Home RSS Go RED Go BLACK

Die unsichtbare Grenze: Silbereisen als “Tod”

Vielleicht wird man irgendwann einmal draufkommen, wann man in Europa endgültig beschlossen hat, das Musicalgenre abzumurksen. Vielleicht wird man dann einmal feststellen, ohja, das war eindeutig der 8. Juni 2006, an dem man folgende Meldung in den Medien lesen konnte.

Florian Silbereisen spielt in Musical «Elisabeth»
Stuttgart (ddp). Volksmusikstar Florian Silbereisen (24) geht zum Musical. Im August stehe er an der Seite von Pia Douwes für das Musical «Elisabeth» auf der Bühne des Stuttgarter Apollo Theaters, teilte die Kultureinrichtung am Donnerstag mit. Silbereisen werde als blonder Todesengel den jenseitigen Verführer der österreichischen Kaiserin Elisabeth spielen. Für Silbereisen ist es seine «absolute Traumrolle». Nachdem er bereits ein Duett aus dem Musical einstudierte und mehrmals öffentlich präsentierte, habe er den Part unbedingt einmal komplett übernehmen wollen, sagte er.
Für die Rolle nimmt Silbereisen Gesangs-, Schauspiel- und Tanzstunden, daneben stehen Proben mit dem Ensemble an.
Seit 2004 führt Silbereisen durch die ARD-Sendung «Feste der Volksmusik». Sein Schauspieldebüt gab er in dem ARD-Film «König der Herzen».
(ddp)

Es gibt gewisse Grenzen des guten Geschmacks, die man besser nicht überschreiten sollte, es ist tatsächlich möglich, einen für viele ohnedies lächerlichen Mythos eines Musicals zu zerstören. Die schon seit langem unerträgliche Kooperation von Musicalproduktionen und Volksmusiksendungen führt nun dazu, dass sich Sisi von einem Volksmusikheini abschleppen lassen muss. Fehlt nur noch, dass Angelika Milster im Hintergrund “Mondlicht” dazu stöhnt und Karl Moik als Lucheni ein fröhliches “Seavas, pfiat Gott und Auf Wiedersehen” anstimmt. Arme Pia Douwes!

Ingrid Michaelson: “Girls and Boys”

Ingrid Michaelson: Girls and Boys
Ingrid Michaelson soll ich mir anhören, hat man mir empfohlen. Girls and Boys sollte mir gefallen. Ich persönlich geh ja immer mit den geringsten Erwartungen an solche Empfehlungen heran. Vorteil: Enttäuscht zu werden, ist einigermaßen unwahrscheinlich, zumindest kann ich dann sagen: “Jo, nett.” Nicht anders bei Ingrid Michaelson. Hör ich halt mal rein. Nett. Gleich wieder weglegen? Naja, noch ein Track. Interessant. “The way I am”. Angenehme, relaxte Stimme - was für ein fröhlich stimmender Refrain. Ich hasse die Sonne, aber da geht ne Sonne auf, die mir gefallen könnte - eine relaxte, die nicht brennt und blendet, die man gerne anstarrt, in die man gerne versinkt, eine mit nem lachenden Mund und verträumten Augen. Da ist auch ein bisschen Melancholie, ich hörs genau, und noch mehr bei anderen Tracks. “Overboard” zum Beispiel. Der Song startet mit diesen Gitarren- & Pianoakkorden, die alle Melancholie instantmäßig in See stechen lassen. Michaelson tanzt am Heck dazu und lässt die Schaumkrönchen der Melancholie in den Himmel wachsen.
Michaelson findet man nicht bei Amazon, noch nicht. Aber sie hat eine nette Homepage, da kann man in ein paar Songs reinhören. CDBaby hat auch ihre erste Scheibe “slow the rain” im Angebot, auch da kann man ein bisschen reinhören.
Ein wenig klingt sie wie Norah Jones, Vanessa Carlton, dann wieder hört man was von Fiona Apple und Coldplay aufblitzen, auch ein bisschen Ben Jelen ist dabei, andererseits, wer kennt den hier schon. Was immer da ist: spannender, meistens überraschender Liedaufbau, ein interessanter Text und eine einprägsame Melodie. Stimmungsmäßig hat sie die uferlose Melancholie einer Joni Mitchell drauf. Dort, wo Norah Jones und Vanessa Carlton schon schön brav massenmarkttauglich produziert wurden, ist Ingrid indie geblieben, indie pop, folk, alternativ aufbereitet.
Kaufempfehlung? Ne, wozu? Diese CD mag nicht empfohlen werden. Es ist eine der CDs, die wie für einen selbst geschrieben scheint und auch von jedem selbst entdeckt werden muss.

»A Good Man« – Wiener Kammeroper startet mit Uraufführung in die Saison 2006/07

A Good Man-Logo
Mit einer Uraufführung startet die Wiener Kammeroper am 7. November in die Saison 2006/07. Gegeben wird A Good Man, ein Musical von Ray Leslee (Musik) und Philip S. Goodman (Buch/Texte), basierend auf einer Novelle von Jefferson Young. Das Stück spielt im Mississippi des Jahres 1946, unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, und handelt von Albert, einem schwarzen Landarbeiter, und seiner Familie.
Albert ist ein armer Farmpächter, aber er liebt sein Leben, er ist stolz auf das, was er erreicht hat, und auf seine Stellung innerhalb seiner Gemeinde. Als Albert erfährt, dass seine Frau nach zehn Jahren der Bemühungen endlich schwanger geworden ist, beschließt er ein Zeichen zu setzen: Seinem Haus will er einen neuen Anstrich verpassen, einen strahlend weißen. Doch das ist eine Idee, die man innerhalb der Gemeinde gar nicht goutiert. Man versucht ihn von seinem Entschluss, letztendlich sogar mit Gewalt, abzubringen.
Eine dramatische, lustige, traurige Story, a bissl fürs Herz und a bissl für d’ Fiass - Rhythmus pur, Blues & Gospel: “Best American sound of music” aus den weiten Ebenen des Mississippi.

Ray Leslee hat sein Werk im Jahre 2002 komponiert und in den letzten Jahren in diversen Workshopproduktionen weiterentwickelt, so unter anderem:
- im The Actor’s Studio in New York (Juni 2002);
- in einer Produktion von Thomas Cott und Musical Theatre Works im MTW Studio Theatre in New York City (Oktober 2003);
- an den Dodger Stages in New York City als Produktion der National Alliance for Musical Theatre im Rahmen des Festival of New Musicals (Oktober 2004);
- und am Schomburg Center for Research in Black Culture in Harlem (Februar 2005).

Mit “A Good Man” bringt die Wiener Kammeroper bereits das zweite Werk von Ray Leslee nach Wien. 2004 war “Avenue X” als europäische Erstaufführung zu erleben. Noch bis Juli laufen die Auditions für die Show. Insgesamt sind neun Rollen (6 Männer, 3 Frauen) zu besetzen.

Das Leading Team:
Musikalische Leitung: Michael Schnack
Inszenierung: Esther Muschol
Ausstattung: Thomas Goerge
Lichtdesign: Lukas Kaltenbäck

Die offizielle Website zur Show bietet 4 Songs zum Download (Links auf der Website oder gleich in der Songliste unten). Bei dieser Aufnahme aus dem Jahre 2003 wirkten die folgenden Künstler mit:
- Lawrence Clayton (Albert)
- John-Martin Green (Augustus)
- Marva Hicks (Lettie: Orleans, Male Ways)
- Rosalind Brown (Lettie: One Man)
- Tina Fabrique (Lettie: Long Brown Woman)
- Cameron Barnett (Cooter: Male Ways, Night Moves)
- Randy Aaron (Cooter: What’s Out There?)
- Cheryl Alexander (Granny)
- Wayne Pretlow (Preacher Tom)
- sowie: Venida Evans, Lawrence Hamilton, Bambi Jones, Vanessa Shaw, C.E. Smith, Jeffrey Thompson
- Stew Cutler (Guitar/Harmonica)
- Ray Leslee (Keyboards)

Die Songs:
- Mule Song (Albert, Co.)
- Long Brown Woman (Augustus, Co.)
- Whitehouse (Albert)
- New Orleans (Lettie)
- Male Ways (Cooter, Lettie, Granny)
- Figurin’ Paint (Albert, Augustus & Company)
- Take Me Home (Preacher Tom & Co.)
- I Got A Right (Albert)
- One Man (Lettie)
- Prayer (Granny)
- How the Happy Girl Got Lost (Louella)
- Lay-By (Albert)
- Celebration (Preacher Tom & Company)
- Can’t You See What I See? (Albert, Louella)
- Let the Wheel Come Round (Albert)
- I Got a Right (reprise) (Albert)

Esther Muschol (Regie) über “A Good Man”:

Wir alle träumen von mehr oder weniger gefährlichen Dingen, aber selbst der harmloseste Traum hat die Sprengkraft, ein Leben zu zerstören oder es neu zu erfinden, die Welt zu verändern oder sie in ihren ewigen Mechanismen zu festigen. Warum? Weil jeder Träumer ein Spieler ist, weil jeder setzt und riskiert, gewinnt und verliert in diesem Spiel ums Glück. “A Good Man” erzählt die ewige Geschichte vom Traum des guten Menschen von einer guten Welt und nimmt mit Humor und Blues seinen Weg durch unwegsames Gelände.

“A Good Man” - Wiener Kammeroper
Premiere: 07. November 2006
Weitere Vorstellungen: 09*., 11., 14., 16., 18*., 21., 23., 24*., 25., 28., 30. November 2006 / 02., 05., 07., 09., 12., 14*., 16., 19*., 21. Dezember 2006
Beginn: 19.30 Uhr
* Theater der Jugend, geschlossene Vorstellung in der Wiener Kammeroper

Budapest: Premiere für neues Wildhorn/Murphy-Musical “Rudolf”

Zoltà¡n Bereczki, Bernadett Và¡gà³ & Attila Dolhai (Foto: © Martin Bruny)
Am 26. Mai 2006 feierte “Rudolf”, das neue Musical aus der Feder von Frank Wildhorn (Musik) und Jack Murphy (Buch/Texte), seine Uraufführung. In den Hauptrollen zu sehen: Attila Dolhai (Rudolf), Bernadett Và¡gà³ (Baroness Mary Vetsera), Tamà¡s Földes (Taffee), Kata Janza (Gräfin Larisch), Attila Nà©meth (Franz Joseph), Lilla Polyà¡k (Stephanie, Rudolfs Frau), Zoltà¡n Bereczki (Pfeiffer, der Puppenspieler), Lajos Csuha (Szeps, Journalist), Pà©ter Marik (Bratfisch), u. v. a. Eine ausführliche Kritik dazu gibt es in der August/September-Ausgabe der Zeitschrift “musicals”.
Jack Murphy & Frank Wildhorn (Foto: © Martin Bruny)
Zoltà¡n Bereczki (Foto: © Martin Bruny)
Kata Janza (Foto: © Martin Bruny)
Jack Murphy & Frank Wildhorn (Foto: © Martin Bruny)

Letzter Vorhang für “Lestat” am 28. Mai 2006

Das Leiden hat ein Ende. Mit zuletzt 53 % Auslastung war Elton Johns Musical “Lestat” nicht mehr zu halten. So wird dereinst in den Broadway-Geschichtsbüchern stehen: “Lestat”: 33 Previews und 39 reguläre Vorstellungen.
Die Nachmittagsvorstellung am 28. Mai 2006 wird “Lestats” Derniere sein, treu dem Motto: Die young, live forever.

Wiener Metropol: »Hedwig And The Angry Inch«

»Hedwig And The Angry Inch«, ein Musical von John Cameron Mitchell (Text) und Stephen Trask (Music/Lyrics), feierte am 23. März 2006 im Wiener Metropol seine österreichische Erstaufführung. Aber reden wir mal nicht von der Premiere. Überspringen wir ein paar Aufführungen und schauen wir uns einen der letzten Abende an. Wir kommen im Metropol an, gelegen in einem etwas abgefuckten Viertel Wiens, gehen durch einen dunklen Hof, ein paar Stufen rauf zum Eingang des Metropol – und betreten eine Art Club. Das Licht ist angenehm gedimmt, Platz finden hier, wenns voll ist, so um die 400 Leute. An diesem Abend ist es nicht voll, bei weitem nicht. Piekfein ist es hier auch nicht, der Raum strahlt eine gemütliche Atmosphäre aus. Die Bühne dominiert den Saal, das zweitwichtigste ist die Bar – eine Riesenbar, eher schmuddelig. Sie nimmt den gesamten hinteren Bereich des Saals ein. Vor der Bühne stehen runde kleine Tischchen mit je einer kleinen billigen elektrischen Lampe. Das ist die Kulisse für »Hedwig«.
Am Abend der Premiere war das Metropol rappelvoll, jetzt sitzen vielleicht 50 bis 60 Leute an den Tischchen, die Sessel auf den »Rängen« links und rechts sind weggeräumt worden. Und auch wenn das mangelnde Interesse der Wiener an der Show eine Schande ist, eine perfektere Kulisse für »Hedwig And The Angry Inch« kann man sich schwer vorstellen. Denn Hedwig ist genau das gewöhnt. Spärlich erscheinendes Publikum, kleine Clubs, in denen sie Abend für Abend ihre Story erzählt. Eben noch in einer billigen Kneipe in Sonstwo ist sie nun im Rahmen ihrer Welttournee in Wien gelandet. »Ladies and Gentlemen, ob Sie es wollen oder nicht: HEDWIG«, so lautet der erste Satz der Show.
Dann ist sie da: Hedwig betritt den Saal vom Eingangstor aus, stolziert wie ein Pfau, der sein buntes Gefieder zeigt (herrlich durchdacht die Kostüme von Torsten Fischer), durch den Zuschauerraum in gleißendem Licht auf die Bühne, und ab geht die Post: »Hedwig And The Angry Inch«, das »Neo-Glam-Post-Punk-Rock-Musical«. Hedwigs Band (Schlagzeug: Markus Adamer; Bass: Matthias Petereit; Gitarre: Harry Peller; Gitarre & Keyboard: Bernhard Wagner) spielt hart, das Sounddesign ist auf rough bis knackig und auf jeden Fall laut getuned, das passt. Die vier Musiker sind nicht einfach als Band auf der Bühne, jeder einzelne ist Mitspieler im theatralischen Sinne. Nicht so einfach, eine Show lang »angry« dreinzuschauen, aber die Burschen, ganz auf Punkrocker gestylt, schaffen das locker. Die Songs klingen schmutzig, nicht ganz so schräg wie in der Musicalverfilmung, dafür einer Spur treibender.
Andreas Bieber, ursprünglich vom Schauspiel kommend, gestaltet Hedwig von der ersten Sekunde an überzeugend. Beeindruckend die Konsequenz, mit der er sich in die schrille und oft (peinlich) berührende Bühnenfigur Hedwig verwandelt. Enorme Konzentration, perfekte Körperspannung, ausdrucksstark in Mimik und Gestik. Als Zuschauer ist man keine Sekunde mit Andreas Bieber, dem Musicalstar, der auch schon »Joseph« war und ja, okay, auch mal Barbarellas Lustroboter, konfrontiert. Von der ersten Sekunde an erlebt man Hedwig, und das zeigt den wahren Schauspieler, der es sichtlich genießt, nicht süß und lieblich sein zu müssen, sondern mal den ganzen Facettenreichtum seines Könnens zeigen zu können. Die Songs, einige wie »Wicked Little Town« oder »Wig in a Box« haben längst den Status von Evergreens erreicht, interpretiert Bieber mit Spielfreude und gewohnt perfekter und klarer Intonation.
Aber wer ist Hedwig? Welche Geschichte erzählt sie uns? Im Ost-Berlin der späten Achtziger lebt Hansel. Er will weg, am besten in den Westen. Die Chance kommt, als ein GI sich in den androgynen Knaben verliebt. Der will ihn mitnehmen, aber erst nach einer Geschlechtsumwandlung. Doch die Operation, die aus Hansel Hedwig machen soll, geht schief. Ein Inch (2,54 cm) vom alten Geschlecht bleibt übrig. Ein Jahr später sieht Hedwig im Fernsehen den Mauerfall vom 9. November 1989 – mittellos und von ihrem »Sugar Daddy« verlassen in einem Trailerpark in Kansas. Als schrille Drag Queen tingelt Hedwig durch die amerikanische Provinz und erzählt dem Publikum in wilden, komischen und zornigen Liedern ihre verrückte Geschichte. Bei einem der Jobs, mit denen sie sich über Wasser hält, lernt sie einen Jungen namens Tommy Speck kennen, dem sie alles über Musik und Entertainment beibringt – mit dem Ergebnis, dass dieser als »Tommy Gnosis« mit von ihr verfassten Songs zum Rock-Superstar aufsteigt, während Hedwig erneut verbittert und allein zurückbleibt. Der Zufall will es, dass gleichzeitig mit ihrem Auftritt im Metropol nur ein paar hundert Meter weiter in der Wiener Stadthalle Tommy Gnosis gastiert.
Hedwigs Geschichte ist eine Story rund um enttäuschte Liebe, Sehnsüchte, die Suche nach Identität, also rund um die klassischen Themen des Musiktheaters und des Theaters schlechthin. Autor & Performer John Cameron Mitchell hat mit seinem Werk eines der »natürlichsten« Musicals überhaupt geschaffen. Wenn in Musicals Darsteller manchmal zu singen beginnen, ohne dass man nun konkret wüsste, wieso, so nimmt man das als Zuschauer halt hin, schließlich weiß man, wofür man Eintrittsgeld bezahlt hat (im besten Fall). Bei Hedwig ist das Verhältnis Text–Musik ein völlig anderes. Die Musik unterstützt immer die erzählte Geschichte. Es hat immer einen Grund, warum ein Song kommt. Torsten Fischer, Regisseur der Show, sieht bei diesem Aspekt Parallelen beispielsweise zum Werk Friedrich Schillers: Wenn die Prosasprache, etwa im Drama »Die Jungfrau von Orleans« in jener Szene, in der sich die Protagonistin verliebt, nicht mehr ausreicht, spricht sie in Reimen, um auszudrücken, wie groß ihre Gefühle sind. In dem Moment, wo die Geschichte mit der herkömmlichen Sprache nicht mehr weiterzuerzählen ist, wird die Sprache erweitert. Angewandt auf »Hedwig«: Es kommt immer dann eine Gesangsnummer, wenn Hedwig von ihren Emotionen übermannt wird und das Lied fast explosionsartig aus ihr herausbricht. Gesungen wird nur dann, wenn die Spannung einen ihrer vielen Höhepunkte erreicht hat und Hedwig nicht mehr anders kann, wenn Sprache versagt und eine Symbiose mit der Musik eingehen muss, um die ganze Gefühlsdimension zum Ausdruck zu bringen – auf direkteste Art und Weise.
»Hedwig And The Angry Inch« feierte seine Uraufführung 1994 im New Yorker Gay Rock Club Squeezebox, kam 1998 an den Off-Broadway, wo es zwei Jahre lang für Furore und Fankult sorgte. Die Hed-Heads wurden zur Legende. Hedwig wurde zum Kultstück. Mit ein Grund für den Erfolg ist das Konzept der Show. John Cameron Mitchell kombiniert das Gedankengut Platons mit einem Touch von «Rocky Horror«, Drag & Trash. In Platons Schrift »Symposion« findet sich der berühmte Mythos von den Menschen als geteilten Doppelwesen, die ihre verlorene Hälfte in sehnsüchtiger Liebe suchen. Sie hatten zwei Köpfe, zwei Gesichter, konnten sich aber nicht sehen. Die Götter fanden diese Wesen zu stark und zu stolz und trennten sie. Da konnten sich diese nun getrennten Doppelwesen zum ersten Mal sehen – und in dem Moment entstand die Liebe. Liebe zwischen Mann und Frau, die Suche nach einer Identität, Berlin als Symbol der Trennung von Ost-West, Arm und Reich, politischer Freiheit – all das sind die Themen, die aus «Hedwig« ein Musical mit Inhalt machen. Die witzige, trashige Geschichte bietet dem Zuschauer enorm viel Freiraum für die unterschiedlichsten Interpretationen, jeder nimmt das mit aus der Show, was er hineininterpretiert oder herausliest. Als besonders gelungen ist die deutsche Übersetzung von Gerd Köster und Herbert Schäfer zu bezeichnen. Neben Andreas Bieber brilliert die stimmgewaltige Anke Fiedler als bärtiger Yitzak, Freund, Faktotum und Zielscheibe für Hedwigs Spott. Wenn Hedwig sich am Ende der Show in Tommy Gnosis verwandelt, der Raum sich verklärt, alle Zuschauer ihre Hände heben und wie in Trance zu »Midnight Radio« mitschwingen, dann vereint sicher der Zauber von Hartmut Litzingers Lichtdesign mit Andreas Biebers Showtalent – das sind jene raren Momente, wo man tatsächlich alles um sich vergisst und sich ganz eins fühlen darf mit der Musik.

»Hedwig And The Angry Inch«
Text: John Cameron Mitchell
Musik/Lyrics: Stephen Trask
Deutsche Übersetzung: Gerd Köster & Herbert Schäfer
Premiere: 23. März 2006
Darsteller: Andreas Bieber & Anke Fiedler
Musikalische Leitung, Gitarre: Harry Peller
Schlagzeug: Markus Adamer
Bass: Matthias Petereit
Gitarre & Keyboard: Bernhard Wagner
Inszenierung: Torsten Fischer
Raum: Herbert Schäfer
Leitung Bühneneinrichtung: Hannes Peyer
Lichtdesign: Hartmut Litzinger
Licht: Roman Grimps & Joe Albrecht
Ton: Andreas Früchtl & Rossen Stoimenov
Kostüme: Torsten Fischer
Kostümbetreuung: Sonie Wenig, Nina Korecky, Miriam Schädel & Anne Weinberger
Maskendesign & Durchführung: Urs Preinfalk & Alexandra Steininger
Regieassistenz: Paul Prangenberg
Regiehospitanz: Olivia Rode
Produktionsleitung: Inge Sowinetz
Technische Leitung: Roman Grimps
Inspizienz: Caro Welzs & Andreas Trinbacher

Tony Awards 2006 - Die Nominierungen

Am 16. Mai 2006 wurden in der New Yorker “Public Library for the Performing Arts’ Bruno Walter Auditorium” die Nominierungen für die diesjährigen Tony Awards bekannt gegeben. Die Top 11 (mehr Produktionen wurden gar nicht erst für Preise in Betracht gezogen) der Nominierungen auf dem Gebiet “Musical” lautet wie folgt:

The Drowsy Chaperone (13)
The Color Purple (11)
The Pajama Game (9)
Jersey Boys (8)
Sweeney Todd (6)
The Wedding Singer (5)
The Threepenny Opera (2)
Lestat (2)
Tarzan (1)
The Woman in White (1)
Chita Rivera: The Dancer’s Life (1)

Die Rangfolge auf dem Gebiet “Schauspiel” lautet:

Awake and Sing! (8)
The History Boys (7)
The Lieutenant of Inishmore (5)
Rabbit Hole (5)
The Constant Wife (4)
Faith Healer (4)
Three Days of Rain (2)
Shining City (2)
Well (2)
Edward Albee’s Seascape (2)
A Touch of the Poet (1)
The Caine Mutiny Court-Martial (1)
Souvenir (1)

Eine genaue Auflistung liest sich wie folgt:

The Drowsy Chaperone (13)
Best Musical
Music & Lyrics: Lisa Lambert and Greg Morrison - Best Original Score (Music and/or Lyrics) Written for the Theatre
Bob Martin - Best Performance by a Leading Actor in a Musical
Sutton Foster - Best Performance by a Leading Actress in a Musical
Danny Burstein - Best Performance by a Featured Actor in a Musical
Beth Leavel - Best Performance by a Featured Actress in a Musical
Casey Nicholaw - Best Direction of a Musical
Casey Nicholaw - Best Choreography
Larry Blank - Best Orchestrations
David Gallo - Best Scenic Design of a Musical
Gregg Barnes - Best Costume Design of a Musical
Ken Billington and Brian Monahan - Best Lighting Design of a Musical
Bob Martin and Don McKellar - Best Book of a Musical

The Color Purple (11)
Best Musical
LaChanze - Best Performance by a Leading Actress in a Musical
Brandon Victor Dixon - Best Performance by a Featured Actor in a Musical
Felicia P. Fields - Best Performance by a Featured Actress in a Musical
Elisabeth Withers-Mendes - Best Performance by a Featured Actress in a Musical
Donald Byrd - Best Choreography
John Lee Beatty - Best Scenic Design of a Musical
Paul Tazewell - Best Costume Design of a Musical
Brian MacDevitt - Best Lighting Design of a Musical
Marsha Norman - Best Book of a Musical
Music & Lyrics: Brenda Russell, Allee Willis, Stephen Bray- Best Original Score (Music and/or Lyrics) Written for the Theatre

The Pajama Game (9)
Best Revival of a Musical
Harry Connick Jr. - Best Performance by a Leading Actor in a Musical
Kelli O’Hara - Best Performance by a Leading Actress in a Musical
Megan Lawrence - Best Performance by a Featured Actress in a Musical
Kathleen Marshall - Best Direction of a Musical
Kathleen Marshall - Best Choreography
Dick Lieb/Danny Troob - Best Orchestrations
Derek McLane - Best Scenic Design of a Musical
Martin Pakledinaz - Best Costume Design of a Musical

Jersey Boys (8)
Best Musical
John Lloyd Young - Best Performance by a Leading Actor in a Musical
Christian Hoff - Best Performance by a Featured Actor in a Musical
Des McAnuff - Best Direction of a Musical
Steve Orich - Best Orchestrations
Klara Zieglerova - Best Scenic Design of a Musical
Howell Binkley - Best Lighting Design of a Musical
Marshall Brickman & Rick Elice - Best Book of a Musical

Sweeney Todd (6)
Best Revival of a Musical
Michael Cerveris - Best Performance by a Leading Actor in a Musical
Patti Lupone - Best Performance by a Leading Actress in a Musical
Manoel Felciano - Best Performance by a Featured Actor in a Musical
John Doyle - Best Direction of a Musical
Sarah Travis - Best Orchestrations

The Wedding Singer (5)
Best Musical
Stephen Lynch - Best Performance by a Leading Actor in a Musical
Rob Ashford - Best Choreography
Chad Beguelin and Tim Herlihy - Best Book of a Musical
Music: Matthew Sklar/Lyrics: Chad Beguelin - Best Original Score (Music and/or Lyrics) Written for the Theatre

The Threepenny Opera (2)
Best Revival of a Musical
Jim Dale - Best Performance by a Featured Actor in a Musical

Lestat (2)
Carolee Carmello - Best Performance by a Featured Actress in a Musical
Susan Hilferty - Best Costume Design of a Musical

Tarzan (1)
Natasha Katz - Best Lighting Design of a Musical

The Woman in White (1)

Music: Andrew Lloyd Webber/Lyrics: David Zippel - Best Original Score (Music and/or Lyrics) Written for the Theatre

Chita Rivera: The Dancer’s Life (1)
Chita Rivera - Best Performance by a Leading Actress in a Musical

…………………………………………………………………

Awake and Sing! (8)
Best Revival of a Play
Mark Ruffalo Best Performance by a Featured Actor in a Play
Pablo Schreiber - Best Performance by a Featured Actor in a Play
Zoe Wannamaker - Best Performance by a Featured Actress in a Play
Bartlett Sher - Best Direction of a Play
Michael Yeargan - Best Scenic Design of a Play
Catherine Zuber - Best Costume Design of a Play
Christopher Akerlind - Best Lighting Design of a Play

The History Boys (7)
Best Play
Richard Griffiths - Best Performance by a Leading Actor in a Play
Samuel Barnett - Best Performance by a Featured Actor in a Play
Frances de la Tour Best Performance by a Featured Actress in a Play
Nicholas Hytner - Best Direction of a Play
Bob Crowley - Best Scenic Design of a Play
Mark Henderson - Best Lighting Design of a Play

The Lieutenant of Inishmore (5)
Best Play
David Wlmot Best Performance by a Leading Actor in a Play
Domhnall Gleeson - Best Performance by a Featured Actor in a Play
Alison Pill - Best Performance by a Featured Actress in a Play
Wilson Milam - Best Direction of a Play

Rabbit Hole (5)
Best Play
Cynthia Nixon - Best Performance by a Leading Actress in a Play
Tyne Daly - Best Performance by a Featured Actress in a Play
Daniel Sullivan - Best Direction of a Play
John Lee Beatty - Best Scenic Design of a Play

The Constant Wife (4)
Best Revival of a Play
Kate Burton - Best Performance by a Leading Actress in a Play
Lynn Redgrave - Best Performance by a Leading Actress in a Play
Michael Krass - Best Costume Design of a Play

Faith Healer (4)
Best Revival of a Play
Ralph Fiennes - Best Performance by a Leading Actor in a Play
Ian McDiarmid - Best Performance by a Featured Actor in a Play
Mark Henderson - Best Lighting Design of a Play

Three Days of Rain (2)
Santo Loquasto - Best Scenic Design of a Play
Paul Gallo - Best Lighting Design of a Play

Shining City (2)
Best Play
Oliver Platt - Best Performance by a Leading Actor in a Play

Well (2)
Lisa Kron - Best Performance by a Leading Actress in a Play
Jayne Pill - Best Performance by a Featured Actress in a Play

Edward Albee’s Seascape (2)
Best Revival of a Play
Catherine Zuber - Best Costume Design of a Play

A Touch of the Poet (1)

Santo Loquasto - Best Costume Design of a Play

The Caine Mutiny Court-Martial (1)
?eljko Ivanek - Best Performance by a Leading Actor in a Play

Souvenir (1)
Jude Kaye - Best Performance by a Leading Actress in a Play

Polen: “Tanz der Vampire”-Demos online

Am 8. Oktober 2005 fand in Warschau die polnische Premiere von Jim Steinmans Musical “Tanz der Vampire” statt. Roman Polanski wachte als künstlerischer Supervisor über das Projekt, eine offizielle Cast-CD ist in Arbeit. Demos dieser Produktion sind mittlerweile auf einer polnischen Website aufgetaucht. 4 Tracks, “Vor dem Schloß”, “Carpe Noctem”, “Unstillbare Gier” und “Totale Finsternis”, sind auf pawlowski.art.pl als Stream abrufbar. Um zu den Streams zu gelangen, einfach auf “Enter” klicken, danach im sich öffnenden Fenster auf “Quick Menue” und schließlich auf “Multimedia”.

Die Gewinner der 56. Outer Critics Circle Awards

Man merkt’s, es ist Award-Season. Nix gegen den Hype, der bald über New York hereinbrechen wird, wenn die Tony Awards anstehen, aber jeglichen Award in Ehren, soll einem niemand verwehren. Die Gewinner nach den Absahnern der meisten Preise gestapelt:

The History Boys

OUTSTANDING BROADWAY PLAY
OUTSTANDING DIRECTOR OF A PLAY - Nicholas Hytner
OUTSTANDING FEATURED ACTOR IN A PLAY - Richard Griffiths
OUTSTANDING FEATURED ACTRESS IN A PLAY - Frances de la Tour

The Drowsy Chaperone
OUTSTANDING NEW SCORE - Music and Lyrics by Lisa Lambert and Greg Morrison
OUTSTANDING SET DESIGN - David Gallo
OUTSTANDING COSTUME DESIGN - Gregg Barnes
OUTSTANDING FEATURED ACTRESS IN A MUSICAL - Beth Leavel

Jersey Boys

OUTSTANDING BROADWAY MUSICAL
OUTSTANDING LIGHTING DESIGN - Howell Binkley
OUTSTANDING ACTOR IN A MUSICAL - John Lloyd Young

Sweeney Todd

OUTSTANDING REVIVAL OF A MUSICAL
OUTSTANDING DIRECTOR OF A MUSICAL - John Doyle

Grey Gardens
OUTSTANDING OFF-BROADWAY MUSICAL
OUTSTANDING ACTRESS IN A MUSICAL - Christine Ebersole

———————————————————–

The Pajama Game
OUTSTANDING CHOREOGRAPHY - Kathleen Marshall

The Threepenny Opera
OUTSTANDING FEATURED ACTOR IN A MUSICAL - Jim Dale

Stuff Happens
OUTSTANDING OFF-BROADWAY PLAY

Awake and Sing!
OUTSTANDING REVIVAL OF A PLAY

A Touch of the Poet

OUTSTANDING ACTOR IN A PLAY- Gabriel Byrne

The Trip to Bountiful
OUTSTANDING ACTRESS IN A PLAY - Lois Smith

Primo
OUTSTANDING SOLO PERFORMANCE - Antony Sher

In the Continuum
JOHN GASSNER AWARD - Danai Gurira and Nikkole Salter

Die Gewinner der New York Drama Critics’ Circle Awards

Am 11. Mai wurden die Gewinner der New York Drama Critics’ Circle Awards für die Saison 2005-06 bekannt gegeben. Die Gewinner im Überblick:

Bestes Schauspiel
The History Boys (Alan Bennett)
“The History Boys” (Regie: Nicholas Hytner) feierte am 18. Mai 2004 im “National Theatre of Great Britain” seine Uraufführung. Im Broadway Broadhurst Theatre ging die amerikanische Uraufführung am 23. April 2006 über die Bühne.

Bestes Musical
The Drowsy Chaperone (Book: Bob Martin/Don McKellar, Music/Lyrics: Lisa Lambert/Greg Morrison)
“The Drowsy Chaperone” (Regie & Choreographie: Casey Nicholaw) feierte seine amerikanische Uraufführung am 18. November 2005 im Ahmanson Theatre von Los Angeles. Die Broadway-Premiere ging am 1. Mai 2006 im Marquis Theater über die Bühne.

Spezialpreis der Jury
John Doyle, Sarah Travis & das gesamte Ensemble des Revivals von Sweeney Todd
“Sweeney Todd” (Revival) (Book: Hugh Wheeler, Music/Lyrics: Stephen Sondheim, Regie: John Doyle, Orchestrations/Musical Supervision: Sarah Travis): Uraufführung: Watermill Theatre (England), 2004. Am Broadway ging die Premiere am 3. November 2005 im Eugene O’Neill Theatre über die Bühne.

Spezialpreis der Jury
Christine Ebersole für ihre darstellerische Leitung im Off-Broadway-Musical “Grey Gardens”
“Grey Gardens” (Book: Doug Wright, Music: Scott Frankel, Lyrics: Michael Korie, Regie: Michael Greif) hatte seine Uraufführung am 7. März 2006 (Playwrights Horizons). Der letzte Vorhang fiel bereits am 30. April 2006.

Überreicht werden die Preise am 23. Mai im New Yorker Algonquin Hotel, wo der NYDCC im Jahre 1935 von so legendären Kritikern wie Brooks Atkinson, Walter Winchell und Robert Benchley gegründet wurde. Der “New York Drama Critics’ Circle” besteht aus 19 Theaterkritikern des New Yorker Großraums. Der Preis wird seit 1936 jährlich an das “Beste Neue Schauspiel” vergeben und ist damit neben dem Pulitzer Preis für Schauspiel der zweitälteste Theaterpreis der USA.

Die Mitglieder: Adam Feldman (Präsident), Frank Scheck (The Hollywood Reporter/New York Post; Vizepräsident), Michael Kuchwara (Associated Press; Schatzmeister), Clive Barnes (New York Post), David Cote (Time Out New York), Michael Feingold (Village Voice), Robert Feldberg (Bergen Record), Elysa Gardner (USA Today), John Heilpern (The New York Observer), Howard Kissel (Daily News), Jacques le Sourd (Gannett Newspapers), Jeremy McCarter (New York), David Rooney (Variety), David Sheward (Back Stage), John Simon (Bloomberg News), Michael Sommers (The Star-Ledger/Newhouse Newspapers), Terry Teachout (The Wall Street Journal), Linda Winer (Newsday) und Richard Zoglin (Time).

« zurueck · vor »