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Archiv - Vermischtes

Reality-Check: Castingshow versus Audition

Seit dem Aufkommen der Musical-Reality-Shows, wie man die durch die Bank im deutschsprachigen Raum fehlgeschlagenen Versuche, Musical-Castingshows im TV zu veranstalten, bezeichnet, stellt sich eine Frage: Wie sehr unterscheiden sich TV-Castingshows von realen Auditions? Immer wieder wird davon gesprochen, wie arm die Kandidaten im Fernsehen sind, was sie sich nicht alles anhören müssen, man erzählt von Stand-by-Psychiatern, die zur mentalen Erstversorgung mit gesprächstherapeutischen Defibrillatoren bereitstehen. Die Showjuroren werden gegeißelt, wenn sie ihrerseits mal wieder einen der Kandidaten medial durchgewurschtet haben. Aber mal ehrlich? Ist diese geschützte Pseudocasting-Werkstätte tatsächlich vergleichbar mit der Realität, mit dem, was ausgebildete Darsteller Audition für Audition erleben? Werfen wir doch mal ein paar Seitenblicke auf den Audition-Alltag aus dem Blickwinkel einiger Darsteller.

Stellen Sie sich vor, Sie sind ausgebildeter Musicaldarsteller, haben an einer renommierten Musicalschule ihren Abschluss gemacht, können auf Hauptrollen-Engagements in großen Musicals verweisen und finden sich plötzlich bei einer Audition mit folgendem Statement konfrontiert: “Bitte bewerben Sie sich nie wieder bei uns.” Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten in dieser Branche und ein Großmogul des Business setzt Sie auf seine berühmt-berüchtigte schwarze Liste. Es bleiben Ihnen natürlich diverse Möglichkeiten: Kleinproduktionen und das Auswandern beispielsweise. Eines ist klar: Castingshows im Fernsehen sind Pipifax verglichen mit dem, was Musicaldarsteller in ihrem Beruf tagtäglich erleben.

Wir alle kennen die klassische Audition-Situation. Eine schöne Bühne, ein Klavier, ein Korrepetitor, Licht und das Leading Team im Theatersaal. Man hat ein Lied vorbereitet, eventuell mehrere. Am Ende der Audition ein knappes “Danke. Wir melden uns bei Ihnen.” - eine klassische Situation bei einer realen Audition, in etwa Standard (mit ein paar schmückenden Beiwörtern) bei Fernsehcastingshows, es sei denn Scherzkandidaten singen vor, aber die sind an dieser Stelle nicht mehr erwähnenswert.

Die Realität kann aber auch folgendermaßen aussehen: ein relativ kleiner, stickiger Raum, keine Bühne, ein Leading Team von 25 Leuten, von denen die meisten nichts unmittelbar mit der Auswahl zu tun haben. Grelles, unvorteilhaftes Licht. Sie beginnen mit ihrem Song - und 5 der 25 Zuhörenden stehen auf, verlassen den Raum, demonstrieren damit, dass sie nicht wirklich Interesse an Ihrer Audition haben.

Oder folgende Situation: Sie singen für eine Hauptrolle vor, haben einen beeindruckenden Lebenslauf, können auf erfolgreiche Shows mit den Produzenten, für die Sie gerade vorsingen, verweisen, hören aber vom Regisseur: “Na schaun wir mal, ob Sie auch wirklich etwas können oder nur ein schönes Gesicht haben.” Wozu dann überhaupt ein Lebenslauf, wenn ihn ohnedies niemand ernst nimmt. Eine der Erfahrungen, die man als Darsteller macht: Man hat nicht unbedingt Vorteile, wenn man mehr gemacht hat. Man reiht sich stets mit den Anfängern ein. Wo ist die Steigerungsmöglichkeit? In einem normalen Beruf sieht man bei der Bewerbung auch auf das bisher Erreichte und stellt dann fest: qualifiziert oder nicht qualifiziert. Sich einen “Namen” machen, das wäre eine Möglichkeit. Aber im Musicalbusiness ist das nicht leicht. Die Anzahl der Leute, die sich einen “Namen” gemacht haben, wird, nicht ohne Grund, oft auf eine einzige Person eingeschränkt. Da haben es die Kandidaten bei Castingshows besser: Mit ihnen fiebert ein Gutteil der Nation mit, sie haben die Chance, von Null zum “Star” zu werden - für eine gewisse Zeit.

Wenn Sie es schon als Bewerber für eine Hauptrolle nicht ganz einfach haben, kann es Sie noch schlimmer erwischen, nämlich dann, wenn Sie als Tänzer für eine Ensemblerolle vorsingen. Sie haben 16 Takte, um ihr Gesangstalent zu demonstrieren. Das ist doch genau der richtige Zeitpunkt für eine Pinkelpause, meinen da einige Leute aus dem Leading Team. Also ehrlich, Tänzer muss man sich doch nun nicht anhören.

Auch was die Songauswahl betrifft, sollte man sich nichts vormachen. Wundern Sie sich nicht, wenn man zu lachen beginnt, wenn Sie einen Song vom »falschen«, gerade nicht genehmen Komponisten anstimmen, seien Sie froh, wenn nicht gleich alle den Raum verlassen.

Es gibt Auditions, da ist man sicher, wirklich voll im Rennen zu sein. Zur Vorbereitung bekommt man einen ganzen Packen an Material, man studiert die Songs ein, meint sich laut offizieller Ausschreibung als der richtge Typ für die Rolle, doch plötzlich, vor Beginn des Auswahlprozesses, gibt es neue Noten, und zwar für 20 Leute exakt nur 10 Kopien. Selbstverständlich unterstützt man sich gegenseitig, wundert sich aber doch ein wenig über die mangelnde Professionalität. So hockt man sich mit den Konkurrenten zusammen und bemerkt … dass plötzlich völlig andere stimmliche Voraussetzungen gefragt sind. Da steht doch tatsächlich ein hohes D in den Noten. Im bisher zur Verfügung gestellten Material und laut Ausschreibung war die höchste Stelle ein hohes A. Blöde Sache, denkt man sich: “Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich gar nicht erst hergekommen.” Andere haben freilich größeres Pech. Sie sind von weit her auf ihre Kosten eigens angeflogen. Doch nicht genug damit: Beim Callback befindet man sich in “bester” Gesellschaft, im wahrsten Sinne des Wortes. So gut wie alle Darsteller, die in den letzten beiden Jahren im gesamten deutschsprachigen Raum Hauptrollen gespielt haben, egal welcher Art, sind anwesend - und singen für dieselbe Rolle vor: von Stimme, Aussehen, Statur und Alter VÖLLIG unterschiedlich - klein, groß, dick, dünn, blond, schwarz. Bei 6 aus 45 sind die Chancen auf den Jackpot fast größer. Als Darsteller fühlt man sich so, als würde man in einem Zirkus vorgeführt werden, andererseits drängt sich die Frage auf, ob da das Leading Team denn überhaupt die Hausaufgaben gemacht hat, die notwendig gewesen wären, um eine passende Auswahl durchführen zu können, ohne Leuten abzusagen, die ohnedies nie ins Konzept gepasst hätten. Als Darsteller gibt man sich immerhin auch viel Mühe, sich entsprechend den Rollenbeschreibungen vorzubereiten. Nicht immer freilich klingt das, worauf man sich einzustellen hat, logisch: Da gibt es immer öfter so wunderbare Angaben wie: “Spielalter: 20″. Was heißt das? Oder “Spielalter: 21″. Was soll man sich darunter vorstellen. Man spielt nicht 19, 20, nicht 22, nein 21?

Es kann nicht ärger kommen? Aber sicher doch. Stellen Sie sich vor, Sie haben tatsächlich Glück und bei einer vier Tage dauernden Audition sind Sie jeden Tag einer der Favoriten. Von Mitgliedern des Leading Teams bekommen Sie nach Ihrem Vorsingen bei gemeinsamen Zigarettenpausen im Beisein auch ihrer Mitkonkurrentinnen das beste Feedback. Großartig sind Sie, wirklich toll. Ihre Kollegin neben ihnen verfällt gerade, bricht in Tränen aus. Auch sie hat doch gerade vorgesungen. — Richtig, eigentlich stehen alle da, weil sie den Job wollen, ihre Miete zahlen müssen. Zeugt es da von einer besonders professionellen Einstellung, wenn sich Mitglieder des Leading Teams mit Darstellern verbrüdern? Ist es nicht vielmehr so, dass Leading Team und Kandidaten sich nicht mischen sollten, dass ein knappes “Danke, Sie hören von uns” zwar hart, aber fair ist. Wer schützt junge Darsteller vor falschen Komplimenteverteilern? Wer schützt sie dann am Ende, wenn aus einem anfänglichen “Alle in diesem Raum wollen, dass du die Rolle bekommst” doch nur ein “Wir sind uns alle einig geworden, dass du es nicht bist” wird - mit einer Begründung, die so ausfallen könnte: “Die Stimme passt doch nicht.” 4 Tage lang Topfavorit, dann passt die Stimme doch nicht? Im Land der unmöglichen Möglichkeiten sind Darsteller vor solchen Zuständen geschützter, da wäre eine solche Vorgehensweise unter Umständen sogar klagbar. Mündliche Zusagen werden dort nicht leichtfertig gemacht. Es geht nicht etwa darum, “künstlerische Entscheidungen” anzuzweifeln, es geht um eine gewisse Fairness. Wenn man ganz offensichtlich jemand gefunden hat, der in den Raum gekommen ist und - wow - wieso bestellt man dann alle anderen noch zu weiteren Vorsingen, schürt Hoffnungen, bietet dann Absagen, die menschlich gesehen untragbar sind wie “Die Stimme passt nicht”, wo doch das Leading Team eben noch der Meinung war, es sei so toll gewesen. Wieso kein Feedback, das man verstehen kann, das dabei hilft, es beim nächsten Mal besser zu machen, oder wenn es schon nicht dazu gedacht ist, zu helfen, dann doch Feedback, das nicht die künstlerische Qualität des Vorsingenden grundsätzlich in Frage stellt.

Andererseits, diejenigen, die eine Absage bekommen, können ja noch froh sein, denn die Fälle mehren sich, da Künstler nicht mal das bekommen. Sie gehen zu einer Audition und hören nie wieder etwas von der Produktion. Leute mit Galgenhumor laufen dann schon mal rum und erzählen, wie toll das doch sei, man müsse wohl nach wie vor im Rennen sein, denn Absage, nein, eine Absage habe man ja nie erhalten.

Manchmal wird Darstellern ganz klar der Eindruck vermittelt, dass Auditions zu Fließbandgeschichten werden. Bei Callbacks ist keine Zeit mehr, mit dem Material zu arbeiten, weil beim Final Call über 130 Leute den Job wollen. Man bekommt zwar jede Menge Material, das man auch einstudieren muss, aber kann dann davon praktisch nichts präsentieren. Auditions nehmen manchmal so etwas wie “Superstar”-Charakter an. Wir suchen die, die wir mögen, aber nicht die, die in die Rollen passen. Womit wir wieder am Beginn wären. Was ist der Unterschied zwischen Castingshows und der Realität.

Die Top 10 der Musicaldesaster

Eine Liste der seiner Meinung nach zehn schlechtesten Musicals aller Zeiten veröffentlichte dieser Tage Dominic Cavendish, Redakteur des London Telegraph. Die ausführlichen Begründungen kann man auf der Website des Telegraph nachlesen.

Die 10 schlechtesten Musicals aller Zeiten
01 Carrie (1988)
02 Which Witch (1992)
03 Bernadette (1990)
04 The Fields of Ambrosia (1996)
05 Jeeves (1975)
06 Moby Dick (1992)
07 Twang!! (1965)
08 The Hunting of the Snark (1991)
09 Children of Eden (1991)
10 Oscar Wilde (2005)

Das 21. Jahrhundert und wir

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von “Hexenmeistern” in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, unter dem Titel “Penis theft panic hits city”.

13 mutmaßliche “Hexenmeister” wurden verhaftet. Man wirft ihnen vor, Penisse gestohlen beziehungsweise geschrumpft zu haben, einfach durch Berührung ihrer Opfer. 14 Opfer haben sich gemeldet, Panik hat die Stadt erfasst, die Penisschrumpfer sind Thema Numero uno in Kinshasas Radio-Talkshows.

Opfer und Verdächtige wurden in erster Linie deshalb verhaftet, weil Lynchjustiz nicht auszuschließen ist. Bei einer ähnlichen Panik in Ghana wurden vor zehn Jahren zwölf des Penisdiebstahls Verdächtige vom Mob umgebracht.

Wie schauts nun mit den Penissen aus? Nun, natürlich sind sie nicht weg, aber, so Jean Dieudonne Oleko, Polizeichef von Kinshasa:

… when you try to tell the victims that their penises are still there, they tell you that it’s become tiny or that they’ve become impotent. To that I tell them, ‘How do you know if you haven’t gone home and tried it’

Andrew Lloyd Webber bei “American Idol”

Kein Song aus “Joseph”, kein Lied aus “Whistle down the wind”, den naheliegendsten Musicals für eine Pop-Castingshow, dafür gleich zwei Lieder aus “The Phantom of the Opera”, die erste Version von “Memory”, gesungen von einem Bursch mit Dreadlocks, Kandidaten, die nicht wussten, was die Lyrics eigentlich bedeuten, die sie interpretieren sollten. Auf Sir Andrew Lloyd Webber wartete einiges an Arbeit in den Workshops für den ihm gewidmeten Themenabend von “American Idol”. Gut gelungen ist zweifellos David Archulettas Pop-Version der Diva-Hymne “Think of me”, in einer solchen Version könnte der Song sogar in den Chars punkten. Die Frage ist, wer wandert diesmal in die Bottom 3 - und für wen war es der letzte Auftritt.

Update/24. April 2008
38 Millionen Stimmen wurden bei dieser Runde ausgezählt, am wenigsten Stimmen hat Carly Smithson bekommen, sie ist damit ausgeschieden. Das Thema der nächsten Woche: Neil Diamond. Die verbliebenen 5 Teilnehmer werden mit Diamond an ihrer Performance arbeiten und seine Songs interpretieren.

Think of me, David Archuleta
Memory, Jason Castro
Jesus Christ Superstar, Carly Smithson
You must love me, Brooke White
One Rock & Roll too many, Syesha Mercado
The Music of the Night, David Cook

Sämtliche Auftritte sind bei iTunes in Topqualität als Video und Audio downloadbar. Den Downloadlink findet man auf der Website von American Idol.

“Er gehört nur mir”, “Er gehört zu mir” oder “Ich gehör nur mir” - Wie war das nochmal?

Die Kollegen von musicalmix/specialedition haben eine mögliche neue Strategie von Stage Entertainment aufgedeckt: Kostenreduktion auch bei den Songtiteln. So kann man sich neuerdings keine Boote in der Nacht mehr leisten, sondern nur mehr ein einziges Boot.

Als nicht richtig hat sich das Gerücht erwiesen, dass man einen Original-Levay-Song einspart und stattdessen eine Marianne-Rosenberg-Hymne (“Er gehört zu mir”) in die Show einbaut.

Zur Stage-Site mit den Fehlern gehts hier nicht mehr, da diese am 21. April 2008 korrigiert wurden. Hallelujah!

Eines wird freilich wohl für immer ungeklärt bleiben: Wieso sieht man im “Videoplayer” Maike Boerdam, hört aber Pia Douwes? Was hat es mit dem Begriff “deutsche Uraufführung” auf sich (siehe musicalmix/specialedition zu einem ähnlichen Fall), der beim Kaufhinweis zur CD verwendet wird? Längst sind nicht alle Fragen gestellt.

Musical-Castingshows, wofür eigentlich?

Vielleicht wäre es am besten, man würde mit deutschsprachigen Castingshows mal für ein paar Jahre aussetzen, das trifft insbesondere auf Musical-Castingshows mit ihrer oft unausgegorenen Konzeption zu und der zum Teil dadurch bedingten Unscheinbarkeit der Kandidaten. Kann sich jemand heute noch an irgendeinen der Ausgeschiedenen von “Ich Tarzan, Du Jane!” oder “Musical Showstar 2008″ erinnern?

Das Konzept der Gottschalk-Show beispielsweise scheint vor allem darauf zu beruhen, den einzigen Star der Show, nämlich Gottschalk selbst, so wenig wie möglich zu beanspruchen. So geht denn auch heute schon das Finale über die Bühne. Bei kolportierten 40.000 Euro Auftrittshonorar für Gottschalk vielleicht eine kluge Entscheidung.

Was die Musical-Showstars des ZDF machen werden mit ihrem Titel, ist eine Frage, die Gottschalk nicht beantworten kann, nicht mehr, denn wenn das Publikum Kandidaten zu Siegern kürt, die für die ursprünglich als Siegesprämie ausgeschriebenen Rollen in “Starlight Express” nicht geeignet sind, haben sie eben Pech gehabt. Da macht uns Sat.1 viel weniger vor (beziehungsweise mehr), denn am Ende wählt zwar das Publikum die Bottom 2, also die beiden Letztplatzierten, die Jury hat es jedoch in der Hand, ihre Favoriten bis zum bitteren Ende immer wieder durchzuboxen, denn sie entscheidet letztlich, wer wirklich gehen muss. Jeder Cent, den man also dafür an Telefongebühren ausgibt, ist vergeudet.

Was bei Gottschalks Format gefallen kann, sind die Stargäste, die auf eine gewisse Weise zeigen, was Musical auch sein kann. Was Musical weniger ist, zeigte ebenfalls Gottschalk am Anfang seiner letzten Show: Da rollten die Kandidaten (zum Teil) über die Bühne, während sie von ausgebildeten Tänzern in Grund und Boden getanzt und performt wurden. Das sind dann wohl die Szenen in Familienalben, wo man Jahre später sagt: “Mei, warst du da putzig.”

Sinnigerweise laufen heute die Castingshows auf ZDF und Sat.1 zum Teil parallel. Man wird sehen, wer davon profitieren kann. Gottschalk ist jedenfalls zuschauermäßig mit seinem Format weiter im Sinkflug. 3,34 Millionen sahen die zweite Liveshow, nur 0,87 Millionen der 14- bis 49-Jährigen (6,6 Prozent Marktanteil).

Eigentlich bräuchten wir ja Musical-Castingshows gar nicht. Die äußerst erfolgreiche Castingshow “American Idol”, die derzeit als erfolgreichstes TV-Abendprogramm mit Staffel 7 in den USA am Start ist und eigentlich Pop- oder Soulstars sucht, beweist, dass Musicalsuperstars ihren Weg finden, auch gerne über Pop-Castingshows (während umgekehrt so manches “Musical Idol” dann doch eher “Pop Idol” werden möchte). Eine kleine Übersicht, welche Teilnehmer der 7 Staffeln von “American Idol” letztlich (für eine bestimmte Zeit) im Musicalgenre gelandet sind, würde in etwa so aussehen:

Season 1 (2002)
Tamyra Gray (4. Platz):
November 2004: Broadway - “Bombay Dreams”
Mai 2007: Broadway - “Rent”

Justin Guarini (2. Platz)
2003: “From Justin to Kelly” (TV-Musical)

Kelly Clarkson
(1. Platz)
2003: “From Justin to Kelly” (TV-Musical)

Season 2 (2003)
Josh Strickland (Vorrunde)
2005: Regional Theatre - “Rent”
2006: Broadway - “Tarzan”

Vanessa Olivarez (12. Platz)
2004: Toronto - “Hairspray”

Clay Aiken (2. Platz)
2008: Broadway - “Spamalot”

Season 3 (2004)
Amy Adams (10. Platz)
2005: US-Tour - “Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat”

Jennifer Hudson (7. Platz)
2006: “Dreamgirls” (Filmmusical)

LaToya London (4. Platz)
2006: Chicago - “The Color Purple”
2006-2008: US-Tour - “The Color Purple”

Diana DeGarmo (2. Platz)
2005: San Jose - “West Side Story”
2006: Broadway - “Hairspray”
2006: US-Tour - “Brooklyn: The Musical”
2006-2007: Broadway - “Hairspray”

Fantasia Monique Barrino (1. Platz)
2007: Broadway - “The Color Purple”
2010: “The Color Purple” (Filmmusical, in Planung)

Season 4 (2005)
Constantine Maroulis (6. Platz)
2006: Broadway - “The Wedding Singer”
2007: Off-Broadway - “”Jacques Brel is Alive and Well and Living in Paris”

Anthony Fedorov (4. Platz)
2007: Off-Broadway - “The Fantasticks”
2008: US-Tour - “Simply Ballroom”

Vonzell Solomon (3. Platz)
2008: US-Tour - “Simply Ballroom”

Season 6 (2007)
LaKisha Jones (4. Platz)
2008: Broadway - “The Color Purple”

Kein Wunder also, dass Andrew Lloyd Webber nächsten Dienstag und Mittwoch die Hauptattraktion bei “American Idol” sein wird. In der aktuellen Staffel sind noch die Top 6 an Bord. Am 22. April 2008 werden David Archuleta, Jason Castro, David Cook, Syesha Mercado, Carly Smithson und Brooke White Songs des Komponisten interpretieren. Am Set der Las Vegas-Produktion von “The Phantom of the Opera” im Venetian Hotel stand Webber den Kandidaten mit Tipps zur Verfügung. Für wen diese Musical-Ausgabe der letzte Auftritt war, erfahren die Zuschauer am 23. April, live auf Fox. Ob dann das “American Idol 2008″, das in 6 Wochen mit Hilfe von geschätzten 75 Millionen telefonisch und per SMS abgegebenen Stimmen gewählt wird, auch im Musicalgenre landet, bleibt abzuwarten.

Nanu? Haben Musicaldarsteller kein Recht auf Privatsphäre?

Stellen Sie sich vor, Sie googeln so vor sich hin, und auf einmal lesen Sie in einem Suchresultat, dass Sie mit einem Arbeitskollegen angeblich ein Verhältnis haben, dass sich Ihr Partner von Ihnen getrennt hat oder vom Bühnentürl von einer unbekannten Schönheit abgeholt wurde. Das ist Web 2.0, sagen vielleicht einige, ja, damit muss man leben, wenn man ein Promi ist. Muss man?

Dem Kultur-Channel ist ein interessanter Beitrag zugeschickt worden, der untenstehend gerne veröffentlicht wird, ohne den Autor/die Autorin zu nennen. Auch wird dieser Artikel kein Schauplatz von Diskussionen, die Kommentarfunktion wurde ausgeschaltet. Erreichbar ist die Redaktion jedoch immer über das Kontaktformular.

Worum gehts? Nun, um einen Thread (oder im wahrsten Sinne des Wortes “threat”, wie manche des Englischen Unkundige gerne kritzeln) in einem deutschen Forum namens “naanoo”, der sich “Aktuelle Paare der Musicalszene” nennt. Hier der Gastbeitrag:

Ich bin von einer Bekannten darauf aufmerksam gemacht worden, dass ein Kollege in einem Forum namens community.naanoo quasi als Lebensgefährte eines seiner Kollegen geoutet wurde. Ich habe mir die Beiträge in dieser Community durchgelesen und nur mehr gestaunt. Wie kommen wildfremde Menschen dazu, so über ihnen nicht persönlich bekannte Schauspieler zu schreiben. Über Schauspieler, die sie nur von der Stagedoor kennen und sich dann einreden, eine Art Bekanntschaft aufgebaut zu haben. Leute! Stagedoor is part of the job, nothing else! Eine kleine “best of” der Wortmeldungen da (ohne Namen von betroffenen Schauspielern zu nennen):

SophieS: “Ich hab die beiden im Juni auch noch schwer turtelnd in HH gesehen. Also wenn, dann muss es schon sehr abrupt und schnell zu Ende gewesen sein.”

clickcat: “Dann mal viel Spaß beim Herausfinden, was davon noch stimmt und was nicht …”

lou: “Sind immer noch getrennt! Da die beiden aber so ewig zusammen waren, hat´s noch nicht jeder mitbekommen.”

Iris444: “Ich finde das Ganze ganz interessant und spannend… wenn man jemanden gerne mag (auf der Bühne), dann interessiert man sich früher oder später einfach für sein Privatleben oder???”

Beispiel für eine Darsteller-Tracking-Unterhaltung:
www-tdv-fan: Hab mal ne Frage:ICh hab hier in dem echt coolen Forum(und das meine ich jezt ernst) gelesen, dass xxx und xxx zusammen sind.Ist das noch aktuell?
Elisabeth: ist glaub ich noch nix gegenteiliges bekannt!!
alecia: also letzte woche waren sie es noch … demnach denke ich nciht das sich das geändert hat …

Beschwerden von Betroffenen werden ignoriert, man macht sich über sie lustig, siehe hier:

Elphi: “Jajaja….kaum hatt eine Gottheit namens Darsteller (falls das überhaupt einer ist, kann ich genausogut von mir behaupten ohne dass es jemand nachprüfen kann) geäußert schließen sich alle dem an.”

lou: “Wenn ich in der Öffentlichkeit stehe, dann muss ich mit sowas rechnen, oder?”

Elisabeth: “Ich seh das so: wenn sich DarstellerInnen nach der Show regelmäßig von ihrem® Partner/in abholen lassen brauchen sie sich eigentlich nicht darüber wundern wenn das auffällt und sie dann in diesem thread zu finden sind.”

Ein Kollege in diesem Forum schreibt:
“Wenn eine Agentur meinen Namen googelt, oder eine Produktionsfirma, Theater etc bei denen ich mich gerade bewerbe und auf solche Threads stößt finde ich das echt peinlich für mich. Egal ob ich aus meinem Partner ein Geheimnis mache oder nicht.
Anstatt das der “Sucher” Informationen, Kritiken, oder Fotos von mir erhält, wird er mit meinem privaten Kram konfrontiert.
Jemand schrieb hier: “Wieso nicht nen *OneNightStandTHREAD* ???” Ich ergänze wie wäre es mit nem *HIV-Thread* oder nem *Wer hatte Durchfall - Thread* oder nem *Wer hatte was in seinem Hausmüll -Thread” Leuts , Ihr seid doch alt genug. Macht Euch doch mal ein paar Gedanken was Ihr postet. Ich kann Euch nur sagen das weder ich, noch meine Kollegen -und damit spreche ich mit Sicherheit für den größten Teil, mit solchen Threads einverstanden sind.”

Ich vertrete die Meinung, dass hier über die Stränge geschlagen wurde mit dem was sich Fans leisten dürfen und was nicht. Denkt mal nach!!!!

Update/11.4.2008/18:40 Uhr
Die Namen wurden von naanoo aus dem oben angeführten Thread entfernt.

Update/11.4.2008/19:05 Uhr
Der Thread wurde von naanoo gelöscht.

Update/14.4.2008/00:05 Uhr
Und was lernen wir daraus? –> Nanu?
Die neuesten Perlen der Weisheit aus dem “Musicalforum”:

lou: “Aber dann wollen wir mal hoffen, dass diese Darsteller nicht irgendwann so ´nen richtigen Karriereschub kriegen und von Paparazzis verfolgt werden. Das würden die ja dann gar nicht mehr verkraften!”

Elisabeth: “Und wenn sich 2 Darsteller (ich nenne jetzt die Namen nicht denn jeder der die Sendungen gesehen hat weiß wen ich meine) in den beiden derzeit laufenden TV Caszingshows mit ihren männlichen Lebenspartnern für das Portrait filmen lassen und betonen wie glücklich sie in den Beziehungen sind die sie führen dann bringt mich das zu der Ansicht dass es die meisten Darsteller nicht stört wenn offiziell bekannt ist “wer mit wem” zusammen ist.”

Elisabeth: “Ich gehe davon aus dass dieser thread NICHT das erste war dass man beim googeln nach einem Darsteller gefunden hat (sofern er eine HP,Fanpage oder dgl hat oder schon mal wo aufgetreten ist). Wenn eine Agentur (die sich mit Sicherheit ihre Informationen nicht nur über google beschafft) keine sonstigen Infos,Kritiken oder Fotos im Internet findet dann scheint es eben sonst nichts zu geben das über ihn bekannt ist. Im übrigen denke ich dass es einer Agentur egal ist ob sie auf private Informationen stößt-sie wird sie vermutlich als unbrauchbar einstufen und einfach ignorieren.”

Weiter kein Hit: Gottschalks “Musical Showstar 2008″

Thomas Gottschalks Eingangsstatement bei der ersten Live-Show von “Musical Showstar 2008″ am 9. April 2008 war bezeichnend:

Seit ich das erste Mal eine Muppets-Show gesehen habe, war es mein größter Wunsch, einmal eine Sendung mit einem Live-Orchester zu moderieren.

Damit sollte er die Message der Sendung gut zusammengefasst haben, denn es war eine Show der Abstrusitäten, bei der man zwar durchaus Musical geboten bekam, aber nicht gerade vom Feinsten. Wer schon immer die schrägsten Plattitüden, die sich Darsteller antrainieren können, sehen und hören wollte, war gut bedient.

Das Ziel der Show, Neubesetzungen der Rollen “Rusty” und “Pearl” zu finden, wurde nicht verfolgt, hingegen bediente man Zielgruppen und konnte am Ende wohl vor allem eines feststellen: Die Zuschauer ab 50 waren an Bord und voteten für einen Opernsänger, der keine Chance hat, eine der Rollen zu spielen, die Gruppe der Girlies bis 14 war nicht dabei, und so erwischte es Kandidat Kaj Binder (und Navina Heyne). Sie bekamen nicht genügend Anrufe, um auch beim nächsten Mal Lieder singen zu dürfen, die großteils nicht zu ihrem Typ passen oder aber ungeeignet für ihre Stimmen sind.

Quotenmäßig sieht es etwas besser für Gottschalk aus: 3,51 Millionen Zuschauer waren dabei, das entspricht einem Marktanteil von 11,3 Prozent beim Gesamtpublikum. Mit 930.000 Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren erreichte Gottschalk einen Marktanteil von 7,1 Prozent.

Entertainment Weekly: “Die besten 25 Filmmusicals”

Entertainment Weekly hat in seiner Ausgabe vom 1. April 2008 eine Liste der 25 besten Filmmusicals veröffentlicht. Lustig sind Listen dieser Art immer wieder. “South Park” auf Platz 8, aber “The Pajama Game” oder “Damn Yankees” finden sich in der Auflistung gar nicht, interessant. “Showboat” ebenfalls nicht? Und auf welchen fiktiven Plätzen würden wir “My Fair Lady”, “South Pacific”, “Naughty Marietta”, “The Mikado”, “Rio Rita”, “Roberta”, “Evergreen”, “Three little words”, “The King & I” oder “State Fair” finden? Schwamm drüber. Hier die Top 25 von Entertainment Weekly:

01 The Wizard Of Oz (1939)
02 West Side Story (1961)
03 Singin’ In The Rain (1952)
04 Cabaret (1972)
05 Mary Poppins (1964)
06 The Band Wagon (1953)
07 A Hard Day’s Night (1964)
08 South Park: Bigger, Longer & Uncut (1999)
09 Meet Me In St. Louis (1944)
10 Love Me Tonight (1932)
11 An American In Paris (1951)
12 Swing Time (1936)
13 On The Town (1949)
14 Grease (1978)
15 Hairspray (2007)
16 A Star Is Born (1954)
17 Chicago (2002)
18 The Busby Berekely Disc (2006, Compilation)
19 The Sound Of Music (1965)
20 Funny Girl (1968)
21 Beauty And The Beast (1991)
22 Gigi (1958)
23 The Music Man (1962)
24 Seven Brides For Seven Brothers (1954)
25 Once (2006)

Fair enough - “My Fair Lady” an der Wiener Volksoper 2008

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

“Mein Gott, “My Fair Lady” ist doch ein MUSICAL!” Unglaublich, dass niemand in der Volksoper das zumindest mal leise vor sich hingemurmelt hat, am vergangenen Donnerstag, dem 3. April 2008, als “My Fair Lady” nach viereinhalb Jahren Pause wieder in das Haus am Währinger Gürtel einzog. Vielleicht haben es sich einige wenigstens gedacht. “My Fair Lady” ist kein Schauspiel mit Musik, es ist, wenn schon, Schauspiel mit Gesang, nicht mit Sprechgesang, oder wenn, dann von einer Güte, die ein Peter Matic (Oberst Pickering) liefert, bei dem jeder vorgetragene Text wie Musik klingt. Liest man sich die Kritiken der Tagespresse zu “My Fair Lady” durch, so scheint alles okay gewesen zu sein, bei der offiziellen Premiere der Neueinstudierung eines jener typischen Musical-Schlachtschiffe, die seit Jahrzehnten das “klassische” Musical weltweit am Leben halten.

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Auch diese Version wird wohl einige Jahre im Haus am Währinger Gürtel laufen, und vermutlich wird jede Vorstellung restlos ausverkauft sein, und das auch durchaus mit einiger Berechtigung, nur: Ein wirkliches “Musical” habe ich zumindest nicht gehört.

In der Wiener Volksoper hat man sich castingmäßig zu einem Publicity-Stunt entschlossen. An jenem 3. April 2008 war das Haus der kleinste gemeinsame Nenner von Burgtheater, Volkstheater, Josefstadt und den Vereinigten Bühnen Wien, Volksoper und Staatsoper - gesponsert von der Raiffeisen Bank. Wer kommt von wo?

Katharina Straßer (Eliza Doolittle): Volkstheater
Herbert Föttinger (Henry Higgins): Theater in der Josefstadt (Direktor)
Peter Matic (Oberst Pickering): Burgtheater
Robert Meyer (Alfred P. Doolittle): Volksoper (Direktor)
Lukas Perman (Freddy Eynsford-Hill): Vereinigte Bühnen Wien
Louise Martini (Mrs. Higgins): Theater in der Josefstadt
Ulli Fessl (Mrs. Pearce): Burgtheater
Chor und Orchester der Volksoper Wien
Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper
Bühnenorchester der Wiener Staatsoper

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

Wie schon bei “Cabaret” (in der Produktion des Volkstheaters 2007) habe ich mit Katharina Straßer ein kleines Problem. Schauspielerisch ist die Rolle der Eliza bei ihr in guten Händen. Im Vergleich zu Dagmar Koller, zu einer ihrer Vorgängerinnen in dieser Rolle, ist sie fast schon burschikos, das ist auf eine bestimmte Art und Weise sehr ansprechend. Ihre Handhabung des Wiener Dialekts ist entzückend, wie sie das Blumenmädchen und die anglernte Lady spielt, schauspielerisch top. Andererseits ist Straßer stimmlich der Rolle einfach nicht gewachsen. Natürlich kann man das Konzept verfolgen, eher Schauspielerinnen als Musicaldarstellerinnen in dieser Rolle zu besetzen, nicht jedem muss das aber gefallen. Herrliche Musicalmelodien verpuffen ins
Nichts, wenn solche Stimmen sie singen. Statt Gänsehaut zu bekommen, muss man sich räuspern, wenn Refrains fast schon ins Krächzen driften. Man kann das nicht mal verhindern. Wie unendlich schade ist es, wenn man gerade die Eliza nicht mit einer wunderbaren Sängerin besetzt. Ich meine damit keine operettenhaften Stimmen, sondern Musicalstimmen. Es gibt sie, wir haben sie, nehmt sie doch, besetzt sie.

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

Robert Meyer als Müllkutscher Alfred P. Doolittle war der Star des Abends. Mehr Szenenapplaus, mehr Bravo-Rufe konnte keiner abstauben. Und das mit Recht. Er spielt Lerner-Loewe als wär es Nestroy-Raimund. Passt, könnte man sagen. Seine Songs bringt er wie Couplets, da ist einiges geschickt auf Showstopper angelegt, und mit Routine und Ausstrahlung gestaltet er die Rolle in der “Wiener Fassung” von “My Fair Lady” souverän, ohne jetzt eine besondere Charaktertiefe aufzeigen zu können.

Herbert Föttinger gibt den Sprachforscher Higgins als modernen Single, ruppig, eigenbrötlerisch, weit weniger charmant als beispielsweise ein Michael Heltau, ein bisschen fehlt ihm dessen Funkeln, aber er hat andere Qualitäten und lässt erst gar nicht den Gedanken aufkommen, dass es sich bei ihm und Eliza um eine platonische Liebe handeln könnte. “My Fair Lady” wird da ganz unverblümt gedeutet. Da spielt kein Grandseigneur, sondern ein echter Kerl, der auch zupackt. Vielleicht fehlen manchmal die ganz leisen Zwischentöne.

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

Lukas Perman ist, so unglaublich es klingt, der einzige tatsächliche Musicaldarsteller dieser Neueinstudierung. Er gestaltet den Freddy als verliebten schmachtenden Träumer und singt, wie man Musicals singen sollte. Und er hat den, wie es “American Idol”-Star Simon Cowell formulieren würde, X-Factor, er hat Ausstrahlung, er weiß seine stimmliche Ausdruckskraft zwischen Pop und Musical fein zu nuancieren, ohne je gekünstelt zu wirken.

Mit Louise Martini ist eine tatsächliche Lady im Ensemble. Die Rolle der Mrs. Higgins ist gleichzeitig ihr Debüt an der Volksoper. Ihre Performance ist makellos. Peter Matic als Oberst Pickering schließlich ist quasi ihr männliches Pendant, eine stets fein nuanciert agierende Theatergröße, exaktest in der Diktion, jedes Wort ist da verständlich bis in die letzte Reihe des Theaters.

Tanzszenen gibt es, sie fallen nicht sonderlich auf, und das ist wohl gut so, denn da, wo sie auffallen, wirken sie schrecklich banal und ohne Esprit.

My Fair Lady; Foto: Martin Bruny

Am Ende des Abends war das Orchester ein wenig erschlafft, so scheints. Ein wenig mehr, so ein Zitat aus “My Fair Lady”, Pfeffer im Arsch, wäre gerade gut genug gewesen, um die Lady zum Finale schwungvoll in die Arme von Higgins zu begleiten. Nur mühsam kann man sich bei solchen Szenen zurückhalten, nicht doch zu versuchen, ein wenig anzutauchen, dem Dirigenten zuzurufen: “Und jetzt: Tempo, hopp!”. Am liebsten würde man mitdirigieren - aber es hilft alles nichts.

Ein Hit, soviel ist sicher, das ist das Fazit der Tagespresse, und dem kann man durchaus zustimmen. Wien ist derzeit bis auf die Volksoper praktisch musicallos. Im Raimund Theater läuft ein Rockvarietà©, ins Ronacher kommt eine Show, die musikalisch im Vergleich zu “My Fair Lady” wie aus einer anderen, längst vergangenen Epoche stammt, bleiben also die interessanten kleinen Produktionen und - “My Fair Lady”.

»My Fair Lady«
Musical in zwei Akten
nach Bernard Shaws “Pygmalion” und dem Film von Gabriel Pascal
Alan Jay Lerner (Buch und Texte)
Frederick Loewe (Musik)
Volksoper Wien: Premiere: Donnerstag, 3. April 2008, 19:00 Uhr

Leading Team
Textliche Einrichtung: Alexander Steinbrecher und Hugo Wiener nach der deutschen Übersetzung von Robert Gilet
Regie: Robert Herzl
Bühnenbild: Rolf Langenfass
Kostüme: Rolf Langenfass
Choreinstudierung: Thomas Böttcher
Choreographie: Susanne Kirnbauer, Gerhard Senft
Dirigent: David Levi
Musikalische Studienleitung: Gerrit Prießnitz
Regieassistenz und Abendspielleitung: Monika Steiner
Einstudierung der Tanzeinlagen und choreographische Assistenz: Lili Clemente, Ivan Lukas
Inspizienz: Elisabeth Schubert, Celia Olszewski
Souffleur: Rebecca Bedjai
Kostümassistenz: Jennifer Podehl
Techische Gesamtleitung: Friedemann Klappert
Technische Einrichtung: Andreas Tuschl
Technische Mitarbeit: Oliver Sturm, Lena Lentz
Ton und Multimedia: Martin Lukesch
Beleuchtung: Wolfgang Könnyü
Leitung Kostümabteilung: Doris Engl
Leitung Maske: Peter Köfler
Produktionsbetreuung Dekoration: Herbert Kienast
Produktionsbetreuung Kostüme: Christiane Burkhardt

Cast
Eliza Doolittle: Katharina Straßer
Mrs. Higgins: Louise Martini
Mrs. Pearce: Ulli Fessl
Mrs. Eynsford-Hill: Regula Rosin
Mrs. Higgins’ Zofe: Manuela Culka
Henry Higgins: Herbert Föttinger
Oberst Pickering: Peter Matic
Alfred P. Doolittle: Robert Meyer
Freddy Eynsford-Hill: Lukas Perman
Harry: Stefan Cerny
Jamie: Joseph Prammer
Butler: Hermann Lehr
Erster Obsthändler: Frederick Greene
Zweiter Obsthändler: Christoph Neumüller
Dritter Obsthändler: Heinz Fitzka
Vierter Obsthändler: Raimund-Maria Natiesta
Erste Zofe: Maja Wambersky
Zweite Zofe: Christiana Costisella
Dritte Zofe: Elisabeth Musger
Ester Diener: Thomas Tischler
Zweiter Diener: Tibor Levay
Blumenmädchen: Klaudia Nagy
Chor und Orchester der Volksoper Wien
Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper
Komparserie und Kinderkomparserie der Volksoper Wien
Bühnenorchester der Wiener Staatsoper

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