellblau, das Raimund Theater darf wieder, zumindest vorübergehend, Musical spielen. Im Ronacher gibt’s nächstes Jahr dann den neuen getarnten Blödsinn, aufgedröselt mit Hightech-Bühnen-Knowhow, einem Orchester, das alle Stückeln spielt (was bleibt ihnen anderes übrig) und vielleicht sogar Darstellern, wenn man denn welche findet, aber das ist eine andere Geschichte.
PS: Diskutiert wird derzeit in einem Forum (–> hier) über diesen Abschiedswink an eine Show, die gerne jeder, der mag, für ein Musical, meinetwegen auch für ein gutes, halten soll. Wie so oft meinen einige Poster, man müsse in Beiträgen, die man verfasst, auch noch dezidiert dazuschreiben, dass man nur seine eigene Meinung vertritt. Das halte ich persönlich für völlig entbehrlich. Wessen, wenn nicht meine Meinung sollte ich in meinem Blog vertreten? Es wird angemerkt, dass ich kaum positive Rezensionen verfasse. Das dürfte dann allerdings von Lesern stammen, die sich in ihrer Rezeption auf die Produktionen von VBW und Stage Entertainment beschränken, was auch ihr gutes Recht ist. Etwas bedenklich halte ich das wiederholte Abdriften auf eine Ebene, die mit dem hier zu Lesenden nichts zu tun hat, aber auch das ist durchaus unterhaltend zu lesen. Zumal von Personen, die auf dieser Site unter diversen Spitznamen schon ihr Fähnchen im Wind haben blasen lassen.
Martin Bruny am Freitag, den
15. Juni 2012 um 23:32 · gespeichert in Sprache
»Zeitprägungen« ist ein Projekt des Vereins Welt&co/Kulturverein und wird in Zusammenarbeit mit der Bezirksvorstehung Hernals, dem Bezirksmuseum Hernals, dem KulturNetz Hernals (KNH), VinziShop und Deuticke.Zsolnay realisiert.
Der Verein Welt&co sieht seine Aufgabe darin, durch den lebendigen und aktiven Bezug zur Geschichte des jüdisch-geistigen Erbes in kontinuierlichen Veranstaltungen zur kulturpolitischen Vermittlung beizutragen. Gemeinsam mit dem Kunstraum Ewigkeitsgasse hat der Verein seinen Sitz in der Thelemanngasse, wo der Schriftsteller Frederic Morton bis 1939 aufwuchs. Im Rahmen der Projektreihe »Zeitprägungen« ist der geborene Hernalser am 21. Juni 2012 im Gschwandner zu Gast.
Programm
19:00 Uhr: Begrüßung Frederic Morton im Gschwandner, Lesung von Frederic Morton
20:00 Uhr: Szenische Lesung des Stückes »Der Kommandant« von Frederic Morton
Mit Hubsi Kramar als Kommandanten und Uli Scherer am Klavier.
21:00 Uhr: Publikumsdiskussion mit Frederic Morton, Moderation: Dr. Angela Schneider (Thomas Sessler Verlag)
21:30 Uhr: Musikalischer Ausklang mit Liedern u. a. von Betty Fischer (»Lercherl von Hernals«), interpretiert von Svetlana Iwanowa und Ekaterina Vassilewa (Bulgarien) und dem Hamburger Texter und Songwriter Jörg Erb feat. Uli Scherer
22:00 Uhr: Filmvorführung des im Rahmen der Viennale 2009 prämierten Films »Durch die Welt nach Hause – Die Lebensreise des Frederic Morton«
Eintritt: 12 Euro
Das Gschwandner
Geblergasse 36–40
1170 Wien
www.gschwandner.at
www.facebook.com/DasGschwandner
Martin Bruny am Dienstag, den
12. Juni 2012 um 22:57 · gespeichert in Musical, Wien
»Wenn Rosenblätter fallen« ist der Titel eines Musicals, das noch zwei Mal in Wien zu sehen ist, nämlich am 22. und 24. Juni im Off Theater, und sich mit einem Tabuthema beschäftigt: Sterbehilfe. Was steckt dahinter, wenn das häufigste Argument, das man gegen diese Show hört, in etwa jenes ist: »Also bitte, muss man denn heutzutage alles vermusicaln?«
Muss man nicht, klar, aber was spricht dagegen, ein topaktuelles Thema zum Thema eines Musicals zu machen? Traut man diesem Genre keine ernstzunehmende Beschäftigung mit Themen dieser Art zu? Verwunderlich wäre es freilich nicht. Nicht mal Komödien werden hierzulande ernsthaft umgesetzt, ernsthaft in dem Sinne, dass man sie mit einer gewissen Kunstfertigkeit schreibt, dass man sie mit neuen Kompositionen mit Leben erfüllt und so weiter.
Zurück zum Tabu und zur Aktualität. Zu drei Jahren Haft ist dieser Tage ein 26-Jähriger verurteilt worden, der seine Mutter getötet hat. »Getötet«, wenn man das nach geltendem Recht so bezeichnen will, oder, wie man mir gesagt hat, nach den allgemeinen Regeln. Die Mutter des Sohns lag seit sieben Jahren im Koma. Über dieses Urteil gibt es zahlreiche Artikel:
- Berliner Morgenpost: Drei Jahre Haft für Tötung der kranken Mutter
- Spiegel Online: Drei Jahre Gefängnis für Sterbehilfe
- Der Westen: Sterbehilfe für Mutter – Sohn muss in Haft
- Hamburger Abendblatt: 26-Jähriger tötet Mutter im Wachkoma - Urteil
- Dorstener Zeitung: 26-Jähriger muss wegen Tötung der kranken Mutter ins Gefängnis
Vielleicht entwickelt diese Gesellschaft ja in den kommenden Jahrzehnten einen etwas anderen Umgang mit dem Thema Sterbehilfe. Momentan schaffen die Gesetze Opfer. Im oben erwähnten Fall wurde zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt, weil der Richter sich verpflichtet sah, ein Zeichen zu setzen. Er hätte auch die Möglichkeit gehabt, eine Bewährungsstrafe zu verhängen.
Mir persönlich ist jeder Ansatz, der fähig ist, in diesem Bereich ein wenig zu wirken, recht – auch auch wenn er »nur« in einem Musical verpackt ist.
Wer sich vielleicht doch noch »Wenn Rosenblätter fallen« ansehen will: –> hier gibt es Informationen dazu.
Martin Bruny am Samstag, den
9. Juni 2012 um 12:35 · gespeichert in Musical, Wien
Zwei weitere Aufführungstermine des Musicals »Wenn Rosenblätter fallen« wird es am 22. und 24 Juni 2012 im Wiener Off Theater geben. Rory Six hat die Show für einen intimen Rahmen neu adaptiert, ideal besetzt und spielt nun ausverkaufte Vorstellungen.
Das Thema mag nicht jedem geeignet scheinen, als Musical auf die Bühne gebracht zu werden, und das mag ein valides Argument für jene Version gewesen zu sein, die im Theater Akzent im Vorjahr zu sehen war. Aber Musicals werden umgeschrieben, neu konzipiert, manchmal pompöser, flittriger, gekrönt mit einem »Musicalstar« – und manchmal wird der Stoff konzentriert in seiner Wirkung, wird das, was man als »Musical« im negativen Sinn auffassen könnte, einfach fallen gelassen. Gecastet wird dann nach ganz anderen Kriterien, und das ist gut so.

Cast
Till: Thomas Höfner
Rose: Jacqueline Braun
Iris: Ulrike Figgener
Aufführungstermine
22.06.2012, 19:30 Uhr, Off Theater, Wien
24.06.2012, 19:30 Uhr, Off Theater, Wien
Karten
Online: rosenblaetter-musical.webnode.at
Telefonisch: +43 (0) 676 770 61 88
Preis: € 22 (€18 erm.)
Es gibt 99 Plätze pro Vorstellung, freie Platzwahl!
Links
- Wenn Rosenblätter fallen: Official Website
- Rory Six
- Kai Hüsgen
- Rory Six @twitter
- reel kandi Video über die letzte Produktion der Show –> hier
- Off Theater
- Indiegogo: When Rose Petals Fall
Martin Bruny am Mittwoch, den
6. Juni 2012 um 13:16 · gespeichert in Rezensionen, Bücher, 2012
Jonathan Cotts Buch »Leonard Bernstein – Kein Tag ohne Musik« ist die Idealform, wie ein ausführliches Interview mit einem Künstler publiziert werden kann, und sei es 23 Jahre, nachdem das Interview selbst stattgefunden hat. Am 20. November 1989, elf Monate vor Bernsteins Tod, führte der damals 46-jährige Cott mit dem Künstler ein zwölfstündiges Gespräch. Man hörte gemeinsam Platten, nahm ein Abendessen ein, trank – redete über Gott und die Musik. Eine Kurzversion des Gesprächs (achttausend Wörter) erschien wenige Wochen danach im Magazin »Rolling Stone«, das den Auftrag an Cott erteilt hatte, das Interview zu führen.
Die ungekürzte Version, die nicht nur die Fragen und Antworten enthält, sondern auch die Szenerie beschreibt, in der das Ganze stattgefunden hat, die Gefühlslage von Cott und was Bernstein in jedem Moment des Interviews gemacht hat, erschien vor wenigen Wochen in deutscher Sprache und wird im Januar 2013 unter dem Titel »Dinner with Larry: The Last Long Interview with Leonard Bernstein« als Publikation der Oxford University Press auf den Buchmarkt kommen.
Jonathan Cott wurde 1944 geboren und war viele Jahre als Redakteur für Magazine wie »Rolling Stone« oder »The New Yorker« tätig. Er verfasste Bücher zu Literatur, Musik und Kunst und ist bekannt für seine Interviews, die er unter anderem mit Bob Dylan, Glenn Gould, Henry Miller, Werner Herzog, Elizabeth Taylor oder John Lennon führte.
Gerade in Zeiten, in denen Interviews, nicht zuletzt auch im Musicalbereich, oft jeglicher Sinnhaftigkeit beraubt sind, ist es aufbauend zu lesen, wie es sehr wohl Künstler gibt beziehungsweise in diesem Fall gegeben hat, die nicht fürchten, mit ihren Statements eventuell ihre »Klientel« zu verletzen. Es kommt ja heutzutage nicht selten vor, dass Interviews als reines Marketingtool gesehen werden. Die Marketingabteilung plant maximal 60 Minuten, aus denen im letzten Augenblick 45 werden, man bekommt manchmal nicht mal die Gelegenheit, mit dem oder den zu Interviewenden alleine zu sprechen – erraten, die Marketingabteilung passt auf, ein Fräulein sitzt daneben, spielt mit dem Handy, geht mal kurz raus und kommt mal kurz wieder rein, und bevor das Interview dann in Druck gehen darf, natürlich, liest auch die Marktingabteilung die Ausführungen, es könnte ja … man sollte doch … Bei einem solchen Vorgehen, bei einer solchen Inszenierung, weiß man bald nicht mehr, ob hier tatsächlich ernsthaftes Interesse an einem Interview besteht oder ob nur platte Werbung erwünscht ist.
Jonathan Cott konnte mit Leonard Bernstein ein Vier-Augen-Gespräch führen, ohne die Anwesenheit von kontrollierenden Zuhörern, der Leser des Interviews bekommt keine gefilterte Restmeinung zu lesen, keine Harmlosigkeiten, die manchmal haarscharf an der Lüge vorbeischrammen. Natürlich, und auch das wird in diesem Buch beschrieben, im dritten Teil, dem sogenannten »Postludium«, gab es nach diesem Interview vieles zu klären an Bezügen, verwirrenden Bemerkungen und so weiter, und so fand am 3. Dezember 1989 zwischen Cott und Bernstein ein Telefongespräch statt, in dem dieser Rest an Unklarheiten beseitigt werden konnte. Es wurden aber keine Teile des Gesprächs gelöscht oder gar zensuriert.
Was dieses dritte Kapitel so interessant macht, ist die Art und Weise wie Cott seine sagen wir mentale Lage beschreibt, in der er sich befand, als er Bernstein erneut »belästigen« musste, also die Thematisierung der Rolle des Interviewers. Es ist ihm nicht peinlich, seine Unsicherheiten und Befürchtungen (unbegründete Befürchtungen, wie sich herausstellt) mit seinen Lesern zu teilen. Auch dieses Telefongespräch wird im Wortlaut und kommentiert wiedergegeben.
Bernstein nahm sich die Zeit, das Interview (die Kurzversion) nicht nur schriftlich zu autorisieren, sondern auch mit erklärenden Anmerkungen zu versehen. Und genau das ist der Punkt: Ein Interview macht nur dann wirklich Sinn, wenn es beide Gesprächspartner ernstnehmen, wenn sie davon überzeugt sind, dass der Inhalt des Gesprächs relevant ist.
Das eigentliche Interview findet sich im zweiten Kapitel des Buchs abgedruckt unter dem Titel »Dinner mit Lenny«. Auf rund hundert Seiten schafft es Cott mit seinen Fragen ein faszinierendes Porträt von Leonard Bernstein, seiner musikalischen Welt, seinen jüdischen Wurzeln, seiner Philosophie zu skizzieren. Er lässt dieses Interview lebendig werden durch die Art und Weise, wie er auch alle Begleitumstände der Unterhaltung auf hohem Niveau beschreibt, indem er den Ort, an dem das Interview stattfindet, beschreibt, das Dinner und so weiter.
Im Rahmen des Interviews erleben wir einen Bernstein, der über seine Träume spricht, über den Zauber der Musik, den Klang eines Orchesters, immer wieder auch über die Wiener Philharmoniker – sogar ganz erstaunliche Anekdoten erzählt er über sein Verhältnis zu diesem ganz besonderen Klangkörper –, er erklärt die Möglichkeiten eines Dirigenten, referiert über die Kunst des Dirigierens: »Ich schlage nicht den Takt, und ich erlaube es meinen Studenten nicht, das zu tun. Tatsächlich sage ich ihnen im Unterricht, sie sollen nicht diese diagonale Abwärtsbewegung auf dem dritten Schlag machen, wie es die sogenannten Dirigierlehrer tun – das ist, als würde man ein totes Pferd peitschen.« Bernstein erzählt von seinem Umgang mit Kritik, es gibt sehr spannende Passagen, in denen er über das richtige Casting etwa für die »West Side Story« spricht und darüber, wie er seine Plattenfirma Columbia Records mühsam davon überzeugen musste, eine Aufnahme des Musicals zu produzieren. Letztendlich wurde diese LP zum Renner und für Columbia die Rettung, die sie vor dem Bankrott bewahrt hat.
Bernstein erweist sich als blitzgescheiter, schlagfertiger Gesprächspartner, der eine Vielzahl von Zitaten, ganze Gedichte auswendig in das Gespräch einzubringen vermag: »Es gibt eine innere Geografie des Menschen, die von der Musik eingefangen werden kann, und von nichts anderem«, sagt Bernstein zu Jonathan Cott, »das ist der tatsächliche Zauber der Musik.«
Ein großartiges Buch, das man nicht mehr aus den Hand legen mag, wenn man einmal angefangen hat, darin zu lesen.
Jonathan Cott: Leonard Bernstein – Kein Tag ohne Musik. Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann. München 2012. 158 S.; (Hardcover) ISBN 978-3-570-58037-0. EUR 17,99. [www.edition.elke-heidenreich.de]
Martin Bruny am Mittwoch, den
6. Juni 2012 um 12:46 · gespeichert in Rezensionen, Bücher
Am Anfang könnte eine Enttäuschung stehen. Wer sich etwa erwartet, in diesem Buch mit seinen 472 Seiten um den doch stolzen Preis von 75 Dollar sämtliche Off-Broadway-Musicals seit Beginn der Geschichte penibel aufgearbeitet zu finden oder gar alle diese Shows aufgelistet mit Premierendatum, Anzahl der Vorstellungen und so weiter, der wird – natürlich – enttäuscht. Dafür würde der Platz bei weitem nicht reichen, und die Frage ist, ob eine reine Auflistung aller Produktionen auch Sinn machte. Ein solches Unterfangen, das am ehesten Statistik-Fans gefallen würde, ist auch gar nicht das Anliegen des Autors Thomas S. Hischak. Denn Hischak ist kein reiner Datensammler, er hat etwas zu sagen, er urteilt, fasst Urteile zusammen, analysiert und erzählt, und das mit spürbarem Enthusiasmus. Der Preis, man mag ihn für überzogen halten – doch ist die Anzahl derer, die sich für Sachbücher über den Off-Broadway erwärmen können, offenbar ja so gering, dass es praktisch kaum Werke zu diesem Thema gibt. Insofern ist eben dieser recht hohe Preis wiederum auf eine gewisse Weise gerechtfertigt, denn allzu hohe Auflagen wird man mit derlei Büchern nicht fahren können, und es bleibt letztlich die Frage, ob sich ein Kauf lohnt.
Thomas S. Hischak ist Professor für Darstellende Künste an der Cortland State University, Autor von 16 Sachbüchern mit den Schwerpunkten Theater, Film und populäre Musik sowie Verfasser von 20 Theaterstücken. Seine bekanntesten Sachbücher: »The Oxford Companion to the American Musical: Theatre, Film, and Television« (2008), »Theatre as Human Action: An Introduction to Theatre Arts« (2005) und »Through the Screen Door: What Happened to the Broadway Musical When it Went to Hollywood« (2004).
Hischak analysiert in seinem Buch die Entwicklung des Off-Broadways anhand von 375 ausgewählten Musicals (im weitesten Sinne), beginnend bei »Greenwich Village Follies«, einer Revue aus dem Jahre 1919, endend bei »The Toxic Avenger« aus dem Jahre 2009. Für jede dieser Shows liefert er die Basisdaten wie Uraufführungsdatum, Anzahl der gespielten Vorstellungen (auch am Broadway, so ein Transfer stattgefunden hat), Angaben zum Leading Team, zu den Darstellern, zum Theater, in dem gespielt wurde – und zu jeder dieser Shows bietet er einen Artikel, der sich eingehend mit der Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte der Produktion auseinandersetzt. Er liefert grobe Inhaltsangaben und bespricht die wichtigsten Songs. Hischaks Angaben sind vor allem bei jenen Shows wertvoll, über die man heute nur sehr schwer an Informationsmaterial kommt. In das Buch aufgenommen wurden ganz und gar nicht nur die Hits des Off-Broadways. Auch den Flops, die nur wenige Vorstellungen erlebten, wie etwa »Valmouth« von Sandy Wilson, wird viel Aufmerksamkeit geschenkt. Mit Sicherheit hat Hischak ein Faible fürs Kuriose, so nimmt er sich Zeit, genüsslich den Inhalt dieses England-Imports zu schildern, der für 40.000 Dollar 1960 im York Playhouse auf die Bühne gebracht wurde und genau 14 Vorstellungen durchhielt. Eine Show, dessen Rezeptionsgeschichte Hischak nach längeren, äußerst amüsanten Ausführungen so zusammenfasst: »The press was more confused than outraged. Several did praise the score, and the cast was roundly applauded, but just explaining the show in the reviews was enough to frighten audiences away.« Verweise auf den Score, auf die Songs, auf die Londoner Cast-CD, die immerhin mit einem Weltstar, Cleo Laine, aufwarten konnte – Hischaks Liebe für das Musicalgenre und sein Geschick, Fakten auf spannende Art und Weise zu vermitteln, machen dieses Buch lesenswert.
Eine These Hischaks, die sich quer durch einige seiner Bücher zieht und in dem hier besprochenen auch mit Zahlen und Fakten belegt wird: Es ist zwar möglich, das »typische Off-Broadway-Musical« zu charakterisieren, doch werden heutzutage immer weniger »echte« Off-Broadway-Musicals produziert. Was ein »Off-Broadway-Musical« ist, versucht der Autor so festzumachen: »Broadway musicals are bigger than life and offer outsized emotions expressed in large theatres; Off-Broadway musicals are smaller in scale and explore emotions that are more life-size as they are enacted in more intimate venues. When Broadway offers musical comedy, the songs, the dancing, the laughs, even the tears are big enough to fill a large and elaborate theatre. Off Broadway cannot afford such a scale and instead offers simpler productions and a more direct kind of music, dance, and comedy. (…) Broadway is about fame, glory, and success. Off Broadway is about smart, sharp, little shows that make a personal impact. Many actors, writers, and directors first find critical acclaim Off Broadway, but only Broadway can make stars and super showmen.«
Wurden früher Musicals explizit für den Off-Broadway produziert, so ist der Off-Broadway heute immer mehr eine Vorstufe, um es von da zum Broadway zu schaffen. So nennt Hischak auch das Kapitel, das sich mit den Musicals des Off-Broadway von 2000 bis 2009 beschäftigt »Fodder for Broadway«. Zwölf Produktionen haben in dieser Zeit den Wechsel vom Off- zum Broadway gewagt, mehr als in jeder Dekade davor. Doch ein Erfolgsrezept ist diese Strategie nur bedingt, denn fünf dieser Shows sind gefloppt, teils trotz großartiger Kritiken. Beispiele: »Caroline, or Change«: 106 Vorstellungen Off-Broadway, 136 Vorstellungen am Broadway. Hischak: »Had the show remained Off-Broadway, it is likely it would have run and run because it was the kind of musical that flourished on word of mouth, not critical acclaim.« Gefloppt auch: »Grey Gardens« (Off-Broadway: 63 Vorstellungen, Broadway: 307 Vorstellungen), »Passsing Strange (56 Vorstellungen Off-, 165 Vorstellungen Broadway) – »a Broadway show that wasn’t Broadway in spirit, attitude, score, or satisfaction«. Hischaks These, warum es manche Off-Broadway-Shows dann doch schaffen, auch am Broadway Erfolg zu haben, ist im Prinzip simpel, aber nachvollziehbar. Musterbeispiel: »Rent« ging zwar vom Off- zum Broadway, doch »without losing any of its intimacy and power«. Man war zwar als Zuschauer am Broadway, hatte aber »Look and Feel« einer Off-Broadway-Show. Dasselbe trifft auf diverse andere erfolgreiche Transfers zu, wie beispielsweise »Spring Awakening« oder »Avenue Q«.
Zurückkommend auf die Eingangsfrage: Lohnt sich der Kauf? Ja!
Thomas Hischak: Off-Broadway Musicals Since 1919. From »Greenwich Village Follies« to »The Toxic Avenger«. Scarecrow Press, Inc., Plymouth 2011. 472 S.; (Hardcover) ISBN 978-0-8108-7771-9 / ISBN 978-0-8108-7772-6 (E-Book). $ 75,00.
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