Archiv - News
Martin Bruny am Samstag, den
12. April 2003 um 20:20 · gespeichert in Literatur

IX
Stop all the clocks, cut off the telephone.
Prevent the dog from barking with a juicy bone.
Silence the pianos and with muffled drum
Bring out the coffin, let the mourners come.
Let aeroplanes circle moaning overhead
Scribbling on the sky the message He Is Dead.
Put cràªpe bows round the white necks of the public doves,
Let the traffic policemen wear black cotton gloves.
He was my North, my South, my East and West,
My working week and my Sunday rest,
My noon, my midnight, my talk, my song;
I thought that love would last forever: I was wrong.
The stars are not wanted now: put out every one;
Pack up the moon and dismantle the sun;
Pour away the ocean and sweep up the wood;
For nothing now can ever come to any good.
Verfasst hat dieses Gedicht Wystan Hugh Auden im Jahre 1936. Als “Song IX” publizierte er es in seinem Werk “Twelve Songs”. 1976 wurde das Gedicht unter dem Titel “Funeral Blues” in “Tell me the truth about love”, einer Anthologie von Liebesgedichten, veröffentlicht.
W. H. Auden wurde 1907 in York, England, geboren und starb am 29. September 1973 an den Folgen eines Herzanfalls bei einer Lesung in Wien. Er studierte in Oxford, wurde da Führer der “Pylon Poets”, einer linksgerichteten Intellektuellengruppe, nahm am spanischen Bürgerkrieg teil und erlebte in China den chinesisch-japanischen Krieg. 1935 heiratete er pro forma Erika Mann, um ihr die Flucht aus Deutschland zu ermöglichen.
Auden verband eine mehr als 35-jährige Lebenspartnerschaft mit dem Dichter Chester Kallman. 1939 emigrierte er in die USA und wurde 1946 amerikanischer Staatsbürger. Er war als Dichter, Dozent und Kritiker tätig und schrieb gemeinsam mit Christopher Isherwood Theaterstücke. Von 1956-1961 war er Professor für Dichtkunst in Oxford.
W. H. Auden gilt als einer der wichtigsten englischsprachigen Lyriker des 20. Jahrhunderts. Neben anderen literarischen Auszeichnungen bekam er 1948 den Pulitzerpreis.
2002 veröffentlichte der Pendo Verlag, Zürich, den Band Anhalten alle Uhren (Gedichte. Englisch/Deutsch). Darin versammelt findet man eine Auswahl von Gedichten Audens in englischer und deutscher Sprache mit Übersetzungen von namhaften Dichtern wie Erich Fried, Ernst Jandl, Hilde Spiel und Hans Egon Holthusen.
Das “Revival” dieses Dichters ist auf einen Film zurückzuführen: 4 Hochzeiten und 1 Todesfall. In dem Blockbuster rezitiert Matthew das Gedicht beim Begräbnis seines verstorbenen Freundes Gareth.
Martin Bruny am Donnerstag, den
10. April 2003 um 20:20 · gespeichert in Pop

Depeche Mode - mehr als Personal Jesus habe ich eigentlich nie gemocht, die Stimmung bei ihren Konzerten war nie das, was mir entspricht … und auf einmal “entdecke” ich Martin Gore. Counterfeit² ist der Titel seiner zweiten Solo-CD, und die kann man nur rundum empfehlen. Eigentlich ist das Ding noch gar nicht im Handel, aber der gute Martin bietet Streams seiner Songs auf seiner Page, und da habe ich mich in seine Interpretation von Kurt Weills Lost in the Stars verhört …
In einem Interview mit dem Magazin Alert erzählt Gore über seine Beziehung zu diesem Song und Kurt Weill:
Um das einmal deutlich zu sagen: Wenn ich zehn Songs von meinem neuen Album hätte runternehmen müssen, dann wäre der eine Song, der geblieben wäre, “Lost in the Stars” von Kurt Weill gewesen. (…) “Lost in the Stars” war der erste Song, der für mich feststand. Das war ganz klar, von Anfang an. Alle anderen Songs habe ich re-interpretiert und ihnen meine eigene Identität übergestülpt. Ich weiß bis heute nicht, was man an einem so perfekten Song ändern sollte. Ich meine, ich habe ihn ja immerhin als elektronisches Arrangement aufgenommen. Aber Kurt Weills Musik ist so komplex, und seine Akkordfolgen sind so einzigartig, dass das Auslassen eines Tons eine Lücke hinterlassen würde. (Nachzulesen in “Alert” Ausgabe 2/03, April/Mai 2003, Seite 44ff. - leider (noch) nicht online).
Martin Bruny am Dienstag, den
8. April 2003 um 20:17 · gespeichert in Literatur

Awards - fast so gut wie Listen, für uns Listenfetischisten. Einer der abstrusesten Awards: der Bad Sex in Fiction Award. Der Gewinner 2001 hieß Christopher Hart und fabrizerte in seinem Werk “Rescue Me” die folgende güldene Textstelle, die ihn zum würdigen Sieger machte:
Her hand is moving away from my knee and heading north. Heading unnervingly and with a steely will towards the pole … Ever northward moves her hand, while she smiles languorously at my right ear. And when she reaches the north pole, I think in wonder and terror — she will surely want to pitch her tent.
2002 konnte Wendy Perriam mit ihrem Roman “Tread Softly” den Preis für sich gewinnen. Auch sie hats wirklich drauf:
Weirdly, he was clad in pin-stripes at the same time as being naked. Pin-stripes were erotic, the uniform of fathers, two-dimensional fathers. Even Mr. Hughes’s penis had a seductive pin-striped foreskin. [story]
Martin Bruny am Montag, den
7. April 2003 um 20:16 · gespeichert in Literatur

Hach, das Leben kann so trivial sein:
Frage an Jonathan Carroll: Hi Jon, I have never read any of your books, but I recently (today) discovered you. As you may have guessed, I was intrigued by the name of one of your characters. How did you come up with it? Do you know any other Michael Billas? I was a bartender for about four years in Portugal, Italy and New York. Can you see why I’m utterly enthralled by my discovery of your work? This blows my mind! Maybe I’m reading into this too much, but I do believe in certain symbols that manifest themselves in everyday life. And this looks like one of them to me. Please email me…curiosity is killing this cat. Thanks, Michael Billa PS: I make a killer Martini (figuratively speaking).
Antwort: Ah Michael, I hate to disappoint you, especially when it comes to magic, but the name Michael Billa comes from something very mundane. There is a large chain of supermarkets in Austria named “Billa.” The Michael I just tagged onto it because early in my career, a nasty critic said (among my many other literary failures) I gratuitously use strange names much too often. So Michael it was. But you know, the fact that you discovered my work and a character of mine with your name is a magic of sorts no matter what, you know? [story]
Martin Bruny am Freitag, den
4. April 2003 um 20:13 · gespeichert in Literatur

Es war einmal … Benjamin Lebert (was wurde eigentlich aus ihm?), der als Teenager mit seinem Roman Crazy den Buchmarkt und die Filmbranche in Furore versetzte. Seitdem hat man von Teenager-Bestseller-Autoren nicht mehr viel gehört … bis, ja bis Nick McDonell auftauchte und im Jahre 2002 im Alter von 17 Jahren mit seinem Roman “Twelve” (”Zwölf”) in den USA einen Bestseller landete. Sein Werk verfasste er in den Sommerferien, aber lassen wir ihn selbst schildern:
Part of it was that I only had the summer holidays. It’s hard to write when you’re going to school full-time. Part of it was out of necessity and I wanted to finish it before I had to go back to school and part of it was that it came quickly. The plot came all at once. I still have the paper I had the plot written on before I started the book and it hasn’t changed. The thing was I really wrote this book because I really wanted to do it so that will always be the case. I’m not going to do something just for the sake of doing it if I’m not passionate about it.
McDonells Debüt kommentierte die New York Times einfach so:
So schnell wie Speed und so erbarmungslos wie Acid.
Der Playboy meint:
A dramatic debut. . . . An enthralling read about apathetic youth who have everything and nothing. [Patty Lamberti, Playboy]
Und worum gehts in “Zwölf”? Das lassen wir uns mal erzählen:
Paris ist viel besser als New York”, schreibt der heute 18-jährige Nick McDonell im Nachwort zu “Zwölf”. McDonell muss als Jugendlicher enorm an New York gelitten haben. Entsprechend düster ist das Porträt der Stadt, das er in seinem Romandebüt entwirft. Um den Drogendealer White Mike bildet sich eine Gruppe von reichen weissen Highschool-Schülerinnen und -Schülern, die von Party zu Party ziehen und sich unter anderem mit der Droge Zwölf volldröhnen. Höhepunkt ist die Silvesterparty bei Chris, wo es zu einem eigentlichen Feuerwerk kommt. McDonells Buch ist flott geschrieben und mit den zwei Erzählsträngen - da White Mikes Leben, dort die letzten vier Tage vor Silvester - spannend strukturiert. Doch das Werk ist als Verschnitt von Irvine Welshs Bestseller «Trainspotting» und Larry Clarks New-York-Film «Kids» nicht allzu originell. Die Originale überzeugen mehr: «Trainspotting» hat mehr Tiefgang, «Kids» ist realistischer. (net)”
Mittlerweile studiert McDonell in Harvard, “Zwölf” wurde in 11 Sprachen übersetzt, demnächst steht eine Verfilmung an, und das nächste Buch ist bereits in Arbeit - wobei das College für Nick Vorrang hat. Unter das Kapitel “leider zu spät” fällt folgende Veranstaltung: “29. März: Nick McDonell (18, USA) liest zusammen mit Tom Schilling (21, D) aus seinem Bestseller “Twelve”. Türöffnung 20h. Eintritt CHF 25.–. Studierende CHF 20.– Vorverkauf über Ticketcorner. Abendkasse geöffnet ab 20h. Zürich, Säulenhalle, Limmatstrasse 266, (Tram 4 bis Dammweg), 21h” [schade schade]
Martin Bruny am Donnerstag, den
3. April 2003 um 20:10 · gespeichert in Pop
Mannheim ist nicht eben eine Stadt, die man weit über deutsche Grenzen hinaus kennen würde. Kulturell reiht es sich in keine der deutschen Hochburgen ein. Noch! Aber schon ab dem Wintersemester 2003/04 wird man in Mannheim an einer Pop-Akademie studieren können, wie sie es landesweit kein zweites Mal gibt.
Ob nun Gesang, Management oder Konzertveranstaltung – alles lässt sich für 500 Euro Semestergebühr theoretisch und auch praktisch an der neuen Akademie erlernen. 55 Studenten sollen jährlich nach jeweils drei Jahren Ausbildung ihren Bachelor of Arts machen. Diese 55 Studienplätze stehen schon jetzt 1000 Bewerbern gegenüber.
Als Dozent stellt sich u. a. Xavier Naidoo, Sohn der Stadt Mannheim, zur Verfügung. Er hätte es zu schätzen gewusst, erklärte der Soul-Sänger, hätte er seinerzeit die Möglichkeit gehabt, von Leuten zu lernen, die er respektiere.
Als »Starschmiede« versteht sich die Akademie ausdrücklich nicht. Aber als Sprungbrett in eine vielleicht doch erfolgreiche Zukunft wird sie sicher dem einen oder anderen eine kleine oder auch große Hilfe sein.
Martin Bruny am Dienstag, den
1. April 2003 um 20:07 · gespeichert in Theater

… das sind die wichtigsten Zutaten für die “24 HR. Plays”. Rechnet man die Production Staff dazu, kommt man auf zirka 50 Leute.
Wie entsteht nun so ein “24 HR. Play”? Nun, wenn einmal der Tag der Produktion der 24-Stunden-Schauspiele gekommen ist, treffen sich alle Beteiligten um 22 Uhr am Vorabend der Aufführung zur Initialisierung ihres Rituals. Man bespricht am Ort des Geschehens (also im Theater) die Details und lässt danach die 6 Schriftsteller alleine. Ihre Aufgabe ist es, bis 7 Uhr morgens je ein 10-Minuten-Schauspiel zu verfassen. Punkt 7 Uhr morgens treffen die Regisseure ein und übernehmen. Sie lesen die brandneuen Werke, besprechen sich und beginnen mit dem Casting. Um 8 Uhr morgens stoßen die Schauspieler zur Gruppe, die Proben beginnen um 9 Uhr. Von 17 Uhr bis 19:30 finden die letzten Proben statt, pünktlich um 19:45 wird das Publikum eingelassen. Um 20 Uhr beginnt die Vorstellung.
Seit 1995 sind auf diese Art und Weise über 200 10-Minuten-Schauspiele entstanden und zur Aufführung gebracht worden. Keine üble Idee das. Wann steigt Schlingensief ein?
Martin Bruny am Sonntag, den
30. März 2003 um 20:05 · gespeichert in Literatur

“Der Fänger im Roggen” dürfte eigentlich jedem ein Begriff sein. Manchen liegt er unangenehm im Magen - auch als Resultat missglückten Englischunterrichts - manchen ist er so etwas wie ein ewiger Begleiter geworden.
Bis dato war der Kultroman in deutscher Sprache
1) in einer Übersetzung von Irene Muehlon aus dem Jahr 1954 (publiziert im Zürcher Diana Verlag) erhältlich;
2) ab 1962 in einer durch die Übersetzungsbrille von Heinrich Böll überarbeiteten Version, (bei Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht).
Beide Versionen beruhen auf der ersten britischen Ausgabe des Werks, die 1951 durch den Verleger Hamish Hamilton veröffentlicht wurde. 1958 wurde diese Version als Penguin-Ausgabe publiziert und war von da an praktisch 40 Jahre die Referenzausgabe weltweit.
Das Problem: Diese Ausgabe ist ein Torso des wahren Originals. Englischer Prüderie fielen große Teile des Originalslangs, der originellen Vulgärsprache zum Opfer. Erst 1995 erschien eine unzensierte englische Originalversion, und auf der beruht
3) eine Neuübersetzung durch Eike Schönfeld. In der FAZ kann man ein paar nette Gegenüberstellungen von Neuübersetzung und Böll-Version nachlesen. Kaufen!
Martin Bruny am Dienstag, den
25. März 2003 um 17:44 · gespeichert in Literatur, TV

Michael Moore ist schon ein mutiger Mann. Drehte in den Staaten einen Dokumentar-Film über us-amerikanischen Waffenfanatismus. Doch er wurde belohnt, und zwar mit einem Oscar. Und da wurde Michael Moore noch mutiger. Denn anstatt anlässlich der Oscar-Verleihung eine Rede zu halten, wie wir sie schon 1.000x gehört haben – »Ich danke dem Team und meiner Mami« –, schleuderte er harte Worte gen Washington D.C.; also richtig harte Worte und nicht etwa leise Zwischentöne: »Wir sind gegen diesen Krieg! Schande über Sie, Herr Bush, Schande über Sie!”
Schande, das war aber direkt! Doch schon nach ca. 45 Sekunden war Schluss mit lustig, man überspielte Moores Worte mit Musik. Der gab sich geschlagen und zog von der Bühne.
Aber mit einem Lächeln auf den Lippen und wohl wissend, dass man nun in aller Welt über ihn sprechen würde. Und der eine oder andere Journalist, der über ihn berichtet, wird wohl nun auch dezent auf Moores Buch verweisen: Stupid White Men. Erfolgreich war’s schon vorher, aber man kann eigentlich ja auch gar nicht erfolgreich genug sein.
Übrigens wird “Stupid White Men” gleich acht Mal im Rahmen der LitCologne, dem großen Literaturfest, das aus Köln so eine Art “Cannes der Literatur” macht, in einer szenischen Lesung zum Besten gegeben. Und zwar an acht verschiedenen Tagen in acht verschiedenen Veranstaltungsstätten. Los geht’s am Sonntag, 30. März 2003 im Comedia Theater. Karten an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Man sieht sich?
Martin Bruny am Dienstag, den
25. März 2003 um 17:37 · gespeichert in Literatur, Netz, Flicks


Es war einmal … ein Junge, der mit einem Film für lange lange Jahre zum Filmstar per se avancierte. Sein Name: Wil Wheaton. Sein Durchbruch: Stand by me (1986), ein Film von Rob Reiner nach einer literarischen Vorlage von Stephen King. Mittlerweile hat es Wheaton auf bis dato 46 Filme gebracht, auf jede Menge Gastauftritte in bekannten TV-Serien, er ist nach wie vor gut im Geschäft … und er ist einer der prominentesten Blogger dieses Universums.
Wil Wheatons Weblogg bietet einen interessanten Einblick in das tägliche Leben eines “Prominenten”. Wer würde schon annehmen, dass ein Filmstar eine Art Tagebuch öffentlich zugänglich im Netz lanciert. Wheaton macht es, und was er schreibt, kann manchmal auch als wichtige Botschaft an alle seine Leser, vor allem seine amerikanischen Fans, verstanden werden:
“March 20, 2003: A time for war, a time for peace. I don’t support this war. I believe that Mr. Bush’s justifications for it are based on lies. I believe that he has lied to the American people, and to the world. I believe that there is a small group of people within Mr. Bush’s administration who have wanted to invade Iraq since the mid-1990s. The horriffic terrorist attacks on September 11th, which have nothing to do with Iraq and everything to do with Saudi Arabia, have been exploited by this small group of people to justify this invasion. While I believe that Saddam Hussein is a terrible despot, I do not believe that this action is worth one American life, and I hope for the speedy return of all military forces to their families. May Peace Prevail On Earth.”
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