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Uwe Kröger: Vom Tod zum Botschafter des Wiener Gemüses

Sein Weg ist vorgezeichnet: Mit 66 wird er Professor h. c., mit 80 Kommerzialrat, und mit 95 bekommt er das Goldene Verdienstzeichen der Stadt Wien. Keine Frage, Prof. Uwe Köger in spe wird in den nächsten Dezennien mit Ehrungen überhäuft werden.

Derzeit ist er zwar noch auf Level 1, aber auch ein Titel wie “Botschafter des Wiener Gemüses” hat sicher etwas Apartes, wenn man lange genug darüber nachdenkt. Verliehen wird Kröger dieser “Titel” am 23. September 2010 im Wiener Restaurant Leupold von der “Genussregion Österreich”. Mahlzeit!

Josef Ernst Köpplinger übt “keine Kritik an Kathrin Zechner” - Warum eigentlich nicht?

In der österreichischen Tageszeitung KURIER darf Regisseur Josef Ernst Köpplinger die Werbetrommel für das von ihm an der Wiener Volksoper inszenierte Musical “Hello, Dolly!” rühren. Gute Sache. Gleichzeitig übt er auch Kritik an der Volksoper, noch besser! Denn dass man sich da noch immer nicht traut, einen Schritt weiter in die Moderne zu tappsen, Richtung Sondheim, ist einfach nur lächerlich.

Die Zeit sei reif für Sondheim, meint Köpplinger. Ach wirklich? Sondheim ist 80 geworden heuer, man könnte meinen, die Zeit sei überreif. Selbstverständlich wäre “Sweeney Todd” wunderbar geeignet gewesen für die Volksoper. In Klagenfurt, so Köpplinger, habe man bei 25 Vorstellungen eine Auslastung von 80 Prozent erreicht. 2012/13 hatte Köpplinger für Klagenfurt “A Little Night Music” geplant, nun, da er ja 2012 für sechs Jahre als Intendant ans Gärtnerplatztheater nach München wechselt, wird er das Stück woanders inszenieren.

Ganz sicher nicht am Raimund Theater, im Ronacher oder im Theater an der Wien. Ja, da darf man ganz sicher sein. Und man darf auch sicher sein, dass das nicht an Köpplinger scheitert. Oder, wie es der Regisseur im KURIER formuliert:

Musical haben in Österreich einen durchaus hohen Stellenwert, aber es gehe nicht nur um Kassenfüller. “Das ist jetzt keine Kritik an Kathrin Zechner”, sagt Köpplinger. “Aber ich halte die überteuerten Long-Runs für überaltet und finde es nicht nötig, dass mittelmäßige Stücke mit mittelmäßiger Musik eine Musikstadt wie Wien zwei Jahre langlähmen. Dazu gibt es viel zu gute, ungespielte Musicals.”

“Meine Liebe zum Musical lässt mich einiges vermissen an einer Weltstadt wie Wien”, sagt Köpplinger. “Man müsste im Ronacher Musical-Repertoire spielen, im Raimundtheater die Long-Runs oder neue Stücke, kombiniert mit einer Work-in-Progress-Unterhaltungstheaterwerkstatt etwa im MuseumsQuartier, wo mit Autoren, Komponisten und Dramaturgen Tolles entstehen kann. Das hielte ich für eine gute Abdeckung im Musical-Bereich.”

Keine Kritik an Kathrin Zechner? Wieso eigentlich nicht? Die “Schonzeit” sollte vorbei sein. Selbstverständlich ist die völlig ideen- und konzeptfreie Bespielung der beiden Top-Musicalhäuser in Wien ein Ärgernis. In jeder ernstzunehmenden “Musicalstadt” dieser Welt ist es möglich, dass man einen Sondheim in einem großen Musicaltheater zu sehen bekommt. In den Häusern der VBW wird das allerdings nicht sein. Hier wird in den letzten Jahren eine der peinlichsten Strategien exekutiert, die das Unternehmen je entwickelt hat. Man setzt a) auf altbewährte Musicalhits, die immer und immer wieder, und laufend billiger und schlechter produziert wiederaufgenommen werden und b) entwickelt man um teures Geld Nischenproduktionen, die mit dem Musicalgenre nichts zu tun haben, aber ein sicherer Hit bei den Kritikern sind. Neuester Fall: das erneute Engagement von John Malkovich mit einer Produktion, die nichts mit Musicals zu tun hat und wesentlich besser ins Theater an der Wien mit seiner derzeitigen Programmausrichtung passen würde.

Es fehlt an Mut, es fehlt an Ideen, es fehlt an der Überzeugung, dass man Intendantin eines Unternehmens ist, das Musicals macht. Fehlt die Liebe zu Musicals? Man will das nicht wirklich wahrhaben. Ein Sondheim, ja, das wäre überfällig, ein Ende des Schlagerkarussels, ein Ende der Wiederaufnahmen der Wiederaufnahmen, ein Ende des Anbiederns an Wiener Kritiker mit vermeintlich hochwertigen Produkten, die nichts mit dem eigentlichen Sinn und Zweck des Unternehmens zu tun haben.

Keine Kritik? Schade!

Link
- KURIER: Musical “Hello, Dolly!” an der Volksoper

Webtipp: “Musicalausbildung Blog” der Joop van den Ende Academy, Hamburg

Seit Juni 2008 betreiben Studenten der Joop van den Ende Academy, Hamburg, einen Musicalausbildungsblog, in dem sie über ihre Erlebnisse im Zuge des Studiums berichten. Dieser Tage ist natürlich der Workshop, den Jason Robert Brown geben wird, ein Thema, aber nicht nur deswegen lohnt sich ein Klick auf die Website.

Link
- “Musicalausbildung Blog” der Joop van den Ende Academy

Sofia Coppola gewinnt den “Goldenen Löwen von Venedig”: Was sagt das “profil” jetzt dazu?

6. September 2010, wir lesen im “profil”:

… das Drama eines jungen, orientierungslosen Kino-Superstars, eine Studie des Lebens in und mit der Filmindustrie, ein Blick ins Innere der Albtraumfabrik, inszeniert von einer Regisseurin, die solche Geschichten nicht nur vom Hörensagen kennen müsste. Umso absurder nimmt sich das karge Ergebnis des Films aus, der dann doch zu schnell zur Hollywood-Klischeeschleuder geriet: “Somewhere” folgt den sinnlosen Wegen eines von allen begehrten, aber von niemandem wirklich geliebten Schauspielers (öd dargestellt von Stephen Dorff), dem das Verstellungsgewerbe, in dem er so erfolgreich ist, den Atem abschnürt - und der sich in all den hübsch fotografierten Bildern verläuft, die ihm da geboten werden. Sofia Coppolas “Somewhere” ist exakt so unbestimmt, gelangweilt und uninspiriert wie ihr Filmtitel. Wenn die Jury unter Quentin Taranatino am 11. Septenber Venedigs Goldenen Kino-Löwen 2010 verleihen wird, dürfte dieser Film keine größere Rolle spielen.

11. September 2010

Die US-Regisseurin Sofia Coppola ist beim Filmfestival in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden. Coppolas Film “Somewhere” sei einstimmig zum Sieger gewählt worden, sagte der Jury-Vorsitzende Quentin Tarantino Samstagabend. Der Streifen habe die Jury schon bei der ersten Vorführung verzaubert. “Somewhere” erzählt die Geschichte eines Filmstars, der die Leere seines Daseins durch die Augen seiner elfjährigen Tochter sieht. [Der STANDARD]

“Nach Kärnten” in Wien: Musikalisches Kabarett mit Birgit & Nicole Radeschnig

Birgit und Nicole Radeschnig, Absolventinnen (2007) der Abteilung Musikalisches Unterhaltungstheater der Konservatorium Wien Privatuniversität, hats von der Musicalbranche, äußerst erfolgreich, derzeit ins Kabarett verschlagen. 2010 gewannen die Zwillingsschwestern den “Grazer Kleinkunstvogel”, und mit dem ausgezeichneten Programm gastieren die beiden am 25. und 30. September im Schubert Theater Wien, am 7. Oktober im Kulturcafà© Tachles (Karmeliterplatz 1, 1020 Wien), am 21. Oktober sowie am 30. November im Theater am Alsergrund (und vom 18. bis 20. November 2010 auf der Kleinkunstbühne Hin&Wieder im Theatercafà© Graz). Worum gehts in “Nach Kärnten”:

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Das südlichste Bundesland Kärnten hat den Schritt gewagt: Es hat sich von Restösterreich abgespalten und fungiert seitdem als eigener Staat. Da diese Abspaltung allerdings einen Rückgang der Bevölkerungszahlen mit sich gebracht hat, gilt es nun, neue Bewohner für den Staat anzuwerben. Zu diesem Zweck werden von RaDeschnig diverse Kärntner Bräuche und Eigenheiten vorgestellt, sowie unter anderem folgende Fragen aufgeworfen:

- Wohin ist das Ch verschwunden?
- Wie wurde der Schnapskrapfen zum Alkoholiker?
- Was hat es mit dem ominösen Schild ”Nach Kärnten” auf sich?
- Und: Warum bekommt man den Villacher Fasching nur noch auf Rezept?

Termine in Wien
25./30. September: Schubert Theater
21.Oktober/23.November: Theater am Alsergrund

Text, Musik, Regie: RaDeschnig
Klarinette, Blockflöte, Tamburin: Nicole Radeschnig
Gitarre, Klavier: Birgit Radeschnig

Links
- Alle aktuellen Termine unter: www.Radeschnig.net
- Birgit und Nicole Radeschnig

Marco Franke: Stephen Sondheims »Sweeney Todd« – Ein Werkporträt

Wie schreiben das Jahr 2010 – Stephen Sondheim, geboren am 22. März 1930 in New York, einer der bedeutendsten Musicalkomponisten & -texter, Preisträger eines Oscars (1990, für »Sooner or later« aus dem Film »Dick Tracy«) sowie mehrerer Tony- und Grammy-Awards und des Pulitzer-Preises (1985, für »Sunday in the Park with George«), feierte seinen 80. Geburtstag.
Man könnte meinen, ein solches Jubiläum wäre der perfekte Anlass für zumindest einige wenige Buchpublikationen – eventuell Bildbände mit den schönsten Szenenfotos der Uraufführungen von Sondheims Werken, kommentiert von all jenen, die darin große Erfolge feiern konnten, vielleicht auch umfangreiche Biographien, Interviewbände, Einzeluntersuchungen zur Wirkung beziehungsweise Rezeption – doch auf dem Buchsektor, nicht nur auf dem deutschen, ist es merkwürdig ruhig.
Immerhin – mit »Finishing the Hat«, benannt nach einem Lied aus Sondheims 1984 uraufgeführter Show »Sunday in the Park with George«, [der Untertitel des Buches wird pfiffig-verspielt lauten: »v. 1: The Collected Lyrics of Stephen Sondheim with Attendant Comments, Principles, Heresies, Grudges, Whines and Anecdotes«] erscheint im Herbst 2010 der erste Teil eines auf zwei Bände angelegten Werks, das einerseits die Memoiren des Komponisten und Texters beinhaltet, Erinnerungen an seine Shows und an seine Kollegen umfasst, andererseits auch eine Sammlung seiner wichtigsten Songtexte, von ihm selbst kommentiert, werden wird. »Finishing the Hat« erscheint in England bei Virgin Books und in den USA bei Alfred A. Knopf. 2011 folgt mit »Look, I made a Hat«[der Titel ist ein Zitat einer Zeile aus dem Lied »Finishing the Hat«] der zweite Teil des zweibändigen Werks.
Viel mehr wird es 2010 nicht mehr an Buchneuerscheinungen zum Thema Stephen Sondheim geben, im deutschsprachigen Raum also gar keine. Da trifft es sich gut, dass 2009 mit Marco Frankes »Stephen Sondheims Sweeney Todd« ein Werkporträt des wohl populärsten Musicals des Komponisten erschienen ist.
Marco Franke, geboren 1979, studierte Musik- und Theaterwissenschaft an der Ludwig Maximilians-Universität München. Derzeit ist er Referent für Presse und Öffentlichkeitsarbeit und Konzertdramaturg beim Sinfonieorchester »basel sinfonietta«. Sein Werkporträt hat er bereits im Jahre 2005 fertiggestellt; einige Jährchen, bis Herbst 2009, hat es dann gedauert, bis die Hamburger Diplomica Verlag GmbH die wissenschaftliche Abschlussarbeit in ihr Programm aufgenommen hat und sie nun wahlweise als E-Book oder auch als gedrucktes Exemplar anbietet.
154 Seiten umfasst Frankes Analyse, den ersten Teil widmet er einer Stoffgeschichte. In einem dreistufigen Werkvergleich untersucht er Übereinstimmungen und Abweichungen des Musicals zur 1968 entstandenen Schauspielvorlage von Christopher Bond und zu den vielen »Sweeney Todd«-Melodramen des 19. Jahrhunderts, hier vor allem George Didbin Pitts Version von 1847, aber auch zurückgehend bis zu einer französischen Ballade aus dem 14. Jahrhundert über einen mordenden Barbier, der mit einer Gehilfin seine Opfer zu Fleischpasteten weiterverarbeitet haben soll. Berücksichtigt wird dabei auch die szenische Realisierung von Harold Prince, dem Regisseur der Broadway-Uraufführung.
Im zweiten Teil widmet sich Franke dem eklektischen Werkcharakter des Musicals und seiner Schauspielvorlage im Hinblick auf Erzählstrukturen und Motive.
Der dritte Teil stellt eine ausführliche und detailreiche musikdramaturgische Analyse von »Sweeney Todd« dar, einem Musical, das gerade wegen seiner Opernhaftigkeit und dem Umstand, dass es ohne Probleme auch mit Opernsängern zu besetzen ist, einerseits nur schwer in die gängigen Schemata des amerikanischen »Musical Theaters« schubladisierbar ist, andererseits zu einem der meistgespielten Werke Sondheims avancierte.
Der Autor unterfüttert seine Analyse mit einem gigantischen Anmerkungsapparat, fast könnte man meinen, jede These und jede Aussage sei dutzendfach abgesichert. Zweifellos eine gute Sache, und so nebenbei bemerkt lohnt es sich gerade bei diesem Buch, einen genaueren Blick auf den Fußnotenteil zu werfen. Es ist fast schon ein bisschen schade, dass hier, ein wenig versteckt, eine Unmenge an guten Geschichten ausgelagert wurden. Amerikanische Sachbuchautoren hätten beispielsweise rund um die Frage, ob es denn nun tatsächlich einen »Sweeney Todd« gegeben hat, ein eigenes spannendes Kapitel gemacht. Franke verweist auf amerikanische Studien und Internetforen, ohne dem »angeblich« im London des späten 18. Jahrhundert existierenden Barbier eine eigene längere Passage zu widmen – jenem Sweeney Todd, der am 25. Januar 1802 vor den Toren Londons aufgrund 160-fachen Mordes hingerichtet wurde. Schön herausgearbeitet dagegen ein anderes der gerade in diesem Werk recht drastischen Motive wie jenes des Kannibalismus.
Dem Hauptteil der Untersuchung angeschlossen findet sich ein sehr ausführliches Literaturverzeichnis mit sämtlicher Primär- und Sekundärliteratur, diversen Hinweisen zu Internetquellen und zu Zeitungsartikeln, Programmheften und schließlich ein Video- und DVD-Verzeichnis mit einer Aufstellung der daran beteiligten Leading Teams und Darsteller.
Im Anhang des Werks schließlich bietet Marco Franke ein Interview mit Christopher Bond, das er am 24. September 2004 unmittelbar nach der Generalprobe von »Sweeney Todd« in der Kantine der Komischen Oper in Berlin geführt hat. Bond besorgte 2004 an der Komischen Oper die Berliner Erstaufführung des Musicals und erzählt sehr ausführlich über seine langjährige Erfahrung mit Sondheims Musical, das er bis dahin bereits sieben Mal inszeniert hatte. Franke nutzt die Gelegenheit, sehr detailreiche Fragen bis hin zur Charakteristik einzelner Personen zu stellen wie »Isn’t Johanna a little bit hysterical? I mean at least in the Sondheim version …« Das sind dann Stellen im Buch, die aus der manchmal vielleicht etwas zu trocken aufgezogenen Studie ein höchst lesenswertes Werk machen.
Was Franke schließlich zum Abschluss erarbeitet hat, ist ein tabellarischer Überblick über die wichtigsten literarischen und dramatischen Bearbeitungen des »Sweeney Todd«-Stoffs, von 1846 bis 1997, und eine genaue Auflistung der einzelnen Szenen von drei Versionen des Stoffs: jener von George Didbin Pitt, jener von Christopher Bond und jener von Stephen Sondheim.
Fazit: Ein Werkporträt vollgepackt mit Fakten, Quellenhinweisen und einem interessanten Interview. Sondheim-Fans sind damit sicher bestens bedient.

Marco Franke: Stephen Sondheims Sweeney Todd – ein Werkporträt. Diplomica Verlag GmbH, Hamburg 2009. 154 S.; (Softcover) ISBN 978-3-8366-7127-9. EUR 48

Der Tag, an dem im Raimund Theater die Träume eines kleinen Mädchens zerplatzten

This is the Raimund Theatre in vienna, once a very well known place for musicals and home of the first german production of “Les Misà©rables”! We are here now, because there is a story i wanna share with you!

When the show was in town there was a little girl who was totally in love with “Les Mis”. She was listening to the songs and singing them at home as often as possible. So one day her mother surprised her with 2 tickets for the show! As you can imagine she was totally thrilled!

At the night of the performance in the theatre she was enchanted by the special atmosphere and she couldn’t wait to see her most favorite song “One Day More” performed live in front of her! The show started and she forgot everything around her.

During act 1 after the first excitement was gone she suddenly realized that she had to go to the restrooms as soon as possible. A few minutes before the final song of act 1 the little girl couldn’t help herself and left the auditorium! On her way back, expecting to see “One Day More” live, she was stopped by an usherette.

There she was, the sweet 13 year old girl, now being told that “it’s not allowed” to go back into the auditorium during the show! Sadly she had to wait outside and listen through closed doors while the people where singing her favorite song!

When I heard the story I felt so sorry for her!

That’s a story I always remember, when I’m listening to the music, seeing the show live or talking about it! And it is a running gag: don’t forget to see the loo before act 1 or you can’t stay for one day more!

Hope to hear lots of those stories from you see you at the O2 barricades for one day more!

Link
- Les Miserables 25th Anniversary Meeting - die Facebook-Gruppe

VBW-Get-Together oder “Und dass ihr mir ja nur nicht den Sarich erwähnt!”

nosarichtodaythecompanyisgay.jpgIrgendwie komisch, nicht wahr? Im November 2010 soll Drew Sarich in Wien der neue Krolock im Jim Steinman-Musical “Tanz der Vampire” werden, das wissen Gott und die Welt seit Monaten, allein, man hat das Gefühl, als würden die VBW nach wie vor verbergen wollen, dass das Unvermeidliche bzw. das lang Geplante stattfinden wird.

Beispiel? Am Mittwoch, den 1. September, fand im Hotel Triest ein sogenanntes “Get Together” der Musicalensembles der VBW statt. Laut VBW-Site (siehe –> hier) mit dabei Lukas Perman, Marjan Shaki, Peter Fröhlich, Andreas Lichtenberger, Hertha Schell, Ann Mandrella und Gernot Kranner. Bilderchen belegen die nette Atmosphäre dieses Zusammenseins, zu dem einige wenige Medienvertreter geladen waren, so zum Beispiel die Kronen Zeitung. Und in der Kronen Zeitung lesen wir auf einmal auch jenen Namen, der längst angekündigt hätte werden müssen: Drew Sarich. Hat er sich etwa hinter der Bank verstecken müssen, als die Fotos gemacht wurden? Irrt die Kronen Zeitung in ihrem Artikel? (Die Antwort: nein siehe –> hier) Hat die Redaktion der VBW-Site den Befehl ausgeführt, der da hätte lauten können: “Und dass ihr mir ja nur nicht den Sarich erwähnt!”?

“Ich war noch niemals …” von diesem alten Kärntner …

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… so hätte die BILD-Zeitung natürlich eine Show wie “Ich war noch niemals in New York”, von unser aller Udo Jürgens (geboren in Kärnten), auch in einer Schlagzeile ankündigen können. Hat sie natürlich nicht, aber es ist vermutlich symptomatisch für die ethische Ausrichtung dieses Blatts, dass man im Falle der Ankündigung, dass Serkan Kaya die Hauptrolle im Udo Lindenberg-Musical “Hinterm Horizont” spielen wird, auf die “Herkunft” oder was auch immer, zurückkommt. Aber vielleicht machen wir das bei allen Darstellern in Zukunft, die Hinzufügung der Herkunft, der Religion, der sexuellen Präferenzen und was es nicht alles Schönes gibt. BILD-Lesern wird es nicht auffallen, die sind Ärgeres gewohnt.

BILD: Dieser junge Türke spielt Udo

Thomas Borchert: Das E-Mail-Interview zu “If I sing” [2010]

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Am 24. September 2010 erscheint Thomas Borcherts Solo-CD «If I sing” beim Wiener Label MG-Sound - 14 Musicalsongs, eingespielt mit großem Orchester, die für Thomas Borchert Bedeutung haben und ihm im Laufe seiner 20-jährigen Karriere ans Herz gewachsen sind, neu arrangiert von Martin Böhm und Ludwig Coss [MG-Sound].

Was liegt näher, als dem Musicaldarsteller, Schauspieler und Songwriter ein paar Fragen zu seinem neuen Tonträger zu stellen, in Form eines E-Mail-Interviews:

Martin Bruny: Wer hatte die Idee zur CD “If I sing”? Also die Idee, eine CD mit einem Orchester zu produzieren beziehungsweise überhaupt eine CD mit Musicalsongs.

Thomas Borchert: Hitsquad hatte schon seit längerer Zeit Interesse daran, eine Solo-CD mit mir zu produzieren. Die Idee zu “If I sing” lag dann durch mein diesjähriges Bühnenjubiläum auf der Hand. Es war unser Bestreben, nicht einfach nur 20 Jahre Musicalbühne Revue passieren zu lassen, sondern jeden von mir persönlich ausgewählten Song noch einmal völlig neu zu arrangieren und in bestmöglicher, internationaler Qualität zu produzieren.

MB: Inwieweit waren Sie an der Erstellung der neuen Arrangements der Songs beteiligt?

TB: Von Anfang an war ich in den Entwicklungsprozess eingebunden. Dadurch bot sich mir die Möglichkeit, meine Ideen für neue Arrangements mit einfließen zu lassen. Das einzigartige an dieser Produktion ist, dass mir jedes einzelne Arrangement auf den Leib geschneidert wurde und mit mir gemeinsam heranreifte. Für diese enorm kreative Entstehungsphase und die liebevoll detallierte Arbeit im Team bin ich dem Team von MG-Sound und Hitsquad sehr dankbar.

MB: Wann fanden die Aufnahmen zur CD statt (bzw. von wann bis wann)? Wie lange haben Sie sich Zeit genommen, die Interpretationen vorzubereiten, wie lange hat die Arbeit dann im Studio gedauert?

TB: Die Vorbereitungen für “If I sing” begannen schon einige Monate vor den eigentlichen Studioaufnahmen. Es gab mehrere Demo-Phasen, in denen die Arrangements und auch meine Interpretation langsam heranreiften. Dann folgten die Orchester- und Band-Aufnahmen. Die finalen Gesangsaufnahmen dauerten fünf Tage.
Einer der schönsten Momente, neben den opulenten Orchester-Aufnahmen (es waren allein schon 23 Streicher im Studio!), für mich war, als wir den Titelsong “If I sing” nur mit Klavierbegleitung live im Studio aufgenommen haben.

MB: Wird es mit diesem Programm und mit Orchester Live-Events geben (können)?

TB: Ich hoffe es!

MB: Gibt es zu den einzelnen Songs kleine Geschichten, warum Sie sie ausgewäht haben? Wenn ja, welche beispielsweise zu “Kiss of the Spider Woman”?

TB: Grundsätzlich sind auf dem Album Songs vertreten, die ich schon auf der Musicalbühne gesungen habe. Dennoch habe ich mir ein paar “Ausreißer” erlaubt. “Kiss of the Spider Woman” habe ich damals in der Originalbesetzung in London gesehen und war sprachlos vor Begeisterung. Auf einer Kander-&-Ebb-CD hörte ich dann einen Mann den Titelsong singen. Schon seit Jahren wartete ich auf die passende Gelegenheit, dieses Lied auf meine Art zu interpretieren. Bei den Demoaufnahmen im Studio kam mir dann plötzlich eine besondere Arrangement-Idee, die ich jetzt aber nicht verraten möchte …

MB: Drei Lieder Ihrer CD stammen von Frank Wildhorn, der Sie sehr schätzt. Was mögen Sie an den Musicals von Frank Wildhorn beziehungsweise an Frank Wildhorn selbst.

TB: Frank Wildhorn versteht es wie kaum ein anderer, wunderschöne, große Melodiebögen zu schreiben, die vor hoher Emotionalität nur so strotzen. Das macht es dem Sänger sehr leicht. Man fühlt sich von der Musik getragen.

Wie in den Opern von Puccini oder Verdi geht es bei Wildhorn immer um große Gefühle, um Leben und Tod. Die Partien, die ich bisher singen durfte, sind sehr “saftig” und verlangen sowohl dem Schauspieler als auch dem Sänger alles ab. Hinzu kommt, dass sich die meisten Wildhorn-Partien für mich schon immer so anfühlten, als ob sie für meine Stimme geschrieben worden wären. Es passt einfach.

MB: Wann ist ein Musicalsong für Sie ein guter Song? Welche Kriterien muss er erfüllen? Für welches Lied würden Sie sich beispielsweise entscheiden, wenn Sie zwischen “You’ll be in my heart” (”Tarzan”) und “Mut zur Tat” (”Rudolf”) wählen müssten und warum?

TB: Ein guter Musicalsong treibt die Handlung voran beziehungsweise beschreibt einen momentanen inneren Zustand des jeweiligen Charakters, weist dabei einen Entwicklungs- beziehungsweise Spannungsbogen auf, und berührt durch die Verschmelzung von Text und Musik den Zuschauer beziehungsweise Zuhörer. Wenn der Song dann obendrein noch ein Ohrwurm ist, kann man wohl von einem Volltreffer sprechen!

Beide oben genannten Lieder erfüllen diese Kriterien auf ihre Weise. Ich hätte daher die Qual der Wahl und würde mich letztendlich für ein Medley entscheiden …

MB: Wie sehen die Pläne für Ihre Zukunft aus, im Speziellen für die nächsten 6 bis 12 Monate?

TB: Bis zum 4. November spiele ich noch den Krolock in TdV in Wien. Am 9. Oktober wird “Der Graf von Monte Christo” am Theater St. Gallen wieder aufgenommen und noch insgesamt fünf mal bis Jahresende gespielt.

Besonders freue ich mich auf das “Wildhorn & Friends”- Konzert, am 4. Oktober in Wien, gemeinsam mit Frank Wildhorn (am Flügel!), Linda Eder und Pia Douwes.

Am 30. November 2010 und am 6. Februar 2011 spiele ich den Schauspielmonolog “Novecento” im Schlossparktheater Berlin, sowie auch am 28.12.2010 in der neuen Spielstätte des Theaters St. Gallen (”Lokremise”).

Desweiteren gibt es dieses Jahr noch zwei “Borchert Besinnlich”- Konzerte in Oberhausen und Wien. Auch 2011 werde ich viele Solo-Konzerte geben sowie in einer Musicalproduktion und zwei Schauspielproduktionen mitwirken. Außerdem entwickle ich gerade ein deutschsprachiges Pop-Projekt in einer spannenden Teamarbeit.

MB: Was sagen Sie zur aktuellen Musicallandschaft im deutschsprachigen Raum. Wird es komplizierter, interessante Shows zu finden, in denen man spielen möchte?

TB: Ich sag’s mal so: Es wäre durchaus wünschenswert, wenn die deutsche Musicallandschaft durch mehr Mut und Vielfalt bereichert werden würde.

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