Martin Bruny am Donnerstag, den
1. März 2012 um 16:16 · gespeichert in Tonträger
Drew Sarich und Andy Baum sind zwei Gaststars auf der neuen CD des Sängers und Musicaldarstellers Hari Baumgartner, die dieser Tage erscheint und am 8. März im Wiener »Local« live vorgestellt wird.
»Melancholerisch« ist der Titel der CD, aber was hat man sich darunter vorzustellen?
menlancholerisch: [1] ist ein paradoxer Hybridzustand vorwiegend geprägt von den Gefühlen Selbstmitleid und Wut, den man dem Umfeld beileibe nicht verbergen kann; [2] ist ausserdem das neue Mundart-Popalbum des österreichischen Sängers, Bassisten und Liedermachers Harald Baumgartner, das seinen unverschnörkelten Weg durch den verspielten Gehörgang findet, dabei unter die (Gänse-) Haut geht und dort nicht nur genau den humoristischen Querdenker-Nerv sondern vor allem mitten ins Alltags-Herz trifft. melancholerisch bleibt dabei erfrischend ehrlich und sinnig sinnlos zugleich!
Hört sich interessant an, Infos zum CD-Release in Wien –> hier.
Martin Bruny am Mittwoch, den
29. Februar 2012 um 15:30 · gespeichert in Rezensionen, 2012
… ein paar Shows gewesen, über die ich gerne geschrieben hätte, etwas ausführlicher – aber aufgrund verschiedener Umstände stattdessen ein paar Eindrücke:
Wiener Stadthalle, Halle F: Aladdin, jr.
Die Wiener Stadthalle, Disney und das Performing Center Austria werden in den kommenden Jahren eine Serie von massentauglichen Kindershows auf die Bühne bringen. Kick-off war “Aladdin jr.”, das am 26. Februar 2012 Premiere feierte.
Auf Einladung der Wiener Stadthalle (die Anfrage an mich, ob ich die Show sehen möchte, kam von der Stadthalle) war ich an jenem Tag vor Ort, um mein Ticket abzuholen – nur mein Name, der war auf keiner Liste zu finden. Man habe, so teilte man mir mit, so viele Listen zusammengefügt, da seien diverse Eingeladene wohl verlorengegangen. Ein Ticket bekam ich freilich, in Reihe 23.
Nicht, dass ich mich beschweren will, wozu, es war eine Einladung, gratis, nun sei nicht verwöhnt etc., Beliebiges hier selbst einzufügen … Fakt ist, dass man aus Reihe 23 die Darsteller auf der Bühne als ungefähr 4 cm große Figürchen sieht, man erkennt nicht, wer zu sehen ist, Mimik etc., nichts zu sehen. Ich persönlich lehne es ab, Shows in der Halle F aus einer solchen Entfernung anzusehen, normalerweise gebe ich die Tickets dann dankend zurück und mach mich auf den Heimweg.
Diesmal, es war ja ein schöner Sonntagnachmittag, es hat geregnet, wunderbar – kurzum, ich bin geblieben. Kritik wird das trotzdem keine werden. Nur ein paar Eindrücke.
Positiv an der Show: Jakob P. Semotan als Geist aus der Flasche, der die guten Gags, die man ihm geschrieben hat, blendend servierte, der erkennbar ist als Typ, auch ohne dass man ihn wirklich erkennt (in jeder Beziehung). Er ist seit hunderten von Jahren schon beim Performing Center Austria dabei, oft bei den Weihnachtsproduktionen, er hat das Zeug, es als Darsteller, oder auch als Rocksänger, oder auch als Comedian, oder auch als Schauspieler zu schaffen. Er hat Schwung in die Show gebracht, er verstand es, mit den Kindern zu interagieren, das alles muss man können. Der von ihm verkörperte Charakter war, auch in Reihe 23, mit Leben erfüllt.
Negativ an der Show: Musik vom Band. Das hat man nicht zu machen, darüber ist aus meiner Sicht nicht zu diskutieren. Gern würde ich mehr zu den anderen Darstellern schreiben, aber da müsste man schon mehr gesehen haben. Die Regie hat sich bemüht, möglichst viel Schwung in die Show zu bringen, ständig treten die Darsteller von den seitlichen Ein- und Ausgängen auf und ab. Das ist tatsächlich auch zielführend, wenn man die Zielgruppe bedenkt. Und die Show kommt bei den Kindern auch gut an, das konnte man registrieren. Massentauglich also ja, aber solange Shows in einem solchen kommerziellen Rahmen mit Musik vom Band produziert werden, spielen sie in einer Liga, die mich persönlich nicht interessiert.
Wiener Musikverein: Best of Hollywood II
Am 27. Februar 2012 traten die Tonkünstler Niederösterreich im Wiener Musikverein mit dem Programm “Best of Hollywood II” auf. Gespielt wurde:
John Williams
“The Flight to Neverland” aus dem Film “Hook”
Hedwigs Thema aus den “Harry Potter”-Filmen; Arrangement von Adam Saunders
John Barry
Konzertsuite aus dem Film “Der mit dem Wolf tanzt”; Arrangement von Steven L. Rosenhaus
Titelsong aus dem Film “Goldfinger”; Arrangement für Gesang und Orchester von Nic Raine
Nino Rota
“Speak softly love” aus dem Film “Der Pate”; Arrangement von Matthias Keller
Lalo Shifrin
Musik aus dem Film “Mission Impossible”; Arrangement von Calvin Custer
Alan Silvestri
Suite aus dem Film “Forrest Gump”; Bearbeitung von Calvin Custer
Howard Shore
Symphonische Suite aus dem Film “Herr der Ringe”; Arrangement von John Whitney
John Williams
“Remembrances” aus dem Film “Schindlers Liste”
Don Davis
The Matrix Trilogy. Suite zweiter Teil
Stefan Nilsson
Gabriellas Song aus dem Film “Wie im Himmel”
Zugabe: “Fluch der Karibik”
Als vokalen Aufputz hatte man für dieses Konzert für einige wenige Lieder Maya Hakvoort engagiert (sehr schön gesungen in schwedischer Sprache “Gabriellas Song” aus “Wie im Himmel”). Im ausverkauften Wiener Musikverein erlebten die Besucher ein teilweise fantastisches Konzert und teilweise ein ärgerliches. Denn natürlich mussten bei dieser Programmauswahl diverse Musikinstrumente elektronisch verstärkt werden. Das ist an sich nicht der Störfaktor gewesen. Wenn man das ordentlich und ausgewogen macht, so kann dadurch ein perfekter Sound erzeugt werden. Wenn man allerdings, wie an jenem Abend, die Harfe derart lautstärkenmäßig raufschraubt, dass man fast aus dem Sitz kippt bei jedem Einsatz, dann ist das mehr als ärgerlich. Highlight des Abends: “The Matrix Trilogy”, großartig.
Konservatorium Wien Privatuniversität: “Rent”
Immerhin: Der Beginn war vielversprechend. Es war dies der Entschluss der Abteilung Musikalisches Unterhaltungstheater der Konservatorium Wien Privatuniversität, Jonathan Larsons Rockmusical »Rent« mit dem 3. Jahrgang (mit Unterstützung des 2. Jahrgangs) der Studenten aufzuführen – einem Jahrgang, der einer der vielversprechendsten der letzten Jahre, als Gesamtheit, quasi als Ensemble, gesehen, ist.
Ausgehend von der These, dass die aus dieser vielversprechenden Idee entstandene Produktion »Rent unplugged« keine Kooperation mit der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten ist, muss man sich eingestehen, dass man bei dieser Semestershow ins Zweifeln kommt. Soll man es ernstnehmen, dass eine renommierte Musicalschule ausgerechnet ein Rockmusical auswählt, um es nur mit Klavierbegleitung in Szene zu setzen?
Aber gehen wir doch trotzdem einmal davon aus, wie einige Besucher das taten, und auch, so hört man, und hat teilweise auch erzählt bekommen, darin bestärkt wurden, das zu glauben, dass am Anfang der Arbeiten die Idee stand, dieses Rockmusical unplugged aufzuführen. Mit reiner Klavierbegleitung. Na, das müssen die Jungs und Mädels doch dastemmen, oder? Sozusagen eine Mutprobe – fast, beziehungsweise doch eher eine Kraftprobe. Man könnte einwerfen, »Rent« unplugged aufzuführen, wird, nein, kann dem ROCKmusical nicht gerecht werden. Dann wieder meinen andere, es spricht doch an sich ja generell nichts dagegen, furchtlos auch das mal zu wagen, in Kauf nehmend, dass beispielsweise das unverstärkte Singen vielen Songs bestimmte Feinheiten völlig nimmt, das Ganze zu einem Kampfbelten verkommt.
Aber wenn es denn ein Plan war, wäre es nicht für die Zuschauer interessant gewesen, beispielsweise im Programmheft lesen zu können, wie man auf das Konzept gekommen ist, unplugged an »Rent« ranzugehen? Wenn es denn ein Konzept war und man das alles geplant hatte – es könnte ja natürlich auch sein, dass man mitten in den Proben, sozusagen zwei Tage vor der Premiere, draufgekommen ist, dass man den Sound, den diese Show verlangt, nicht packt. Wobei gerade das Konservatorium mit dem Leonie-Rysanek-Saal eigentlich ein bestens ausgestattetes fast-Studio zur Verfügung hat.
Die Fragen werden also, je länger man darüber grübelt, nicht weniger? Ein weiteres Indiz dafür, dass diese Aufführung nur eine Notlösung war: In der Online-Version des Programmhefts, die als Download auf der Website des Konservatoriums zur Verfügung stand, waren die Angaben zur Band alle noch vorhanden. Und wenn es denn kein Plan war, diese Show unplugged aufzuführen, wäre es dann für die Besucher nicht interessant gewesen, zu erfahren, wie eine Musicalschule mit einer solchen Situation professionell umgeht? So schwer kann das ja nicht sein, hier etwas aus dem Produktionsalltag zu erzählen. Einen besseren Eindruck hätte es hinterlassen.
Teile aus »Rent« wurden schon des öfteren unplugged gegegeben, das ist richtig, die ganze Show so durchzuziehen, ist in keinem Fall sinnlos, das hat diese Produktion bewiesen. Sie hat natürlich auch bewiesen, dass der 3. Jahrgang tatsächlich ein starker Jahrgang ist und auch diese Herausforderung so meistern konnte, dass man zwar die großen Anstrengungen gesehen hat, aber es doch Shows waren, die für Begeisterung sorgten. Trotzdem, eine Kritik macht für mich in diesem Fall keinen Sinn.
Martin Bruny am Donnerstag, den
23. Februar 2012 um 23:18 · gespeichert in Musical, Broadway
Die einflussreichsten Persönlichkeiten des Broadway listet die neue Plattform broadwayspotted.com auf.
Bei dieser Plattform handelt es sich um eine Zusammenarbeit des Produzenten Ken Davenport, dem Gründer der Website »BroadwaySpace.com«, mit einem der erfolgreichsten Broadway-Twitterer, eben »BroadwaySpotted«.
Ken Davenport erkannte, dass er, als er 2008 seine Site gründete, allein schon mit dem Namen BroadwaySpace.com einen grundlegenden Fehler aus Social-Media-Sicht begangen hat, indem er vom damals noch populären Netzwerk MySpace durch die Namenswahl mitprofitieren wollte. Was er mit »BroadwaySpace.com” sonst noch alles falsch gemacht hat, erklärt er recht ausführlich –> hier
Das neue broadwayspotted.com bietet »News, Gossip & Giveaways« – es lohnt sich, mal vorbeizusehen.
Die Top 10 der einflussreichsten Persönlichkeiten des Broadway
01 Philip J. Smith & Robert E. Wankel
02 James M. Nederlander, Sr.
03 James L. Nederlander
04 Jordan Roth
05 James Claffey, Jr.
06 Nick Scandalios
07 Andre Bishop & Bernard Gersten
08 Todd Haimes
09 Thomas Schumacher
10 Scott Rudin
Was es mit diesen Top 10 auf sich hat, und welche 40 bedeutenden Theaterleute noch in den Top 50 zu finden sind, das kann man –> hier nachlesen.
Martin Bruny am Sonntag, den
19. Februar 2012 um 22:53 · gespeichert in Musical, Deutschland
Am 22. September 2012 geht an der Chemnitzer Oper die Premiere des 2009 in Helsinki uraufgeführten Musicals »PlayMe« unter der musikalischen Leitung von Frank Nimsgern und in einer Inszenierung von Michael Heinicke über die Bühne. Die Rollen dafür werden über ein Online-Casting besetzt, bei dem jeder mitmachen kann, indem er auf eine dafür geschaffene Plattform sein Bewerbungsvideo hochlädt (siehe –> playme-the-Musical.de).
Zusätzlich dazu veranstaltet der Gallissas-Theaterverlag eine Audition-Tour, bei der Talente zwischen 18 und 30 Jahren ihr Video aufnehmen lassen und damit am PlayMe-Wettbewerb teilnehmen können. In Wien macht die Audition-Tour am Freitag, den 24. Februar ab 13:30 Uhr im Theater im ersten Stock/Probenstudio, Mariahilfer Straße 51, Stiege 2, 1060 Wien, Station. Die Anmeldung erfolgt online –> hier.
Martin Bruny am Freitag, den
17. Februar 2012 um 11:41 · gespeichert in Musical, Wien
Am 5. September 2012, 20 Jahre nach der Uraufführung, geht im Wiener Raimund Theater die »Jubiläumspremiere« von Sylvester Levays und Michael Kunzes Musical »Elisabeth« über die Bühne.
Cast und Leading Team wird der neue Intendant der VBW, Christian Struppeck, nach seinem offiziellen Dienstantritt Anfang Mai 2012 vorstellen.
Tickets ab dem 22. Februar –> hier. Wer sich erwartet, Tickets für die Premiere buchen zu können, wird enttäuscht werden. Hier hat sich neuerlich der Listenwahn durchgesetzt. Wer in die Premiere wollte, hätte ich rechtzeitig auf eine Liste setzen lassen müssen. Nähere Einzelheiten am besten bei den VBW erfragen, die sich damit regelmäßig selbst ein Bein stellen.
Mit »Elisabeth« wurden die Sitzplatzkategorien im Raimund Theater neu gestaltet, schwuppdiwupp hat man die Anzahl der Kategorie-I-Tickets im Parkett im Vergleich zur Sitzplangestaltung vor September 2011 mehr als verdoppelt (auch im Vergleich zum Sitzplan, der seit September 2011 gilt, hat man wieder die Anzahl der Kategorie-I-Tickets massiv erhöht). Eine Gegenüberstellung der Kategorien für »Ich war noch niemals in New York« und »Elisabeth« sieht man –> hier.
Tickets
- täglich außer montags um 19.30 Uhr, sonntags um 18.00 Uhr im Raimund Theater
- tel. unter Wien Ticket 01/588 85
- sowie an allen Vorverkaufsstellen der VBW
Martin Bruny am Mittwoch, den
15. Februar 2012 um 19:15 · gespeichert in Musical, Wien
Durchaus sympathisch hat sich der neue Intendant der Vereinigten Bühnen Wien, der Berliner Christian Struppeck, heute auf der Bühne des Wiener Ronacher, genau da, wo er vor fast 22 Jahren seine Schauspiel-Abschlussprüfung abgelegt hat, vorgestellt. Von klein auf schrieb, komponierte, übersetzte und textete Struppeck (geboren 1968), mit zwölf Jahren hatte er sein erstes Musicalerlebnis, da sah er »My Fair Lady« im TV, mit 14 analysierte er in der Schule »Evita« dramaturgisch – und machte sich damit nicht gerade zum Klassenliebling.
Zu Wien hat er eine »ganz besondere Beziehung«, sein erstes Musical hat er hier gesehen – »Cats” –, studiert hat er am Tanz- und Gesangsstudio Theater an der Wien, damals noch unter Peter Weck, unterrichtet wurde er von Lotte Ledl, Paulus Manker, Ida Krottendorf, Kim Duddy, Dennis Callahan; Michael Pinkerton war als Direktor des Studios tätig.
Fünf Jahre (1988–1992) verbrachte Struppeck in Wien, spielte hier seine ersten Engagements, etwa an der Wiener Volksoper in »La Cage aux Folles« mit Karlheinz Hackl und Frank Hoffmann, in Amstetten wurde er als Choreograph bei Heinz Ehrenfreunds »My Fair Lady« tätig. Öfter kam er auch danach nach Wien und Österreich. Wenn er jetzt also nach Wien zurückkehrt, so Struppeck, ist es ein bisschen wie nach Hause zu kommen und fühlt sich »richtig und gut an«.
Nach 13 Jahren auf der Bühne gründete Struppeck eine Produktionsfirma, kam ab vom Thema Choreographie und wandte sich der Regie zu. 2002 engagierte ihn Stage Entertainment als künstlerischen Direktor unter anderem der Entwicklungs- und Kreativabteilung. Hier entstand die erste große deutschsprachige Eigenproduktion von Stage Entertainment: »Ich war noch niemals in New York«. 2008 musste Struppeck Stage Entertainment verlassen und gründete mit Andreas Gergen die Firma »Creative Agency Berlin«.
Was kann man aus Christian Struppecks Antrittsrede an relevanten Zukunftsplänen entnehmen:
– Kathrin Zechners Projekte, die derzeit noch in der Produktionspipeline sind, werden einem Evaluierungsprozess unterzogen, den Struppeck mit seinem Team durchführt. Shows, die in Zechners Zeit konzipiert wurden, könnten noch zur Aufführung kommen, müssen aber nicht zwangsläufig. Zechners Planungen sind für Struppeck nur »Vorschläge«.
– 2013 wird es »höchstwahrscheinlich« die erste Neuproduktion der Ära Struppeck geben. Was das sein könnte, dazu verweigerte der Intendant jegliche Angaben, auch auf Nachfrage. Welche Projekte er in Arbeit hat, dazu verweigerte er jegliche Angaben, auch auf Nachfrage.
– Struppeck wird sich in seiner Arbeit auf die Bespielung des Raimund Theaters und des Ronacher konzentrieren. Eine Bespielung anderer Häuser, wie zum Beispiel des MuseumsQuartiers, ist nicht vorgesehen.
– Struppeck schließt nicht aus, die eine oder andere Produktion selbst in Szene zu setzen, dafür das Buch zu schreiben oder eine andere rein künstlerische Tätigkeit bei der Entwicklung von Stoffen zu übernehmen.
– Thema Stückeentwicklung: Struppeck möchte mit internationalen, aber auch mit heimischen Kräften zusammenarbeiten. Das freilich war ohnedies schon immer in Wien der Fall.
– Bezugnehmend auf die Art und Weise, wie Stücke produziert werden, nahm der Intendant Stellung zu seinen intensiven Kontakten zu Disney Theatricals, zur Blue Man Group und zu Franko Dragone, einem Mitbegründer des Cirque du Soleil, der von Belgien aus große Shows in Las Vegas entwickelt. Nicht, dass man hier zu sehr interpretieren sollte, aber mit dem Thema Musical haben diese Produzenten zwar auch zu tun, aber …
– Seltsam mutet die besondere Betonung der Produktion von international verwertbaren Produktionen an, war das doch prinzipiell schon seit Peter Weck das Ziel der Vereinigten Bühnen Wien, rühmte sich doch vor allem Kathrin Zechner immer damit, hier wesentliche Aufbauarbeit geleistet zu haben.
– Zu Struppecks Konzept fallen nur plakative Schlagworte: innovatives Musiktheater, kreatives Musiktheater, den Ruf der VBW auch im Ausland weiter festigen, ausbauen, auch international.
– Thema Produktionszeit: zwei bis vier Jahre dauert die Entwicklung einer Show, fünf Jahre hat es bei »Ich war noch niemals in New York« gedauert, bei »Wicked« sieben Jahre.
– Spielplan: Es wird auch weiterhin Lizenzproduktionen (deutschsprachige bzw. europäische Erstaufführungen) geben, im Wechsel mit Eigenproduktionen.
Lässt man die Pressekonferenz einmal auf sich wirken, dann fällt auf, dass über die Konzepte, mit denen Christian Struppeck das Auswahlverfahren gewonnen hat, nichts gesagt wurde. Kein Wort. Bedenkt man, dass der Intendant davon spricht, dass er Kathrin Zechner schon letztes Jahr ausführlich kennen lernen durfte, bekommen die Gerüchte, dass die Nachfolge schon im November 2011 fixiert gewesen sein könnte, eine neue Bedeutung. Man könnte auch die Frage stellen, nach welchen Kriterien die engagierte Recruitingfirma die Einreichungen der Kandidaten überprüft und bewertet hat, der »Neue Merker« fragt zum Beispiel, warum es bei der Intendantenwahl nicht möglich war, eine heimische Lösung zu finden. Wie denn auch, wenn nicht einmal alle heimischen Kandidaten zu einem Gespräch über ihre Konzepte eingeladen wurden?
Man wird also abwarten müssen, wohin das Boot segelt. Die allzu euphorischen Einschätzungen in den einschlägigen Foren, allen voran jene des selbsternannten Musicalspezialisten Dominik Lapp auf einer von vielen unsäglichen Musicalplattformen, die sich als »kompetent« titulieren, kann ich nicht teilen. Ja, Christian Struppeck ist ein Mann vom Fach, vom Theater, das ist wunderbar, aber dieses Nichts an inhaltlicher Konzeption, an Fakten über sein Konzept ist enttäuschend.
Audiostreams der Pressekonferenz
Vizebürgermeisterin Magistra Renate Brauner
Martin Bruny am Dienstag, den
14. Februar 2012 um 20:00 · gespeichert in Musical, Wien
Man könnte fast meinen, der neue Papst wurde monatelang unter schwierigsten Umständen gewählt und jedes SEKÜNDCHEN könnte der NEUE auf den Balkon treten und uns allen gnädig zuwinken, der Erlöser – ein Musicalintendant, der uns vom lästigen Trend der Schlagerrevue mit einem Befreiungsschlag trennt und hinführt – in das Schlaraffenland des anspruchsvolleren (nur nicht übertreiben) Musicals. Man könnte meinen, die heimische Presse sei eine geradezu unmenschlich lange Zeit auf die Folter gespannt worden – und als dann, im Jahr des Herrn 2012, am 14. Februar um 13:58 ENDLICH – weißer Rauch aufsteigt in Form einer Mail – Die Vizebürgermeisterin Magistra Renate Brauner, der Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny und VBW-Generaldirektor Mag. Thomas Drozda laden per Mail zur Präsentation der neuen Musicalintendanz –, da können es die Redakteure einfach nicht mehr aushalten.
»Ich weiß es, ich weiß es …« – beseelt vom ungeheuren Mitteilungsdrang platzt der STANDARD um 17:16 Uhr als ERSTER mit dem Namen heraus, der wohl in den nächsten Jahren die Routen des Hochseedampfers steuern wird, den er selbst miterfunden hat: christian S T R U P P E C K, so lesen wir nicht mal zwischen den Zeilen, nein das geht ganz deutlich hervor, ist es, wird es sein, der Koautor des Unaussprechlichen, das mit aller Gewalt das letzte Fünkchen Leben aus dem ehedem spannenden Genre Musical saugt, jenes Unaussprechliche, das ehemalige Musicaldarsteller dazu bringt, ihr Abdriften in die Untiefen des Schlagers gar damit zu begründen, dass Musical und Schlager sich ohnedies so nah gekommen wären. WEICHE.
Der KURIER macht um 19:45 Uhr kein Hehl mehr aus dem, was Tatsache geworden zu sein scheint, beruft sich auf den Standard und formuliert nur das, was morgen angekündigt werden könnte und doch alle schon scheinbar wissen: »Musical: Christian Struppeck vor Bestellung«.
So soll es denn sein, Gott steh uns bei.
Update
Eine Analyse der Pressekonferenz anlässlich der Präsentation des neuen Musicalintendanten gibt es –> hier.
Kleiner Tipp an die deutschen Kollegen
Glosse: »ein kurzer und pointierter, oft satirischer oder polemischer, journalistischer Meinungsbeitrag«
Martin Bruny am Samstag, den
11. Februar 2012 um 05:38 · gespeichert in Rezensionen, Theater, 2012
»Cats« ist wieder in Wien. Am 2. Februar 2012 feierte die Show, die unter anderem mit dem Slogan »Das Originalmusical im Theaterzelt« beworben wird, in Wien-Erdberg/Neu-Marx Premiere. Über den Begriff »Originalmusical« wird in Foren und Kommentaren zu Kritiken eifrig diskutiert – er regt einige wenige, oder auch viele, auf. Was genau der Anlass der Erregung ist? Nun, es geht nicht zuletzt darum, was man unter der Chiffre »Original« verstehen soll. All jenen, die »Cats« in Wien nie zuvor gesehen haben, wird diese Begrifflichkeit tendenziell eher egal sein – jenen, die in den 1980ern Musicalgeschichte in dieser Stadt erlebt haben, vielleicht weniger. Nicht, dass Wien heute oder jemals der »Nabel der Musicalwelt” war, auch wenn so manch deutscher Ex-Dramaturg und Buchautor den Österreichern, insbesondere den Wienern, immer wieder unterschieben will, dieser Meinung zu sein, doch diejenigen, die dabei waren, argumentieren unter anderem, und auch teilweise berechtigt, damit, dass man nicht von »Original« sprechen kann, jedenfalls nicht vom »Wiener Original«, wenn kein auch nur annähernd vergleichbares Orchester wie jenes der Vereinigten Bühnen Wien zu hören ist, das für einen vereinigten musicalischen Hochklang sorgt, wie er für das »Original« kennzeichnend war. Und schließlich sei das ja immer betont worden, dass man das »Wiener Original« zurückbringen würde.
Die Veranstalter der »Cats«-Tour machen es diesen Kritikern fast zu leicht, denn wer beispielsweise auf der offiziellen Website zur Show (siehe –> hier) nach Angaben zu einem »Orchester« sucht, wird nichts finden, gar nichts. Es sind keine Musiker angegeben. Warum eigentlich? – Da darf man sich nicht wundern, wenn sich rund um diese fehlende Angabe wilde Gerüchte ranken. Kommt gar alles vom Band? Manche sprechen davon, dass »nur mehr« sechs Musiker für die Instrumentalabteilung der Show zur Verfügung stehen, manche sprechen von acht, andere meinen, vor einem Jahr noch zwölf auf der Bühne gezählt zu haben. Die einen meinen, es würden keine Clicktracks eingesetzt – schon gar nicht in Wien! –, andere sind nach ihrem Besuch der Show überzeugt, ohne Clicktracks sei nicht mal dieser »dünne Sound« von so wenigen Musikern zu bewerkstelligen. Es gab Stimmen, die meinten, das »Orchester« sei für Wien von sieben (schon wieder eine neue Zahl) auf zwölf Musiker upgegradet worden.
Nun: Alles fasch. Die Lösung lautet: zehn. Zehn Musiker sind während der Show in Wien zu hören: drei Keyboards, eine Gitarre, ein Bass, zwei Reeds, Drums, ein Cello und ein Horn. Steht übrigens auch im Programmheft, kann man dann auf der Bühne auch –> abzählen.
Mit solchen Fakten, meine ich, kann man durchaus aktiver an die Öffentlichkeit gehen, das sind die Rahmenbedingungen, unter denen sich die Produzenten entschlossen haben, die Show auf Tour zu schicken. Lloyd Webber selbst ließ vor Jahren eine Band-Tourfassung erstellen. Eine Tourproduktion kann nicht in allen Bereichen alle Wünsche erfüllen. Es ist ja auch nicht so, dass der Platzhirsch in Wien seine Revivals in allen Belangen bestens erneut auf die Bühne bringt, trotz Megasubventionen. Man erinnere sich an »Tanz der Vampire – Die neue Wiener Fassung«, den Abklatsch des Originals von 1997, immerhin mit guten bis sensationellen Hauptdarstellern, aber dennoch – was für ein Abfall im Vergleich zum Original, angefangen von klapprigen Dekos bis hin zum Schrumpfensemble und dem Sardinendosenklang der Soundkonstellationen im Ronacher in gut zwei Dritteln des Hauses, egal, ob man dafür viel oder wenig Geld bezahlt.
Letzten Endes ist alles eine Frage auch des richtigen Timings, manchmal auch des Verhandlungsgeschicks. Hätte man in Wien nicht so intensiv am Ruf der »Tiger Lillies« gebastelt und das Konto der Hauslieblinge wie Christian Kolonovits oder Michaela Ronzoni (unter anderem für die aufgeblähte Geschichtspeinlichkeit »Die Habsburgischen«) aufgefüllt, wäre es eventuell möglich gewesen, die Katzen ins Wiener Ronacher zu holen – dann hätten wir nun eventuell eine Koproduktion mit dem Orchester der VBW in Wien. Alles eine Frage der strategischen und künstlerischen Planung der Intendanz, die aber ja von der jungen urbanen Vielfalt zur retardierenden Einerleiheit mit fliegenden Fahnen abgedriftet ist. Sicher auch ein Grund, warum ein Hit wie »Ghost« natürlich nicht in Wien zu sehen sein wird, sondern in Holland und dann mit ziemlicher Sicherheit in Deutschland.
Vielleicht sollte man sich auch gar nicht nur verteidigen, sondern zum Angriff übergehen? So könnte man durchaus die Meinung vertreten: Was nützen mir 24 Musiker im Orchester, wenn ihre einzige Aufgabe es ist, Mediokritäten zu veredeln? Was bringt ein Buch von Rosamunde Pilcher an Mehrgewinn, wenn es auf Büttenpapier gedruckt und mit edlen Metallecken ausgestattet ist?
Wir sehen also, hier stoßen zwei Welten aufeinander. Es läuft auf die Frage hinaus: Will ich eine tolle Show sehen oder meinetwegen die wehmütige Erinnerung an einen Klassiker abfeiern – und nehme dafür in Kauf, dass man beim Faktor Orchester grobe Abstriche machen muss, was niemand bestreiten wird, oder schau ich mir absoluten Zinober an, veredelt vom Spitzenorchester der VBW?
Nichts im Leben ist perfekt, übrigens auch nicht die opulente Werbekampagne der »Cats-Tour«. Professionell organisierte Pressekonferenzen, ja, eine von Promis gestürmte Premiere und eine gelungene Premierenfeier, ja – beworben wurde aber unter anderem auch, dass in Wien die originalen Wiener Texte zu hören sein werden, und das ist genau genommen falsch. Es handelt sich eigentlich um eine Fassung, die erst seit der Berliner »Cats«-Premiere 2002 verwendet wird, sozusagen eine überarbeitete, man sagt originalgetreuere deutschsprachige Version, basierend auf der Wiener Fassung, nicht auf jener, die für die Deutschland-Premiere 1986 »neu übersetzt« wurde.
Wobei man sich tatsächlich, wie es auch in der Kritik einer Wiener Tageszeitung zu lesen war, fragen könnte, ob man denn nicht auch gleich noch einen Schritt näher ans Original gehen hätte können. Was spricht dagegen, die englischen Texte zu singen? Für manche Darsteller auf der Bühne wäre es sicher wesentlich einfacher gewesen, kommen sie doch aus aller Welt. Vielleicht würden dann doch noch mehr Katzen, die auf der Bühne zu sehen sind, auch tatsächlich singen. Nicht jeder, der ein Mikro hat, ist auch zu hören, weil so manches Mikro, »leise« gestellt ist, dafür kommt auch nicht alles, was man an Stimmen hört, von Darstellern, die auf der Bühne stehen. Auch backstage im Booth wird gesungen, diese Stimmen werden live dazu gemischt. – Wie man eben so zaubert im Musicalbusiness. Verbeugen dürfen sich diese Sänger aus dem Off allerdings nicht. Eine etwas undankbare Angelegenheit.
Wie auch immer: Wenn wir also akzeptieren, dass man beim Orchester Abstriche machen muss, dafür aber ein tolles Musical zu sehen bekommt, bleibt unter anderem noch der Platz zu erwähnen, auf dem sich alles abspielt: das Zelt. 1700 Zuschauer fasst es in Wien (nicht wie sonst überall 1800), geworben wird damit, dass man von praktisch überall eine gute Sicht hat. Aufgrund der Rundbühne sei kein Platz mehr als 20 Meter von der Bühne entfernt und so weiter. Nun, das stimmt mehr oder weniger. Bucht man ganz seitlich ganz hinten Karten, hat man freilich starke Sichteinschränkungen in Kauf zu nehmen, aber, vergleichen wir das wieder mit dem Platzhirsch in der City: Wenn ich im Ronacher im 1. Rang seitlich Karten buche, habe ich bereits in der besten Kategorie massive Sichteinschränkungen in Kauf zu nehmen. Was also die Sicht betrifft, so punktet das Zelt, die Rundbühne, »Cats« voll, wenngleich man auch hier fairerweise anmerken muss, dass die Kategorie mit starker Sichtbeschränkung überteuert ist. Da nützt es auch nichts, wenn auf Facebook Fakeprofile Gegenargumente vortragen, wer auch immer hinter diesen Fakeprofilen steckt. Das können durchaus auch »Fans« sein, die den Produzenten damit einen Bärendienst erweisen.
Der Sound, nunja, man könnte sagen, besser als in großen Teilen des Ronacher oder in mehr als 70 Prozent der so genannten soundtechnisch feinjustierten Halle F der Wiener Stadthalle ist er allemal. Ganz hinten ist die Klimaanlage des Zelts stärker zu hören als weiter vorne. Das Ganze wirkt etwas hallig, aber mein Erlebnis stammt von einem Platz, zwar ganz vorne, aber seitlich der Bühne (Kategorie 2). Es ist anzunehmen, dass in der ersten Kategorie und zentral vor der Bühne der Sound noch besser abgestimmt wurde. In etwa so wie auf den Topplätzen im Ronacher, wo man auch nur in den ersten sieben bis acht Reihen von einem sehr guten Sound sprechen kann.
»Cats« lebt zu einem großen Teil von seinem Mythos, viele Melodien sind Evergreens geworden, die man nach einem Besuch der Show tagelang, auch nach dem Besuch dieser Tourversion, nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Webber-Musicals dieser Entstehungszeit (wie zum Beispiel auch das darauffolgende »Starlight Express«) sind gekennzeichnet durch ein Nichts von einer Handlung, gekoppelt mit irgendeiner Art von Triumph (meist spiritueller Art) über ein Ungemach und starken Songs in den unterschiedlichsten Stilen. Das Design, der Tanz, die großartigen Kostüme, das Make-up, die Lichtshow, all das steht in der Rangfolge der Wichtigkeit ganz oben. Effekte, Licht, ja – eine Charakterentwicklung gibt es für die Darsteller in den an sich seichten Dramen nicht zu gestalten. Aber dafür haben wir ja unsere Drama-Musicals, von denen wir ohnedies in dieser Stadt genug abbekommen.
Bei der Wiener Premiere war längst nicht alles ganz perfekt. Der wirkliche Thrill kam nicht immer auf. Da waren noch ein paar Unstimmigkeiten im Ensemble, da war eine Grizabella, die ihr großes Solo nicht wirklich zum Showstopper gestalten konnte. Gerade ein Lied wie »Erinnerung« klingt, ohne übermäßig bashen zu wollen, ziemlich billig in der sehr reduzierten Tour-»Orchester«fassung. Da braucht es ein bisschen mehr, um das aufzuwiegen, als Masha Karell bei der Premiere bieten konnte. Meinetwegen hätte man das längst zu Schutt und Asche gesungene »Erinnerung« ganz streichen können, aber wenn es denn – natürlich – doch in der Show bleibt, dann muss es im 2. Akt so kommen, dass es die Leute von den Sitzen reißt. Das ist kein Problem. Ein bisschen weniger Posing, ein bisschen mehr Mut bei der Gestaltung des Lieds, etwas mehr echt wirkende Gefühle. Das geht – erlebt, gesehen und gehört.
Aber dann gibt in Wien 2012 ja immerhin ein Dominik Hees einen wunderbar sexy Rum Tum Tugger, den Rockstar unter den Bühnenviechern, der diese Rolle vermutlich genau so spielt, wie sie erdacht war: »ein bisschen Mick Jagger, etwas Steven Tyler, ein wenig James Dean«, verspielt, mit starker Bühnenpräsenz. Er liefert den Thrill, den die Show braucht. Bis Ende Februar ist Hees in Wien noch dabei, und man sollte genau ihn in dieser Rolle gesehen haben. Ihm zuzusehen, macht Freude und gute Laune.
Frank Logemann als Bustopher Jones/Asparagus/Growltiger ist der Star der Show, die von/mit ihm erzählten Geschichten »Bustopher Jones«, »Gus, der Theaterkater« und »Growltigers letzte Schlacht« – für viele das Herz der Show schlechthin – macht er zu den Highlights der Produktion. Er bringt seine Figuren zum Leben, outriert, singt herrlich und holt alles aus diesen Geschichten heraus, was nur möglich ist. Da schnurrt auch die ganze Theatermaschinerie, das Ensemble singt und tanzt auf Hochtouren, es passt einfach alles.
Genial, die Tanzeinlagen von Mark John Richardson als Mr. Mistoffelees in der Nummer »Mr. Mistoffelees«, gemeinsam mit Rum Tum Tugger Dominik Hees.
Ob man nun Martin Berger als Alt Deuteronimus gut findet, ist vermutlich eine Frage, wie viele andere Darsteller man in dieser Rolle gesehen hat, wie oft man gehört hat, wie viel an Gefühl andere in dieses Lied zu legen imstande sind. Glanzleistung war es, wie auch immer, keine. Aus dem Song »Über das Ansprechen von Katzen« kann man so viel mehr herausholen – trotzdem funktioniert das Lied natürlich trotzdem insgesamt als Finale.
Das Erlebnis »Cats« ist auch heute noch umwerfend. Da können manche meinetwegen die »alte Stepchoreographie« zu altbacken finden, sich wundern, dass man nichts an Erneuerung in die Erinnerungsedition der Show eingebracht hat. Warum sollte man? Das Ding hat immer funktioniert und funktioniert jetzt nach wie vor.
Geworben wurde im Vorfeld mit einer speziellen »Wiener Besetzung« – vielleicht war man damals ja gerade in Gesprächen mit einigen bekannten Namen, von denen der eine oder andere dann zwar bei der Premiere mit dabei war, aber als Zuschauer. In die Cast haben es ein paar Österreicher immerhin geschafft. Etwa die Niederösterreicherin Denise Jastraunig als Cover Jellylorum/Griddlebone/Gumbie Katze/Jenny Fleckenfell und Swing, die Wienerin Nazide Aylin, unter anderem aus dem ORF-Castingformat »Musical! – Die Show« bekannt, der Wiener Martin Berger, der vor allem in Deutschland Karriere gemacht hat (in Wien war er in »Kuss der Spinnenfrau«, »The Proucers« und »Sister Act« zu sehen), als alternierender »Alt Deuteronimus«, und die Badnerin Birgit Breinschmid als Bombalurina.
Fazit: Wie es schon Robert Cushman im »Sunday Observer« am 17. Mai 1981 formuliert hat: »CATS isn’t perfect. Don’t miss it.«
Cats – Wien, Premierenbesetzung 2. Februar 2012 Band
Dirigent: Daniel Rein
Key 1: Guido Hendrichs
Key 2: Yi Zhou
Key 3: Constanze Beck
Gitarre: Matthias Kurth
Bass: Gero Gellert
Reed 1: Max Teich
Reed 2: Andreas Ockert
Drums: Leonardo von Papp
Cello: Hagen Kuhr
Horn: Bethany Kutz
Cast
Grizabella: Masha Karell
Jellylorum/Griddlebone: Karen Selig
Gumbie Katze: Eva Maria Bender
Bombalurina: Birgit Breinschmid
Demeter: Cornelia Waibel
Rumpleteazer: Marleen de Vries
Victoria: Anique Bosch
Sillabub: Theano Makariou
Cassandra: Elisabeth Hazel Bell
Tantomile: Jaymee Bellprat
Elektra: Jo Lucy Rackham
Rum Tum Tugger: Dominik Hees
Munkustrap: David Arnsperger
Alt Deuteronimus: Martin Berger
Bustopher/Gus/Growltiger: Frank Logemann
Skimbleshanks: Paul Knights
Mungojerrie: Gavin Eden
Mr. Mistoffelees: Mark John Richardson
Tumblebrutus: Nils Haberstroh
Alonzo: Alex Frei
Pouncival: Jack Allen
Plato/Maccavity: Shane Dickson
Coricopat: John Baldoz
Martin Bruny am Freitag, den
10. Februar 2012 um 21:57 · gespeichert in Netz, Musical, Broadway
Die Broadway-Produktion des Musicals »Godspell” (Stephen Schwartz) hat es nicht leicht. Die Auslastung liegt derzeit bei rund 75 Prozent, das ist momentan gar nicht mal so schlecht, war schon mal niedriger. Schlagzeilen können bei Auslastungen in diesem Bereich nie schaden. Mal überlegen: Womit könnte man das konservative Broadway-Publikum noch schocken? Erlauben wir doch Live-Tweeting aus dem Theatersaal. Ist das nicht was?
Nun, das Ganze ist schnell als Promotionaktion entlarvt. 15 Besucher, die tweeten möchten, bekommen Gratiskarten (also Tickets, die man bei einer derartigen Auslastung ohnehin nicht verkauft hätte), weitere Tickets mit der »Lizenz zum Tweeten« gibt es um 99 Dollar am Ticketschalter. Die Tweeter werden in einen speziellen Bereich des Theaters verfrachtet, wo sie andere Besucher nicht allzu sehr stören – wo immer das sein mag. Könnte man eigentlich für jede Vorstellung so machen, gilt aber nur für den 19. Februar 2012. Werden wir in zehn Jahren zurückblicken und sagen: Da, an dem Tag war das der Beginn einer neuen Ära?
In Wien, nur nebenbei erwähnt, wird etwa aus den Theatern der VBW andauernd, nun, nicht gerade getweetet, aber doch gesimst. Woran immer das liegen mag …