Home RSS Go RED Go BLACK

»Tot, aber glücklich« – Wiener Kammerspiele bringen »Lucky Stiff«

Das Wiener Theater in der Josefstadt veröffentlichte am 29. Mai 2012 sein Programm für die Saison 2012/13 (erstmals ohne Pressekonferenz, sondern via Mail und Youtube-Video siehe –> hier). Der Musicalsektor (in den Wiener Kammerspielen) wird mit einem Werk von Stephen Flaherty (Musik) & Lynn Ahrens (Buch und Liedtexte) bedient. »Tot, aber glücklich« lautet der deutsche Titel der Show »Lucky Stiff«, die 1988 ihre Uraufführung im Playwrights Horizons in New York feierte und 1998 in der Alten Feuerwache in Saarbrücken als deutschsprachige Erstaufführung produziert wurde. 2003 war »Lucky Stiff« im Wiener Akzent zu sehen (LINK).

Der 25. April 1988 war ein besonderer Tag. Nicht nur wegen der Premiere der herrlich komischen Musical-Farce »Lucky Stiff« (die es bei dieser Uraufführungsserie allerdings nur auf genau 15 Vorstellungen brachte), sondern weil sich mit dieser Off-Broadway-Premiere Ahrens & Flaherty erstmals einem breiten Publikum als Musical-Autoren-Duo präsentierten. Die Uraufführung wurde 1988 von der Presse wenig beachtet, die Schauspieler, die meisten davon wenig bekannt (Stephen Tout, Mary Testa, Julie White, Stuart Zagnit, Paul Kandel, Ron Farber), wurden jedoch in den wenigen Kritiken hoch gelobt, ebenso wie Regisseur Thommie Walsh.
Vermutlich hätte man von der Show nie wieder etwas gehört, wäre nicht 1994 für Varà¨se Sarabande eine Cast-CD eingespielt worden, mit einer hervorragenden Cast (zum Teil sind auch Darsteller der Uraufführungsproduktion zu hören): Mary Testa, Evan Pappas, Judy Blazer und Debbie Shapiro Gravitte. Zwar fand die Aufnahme ohne Mitwirkung des Regisseurs der Uraufführung statt, aber sie sorgte dafür, dass man auf die Songs leicht zugreifen konnte.
2003 kam die Show Off-Off-Broadway heraus, und auch von dieser Produktion der York Theatre Company erschien (bei JAY) eine Cast-CD. Kritiker empfanden sie viel eher als »echte« Cast-CD. Sie wurde mit der tatsächlichen Off-Off-Broadway-Besetzung produziert und man hört den Darstellern an, dass sie ihre Rollen auch tatsächlich gespielt haben. Mit dabei: Mary Testa, Janet Metz und Malcolm Gets. Ein wesentlicher Unterschied: Auf dieser Cast-CD wurden die Sänger vom musikalischen Direktor der Produktion, David Loud, ausschließlich am Klavier begleitet, während die erste Cast-CD auf ein Orchester-Arrangement setzte, das den aberwitzigen Aspekt etwas überstrapaziert. Die JAY-CD enthält außerdem das bis dahin nicht auf CD erschienene Finale des 1. Akts »A Woman in My Bathroom« und den Bonustrack »Shoes«, ein Lied, das aus der Show gestrichen wurde. Mit dieser Cast-CD wurden die Abermilliarden Schulen, Sommertheater etc. Amerikas auf die Show aufmerksam, und im Laufe der neunziger Jahre erarbeiteten sich Ahrens & Flaherty mit Musicals wie »Once on This Island« (1990), »My Favourite Year« (1993) und »Ragtime« (1998) ihre Reputation. So wurde aus dem Flop »Lucky Stiff« eine Show, die nach wie vor gern gespielt wird.

Inhalt

Der Tod kann einem das Leben ganz schön vermiesen – nicht nur der eigene, sondern auch das Ableben anderer. Vor allem, wenn man dann noch eine Erbschaft antreten muss, die es in sich hat …
Nicht anders geht es Harry Whitherspoon, einem biederen englischen Schuhverkäufer. Sein Onkel stirbt und hinterlässt 6.000.000 Dollar. Bevor Harry allerdings das Erbe antreten darf, muss er eine kleine Reise machen. Das Anliegen des Oheims ist es nämlich, noch einmal nach Monte Carlo zu kommen – und sei es als Leiche im Rollstuhl. So hat er das Erbe testamentarisch an die Bedingung geknüpft, dass Harry mit der einbalsamierten Leiche im Rollstuhl in Urlaub fährt und die Promenaden an der Cà´te d’Azur entlang schiebt. Harry bleibt keine Wahl.
Doch noch andere Personen reisen an die französische Riviera. Da ist Annabel Glick, die leicht verklemmte Abgesandte des Hundeasyls von Brooklyn. Sie beobachtet Harry Tag und Nacht, denn wenn er sich einen Fehler leistet und die Auflagen des Testaments nicht erfüllt, fällt das gesamte Erbe an die Hunde. Wenn Harry irgend etwas hasst, dann sind es Hunde! Weiterhin begeben sich auf die Jagd nach dem Zaster: des Onkels einstige Geliebte, die trotz ihrer Kurzsichtigkeit gerne mit ihrem Ladycolt herumhantiert, sowie Herren und Damen aus der Halbwelt, denn der Onkel scheint Beziehungen zur Mafia gepflegt zu haben … [Felix Bloch Erben]

Stephen Flahertys Score für die Show wurde folgendermaßen beschrieben:

»Lucky Stiff« is filled with Broadway brass, pseudo-French numbers, light operetta, and contemporary music that avoids rock and pop. His music can be as oddball as the situation, as with the opening »Something Funny’s Going On« and the chaotic »Him, Them, It, Her«. The recurring »Good to be alive« is a vigorous theme song that changes meaning with Ahrens’s sly lyrics. The musical monologues »Mr. Witherspoon’s Friday Night«, »Rita’s Confession« and »The Phone Call« are hilarious pieces of mock recitative, while the conversational »Fancy Meeting You Here« and the nightmare sequence »Welcome back, Mr. Witherspoon« are musical storytelling at its best. Just as resplendent are the score’s two quietest moments: Annabel’s wry lament »Times Like This«, in which she longs for the comfort of an animal over human company, and the funny-sad duet »Nice«, in which Harry and Annabel admit they will miss their rivalry. In the left-shoe number »Lucky«, Harry dances with his dead uncle, turning the wheelchair into a willing dancing partner. This is sublime silliness as only »Lucky Stiff« could imagine it. [»Off-Broadway Musicals Since 1919: From Greenwich Village Follies to The …« von Thomas S. Hischak]

Die Version der Wiener Kammerspiele wird von Werner Sobotka (Regie), Ramesh Nair (Choreographie) und Christian Frank (Musikalische Leitung) erarbeitet.

Leading Team
Buch und Gesangstexte: Lynn Ahrens
nach dem Roman »The Man Who Broke The Bank At Monte Carlo« von Michael Butterworth
Musik: Stephen Flaherty
Deutsch Fassung: Wolfgang Adenberg (Gesangstexte) und Holger Hauer (Dialoge)
Regie: Werner Sobotka
Bühnenbild: Sam Madwar
Kostüme: Elisabeth Gressel
Musikalische Leitung: Christian Frank
Choreografie: Ramesh Nair

Cast
Harry Witherspoon: Peter Lesiak
Annabel Glick: Lisa Habermann
Rita La Porta: Ann Mandrella
Vincent Di Ruzzio: Boris Pfeifer
Luigi Gaudi: Frankl Roman

Damenensemble
Katharina Dorian u. a.

Herrenensemble
Christian Petru u. a.

Link
- Kammerspiele

Totalversager der Wiener Kulturpolitik: »International Theatre« muss schließen

Wie die »Wiener Zeitung« meldet, muss Wiens »International Theatre« 32 Jahren nach seiner Gründung schließen. 1980 von Marilyn Wallace und ihrem Mann in der Porzellangasse, Ecke Müllnergasse, im Alsergrund eröffnet, hat die kleine Bühne jahrzehntelang einen wichtigen Beitrag geleistet, englische Theaterkultur, wie Wien sie an sich gar nicht kennt, auch und vor allem Schülern zu vermitteln.

In den letzten Jahren wurde die kleine Bühne immer wieder von Seiten der Behörden drangsaliert, man erinnere sich etwa daran, dass man dem Theaterunternehmen vorgeworfen hat, mehr Sitzplätze kurzfristig zur Verfügung zu stellen, als behördlich erlaubt war. Ich nenne das eher Kundenservice, denn jedes Jahr zu Weihnachten war die Produktion »A Christmas Carol« ein Highlight der Wiener Theaterszene.

War das Theater nicht mehr zu retten? Natürlich wäre es zu retten gewesen, aber es war nicht der Wille da, es zu tun. Subventionen wurden gekürzt, statt erhöht. Ein Totalversager einer pervertierten Subventionskultur, in der die Moloche gefüttert werden und die kleine Szene vernichtet wird.

Ausschnitt aus einer APA-Meldung 2007:

Die Grünen Wien und die ÖVP Wien zeigen sich erfreut, dass der Druck auf Stadtrat Mailath-Pokorny, den die Opposition seit dem verheerenden Kontrollamtsbericht zum International Theatre ausgeübt hat, offenbar wirkt. Laut Ankündigung des Stadtrates in der heutigen Sondersitzung des Kontrollausschusses werden konkrete Empfehlungen des Kontrollamtes nun doch umgesetzt: Etwa Verhandlungen über eine neue Geschäftsführung oder eine monatliche Berichtspflicht des Theaters. “Dieser Fall zeigt wieder: Die Empfehlungen des Kontrollamtes müssen rasch und direkt umgesetzt werden, es kann nicht sein, dass die SPÖ erst auf Druck der Opposition reagiert”, so die Vorsitzende des Kontrollausschusses, Waltraut Antonov.

Link
- International Theatre Vienna: Das Ende des Internationalen
- International Theatre

Martin Berger & Artur Ortens über das Comedy-Musical » Der Urknall« …

… oder warum man als Schauspieler so gerne diese Show spielt (die nächste Vorstellung findet bereits am Mittwoch, dem 23. Mai, auf der Probebühne des Ronacher statt, nähere Infos zu dieser Produktion gibt es –> hier):

Martin Berger

Es ist eine sehr große Herausforderung, eine Rolle zu spielen, die Martin Berger heißt. Der reine Wahnsinn: Man spielt sich selbst! Gleichzeitig verkörpert man in diesem Stück aber auch unglaublich viele andere Personen aus der Menschheitsgeschichte, was es sehr vielschichtig macht. Eine Herausforderung, die sehr viel Spaß bringt, wenn man sich darauf einlässt.
Und dann mit so einem tollen Kollegen auf der Bühne zu stehen, der die Bälle annimmt und zurückgibt, wenn man sie ihm zuwirft, das ist in diesem energiegeladenen Stück sehr von Vorteil.

Artur Ortens

urknall_6_maria-gandhi_1.jpgFür mich stellt den Reiz dieses Stückes »der Wahnsinn« dar, anders kann man es nicht bezeichnen. Zwei Personen stolpern in einem Affentempo in verschiedensten Rollen durch ein 90-Minuten-Stück, wobei der Umgang mit Requisiten und das Zusammensuchen der Kostüme immer wieder improvisiert wirken muss. Persönlich empfinde ich den Urknall auch musikalisch sehr interessant, ein geniales Zusammenspiel von Musik, Gesang, Choreographie und Schauspiel, in dem die Komik an erster Stelle steht.
Die Rolle des »Arturs« ist mir nicht nur durch den Namen auf den Leib geschrieben, sondern gibt mir als Schauspieler die Möglichkeit, alle Facetten zu zeigen, wozu man sonst selten die Gelegenheit erhält. Hier spielen wir nicht nur verschiedene Rollen, wir schlüpfen in unsere Ausgangsrolle und in dieser in die verschiedensten weiteren Charaktere.
Spannend gestaltete sich der Probenprozess dieser Produktion, da wir die verschiedenen Charaktere und die Requisitenschlacht durch Improvisation entwickeln konnten. Hierbei war ich glücklich, in meinem Partner Martin Berger einen kompatiblen Wahnsinnigen gefunden zu haben und zu meiner großen Freude wieder mit Reinfried Schieszler, unserem Regisseur, arbeiten zu dürfen.

Von der Premiere des »Urknalls« gibt es auf YouTube bereits einige Videos. Wer eine Übersicht haben will, wählt ganz einfach den Link zum YouTube-Kanal von Reinfried Schieszler, dem Regisseur des Stücks –> hier.

Die nächste Vorstellung des »Urknalls« ist bereits am Mittwoch. Noch gibt es Karten.

RONACHER/ Probebühne
Seilerstätte 9, 1010 Wien
www.musicalvienna.at
01/ 514 11 111

weitere Vorstellungen: 23., 30. Mai und 6. Juni

Tickets
- Wien-Ticket

Sitting ovations – der wahre Jubel, wenn Rosenblätter fallen

Ben Brantley, Journalist bei der New York Times, hat vor einigen Tagen unter dem Titel »Against Ovation Inflation« (siehe –> hier) ein Plädoyer für die »sitting ovation« geschrieben, mit dem wunderbaren Intro:

Something rare and wonderful happened at the opening night of the Encores! concert production of »Gentlemen Prefer Blondes« at City Center last week. At the end of the show, when the performers took their bows, the audience remained seated.

Warum hat er das bloß getan? Er kann es begründen:

Because we really have reached the point where a standing ovation doesn’t mean a thing. Pretty much every show you attend on Broadway these days ends with people jumping to their feet and beating their flippers together like captive sea lions whose zookeeper has arrived with a bucket of fish. This is true even for doomed stinkers that find the casts taking their curtain calls with the pale, hopeless mien of patients who have just received a terminal diagnosis.
The s.o. (if I may so refer to a phenomenon that no longer warrants the respect of its full name) has become a reflexive social gesture, like shaking hands with the host at the end of a party.
Or, to put in cruder and more extreme terms, it’s like having sex with someone on the first date, whether you like the person or not, because you think it’s expected of you.

Nicht, dass in Wien jede Vorstellung mit einer Standing Ovation abgefeiert würde, wir haben ja die Kampfkreischer und Kampfpfeifer, die mit Gewalt jedem zeigen müssen, wie begeistert sie sein können. Aber es ist manchmal eine wahre Wohltat, eine Show zu erleben, die von keinem einzigen Zwischenapplaus gestört wird, einfach, weil das Publikum erkennt, dass es unpassend wäre, und bei der es am Ende begeisterten und lang anhaltenden Beifall gibt, aber eben kein reflexhaftes Aufspringen der ganzen Bude. So geschehen heute bei der Premiere der neuen Fassung von »Wenn Rosenblätter fallen« im Wiener Off Theater. Übrigens wird das mal eine Vorstellungsserie sein, die jeder gern gesehen hätte, aber jetzt, da sie tatsächlich zu sehen ist, gibt es nach wie vor Tickets.

Update
- The New York Times: Readers Offer Theories on Sitting vs. Standing

Drew Sarich: »Ugly Nina« – live in Wien

Drew Sarichs neuestes Projekt, der Songzyklus »Ugly Nina«, feiert am 20. Juni 2012 im Wiener Ost Klub Premiere.

Handlung

Nina is a sixteen year-old victim, kept prisoner by an abusive father. Her only options for escape are a photograph of her late mother, and the pages of her beloved comicbooks. Even in the dark, solitude of her bedroom, the books have plans for Nina.

Gemeinsam mit dem Insomnia Quartet (Sarah Grubinger, Michaela Girardi, Georg Wimmer, Matthias Bartholomey), einem klassischen Streichquartett, erzählt Sarich die Geschichte der sechzehnjährigen Nina. Die Songs, geschrieben von Drew Sarich, wurden von Klemens Bittann für Streicher arrangiert.

Tickets (zu 20 Euro) für die Show gibt es im Ost Klub. Vorverkauf in Wien gibt es bei Jugendinfo wienXtra!
Einlass: 19:30 Uhr, Beginn: 20:30 Uhr.

Link
- Ost Klub

Schau’n Sie sich das an: »Der Urknall« – das beste Comedy-Musical derzeit in Wien

Foto: Reinfried SchieszlerAm 23. und 30. Mai sowie am 6. Juni 2012 hat man noch die Chance, ein Musical auf der Probebühne des Wiener Ronacher zu sehen, das man sich als am Musicalgenre ernsthaft Interessierter eigentlich nicht entgehen lassen sollte. »Der Urknall« lautet der Titel der Show – ein Comedy-Musical der feinsten Sorte, das Reinfried Schieszler (u. a. Regisseur bei den Uraufführungen von »BONIFATIUS – das Musical« und »ELISABETH – die Legende einer Heiligen«) im Rahmen einer Koproduktion mit den VBW auf die Bühne gebracht hat.

Inhalt

Ein Komponist und ein Autor nutzen das Apartment ihrer Wiener Freunde, um zusammen mit ihrem Pianisten Sponsoren für ihr ultimatives VBW–Musical zu gewinnen. Ihre Show mit den höchsten Produktionskosten aller Zeiten soll in zwölf Stunden die ganze Weltgeschichte präsentieren. Vom Urknall bis bis Woodstock. Sie haben potentielle Geldgeber in das Apartment geladen und geben Ihnen in 90 Minuten eine Probevorstellung ihrer Gesangs,- und Tanzrevue über die Geschichte der Zivilisation…
»DER URKNALL« (»THE BIG BANG«) feierte 2002 am Fairbanks Theater in New York Premiere, nachdem das Stück schon 1997 unter dem Titel »FREE FOOD & FRONTAL NUDITY« in Durham/North Carolina getestet wurde. Der Komponist Jed Feuer und der Autor Boyd Graham spielten selbst. Für die Aufführungsserie auf der RONACHER/ Probebühne erstellte der Regisseur Reinfried Schieszler eine »Wiener Fassung«.

Schon wenn man von der Himmelpfortgasse mit dem Aufzug fast ganz oben, einen Halbstock unter der Kantine, angelangt ist und durch die Pforte in den Aufführungsraum kommt, in dem sich alles abspielt, ist es, als ob man in eine andere Dimension gelangen würde. Wir alle kennen die Entertainment-Variante der Begrüßung, wie sie heutzutage im Big-Sister-Act-Ronacher und im Matrosen-Raimund-Theater üblich ist. Man sieht fesche kostümierte Billeteure und Billeteusen, wird von einer Oberbilleteuse eventuell zusammengestaucht, weil man nicht gleich folgsam an der Garderobe alles abgegeben hat, was immer man, je nach Billeteur (das ist schon bis zur Aufforderung, das Sakko abzugeben, gegangen), abgeben muss, man kommt an Gummientchen und anderem Getier vorbei – und wundert sich eventuell über all diese an ein Musicaldisneyland erinnernden Lächerlichkeiten. Sicher, ohne Geld kein Musical, aber die gelackte Entertainment-Variante im Faschingsmodus 365 Tage im Jahr ist doch eher … sagen wir auf krude Weise amüsant.

Wenn man im »Urknall«-Saal anlangt, wird man von swingenden Klavierklängen begrüßt. Wolfgang Gattringer an den Keyboards ist schon am Werk, die beiden Hauptdarsteller stehen bereit, um uns, jeden einzelnen von uns, zu begrüßen. Wir sind die Investoren, wir wollen ihrer Showpräsentation beiwohnen – und die Show hat schon längst begonnen, bevor sie noch begonnen hat. Das alles hat etwas von echtem Musicalfeeling, wie man es oft in London erleben kann. Man fühlt sich wohl, es hat diese gewisse Atmosphäre, man ist gespannt auf das, was folgt.

Worum es im »Urknall« geht, kann man –> hier nachlesen. Eine Kritik zur Show wird in der nächsten Ausgabe von »musicals« erscheinen. Und da ich hier nicht vorab dasselbe schreiben kann wie in meiner Kritik, die erst in rund zwei Wochen publiziert wird, ein paar ergänzende Bemerkungen.

Wenn man als Zuschauer beim Musical mal nicht über Millionen teure Treppen oder zerplatzende Flugzeuge staunt, sondern über die sprühende Phantasie einer Künstlertruppe und ihr Können, mit größtmöglicher Präzision im Vorfeld und in der Show größtmöglichen Spaß zu erzeugen, dann sind das schöne Momente im Leben eines Musicalbegeisterten.

Der »Urknall« ist ein auf so vielen Ebenen intelligent gemachtes Comedy-Musical. Es kommen etwa keine Stellen vor, in denen ein Ensemblemitglied von rechts nach links über die Bühne geht, nur damit etwas auf der Bühne passiert, während vorne gerade der Hauptdarsteller sein wichtigstes Solo singt und sich Abend für Abend ärgert, dass auf einmal alle auf den hinten vorbeiflanierenden Statisten glotzen, statt sich auf seine Darbietung zu konzentrieren. Darsteller laufen nicht sinnlos in Balladen ein paar Schritte nach links, um dann plötzlich stehen zu bleiben und wieder zurückzutrippeln und ihren Song fertig zu singen, nur weil dem Choreographen nix Sinnvolleres eingefallen ist. [Mehr dazu in »musicals«]

Neben all den parodistischen Elementen, auf die ich in »musicals« eingehe, ist unter anderem auch eine herrliche Nummer in der Show, die die Stupidität mancher Musicaltexte aufs Korn nimmt, die auch den Trend parodiert, Nummern aus Shows in einer radiotauglichen Variante auszukoppeln. Eine sogenannte Selbstläufernummer, also ein garantierter Hit, wird uns, dem Publikum, vorgestellt, mit dem kolossal dämlichen Refrain: »Das Heut war gestern noch ein Morgen, und heut ist morgen schon vorbei, das heut ist morgen schon ein Gestern, und morgen ist gestern und nicht heut.« Zwei Varianten hören wir, eine, wie sie in der Show vorkommt, und eine Pop-Variante, die, ja, etwa Alfons Haider und Uwe Kröger singen könnten. Die Parodie auf textlicher und musikalischer Ebene, und auch auf gesanglicher Ebene, wenn Martin Berger und Artur Ortens die beiden Varianten interpretieren – ein Riesenspaß.

In der Show verpackt finden sich diverse Anspielungen auch auf die Musicalproduktionen des Wiener Platzhirschen. Das ist umso witziger, wenn man sich etwa die Ankündigung der neuen »Elisabeth«-Produktion durch Christian Struppeck ins Gedächtnis ruft oder die elendslangen Diskussionen über die »Rebecca«-Treppe und was sie nicht alles erfordert und kostet. Struppecks Ankündigungsconfà©rence war nur so von Superlativen gespickt, etwa, als er die »fulminante Ausstattung« teasermäßig so beschrieben hat: »450 historische Kostüme, es werden über 140 Paar Schuhe benötigt und über 10 Kilo Haarnadeln. Ebenfalls in Vorbereitung ist das kolossale und fulminante Bühnenbild …« Na, das kann der »Urknall« toppen, oder, wie es Artur Ortens in der Show formuliert: »14. Akt. 7. Szene. Wir befinden uns am Hof in Frankreich zur Zeit Napoleons. AUS DEM BÜHNENBODEN STÖSST EINE ORIGINALGETREUE KOPE VON VERSAILLES nach oben – ja Sie wollen doch sicher sein, dass jeder Cent Ihrer 83,5 Millionen sinnvoll investiert ist.« Futter für die Phantasie, denn all diese Abenteuerlichkeiten sieht man natürlich nicht auf der Bühne, man muss sie sich vorstellen.

Ich kann die Show nur empfehlen, von einem Comedy-Musical wurde ich seit Jahren nicht besser unterhalten.

Der Urknall

Martin BERGER
Artur ORTENS

Keyboard: Wolfgang GATTRINGER

Regie/ Konzept/ Raum: Reinfried SCHIESZLER
Choreographie: Georg PROHAZKA

Kostüme: Nicole PANAGL
Licht: Dirk KORNBERGER
Requisite: Stefanie JUST
Ton: Hubert DOLZNIG

Bühnenrechte: Verlag JUSSENHOVEN&FISCHER

Musik von Jed FEUER
Text von Boyd GRAHAM
zusätzliche Arrangements und Orchestrierung von Albert AHRONHEIM
Deutsche Fassung von Bernd SAMLAND und Alfons NOWACKI

Premiere: 14. Mai 2012

RONACHER/ Probebühne
Seilerstätte 9, 1010 Wien
www.musicalvienna.at
01/ 514 11 111

weitere Vorstellungen: 23., 30. Mai und 6. Juni

Tickets
- Wien-Ticket

Links
- Jed Feuer
- Archiv der Wiener Kammerspiele: »Der Urknall«
- The Big Bang (Video einer Produktion mit Patrick Herlihey, Pier Debes und Eric Lander) bei –> YouTube

ZUCKERBERG: The Musical!

Opus No. 3 - ZUCKERBERG: The Musical
A trip down memory lane for the life and times of Mark Zuckerberg.

Download the mp3 here:
zuckerberg-the-musical

Featuring
Lora Lee Gayer [loraleegayer.com]
Tess Soltau [tesssoltau.com]
Ryah Nixon [broadwayworld.com/people/Ryah-Nixon/]
Created by cdza

Songs
Memory (Cats), Age of Aquarius (Hair), My Friends (Sweeney Todd), Maria (West Side Story), I Dreamed A Dream (Les Misà©rables), Seasons of Love (RENT), America (West Side Story), Anything You Can Do (Annie Get Your Gun), Summertime (Porgy and Bess), Tomorrow (Annie), If I Were A Rich Man (Fiddler on the Roof), 12 Ragtime (Ragtime)

www.cdzamusic.com
facebook.com/cdzamusic
twitter.com/cdzamusic
cdzamusic.tumblr.com

ORF: »Dancing Stars« – Promotion für Alfons Haiders »A Chorus Line«-Produktion

Hat jemand wirklich verstanden, warum die ORF-Show »Dancing Stars« nicht öfter für Musical-Promotion, etwa für jene der VBW, verwendet wurde? Immerhin, in der heutigen Sendung (ORF 1, ab 20.15 Uhr) nutzt Alfons Haider die große Chance, »A Chorus Line«, seine letzte Produktion für die Stockerauer Festspiele, zu promoten. In den einschlägigen Ankündigungen liest man das wie folgt:

Außerdem wird Alfons Haider mit “One” aus “The Chorus Line” im Showprogramm zu sehen sein. [ORF]

Nunja, ist ja nur Musical, da darf man das :-)

Broadway: Die Cast von »Anything Goes« lip-synct One Direction

Starring the Broadway cast and crew of Roundabout Theater Company’s ANYTHING GOES
www.anythinggoesonbroadway.com

Choreographed By: Brandon Bieber & Brandon Rubendall
Directed/Edited By: Raymond J. Lee

»What Makes You Beautiful« sung by One Direction

(created with a Panasonic Lumix GH2, iMovie, an iPhone, and one awesome group of people)

Stage Entertainment: Du bist der Hubschrauber!

Wir erinnern uns: In der Zeit der Megamusicals wurde das Publikum durch »gewagte« Produktionsstunts wie fallende Kronleuchter, krachende Hubschrauber, in letzter Zeit durch ulkige Wendeltreppen beeindruckt. Nein, diese Zeit ist jetzt vorbei. In der kommenden Stage-Entertainment-Produktion »Rocky« gibt es zwar einen rollenden Boxring, aber der wahre Star der Produktion wird der Zuschauer sein. Wir werden uns anschauen, einander anerkennend auf die Schultern klopfen und uns dabei denken: »Jo, schee bled samma, dass ma 159 Euro dafür zoit hom.«
159,44 Euro (+ Spesen) kostet am Wochenende für das »Rocky«-Musical in Hamburg ein »Golden Circle«-Ticket, das einen mittigen Sitzplatz garantiert an genau jener Stelle, wohin dann im Laufe der Show der mobile Boxring gerollt wird. Die Zuschauer verpflichten sich mit dem Kauf der Karte, zu bestätigen, dass sie ihrerseits mobil genug sind, ihren Platz zu verlassen, wenn der Boxring kommt, und eine Treppe zu einem neuen Sitzplatz zu besteigen. Wo das sein wird, liest sich folgendermaßen:

Alle Besucher mit einem Golden Circle-Ticket ( Preiskategorie 5) dürfen nun neue Plätze auf einer Tribüne direkt am Ring einnehmen und bilden damit den “Golden Circle” direkt am Ring. Sie erleben den finalen Kampf hautnah – ähnlich den VIPs beim richtigen Boxkampf. Dies sorgt für ein einzigartiges Theatererlebnis.

Es liegt an uns, den neuen Stars, das alles mitzumachen oder zu sagen: Nö, jetzt reicht es dann mal mit den Preisen, ne?

Zum »Golden Circle«-Ticket geht’s –> hier.

« zurueck · vor »