Martin Bruny am Dienstag, den
12. Juni 2012 um 22:57 · gespeichert in Musical, Wien
»Wenn Rosenblätter fallen« ist der Titel eines Musicals, das noch zwei Mal in Wien zu sehen ist, nämlich am 22. und 24. Juni im Off Theater, und sich mit einem Tabuthema beschäftigt: Sterbehilfe. Was steckt dahinter, wenn das häufigste Argument, das man gegen diese Show hört, in etwa jenes ist: »Also bitte, muss man denn heutzutage alles vermusicaln?«
Muss man nicht, klar, aber was spricht dagegen, ein topaktuelles Thema zum Thema eines Musicals zu machen? Traut man diesem Genre keine ernstzunehmende Beschäftigung mit Themen dieser Art zu? Verwunderlich wäre es freilich nicht. Nicht mal Komödien werden hierzulande ernsthaft umgesetzt, ernsthaft in dem Sinne, dass man sie mit einer gewissen Kunstfertigkeit schreibt, dass man sie mit neuen Kompositionen mit Leben erfüllt und so weiter.
Zurück zum Tabu und zur Aktualität. Zu drei Jahren Haft ist dieser Tage ein 26-Jähriger verurteilt worden, der seine Mutter getötet hat. »Getötet«, wenn man das nach geltendem Recht so bezeichnen will, oder, wie man mir gesagt hat, nach den allgemeinen Regeln. Die Mutter des Sohns lag seit sieben Jahren im Koma. Über dieses Urteil gibt es zahlreiche Artikel:
Vielleicht entwickelt diese Gesellschaft ja in den kommenden Jahrzehnten einen etwas anderen Umgang mit dem Thema Sterbehilfe. Momentan schaffen die Gesetze Opfer. Im oben erwähnten Fall wurde zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt, weil der Richter sich verpflichtet sah, ein Zeichen zu setzen. Er hätte auch die Möglichkeit gehabt, eine Bewährungsstrafe zu verhängen.
Mir persönlich ist jeder Ansatz, der fähig ist, in diesem Bereich ein wenig zu wirken, recht – auch auch wenn er »nur« in einem Musical verpackt ist.
Wer sich vielleicht doch noch »Wenn Rosenblätter fallen« ansehen will: –> hier gibt es Informationen dazu.
Martin Bruny am Samstag, den
9. Juni 2012 um 12:35 · gespeichert in Musical, Wien
Zwei weitere Aufführungstermine des Musicals »Wenn Rosenblätter fallen« wird es am 22. und 24 Juni 2012 im Wiener Off Theater geben. Rory Six hat die Show für einen intimen Rahmen neu adaptiert, ideal besetzt und spielt nun ausverkaufte Vorstellungen.
Das Thema mag nicht jedem geeignet scheinen, als Musical auf die Bühne gebracht zu werden, und das mag ein valides Argument für jene Version gewesen zu sein, die im Theater Akzent im Vorjahr zu sehen war. Aber Musicals werden umgeschrieben, neu konzipiert, manchmal pompöser, flittriger, gekrönt mit einem »Musicalstar« – und manchmal wird der Stoff konzentriert in seiner Wirkung, wird das, was man als »Musical« im negativen Sinn auffassen könnte, einfach fallen gelassen. Gecastet wird dann nach ganz anderen Kriterien, und das ist gut so.
Cast
Till: Thomas Höfner
Rose: Jacqueline Braun
Iris: Ulrike Figgener
Aufführungstermine
22.06.2012, 19:30 Uhr, Off Theater, Wien
24.06.2012, 19:30 Uhr, Off Theater, Wien
Karten
Online: rosenblaetter-musical.webnode.at
Telefonisch: +43 (0) 676 770 61 88
Preis: € 22 (€18 erm.)
Es gibt 99 Plätze pro Vorstellung, freie Platzwahl!
Martin Bruny am Mittwoch, den
6. Juni 2012 um 13:16 · gespeichert in Rezensionen, Bücher, 2012
Jonathan Cotts Buch »Leonard Bernstein – Kein Tag ohne Musik« ist die Idealform, wie ein ausführliches Interview mit einem Künstler publiziert werden kann, und sei es 23 Jahre, nachdem das Interview selbst stattgefunden hat. Am 20. November 1989, elf Monate vor Bernsteins Tod, führte der damals 46-jährige Cott mit dem Künstler ein zwölfstündiges Gespräch. Man hörte gemeinsam Platten, nahm ein Abendessen ein, trank – redete über Gott und die Musik. Eine Kurzversion des Gesprächs (achttausend Wörter) erschien wenige Wochen danach im Magazin »Rolling Stone«, das den Auftrag an Cott erteilt hatte, das Interview zu führen.
Die ungekürzte Version, die nicht nur die Fragen und Antworten enthält, sondern auch die Szenerie beschreibt, in der das Ganze stattgefunden hat, die Gefühlslage von Cott und was Bernstein in jedem Moment des Interviews gemacht hat, erschien vor wenigen Wochen in deutscher Sprache und wird im Januar 2013 unter dem Titel »Dinner with Larry: The Last Long Interview with Leonard Bernstein« als Publikation der Oxford University Press auf den Buchmarkt kommen.
Jonathan Cott wurde 1944 geboren und war viele Jahre als Redakteur für Magazine wie »Rolling Stone« oder »The New Yorker« tätig. Er verfasste Bücher zu Literatur, Musik und Kunst und ist bekannt für seine Interviews, die er unter anderem mit Bob Dylan, Glenn Gould, Henry Miller, Werner Herzog, Elizabeth Taylor oder John Lennon führte.
Gerade in Zeiten, in denen Interviews, nicht zuletzt auch im Musicalbereich, oft jeglicher Sinnhaftigkeit beraubt sind, ist es aufbauend zu lesen, wie es sehr wohl Künstler gibt beziehungsweise in diesem Fall gegeben hat, die nicht fürchten, mit ihren Statements eventuell ihre »Klientel« zu verletzen. Es kommt ja heutzutage nicht selten vor, dass Interviews als reines Marketingtool gesehen werden. Die Marketingabteilung plant maximal 60 Minuten, aus denen im letzten Augenblick 45 werden, man bekommt manchmal nicht mal die Gelegenheit, mit dem oder den zu Interviewenden alleine zu sprechen – erraten, die Marketingabteilung passt auf, ein Fräulein sitzt daneben, spielt mit dem Handy, geht mal kurz raus und kommt mal kurz wieder rein, und bevor das Interview dann in Druck gehen darf, natürlich, liest auch die Marktingabteilung die Ausführungen, es könnte ja … man sollte doch … Bei einem solchen Vorgehen, bei einer solchen Inszenierung, weiß man bald nicht mehr, ob hier tatsächlich ernsthaftes Interesse an einem Interview besteht oder ob nur platte Werbung erwünscht ist.
Jonathan Cott konnte mit Leonard Bernstein ein Vier-Augen-Gespräch führen, ohne die Anwesenheit von kontrollierenden Zuhörern, der Leser des Interviews bekommt keine gefilterte Restmeinung zu lesen, keine Harmlosigkeiten, die manchmal haarscharf an der Lüge vorbeischrammen. Natürlich, und auch das wird in diesem Buch beschrieben, im dritten Teil, dem sogenannten »Postludium«, gab es nach diesem Interview vieles zu klären an Bezügen, verwirrenden Bemerkungen und so weiter, und so fand am 3. Dezember 1989 zwischen Cott und Bernstein ein Telefongespräch statt, in dem dieser Rest an Unklarheiten beseitigt werden konnte. Es wurden aber keine Teile des Gesprächs gelöscht oder gar zensuriert.
Was dieses dritte Kapitel so interessant macht, ist die Art und Weise wie Cott seine sagen wir mentale Lage beschreibt, in der er sich befand, als er Bernstein erneut »belästigen« musste, also die Thematisierung der Rolle des Interviewers. Es ist ihm nicht peinlich, seine Unsicherheiten und Befürchtungen (unbegründete Befürchtungen, wie sich herausstellt) mit seinen Lesern zu teilen. Auch dieses Telefongespräch wird im Wortlaut und kommentiert wiedergegeben.
Bernstein nahm sich die Zeit, das Interview (die Kurzversion) nicht nur schriftlich zu autorisieren, sondern auch mit erklärenden Anmerkungen zu versehen. Und genau das ist der Punkt: Ein Interview macht nur dann wirklich Sinn, wenn es beide Gesprächspartner ernstnehmen, wenn sie davon überzeugt sind, dass der Inhalt des Gesprächs relevant ist.
Das eigentliche Interview findet sich im zweiten Kapitel des Buchs abgedruckt unter dem Titel »Dinner mit Lenny«. Auf rund hundert Seiten schafft es Cott mit seinen Fragen ein faszinierendes Porträt von Leonard Bernstein, seiner musikalischen Welt, seinen jüdischen Wurzeln, seiner Philosophie zu skizzieren. Er lässt dieses Interview lebendig werden durch die Art und Weise, wie er auch alle Begleitumstände der Unterhaltung auf hohem Niveau beschreibt, indem er den Ort, an dem das Interview stattfindet, beschreibt, das Dinner und so weiter.
Im Rahmen des Interviews erleben wir einen Bernstein, der über seine Träume spricht, über den Zauber der Musik, den Klang eines Orchesters, immer wieder auch über die Wiener Philharmoniker – sogar ganz erstaunliche Anekdoten erzählt er über sein Verhältnis zu diesem ganz besonderen Klangkörper –, er erklärt die Möglichkeiten eines Dirigenten, referiert über die Kunst des Dirigierens: »Ich schlage nicht den Takt, und ich erlaube es meinen Studenten nicht, das zu tun. Tatsächlich sage ich ihnen im Unterricht, sie sollen nicht diese diagonale Abwärtsbewegung auf dem dritten Schlag machen, wie es die sogenannten Dirigierlehrer tun – das ist, als würde man ein totes Pferd peitschen.« Bernstein erzählt von seinem Umgang mit Kritik, es gibt sehr spannende Passagen, in denen er über das richtige Casting etwa für die »West Side Story« spricht und darüber, wie er seine Plattenfirma Columbia Records mühsam davon überzeugen musste, eine Aufnahme des Musicals zu produzieren. Letztendlich wurde diese LP zum Renner und für Columbia die Rettung, die sie vor dem Bankrott bewahrt hat.
Bernstein erweist sich als blitzgescheiter, schlagfertiger Gesprächspartner, der eine Vielzahl von Zitaten, ganze Gedichte auswendig in das Gespräch einzubringen vermag: »Es gibt eine innere Geografie des Menschen, die von der Musik eingefangen werden kann, und von nichts anderem«, sagt Bernstein zu Jonathan Cott, »das ist der tatsächliche Zauber der Musik.«
Ein großartiges Buch, das man nicht mehr aus den Hand legen mag, wenn man einmal angefangen hat, darin zu lesen.
Jonathan Cott: Leonard Bernstein – Kein Tag ohne Musik. Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann. München 2012. 158 S.; (Hardcover) ISBN 978-3-570-58037-0. EUR 17,99. [www.edition.elke-heidenreich.de]
Martin Bruny am Mittwoch, den
6. Juni 2012 um 12:46 · gespeichert in Rezensionen, Bücher
Am Anfang könnte eine Enttäuschung stehen. Wer sich etwa erwartet, in diesem Buch mit seinen 472 Seiten um den doch stolzen Preis von 75 Dollar sämtliche Off-Broadway-Musicals seit Beginn der Geschichte penibel aufgearbeitet zu finden oder gar alle diese Shows aufgelistet mit Premierendatum, Anzahl der Vorstellungen und so weiter, der wird – natürlich – enttäuscht. Dafür würde der Platz bei weitem nicht reichen, und die Frage ist, ob eine reine Auflistung aller Produktionen auch Sinn machte. Ein solches Unterfangen, das am ehesten Statistik-Fans gefallen würde, ist auch gar nicht das Anliegen des Autors Thomas S. Hischak. Denn Hischak ist kein reiner Datensammler, er hat etwas zu sagen, er urteilt, fasst Urteile zusammen, analysiert und erzählt, und das mit spürbarem Enthusiasmus. Der Preis, man mag ihn für überzogen halten – doch ist die Anzahl derer, die sich für Sachbücher über den Off-Broadway erwärmen können, offenbar ja so gering, dass es praktisch kaum Werke zu diesem Thema gibt. Insofern ist eben dieser recht hohe Preis wiederum auf eine gewisse Weise gerechtfertigt, denn allzu hohe Auflagen wird man mit derlei Büchern nicht fahren können, und es bleibt letztlich die Frage, ob sich ein Kauf lohnt.
Thomas S. Hischak ist Professor für Darstellende Künste an der Cortland State University, Autor von 16 Sachbüchern mit den Schwerpunkten Theater, Film und populäre Musik sowie Verfasser von 20 Theaterstücken. Seine bekanntesten Sachbücher: »The Oxford Companion to the American Musical: Theatre, Film, and Television« (2008), »Theatre as Human Action: An Introduction to Theatre Arts« (2005) und »Through the Screen Door: What Happened to the Broadway Musical When it Went to Hollywood« (2004).
Hischak analysiert in seinem Buch die Entwicklung des Off-Broadways anhand von 375 ausgewählten Musicals (im weitesten Sinne), beginnend bei »Greenwich Village Follies«, einer Revue aus dem Jahre 1919, endend bei »The Toxic Avenger« aus dem Jahre 2009. Für jede dieser Shows liefert er die Basisdaten wie Uraufführungsdatum, Anzahl der gespielten Vorstellungen (auch am Broadway, so ein Transfer stattgefunden hat), Angaben zum Leading Team, zu den Darstellern, zum Theater, in dem gespielt wurde – und zu jeder dieser Shows bietet er einen Artikel, der sich eingehend mit der Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte der Produktion auseinandersetzt. Er liefert grobe Inhaltsangaben und bespricht die wichtigsten Songs. Hischaks Angaben sind vor allem bei jenen Shows wertvoll, über die man heute nur sehr schwer an Informationsmaterial kommt. In das Buch aufgenommen wurden ganz und gar nicht nur die Hits des Off-Broadways. Auch den Flops, die nur wenige Vorstellungen erlebten, wie etwa »Valmouth« von Sandy Wilson, wird viel Aufmerksamkeit geschenkt. Mit Sicherheit hat Hischak ein Faible fürs Kuriose, so nimmt er sich Zeit, genüsslich den Inhalt dieses England-Imports zu schildern, der für 40.000 Dollar 1960 im York Playhouse auf die Bühne gebracht wurde und genau 14 Vorstellungen durchhielt. Eine Show, dessen Rezeptionsgeschichte Hischak nach längeren, äußerst amüsanten Ausführungen so zusammenfasst: »The press was more confused than outraged. Several did praise the score, and the cast was roundly applauded, but just explaining the show in the reviews was enough to frighten audiences away.« Verweise auf den Score, auf die Songs, auf die Londoner Cast-CD, die immerhin mit einem Weltstar, Cleo Laine, aufwarten konnte – Hischaks Liebe für das Musicalgenre und sein Geschick, Fakten auf spannende Art und Weise zu vermitteln, machen dieses Buch lesenswert.
Eine These Hischaks, die sich quer durch einige seiner Bücher zieht und in dem hier besprochenen auch mit Zahlen und Fakten belegt wird: Es ist zwar möglich, das »typische Off-Broadway-Musical« zu charakterisieren, doch werden heutzutage immer weniger »echte« Off-Broadway-Musicals produziert. Was ein »Off-Broadway-Musical« ist, versucht der Autor so festzumachen: »Broadway musicals are bigger than life and offer outsized emotions expressed in large theatres; Off-Broadway musicals are smaller in scale and explore emotions that are more life-size as they are enacted in more intimate venues. When Broadway offers musical comedy, the songs, the dancing, the laughs, even the tears are big enough to fill a large and elaborate theatre. Off Broadway cannot afford such a scale and instead offers simpler productions and a more direct kind of music, dance, and comedy. (…) Broadway is about fame, glory, and success. Off Broadway is about smart, sharp, little shows that make a personal impact. Many actors, writers, and directors first find critical acclaim Off Broadway, but only Broadway can make stars and super showmen.«
Wurden früher Musicals explizit für den Off-Broadway produziert, so ist der Off-Broadway heute immer mehr eine Vorstufe, um es von da zum Broadway zu schaffen. So nennt Hischak auch das Kapitel, das sich mit den Musicals des Off-Broadway von 2000 bis 2009 beschäftigt »Fodder for Broadway«. Zwölf Produktionen haben in dieser Zeit den Wechsel vom Off- zum Broadway gewagt, mehr als in jeder Dekade davor. Doch ein Erfolgsrezept ist diese Strategie nur bedingt, denn fünf dieser Shows sind gefloppt, teils trotz großartiger Kritiken. Beispiele: »Caroline, or Change«: 106 Vorstellungen Off-Broadway, 136 Vorstellungen am Broadway. Hischak: »Had the show remained Off-Broadway, it is likely it would have run and run because it was the kind of musical that flourished on word of mouth, not critical acclaim.« Gefloppt auch: »Grey Gardens« (Off-Broadway: 63 Vorstellungen, Broadway: 307 Vorstellungen), »Passsing Strange (56 Vorstellungen Off-, 165 Vorstellungen Broadway) – »a Broadway show that wasn’t Broadway in spirit, attitude, score, or satisfaction«. Hischaks These, warum es manche Off-Broadway-Shows dann doch schaffen, auch am Broadway Erfolg zu haben, ist im Prinzip simpel, aber nachvollziehbar. Musterbeispiel: »Rent« ging zwar vom Off- zum Broadway, doch »without losing any of its intimacy and power«. Man war zwar als Zuschauer am Broadway, hatte aber »Look and Feel« einer Off-Broadway-Show. Dasselbe trifft auf diverse andere erfolgreiche Transfers zu, wie beispielsweise »Spring Awakening« oder »Avenue Q«.
Zurückkommend auf die Eingangsfrage: Lohnt sich der Kauf? Ja!
Thomas Hischak: Off-Broadway Musicals Since 1919. From »Greenwich Village Follies« to »The Toxic Avenger«. Scarecrow Press, Inc., Plymouth 2011. 472 S.; (Hardcover) ISBN 978-0-8108-7771-9 / ISBN 978-0-8108-7772-6 (E-Book). $ 75,00.
Martin Bruny am Mittwoch, den
6. Juni 2012 um 11:40 · gespeichert in Theater
In Kooperation mit dem Theater im Centrum Kassel präsentiert die Agentur Harald Tauber unter dem Motto »Schwache Männer, starke Frauen« 2012 erstmalig die Kleinkunsttage im TiC. An vier Abenden im Juni werden sämtliche Geschlechterklischees von sechs Künstlern eindrucksvoll und mit viel Humor widerlegt.
Musicaldarstellerin Linda Konrad, bekannt als Magda in »Tanz der Vampire« und Erzherzogin Sophie in »Elisabeth«, bringt die selten gespielten »Lieder einer Klofrau« zurück auf die Bühne. Am Klavier begleitet wird sie von Martin Bechler, der das Stück für sie und um sie herum geschrieben hat.
An weiteren Tagen sind die bekannten Comedians Guido Fischer und Björn Jung mit ihren Soloprogrammen »Neurotisch aber glücklich« und »War das jetzt schon Sex?« sowie Franziska Ball, begleitet von Klaviervirtuose Marty Jabara, mit »Menschenskinder!« zu sehen.
Karten gibt es ab sofort um 17 Euro unter der Telefonnummer 0561 7018722 oder direkt an der Kasse des TiC in Kassel. Nähere Informationen zu den Künstlern und ihren Programmen findet man unter www.agenturharaldtauber.com
»Schwache Männer, starke Frauen« – Kleinkunsttage im TiC
Samstag 23.06.2012: »Neurotisch aber glücklich« (mit Guido Fischer)
Sonntag 24.06.2012: »Die Lieder einer Klofrau« (mit Linda Konrad u. Martin Bechler)
Freitag 29.06.2012: »Menschenskinder!« (mit Franziska Ball u. Marty Jabara)
Samstag 30.06.2012: »War das jetzt schon Sex?« (mit Björn Jung)
Beginn: 19:30 Uhr
TiC – Theater im Centrum
Akazienweg 24
34117 Kassel
Martin Bruny am Mittwoch, den
6. Juni 2012 um 01:04 · gespeichert in Rezensionen, Theater, 2012
Sich die Musical-Horizonte eigenständig sozusagen von ganz unten zu erschließen, von eigenen Produktionen auf kleinen Bühnen zu lernen, selbst rauszubekommen, wie man das Geld für eine Musicalproduktion aufstellt, Sponsoren (welche auch immer) findet, mit Verlagen verhandelt, eine Produktion erarbeitet – das ist nicht unbedingt der Regelfall im Leben eines Musicalstudenten. Und so kann man die Produktion von Jason Robert Browns »Die letzten 5 Jahre«, so, wie sie am 3., 4. und 5. Juni im Wiener Schubert Theater zu sehen war, als etwas ganz Besonderes, und sogar ohne Übertreibung Beispielgebendes sehen. Zumindest sollte sie ein Beispiel sein, nicht nur, was die Ambition an sich betrifft, sondern ebenso, wie man mit einem mittlerweile zum Musicalklassiker avancierten Stück auch mit bescheidenen finanziellen Mitteln, aber einem Wahnsinns-Engagement großartige Theatermomente erzeugen kann.
Unter der Regie von Matthias Weißschuh spielten Jil Clesse und Michael Souschek das Liebespaar Cathy Hiatt und Jamie Wellerstein, das sich nach einer fünfjährigen Beziehung getrennt hat. Jamie erzählt seine Version dieser Beziehung von der ersten Verabredung bis zur Trennung, Cathy schildert sie vom Abschied bis zur ersten Verliebtheit. Matthias Weißschuh, Jil Clesse und Michael Souschek studieren derzeit an der Konservatorium Wien Privatuniversität im 2. Studienjahr, Abteilung Musikalisches Unterhaltungstheater.
Jason Robert Brown hat sein Musical für Klavier, Bass, Violine und zwei Celli orchestriert, und genau so wurde es auch im Schubert Theater umgesetzt: Ronald Sedlaczek am Klavier, Sebastian Küberl am Bass, Markus Stinauer an der Gitarre, Hannah Berger an der Violine, Maria Medina Vallà¨s und Ana Flores an den Celli. Man sollte es ja kaum glauben, dass sich eine kleine Produktion dieses Top-Team leisten kann, aber üppigst budgetierte Märchen- und andere -Phantasien ihre Hallen und Open-Air-Phantasmorgien mit Musik vom Band beschallen lassen. Der Unterschied war klar zu hören: Im Schubert Theater konnte man einen in jeder Sekunde spannenden Musicalabend erleben, woanders gibt‘s maximal gebürstetes Entertainment. Ein live aufspielendes Kammerorchester ist natürlich nicht so perfekt wie ein Band, aber so ist auch das Leben, außer im Entertainment.
Jil Clesse und Michael Souschek legten ihre Rollen großteils ohne die bei dieser Show oft gesehenen Extravaganzen und Gefühlsexplosionen an – entweder als bewusste Entscheidung für mehr Natürlichkeit in der Interpretation; oder eben, weil das noch nicht drin ist, was auch nichts machen würde. So verzichtete etwa Souschek großteils beim Song »Das Lied von Schmuel« auf den oft gehörten betont jiddischen Tonfall, gestaltete aber die Parts der »Uhr« in diesem Song sehr unterhaltend. Oft bleibt am Ende der »Letzten 5 Jahre« die Frage, wer denn nun verantwortlich ist für das Scheitern der Beziehung. Es liegt in den meisten Fällen an der Regie, ob man nun als Zuschauer mehr Sympathie für Cathy oder Jamie hegt. Bei dieser Version der Show würde ich mal von einem leichten Sympathiebonus für Cathy ausgehen. Die in der Rolle der Cathy angelegten besonders unguten, aber großartig gespielten Momente kommen bei Jil Clesse doch nicht so wahnsinnig zum Tragen wie jene von Michael Souschek, der etwa bei »Keiner muss das erfahren«, dem für mich stärksten Song des Musicals, gar nicht so stark die im Lied steckende musikalische Kraft herausholt, aber auf eine ganz eigene, zärtliche Art schauspielerisch die Szene zur entscheidenden macht.
Vielleicht, vermutlich, kann man das auch ganz anders sehen. Das ist nicht nur ein Feature dieses Musicals an sich, das ist auch ein Plus der Inszenierung und der Schauspieler. Ein fantastischer Musicalabend.
Martin Bruny am Dienstag, den
5. Juni 2012 um 00:00 · gespeichert in Theater
Seit Mai 2011 ist der neue Kulturhof:keller das Herzstück der jungen Villacher Kulturszene – ein autonomes Kulturzentrum mitten in der Villacher Altstadt, betrieben vom gemeinnützigen Verein kult:villach. Das Kulturzentrum bietet Vereinen und Kulturschaffenden aller Sparten eine Bühne für ein breitgefächertes Programm von Literatur, Theater, Tanz über Musik bis hin zu Ausstellungen, Performances und vieles mehr.
Unter der Leitung des Chefdramaturgen der neuebuehnevillach Martin Dueller und Simone Dueller ist der Kulturhof:keller der ideale Ort für kulturelle Veranstaltungen aller Art mit zwei großen Räumen, einem atmosphärischen Innenhof, guter Infrastruktur und zentraler Lage in der Altstadt Villachs. Aufgrund der Ausweichmöglichkeit bei Schlechtwetter in den Theaterkeller ist eine reibungslose und garantierte Aufführung aller geplanten Vorstellungen gesichert.
Unter dem Titel »Kulturhof:sommer« stehen 2012 zwei Stücke auf dem Spielplan des Kulturhof:kellers: »GRETCHEN 99FF«, eine Komödie von Lutz Hübner, und »Waisen«, ein Thriller von Denis Kelly.
GRETCHEN 99FF
Wer es schon einmal mit Theaterleuten zu tun hatte, weiß, dass es bei denen nicht mit rechten Dingen zugeht: Die Regisseure haben alle einen Schaden und die Schauspieler eine ausgewachsene Profilneurose. Oder umgekehrt?!?
In diesem Stück dreht sich alles um den ganz normalen Wahnsinn auf einer Probe zu Goethes »Faust«, genauer gesagt der berühmten Passage, in der Gretchen ein geheimnisvolles Schmuckkästchen findet. Beim verbotenen Blick hinter den Vorhang begegnen dem Zuschauer bemühte Anfänger, talentlose Sexbomben, intrigante Diven und zehn durch und durch verkorkste Regisseure. Für jede der skurrilen Episoden zeichnet ein eigener Regisseur verantwortlich.
Darsteller
Die Schauspielerinnen: Sabine Kranzelbinder
Die Regisseure: Markus Schöttl
Leading Team
Regie: Marcus Thill, Alexander Kuchinka, Renate Aichinger, Thomas Smolej, Yvonne Zahn, Daniel Ruben Rüb, Sascha O. Bauer, Markus Schöttl
Bühne: Eric Lomas
Maske: Sabine Klarmann
Technik: Martin Prohinigg
Inspizienz: Sophia Hembeck
Premiere: 29. Juni 2012
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WAISEN
Der mehrfach ausgezeichnete Bühnenthriller des britischen Autors Dennis Kelly ist eine pointierte Polit- und Gesellschaftsdiagnose mit Gänsehautqualität. Ein harmloses Abendessen wird zu einem selbstzerstörerischen Psychotrip durch die tiefsten menschlichen Abgründe.
Darsteller
Danny: Daniel Ruben Rüb
Helen: Sabine Kranzelbinder
Liam: Johannes Rhomberg
Shane: Malina Dueller
Leading Team
Regie: Markus Schöttl
Bühne: Eric Lomas/ Lukas Lederer
Maske: Sabine Klarmann
Technik: Martin Prohinigg
Inspizienz: Sophia Hembeck
Premiere: 11. Juli 2012
Martin Bruny am Sonntag, den
3. Juni 2012 um 12:18 · gespeichert in Theater
Am 18. Juni 2012 lädt das Stadttheater Baden bei freiem Eintritt zur Präsentation seines Programms für die Saison 2012/13. Ulrike Steinsky, Sebastian Reinthaller, Dagmar Bernhard und Andreas Wanasek werden Kostproben aus den Operetten-Premieren und der Musical-Produktion geben.
Was alles in der kommenden Spielzeit geboten wird, kann man
-> hier und -> hier nachlesen.
Eine Anmeldung ist erforderlich: telefonisch unter +43 2252 22522 oder online: www.buehnebaden.at. Die Veranstaltung beginnt um 19:00 Uhr.
Martin Bruny am Dienstag, den
29. Mai 2012 um 22:46 · gespeichert in Absurditäten
Im Januar 2012 wurde der Wiener Kulturstadtrat Mailath-Pokorny, konfrontiert mit Gerüchten, die VBW könnten die Wiener Kammeroper übernehmen, in der Presse wie folgt zitiert:
»Das ist aber keine Übernahme durch das Theater an der Wien, weil ja auch die freie Szene verankert ist.« [LINK]
Im Mai 2012 lesen wir auf der Website der VBW:
Mit Beginn der kommenden Spielzeit 2012/13 übernimmt das Theater an der Wien die Bespielung der Wiener Kammeroper am Fleischmarkt. Ab September stellen Intendant Roland Geyer und sein Team für die Wiederbelebung dieses traditionsreichen Spielort das Junge Ensemble des Theater an der Wien vor, das sich aus hochbegabten NachwuchssängerInnen aus aller Welt zusammensetzt. [LINK]