Archiv - Theater
Martin Bruny am Samstag, den
12. Mai 2007 um 22:31 · gespeichert in Theater, Event-Tipps
Als “Kammermusical” möchte Viktor Gernot gerne die Produktion der Ralph Benatzky-Operette “Im Weißen Rössl” rezipiert wissen, die im Februar 2008 in den Wiener Kammerspielen ihre Premiere feiern wird. Operette bleibt Operette, würd ich mal sagen. Gegen eine gute Operette ist ja an und für sich nichts zu sagen. In der Wiener Volksoper läuft zur Zeit Kurt Weills Operette “Der Kuhhandel”, und das sollte man sich nicht entgehen lassen. Eine Operette in den Kammerspielen ist mal was Neues. Leading-Team und Cast setzen sich zu einem Großteil aus Musical-Profis zusammen. Viel kann da nicht schiefgehen.
Leading-Team
Regie: Werner Sobotka
Bühnenbild: Hans Kudlich
Kostüme: Elisabeth Gressel
Musikalische Leitung: Christian Frank
Choreografie: Ramesh Nair
Cast
Josepha Vogelhuber, Wirtin zum »Weißen Rössl«: Eva Maria Marold
Leopold Brandmeyer, Zahlkellner: Viktor Gernot
Wilhelm Giesecke, Trikotagenfabrikant: Toni Slama
Ottilie, seine Tochter: Caroline Vasicek
Dr. Otto Siedler, Rechtsanwalt: Boris Eder
Sigismund Sülzheimer: Martin Niedermair
Professor Dr. Hinzelmann: Christian Futterknecht
Klärchen, seine Tochter: Ruth Brauer-Kvam
Der Kaiser Franz Joseph II.: Kurt Sobotka
Der Piccolo: Joe Ellersdorfer
Kathi Weghalter, Briefträgerin und Präsidentin des Jungfrauenvereins: Martina Moharitsch
Martin Bruny am Samstag, den
12. Mai 2007 um 16:08 · gespeichert in Musical, Broadway, Theater, Awards
Am 11. Mai wurden die Gewinner der Drama League Awards 2007 bekannt gegeben. Die Liste der Preisträger liest sich wie folgt:
Distinguished Production of a Play
The Coast of Utopia
Distinguished Production of a Musical
Spring Awakening
Distinguished Production of a Revival—Play
Journey’s End
Distinguished Production of a Revival—Musical
Company
Distinguished Performance Award
Liev Schreiber, Talk Radio
Distinguished Achievement in Musical Theatre Award
John Kander & Fred Ebb
Julia Hansen Award for Excellence in Directing
Michael Mayer (Spring Awakening)
Unique Contribution to the Theatre Award
Broadway Cares/Equity Fights AIDS
Martin Bruny am Dienstag, den
8. Mai 2007 um 15:08 · gespeichert in Musical, Theater
Es gab mal eine Zeit, da war es für Musical-Hardcorefans noch leistbar, fast jeden Tag ins Theater zu gehen - wird es vielleicht bald mal heißen. Zumindest, was das Raimund Theater betrifft. So manch Musicalfan leistete sich hunderte Vorstellungen seiner Lieblingsshow. Einer der Gründe: Stehplätze gab es in den Theatern der Vereinigten Bühnen Wien um wohlfeile 2,5 Euro.
2008 zieht die Queen-Show “We Will Rock You” ins Raimund Theater ein - und ein anderer Wind. Es gibt bei den Tickets Preissteigerungen um bis zu 500 Prozent. So kostet ein Stehplatz nun nicht mehr 2,5, sondern 15 Euro.
Sollen wir es gleich das Barbra-Streisand-Syndrom nennen, das hier bei den Kalkulationen mitgespielt haben könnte? Barbra treibt es natürlich etwas weiter, sie nimmt gleich 125 Euro für Plätze, auf denen man maximal die Live-Übertragung ihrer Show auf Vidiwalls erkennen kann.
Mir persönlich ist es ja gleich, Stehplatz ist nicht mein Ding. Man sieht im 2. Rang schlecht, die Luft ist schlecht. 2,5 Euro, ja, da kann man notfalls damit leben. 15 Euro ist gleichzusetzen mit einem Sperren der Stehplätze, denn sie sind das Geld nicht mehr wert. Das gleiche gilt für Sitze mit eingeschränkter Sicht. Hier steigt der Preis um 100 Prozent von 10 Euro auf 20 Euro. 10 Euro sind Sitze mit eingeschränkter Sicht wert, immer mit dem Risiko verbunden, dass man, wenn man Pech hat, auch tatsächlich fast gar nichts sieht. 20 Euro sind diese Plätze nicht wert. Insgesamt ist die massive Preiserhöhungspolitik deutlich im Billigpreissegment angesiedelt und widerspricht allem, was in den vergangenen Jahrzehnten in Wien von der Politik im Kulturbereich verwirklicht wurde. Aber vielleicht hat es ja auch ein Gutes, und die jungen Leute gehen wieder verstärkt in die Burg, in die Volksoper oder ins Volkstheater - zu Preisen, die sich nicht an Verhältnissen orientieren, die es in Wien nicht gibt.
Die Preise im Überblick (in Euro, Mo-Do):
Kategorie Preis alt/neu
Gelb 72 / 78
Blau 67 / 72
Rot 59 / 60
Orange 45 / 46
Grün 23 / 30
Rosa 10 / 20
Stehplätze 2,50 / 15
Die Preise im Überblick (in Euro, Fr +Sa Abendvorstellungen):
Kategorie Preis alt/neu
Gelb 95 / 98
Blau 88 / 90
Rot 69 / 78
Orange 53 / 62
Grün 25 / 52
Rosa 10 / 20
Stehplätze 2,50 / 15
Mit “We Will Rock You” zieht auch ein anderer Spielplan ins Raimund Theater ein. Es gibt keinen Schließtag, und am Samstag und Sonntag sind durchgehend zwei Vorstellungen pro Tag angesetzt. Die Nachmittagsvorstellungen sind preislich etwas günstiger als die Abendvorstellungen am Wochenende (90/84/72/56/42/20/15).
Update, 21. Mai 2007: Mittlerweise wurden die meisten Montage aus dem Ticketsystem von Wien-Ticket eliminiert. Auch von den Doppelvorstellungen am Sonntag findet man ab Februar keine mehr. Da man weitere Änderungen wohl nicht ausschließen kann, ist es besser, den aktuellen Stand entweder telefonisch bei Wien-Ticket zu erfragen oder im Netz nachzusehen.
Update, 28. Mai 2007: Nun wurden auch die Ticketpreise etwas gesenkt. Stehplätze kosten nun 10 Euro, statt 15 Euro. Die ursprüngliche 10-Euro-Kategorie, die auf 20 Euro gehoben wurde, kostet nun 15 Euro.
Martin Bruny am Dienstag, den
8. Mai 2007 um 00:44 · gespeichert in Netz, Musical, Theater
Jason Robert Browns Website hat sich in den vergangenen Monaten zu einer lebendigen Austauschplattform zwischen dem Komponisten und all jenen entwickelt, die sich für seine Musik interessieren. Bei manchen Anfragen platzt ihm schon mal der Kragen, woraufhin er sich dann gleich ein paar Mal dafür entschuldigt und verspricht, ein besserer und geduldigerer Mensch zu werden. Meistens dreht es sich dabei um die Frage, ob die Reihenfolge der einzelnen Lieder bei seinem Musical “Songs for a New World” eine zufällige sei oder von ihm tatsächlich beabsichtigt.
Wie auch immer, von seinem Musical “Songs for a New World” hat er auf seiner Website in der Rubrik “Weblog” einige Demos online, die er 1992-1994 mit Billy Porter und Kristine Zbornik aufgenommen hat: “King of the World” und “”Surabaya-Santa”.
Martin Bruny am Mittwoch, den
2. Mai 2007 um 13:37 · gespeichert in Musical, Wien, Theater, Sprache, Theater

Zippeti Zappeti Zeppeti-Zupp,
einmal Schwipp und einmal Schwupp,
Piffzipaffzi Trallalla,
und der Kasperl, der ist da!
Seid ihr auch alle da?
[Arminio Rothstein: Kasperls Spruch — Download]
Im Kabarett Simpl derzeit zu sehen: “Krawutzi Kaputzi”, mit den Untertiteln: “Das Sozialdrama” und “Strengstes Jugendverbot”. Geht man vom Theater aus, in dem sich das Ganze abspielt, so könnte man eine der am Hause üblichen Kabarettproduktionen erwarten. Das Simpl (1912 als “Bierkabaret Simplicissimus” gegründet und damit das älteste noch immer bespielte deutschsprachige Kabarett) ist für zwerchfellstrapazierende kabarettistische Revuen berühmt. Wer diese Erwartungshaltung hat, wird nicht enttäuscht. “Krawutzi Kaputzi” ist, unter anderem, auch ein Stück herrliches Kabarett, nur eben einen Dreh anders.
“Krawutzi Kaputzi” ist aber auch eine Hommage an all jene Künstler, die die Puppenspielfiguren, die Stars der Show, geschaffen
haben. Dem Programmheft kann man Angaben dazu nicht entnehmen. Da heißt es zu, sagen wir mal “Zwerg Bumsti”, einer der Nebenfiguren der Show: “52, Kaufmann, Biertrinker, Verzahrer”. Wollte man exakt sein, müsste man sagen: Falsch. Bumsti ist schon 60, denn Teja Aicher, ein Wiener Künstler, hat den kleinen pausbäckigen “Zwerg Bumsti” als Comicfigur im Jahre 1947 erfunden.
Kasperl, die Gans Mimi, der Zauberer Tintifax, Helmi - all diese Figuren wiederum haben Arminio und Christine Rothstein zum Leben
erweckt. Arminio Rothstein (1927-1994), besser bekannt als Clown Habakuk, war ein österreichischer akademischer Maler, Puppenmacher und Puppenspieler, Drehbuchautor und Buchautor, Musiker, Zauberer und AHS-Professor. Von 1968-1994 arbeitete er beim Kinderfernsehen des ORF und entwickelte Sendungen, in denen Puppen mit ihm selbst als Clown Habakuk und anderen Menschen interagierten.
Die “Familie Petz” wiederum, die einen anderen Teil der “Cast” von “Krawutzi Kaputzi” beistellt, als da sind Pezi, Großvater, Pezis Freund Fips (eine Maus), die Katze Minki und die Ziege Meckerle, ist Star der ORF-Sendereihe “Betthupferl”. 198 Folgen davon produzierte das Wiener Urania Puppentheater für den ORF. Der Titel der Simpl-Show, “Krawutzi-Kaputzi” (Download), ist Pezis Standard-Ruf, wenn er wieder mal Unfug angestellt hat und aufgeflogen ist. So würde sich auch noch die eine oder andere Puppenspielserie anführen lassen, aus der die Macher der Simpl-Show ihr Personal rekrutierten - Sendungen, die zum Teil seit 1957 vom ORF ausgestrahlt werden.

Natürlich hat das Simpl nicht den kleinen Pezi auf die Bühne gestellt und mit ihm ein Puppentheater für Kinder inszeniert. Pezi ist
in “Krawutzi Kaputzi” vielmehr 29 Jahre alt, hat sein Boku-Studium noch immer nicht abgeschlossen, und steht kurz vor seinem -
1000. One-Night-Stand (das macht 1,46 One-Night-Stands die Woche, bei einem Start im 16. Lebensjahr, wie ihm Fipsi, sein Freund, akribisch ausrechnet). Sein Großvati hat zwei Schlaganfälle hinter sich, und da er erst mit 60 begonnen hat für seine Pensionsversicherung einzuzahlen, steht er noch immer in seinem Geschäft. Fips, die graue Maus, ist beruflich erfolgreich im Bankgewerbe tätig und schwul, aber niemand in seiner Umgebung weiß von dem einen noch von dem anderen. Erste Kontakte in die Szene knüpft er auf der Single-Plattform gayromeo.at als “TraumMaus31W” und lernt dort ausgerechnet “Helmi”, 45, arbeitslos, depressiv, spielsüchtig und hoch verschuldet, kennen, der ebenfalls unter einem “vielsagenden” Pseudonym auf Männerjagd ist. Bevor Pezi den 1000er einlochen kann, taucht Minki auf, die fescheste Katz von Meidling, Pezis Jugendliebe. In Herrn Özgüls Internetcafà© treffen Pezi und Minki aufeinander - und verlieben sich. Stammgäste bei Özgül sind auch die Gans Mimi, eine erfolgreiche Chansonette im Klimakterium, die Eheprobleme mit dem Drachen Dagobert hat. Der schaut sich nämlich im Internet ständig Pornos an und bringt außer “Bussi Bussi” kaum ein vernünftiges Wort raus. Statt auf “duden.de” an seinem Wortschatz zu arbeiten, surft er auf “tuttln.at” und ist da ganz in seinem Element. Als auch noch die beiden Penner Kasperl und Tintifax auftauchen und Großvatis Trafik überfallen wollen, ist das Chaos perfekt.

In bester “Avenue Q”- oder auch “Villa Sonnenschein”-Manier werden die Puppen von Darstellern geführt. Die Puppenspieler leihen den Puppen ihre Stimme, sie tanzen, sie agieren, so als wären sie eins. Mitunter wird dieses Konzept gebrochen, wenn beispielsweise eine Puppe von ihrem Puppenspieler Hilfe bei Tätigkeiten verlangt, die die Puppe als solche nicht verrichten kann (Blumen aus dem Blumenpapier auswickeln zum Beispiel). Man könnte meinen, dass dieses Konzept etwas verwirrend ist, weil man sich weder auf die Puppen noch auf die Darsteller voll konzentrieren kann. Das Problem löst sich aber nach einigen Minuten von selbst, weil man dann sicher für sich eine Entscheidung getroffen hat. Und wer will, kann sich ja eine zweite Runde im Simpl geben.
Als Puppenspieler am Werk: Vollprofis auf dem Gebiet des Musicals: Susanne Altschul (”Elisabeth”, “Freudiana”, “Les Misà©rables”),
Claudia Rohnefeld (”The Wild Party”, “Strangers in the Night” und “Camelot”), Sigrid Spörk (”Sommernachtsträume”, “Die Geggis”),
Roman Frankl (”Kiss me, Kate”, “Hello Dolly”), Otto Jaus (”Jekyll & Hyde”, “Les Misà©rables” und “Das Lächeln einer Sommernacht”),
Ronald Seeboth (u. a. Lehrer am Performing Arts Center) und Roman Straka (”Elisabeth”, “Jesus Christ Superstar”, “Assassins”).

Gesungen und gesprochen wird fast durchgehend im Wiener (Meidlinger) Dialekt. Dialekt ist immer eine schwierige Sache. Man muss sich drauf einlassen, ganz oder gar nicht. Mal ein paar Worte im Dialekt einzustreuen wirkt manchmal sehr sehr gekünstelt. Dialekt ist auch eine sehr intime Sache. Wer im Dialekt spricht, offenbart oft mehr von sich als er eigentlich will. Dialekt ist eine sehr gefühlsintensive Sprachebene, verglichen mit der glatten Hochsprache. Dialekt muss man ohne Zurückhaltung rauslassen. Da gehört schon mal ein gepflegtes “Oarsch” dazu. Wobei die Grenze zwischen einem vulgären “Oarsch” und einem, über den man noch lachen kann, auch keine ganz so einfach zu bewältigende Sache ist. Denn glaubhaft sollte es dann doch sein.
Am meisten werden diejenigen die Show genießen, die in Krapfen reinbeißen, ohne vorher nachzudenken, ob ihnen gleich die Marmelade aufs Hemderl spritzt, diejenigen, die mit Wonne grünen Slime mit den Fingern geknetet haben, Leute, die nicht eben zusammenzucken, wenns um Oarschlöcher geht und die nicht den Saal verlassen, wenn Puppen ficken. Oder aber Leute, die das schon immer gerne mal gemacht hätten (also nicht das mit den Puppen), aber sich nicht trauen. Es hat keinen Sinn, groß drumherum zu reden, in “Krawutzi Kaputzi” werden die Dinge beim Namen genannt und auch explizit gezeigt, denn letztendlich sind es ja Puppen, dies miteinander treiben.

“Krawutzi Kaputzi” ist ein charmantes, präzise getimtes Spiel mit Worten auf einer bestimmten Zielebene. Hier wird nicht burgtheaterreife Unterhaltung angestrebt, eher schon ist es eine musikalische Wuchtel-Parade, Blödeln auf hohem Witzniveau. Die Songs leben vom Wortwitz, der in den meisten Fällen einen, wenn möglich, hysterischen Lacher im Publikum als absolutes Ziel hat. Es hätte nicht viel Sinn, Textbeispiele zu bringen, denn wirksam sind Wuchteln meistens nur live.
Johannes Glück hat den Puppen und ihren Darstellern eine Reihe von lieben Melodien auf den Leib geschrieben, in denen es um Drogen, Minderheiten, Ausländerfeindlichkeit, Suizid, Depressionen, den ORF und andere aktuelle Themen geht, neben den ewig aktuellen Themen: Liebe, Eifersucht und Tod. Dass auf der Bühne des Simpls, die die Ausmaße eines kleinen Wohnzimmers hat, kein Orchester und auch keine Band den Sound liefern kann, schlicht weil kein Platz ist, die Musik also vom Band kommt, ist in dem Fall egal. Viele der Songs haben einen Touch Melancholie, etwas Berührendes, andere einen gehörigen Kick an frechem Witz. Es sind durchwegs Ohrwürmer, die innerhalb der Show perfekt funktionieren. Eine Cast-CD der Produktion ist für den Herbst 2007 geplant.
Ja, “Krawutzi Kaputzi” wäre ohne die “Wickie, Slime & Piper”-Welle einen Kick innovativer gewesen, auch ohne Puppenspiel-Musicals wie “Avenue Q” oder “Villa Sonnenschein”, aber es ist legitim, vorhandene Trends zu erkennen, zu verarbeiten und in eine eigene Form zu gießen, und so präsentiert sich “Krawutzi Kaputzi” als stimmiges und mitreißendes “Avenue Meidling” mit einem eigenständigen USP, nämlich als Dialektmusical. Bei so vielen wirklich hervorragenden Zutaten wie Musik, Text, Inszenierung (Werner Sobotka), Bühnenbild, Licht, Puppen sind dennoch die Puppenspieler der wahre Volltreffer und ideal besetzt. Das Ensemble ist eine Mischung aus erfahrenen Darstellern wie Susanne Altschul, Roman Frankl oder Ronald Seeboth bis hin zu Musicalstudenten wie Otto Jaus, der bei “Krawutzi Kaputzi” seine erste tragende Rolle in einer relevanten Musicalproduktion mit Bravour, spielerischer Freude und dem für diesen Part notwendigen Charme spielt. Roman Straka, in vielen Rollen bei den Vereinigten Bühnen Wien eher mit mittleren und kleineren Parts oder als Zweitbesetzung bedacht, kann in “Krawutzi Kaputzi” viel viel mehr zeigen als in jeder anderen Rolle bisher. Ob als “Zwerg Bumsti”, “Fips” oder “Kasperl”, er überzeugt in jeder Rolle. Claudia Rohnefeld scheint spezialisiert auf Männerrollen. Erst kürzlich gab sie in der Badener Produktion von “Les Misà©rables” den Gavroche, in “Krawutzi Kaputzi” ist sie als depressiver, spielsüchtiger Herr Helmi zu sehen und in einer zweiten Rolle als männergeile Ziegentussi. Beide Rollen gestaltet sie mit Wonne und Spielfreude. Ronald Seeboth gibt einen lässigen, potrauchenden Großvati und in einer zweiten Rolle den dusseligen Dagobert souverän. Sigrid Spörk als Katze Minki ist, schlicht und einfach, entzückend, genauso wie Susanne Altschul als Möchtegern-Diva Mimi, die Gans. Roman Frankl als typischer Meidlinger Türke Özgül spielt souverän die Klischee-Orgel und hat die Lacher immer auf seiner Seite.
Kreativteam
Buch, Liedtexte und Musik: Johannes Glück
Regie: Werner Sobotka
Musikalische Leitung: Erwin Bader
Regieassistenz: Andrea Kern
Regiehospitanz: Julia Screm
Korrepetition: Harald Hauser
Puppenbau: Bodo Schulte/Erika Reimer
Puppentraining: Bodo Schulte
Kostüm: Gaby Raytora
Kostümassistenz: Erika Brausewetter
Maske: Aurora Hummer
Bühnenbild und Puppenentwurf: Markus Windberger/Petra Fibich
Bühnenbildassistenz: Bettina Fibich
Lichtdesign: Pepe Starman
Tondesign: Raphael Spannocchi
Requisite: Julia Schmidleitner
Lichttechnik: Alexander Felch
Tontechnik: Philipp Habenicht
Bühnentechnik: Robert Glass/Robert Saringer
Produktion: Albert Schmidleitner
Cast
Susanne Altschul: Mimi, Frau Maus
Claudia Rohnefeld: Helmi, Ziege
Sigrid Spörk: Minki
Roman Frankl: Özgül
Otto Jaus: Pezi, Tintifax
Ronald Seboth: Großvati, Dagobert
Roman Straka: Fips, Zwerg Bumsti, Kasperl
Vorstellungen und Tickets
Kassa täglich 14-20 Uhr, geöffnet (1010 Wien, Wollzeile 36), Tel. 01/ 512 47 42
Telefonische Bestellung Montag-Freitag 9-12 Uhr, Tel. 01/ 512 39 03
täglich 14-20 Uhr, Tel. 01/ 512 47 42
Schriftliche Bestellungen: Kabarett Simpl, Wollzeile 36, 1010 Wien
“Krawutzi Kaputzi” steht vom 14. Mai bis 30. Juni sowie vom 27. August bis 23. September 2007 am Spielplan des Kaberett Simpl
Martin Bruny am Donnerstag, den
26. April 2007 um 11:10 · gespeichert in Musical, Theater, Awards
Am 11. Mai 2007 werden die begehrten Drama League Awards im New Yorker Marriott Marquis Hotel verliehen. Es ist dies die traditionsreichste Preisverleihung der USA für besondere Leistungen auf dem Gebiet des Theaters. Die Drama League wurde 1916 gegründet, seit 1933 werden Awards unter anderem für das beste Musical, das beste Theaterstück, das beste Musical-Revival und das beste Revival im Bereich des Sprechtheaters vergeben. Die Nominierungen für die 73. Drama League Awards:
Distinguished Production of a Musical
- Curtains
- In the Heights
- Kiki & Herb: Alive on Broadway
- Legally Blonde
- Martin Short: Fame Becomes Me
- Mary Poppins
- Spring Awakening
Distinguished Production of a Play
- Blackbird
- Coram Boy
- Frost/Nixon
- No Child
- Radio Golf
- The Coast of Utopia
- The Scene
- The Year of Magical Thinking
Distinguished Revival of a Musical
- 110 in the Shade
- A Chorus Line
- Company
- Les Misà©rables
- The Fantasticks
Distinguished Revival of a Play
- Inherit the Wind
- Journey’s End
- Mother Courage and Her Children
- Seven Guitars
- Talk Radio
- The Hairy Ape
- The Merchant of Venice
- Translations
Einige Produktionen der Theatersaison 06/07 wurden bei dieser Shortlist nicht berücksichtigt. Es gibt jedoch einen weiteren Preis, den so genannten “Distinguished Performance Award”, für den 2007 nicht weniger als 78 Darsteller (Broadway und Off-Broadway) nominiert wurden. Für diesen Preis können auch jene Darsteller nominiert werden, deren Produktionen in den vier oben genannten Kategorien nicht punkten konnten. Einer von ihnen erhält am 11. Mai die Auszeichnung. Die Nominierten für diese Kategorie:
- F. Murray Abraham, The Jew of Malta and The Merchant of Venice
- Heidi Armbruster, Tea and Sympathy
- Christine Baranski, Regrets Only
- Gary Beach, Les Misà©rables
- Daniel Beaty, Emergence-See!
- Eve Best, A Moon for the Misbegotten
- Stephanie J. Block, The Pirate Queen
- Justin Bond, Kiki & Herb: Alive on Broadway
- Christian Borle, Legally Blonde
- Ashley Brown, Mary Poppins
- Laura Bell Bundy, Legally Blonde
- Kate Burton, The Water’s Edge
- Michael Cerveris, King Lear and LoveMusik
- Kristin Chenoweth, The Apple Tree
- Anthony Chisholm, Radio Golf
- Jill Clayburgh, The Clean House and The Busy World Is Hushed
- Jennifer Cody, Henry and Mudge
- Billy Crudup, The Coast of Utopia
- Michael Cumpsty, Richard II
- Charlotte D’Amboise, A Chorus Line
- Hugh Dancy, Journey’s End
- Jeff Daniels, Blackbird
- Brian Dennehy, Inherit the Wind
- Gregory Derelian, The Hairy Ape
- Ensemble, Columbinus (collective award)
- Ensemble, Coram Boy (collective award)
- Raàºl Esparza, Company
- Gerald Finnigan, The Hairy Ape
- John Fugelsang, All the Wrong Reasons
- Boyd Gaines, Journey’s End
- John Gallagher Jr., Spring Awakening
- Alexander Gemignani, Les Misà©rables
- Piper Goodeve, Anne of Green Gables
- Logan Marshall-Green, King Lear and Pig Farm
- David Greenspan, Some Men
- George Grizzard, Regrets Only
- Jonathan Groff, Spring Awakening
- Ed Harris, Wrecks
- Ethan Hawke, The Coast of Utopia
- Phillip Seymour Hoffman, Jack Goes Boating
- Jayne Houdyshell, The Pain and the Itch
Martin Bruny am Dienstag, den
17. April 2007 um 11:11 · gespeichert in Musical, Wien, Theater, Fotos

Am 16. April 2007 präsentierten Kathrin Zechner, Intendantin der Vereinigten Bühnen Wien, und ihr Leading Team (Michaela Ronzoni/Buch & Lyrics, Christian Kolonovits/Musik, Arrangements & add. Lyrics; Stefan Huber/Regie, Harald Thor/Bühnenbild, Pia Virolainen/Licht-Design und Martin Mayer/Sound-Design) im Rahmen einer Pressekonferenz im Museumsquartier erste Details zur RonacherMobile-Produktion “Die Habsburgischen”.
700 Jahre Mythos, Politik, Wahnsinn, Intrigen und ganz normaler Familienalltag, mit Ironie und Witz servierte historische Momente, Anekdoten, eine zeitübergreifende musikalische Familiensatire, das ist es, was “Die Habsburgischen”, ein Stück, das, so Regisseur Stefan Huber, ein eigenes Genre innerhalb des Musiktheaters darstellt, im Kern sein werden - eigenwilliges, schräges, humorvolles Musiktheater. Mit Selbstironie auf die eigene Geschichte zu blicken, darum geht es, wobei man kein Geschichtskenner sein muss, um Vergnügen an der Story zu finden, gleichwohl gibt es für Habsburger-Spezialisten sehr wohl Ansatzpunkte, mit denen sie sich auf einem anderen Level auseinandersetzen können.
Michaela Ronzoni, die Autorin des Stücks, war schon als Kind von den Habsburgern begeistert und hat sich schon sehr früh ausführlich mit ihnen beschäftigt. Kurz vor der Matura, so Ronzoni, habe sie ein halbes Jahr den Stammbaum der Habsburger »nahezu zwanghaft« an der Wand über ihrem Bett gehabt, eine kleine Spezialistin auf dem Gebiet der Habsburger-Genealogie sei sie gewesen. Auch mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen, sei sie in der Lage gewesen, aus dem Effeff knifflige Habsburger-Fragen zu beantworten: “1705 hat Joseph I. regiert, aber Moment, da war Leopold I. auch noch …” Nach der Matura sei dieses Wissen zwar etwas verblasst, während des Geschichtsstudiums war dann aber reichlich Gelegenheit, es in wissenschaftlich-historischer Hinsicht wieder zu vertiefen.
Im Rahmen ihrer Arbeit an den “Habsburgischen” hatte Ronzoni nun Gelegenheit, die “andere Seite” der Habsburger zu betrachten. Mit Vergnügen habe sie in den letzten Monaten in der Geschichte der Habsburger gestöbert, auf eine Weise, die es nicht erfordert, dass man sich an jede historische Wahrheit halten muss, es sei einfach ein buntes Stöbern in der Biographie und im Privatleben gewesen, so Ronzoni, weg von der Historie mit Betonung des Humorfaktors, das sei das Ziel gewesen.
Herausgekommen ist eine Geschichte, die grundsätzlich in der Kapuzinergruft spielt und vollkommen zeitübergreifend die Figuren der Habsburger, die von Ronzoni ausgewählt wurden, aufeinandertreffen lässt, vom 13. bis ins 20. Jahrhundert, wobei nur Tote anwesend sind, die miteinander überhaupt nicht über wichtige Dinge reden. Geschichte im klassischen Sinn ist völlig bedeutungslos. Wichtig ist, was die Habsburger denken, was sie fühlen, wie sie miteinander als Familie umgehen, sozusagen der ganz normale Familienwahnsinn eines Clans, der eine nicht ganz unbedeutende Rolle in der Geschichte gespielt hat. Es geht um kleine Momente, um witzige Momente, um eine völlig neue Sicht der Habsburger, allerdings nicht im wissenschaftlichen Sinne.

Christian Kolonovits komponiert, arrangiert und bearbeitet die musikalische Seite der Produktion und fungiert als Musikalischer Leiter. Für ihn sind “Die Habsburgischen” eine Familiengeschichte, in der es um Lust geht, um das Vermitteln dieser Lust mit den Mitteln der Musik. Auf der musikalischen Seite der Produktion arbeitet der Komponist auf mehreren Ebenen. Zum Teil bedient er relativ respektlos mit viel Humor die Geschichte und mit bekanntem Collageartigem den Handlungsstrang, um zu erzählen und slapstickartig zu kontrapunktieren und zu karikieren. Kolonovits: »Satire ist dabei das Schlüsselwort. Es geht um die Lust, auf irgendwo Gehörtes sich einzulassen und den Zuschauern die Möglichkeit zu geben, sich wissend zurückzulehnen, um das für die Unterhaltung so wichtige “Das hab ich schon mal irgendwo gehört” zu bedienen. Blasmusik, Marsch und böhmische Polka stehen im Mittelpunkt der Stilmittel, monarchische Musik steht im Zentrum, in bearbeiteter Version. Ganz wichtig ist das Couplet. Mit Couplets kann man komplizierteste Dinge abhandeln und auf den Punkt bringen. Mit Hilfe des Couplets werden die Habsburger auf eine Ebene runtergebrochen, auf der sie eine ganz einfache, gemeine, kleine, liebenswerte, bösartige, perverse Familie sind. Einfache Menschen, über die man mit den Mitteln der musikalischen Satire lustvoll lachen und weinen kann.« Als Musterbeispiel der musikalischen Bearbeitungsweise, die bei den »Habsburgischen« zum Einsatz kommt, präsentierte Kolonovits “die” Habsburger-Nummer schlechthin: “Gott erhalte”, die alte offizielle Hymne des Kaisertums Österreich von 1826 bis 1918, komponiert von Joseph Haydn. Im “New Orleans Begräbnisstil” wurde diese Nummer vorige Woche mit dem Orchester der Vereinigten Bühnen Wien als Appetizer eingespielt.
Knapp mehr als die Hälfte des musikalischen Materials der “Habsburgischen” wird Kolonovits neu komponieren. Die andere Hälfte besteht aus Bearbeitung (Collagen, Slapstickartiges) beziehungsweise Adaption. Ziel ist es, aus Altem und Neuen eine Einheit zu formen. Dieses Ziel scheint Kolonovits dann erreicht, wenn man nicht mehr merkt, was neu komponiert und was “nur” bearbeitet wurde. Das sei, so der Komponist, der eigentliche Schmäh der großen Musicals der Amerikaner: »Wenn man da eine große Bigband-Nummer gehört hat, wusste man nie, ob das Stück nun von Duke Ellington oder »Count« Basie komponiert oder etwa neu geschrieben wurde. In Amerika ist man auf diese Art des Denkens stolz, weil man mit Klischees (im positiven Sinne) unheimlich viel vermitteln kann.« Genau so würde er die wunderbaren Klischees aus der Historie für die Habsburgischen gebrauchen und mit dem verbrämen, was er gerade »lustvoll im Kopf habe«. Seine neuen Kompositionen würde er dann wiederum mit der Historie kombinieren.
Der Schweizer Stefan Huber (Regie) hat seine Karriere vor fast 20 Jahren in Wien als Musicaldarsteller gestartet. Als junger, hoffnungsvoller Schauspieler hat er damals im Wiener Museumsquartier mit Proben zur Wiener Produktion von “Les Misà©rables” begonnen - bei den Vereinigten Bühnen Wien. Geplant hatte er damals, ein Jahr in Wien zu bleiben. Aus dem einen Jahr wurden sechs, und in dieser Zeit wechselte er die Fronten und wurde vom Schauspieler/Musicaldarsteller zum Regisseur. Danach ging er nach Deutschland. Für “Die Habsburgischen” nun haben ihn die Vereinigten Bühnen Wien nach all den Jahren wiederum ins Museumsquartier geholt.
Bei den “Habsburgischen”, so Huber, wird mit der Monarchie richtig anarchisch umgesprungen. Die Show ist ein Ritt durch die Zeiten, ein Riesenspaß für 8 Darsteller, die sich in über 40 Rollen auf der Bühne tummeln werden. Maria Theresia und eine zweite Figur werden durchgehend mit einer Darstellerin/Darsteller besetzt, die restlichen Schauspieler haben je 5 bis 7 Rollen zu verkörpern. Aus 3 Damen und 5 Herren wird sich die Cast zusammensetzen. Auch Sisi wird bei den “Habsburgerischen” auftauchen, allerdings der Schatten ihrer selbst bleiben. Das Ganze soll in einem Tempo und mit Witz abgehen, den man in einer Geschichtsstunde selten erlebt. Huber hat sein Team, mit dem er in den letzten Jahren im Musiktheaterbereich gearbeitet hat, mit nach Wien gebracht, unter anderem Harald Thor (Bühnenbild), der sich von Architektur des Museumsquartiers, die Neues mit Altem kombiniert, begeistert zeigte. Er möchte diesen Stilmix, der thematisch gut zu den “Habsburgischen” passt, auch bei der Entwicklung des Bühnenbilds mit einfließen lassen. Sein Ziel ist die Verbindung von alter Architektur mit neuem Material und neuer Architektur.
Noch keine Details sind bezüglich der Cast bekannt gegeben worden. Derzeit werden mit diversen Darstellern Gespräche geführt.

DIE HABSBURGISCHEN
Eine musikalische Familiensatire ab 20. Oktober im Museumsquartier
Premiere: 20. Oktober 2007 im Museumsquartier/Halle E.
Vorstellungen bis zum 16. Dezember 2007, jeden Tag außer Mittwoch
Leading Team
Buch, Lyrics: Michaela Ronzoni
Musik, Arrangements, add. Lyrics: Christian Kolonovits
Regie: Stefan Huber
Bühnenbild: Harald Thor
Kostüme: Susanne Hubrich
Licht-Design: Pia Virolainen
Sound-Design: Martin Mayer
Es spielt ein 20-köpfiges Orchester der VEREINIGTEN BÜHNEN WIEN unter der Leitung von Christian Kolonovits. Die Cast-CD wird am Tag der Premiere erhältlich sein.
Martin Bruny am Samstag, den
14. April 2007 um 10:54 · gespeichert in Musical, Theater, Event-Tipps
Marjan Shaki wird im Dezember 2007 mit den Proben für Maury Yestons “Phantom” beginnen. Als Mutter des Phantoms wird sie im Januar 2008 Premiere haben - in Japan. Die Show wird in japanischer Sprache mit einem japanischen Ensemble gespielt und durch Osaka, Nagoya und Tokio touren. [Story]
Martin Bruny am Samstag, den
14. April 2007 um 01:43 · gespeichert in Theater
1997 schrieb der Schriftsteller, Regisseur und Schauspieler Patrick Marber das Theaterstück “closer”, das seit seiner Uraufführung am Royal National Theatre für heftige Diskussionen sorgt. So war in einer Rezension der “taz” anlässlich der deutschen Produktion von “Hautnah” anno 2000 im Oldenburgischen Staatstheater unter dem Titel “Wie das Lotterleben so spielt - sie fickten und sie schlugen sich” Folgendes zu lesen:
Männer lassen die Hosen runter, Frauen brechen durch eine riesige Leinwandvagina auf die Bühne. So hinterrücks defloriert prangen die gespreizten Schamlippen dem Oldenburger Publikum direkt ins Gesicht. Die Premiere von Patrick Marbers “Hautnah” löste unter der Regie von Urs Odermatt den Titel des Stückes ein und trennte dadurch nach der Pause im Oldenburgischen Staatstheater zartbesaitetere TheatergängerInnen von den aufgeschlosseneren. Die bildeten dann aber eine klare Mehrheit und quittierten die Inszenierung mit viel Beifall.
2004 kam eine Verfilmung des Stoffes in die Kinos, die ganz offensichtlich weit weniger unzüchtig angelegt war, dafür aber mit hübschen Darstellerinnen und Darstellern (Julia Roberts, Jude Law, Natalie Portman und Clive Owen) sowie einem süffigen Soundtrack aufzuwarten hatte.
2007 feiert “closer” seine Wien-Premiere am Ensembletheater, einer kleinen, ambitionierten Wiener Bühne, die praktisch immer sehenswerte Produktionen bietet. Als Gastspiel des vienna theatre project geht die Premiere von “closer” (in englischer Sprache) am 7. Mai 2007 über die Bühne. Im Pressetext zur Produktion wird der Stil des Stücks von Marber wie folgt skizziert:
“Marber schreibt in “sound bites” … seine Sprache würde Uwe Kröger erröten lassen. Eines sollten Sie wissen: das ist kein viktorianisches Salondrama, das ist das Spiel zweier Paare – jede/r von ihnen ist in jemand anderen verliebt und fühlt sich gleichzeitig auch zum anderen des anderen hingezogen.
Nun, was “closer” auch nur im Ansatz mit Uwe Kröger zu tun hat, werden wir vermutlich nie erfahren, aber das macht nichts. Worum es in “closer” geht, kann man auch ohne Musicalbezug formulieren (denn mit Musical und Musicaldarstellern hat dieses Stück sowas von nichts zu tun):
Es beginnt in der Notaufnahme eines Krankenhauses, wohin Dan Alice brachte, nachdem er beobachtet hatte, wie sie auf der Blackfriars Bridge niedergefahren worden war. Dan schreibt Nachrufe, und sieht sich als zukünftiger Schriftsteller, der gerade auf der Suche nach einem passenden Thema ist. Alice ist eine junge, hübsche Stripperin, hinter deren verwundbarem Auftreten ein eherner emotionaler Absolutismus verborgen liegt. Dan zieht bei Alice ein, schreibt ein Buch über sie – und verfällt dann ganz der Photographin Anna, die für ihn Photos für die Werbekampagne seines Buches schießen soll.
Als er sich daraufhin im Internet als eine sexbesessene Phantasie-Anna ausgibt, steuert er sie unbeabsichtigt in eine Beziehung mit Larry, einem etwas ungehobelten, aber herzlichen Arzt – der rein zufällig Alice in der ersten Szene behandelt hatte.
So beginnt eine mitreißende und oft wilde Quadrille von Liebe und Betrug. Was Marbers Stück so besonders macht, ist seine schonungslose Darstellung der Brutalität von Beziehungen. Sexueller Neid und Eifersucht zeigen hier offen ihr hässliches Gesicht. Hilflos verfängt sich Larry in Grausamkeit und Selbsterniedrigung, als er zurückgewiesen wird. Dan und Anna werden als feige Lügner entlarvt. Nur Alice bleibt bis zum Ende ehrlich, wofür sie bezahlen muss. Marber deutet an manchen Stellen an, dass die fehlende Treue seiner Charaktere Ausdruck eines in der Gesellschaft unausweichlichen Kompromisses sei. Das wirkt doch sehr pessimistisch, aber »closer« ist nur selten so düster. Das Stück ist gespickt mit trockenem Humor und wahnwitzigen Verwicklungen.
»Closer«
von Patrick Marber
Ensemble Theater, Petersplatz 1, 1010 Wien
7. bis 19. Mai 2007 - Vorstellungsbeginn: 19.45 h.
Premiere: 7. Mai 2007, Spielfreie Tage: 13. und 14. Mai
Kreativteam
Prdn. Mgr: Alina Cibea
Lighting Design: Wolfram Zoettl
Photography: Ine Gundersveen
Asst. to the Director: Nina Kusche
Front of House Mgr: Sharron Aubrey
Lighting Technician: Ensemble Theater
Stage Manager: Pamela Schermann
PR, Sponsorship: Joanna Seidl, Sarah Hayes, Mariyana Radeva, Natalie Cantini
Teacher Material: Juliet Najjar
Teacher Liaison: Natalie Cantini
Cast
Michael Smulik (Dan)
Howard Nightingall (Larry)
Katharina Sporrer (Alice)
Heike Brunner (Anna)
Tickets ticket@viennatheatreproject.at
Martin Bruny am Freitag, den
6. April 2007 um 12:19 · gespeichert in Theater, Fotos

Na klar wird das ein Erfolg, kann man jetzt im Nachhinein sagen, angesichts all der ausverkauften Vorstellungen der Wiener Volksopern-Produktion “Tanzhommage an Queen” - und praktisch durchgehend positiven Kritiken nach der Premiere am 4. März 2007. Klar kann man mit Songs von Queen nur erfolgreich sein. Aber eine ganz so sichere Sache war es nun nicht wirklich. Die Musik von Queen ist zwar “in” wie nie - es gibt Musicalshows mit Queen-Songs, es gibt Events, bei denen ein Konzert der Gruppe auf riesigen Leinwänden in großen Konzerthallen gezeigt wird, durch die Planetarien der Welt tingelt eine Queen-Lasershow und und und - würde man aber all diese “Bearbeitungen” der Rockopernsongs von Queen besuchen, man wäre wohl vermutlich bald übersättigt - und auch von der extrem unterschiedlichen Qualität dieser Shows enttäuscht.
Was die Wiener Volksoper mit “Tanzhommage an Queen” bietet, zählt von der Idee und Umsetzung her sicher zu den Highlights all der von Queen inspirierten Performances.
Schon vor der Show merkt man, dass man es nicht mit dem, sagen wir mal “normalen” Volksopernpublikum zu tun hat. Das durchschnittliche Alter ist deutlich niederiger, ganz junge Kids stürmen geradezu die Shows und beleben das ganze Theater. Zu Beginn der Tanzhommage herrscht noch ein wenig Unsicherheit, so als würden sich manche fragen: Dürfen wir klatschen? Geht Szenenapplaus? Mit der zunehmend an Fahrt gewinnenden Vorstellung gehen diese Bendenken aber verloren. Szenenapplaus sowieso nach jedem Song, im zweiten Akt wird mitgeklatscht, was das Zeug hält.
Die nicht gar so beeindruckende Tonqualität der hausinternen Soundanlage stört im Laufe des Abends immer weniger, dafür sorgen die hervorragende Lichtregie und das einfallsreiche Set- und Videodesign von Dimitrij Simkin. Freddie Mercury ist praktisch die ganze Show über mehrfach auf der Bühne: durch seine Songs, als Projektion auf Leinwänden, als riesiges Abbild auf einem beweglichen Podest und verkörpert durch Darsteller. Eine weitere Dimension gewinnt das Spiel mit Queen durch die Variation mit Maßstäben. Mal zoomt man meterhoch in das auf Leinwände projizierte enthusiasmierte Gesicht von Mercury, mal liegt “er” überlebensgroß als Teil des Setdesign auf der Bühne, und die Darsteller tanzen auf seinen zur Landschaft geformten Knien.

Wenn dann am Beginn des zweiten Akts das Kinderballett zum Ballett der Wiener Volksoper und Staatsoper dazukommt, haben wir auch noch das dutzendfach personifizierte leibhaftige Kindchenschema auf der Bühne, und ab da ist auch das Publikum nicht mehr zu halten. Massenszenen auf der Bühne werden von der begeisterten Zuschauermasse gefeiert. Ist der eine oder andere am Anfang der Show vielleicht einen Moment lang enttäuscht, etwa weil bei der ersten Nummer “We Will Rock You” ein Tänzer tatsächlich selbst singt, und das nun nicht gerade wie Freddie Mercury, entwickelt die Show mit zunehmender Dauer auf so vielen Ebenen eine rasante Dynamik, dass man gar keine Zeit hat, um das, was man erlebt, zu hinterfragen. Man taucht einfach ein.
“Tanzhommage an Queen” ist in vieler Hinsicht eine Weiterentwicklung von Ideen, die in den Videos von “Queen” aufgetaucht sind, beispielsweise in den Szenen zu “Bicycle Race” oder “I want to break free”. Ganz ausgezeichnet sind aber jene Umsetzungen, die zwar auf der (Video-)Ästhetik Queens aufbauen, dann aber doch einen Crossover in eine völlig eigenständige tänzerische Gestaltung schlagen. Das gelingt beispielsweise mit “The Invisible Man” ganz hervorragend.
Star des Abends und der Sequenz “The Invisible Man” ist Daniil Simkin, in Ballettkreisen schon lange als “Wunderkind” gefeiert. Geboren 1987 in Nowosibirsk, hat er schon früh in Wien Wettbewerbe gewonnen und mit seinen nie endenwollenden Pirouetten und leichten Sprüngen sein Publikum begeistert. Seit vergangenen September ist er am Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper engagaiert. Bei der Produktion “Tanzhommage an Queen” ist es seinem Genie zu verdanken, dass dieser Abend für Momente ins Magische abhebt, wenn Tanzszenen von ihm auf die Bühne gezaubert werden, die man sonst nur von einer gefilmten Szene, reichlich nachbearbeitet mit Tricktechnik und ausgeklügelter Schnitttechnik, erwarten würde.
Gregor Hatala, Erster Solotänzer der Wiener Staatsoper, Mihail Sosnovschi, Halbsolist der Wiener Staatsoper, überzeugen vor allem in ihrer gemeinsamen Szene “Who Wants To Live Forever”.

Etwas viel Besseres kann man eigentlich nicht über eine Show sagen, als dass man während dieser kurzen Zeit, die viel zu schnell vergeht, alles andere um sich herum vergisst und am Ende bedauert, dass der Kartenschalter schon geschlossen ist und man die Tickets für die nächste Vorstellung erst frühestens am nächsten Tag kaufen kann. Die weiteren Vorstellungstermine: 11. April 2007, 20. Mai 2007, 14. Juni 2007.
Songs (Besetzung vom 13. März 2007):
God Save The Queen
Death On Two Legs
We Will Rock You (Patrick Hullmann, Ensemble)
Don’t Stop Me Now (Gregor Hatala, Ensemble)
Live At Wembley (Patrick Hullmann)
A Kind Of Magic (Patrick Hullmann, Karina Sarkissova, Dagmar Kronberger)
Crazy Little Thing Called Love (Emilia Baranowicz, Samuel Colombet, Andrà¡s Lukà¡cs, Ensemble)
My Melancholy Blues (Samuel Colombet, Emilia Baranowicz, Florian Hurler, Ensemble)
Love Of My life (Irina Tsymbal, Mihail Sosnovschi)
It’s A Hard Life (Mihail Sosnovschi, Ensemble)
Don’t Try So Hard (Daniil Simkin, Andrà¡s Lukà¡cs)
I Want To Break Free (Una Tubocic Vladimir Snizek)
You Take My Breath Away
Dear Friends (Mihail Sosnovschi)
Bohemian Rhapsody (Mihail Sosnovschi, Gregor Hatala, Karina Sarkissova, Ensemble)
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Innuendo
We Will Rock You (Studierende der Ballettschule der Wiener Staatsoper)
Tie Your Mother Down
Lazing On A Sunday Afternoon (Vladimir Snizek)
Seaside Rendezvous (Vladimir Snizek, Ensemble)
Radio Ga Ga (Ensemble und Studierende der Ballettschule der Wiener Staatsoper)
Killer Queen (Dagmar Kronberger, Andrà¡s Lukà¡cs)
Fat Bottomed Girls (Karina Sarkissova, Andrà¡s Lukà¡cs)
Bicycle Race (Ensemble und Studierende der Ballettschule der wiener Staatsoper)
The Invisible Man (Daniil Simkin)
Another One Bites The Dust (Daniil Simkin, Dagmar Kronberger, Ensemble)
In The Lap Of The Gods
Save me (Gregor Hatala, Mihail Sosnovschi)
Who Wants To Live Forever (Gregor Hatala, Mihail Sosnovschi)
Bijou
The Show Must Go On (Ensemble)
We Are The Champions (Ensemble)
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Choreographie, Inszenierung, Konzept, Kostüme: Ben van Cauwenbergh
Musik: Queen
Bühne, Konzept, Videoprojektion: Dimitrij Simkin
Licht: Thomas Märker, Manfred Straube
Choreographie des Kinderballetts: Nadia Deferm
Einstudierung: Ben van Cauwenbergh, Tom van Cauwenbergh; Michael Kropf (Kinderballett)
Es tanzen: das Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper sowie Studierende der Ballettschule der Wiener Staatsoper
Choreographische Assistenz und Abendspielleitung: Michael Kropf, Lukas Gaudernak, Ivan Jakus, Vesna Orlic
Regieassistenz und abendspielleitung: Rudolf Klaban
Inspizienz: Franziska Blauensteiner
Kinderbetreuung: Brigitte Lehr
Technische Gesamtleitung: Friedemann Klappert
Technische Einrichtung: Andreas Tuschl
Beleuchtung: Wolfgang Könnyü
Tontechnik, Videotechnik: Martin Lukesch, Wolfgang Vrbicky
Leitung Kostümabteilung: Doris Engl
Leitung Maske: Peter Köfler
Produktionsbetreuung Dekoration: Herbert Kienast
Produktionsbetreuung Kostüme: Stephanie Bäuerle
Dekorations- und Kostümwerkstätten der Theaterservice GMBH: Paul Zündel, Annette Beaufays
Premiere: 4. März
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