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PS Classics veröffentlicht Cast-CD von “Death Takes a Holiday” – Maury Yestons Off-Broadway-Show

death_takes_a_holiday.jpgDie Kritiken zu “Death Takes a Holiday” waren zwar nicht berauschend, aber eine Cast-CD mit den großartigen Melodien und Texten des neuen Musicals von Maury Yeston (Buch: Thomas Meehan und Peter Stone) wird im Herbst 2011 erscheinen.

PS Classics produziert den Tonträger zur Produktion der Roundabout Theatre Company. Die Aufnahme findet am 8. August 2011 statt.

“Death Takes a Holiday” basiert auf der gleichnamigen Komödie in drei Akten von Alberto Casella, die 1934 als “romantisches Drama”, damals mit Frederic March, Evelyn Venable und Guy Standing in den Hauptrollen, in die Kinos kam. Das Stück erzählt die Geschichte des Todes, der sich nach all den Jahren, in denen ihn die Frage beschäftigt hat, warum die Menschen so sehr Angst vor ihm haben, in Menschengestalt unter diejenigen mischt, die ihn so fürchten. Der Film wurde 1998 neu verfilmt und entwickelte sich unter dem Titel “Meet Joe Black”, diesmal mit Brad Pitt, Anthony Hopkins und Claire Forlani in den Hauptrollen, zu einem Kassenhit.

Die Previews zu Maury Yestons Musical starteten am 10. Juni 2011, die Premiere fand am 21. Juli statt, noch bis 4. September ist “Death Takes a Holiday” im Harold and Miriam Steinberg Center for Theatre/Laura Pels Theatre zu sehen.

In der Off-Broadway-Version auf der Bühne: Linda Balgord (Contessa Danielli), Matt Cavenaugh (Eric Fenton), Mara Davi (Alice), Kevin Earley (Prince Sirki / Death), Joy Hermalyn (Cora), Jay Jaski (Lorenzo), Simon Jones (Dr. Dario Albione), Rebecca Luker (Duchess Lamberti), Patricia Noonan (Sophia), Jill Paice (Grazia), Michael Siberry (Duke Lamberti), Alexandra Socha (Daisy Fenton), Don Stephenson (Butler Fidele), Max Von Essen (Corrado Montelli).

Die CD kann bereits jetzt bei PS Classics vorbestellt werden. (LINK)

Death Takes a Holiday
Maury Yeston: Musik & Texte
Peter Stone: Buch
Thomas Meehan: Buch
Dough Hughes: Regie
Peter Pucci: Choreographie
Kevin Stites: Musikalische Leitung
Derek McLane: Set-Design
Catherine Zuber: Kostüme
Kenneth Posner: Licht-Design
Jon Weston: Sound-Design
Larry Hochman: Orchestrierung
John Miller: Music Coordinator

Links
- Death Takes a Holiday - Roundabout Theatre Company
- PS Classics
- Maury Yeston
- Playbill: Death Takes a Holiday Will Get a Cast Album; Kevin Earley Will Sing Lead Role

Cast-CD der umjubelten “Was ihr wollt”-Version von Stratford ab 12. August erhältlich

Noch bis Ende Oktober ist Des McAnuffs Version von Shakespeares “Was ihr wollt” (”Twelth night or what you will”) im Rahmen des Stratford Shakespeare Festivals zu sehen. Für diese Version hat McAnuff gemeinsam mit Michael Roth Songs geschrieben, die noch in diesem Sommer als Cast-CD zur Produktion veröffentlicht werden.

McAnuff über die Musik und die Songs zum Stück:

The score pays tribute to the past 60 years of musical history.The exotic land of Illyria is depicted as a place where music and sport reign to create an erratic and disobedient world of mayhem and mischief.
I would describe Twelfth Night as ‘Shakespeare’s other musical’ with As You Like It being the first. There are seven songs in the script, but we’ve taken that to ten, all of which will be included in the CD.
We use contemporary songs as a kind of foundation for Illyria, this world of music. Just as Shakespeare would have used his own period’s instruments regardless of the time in which the play was set, we are using the full range of instruments — period and modern — available to us.”

Tracklist
01. “Overture”: Band
02. “Play On”: Ben Carlson, Victor Dolhai, Ryan Field, Aaron Krohn, Jaz Sealey
03. “O Mistress Mine”: Ben Carlson, Victor Dolhai, Aaron Krohn, Ian Lake, Jaz Sealey
04. “Hold Thy Peace”: Ben Carlson, Stephen Ouimette, Brian Dennehy, Victor Dolhai, Aaron Krohn, Ian Lake, Jaz Sealey
05. “Come Away Death”: Ben Carlson, Victor Dolhai, Barbara Fulton, Suzy Jane Hunt, Jaz Sealey
06. “The Passionate Shepherd to His Love”: Ben Carlson, Jaz Sealey, Ryan Field, Aaron Krohn, Ian Lake, Juan Chioran, Sara Topham, Victor Dolhai, Barbara Fulton, Suzy Jane Hunt. (Text: Christopher Marlowe / Sir Walter Raleigh)
07. “Jolly Robin”: Ben Carlson, Aaron Krohn, Jaz Sealey
08. “To the Devil”: Ben Carlson
09. “Sebastian and Viola - Themes and Variations”: Band
10. “The Wind and the Rain”: Ben Carlson, Victor Dolhai, Juan Chioran, Barbara Fulton, Suzy Jane Hunt, Aaron Krohn, Jaz Sealey
11. “Curtain Call”: Band
12. Bonus Track, “The Wind and the Rain”: Des McAnuff & the Red Dirt Band

Die CD ist ab 12. August um 19.95 Dollar im Online-Store von Stratford (Link) und auch bei CD Baby (LINK) erhältlich.

Link
- Stratford Shakespeare Festival
- Playbill: Stratford’s Rockin’ Twelfth Night Gets Cast Album; Des McAnuff Performs

9Q – Koen Schoots: “Jesus Christ Superstar 2011 - moderner, unerbittlicher, härter, dreckiger”

Foto: Copyright VBW/Wulz

In wenigen Wochen erscheint bei dem Wiener Plattenlabel HitSquad Records eine neue Gesamtaufnahme von Andrew Lloyd Webbers Rockoper “Jesus Christ Superstar”. Gespielt wurde die Show vom 21. bis 24. April 2011 im Wiener Ronacher. Koen Schoots, der Musikdirektor der VBW, brachte eine Version mit einem WOW-Effekt auf die Bühne. Was es mit diesem WOW-Effekt auf sich hat, wie es hinter den Kulissen der Produktion zuging und welche Visionen und Pläne Koen Schoots hat, zu diesem Thema: 9 Fragen und 9 Antworten.

1
Martin Bruny:Herr Schoots, Sie haben 2011 Andrew Lloyd Webbers Rockoper “Jesus Christ Superstar” für die Vereinigten Bühnen Wien neu arrangiert. Was war Ihr Beweggrund? Wie sind Sie vorgegangen? Was sind die wichtigsten Änderungen? Wie sind Sie mit dem Ergebnis, der Umsetzung im Ronacher, zufrieden? Wird es eine Wiederholung der Aufführungsserie 2012 geben?

Koen Schoots: Es gab für mich keine befriedigende Orchestrierung von “JCS”. Die sogenannte “große” Besetzung ist plakativ, teilweise Beschäftigungs- therapie für Musiker. Viele Instrumente doppeln sich unnötig, manche hört man im Getöse gar nicht. Man darf aber nicht vergessen, dass diese Fassung von einem noch unerfahrenen Webber hergestellt wurde. Später hat er die Orchestrierungen seiner Werke abgegeben.jcs_2011.jpgDann gibt es eine Band-Tourfassung, also fast ohne Orchesterinstrumente. Auch die ist für mich unbefriedigend, denn alleine schon für den Schluss (”John 19:41″) sind die Streicher absolut notwendig.
Somit habe ich mich für eine Fassung für 25 Musiker entschieden, basierend auf einer Rockband. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um das Stück etwas »heutiger« zu machen im Sinne von Spielart und Grooves, ohne das Grundmaterial zu verändern. Also, wir spielen moderner, unerbittlicher, härter, dreckiger – wo angebracht. Ebenso habe ich Bläser-Funk-Licks eingebaut bei einigen Songs (”What’s The Buzz”, “Simon Zealotes”), weil ich sie einfach immer innerlich gehört habe. Aber aus Respekt vor dem Original habe ich keinen Ton, keinen Akkord geändert.
Ich glaube (hoffe), dass unsere Aufführungen dieses Jahr im Ronacher etwas zum Stück hinzugefügt haben. Zumindest waren die Reaktionen vom Publikum mehr als positiv. Und ja, es kommt eine Wiederholung 2012, worüber ich mich sehr freue.

2
Martin Bruny: Wie sieht es bei einem Projekt wie einer halbkonzertanten Aufführung von “Jesus Christ Superstar” mit dem Zeitplan aus? Gab es Auditions, inwieweit waren Sie daran beteiligt, wie viel Zeit hatten Sie, um mit dem Orchester zu proben, wie viel Zeit mit den Sängern, dem Licht, Sound- & Set-Design etc.

Koen Schoots: Da dieses Projekt neben dem alltäglichen Showbetrieb lief, waren die Probenbedingungen wesentlich schwieriger. Denn an jedem Abend lief die normale Show, die auch Putzproben und Betreuung brauchte, die Darsteller brauchen einen freien Tag in der Woche und können an Vorstellungstagen auch nur eingeschränkt probieren. Also war die Probenzeit sehr kurz, intensiv und brauchte die volle Konzentration von allen Beteiligten.
Auditions haben wir nicht gemacht, wir wussten welche Sänger wir für welche Rollen haben wollten und haben das Ensemble mit den Darstellern von “Tanz der Vampire” besetzt.
Mit dem Orchester habe ich sieben Proben gemacht, mit allen Beteiligten eine Bühnen-Orchesterprobe, eine Generalprobe. Also, mit allen Gewerken nur zwei Proben. In der Hinsicht erstaunlich, was das Haus und die Mitarbeiter in allen Abteilungen geleistet haben.

3
Martin Bruny: Wieso wirkt ein Musical wie “Jesus Christ Superstar” musikalisch heute noch genauso modern wie vor 30 Jahren? Was ist das Besondere an “Jesus Christ Superstar”, und welches ist Ihre Lieblingsstelle in dieser Rockoper? Letzte Teilfrage: Sie haben den Mittelteil von »Gethsemane« neu gestaltet, könnten Sie darauf etwas näher eingehen?

Koen Schoots: “JCS” wurde meiner Meinung nach einfach »aus dem Bauch« als Schallplattenprojekt konzipiert. Es gab keine kommerziellen Überlegungen, keine Produzenten oder Regisseure, die dazwischengefunkt haben, sondern einfach zwei junge Autoren, die in einer kritischen Zeit ein kritisches Thema vertont haben. Und sie haben damit, wahrscheinlich ohne es damals zu ahnen, einen Klassiker geschaffen.
Klassiker zeichnen sich meines Erachtens dadurch aus, dass sie ihre musikalische Kraft mit den Jahren nicht verlieren, dass man immer wieder neue Aspekte entdecken kann. “West Side Story” gehört ebenso dazu, vielleicht im Musicalbereich noch “Les Misà©rables” und “Das Phantom der Oper”.
jcs70.jpg“Superstar” ist aus einem »Guss« geschrieben, es gibt keine Note zu viel oder zu wenig, die Dramaturgie ist logisch und zwingend, es gibt keine unnötigen Nebenstränge oder –schauplätze. Daher könnte ich nicht unbedingt eine Lieblingsstelle benennen.
»Gethsemane« ist eine der besten Rock-Musical-Balladen, die je komponiert wurden. Wie ich vorhin erwähnte, haben wir alles etwas härter, unerbittlicher gespielt. Ich wollte daher mit dem Mittelteil von diesem Song einen großen Kontrast erreichen. Der erste, aufgewühlte, von Verzweiflung gezeichnete Teil des Songs endet sehr abrupt. Ich habe ein Gitarren-Delay (Echo) eingebaut, das den Schlussakkord des ersten Teiles im Tempo des neuen Teiles wiederholt. Also ein programmiertes Delay. Der zweite Teil ist am Anfang gekennzeichnet durch hohe Klavier- und Keyboard-Akkorde (im Gegensatz zum Original, wo nur Klavier und Bass in der tiefen Lage spielen), wodurch für kurze Zeit eine etwas ätherische Stimmung entsteht, bevor es dann wieder in den letzten rockigen Teil geht.

Foto: Copyright Martin Bruny

4
Martin Bruny: Die Konzertschiene der VBW, die vor einigen Jahren mit halbkonzertanten Produktionen von “Mozart!” und “Tanz der Vampire” sowie der Konzertserie “A Tribute to Bernstein” einigermaßen in Fahrt war, ist ins Stocken geraten, nicht erst jetzt, sondern seit die “Bernstein”-Serie nicht ganz ausverkauft war. Welche Pläne würden Sie gerne auf diesem Sektor verwirklichen, wenn Sie könnten, wie Sie wollten, beziehungsweise, ohne jetzt die VBW zu berücksichtigen: Welche Musicals würden Sie gerne als Musikalischer Direktor betreuen?

Koen Schoots: Es gibt definitive Pläne, die Konzertserie wieder zu beleben. Im Moment sind wir in einer Konzeptionierungsphase. Da kommen mehrere Faktoren ins Spiel:
• Wie positionieren wir unser Orchester?
• Was ist unser Mehrwert?
• Wo stehen wir in der kulturellen Landschaft in Wien?
Ich glaube, wir müssen uns darüber Gedanken machen, was wir in Wien zu den zahlreich stattfindenden Konzerten hinzufügen können. Für mich ist das kein Bernstein-Konzert, so sehr ich Bernstein auch liebe, aber dieses Repertoire wird von den anderen großen Orchestern in Wien gespielt. Meines Erachtens sind Projekte wie »Musical in Concert« oder Sonderprojekte wie “Wildhorn & Friends” interessanter, denn wir leben vom Musicalpublikum, nicht vom Konzertpublikum.
Mir schwebt vor, ein oder zwei Musicals pro Jahr konzertant aufzuführen, Stücke, die wir im En-suite-Spielbetrieb nicht spielen können: “Sweeney Todd” steht zum Beispiel ganz oben auf der Liste, aber auch “American Idiot” als Bandprojekt mit jungen Sängern, “Tommy” und “City of Angels” würde ich gerne machen, moderne Klassiker wie “Miss Saigon” oder mal wieder “Les Miz” etc.
Letztendlich kommt es bei uns darauf an, wie wir es solistisch besetzen. Wenn ich mit unseren Bühnenstars einen Sondheim machen kann, kommt das Publikum und lernt dabei neue Stücke kennen.
Und jetzt unabhängig von den VBW: Ich würde gerne das neue Wildhorn-Musical “Bonnie & Clyde” betreuen. Eine fantastische neue Show. Und für mein persönliches Vergnügen: »The Book of Mormon«!

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5
Martin Bruny: Was ist dran am Wiener Publikum? Ist es tatsächlich anders als etwa das deutsche oder das Schweizer Publikum. Wenn ja, was ist daran positiv und was negativ – aus Sicht des Dirigenten, des Musikdirektors, des Orchesters.

Koen Schoots: Das Wiener Publikum ist leidenschaftlicher und involvierter als das deutsche oder schweizerische Publikum. Das gilt nicht nur für das Musical, sondern vor allem auch für die Oper. Wien und Österreich haben eine so große und reiche Theatertradition, hier ist Kunst und Musik Teil des täglichen Lebens, viel mehr als in Deutschland oder der Schweiz. Ich kann daran nur positive Seiten entdecken.

6
Martin Bruny: Das Orchester wurde in den letzten Jahren bei diversen Musicalproduktionen verkleinert beziehungsweise kleiner gehalten als früher üblich. Bei “Tanz der Vampire” spielten beim Revival statt den 31 Musikern der Uraufführung (1997) “nur mehr” 24. Man verliert ein Cello da, die eine Harfe dort, ein Horn und so weiter. Auch bei “Rudolf” im Raimund Theater waren es “nur mehr” 24 Musiker statt der früher üblichen 26, 28 oder 30. Bei der Premierenbesetzung von “Elisabeth” waren es 30 Musiker.
Ist das etwas, was sie mit eher geringem Bedauern hinnehmen, weil man dann eben anders arrangiert und man es immer noch besser hat als in anderen Städten? Ab wann geht’s an die Substanz? Sehen Sie das VBW-Orchester als gesichert oder gibt es da massive Tendenzen, eine Art Outsourcing-Option zu konstruieren? Oder landen wir baldmal in “Cats”-Tour-Dimensionen, wo sechs Musiker und ein Computer das “Orchester” bilden?

Koen Schoots: Ein schwieriges Thema. Zunächst: Ich bin Musikdirektor der VBW und nicht MD eines Long-run-Musicals der Konkurrenz. Das hat einige Gründe, aber der Hauptgrund ist die Größe und die Qualität unseres Orchesters. Ob wir mit 31 oder 24 Musikern spielen, ist in der heutigen Zeit (ich betone das ausdrücklich!) Jammern auf hohem Niveau. Natürlich spiele ich “Tanz der Vampire” lieber mit 31 Musikern, aber die Zeiten haben sich geändert, und es gehört für Theaterschaffende heute dazu, nicht (nur) aus dem Elfenbeinturm heraus zu agieren, vor allem bei einem Theaterbetrieb wie den VBW. Unsere Subventionen wurden gekürzt, die Lohnkosten steigen etc. etc., die Liste ist endlos. Und, wie ich vorhin erwähnt habe: Größer ist nicht immer unbedingt besser. Ich habe die 25-er Fassung von “JCS” auf eigenen Wunsch hergestellt, nicht nach einer Budgetvorgabe seitens der VBW. Übrigens werden wir “Elisabeth” nächstes Jahr in der Uraufführungsbesetzung spielen!1 Glücklicherweise gibt es bei den VBW keine Tendenzen, das Orchester weiter zu verkleinern. Eine weitere Stellenreduktion würde tatsächlich an die Substanz des Orchesters gehen und wir wären nicht mehr als Klangkörper, sondern nur noch als Gruppe von Musikern für das jeweilige Musical zu verstehen.
Ein Orchester bildet eine musikalische Einheit und ist weit mehr als eine Gruppe von Leuten mit Instrumenten. Jahrelange gemeinsame Musizierpraxis macht den Klang eines Orchesters aus. Generaldirektor Thomas Drozda und Intendantin Kathi Zechner haben sich ausdrücklich zu diesem Orchester bekannt. Und sollten wir irgendwann aus irgendwelchen Gründen doch in “Cats-Tour”-Dimensionen landen, dann ohne Koen Schoots als Musikdirektor.

Foto: Copyright Martin Bruny

7
Martin Bruny: Sie sind Frank Wildhorns europäischer musikalischer Supervisor und Arrangeur. Was zeichnet diesen Komponisten aus, welches seiner Musicals mögen sie am liebsten – und warum? Und letzte Teilfrage: Was sind die Gründe, dass die sogenannte “Broadway Community” Wildhorn nicht schätzt.

Koen Schoots: Linda Eder sagt immer: “Niemand schreibt Melodien wie Frank.” Und so ist das. Er hat die Gabe, große, kommerzielle Songs zu schreiben. Er liebt die Stimme und fordert von jedem Sänger und jeder Sängerin sehr viel. Ich kenne ihn seit den Vorbereitungen für “Jekyll & Hyde” in Bremen 1995 und denke, dass dieses Werk nach wie vor eines seiner besten ist. Ich habe es damals “entdeckt” und für Bremen vorgeschlagen. Das hat aber auch mit meiner Vorliebe für dunkle und dramatische Stoffe zu tun. Daher mag ich “Dracula” sehr, vor allem auch, weil ich die Gelegenheit hatte, das Stück für Graz neu zu orchestrieren. Wie bei “JCS” habe ich es auch rockiger, dunkler gestaltet – und es hat dem Stück gut getan.
Und ich habe natürlich auch eine Schwäche für “Rudolf”. An diesem Stück habe ich sehr viel gearbeitet, umgearbeitet und neu geschrieben.
Ich weiß, dass Frank “Monte Christo” für seine beste Show hält. Sicherlich ist es das Stück mit dem größtem Orchester und es wirkt sehr bombastisch.
Wie ich vorhin schon erwähnte, ich halte “Bonnie & Clyde” für eine sehr gute Show. Buch, Lyrics und Musik bilden eine geschlossene Einheit und sind aus einem Guss.
Warum die “Broadway Community” Frank Wildhorn nicht mag, darüber lässt sich nur spekulieren. Wahrscheinlich ist er den Kritikern zu kommerziell, zu “mainstream”. Frank ist ein »audience pleaser« – vielen gefällt das nicht. »Bonnie & Clyde« könnte eine Trendwende sein. Jedenfalls hätte er es verdient.

8
Martin Bruny: Frank Wildhorns Musical “Rudolf” war in Budapest ein Hit, Sie haben in Budapest die Uraufführung dirigiert. In Wien war “Rudolf” ein Flop. Welche Gründe können Sie für sich dafür ausmachen?

Koen Schoots: Zunächst sehe ich “Rudolf” nicht als Flop, zumindest nicht künstlerisch. Klar, wir hätten uns natürlich eine längere Laufzeit gewünscht. Über die Gründe möchte ich hier ungerne spekulieren. Es gibt dazu sehr viele unterschiedliche Meinungen. Letztendlich weiß man nie vorher, wie erfolgreich ein Stück sein wird. So ist das Showbusiness …

9
Martin Bruny: Welche 5 LPs/CDs würden sich im “Soundtrack of Your Life” ganz oben finden, also Lieder oder CDs, egal welches Genre, die eine Bedeutung in Ihrem Leben hatten, und warum.

Koen Schoots:
• J. S. Bach – “Matthäuspassion”: Für mich das am besten komponierte Werk aller Zeiten. Und Bach ist der größte aller Komponisten. Ich bin als Kind mit seiner Musik aufgewachsen und der Konzertbesuch der Matthäuspassion war eine feste Tradition.
• G. Verdi – “Requiem”: Ich bin ein großer Liebhaber der italienischen Oper und dirigiere sie auch regelmäßig, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Das Verdi-Requiem, man sagt auch »Verdis schönste Oper«, ist von einer solchen Schönheit, dass es mich jedes Mal wieder tief berührt.
• Pink Floyd – “The Dark Side Of The Moon”: Ein Klassiker der Rockgeschichte, eines der besten Alben, die je aufgenommen wurden. Ich höre es heute noch sehr regelmäßig.
• R. Strauss – “Elektra”: Als Student habe ich völlig unvorbereitet eine Vorstellung von “Elektra” in Amsterdam besucht. Ich war tief beeindruckt von der Wucht dieser Musik. Dieses Erlebnis war für mich der Auslöser, mich für eine Karriere im Musiktheater zu entscheiden.
• A. Lloyd Webber – “Jesus Christ Superstar”: Aber das dürfte klar gewesen sein!

  1. Das betrifft die Anzahl der Musiker, keiner wird aus der Pension zurückgeholt, es bezieht sich auch nicht auf die Darsteller. Anmerkung: Martin Bruny []

9Q – Drew Sarich: “Lerne. Überlege. Und dann: Lerne!!”

Drew Sarich, 2008, Foto: Martin Bruny

Den “Jesus” spielt er seit seinem 17. Lebensjahr, den “Judas” ab und an, mit seiner Interpretation des “Krolock” verhalf er dem Wiener Revival von “Tanz der Vampire” zum Kultstatus, und im Herbst 2011 wird er die Fans von “Sister Act” mit seiner Nummer in der Show sicher wieder begeistern.

Bis dahin escheint Ende August, von MG-Sound produziert, die brandneue Gesamtaufnahme von “Jesus Christ Superstar”, aufgenommen live im Ronacher 2011, und auch an neuen Soloprojekten arbeitet Drew Sarich.

Drew Sarich wollte immer schon Schauspieler werden, und so nennt er sich auch: Schauspieler. “Musicals sind Theater. Dafür habe ich aber genauso viel Shakespeare, Ibsen, Mamet, O’Neill und Tennessee Williams wie Sondheim, Webber, Rodgers, Hammerstein, Kander und Ebb studiert.” Sein Motto: “Lerne. Überlege. Und dann: Lerne!!”

9 Fragen - beantwortet von Drew Sarich.

1
Martin Bruny: Sie wurden 1975 in St. Louis, Missouri, geboren, “wussten schon mit 6, als Sie Neil Diamonds ,Hot August Night’ hörten, dass Sie kein Anwalt werden wollten, und haben mit 7 angefangen, im Chor zu singen. Mit 11 entdeckten Sie die Gitarre UND das Theater”, wie Sie in einem Interview mit Michael Niavarani erzählt haben.
Gabs Musicalprojekte schon während Ihrer Schulzeit, wenn ja, wann, welche – und welche Rollen haben Sie gesungen, wie waren da Ihre ersten Erfahrungen? Wie sehen Sie das Musicalgenre innerhalb des amerikanischen Schulsystems im Gegensatz zu Europa verankert? Sollte es bei uns mehr Projekte dieser Art geben?

Drew Sarich: Ja! Ich fing schon früh an! Ich glaube, meine erste Musicalrolle war ein Frosch in einem Kirchenmusical über die Plagen Ägyptens! Dann kam Jesus in »Godspell«. Auch in der Kirche. An der Highschool spielte ich den Tony in der »West Side Story«, Charlie Dalrymple in »Brigadoon«, Emile de Becque in »South Pacific«, und sogar einen 50-jährigen Mafia-Hitman in Harold Pinters »The Birthday Party«. Mit 14!
Unser Highschool-System war künstlerisch und kulturell wahnsinnig aktiv! Es gab im Herbst ein Musical und im Frühling ein Schauspiel. Die Theaterkids kamen von jeder Ecke. Sportler, Mauerblümchen, Cheerleader, Goths, Freaks, Smartkids. Es wurde für wichtig gehalten, dass man lernt, sich vor Publikum präsentieren zu können.
Auch die kreative Zusammenarbeit war SEHR wichtig. Kritik zu akzeptieren, Kollegen zu unterstützen, Verantwortung zu übernehmen, das sind unbezahlbare Fähigkeiten. Die wurden durch das Highschool-Theaterprogramm stark gefördert.
Ich weiß nicht, wie das europäische/österreichische System läuft, aber ich hoffe, dass Theater spätestens ab der 2. Klasse Standard ist. Und unter Theater meine ich Schauspiel UND Musical zusammen.

Drew Sarich, 2008, Foto: Martin Bruny

2
Martin Bruny: In Andrew Lloyd Webbers »Jesus Christ Superstar« haben Sie das erste Mal 1998 in New York den »Judas« gesungen. Seit dieser Zeit steht die Show alle paar Jahre auf Ihrem “Spielplan” – mal singen Sie den »Judas«, mal »Jesus«.
- Wo waren für Sie als Darsteller/Sänger bei der aktuellen Jesus-Produktion von Koen Schoots die Unterschiede zu den vorangegangenen Versionen der Vereinigten Bühnen Wien und wie haben Sie die in Ihrer Interpretation beeinflusst?
- Welche “Jesus”-Produktion, in der Sie mitgewirkt haben, hat sich am besten angefühlt, und warum?

Drew Sarich: Ehrlich gesagt, war meine erste “JC Superstar”-Produktion 1993! Da spielte ich Jesus mit 17. Es war für mich der Himmel auf Erden!
Die Arbeit mit Koen war wirklich toll! Wir verstehen uns, weil wir beide Möchtegern-Rocker sind! Ha! Wir sind beide große Fans von dreckiger Musik. Mehr Gitarre!!! Mehr Schlagzeug!! Das war der größte Unterschied zwischen den Versionen von 2011 und 2005. Einfach, dass der Koen frech genug war, zu sagen: »Ich mache es aber so!« Das gefällt mir.
Ich bin glücklich, dass ich so viele unterschiedliche Versionen von “Superstar” gespielt habe! Meinen Lieblingsmoment aller Zeiten hatte ich aber mit Serkan Kaya. Die Verratsszene mit Serkan zu spielen, wird immer ein Highlight in meiner Karriere sein. Es ist selten, dass man so einen Bühnenpartner bekommt. Wir mussten nichts groß planen! Wir wussten, was wir erzählen wollten: Jesus und Judas waren zwei Männer, die eine unerklärliche Beziehung hatten. Wir hatten miteinander eine unausgesprochene männliche Zärtlichkeit, die (finde ich) selten bei dieser Geschichte gesehen wird. Es wäre viel zu einfach, Jesus und Judas als Feinde zu präsentieren.

Drew Sarich, 2005, Foto: Martin Bruny

3
Martin Bruny: »Es gibt zu viele Musicaldarsteller«, meinte unlängst der Regisseur und Schauspieler Holger Hauer. Wie ist Ihre Meinung dazu? Was würden Sie jemandem raten, der gerne Musicaldarsteller werden möchte beziehungsweise am Anfang der Ausbildung steht? Wie schätzen Sie die Ausbildungsmöglichkeiten im deutschsprachigen Raum ein, sollte man ins Ausland gehen?

Drew Sarich: Ich würde ihm raten, sehr genau zu überlegen, was er erreichen möchte. Ich wollte immer Schauspieler werden. So nenne ich mich auch. Musicals sind Theater. Dafür habe ich aber genauso viel Shakespeare, Ibsen, Mamet, O’Neill und Tennessee Williams wie Sondheim, Webber, Rodgers, Hammerstein, Kander und Ebb studiert.
Die Idee ist, eine so runde Ausbildung wie nur möglich zu bekommen. Nicht zu früh an den Job zu denken.
Ich werde von jungen Schülern und Schülerinnen oft gefragt: »Wie erfährt man von Auditions?« »Was muss einer tun, um den Job zu bekommen?«
Ich sag: Lerne. Überlege. Und dann: Lerne!!

Drew Sarich, 2005, Foto: Martin Bruny

4
Martin Bruny: In der Interview-Sendereihe »Inside the Actors Studio« stellt Moderator James Lipton seit 1994 seinen Gästen in einer Art Word-Rap 10 Fragen. Er wiederum hat die Fragen vom französischen Journalisten Bernard Pivot, der sie nach dem »Proust Questionnaire« entwickelte.
Diese Fragen würde ich Ihnen gerne stellen, weil ich sie für sehr interessant halte. Das Ganze auch am liebsten auf Englisch: [Wie beispielsweise Meryl Streep sie beantwortet hat, sieht man –> hier]

a. What is your favorite word?
Yes.

b. What is your least favorite word?
No.

c. What turns you on, excites you inspires you?
Creativity.

d. What turns you off?
Rules in Art.

e. What sound do you love?
Laughter.

f. What sound do you hate?
Breaking glass.

g. What is your favorite curse word?
Bitch.

h. What profession other than yours would you like to attempt, if you could?
Gourmet Cook.

i. What profession would you not like to do?
I already did it. I assembled drug test kits on an assembly line.

j. If heaven exists, what would you like to hear God say when you arrive at the pearly gates?
I’ve been keeping your seat warm, Sir! Can I get you a cold drink?

Drew Sarich, 2005, Foto: Martin Bruny

5
Martin Bruny: Welche 5 LPs/CDs würden sich im “Soundtrack of Your Life” ganz oben finden, also Lieder oder CDs, egal aus welchem Genre, die eine Bedeutung in Ihrem Leben hatten, und welche Bedeutung haben sie?

Drew Sarich:
• The Beatles – «Abbey Road«: Ich habe unbewusst singen gelernt, als ich »Oh! Darling« das erste Mal hörte.
• Neil Diamond – »Hot August Night«: Ich lernte, was es heißt, ein Mann zu sein.
• »American Graffiti« (Original Film Soundtrack): Da entdeckte ich meine Liebe für The Beach Boys, Buddy Holly, Del Shannon und The Platters.
• Guns N’ Roses – »Appetite for Destruction«: Being bad is so good. Ich hatte bei »Rocket Queen« meine sexuelle Erwachung.
• Red Hot Chili Peppers – »Freaky Styley«: »Blackeyed Blonde« hat meine sexuelle Erwachung noch erweitert. Ich entdeckte durch diese Platte James Brown, George Clinton, The Germs, Jimi Hendrix, Jaco Pastorius, Fishbone und andere Wahrscheinlich die zweitwichtigste musikalische Entdeckung meines Lebens.

UND WEIL 5 NIE GENUG SIND!!!!!!

• Jeff Buckley – »Grace«: I learned what it means to be an artist: To share your pain with the world.

Drew Sarich, 2005, Foto: Martin Bruny

6
Martin Bruny: “Tanz der Vampire”, “Unstillbare Gier” - haben Sie die Interpretation/Darstellung (nicht die stimmliche) dieses Songs einfach so angelegt, wie Sie sie gefühlt haben, oder gab es, was die Körperlichkeit betrifft, auch Vorbilder, etwa Steve Barton? Wie entscheiden Sie, wann sie zur Rampe runterlaufen,ist es immer derselbe Moment, oder gibt es Tage, an denen Sie abweichen, was geht in den Momenten, während Sie dieses Lied singen, in Ihnen vor?

Drew Sarich: Ich versuche immer, so einfach wie möglich zu bleiben. Bei so einer Nummer wie “Gier” braucht man wirklich wenig. Das Lied ist gut genug. Ich versuche mich eher auf den Text zu konzentrieren.
Mit dem Runterrennen: Man hatte mir gesagt, ich soll so lange da oben bleiben, wie es geht. Ich erschrecke den Dirigenten liebend gern! Ha!

Drew Sarich, 2011, Foto: Martin Bruny

7
Martin Bruny: Sie haben eine kleine Geschichte von Flops erlebt, mit “Lestat” am Broadway, mit “Barbarella” und “Rudolf” in Wien. Wie motiviert man sich bei solchen Shows, vor eher wenig oder sehr wenigen Leuten zu spielen? Können Sie bei “Rudolf” nachvollziehen, dass in der Kritik mehrfach zu lesen stand, dass das Stück keine Melodie habe? Woran ist »Rudolf« Ihrer Meinung nach gescheitert?

Drew Sarich: Naja, ich habe die Stücke nicht geschrieben. Ich habe nur versucht, das meiste rauszuholen.
»Lestat« und »Rudolf« sind meiner Meinung daran gescheitert, dass die Produzenten viel zu viele Überlegungen dazu angestellt haben, was ein Publikum sehen möchte. Irgendwann hat man vergessen, dass es da eine Geschichte gab, mit der sich ein Publikum identifiziert hat. Sonst gäbe es keine »Vampire Chronicles« oder massenweise Habsburg-Biografien.
Beim »Rudolf« habe ich oft gehört: »Das Publikum will keine Tragödie sehen.« In der Richtung wurden dann sämtliche Entscheidungen getroffen, was die Geschichte angeht. Melodien gab es. Das ist Geschmackssache. »Lestat« und »Rudolf« wurden ausgeleert und verwässert, um ein »Publikum« zu bedienen.
Das Debakel »Barbarella« zu erklären, das würde locker eine Woche dauern! Ha!
Hauptsache ist, dass man durch solche Misserfolge erfährt, dass Theatermacherei und VOR ALLEM Musical kein einfacher Job ist. Man muss wenigstens genau so klug sein wie das Publikum.

Drew Sarich, 2011, Foto: Martin Bruny

8
Martin Bruny: Ist das Autogrammritual am Bühnentürl Teil des Jobs oder eine Selbstverständlichkeit? Haben Sie Erfahrungen machen müssen mit Stalkern?

Drew Sarich: Die Leute am Bühneneingang sind (zum Teil) schon sehr wichtig! Sie geben immer wieder ihr Geld aus, um uns zu sehen. Ich bin gern dabei, um »Hallo« zu sagen und Fotos zu machen. Leute, die anderes behaupten, sollen wirklich überlegen, ob sie nicht für einen Bürojob besser geeignet sind.
Stalker sind eine Gefahr. Es gibt Leute, die zwischen Schauspiel und Realität nicht unterscheiden können. So gern ich mich mit Menschen am Bühneneingang unterhalte, bin ich genauso bereit, mich zu äußern, wenn mir etwas nicht passt. Ich habe zu viele schlechte Erfahrungen gemacht. Solange man nicht direkt in meine Privatsphäre eindringt, rede ich liebend gern mit JEDEM.

Drew Sarich, 2003, Foto: Martin Bruny
9
Martin Bruny: Im Herbst 2011 sind Sie im Ronacher in “Sister Act« zu sehen – an welchen Soloprojekten arbeiten Sie derzeit?

Drew Sarich: Momentan nehme ich meine neue Solo-CD auf. Ich arbeite mit Titus Vadon (Russkaja, Jesus Messerschnitt, International Victim) an einer sehr nackten, intimen Platte. Ich freue mich riesig! Ich konzentriere mich momentan auf das Storytelling.
Zusätzlich habe ich ein neues Programm für mich und das “Dead Poet Quartet” geschrieben. Es heißt »Ugly Nina« und ist eine Mischung von »Das hässliche Entlein« und Tarantinos »Kill Bill« – ein Multimedia-Projekt mit Comicbook-Bildern, theatralischen Aspekten, Rocksongs und klassischen Streicherarrangements. Die Lieder werden bereits vom brillanten Klemens Bittmann für das “Dead Poet Quartet” arrangiert. Ich hoffe, dass wir bis Frühjahr 2012 Investoren finden, damit wir das groß rausbringen können!

Was kostet ein Musical - am Broadway, in Deutschland und in Wien?

Am Londoner West End läuft derzeit und noch bis zum 20. August 2011 Harold Pinters Schauspiel “Betrug” (”Betrayal”) aus dem Jahre 1978 – ein Revival, das auch 2011 zum Hit wurde. Die Produktionskosten beziffert Produzentin Sonia Friedman mit 350.000 Pfund (rund 565.000 Dollar). Dazu kommen rund 65.000 Pfund (105.000 Dollar) an laufend anfallenden Kosten pro Woche.

Ein Hit am West End landet nicht gar so selten am Broadway, auch Sonia Friedman hat diesbezügliche Pläne gemacht. Die Produktionskosten am Broadway allerdings würden für dasselbe Stück in derselben Besetzung (Filmstar Kristin Scott Thomas) 2,8 Millionen Dollar kosten sowie zusätzlich 260.000 Dollar laufend anfallende Kosten pro Woche.

Friedman dazu:

«Betrayal” is easily turning a profit in London. But on Broadway these days, even with a movie star, it’s very hard to survive.

Natürlich sind die teilweise hohen Ticketpreise am Broadway teilweise auf die hohen Produktionskosten zurückzuführen (manchmal freilich auch auf reine Gier), aber auch die hohen Ticketpreise ermöglichen es nur 20 bis 30 Prozent der Broadwayproduktionen, gewinnbringend zu spielen.

Schauspielstücke am Broadway kosten ein Minimum von 2,5 Millionen Dollar – Musicals sind teurer. In “Next to Normal” mussten 4 Millionen Dollar investiert werden, “The Book of Mormon” verschlang 9 Millionen. Doch damit ist noch nicht die Spitze erreicht. In “Shrek” packte Dreamworks satte 25 Millionen Dollar, und “Spider Man: Turn Off the Dark” verheizte 75 Millionen Dollar.

Auch Michael Kunze hat sich heute Gedanken über Produktionskosten und Ticketpreise gemacht. Auf seiner Site schreibt er unter anderem:

Gäbe es für das Musical eine entsprechende Subvention, würde ein Ticket nicht mehr als 25-45 Euro kosten. [Michael Kunze, Storyarchitekt]

Man darf annehmen, dass die Vereinigten Bühnen Wien “entsprechend” subventioniert werden. Dennoch sind sie von den 40 Euro nicht nur weit entfernt, nein, sie entfernen sich auch zunehmend von diesem Betrag. Sie entfernen sich nicht nur an der Spitze, bei den höchsten Eintrittspreisen, nein, was noch viel negativer einzuschätzen ist, sie heben die Eintrittsschwelle ins Theater laufend an, und Preiserhöhungen im billigsten Segment haben die größten Auswirkungen.

25 bis 40 Euro also, das wäre nett, aber klar, die VBW haben ja viel Personal, das bezahlt werden muss, beispielsweise eine Rechtsabteilung. Vielleicht wird einfach zu viel Zeit damit verbracht, kleine Blasmusikkapellen, die die Stärke einer liebenden Frau in einem Ballsaal rausblasen wollen, mit Klagen zu bedrohen, statt darüber nachzudenken, wie man die Explosion der Ticketpreise verhindern könnte.

Links
- Michael Kunze: Storyarchitekt
- The New York Times: The Staggering Cost of Broadway

»Berlin erleuchtet«: Uraufführung einer Weihnachtsshow

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In der Weihnachtszeit feiert im Berliner FriedrichstadtPalast die Show “Berlin erleuchtet” Premiere, eine, laut Pressetext:

herzerwärmende Weihnachtsshow vom zarten ersten bis zum überwältigenden letzten Bild. Zum furiosen Finale versinkt die Bühne und der ganze Saal mitsamt den Gästen im Schneegestöber und verzaubert die Besucher mit dem Traum einer Weißen Weihnacht. Das hat auch Berlin noch nicht gesehen und spätestens dann sind alle Augen und Herzen erleuchtet. Eine Weihnachtsshow für die ganze Familie.

Leading Team
Buch: Jürgen Nass/Roland Welke
Komposition: Martin Wingerath/Daniel Behrens/Anja Krabbe/Florian Richter/Friedemann Matzeit
Produzent: Dr. Berndt Schmidt
Kreativdirektor: Jürgen Nass
Regie: Jürgen Nass
Choreographie: Natricia Bernard/Maik Damboldt/Rosiris Garrido/Eric Gauthier/Alexandra Georgieva/Nikolai Matev/Tatjana Ostroverkh/Aliaksei Uvarov
Bühnenbild Jürgen Schmidt-Andrà©
Kostüme: Uta Loher & Conny Lüders
Videocontent: Marcus Bossdorf
Lichtdesign: Markus Krömer
Sounddesign: Cedric Beatty

Cast
Gesangssolistin: Amber Schoop
Gesangssolist: Fabrizio Levita
Puppenspiel: Big Smile
8 Kinder in wechselnder Besetzung

Previews ab 18.11.2011
Uraufführung am 24.11.2011
Letzte Vorstellung am 26.12.2011

Link
- FriedrichstadtPalast

Die Erzdiözese featuring Michael Schönborn

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Die Kirche scheint geradezu darüber zu jubilieren, dass Michael, der Bruder des Kardinals Christoph Schönborn, demnächst eine Wiener Musicalproduktion mit seinen schauspielerischen Fähigkeiten krönen wird. Nun berichtet auch “Der Sonntag”, die Zeitung der Erzdiözese Wien, über “Sister Act”.

Besonders entzückend die folgende Passage:

Auf die »Gretchenfrage”, wie er es mit der Religion habe, meint er: »Ich habe heute meine Rolle in der Franziskanerkirche geübt … Ich bin gläubig, aber nicht praktizierend.”

Ein paar offene Punkte gibt es aber bezüglich Michael Schönborn noch zu klären. In einem Interview mit dem Magazin “News” vor einigen Wochen meinte er, er habe in den achtziger Jahren in Musicalproduktionen mitgewirkt, in einem Interview mit dem ORF einige Zeit später sagte er, er habe noch nie in einem Musical mitgewirkt. Da müsste man sich dann doch auf eine Linie einigen.

Etwas merkwürdig auch eine Passage eines Interviews mit dem KURIER vom 24. Juli 2011: Da meinte Schönborn:

Ich habe neulich bei der Probe erfahren, dass der Monsignore doch irgendwie musikalisch tätig wird, da hat es mich doch ein wenig aus der Kurve getragen. Und jetzt erinnere ich mich an meine alten Zirkustage [er war einmal ein Clown und Fakir], da besagt das Gesetz, wo auch immer man herunterfliegt, steige auf und übe, so lange, bis du es kannst.

Nunja, es ist wohl nicht gar so unüblich, dass man als Mitwirkender in einem Musical sich auch musikalisch betätigen muss, die Frage ist: Auditions? Hat man da nur das Vaterunser gecheckt? Oder wars wurscht?

Link
- Der Sonntag: »Bösewichte reizen mich”

SOKO “Rebecca”: VBW verhindern Deutschland-Premiere in Prüm

Einen Sieg dürfen die Vereinigten Bühnen Wien verzeichnen. Einige Tage stand die enorm große, fast existenz-, ruf- und ansehenvernichtende gefährliche Drohung im Raum, eine kleine Musikschule in der deutschen Verbandsgemeinde Prüm könnte es wagen, das Levay/Kunze-Musical “Rebecca” als deutsche Erstproduktion auf die Bühne zu stellen, auf ein Bühnchen, in einem Kirchlein, nein, eigentlich in der Kapelle des Konvikts in Prüm.

Es ist ein wahrhaft großer Sieg, in den sicher einiges an Mann- bzw. Fraustunden investiert werden musste, und wenn man die Gehälter in den Führungsriegen des Unternehmens in Betracht zieht, könnten in die Abwehr dieser Gefahr doch einige tausend Euro geflossen sein.

Mich erinnert das an einen anderen Vorfall, der sich vor nur wenigen Wochen in Wien ereignet hat. Das Spotlight-dancecenter brachte da eine Produktion des Steinman/Kunze-Musicals “Tanz der Vampire” im Wiener Off-Theater zur Aufführung. Eine Ankündigung auf meiner Site dürfte bestimmten Damen und Herren sauer aufgestoßen sein, und schon durfte sich die Leiterin der Schule mit dem Vorwurf des Vertragsbruchs auseinandersetzen. Dem allgemeinen menschlichen Bedürfnis, Verantwortung für das eigene Tun abwälzen zu wollen, schrieb sie mir eine Mail in einem wirklich entzückenden Stil, in dem Sinnkreationen zu lesen waren wie:

Als Besitzerin und Leiterin der “Spotlight-Performance Group” verwehre ich mich dagegen, dass Sie ohne mein Wissen und mein Einverständnis Beiträge im Internet veröffentlichen!

Völliger Humbug natürlich, da die Informationen zu dieser Veranstaltung auf der Site des Off-Theaters zu lesen waren, wohl mit dem Zweck, dass eine interessierte Öffentlichkeit sie wahrnimmt.

Doch was für einem Druck muss man ausgesetzt sein, um einem völlig Unbekannten Formulierungen zu mailen wie:

Ich erwarte, dass Sie den Beitrag sofort aus dem Internet nehmen und verlange um eine Erklärung Ihrerseits, dass Sie die Informationen ohne mein Wissen und ohne meinen Auftrag veröffentlicht haben!

Natürlich, meine Replik war nicht wesentlich freundlicher, woraufhin als Antwort kam:

Da ich nicht über Ihren Beitrag informiert war, konnte ich diese Informationen leider nicht richtig stellen und meine Lizenzgeber haben das daher fehlinterpretiert und mir Vertragsbruch vorgeworfen. Um zu zeigen, dass ich wirklich keine Karten verkaufe, daher auch keinen Vertragsbruch begehe und den Bericht auf Ihrer Website nicht in Auftrag gegeben habe, musste ich mich von Ihrer Website distanzieren.

Ich wollte Sie allerdings in keiner Weise persönlich beleidigen und entschuldige mich dafür falls Sie es so aufgefasst haben. Außerdem bedanke ich mich dafür, dass Sie den Bericht von Ihrer Seite entfernen.

Meint der Lizenzgeber tatächlich, hier richtig zu handeln, dass man private kleine Musikschulen dermaßen unter Druck setzt? Wäre es nicht sinnvoller, sie für die Werbung, die sie betreiben, indem sie diese Stücke mit der nächsten Generation einstudieren und zur Aufführung bringen, zu belohnen? Hat der Lizenzgeber, ohne jetzt den Namen zu nennen, wirklich Angst, dass derartige Produktionen seinen Gewinn schmälern?

Wäre es nicht sinnvoller gewesen, einen Vertreter nach Prüm zu einer der, nun gecancelten, vier Aufführungen zu schicken und den Schülern zu ihrer Leistung zu gratulieren, öffentlichkeitswirksam im positiven Sinne, statt die Schule in den digitalen Selbstmord zu treiben - alle Inhalte zur Produktion sind von der Website getilgt worden, auch ein Fotos des Ensembles in zeitgenössischen Kostümen. All die Kreativität und all die Mühe wurden vernichtet. Macht das Sinn? Macht es Sinn, dann auf einer deutschen Website die Stellungnahme der Schule lesen zu müssen:

Wir Musiker und Akteure bedauern sehr, dass wir das Einstudierte aus diesem schönen und noch eher unbekannten Musical unseren Zuschauern nicht präsentieren dürfen, aber das öffentliche Urheberrecht zwingt uns zu diesem Schritt.
Genehmigungen für öffentliche Aufführungen dieses Werkes werden an Laiengruppen nicht mehr vergeben!
Obwohl es den Eindruck erwecken könnte , dass wir mit unserer Schüleraufführung mit Ausschnitten aus dem Musical “Rebecca” die Deutschlandpremiere dieses Musicals nach Prüm vorverlegen möchten und somit unser Publikum evt. von der eigentlichen Premiere im Dezember in Stuttgart fernhalten könnten, war das zu keinem Zeitpunkt unsere Absicht.

Ging es tatsächlich um die Gefahr, dass die “Deutschland-Premiere” von “Rebecca” in Prüm stattgefunden hätte? Das wäre nämlich der Fall gewesen. Denn es ist einerlei, welche Version der Show zu einer Aufführung gebracht worden wäre, es wäre eine Deutschland-Premiere gewesen. So wie die Wien Holding, das Mutterunternehmen der VBW, ja auch keine Probleme hatte, bei ihren Produktionen von “High School Musical” und “Camp Rock” von österreichischen Erstaufführungen zu sprechen, und auch da handelte es sich um Lizenzen für Schulproduktionen.

Nun, das Vaterland ist gerettet, “Rebecca” wird seine Deutschland-Erstaufführung durch die Firma Stage Entertainment erleben, und die VBW haben eine Musikschule ihres Traums und Ihrer Arbeit beraubt. Hoffentlich wars den Aufwand wert.

PS: Durch einen Kommentar (siehe unten) entdeckt: Für die Geschichtsbücher: musical-am-stein.de

PPS: Die Musikschule Kalimba hat nun einen Schuldigen gefunden. Es war der Kultur-Channel. Den bemerkenswerten Artikel von Frau Kollegin Stefanie Glandien findet man -> hier.

Link
- pruemnetz.de: “Rebecca”-Aufführungen fallen aus
- musicalzentrale: VBW gehen gegen nicht lizensierte Amateurshows vor
- op-online.de: Anzeige gegen das Vampir-Musical

Reeve Carney: “Rise Above”

New York, NY (July 28, 2011) – The music video for «Rise Above 1,” the first single from the album Music From SPIDER-MAN Turn Off The Dark, is now available to view on Vevo. Directed by Aaron Platt and Joseph Toma and shot in New York City, the video includes a look into the making of the Broadway musical SPIDER-MAN Turn Off The Dark, including Reeve Carney training for his roles as «Peter Parker/Spider-Man.”
The single, produced by Alex Da Kid, is available on the album Music From SPIDER-MAN Turn Off The Dark out now on Interscope. SPIDER-MAN Turn Off The Dark features creative consultation by Philip William McKinley (The Boy From Oz), original direction by Tony® Award-winner Julie Taymor (The Lion King, Across The Universe, Frida), music and lyrics by 22-time Grammy® Award-winners Bono and The Edge, and book co-written by Taymor, Glen Berger (Underneath The Lintel) and Roberto Aguirre-Sacasa (Fantastic Four and Spider-Man comics, «Big Love”).

Stage Entertainment verlängert Mietverträge für Hamburger und Stuttgarter Theater

Um zehn Jahre mit Option auf weitere zwei Mal fünf Jahre hat Stage Entertainment die Mietverträge für die Musical-Theater in Stuttgart und Hamburg verlängert: in Stuttart für die Musical-Theater Apollo und Palladium im SI-Centrum, in Hamburg für das Theaterhaus Neue Flora.

Link
- Immobilien-Zeitung.de

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