Martin Bruny am Freitag, den
28. September 2012 um 00:33 · gespeichert in Absurditäten
Castpräsentation Marke Struppeck? Hund und Frauerl der 2013er Blödelmusical-Produktion im Wiener Ronacher “Legally Blonde” stehen fest, der Rest, kommt irgendwann. Barbara Obermeier spielt also Blondie und wird in “Wien Heute” großteils beim Friseur vorgestellt. Das ruft Erinnerungen an die Friseurtermine von Uwe Kröger wach, die zu seiner Musicalzeit großteils auf ATV zu Promotionzwecken eingespielt wurden. Manches ändert sich halt doch nie.
Zum Beitrag geht es –> hier.
Martin Bruny am Mittwoch, den
26. September 2012 um 18:49 · gespeichert in Musical, Wien
Munter gehen die Diskussionen um die Broadway-Fassung von Michael Kunzes und Sylvester Levays Musical »Rebecca« weiter. Wir sind jetzt ungefähr auf folgendem Stand: Es waren zu wenig interessierte Investoren vorhanden, um die zwölf Millionen Dollar aufzubringen, die das Abenteuer am Great White Way kosten soll. Kurzerhand sind die VBW selbst eingesprungen und haben 380.000 Euro in die Produktion gepulvert. Ein weiterer Investor, ein gewisser Herr Abrams, steuerte viereinhalb Millionen Dollar bei – und verstarb. Schlecht für ihn, schlecht für den »Rebecca«-Produzenten Ben Sprecher, der nun sukzessive mit Details an die Öffentlichkeit gehen muss: Er hat mit Abrams kein einziges Mal persönlich gesprochen, auch nicht mit ihm telefoniert, man habe nur per Mail miteinander kommuniziert, so heißt es. Sprecher sei nach Bekanntwerden des Todesfalls nach England gedüst, doch habe er dort niemanden angetroffen, der ihm bei seinem Anliegen, viereinhalb Millionen Dollar aus einem Nachlassverfahren rauszuholen, helfen hätte können.
Mittlerweile haben die Fact-checking-Abteilungen diverser amerikanischer Postillen versucht, einen »Todesfall« Abrams weltweit zu verifizieren – ohne Erfolg. Gab es je einen Paul Abrams? Die Frage ist nicht unberechtigt, denn Ben Sprecher kann keine Angaben zu jenem dubiosen Produzenten machen. Patrick Healy von der New York Times zieht folgenden Schluss:
“It may also be a hoax, you know, that may have been someone out there who either wanted to invest and had sort of a dummy name or dummy corporate identity, or someone who was trying to pull a fast one on Broadway. We’re still digging around for it.
They have a cast, they have a theater, and Ben Sprecher says that he is actively trying to raise money for the show, that he has financial commitments to replace the $4.5 million. There’s no performance start date yet; all of that has been delayed. Mr. Sprecher has said he’s not going to be announcing start of rehearsals or start of performances until the money’s in the bank.”
In Wien gibt man sich derweil gelassen. Wie es seit einigen Jahren üblich ist, beantwortet nicht der Musicalintendant der Vereinigten Bühnen Wien derart relevante Fragen, sondern der Geschäftsführer Thomas Drozda. Seine Aussagen sind –> hier nachzulesen. Besonders ulkig die Bemerkung »Nichts war in letzter Zeit so verblüffend.« Oh, mir fiele da schon etwas ein. Zum Beispiel die Entscheidung, mit der aktuellen Hauptrollen-Erstbesetzung von »Elisabeth« eine Cast-CD LIVE aufzunehmen. Wer die betreffenden Vorstellungen gehört hat, rund um die Premiere, wird sich fragen: Und diese gesanglichen Leistungen (Ausnahmen: Rudolf- & Franz Josef-Darsteller) will man wirklich auf CD pressen? Lassen wir uns überraschen, und hören wir einfach dann ganz genau hin. [Der Erscheinungstermin wurde mittlerweile bereits von »Mitte Oktober« auf »Ende Oktober« verschoben.]
PS: Zur Bemerkung, dass nicht der Musicalintendant die Frage beantwortet hat, eine Zusatzbemerkung. Natürlich muss ER diese Frage beantworten, es geht um eine Musicalproduktion bzw. -investition der Musicalabteilung der VBW, und dafür ist er zuständig. Natürlich nur, wenn man kein Schattenintendantendasein führt, und das will ihm ja niemand unterstellen. Kein Mensch hätte es Robert Meyer nehmen können, eine ähnliche Frage ganz offensiv selbst zu beantworten, ist er doch eine charismatische Verkörperung des von ihm geführten Hauses. Freilich hätte er vielleicht nicht Black Jack am Broadway gespielt, sondern die 380.000 Mäuse in eine sinnvolle Produktion seines Hauses gesteckt.
UPDATE: PROBEN STARTEN AM MONTAG
The producers of the troubled Broadway musical «Rebecca†notified cast members on Wednesday that rehearsals would begin on Monday morning, yet it remained unclear if the producers had closed the $4.5 million gap in the show’s $12 million budget that they had deemed necessary for rehearsals to start.
The lead producer of «Rebecca,†Ben Sprecher, did not reply to phone and e-mail messages on Wednesday inquiring about rehearsals and the budget gap; a spokesman for the production also did not return messages. [New York Times]
Links
- Der Standard: Zweckoptimismus für Broadway-”Rebecca”
- New York Post: ‘Rebecca’ puzzle. Where’s the mystery investor?
- npr: A Broadway Mystery Worthy Of ‘Rebecca’
- TheaterMania: Broadway’s Rebecca to Begin Rehearsals October 1
- playbill.com: Rebecca Troupers Told First Rehearsal Is Oct. 1
- broadwayworld.com: REBECCA Cast Set to Start Rehearsals on October 1?
Martin Bruny am Freitag, den
21. September 2012 um 08:28 · gespeichert in Absurditäten
Fast könnte man meinen, Agatha Christie hätte das Skript für die Produktionsphase des Broadway-Musicalabenteuers von »Rebecca« geschrieben. Nach massiven Finanzierungsproblemen, einem heftig umstrittenen Finanzierungszuschuss aus Wien und banalem Singsang vor Lastkraftwagen stirbt dem Team ein Produzent weg, der 4,5 Millionen des mit 12 Millionen veranschlagten Gesamtbudgets besteuern will. Wer ist dieser geheimnisvolle Investor? Man könnte fast meinen, dass Ahrens & Flaherty sich die leicht morbide anschließende Mediendiskussion ausgedacht haben, denn nun versuchen die Medien natürlich mit aller Gewalt herauszufinden, um wen es sich bei diesem toten Investor handeln könnte. Es ist ein Europäer, das hat man recht schnell eruiert. Ben Sprecher, Produzent der Show, verweigert weitere Angaben. Die logische Konsequenz: Die Medien suchen erst recht weiter. Um einen Paul Abrams soll es sich handeln. Die New York Times findet aber weder in den Vereinigten Staaten noch in Europa eine Meldung, dass ein Paul Abrams verstorben sein soll. Letzte Wendung im Schicksal von »Rebecca«. Ben Sprecher sendet den Cast- und Crewmitgliedern folgende Mail:
Dear Rebecca Family,
I know the suspense is almost unbearable.
Louise and I continue to work hard to insure that we will meet next week at a first rehearsal for «Rebecca.†Forward progress has been made every day over the last week and a half. This uncertainty will be resolved shortly.
Based on the reports I received from Michael Blakemore about the good meetings he has had over the last several days with Graciela Daniele, Kevin Stites and the designers, I know we are poised and ready to prepare and present a really great new musical, especially given the good fortune we have of having assembled a highly talented and good-spirited cast and stage management team.
I know how hard this has been for everyone and your families. Believe me, Louise and I are right there with you. No words of gratitude will ever do justice to the overwhelming feelings we have about your faith and commitment.
Thank you for your extraordinary patience. Don’t believe anyone telling you we are delayed again. The only people who can do that are me, Louise and the Shubert Organization.
All the best,
Ben Sprecher
Update, 21. September
A lead producer of the $12 million Broadway musical «Rebecca†said on Friday that he had received new financial commitments from investors to make up a $4.5 million gap in its capitalization budget, and that he had informed cast members that rehearsals could start next week. The investment contracts, however, are still awaiting signatures. [New York Times]
Update, 22. September
Ben Sprecher: “Signed contracts for those investments have gone out and the funds transfers are expected within days. As soon as that occurs, production will resume and the new first-rehearsal date set. The cast was also informed that they will be paid for next week [the week of Sept.24], whether or not rehearsals are able to begin next week. But the hope is that they will.” [Playbill]
Link
- New York Times: ‘Rebecca’ Producer Says Musical’s Fate Will Be Decided Soon
Martin Bruny am Samstag, den
8. September 2012 um 19:12 · gespeichert in Musical, Wien
Ein paar Medien dürften ja doch davon erfahren haben, von der Presse-Präsentation des Weihnachtskonzerts “A Christmas Eve 2012″ am Tag der “Elisabeth”-Premiere. Das Konzert wird am 17. Dezember im Wiener MuseumsQuartier über die Bühne gehen, mit dabei: Maya Hakvoort, Uwe Kröger, Pia Douwes, Marjan Shaki, Lukas Perman, Ramesh Nair und The Rounder Girls.
“Österreich” war dabei (siehe –> hier), und “Puls 4″ hat einen kleinen Videobericht gedreht, bei dem Maya Hakvoort vor allem nach “Elisabeth” befragt wurde (siehe –> hier). Recht unterhaltsam sind da die Antworten ausgefallen. Wir erfahren, dass Annemieke van Dam “ein bisschen” jünger ist und dass in Wien deshalb andauernd Holländerinnen in die Rolle der Kaiserin schlüpfen, weil die Emanzipation in Holland schon weiter fortgeschritten zu sein scheint als hierzulande. Tja, wenn man fragt, muss man sich auch die Erklärungen anhören. Pia Douwes hat einen anderen Ansatzpunkt, sagen wir einen etwas logischeren. Ramesh Nair dagegen lässt mit wieder einer anderen Aussage aufhorchen: In “Elisabeth”, so Nair, werden keine “Ausländer” geduldet. Es gäbe, so Nair, keine “farbigen Darsteller” in “Elisabeth”.
Links
- Puls 4 – A Christmas Eve
- Österreich-Ticket
Martin Bruny am Donnerstag, den
6. September 2012 um 23:32 · gespeichert in Tonträger
Auch die aktuelle Wiener Fassung des Levay/Kunze-Musicals »Elisabeth« wird in Form einer Cast-CD erscheinen, und zwar bereits Mitte Oktober. Warum das gar nicht mal so schlecht ist? Wir leben in Zeiten, in denen Cast-CDs tendenziell eher immer seltener veröffentlicht werden. Wenn sich also eine Firma wie MG Sound, ein Unternehmen wie die VBW … dazu entschließen … wobei, da fängt es an. Wer hat sich entschlossen, eine Cast-CD zu produzieren, wer zahlt? Wer trägt das Risiko? Nicht, dass man erwarten dürfte, darauf Antworten zu erhalten, die man auch publizieren darf … nur, interessant wären die Antworten darauf dennoch.
Erscheinen wird ein Live-Mitschnitt, zusammengemixt aus den Aufnahmen der Premiere und, so hört man, einer zweiten Vorstellung. Warum es ein Live-Mitschnitt wird, kann man leicht erklären. Ein Orchester die Musik als Studioaufnahme neu einspielen zu lassen, ist einfach zu teuer. Dass das Orchester live aufgenommen wird, ist aber selten das Problem. Die Damen und Herren des Orchesters schaffen es, in zwei Vorstellungen praktisch fehlerfrei zu spielen, man kann ja was zusammenschneiden. Eine andere Frage ist der Gesang, denn da wird oft jede “Liveaufnahme” heutzutage zur Farce. Es dreht sich darum: Was von den Liveaufnahmen aus dem Theater wird wirklich verwendet, und welche Lieder/Passagen werden, wenn überhaupt, neu im Studio eingesungen. Angaben dazu gibt es keine. Man will ja niemanden bloßstellen. Nur – ob man unter diesen Voraussetzungen dann manchmal tatsächlich von Liveaufnahmen sprechen kann?
“Elisabeth” bekommt also wieder mal eine Cast-CD, das wird die Fans freuen, und es wäre doch fast wie ein neues Weltwunder, wenn “Rebecca” nicht auch noch ein paar Cast-CDs abbekäme, oderrrrrr?
Link
Ein kleiner Buchtipp zum Thema Cast Recordings: Bruce Kimmel: “Album Produced By …”
Martin Bruny am Mittwoch, den
5. September 2012 um 19:30 · gespeichert in Musical, Wien, Rezensionen, Theater, 2012
Traditionell gibt es keine Kritiken von Voraufführungen, Kritiken erscheinen nach der Premiere. Traditionell wird aber auch das zahlende Publikum, also jenes, um das die Theater geradezu betteln, wenn sie es nötig haben, nicht aus Premieren ausgesperrt, zumal bei einem subventionierten Theater. Diesmal ist alles anders, diesmal ziehen die Vereinigten Bühnen Wien ihre Linie durch und halten – am 5. September – die Premiere von “Elisabeth” als geschlossene Veranstaltung ab. Direkt sowie einzig und allein hat dies Christian Struppeck, der Intendant der Vereinigten Bühnen Wien, zu verantworten, einfach deswegen, weil auch das in seinem Verantwortungsbereich liegt. Es wurde immer wieder von seiten der VBW erwogen, Premieren und Dernieren als geschlossene Veranstaltungen abzuhalten, immer jedoch kam ein Kontingent an Karten in den freien Verkauf, immer wurde das angekündigt. Diesmal nicht. Es gibt hier keinen Spielraum für ein Dementi, das ist Fakt.
Doch es gibt eine Ergänzung: Der Standpunkt der Vereinigten Bühnen Wien ist Folgender: Angeblich soll es Karten ab Montag im Verkauf gegeben haben, im Kartenbüro und bei Wien Ticket und natürlich auf der “Liste”. Die “Liste” ist kein freier Kartenverkauf, und für freie Kontingente bei Wien Ticket und im Kartenbüro habe ich keine Bestätigung, ich höre nur, dass es auch auf Nachfrage keine Karten gegeben hat. Was also hat es für einen Sinn, wenn angeblich Karten im Verkauf sind, aber die Verkäufer sagen, dass es keine Karten gibt. Online bei Wien-Ticket waren definitiv keine Tickets erhältlich. Unter freiem Vorverkauf muss man sich etwas anderes vorstellen können.
Da die Veröffentlichung dieser Teilkritik auf Basis einer Vorpremiere auch als Protest gegen diese Ticketpolitik eines subventionierten Theaters zu verstehen ist, noch ein paar Punkte zur Erklärung: Die VBW haben eine Vielzahl an Tools, um einen geregelten Vorverkauf abwickeln zu können, um Kontingente, die neu in den Verkauf kommen, anzukündigen, und das kostet kaum Zeit, wenn die Kompetenzen geklärt sind. Beispielsweise Facebook, beispielsweise Newsletter, beispielsweise eine Website, beispielsweise Aussendungen von Wien-Ticket und so weiter. Es würde reichen, am Beginn der Vorverkaufszeit anzukündigen, dass ab ungefähr einem Zeitpunkt X ein Kontingent Y in den Verkauf kommt. Die Praxis sieht anders aus: Es wurde wiederholt mitgeteilt, dass es keine Karten im freien Verkauf geben wird. Freier Verkauf bedeutet auch, einen gewissen Respekt gegenüber Theaterbesuchern zu haben. Der geht mir hier eindeutig ab.
Brechen wir also Traditionen, der Bruch ist ohnedies schon gemindert, da diese Kritik wieder offline gegangen ist und erst nach Beginn der Premiere wieder online geschaltet wurde: Es gab im Verlauf der letzten Tage einige Previews. In diversen Foren wird schon eifrig über die neue Fassung der Levay/Kunze-Show diskutiert. Eine ausführliche Kritik, basierend auf regulären Vorstellungen nach der Premiere, wird es im Laufe der nächsten Wochen auch hier im Blog geben, doch vorab: die neuen Stars von “Elisabeth” sind Franziskus Hartenstein als Franz Josef und Anton Zetterholm als Erzherzog Rudolf.
Franziskus Hartenstein
Franziskus Hartenstein verleiht Franz Josef eine Präsenz und eine Stellung Elisabeth gegenüber, die seine Vorgänger in Wien nicht erreicht haben. Das geht so weit, dass das Verhältnis von Elisabeth und Franz Josef in der einen oder anderen Szene fast kippt, oder aber, und das ist die positivere Deutung, erst jetzt in dieser Version voll zur Wirkung kommt. Sowohl vom Schauspiel her gesehen als auch vom Gesang ist Hartenstein für die Show ein Volltreffer. Zwar mag er für die Rolle sehr jung sein, aber er interpretiert die Lieder – und leiert sie nicht nur runter, er verleiht ihnen Gefühl, erreicht mit seinem Schauspiel, dass man mit Franz Josef tatsächlich mitfühlt. Ich habe diese Figur zum ersten Mal so “lebendig” erlebt. Hartenstein spielt glaubhaft, seine Bewegungen, seine Mimik, all das zeigt, dass er es verstanden hat, sich mit seiner Rolle ernsthaft und für die Produktion gewinnbringend auseinanderzusetzen. Früher als Langweilnummern abgetane Balladen und balladeske Sequenzen haben auf einmal eine Tiefe, die man hier in Wien noch nicht erlebt hat.
Anton Zetterholm
Dasselbe trifft auch auf Anton Zetterholm zu. Anders als einer seiner deutschsprachigen Kollegen, Mark Seibert, hatte er eine Sprachbarriere zu bewältigen, über die in diversen Foren jahrelang gelästert wurde. Zetterholms Artikulation ist bei “Elisabeth” freilich bestechend, er singt klare, reine Töne, nicht wie Mark Seibert, dessen Gesangssequenzen gefühlt aus 98 Prozent gepressten Konsonanten bestehen, der in der Tiefe zu wenig Stimme hat, nasal und behaucht in der Mittellage arbeitet und einzig und allein in den Höhen dann an Lautstärke gewinnt, oft auf Kosten jeglichen Schöngesangs, oder Annemieke van Dam, die einem ihr Belting wie eine Watsche ins Gesicht schmettert.
Zetterholm spielt grandios, sein “Wenn ich dein Spiegel wär” ist atemberaubend und DAS Highlight der Show. Der kleine, ganz kurze Übergang zu “Hass”, auch das liefert er mit einer solchen Intensität und Power. Leider hat er das Pech, mit Seibert und van Dam Partner zu haben, die scheinbar ihre Hausaufgaben nicht ganz erfüllt haben und in der Show herumlaufen, als würden sie ferngesteuert. Der “Totentanz” etwa ist der Tiefpunkt der Show schlechthin. Wenn der Tod Rudolf küsst, wirkt es, als würde er ihn oral erdolchen.
Bühnenbild, Kostüme, Fragen über Fragen
Wieso beim “Totentanz” die “Kleider” getilgt wurden, sollte man sich besser nicht fragen. Denn wenn wir mit den Fragen beginnen, würden wir rasch zum Bühnenbild gelangen, das eine völlig misslungene Mixtur aus Teilen der alten Wiener Fassung und verkitschend wirkenden Projektionen und Filmchen ist. Es ging bei der Wiener Fassung immer gerade darum, den Kitsch aus der Show rauszuhalten, wo möglich. Nun sind wir dabei gelandet, dass all das, was bei der alten Fassung unsere Fantasie gestaltet hat, per Filmchen eingespielt wird. Ein Meer und ein Mond oder eine Sonne, was auch immer das sein soll, das sich bewegende Riesenrad. Wozu?
Nein, “Elisabeth”, das Musical, beruht nicht auf einem Film, wir können nicht immer nur Filmmusicals machen, und es muss nun auch nicht in jedem Musical eine Projektion her. Wir haben Fantasie, und wenn sich die Theater den Luxus leisten würden, nur Leute mit großartigen Stimmen verbunden mit einer entsprechenden Gesangskultur und Schauspielbegabung zu casten, wäre uns allen schon viel weitergeholfen. Wir brauchen kein Brimborium, das davon ablenkt, dass sich in Mimik und Ausdruck zu wenig tut.
Bei all den Fragen würden wir auch zu den Kostümen kommen. Was genau soll uns das Outfit des Todes sagen. Was sollen diese Moon Boots, wieso sieht Lucheni wie ein Penner aus, dessen Hosen drei Nummern zu groß sind, mit einem Westchen wie ein Clown?
Kommen wir vorerst zum Schluss und zur Schnapsidee schlechthin. “Elisabeth” wird mit einem Gesangs-Medley inklusive Publikumsbeteiligung beendet. WTF? Wir sind nicht bei den Pradler Ritterspielen, da, von mir aus, könnte Elisabeth nochmal aufstehen und sich meinetwegen in Zeitlupe erdolchen lassen – oder man könnte vorher ein Gewinnspiel machen und jemanden aus dem Publikum bitten, mal mit der netten Merchandising-Feile zuzustechen. Wir haben es mit einem Musicaldrama zu tun, und die erbärmlichen Versuche, aus dem Drama am Schluss noch ein Mitklatsch- und Mitsing-Inferno zu machen, sind degoutant. Nicht, dass das Rezept nicht aufgehen würde, Publikum ist verführbar, aber allein die Absicht, das Publikum mit derart billiger Effekthascherei in den Sumpf von Musikantenstadl Co. zu treiben, ist billig.
Soviel vorerst einmal. Ein paar positive Punkte, ein paar negative. Es gibt noch mehr Positives und auch anderes. Wir sollten uns das nächste Mal vielleicht darüber unterhalten, wieso es auf einmal so viele Barfuß-Sequenzen in der Show gibt, wieso zieht sich die tote Elisabeth die Schuhe aus? Was ist los mit “Ich gehör nur mir” – wieso wurde aus dem Highlight eine Durchschnittsnummer, wo bleibt die Spannung beim “Letzten Tanz”. Wieso befindet sich vor dem Raimund Theater eine Geröllhalde? So viele Fragen …
Links
- orf.at: Premiere für Musical »Elisabeth«
- Musical Awakening: Raimund Theater: Elisabeth - Vorpremiere
- Der Neue Merker: NEUE Kritik: WIEN/ Raimundtheater: ELISABETH – Musical von Sylvester Levay. Premiere
- Heute.at: Elisabeths letzter Tanz gehörte nur ihren Fans
news.at: Retro-Romantik
- oe24.at: Promiauflauf bei »Elisabeth« Premiere
- diepresse.at: »Elisabeth«: Eine schöne Leich’ für die Kaiserin
- kurier.at: “Elisabeth”: Ein süßes Apokalyptus-Zuckerl
- Neue Zürcher Zeitung: Rückkehr der Kaiserin nach Wien
- derstandard.at: Eine, die nur uns gehört
- heute.at: Uwe Kröger und Marika Lichter versöhnt!
- relevant.at: Promis im Sisi-Fieber nach “Elisabeth”-Premiere
- krone.at: Lichter und Kröger versöhnten sich bei Musical-Premiere
Renate Wagner schafft es, ihren Artikel gleich in zwei Online-Medien unterzubringen, und einen dritten Jubel-Artikel gibts auch noch von ihr.
- Der Opernfreund: Elisabeth
- Der Neue Merker: WIEN / Raimundtheater: ELISABETH
- Neues Volksblatt: Noch nie war »Elisabeth« so reizvoll besetzt
Hofberichterstattung bietet Silvia E. Loske in ihrem Blog -> hier
Martin Bruny am Dienstag, den
4. September 2012 um 17:22 · gespeichert in Absurditäten
Der Sommer war heiß – vielleicht für manche zu heiß, wenn man sich ansieht, womit die Vereinigten Bühnen Wien ihre “Sisi”-Souvenirecke angefüllt haben. Nehmen wir nur ein Beispiel heraus: die “Elisabeth Glasfeile”. Ernsthaft? Bieten die VBW ernsthaft eine Glasfeile an, bei der Symbolik, die einer Feile im Musical zukommt?
Was wird es bei “Legally Blonde” geben? Gutscheine für ein Essen beim Chinesen des Vetrauens in Peking?
Link
- Die “Elisabeth”-Glasfeile
Martin Bruny am Freitag, den
31. August 2012 um 11:55 · gespeichert in Theater, Pop
Am 4. Oktober 2012 (Beginn: 20 Uhr) spielen die »Zwa Voitrottln« (Johannes Glück, Autor & Komponist des Simpl-Musicals »Krawutzi, Kaputzi – Strengstes Jugendverbot!«) und Dieter Hörmann (Student an der Konservatorium Wien Privatuniversität, Abteilung Musikalisches Unterhaltungstheater) im Wiener Metropoldi auf.
Im Jänner 2011 als Singer/Songwriter-Duo gegründet, landeten die beiden Interpreten mit ihrem Lied »Fuck se Energiesparlampe« einen YouTube-Hit. Im März 2012 veröffentlichten die »Zwa Voitrottln« ihre Debüt-CD »Hörglück«. Die Bandbreite der darauf zu hörenden Songs reicht von Kabarett über Rap, Wiener Lied, Chanson bis zur Musicalparodie.
Links
- Zwa Voitrottln
- Metropoldi
Martin Bruny am Dienstag, den
28. August 2012 um 22:11 · gespeichert in Theater
»Warum denn grad Eisler?« Anlässlich des 50. Todestages von Hanns Eisler zeigt das Theater Nestroyhof/HAMAKOM eine Hommage an den kleinen Mann, der überall aneckte und nicht nur musikalisch Maßstäbe setzte.
Hanns Eisler wurde am 6. Juli 1898 in Leipzig geboren und ging in Wien zur Schule. Nach zwei Jahren als k. u. k.-Soldat im Ersten Weltkrieg wurde er 1919 Schüler bei Arnold Schönberg, dem er 1923 auch seine Sonate für Klavier op. 1 widmete. 1925 ging er nach Berlin, wo er ab 1928 für Arbeiterchöre und Agitproptruppen komponierte und mit Bertolt Brecht zusammenarbeitete (»Die Maßnahme«, »Die Mutter«). Ab 1933 lebte Eisler zunächst in Paris, Svendborg und London, ehe er im amerikanischen Exil ab 1938 seine bedeutendsten kammermusikalischen Werke schuf (u. a. »Vierzehn Arten den Regen zu beschreiben«). In Hollywood komponierte Eisler neben der Musik zu acht Hollywoodfilmen auch sein »Hollywooder Liederbuch« auf Texte von Brecht, Hölderlin und andere. Auf Betreiben der eigenen Schwester musste er sich vor dem Untersuchungsausschuss für unamerikanische Umtriebe verantworten und trotz prominenter Fürsprecher (Chaplin, Bernstein, Copland, Stravinsky) die USA verlassen.
1948 kehrte Eisler nach Europa zurück, zunächst nach Wien und Prag, schließlich nach Ost-Berlin. Obwohl er auf einen Text von Johannes R. Becher die Nationalhymne der DDR in Noten setzte, geriet er mit der DDR-Kulturbürokratie in Konflikt, als er Ende 1952 seinen Operntext »Johann Faustus« veröffentlichte. Bis 1955 arbeitete Eisler überwiegend in Wien für das Neue Theater in der Scala und die Wien-Film am Rosenhügel. In der DDR komponierte er für das Berliner Ensemble und die DEFA. 1959 erlebte er in der Staatsoper Unter den Linden die Uraufführung seiner zum Großteil im Exil komponierten Deutschen Symphonie. Hanns Eisler starb am 6. September 1962 in Ost-Berlin. [Internationale Hanns Eisler Gesellschaft]
Leading Team/Cast
Annette Fischer: Gesang/Produktion
Raphael von Bargen: Schauspiel
Armin Fuchs: Klavier
Kördölör: Chor
Anna Hauer: Regie
Termine
18. und 19. September 2012, Beginn: 20 Uhr
Tickets
Tel.: +43 1 8900 314
Mail: tickets@hamakom.at
Web: www.hamakom.at
Preis: 18/12 Euro
Theater Nestroyhof/HAMAKOM
Nestroyplatz 1, 1020 Wien
Link
- Theater Nestroyhof/HAMAKOM
Martin Bruny am Montag, den
27. August 2012 um 17:15 · gespeichert in Absurditäten
… oder des kummt ma spanisch vua

Stimme aus dem Off: Aber warum? Warum habt Ihr das Raimund Theater nicht von der Schabracke befreit?
Delinquent: Aba was sois?
Stimme aus dem Off: Gedankenlosigkeit?
Delinquent: Warum, warum, immer diese Stänkerei, seit mehr als zehn Jahren. Drauf gschissn. Wir sind …
Stimme aus dem Off: Ach sagen Sie doch nicht sowasss!
Delinquent: Waast wos?
Stimme aus dem Off: Also, warum?
Delinquent: Es steht do, weus do steht.
Stimme aus dem Off: So ein Unsinn!
Delinquent: Is ned wurscht? Eben. Und nach dem Schiff is vua dem Schiff. Es woa so a dolle Show!
Stimme aus dem Off: Sagt wer?
Delinquent: Die Auslastungszahlen, die Kritiker, die Fans, über 200 Mal haben es ein paar gesehen!

Die Stimme der Vernunft: Vorbei der Glanz, schon längst bleibt uns …

UND AUS
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