Archiv - 2003
Martin Bruny am Donnerstag, den
3. April 2003 um 20:10 · gespeichert in Pop
Mannheim ist nicht eben eine Stadt, die man weit über deutsche Grenzen hinaus kennen würde. Kulturell reiht es sich in keine der deutschen Hochburgen ein. Noch! Aber schon ab dem Wintersemester 2003/04 wird man in Mannheim an einer Pop-Akademie studieren können, wie sie es landesweit kein zweites Mal gibt.
Ob nun Gesang, Management oder Konzertveranstaltung – alles lässt sich für 500 Euro Semestergebühr theoretisch und auch praktisch an der neuen Akademie erlernen. 55 Studenten sollen jährlich nach jeweils drei Jahren Ausbildung ihren Bachelor of Arts machen. Diese 55 Studienplätze stehen schon jetzt 1000 Bewerbern gegenüber.
Als Dozent stellt sich u. a. Xavier Naidoo, Sohn der Stadt Mannheim, zur Verfügung. Er hätte es zu schätzen gewusst, erklärte der Soul-Sänger, hätte er seinerzeit die Möglichkeit gehabt, von Leuten zu lernen, die er respektiere.
Als »Starschmiede« versteht sich die Akademie ausdrücklich nicht. Aber als Sprungbrett in eine vielleicht doch erfolgreiche Zukunft wird sie sicher dem einen oder anderen eine kleine oder auch große Hilfe sein.
Martin Bruny am Mittwoch, den
2. April 2003 um 20:09 · gespeichert in Flicks

Neben August Diehl ist mir bei meinen Theaterbesuchen in den letzten Jahren ein Schauspieler aufgefallen, der meiner Meinung nach das Zeug hat, ein ganz Großer zu werden: David Rott. Vor ein paar Jahren noch war er wohl nur Wiener Theaterbesuchern ein Begriff, mittlerweile jedoch hat er einen Film gedreht (”Ganz und Gar”), erhielt dafür 2003 den Preis für den besten Nachwuchsdarsteller auf dem Max Ophüls Festival und ist Ensemblemitglied des renommierten Deutschen Theater Berlin - und wie hieß es lange Zeit so schön: “Wer es ans Deutsche Theater geschafft hat, ist angekommen. Endstation DT - im positiven Sinn”.
David Rott, Jahrgang 1977, absolvierte in Wien das Max Reinhardt Seminar, wo er unter anderem von den Schauspielerlegenden Inge Konradi und Klaus Maria Brandauer unterrichtet wurde. Nach Engagements am Landestheater St. Pölten, in Bregenz, Bremen und Altaussee wurde Rott mit Beginn der Spielzeit 2000 ans Burgtheater Wien engagiert. Er spielte dort unter anderem in Sarah Kanes “Gier” und den Moritz Stiefel in Christina Paulhofers Inszenierung von Frühlings Erwachen.
War er am Wiener Burgtheater in nicht allzu vielen Produktionen zu sehen, so scheint er am Deutschen Theater Berlin gut ausgelastet zu sein. Derzeit ist er als Happy in “Tod eines Handlungsreisenden”, als Haimon in “Antigone”, als Kurt in “Totentanz” und als Orin Mannon in “Trauer muss Elektra tragen” zu erleben. Einer großen Karriere steht nun nichts im Wege. Auch sein Management kann sich sehen lassen. Einer seiner “Kollegen” bei den Agenten ist kein Geringerer als August Diehl.
Martin Bruny am Dienstag, den
1. April 2003 um 20:07 · gespeichert in Theater

… das sind die wichtigsten Zutaten für die “24 HR. Plays”. Rechnet man die Production Staff dazu, kommt man auf zirka 50 Leute.
Wie entsteht nun so ein “24 HR. Play”? Nun, wenn einmal der Tag der Produktion der 24-Stunden-Schauspiele gekommen ist, treffen sich alle Beteiligten um 22 Uhr am Vorabend der Aufführung zur Initialisierung ihres Rituals. Man bespricht am Ort des Geschehens (also im Theater) die Details und lässt danach die 6 Schriftsteller alleine. Ihre Aufgabe ist es, bis 7 Uhr morgens je ein 10-Minuten-Schauspiel zu verfassen. Punkt 7 Uhr morgens treffen die Regisseure ein und übernehmen. Sie lesen die brandneuen Werke, besprechen sich und beginnen mit dem Casting. Um 8 Uhr morgens stoßen die Schauspieler zur Gruppe, die Proben beginnen um 9 Uhr. Von 17 Uhr bis 19:30 finden die letzten Proben statt, pünktlich um 19:45 wird das Publikum eingelassen. Um 20 Uhr beginnt die Vorstellung.
Seit 1995 sind auf diese Art und Weise über 200 10-Minuten-Schauspiele entstanden und zur Aufführung gebracht worden. Keine üble Idee das. Wann steigt Schlingensief ein?
Martin Bruny am Sonntag, den
30. März 2003 um 20:05 · gespeichert in Literatur

“Der Fänger im Roggen” dürfte eigentlich jedem ein Begriff sein. Manchen liegt er unangenehm im Magen - auch als Resultat missglückten Englischunterrichts - manchen ist er so etwas wie ein ewiger Begleiter geworden.
Bis dato war der Kultroman in deutscher Sprache
1) in einer Übersetzung von Irene Muehlon aus dem Jahr 1954 (publiziert im Zürcher Diana Verlag) erhältlich;
2) ab 1962 in einer durch die Übersetzungsbrille von Heinrich Böll überarbeiteten Version, (bei Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht).
Beide Versionen beruhen auf der ersten britischen Ausgabe des Werks, die 1951 durch den Verleger Hamish Hamilton veröffentlicht wurde. 1958 wurde diese Version als Penguin-Ausgabe publiziert und war von da an praktisch 40 Jahre die Referenzausgabe weltweit.
Das Problem: Diese Ausgabe ist ein Torso des wahren Originals. Englischer Prüderie fielen große Teile des Originalslangs, der originellen Vulgärsprache zum Opfer. Erst 1995 erschien eine unzensierte englische Originalversion, und auf der beruht
3) eine Neuübersetzung durch Eike Schönfeld. In der FAZ kann man ein paar nette Gegenüberstellungen von Neuübersetzung und Böll-Version nachlesen. Kaufen!
Martin Bruny am Sonntag, den
30. März 2003 um 20:04 · gespeichert in Broadway

In allerletzter Minute erhält das Broadway-Musical “Urban Cowboy” noch eine Chance. Am Ende der “letzten” Vorstellung kam Regisseur Lonny Price auf die Bühne und verkündete dem Publikum und der angesichts der vergangenen Ereignisse geschockten und völlig überraschten Cast, dass die Show weiter am Spielplan stehen werde. Wortwörtlich sagte Price:
We have the greatest producers in the world, Chase Mishkin and Leonard Soloway. And they just informed me that we are not going to close tonight!”
Na, wenn das nicht gute Nachrichten sind …
Martin Bruny am Samstag, den
29. März 2003 um 18:26 · gespeichert in Broadway

Am 27. März 2003 feierte das neue Broadway-Musical “Urban Cowboy” seine Premiere. Alle Beteiligten hofften auf einen Triumph - und warteten auf die so gewichtigen Kritiken der New Yorker Kulturjournalisten. Konfrontiert sahen sich am Ende des Tages alle Beteiligten mit den verheerendsten Kritiken dieser Saison. So verheerend, dass die Produzenten beschlossen, die Show bereits am 29. März 2003 wieder abzusetzen, nach insgesamt 4 (in Worten: vier) regulären Vorstellungen.
Es trauern: Lonny Price (Regisseur der Show, verantwortlich unter anderem für Hits wie “A Class Act”), die Choreographin Melinda Roy, Aaron Latham (Book), Chase Mishkin (Produzent), Leonard Soloway (Produzent), Matt Cavenaugh (Hauptdarsteller) sowie die gesamte Cast (Leo Burmester, Marcus Chait, Sally Mayes, Rozz Morehead, Jodi Stevens,Michael Balderrama, Mark Bove, Gerrard Carter, Nicole Foret, Lisa Gadja, Justin Greer, Michelle Kittrell, Brian Letendre, Barrett Martin, Kimberly Dawn Neumann, Tera-Lee Pollin, Chad L. Schiro, Kelleia Sheerin und Paula Wise).
“Urban Cowboy” beruht auf dem gleichnamigen Filmhit, in dem John Travolta und Debra Winger weltweit begeisterten. Musikalisch wurde die Show von Musical-Genie Jason Robert Brown broadwaytauglich gemacht. Nach vielen Jahren der Entwicklung übernahm er im letzten Jahr den letzten Schliff an der Show. Seine Arbeit wurde während der Tryouts in Florida mit einer Reihe ausverkaufter Vorstellungen und wohlwollenden Kritiken belohnt.
Am Broadway hat der Cowboy ausgeritten! [story]
Martin Bruny am Dienstag, den
25. März 2003 um 17:44 · gespeichert in Literatur, TV

Michael Moore ist schon ein mutiger Mann. Drehte in den Staaten einen Dokumentar-Film über us-amerikanischen Waffenfanatismus. Doch er wurde belohnt, und zwar mit einem Oscar. Und da wurde Michael Moore noch mutiger. Denn anstatt anlässlich der Oscar-Verleihung eine Rede zu halten, wie wir sie schon 1.000x gehört haben – »Ich danke dem Team und meiner Mami« –, schleuderte er harte Worte gen Washington D.C.; also richtig harte Worte und nicht etwa leise Zwischentöne: »Wir sind gegen diesen Krieg! Schande über Sie, Herr Bush, Schande über Sie!”
Schande, das war aber direkt! Doch schon nach ca. 45 Sekunden war Schluss mit lustig, man überspielte Moores Worte mit Musik. Der gab sich geschlagen und zog von der Bühne.
Aber mit einem Lächeln auf den Lippen und wohl wissend, dass man nun in aller Welt über ihn sprechen würde. Und der eine oder andere Journalist, der über ihn berichtet, wird wohl nun auch dezent auf Moores Buch verweisen: Stupid White Men. Erfolgreich war’s schon vorher, aber man kann eigentlich ja auch gar nicht erfolgreich genug sein.
Übrigens wird “Stupid White Men” gleich acht Mal im Rahmen der LitCologne, dem großen Literaturfest, das aus Köln so eine Art “Cannes der Literatur” macht, in einer szenischen Lesung zum Besten gegeben. Und zwar an acht verschiedenen Tagen in acht verschiedenen Veranstaltungsstätten. Los geht’s am Sonntag, 30. März 2003 im Comedia Theater. Karten an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Man sieht sich?
Martin Bruny am Dienstag, den
25. März 2003 um 17:37 · gespeichert in Literatur, Netz, Flicks


Es war einmal … ein Junge, der mit einem Film für lange lange Jahre zum Filmstar per se avancierte. Sein Name: Wil Wheaton. Sein Durchbruch: Stand by me (1986), ein Film von Rob Reiner nach einer literarischen Vorlage von Stephen King. Mittlerweile hat es Wheaton auf bis dato 46 Filme gebracht, auf jede Menge Gastauftritte in bekannten TV-Serien, er ist nach wie vor gut im Geschäft … und er ist einer der prominentesten Blogger dieses Universums.
Wil Wheatons Weblogg bietet einen interessanten Einblick in das tägliche Leben eines “Prominenten”. Wer würde schon annehmen, dass ein Filmstar eine Art Tagebuch öffentlich zugänglich im Netz lanciert. Wheaton macht es, und was er schreibt, kann manchmal auch als wichtige Botschaft an alle seine Leser, vor allem seine amerikanischen Fans, verstanden werden:
“March 20, 2003: A time for war, a time for peace. I don’t support this war. I believe that Mr. Bush’s justifications for it are based on lies. I believe that he has lied to the American people, and to the world. I believe that there is a small group of people within Mr. Bush’s administration who have wanted to invade Iraq since the mid-1990s. The horriffic terrorist attacks on September 11th, which have nothing to do with Iraq and everything to do with Saudi Arabia, have been exploited by this small group of people to justify this invasion. While I believe that Saddam Hussein is a terrible despot, I do not believe that this action is worth one American life, and I hope for the speedy return of all military forces to their families. May Peace Prevail On Earth.”
Martin Bruny am Sonntag, den
23. März 2003 um 17:35 · gespeichert in Literatur
Der Horror beginnt 1995. Der japanische Autor Koji Suzuki veröffentlicht sein Werk The Ring - und landet damit einen Volltreffer. Das Buch wird fürs Fernsehen verfilmt, danach von Hideo Nakata fürs Kino. Der große Erfolg pusht drei weitere “Ring”-Streifen Kino, ein Prequel (”Ring 0″) und zwei Sequels (”Ring 2″ und “Spiral”). Spätestens nun war es klar, dass Hollywood auf den Erfolgsrun aufmerksam wird. Mit dem US-Remake (2002) gelingt ein Sensationserfolg. Der zweite Teil ist bereits in Vorbereitung.
Koji Suzuki hat von seinem “Ring”-Zyklus laut Verlag mittlerweile acht Millionen Bände verkauft. Als “Japans Antwort auf Stephen King” (Cover) wird er beworben. Der deutsche Heyne-Verlag greift bei der Übersetzung des Horrorschockers nicht auf das japanische Original zurück, sondern auf die amerikanische Lizenzausgabe. Ouh, was für ein Fehler. Wenn man bedenkt, dass das japanische Original schon bei der Übersetzung ins Englische viel eingebüßt haben muss, kann man sich vorstellen, wieviel an Urkraft bei der Übertragung vom Englischen ins Deutsche auf der Strecke geblieben ist. Nicht zu sprechen von den wirklich heftigen Rechtschreibfehlern, die man da auf den 352 Seiten findet.
Während in der westlichen Welt also der “Ring”-Rummel so richtig durchstartet, treibt er in Japan heftigste Blüten: “The Ring” hat so ziemlich alle Medien, die es gibt, geentert, es gibt eine TV-Serie, ein Manga und weitere auf dem “Ring”-Thema basierende Geschichten von Suzuki.
Eine Frage bleibt allerdings offen: Ist Suzuki tatsächlich die japanische Antwort auf Stephen King? Und wer will das beurteilen können aufgrund einer Übersetzung, die wohl aufgrund des deutschen Kinostarts ziemlich überhastet und fehlerhaft auf den Markt geschmissen wurde?
Martin Bruny am Samstag, den
22. März 2003 um 11:10 · gespeichert in Skurriles

Das Wiener Künstlerhaus am Karlsplatz wird demnächst seinen Ausstellungsbetrieb einstellen. Die meisten Mitarbeiter werden per September gekündigt. Nein, wir wundern uns nicht, dass dies in der politischen Ära schwarz/blau passiert. Wir wussten das schon immer. Draken sind teuer.
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