Martin Bruny am Dienstag, den
8. Mai 2012 um 01:48 · gespeichert in Theater
Zwei Themen. Die Vereinigten Bühnen Wien investieren 380.000 Euro in die Broadway-Version von »Rebecca«. Ganz wohl scheint Thomas Drozda nicht dabei zu sein, ein gewisses Risiko sei dabei, meint er in einem APA-Interview. Auch einem Unternehmen in öffentlichem Eigentum müsse es möglich sein, »betriebswirtschaftlich abgewogene Risiken einzugehen«.
Wie man rechtfertigen will, dass Steuergelder in eine Broadway-Produktion wandern, bleibt dahingestellt. Ob es Sinn macht, wird jeder anders beurteilen. Unter Kathrin Zechner wurde das »Spielkapital« des Unternehmens halt in sogenannte Musiktheater- und auch fast schon Sprechtheater- oder Quasi-Opern-Neuproduktionen gesteckt, die man sich leisten wollte, um bei der Kritik auch mal Pluspunkte zu sammeln. Letztendlich waren das am Ende der Ära Zechner sowas wie die Gesammelten Werke der Tiger Lillies … and then some. Aber immerhin: neu, mitunter spannend. Wenn »Rebecca« tatsächlich so gut ist, wie die VBW glauben, also gut genug, um am Broadway Geld einzufahren, wieso war es dann nicht möglich, genügend Investoren aufzutreiben?
Die Firma Stage Entertainment geht mit ihrem neuesten Projekt, das Bühnenstück »War Horse« ins Berliner Stage Theater des Westens zu bringen, nicht wirklich neue Wege, denn ein reiner Musicalproduzent ist das Unternehmen schon lange nicht beziehungsweise war es ja nie. Ob »War Horse« auch in Berlin ein Erfolg wird, muss man abwarten. Dass diese Produktion ein weiterer Schritt weg vom Musicalgenre ist, kann nicht bestritten werden. Dass das Musicalgenre eine Unzahl von interessanten Projekten zu bieten hätte, ebenfalls nicht, und darum, ob und wie gut »War Horse« ist, darum geht es schon gar nicht. Es ist also eine bewusste Entscheidung gegen das Musicalgenre, doch vielleicht ist »War Horse« tatsächlich eine sinnvollere Bespielung als all die oft nur mäßig erfolgreichen Shows, die zumindest seit 2003, als Stage Entertainment das Theater übernahm, da zu sehen waren.
DIE COMEDIAN HARMONISTS von Gottfried Greiffenhagen/Franz Wittenbrink
mit Patrick O. Beck, Marcello de Nardo, Thomas Kamper, Patrick Lammer,
Alexander Lhotzky, Alexander Lutz, Matthias Mamedof
Regie: Marcello de Nardo/Michael Schottenberg
Premiere: 28. September 2012
IM WEISSEN RÖSSL von Ralph Benatzky
mit Maria Bill, Andrea Bröderbauer, Nanette Waidmann, Erwin
Ebenbauer, Günter Franzmeier, Thomas Kamper, Christoph F. Krutzler,
Patrick Lammer, Matthias Mamedof, Heinz Petters u.a.
Regie: Michael Schottenberg
Premiere: 14. Dezember 2012
Martin Bruny am Sonntag, den
29. April 2012 um 12:05 · gespeichert in Musical, Wien, TV, Theater
Die Berliner Sopranistin Annette Dasch ist seit 2008 unter anderem auch Gastgeberin des TV-Formats »Annettes DaschSalon”, einer Mischung von Liederabend und Talkshow.
Derzeit probt Dasch an der Wiener Volksoper »Madame Pompadour« (Premiere 6. Juni 2012) und nutzte diesen Zwischenstopp in Wien, um eine Folge ihrer Sendung im Wiener Odeon Theater aufzuzeichnen. Unter dem Motto »Begegnungen« zu Gast: Michael Schade, Paul Schweinester (an der Volksoper unter anderem in »Die spinnen, die Römer!” zu sehen), Katharina Straßer (war an der Volksoper in »My Fair Lady« zu sehen, die Show steht ab 30. Dezember 2012 wieder am Spielplan der Volksoper) und Josef Hader.
Bis 5. Mai kann die Sendung online –> hier als Stream abgerufen werden.
Martin Bruny am Freitag, den
23. März 2012 um 20:18 · gespeichert in Theater
Alfons Haiders Nachfolger als Leiter der Stockerauer Festspiele steht fest. Es ist Zeno Stanek, der einen Zweijahresvertrag unterschrieben hat. Vorbei sind die Zeiten des Musicals in Stockerau, ab 2013 wird eine Schauspielproduktion vor der Stadtpfarrkirche gezeigt. 550.000 Euro an Budget wird zur Verfügung stehen, das soll um 50 Prozent weniger sein als in den Vorjahren.
Martin Bruny am Montag, den
6. Februar 2012 um 03:18 · gespeichert in Musical, Wien, Theater
Der »Welt der Operette« widmet sich eine Ausstellung im Wiener Theatermuseum seit 2. Februar und noch bis 24. September 2012 – kuratiert von Marie-Theres Arnbom sowie Kevin Clarke, und gestaltet von Sam Madwar. Starkult und Kommerz werden ebenso thematisiert wie Sozialkritik, Politik und rassische Verfolgung.
Heute strömen die Besucher ins Kino, früher stürmten sie Operettentheater und warteten auf Novitäten und Skandale ihrer Stars. Showbusiness war angesagt, Glamour und Glitter bestimmten die Inszenierungen, die niemals verstaubt und altmodisch, sondern in der prägenden Zeit der 1920er sozialkritisch, humorvoll und frivol waren. Ihre Akteure wurden zu Superstars und gesuchten Werbeträgern für Produkte von Zigaretten bis Luxusautos. Wiener Operette machte auch am Broadway Furore und war ein einzigartiger Exportartikel österreichischer Kultur.
Ein Rahmenprogramm begleitet diese Ausstellung. Unter dem Motto “Wir laden gern uns Gäste ein” gibt es Gespräche unter anderem mit Dagmar Hellberg, Robert Meyer, Peter Fröhlich und vielen anderen mehr. Weitere Programmpunkte:
Im weißen Rössl – erstmals für Kinder! Kinderversion der beliebten Benatzky-Operette mit Alexander Kuchinka (Regisseur, Pianist und »Leopold«), Cornelia Horak, Christoph Wagner-Trenkwitz, Peter Kühnelt-Leddihn und Sam Madwar (Ausstattung). Eine Produktion des Kindermusikfestivals St. Gilgen. 31. März 2012, 17 Uhr, Eintritt: 18 €, Kinder und Schüler 8 €
Und Operette rettete der ungarische Schlager! Heinz Holecek singt und erzählt
Am Klavier: Markus Vorzellner
25. April 2012, 19.30 Uhr, Eintritt: 18 €, Schüler und Studenten 10 €
Von der Operette zum Wienerlied – »Schlager« für Fortgeschrittene? Maria Stippich, Helmut Stippich, Peter Havlicek und Otto Brusatti bieten Achterbahnfahrten für Schwindelfreie.
3. Juni 2012, 11 Uhr, Eintritt: 18 €, Schüler und Studenten 10 €
Und wer schließlich ein aktuelle Operette sehen will, hat dazu ab 19. Mai 2o12 im Wiener Konservatorium Gelegenheit, wo an diesem Tag die Uraufführung der Musicaloperette »Tee um drei« von Florian Stanek (Buch/Liedtexte) und Sebastian Brandmeir (Musik) stattfindet. (Dabei handelt es sich um keinen Programmpunkt des Theatermuseums.) Nähere Infos –> hier.
Martin Bruny am Samstag, den
28. Januar 2012 um 16:33 · gespeichert in Theater
In einem gemeinsamen Statement formulierten die frei produzierenden Wiener Musiktheatergruppen, seit August 2011 in der Plattform »Freies Musiktheater Wien« vereint, ihren Protest gegen das angekündigte Modell »Kammeroper Neu«. Die freie Szene wurde nicht in den Diskussionsprozess eingebunden.
Etwas pikant ein kleines Detail. Walter Kobera, ebenfalls Mitglied der Plattform, der seinen Deal mit den Vereinigten Bühnen Wien in der Tasche zu haben scheint als Vorstand eines neuen Vereins zur Gründung der »Kammeroper Neu«, hat als einziges Mitglied der Plattform nicht unterschrieben.
Klar ist somit, dass die Aussagen, die Kulturstadtrat Mailath-Pokorny in einem Interview mit dem KURIER traf, zumindest missverständlich waren oder wiedergegeben wurden (siehe auch –> hier). Ausschließlich ein Theater, nämlich die »Neue Oper Wien«, war in die Diskussionen rund um eine von außen gewünschte Neustrukturierung der Kammeroper involviert.
Das Freie Musiktheater Wien steht für Vielfalt und die Aufwertung freier Produktionen, sieht durchaus Bedarf an einem Koproduktionshaus, wünscht sich aber für die Zukunft des Musiktheaters in Wien transparente Entscheidungsfindungen mit substanzieller Beteiligung der freien Musiktheaterproduzenten Wiens.
Unterzeichnet von:
Musikwerkstatt Wien – Huw Rhys James / Anna-Maria Birnbauer
Mupath – Rupert Bergmann
Netzzeit – Michael und Nora Scheidl
Neues Wiener Musiktheater – Alexander Kukelka
Oper Unterwegs – Helga Utz
phace – Reinhard Fuchs
progetto semiserio – Georg Steker
sirene Operntheater - Kristine Tornquist / Jury Everhartz
Teatro Barocco – Bernd R. Bienert
Wiener Taschenoper – Gerhard Dienstbier
Zoon Musiktheater - Thomas Desi
Martin Bruny am Samstag, den
28. Januar 2012 um 03:27 · gespeichert in Theater
Im Wiener Theater Drachengasse ist seit 24. Januar die österreichische Erstaufführung der musikalischen Farce »Mord im Musikantenbeisl« zu sehen. Die Show läuft so erfolgreich, dass man die Spielserie um zwei Tage verlängert hat. Zum lustigen Mörderraten darf man sich nun auch noch am kommenden Donnerstag und Freitag, am 2. und 3. Februar, einfinden.
Die Produktion ist ein schrilles Spektakel, in dem der Humor ab und an mit den United Forces von Bronchial- & Brachialgewalt zelebriert wird, aber wohlüberlegt und geplant. Gute Laune ist vorprogrammiert, wenn das vergammelte, falsche und verlogene Schlager-TV-Geschäft so richtig, aber wirklich so richtig aufs Korn genommen wird.
Das Ganze ist sehr interaktiv angelegt, wer nicht mitpascht, mitstampft und keine Stimme hat, um HOSSA zu brüllen, hat wenig Chancen, heil aus dem Theater rauszukommen, vor allem, wenn man in der dritten Reihe sitzt.
Kleine Unpässlichkeiten innerhalb der Cast wurden so gelöst, dass das Ganze ein noch größerer Spaß wird. So hat Jacqueline Braun, Darstellerin der Moderatorin Linda De Mehl und des amerikanischen blinden 19-jährigen Schlagerstars Heidi Heida, ausgerechnet während der Spielzeit ihre Stimme verloren. Die Lösung: Sie wird live synchronisiert, und das Publikum darf wählen, wer diese Aufgabe denn erfüllen soll: In der Vorstellung vom 27. Januar waren das Richard Panzenböck, der Regisseur, oder Joanna Godwin Seidl, die bei dieser Produktion unter anderem als Assistent der Regie fungiert. Das Publikum wählte mehrheitlich Richard Panzenböck, und auch das war, wie alles an diesem Abend, ein großer Spaß.
Gegen Ende der Show stellte Karsten Kammeier in seiner Rolle als Schizo-Tourette-Blaskapellen-Inspektor einem Mädchen die Frage: »Wie bringt man einen Musikanten zum Singen?” Als Antwort kam, spontan: “Hauen!” – das sind Momente, wie man sie wohl nur in solchen Shows erlebt.
Sollte man sich nicht entgehen lassen.
Leading Team
Buch: Ronny Rindler
Musik: Rory Six
Regie: Richard Panzenböck
Assistenz: Joanna Godwin Seidl
Playbacks + Aufnahme: Gernot Ottowitz
Playbacks: Joschen Hirschinger
Licht: Gordanna Crnko
Cast
Linda De Mehl, Heidi Heida: Jacqueline Braun
Florian Edelstahl, Uwe Schwarm: Nikolaus Firmkranz
Ottfried Schnüffler: Karsten Kammeier
Rosa Pinsel, Helene Zwitscher, Dr. Schnelltod: Katrin Mersch
Detlef Leim: Rory Six
Dr. Dr. Richter: Joanna Godwin Seidl
Martin Bruny am Mittwoch, den
25. Januar 2012 um 02:53 · gespeichert in Theater
Wie vorauszusehen war, wird die Kammeroper Wien von den VBW/Theater an der Wien quasi »übernommen”, wenngleich dieser Ausdruck in der amtlichen Sprachregelung tunlichst vermieden wird. Mit der »Nichtübernahme« lässt man sich aber Zeit, denn zuvor gilt es wohl, den derzeitigen Leitern keinerlei Hoffnung auf eine andere Regelung zu machen – sozusagen nachhaltig. Es wird, wie Kulturstadtrat Mailath-Pokorny in einem Interview mit dem KURIER formuliert, eine »Kammeroper Neu« geben, aber erst im September 2012.
Warum es die »Kammeroper Neu« geben wird? Nun, weil Bund und Stadt Wien in einer konzertierten Aktion der »Kammeroper Alt« die Subventionen in der Höhe von jeweils 700.000 Euro gestrichen haben beziehungsweise vernehmen ließen, sie nicht weiter zu gewähren, und damit den derzeitigen Leitern sagen wir die Aufgabe der Leitung »leicht gemacht haben«. Eine Online-Petition, die von 2567 Unterstützern der »Kammeroper Alt« gezeichnet wurde, darf man sich als virtuell im Gulli verrottend vorstellen. Gründe für die »Nichtübernahme« der Kammeroper werden keine angegeben.
Freilich, so Mailath-Pokorny, ist das Genre »Kammeroper« ja für eine Opernstadt wie Wien sehr wichtig, daher wird ein Verein gegründet, in dessen Vorstand unter anderem zwei Personen vertreten sein werden: Roland Geyer, der Chef des Theaters an der Wien, und Walter Kobera, Leiter der Neuen Oper Wien, als Repräsentant der freien Szene.
Damit ist klar, dass die Kammeroper großteils zur Spielstätte des Theaters an der Wien wird, und die VBW bekommen für das Projekt Kammeroper 700.000 Euro von der Stadt Wien jährlich. Mailath:
»Das ist aber keine Übernahme durch das Theater an der Wien, weil ja auch die freie Szene verankert ist.«
Die Fakten: Roland Geyer wird künstlerischer Letztverantwortlicher der Kammeroper, und strukturell wird die Kammeroper ja wohl doch zum Teil des Theaters an der Wien, selbst der Aboverkauf wird über das Theater an der Wien abgewickelt. Dennoch: Man hat ja noch das Schamtuch »Freie Szene« als Rechtfertigungstotschlagargument. Well done!
Martin Bruny am Mittwoch, den
18. Januar 2012 um 10:55 · gespeichert in Theater
»Wer für die Salzburger Festspiele teure Karten kauft, darf sich dumm vorkommen.« So formulierte das »Wirtschaftsblatt« sein Fazit eines Rechnungshofberichts, der die Salzburger Festspiele einigermaßen zerpflückt.
Freikarten pro Saison im Wert von bis zu zwei Millionen Euro wurden verschenkt, sehr oft Tickets der besten Kategorien. Doppelte Buchhaltungen, unvollständig erklärte Subventionen, »sehr ungenaue” bis gar nicht erstellte Voranschläge sowie Vergehen gegen das Bundesvergabegesetz bei Aufträgen im Gesamtwert von 1,62 Millionen € (Website, Consulting, Druckwerke) … Ein Debakel.
Martin Bruny am Dienstag, den
20. Dezember 2011 um 18:48 · gespeichert in Theater
18 Wiener Bühnen haben sich zur »Plattform zeitgenössischer Theater- und Tanzhäuser” (PZTT) zusammengeschlossen. Mit dabei sind:
- 3raum-Anatomietheater
- brut
- Das Off Theater
- Dschungel Wien
- Garage X
- Kabinetttheater
- KosmosTheater
- Lilarum
- Palais Kabelwerk
- Rabenhof
- Salon 5
- Schauspielhaus
- TAG
- Tanzquartier Wien
- Theater Drachengasse
- Theater Nestroyhof Hamakom,
- Theater Spielraum
- WUK
Der Anlass dafür ist die im Moment stattfindende Evaluierung der Wiener Theaterreform, die Neubesetzung der Wiener Theaterjury sowie die voranschreitende Prekarisierung der Theaterschaffenden. Anfang 2012 wird die PZTT an die Öffentlichkeit treten. [ots.at]