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Archiv - Musical

Okay, lasst uns Traditionen brechen: Die neuen Stars von “Elisabeth”

Traditionell gibt es keine Kritiken von Voraufführungen, Kritiken erscheinen nach der Premiere. Traditionell wird aber auch das zahlende Publikum, also jenes, um das die Theater geradezu betteln, wenn sie es nötig haben, nicht aus Premieren ausgesperrt, zumal bei einem subventionierten Theater. Diesmal ist alles anders, diesmal ziehen die Vereinigten Bühnen Wien ihre Linie durch und halten – am 5. September – die Premiere von “Elisabeth” als geschlossene Veranstaltung ab. Direkt sowie einzig und allein hat dies Christian Struppeck, der Intendant der Vereinigten Bühnen Wien, zu verantworten, einfach deswegen, weil auch das in seinem Verantwortungsbereich liegt. Es wurde immer wieder von seiten der VBW erwogen, Premieren und Dernieren als geschlossene Veranstaltungen abzuhalten, immer jedoch kam ein Kontingent an Karten in den freien Verkauf, immer wurde das angekündigt. Diesmal nicht. Es gibt hier keinen Spielraum für ein Dementi, das ist Fakt.

Doch es gibt eine Ergänzung: Der Standpunkt der Vereinigten Bühnen Wien ist Folgender: Angeblich soll es Karten ab Montag im Verkauf gegeben haben, im Kartenbüro und bei Wien Ticket und natürlich auf der “Liste”. Die “Liste” ist kein freier Kartenverkauf, und für freie Kontingente bei Wien Ticket und im Kartenbüro habe ich keine Bestätigung, ich höre nur, dass es auch auf Nachfrage keine Karten gegeben hat. Was also hat es für einen Sinn, wenn angeblich Karten im Verkauf sind, aber die Verkäufer sagen, dass es keine Karten gibt. Online bei Wien-Ticket waren definitiv keine Tickets erhältlich. Unter freiem Vorverkauf muss man sich etwas anderes vorstellen können.

Da die Veröffentlichung dieser Teilkritik auf Basis einer Vorpremiere auch als Protest gegen diese Ticketpolitik eines subventionierten Theaters zu verstehen ist, noch ein paar Punkte zur Erklärung: Die VBW haben eine Vielzahl an Tools, um einen geregelten Vorverkauf abwickeln zu können, um Kontingente, die neu in den Verkauf kommen, anzukündigen, und das kostet kaum Zeit, wenn die Kompetenzen geklärt sind. Beispielsweise Facebook, beispielsweise Newsletter, beispielsweise eine Website, beispielsweise Aussendungen von Wien-Ticket und so weiter. Es würde reichen, am Beginn der Vorverkaufszeit anzukündigen, dass ab ungefähr einem Zeitpunkt X ein Kontingent Y in den Verkauf kommt. Die Praxis sieht anders aus: Es wurde wiederholt mitgeteilt, dass es keine Karten im freien Verkauf geben wird. Freier Verkauf bedeutet auch, einen gewissen Respekt gegenüber Theaterbesuchern zu haben. Der geht mir hier eindeutig ab.

Brechen wir also Traditionen, der Bruch ist ohnedies schon gemindert, da diese Kritik wieder offline gegangen ist und erst nach Beginn der Premiere wieder online geschaltet wurde: Es gab im Verlauf der letzten Tage einige Previews. In diversen Foren wird schon eifrig über die neue Fassung der Levay/Kunze-Show diskutiert. Eine ausführliche Kritik, basierend auf regulären Vorstellungen nach der Premiere, wird es im Laufe der nächsten Wochen auch hier im Blog geben, doch vorab: die neuen Stars von “Elisabeth” sind Franziskus Hartenstein als Franz Josef und Anton Zetterholm als Erzherzog Rudolf.

Franziskus Hartenstein
Franziskus Hartenstein verleiht Franz Josef eine Präsenz und eine Stellung Elisabeth gegenüber, die seine Vorgänger in Wien nicht erreicht haben. Das geht so weit, dass das Verhältnis von Elisabeth und Franz Josef in der einen oder anderen Szene fast kippt, oder aber, und das ist die positivere Deutung, erst jetzt in dieser Version voll zur Wirkung kommt. Sowohl vom Schauspiel her gesehen als auch vom Gesang ist Hartenstein für die Show ein Volltreffer. Zwar mag er für die Rolle sehr jung sein, aber er interpretiert die Lieder – und leiert sie nicht nur runter, er verleiht ihnen Gefühl, erreicht mit seinem Schauspiel, dass man mit Franz Josef tatsächlich mitfühlt. Ich habe diese Figur zum ersten Mal so “lebendig” erlebt. Hartenstein spielt glaubhaft, seine Bewegungen, seine Mimik, all das zeigt, dass er es verstanden hat, sich mit seiner Rolle ernsthaft und für die Produktion gewinnbringend auseinanderzusetzen. Früher als Langweilnummern abgetane Balladen und balladeske Sequenzen haben auf einmal eine Tiefe, die man hier in Wien noch nicht erlebt hat.

Anton Zetterholm
Dasselbe trifft auch auf Anton Zetterholm zu. Anders als einer seiner deutschsprachigen Kollegen, Mark Seibert, hatte er eine Sprachbarriere zu bewältigen, über die in diversen Foren jahrelang gelästert wurde. Zetterholms Artikulation ist bei “Elisabeth” freilich bestechend, er singt klare, reine Töne, nicht wie Mark Seibert, dessen Gesangssequenzen gefühlt aus 98 Prozent gepressten Konsonanten bestehen, der in der Tiefe zu wenig Stimme hat, nasal und behaucht in der Mittellage arbeitet und einzig und allein in den Höhen dann an Lautstärke gewinnt, oft auf Kosten jeglichen Schöngesangs, oder Annemieke van Dam, die einem ihr Belting wie eine Watsche ins Gesicht schmettert.
Zetterholm spielt grandios, sein “Wenn ich dein Spiegel wär” ist atemberaubend und DAS Highlight der Show. Der kleine, ganz kurze Übergang zu “Hass”, auch das liefert er mit einer solchen Intensität und Power. Leider hat er das Pech, mit Seibert und van Dam Partner zu haben, die scheinbar ihre Hausaufgaben nicht ganz erfüllt haben und in der Show herumlaufen, als würden sie ferngesteuert. Der “Totentanz” etwa ist der Tiefpunkt der Show schlechthin. Wenn der Tod Rudolf küsst, wirkt es, als würde er ihn oral erdolchen.

Bühnenbild, Kostüme, Fragen über Fragen
Wieso beim “Totentanz” die “Kleider” getilgt wurden, sollte man sich besser nicht fragen. Denn wenn wir mit den Fragen beginnen, würden wir rasch zum Bühnenbild gelangen, das eine völlig misslungene Mixtur aus Teilen der alten Wiener Fassung und verkitschend wirkenden Projektionen und Filmchen ist. Es ging bei der Wiener Fassung immer gerade darum, den Kitsch aus der Show rauszuhalten, wo möglich. Nun sind wir dabei gelandet, dass all das, was bei der alten Fassung unsere Fantasie gestaltet hat, per Filmchen eingespielt wird. Ein Meer und ein Mond oder eine Sonne, was auch immer das sein soll, das sich bewegende Riesenrad. Wozu?
Nein, “Elisabeth”, das Musical, beruht nicht auf einem Film, wir können nicht immer nur Filmmusicals machen, und es muss nun auch nicht in jedem Musical eine Projektion her. Wir haben Fantasie, und wenn sich die Theater den Luxus leisten würden, nur Leute mit großartigen Stimmen verbunden mit einer entsprechenden Gesangskultur und Schauspielbegabung zu casten, wäre uns allen schon viel weitergeholfen. Wir brauchen kein Brimborium, das davon ablenkt, dass sich in Mimik und Ausdruck zu wenig tut.

Bei all den Fragen würden wir auch zu den Kostümen kommen. Was genau soll uns das Outfit des Todes sagen. Was sollen diese Moon Boots, wieso sieht Lucheni wie ein Penner aus, dessen Hosen drei Nummern zu groß sind, mit einem Westchen wie ein Clown?

Kommen wir vorerst zum Schluss und zur Schnapsidee schlechthin. “Elisabeth” wird mit einem Gesangs-Medley inklusive Publikumsbeteiligung beendet. WTF? Wir sind nicht bei den Pradler Ritterspielen, da, von mir aus, könnte Elisabeth nochmal aufstehen und sich meinetwegen in Zeitlupe erdolchen lassen – oder man könnte vorher ein Gewinnspiel machen und jemanden aus dem Publikum bitten, mal mit der netten Merchandising-Feile zuzustechen. Wir haben es mit einem Musicaldrama zu tun, und die erbärmlichen Versuche, aus dem Drama am Schluss noch ein Mitklatsch- und Mitsing-Inferno zu machen, sind degoutant. Nicht, dass das Rezept nicht aufgehen würde, Publikum ist verführbar, aber allein die Absicht, das Publikum mit derart billiger Effekthascherei in den Sumpf von Musikantenstadl Co. zu treiben, ist billig.

Soviel vorerst einmal. Ein paar positive Punkte, ein paar negative. Es gibt noch mehr Positives und auch anderes. Wir sollten uns das nächste Mal vielleicht darüber unterhalten, wieso es auf einmal so viele Barfuß-Sequenzen in der Show gibt, wieso zieht sich die tote Elisabeth die Schuhe aus? Was ist los mit “Ich gehör nur mir” – wieso wurde aus dem Highlight eine Durchschnittsnummer, wo bleibt die Spannung beim “Letzten Tanz”. Wieso befindet sich vor dem Raimund Theater eine Geröllhalde? So viele Fragen …

Links
- orf.at: Premiere für Musical »Elisabeth«
- Musical Awakening: Raimund Theater: Elisabeth - Vorpremiere
- Der Neue Merker: NEUE Kritik: WIEN/ Raimundtheater: ELISABETH – Musical von Sylvester Levay. Premiere
- Heute.at: Elisabeths letzter Tanz gehörte nur ihren Fans
news.at: Retro-Romantik
- oe24.at: Promiauflauf bei »Elisabeth« Premiere
- diepresse.at: »Elisabeth«: Eine schöne Leich’ für die Kaiserin
- kurier.at: “Elisabeth”: Ein süßes Apokalyptus-Zuckerl
- Neue Zürcher Zeitung: Rückkehr der Kaiserin nach Wien
- derstandard.at: Eine, die nur uns gehört
- heute.at: Uwe Kröger und Marika Lichter versöhnt!
- relevant.at: Promis im Sisi-Fieber nach “Elisabeth”-Premiere
- krone.at: Lichter und Kröger versöhnten sich bei Musical-Premiere

Renate Wagner schafft es, ihren Artikel gleich in zwei Online-Medien unterzubringen, und einen dritten Jubel-Artikel gibts auch noch von ihr.
- Der Opernfreund: Elisabeth
- Der Neue Merker: WIEN / Raimundtheater: ELISABETH
- Neues Volksblatt: Noch nie war »Elisabeth« so reizvoll besetzt
Hofberichterstattung bietet Silvia E. Loske in ihrem Blog -> hier

Stadttheater Fürth: Auditions für »next to normal« – »fast normal«

Am 26. und 29. Oktober 2012 finden in Berlin die Auditions für die deutschsprachige Erstaufführung des Broadway-Musicals »next to normal« statt.

Die Premiere der Show wird im Oktober 2013 im Stadttheater Fürth über die Bühne gehen. Nähere Infos –> hier.

Leading Team
Musik: Tom Kitt
Buch und Gesangstexte: Brian Yorkey
Deutsche Fassung: Titus Hoffmann
Inszenierung: Titus Hoffmann
Musikalische Leitung: Christoph Wohlleben
Choreographie: Melissa King
Ausstattung: Stephan Prattes

Link
- »next to normal« – »fast normal« @facebook

»àštvesztÅ‘ minden àºt« oder Lisl – die neue Alte (alte) [Version]

Der Sonntag, der 19. August 2012, war recht interessant, was die »neue Version« des Musicals »Elisabeth« betrifft, deren Premiere am 5. September 2012 im Raimund Theater vor ausschließlich geladenen Gästen stattfinden wird.

Bis heute musste man davon ausgehen, dass, wie Koen Schoots es in einem Interview mit der »musicalzentrale« skizzierte, mehr oder weniger die Version von 1992 gegeben wird, mit einer Änderung: der Prolog der Fassung von 1992 wird wiederhergestellt, inklusive der Solosätze von Sophie, Ludovika, Franz Joseph, Max, und Rudolf als Kind und Erwachsener. [LINK]

Von Sylvester Levay, dem Komponisten des Musicals, erfuhr die Tageszeitung KURIER jedoch folgende Neuerung: Man wird eine Version spielen »… mit Liedern, die in Wien auch schon in der Version von 2004 enthalten waren. Aber erstmals dem Lied ‚Kein Kommen ohne Geh’n‘ auf Deutsch vom Tod im 1. Akt, das bisher nur in Japan gezeigt wurde.« [LINK]

Unter den Fans der Show ist das maximal ein netter Marketing-Gag, ausgerechnet in diese Version diesen Song reinzustöpseln, aber soll sein. Inhaltlich richtig ist die Aussage aber natürlich nicht, denn »Kein Kommen ohne Geh’n« ist bereits in die ungarische Version des Stücks eingebaut worden, und das sollte der Meister doch wissen.

PS: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass in einem subventionierten Theater Karten für Premieren in den öffentlichen Verkauf gehören.

Palais Nowak: »Broadway Can Bounce«

bcb.jpg Vom 28. bis 30. September 2012 (Beginn 19:30 Uhr) bringt Regisseur, Choreograph, Tänzer und Sänger Cedric Lee Bradley seine Show »Broadway Can Bounce” im Wiener Palais Nowak zur Aufführung. Das »Killer Rock Musical« war bereits am 29. November 2004 im Wiener Raimund Theater zu sehen und kommt nun in einer überarbeiteten Version auf die Bühne.
Zu einer ausführlicheren Inhaltsangabe der Show geht’s –> hier.

Cast
Sabrina Harper, Angelika Ratej, Chris Coras, Dave Moskin, Jacqueline Braun, Andreas Wanasek, Jurriaan Bles

Ensemble
Samuel Calas, Franziska Fröhlich, Kathrin Hassenrück, Christian Joannidis, Peter Knauder, Verena Kollruss, Wei-Ken Jeffrey Liao, Lara Miloslavic, Mary Scherzer, Matthias Rathammer, Andrà© Wright

Leading Team
Konzept, Regie, Choreographie, Set, Kostüme: Cedric Lee Bradley
Musical Orchestration: Mario Dancso
Sounddesign: Richard Redl
Lichtdesign: Michael Grundner

Aufführungstermine
28. bis 30. September 2012
Palais Nowak (Zelt beim Gasometer)
Döblerhofstraße 20
1110 Wien

Tickets
Telefonisch unter +431 512 47 42 (täglich von 14–20 Uhr)

Oh Lord, Lloyd Webber hat sich geirrt

Im vergangenen Dezember ließ Andrew Lloyd Webber mit einer düsteren Prognose aufhorchen (siehe –> hier). Er sagte für das West End in der Zeit der Olympischen Spiele ein Blutbad voraus. Die Theater würden keinen Umsatz machen, alles würde sich nur für die Spiele interessieren. Das Ganze gipfelte in dem Statement:

Nobody’s going to go to the theatre at all, most of the theatres in London will shut. It’s going to be very tough.

Nun, der gute Lord hat sich geirrt. Der Kartenverkauf am West End hat durch die Spiele um 25 Prozent zugelegt. Alle Stücke, die in den Theatern von Lloyd Webber zu sehen sind, wie “The Phantom of the Opera”, “War Horse” und “Shrek”, konnten während der Spiele ein Umsatzplus verbuchen. “The Wizard of Oz” im Palladium wollte Lloyd Webber während des 14-tägigen Sportevents sogar schließen, und auch diese Show hat durch die Spiele rund 100.000 Pfund mehr Umsatz gemacht als davor – pro Woche.

Lloyd Webber:

I’m the one who said it would be all doom and gloom, but I have been proved wrong and I couldn’t be more delighted about that. I thought it was going to be terrible because there would be no foreign visitors whatsoever, and it is true that we’re not seeing the foreigners we normally get at this time of year.
But what is happening is that a lot of families from all over the country are coming to see things such as the equestrian events or the volleyball … and saying, ‘What else can we go and see?’ So suddenly we see this huge upturn, and what’s interesting is that they are clearly all Brits.

Also doch noch die Kurve gekriegt. Mit ausländischen Touristen, so Lloyd Webber, könne man in diesen 14 Tagen freilich trotzdem nicht wie sonst rechnen, es sind vielmehr die Briten selbst, die dafür sorgen, dass aus den Olympischen Spielen keine Hunger Games fürs Theater werden.

Link
- Andrew Lloyd Webber: ‘I was wrong about summer theatre bloodbath’

Broadway: - 50 Prozent

Viel wurde in Foren und auch anderswo in den letzten Wochen über die Flops am Broadway und auch die ganz normalen letzten Vorstellungen von Produktionen am Great White Way geschrieben. Ein paar Fakten.

In den letzten 30 Jahren waren zur Zeit der Tony Awards durchschnittlich 27,23 Shows in den Theatern am Broadway zu sehen. Bis zum ersten Montag im September jeden Jahres, dem Labour Day, findet dann am Great White Way das jährliche Ausbluten statt. Der Durchschnittswert für die letzen 30 Jahre: 10,61. – Von den 27,23 Shows schließen also durchschnittlich 10,61 im Zeitraum von den Tony Awards bis zum Labour Day, das sind 38,96 Prozent.

2011/12
In dieser Broadway-Spielzeit sieht die Statistik etwas anders aus. Wir hatten zur Zeit der Tony Awards 34 Shows am Start, und 17 davon, das sind 50 Prozent, werden bis zum Labour Day schließen. Das gab es erstens erst zwei Mal in der Broadway-Geschichte, und das letzte Mal 1996.

Weitere Daten
Im Laufe der letzten 15 Jahre waren durchschnittlich 32,27 Shows zur Zeit der Tony Awards am Start, in den 15 Jahren davor: 22,5 Shows.
Im Laufe der letzten 15 Jahre mussten durchschnittlich 12,73 Shows von den Tony Awards bis zum Labour Day schließen (39,46 Prozent), in den Jahren davor 8,625 Shows (38,33 Prozent).

Die letzten 5 Jahre
Betrachtet man nur den Zeitraum der letzten 5 Jahre, so mussten 40,96 Prozent aller Shows von den Tonys bis zum Labour Day schließen. Produziert wurden in diesen letzten 5 Jahren um 2 Stücke mehr als im Vergleich zu den 10 Jahren davor und um 11 Stücke mehr als in den wiederum davor liegenden 15 Jahren.

Broadway-Produzent Ken Davenport, der diese Daten erhoben hat, kommt zu folgendem Schluss:

We just might be producing more shows than our market can bear. Sure, the vendors are happy. They’re working on a ton of more shows, and aren’t tied into profitability. But the investors aren’t.
With attendance flatter than the earth before Columbus took it for a spin, it’s counter-intuitive to profit-making to create more product. Imagine, for a second, if during the financial crisis that devastated the auto industry, Detroit just started making a few more cars.
While everyone thinks their show can beat the odds and be the best, it’s important to be objective about your show. There’s only so much business to go around. And if you try to compete in a flooded market, you may just get run aground.
And that’s scarier than any little blonde girl staring at a bunch of static.

Link
- Is it just me? Or does it feel like more shows are closing this summer?

Wien-Premiere für Adam Gwons »Ordinary Days«

odpostersmall.jpgVom 1. bis 13. Oktober 2012 zeigt das Vienna Theatre Project Adam Gwons Kammermusical »Ordinary Days« im Wiener Theater Drachengasse. Die Show feierte am 25. Oktober 2009 ihre Premiere im New Yorker Black Box Theatre der Roundabout Theatre Company.

Ordinary Days handelt von vier jungen Leuten, die verzweifelt auf der Suche nach ihrer Zukunft sind, ihre Träume, Ambitionen verwirklichen wollen. Sie wollen ein lebenswertes Leben, das aber noch so weit weg zu sein scheint. Was die Charaktere der Show lernen, ist, dass die einfachsten Dinge, die einfachsten Momente im Leben genau jene sein können, die zur entscheidenden Wende führen. Dabei handelt es sich aber auch genau um jene Dinge, die wir oft ignorieren.

Handlung
New York. Warren ist ein aufstrebender junger Künstler, der als Assistent eines arrivierten Malers arbeitet. Im Moment ist es sein Job, Flyer zu verteilen, mit denen die besten Werke seines Chefs beworben werden. Eines Tages findet Warren Unterlagen zu einer Dissertation über Virginia Woolf. Die gehören Deb, einer Studentin an der New York University. Sie ist mit ihrer Lebenssituation alles andere als zufrieden. Weder weiß sie, ob sie in New York leben möchte, noch, ob sie wirklich über Virginia Woolf schreiben will. Warren und Deb treffen einander in der Metropolitan Opera, damit Deb wieder an ihre kostbaren Notizen kommt.

Jason und Claire sind ein Yuppie-Pärchen, das gerade die erste gemeinsame Wohnung bezogen hat und dessen Beziehung gerade dabei ist, sich langsam zu verabschieden. Der Grund, warum Claire Jason nicht ihre ganze Liebe zeigen kann, mag in ihrer Vergangenheit zu finden sein, in einem Trauma, das sie noch nicht aufarbeiten konnte. In ihrem Song »I’ll be here« beschreibt sie unter anderem, was sie so verfolgt.

Adam Gwon hat für sein Musical (das ungefähr 80 Minuten dauert) einen (fast durchkomponierten) Pop-Score geschrieben, mit Anklängen an Jason Robert Brown und Stephen Schwartz, aber auch an William Finn, in den Kritiken zu »Ordinary Days« wird fast durch die Bank die Qualität seiner Liedtexte gelobt. Gwon (1979 geboren) ist einer der Nachfolger der Guettel/LaChiusa/Brown-Gruppe, die mittlerweile alle in ihren Vierzigern sind. Er hat an der Tisch School of the Arts studiert und wurde 2008 mit dem Fred Ebb Award ausgezeichnet.

Leading Team
Director: Joanna Godwin-Seidl
Musical direction: Birgit Zach
Producer: Sarah K. Hayes, vienna theatre project

Cast
Sara Est, Alan Burgon, Peter Neustifter, Kudra Owens

Licence
Josef Weinberger Musikverlage Wien

Links
- Adam Gwon
- Die Cast-CD @sh-k-boom.com
- Vienna Theatre Project
- Charles Isherwood: Where Little-Town Blues Melt Away, So Can Dreams [The New York Times]
- Theater Drachengasse

Broadway: Aus für »Sister Act«

Lange hat es gedauert, aber letztendlich mussten die Produzenten doch einsehen, dass sie ihr »Sister Act«-Abenteuer mehr kostet, als sie durch ihre Taktik, es recht lange am Leben zu erhalten, um es dadurch noch ein paar europäischen Produzenten als BROADWAY-Musical andrehen zu können, lukrieren können.
Und so heißt es Abschied nehmen. 28 Previews und 561 Vorstellungen (bei einer durchschnittlichen Auslastung von 65 Prozent) wird man im Broadway Theatre gespielt haben seit der Premiere am 20. April 2011, wenn am 26. August 2012 der Vorhang zum letzten Mal fällt.

Sister Act will be closing its 16-month run WITHOUT recouping its full capitalization — which is baaaad news for Whoopi and the rest of the producers who sunk $10 million into the show! [Perez Hilton]

Link
- Playbill: Broadway’s Sister Act Will Kick the Habit Aug. 26
- The New York Times:‘Sister Act’ Set to Close on Broadway
- ok!: Whoopi Goldbergs Sister Act wird abgesetzt

Ronacher: »Das Phantom der Oper« als Gala-Konzert

das-phantom-der-oper_das-konzert.jpg»Musicals in Concert« lautet der Titel einer von VBW-Intendant Christian Struppeck ins Leben gerufenen neuen Konzertreihe. Als erstes Werk der geplanten Reihe hat sich Struppeck Andrew Lloyd Webbers »Das Phantom der Oper« ausgesucht, das am 20. Dezember 1988 seine deutschsprachige Erstaufführung im Theater an der Wien feierte.

Premiere für die Gala-Konzertversion des »Phantoms« ist laut Website der VBW am 29. November 2012, Karten gibt es aber bis jetzt nur für die Vorstellungen ab dem 30. November 2012 (weitere Termine: 1.12., 2.12., 3.12., 4.12., 6.12., 7.12., 8.12. und 9.12.).

Preise: 5 Euro bis 109 Euro.

Die musikalische Leitung übernimmt Koen Schoots, es spielt das Orchester der VBW. Zur Besetzung gibt es bis jetzt noch keine Angaben. Regie führt Andreas Gergen, u. a. Geschäftsführer der von Christian Struppeck und Andreas Gergen gegründeten Creative Agency.

Tickets sind bereits erhältlich –> hier.

Links
- VBW: Das Phantom der Oper - Das Konzert
- Vienna Online: Orchester der Vereinigten Bühnen Wien feiert Jubiläum mit Phantom der Oper
- VBW-Orchester feiert Phantom
- Wien Holding: “Das Phantom der Oper” im Ronacher

PS: So einfach sollte man eine solche Meldung natürlich nicht durchwinken. Die Idee, Musicals konzertant auf die Bühne zu bringen mit dem Orchester der Vereinigten Bühnen Wien hatte Caspar Richter schon lange bevor Christian Struppeck diese Idee nun mit einem Label versehen und verwirklichen darf. Caspar Richter durfte seine Ideen, und er hatte großartige Pläne, nicht verwirklichen. Weitere Ergänzungen dann vielleicht demnächst nach Klärung bestimmter Fakten.

Ausgeschifft: Raimund Theater wieder ready for Musical

»Jeder Alptraum hat einmal ein Ende«, das wird nicht das Motto gewesen sein, unter dem die gestrige Derniere (15. Juni 2012) der musikalischen Volksverdummung »Ich war noch niemals in New York« über die Bühne gegangen ist. Ein paar Sektkorken haben aber Musicalfans sicher knallen lassen, um so richtig zu feiern, dass diese Show der absurden Choreographien, der widerlichen Falschheiten endlich Geschichte ist. Eine Show, die gesellschaftlich durchaus relevante Themen missbraucht hat, um auf sich aufmerksam zu machen. Keines dieser Themen wurde auch nur im Entferntesten so behandelt, wie es nötig gewesen wäre. Fast könnte man meinen, es handelte sich nur um eingepflanzte Motivierungspatterns, um überhaupt Musicaldarsteller zu finden, die einen solchen Nonsens bereit sind umzusetzen.
Wie auch immer, Schweinchenpink ist das neue Hellblau, das Raimund Theater darf wieder, zumindest vorübergehend, Musical spielen. Im Ronacher gibt’s nächstes Jahr dann den neuen getarnten Blödsinn, aufgedröselt mit Hightech-Bühnen-Knowhow, einem Orchester, das alle Stückeln spielt (was bleibt ihnen anderes übrig) und vielleicht sogar Darstellern, wenn man denn welche findet, aber das ist eine andere Geschichte.

PS: Diskutiert wird derzeit in einem Forum (–> hier) über diesen Abschiedswink an eine Show, die gerne jeder, der mag, für ein Musical, meinetwegen auch für ein gutes, halten soll. Wie so oft meinen einige Poster, man müsse in Beiträgen, die man verfasst, auch noch dezidiert dazuschreiben, dass man nur seine eigene Meinung vertritt. Das halte ich persönlich für völlig entbehrlich. Wessen, wenn nicht meine Meinung sollte ich in meinem Blog vertreten? Es wird angemerkt, dass ich kaum positive Rezensionen verfasse. Das dürfte dann allerdings von Lesern stammen, die sich in ihrer Rezeption auf die Produktionen von VBW und Stage Entertainment beschränken, was auch ihr gutes Recht ist. Etwas bedenklich halte ich das wiederholte Abdriften auf eine Ebene, die mit dem hier zu Lesenden nichts zu tun hat, aber auch das ist durchaus unterhaltend zu lesen. Zumal von Personen, die auf dieser Site unter diversen Spitznamen schon ihr Fähnchen im Wind haben blasen lassen.

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