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Schubert Theater: “Der Untergang des Hauses Usher” (2011)

Wiens Off-Theater bietet derzeit eine Fülle an interessanten Shows. Eine davon: «Der Untergang des Hauses Usher”, eine Produktion des Schubert Theaters, die noch ein Mal, heute, am Sonntag, dem 30. Januar (Beginn: 19:30 Uhr), am Spielplan der Bühne steht (Infos zum Theater, siehe –> hier).

«The Fall of the House of Usher”, eine Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe, erschien erstmals 1839 in «Burton’s Gentleman’s Magazine” und 1840, nochmals überarbeitet, in der Sammlung “Tales of the Grotesque and Arabesque”.

Die Geschichte faszinierte Filmemacher und Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts gleichermaßen. Von 1928 bis 2008 entstanden nicht weniger als elf Verfilmungen, mindestens acht Vertonungen sind bekannt, darunter Werke von The Alan Parsons Project, Claude Debussy, Philip Glass oder Art Zoyd.

Das Schubert Theater zeigt eine atmosphärisch sehr dichte Sprechtheaterversion der Kurzgeschichte von Poe. Nicht nur die Bühne wird bespielt, der ganze Theatersaal ist Schauplatz, draußen vom Hof rütteln die Geister an der Tür, reißen sie auf, und bei Minusgraden wird das Grauen dann auch durch entsprechende Kälte spürbar. Schon vor Beginn des Stücks bringen pulsierende Lichter, Bühnennebel, Projektionen und Synthesizer-Sounds das Publikum in die passende düstere Stimmung.

Ann-Kristin Meivers, Linda Gondorf und Jasmin Sarah Zamani erarbeiteten für das Schubert Theater die Dramatisierung des Poe-Textes, eine stimmige Sache aus einer Serie an Monologen, sehr düster, bedrückend, Dialoge im eigentlichen Sinne gibt es in dieser Gespenstermär keine. Die Geschehnisse werden dem Zuschauer gefiltert durch die subjektive Perspektive des Erzählers geschildert, die Monologe des Roderick Usher kann man sich, wenn man möchte, ebenfalls gefiltert duch die Wahrnehmung des Erzählers vorstellen. Oder auch nicht, eine von vielen interpretierbaren Leerstellen, die sowohl die Kurzgeschichte als auch die dramatisierte Version auszeichnen - man weiß nie wirklich, was real ist.

Ein nicht unwichtiger Faktor, diese Wirkung zu unterstützen, ist die Soundkulisse, die Fabian Gräf erarbeitet hat. Düstere Klänge, Soundeffekte (Gewitter, Regen, Schreie) helfen, das unbestimmte niederdrückende Gefühl zu verstärken, das dieses Stück auszeichnet. Ein Gefühl, das Christoph Hackenberg als Erzähler beziehungsweise Jugendfreund Roderick Ushers von Sekunde 0 an stimmig nährt und pflegt, wenn er mit seiner Laterne im vom Bühennnebel erfüllten Saal sich den Weg durch den Zuschauerraum zur Bühne bahnt, und von den toten, wie leere Augenhöhlen starrenden Fenstern des Hauses Usher erzählt.

Benedikt Grawe spielt Roderick Usher, der von seinem Jugendfreund so beschrieben wird:

Sicherlich noch nie hatte sich ein Mensch in so kurzer Zeit so schrecklich verändert wie Roderick Usher! Nur mit Mühe gelang es mir, die Identität dieser gespenstischen Gestalt da vor mir mit dem Gefährten meiner Knabenjahre anzuerkennen. Doch war seine Gesichtsbildung immer schon merkwürdig gewesen, so hatte nun eine übertriebene Entwicklung genügt, das Antlitz seiner Züge derart zu verändern, dass ich nicht mal sicher wusste, ob er es wirklich war.
Was mich vor allem verblüffte, ja entsetzte, war die jetzt gespenstische Blässe der Haut; das jetzt überirdische Strahlen des Auges. Das seidige Haar hatte ein eigentümliches Wachstum entfaltet, und wie es da so seltsam wie hauchzarter Altweibersommer sein Gesicht umspielte, hatte ich Schwierigkeiten, dies arabeskenhaft verschlungene Gewebe mit dem einfachen Begriff Menschenhaar in Beziehung setzen.

Bleichgeschminkt gibt Grawe den Zustand zwischen Entrücktheit, Depression, Verwirrtheit und frostigem Erstarren seiner Figur bis hin zum völligen Wahn überzeugend. Die Inszenierung hat durchaus gewollt etwas Voyeuristisch-Sinnliches. Es geht nicht zuletzt um eine detaillierte Beschreibung des Roderick Usher, seines Geisteszustands, aber auch seines Äußeren. Er ist damit fast immer im Fokus des Geschehens, wenngleich der Erzähler ungleich mehr Text hat. Lena Sophie Lehmann als Schwester Ushers bringt ein faszinierendes zusätzliches Fünkchen Irrsinn in die Produktion. Wenn die lebendig Begrabene am Ende des Stücks aus der klirrenden Kälte barfuß in den Saal geistert, das Bühnenblut an ihren Armen, ihren Händen und in ihren Haaren dicklich glänzt, ihr Kleid blutdurchtränkt - da ist der Horror- oder Gespenstergeschichtenfan dann schon ordentlich bedient.

“Der Untergang des Hauses Usher” - eine kleine feine Produktion, die in rund einer Stunde dem Publikum wohltuendes Gruseln lehrt. Es ist Off-Theater, das mit bescheidenen Mitteln auskommen muss, aber dies durch Phantasie wettmacht. Fehlendes üppiges Bühnenbild wird durch Projektionen und ein Spiel mit dem Bühnenvorhang wettgemacht, die Kostüme sind stimmig, das Licht gespenstisch. Wohliges Gruseln ist garantiert.

Darsteller
Benedikt Grawe (Roderick Usher), Christoph Hackenberg (Erzähler), Lena Sophie Lehmann (Madeline Usher), Alexander E. Fennon (Hausarzt/Projektion)

Leading Team
Regie und Konzept: Ann-Kristin Meivers
Textfassung: Ann-Kristin Meivers
Dramaturgie: Linda Godorf/Jasmin Sarah Zamani
Musik/Sound: Fabian Gräf
Bühne: Bernard Roschitz
Kostüm/Maske/Ausstattung: Jasmin Sarah Zamani

VBW-Agenda 2011: Musicalfans müssen mehr zahlen

Alljährlich überraschen die Vereinigten Bühnen Wien mit einer neuen Variante ihrer Ticketpreisgestaltung. Die Tendenz, die sich aus den bisherigen Entwicklungen ablesen lässt, ist eine eindeutige: Das Niedrigpreissegment wurde Schritt für Schritt minimiert, der Einstiegspreis in das Theatererlebnis Musical wurde sukzessive erhöht, die Anzahl der billigeren Eintrittskarten minimiert.

Der neueste Coup: Musicalfans, die sich von ihrer Mitgliedschaft beim VBW-eigenen «Musicalclub” erhoffen, günstiger ins Theater zu kommen, werden in Zukunft als unterste Latte für einen Sitzplatz, den sie über das Restplatzkartenkontingent 30 Minuten vor der Vorstellung beziehen, statt 11 Euro nun 18 Euro bezahlen müssen.

Was hier passiert, ist nichts anderes als eine schrittweise Angleichung der österreichischen Preisstruktur beim Ticketverkauf an den deutschen. Gefördert werden Familien mit einem Family-Ticket, Schüler, Studenten, Lehrlinge und Präsenzdiener, die, zumindest laut dem derzeitigen Stand der VBW-Website nach wie vor auch ab Februar 11 Euro bezahlen werden, und schließlich gibt es auch sonst noch wie in Deutschland das, keine Ahnung, Hochseeschifffahrtsermäßigungsticket, das Valentinstagssupergeschenkticket, das Vollmondticket und was man sich noch so einfallen lassen wird.

Das Fazit bleibt: Eine weitere massivie Ticketpreiserhöhung hat stattgefunden.

Theaterablenkungen

So ungefähr zweieinhalb Jahrtausende nach der Premiere habe auch ich eine Vorstellung von «Guys and Dolls” in der Wiener Volksoper besucht. Eine ausführliche Rezension über eine Show zu schreiben, die gerade noch drei Mal am Spielplan steht, das muss nicht unbedingt sein. Auch war ich ja nur als einfacher Konsument in der Show, der viel aufzuholen hat an nicht besuchten Produktionen in den letzten Jahren. Ein paar salopp formulierte Worte wären: behäbige Inszenierung, furioses Bühnenbild, extrem fad wirkender Hauptdarsteller (Herrig), entzückend Sigrid Hauser, und für alle Fans des Operettentimbres Johanna Arrouas, die nicht nur stimmlich, sondern irgendwie auch in ihrer Körperhaltung ein gewisses dominantes Maß an Operette ausstrahlt, das muss man mögen, meine ich, und erlaube mir, es nicht zu mögen in einem Musical, gar nicht. Oder sagen wir so: Die Show war einfach nicht so ganz mein Fall, als einfacher Konsument, der sich nur mal nen schönen Abend machen wollte, kann man ja pauschal so formulieren.
Worauf ich aber kommen wollte, war die Reaktion des Publikums, und da auf sagen wir einer Mikroebene, nämlich das unmittelbar mich umgebende Publikum und dann wiederum die mich umgebenden Sitznachbarn: Vermutlich liegts an mir, vermutlich bin ich zu leicht ablenkbar, kann sein, dass ich auf akustische Störungen unangemessen reagiere, und es ist ja nicht das erste Mal, dass ich darüber schreibe. Eine neue Form der Ablenkung erfuhr ich jedenfalls in eben jener Vorstellung von «Guys and Dolls”. Um diese Ablenkung zu verstehen, muss man sich Fingerkuppen vorstellen, raue Fingerkuppen, vielleicht sogar mit extrem rissiger Haut, ganz ausgetrocknet, Fingerkuppen, mit denen man an feiner Wolle fast hängenbleibt. Mein Sitznachbar hatte solche rauen Fingerkuppen, und ab einem gewissen Zeitpunkt der Show fing er an, mit seinen Fingern an seiner Anzughose zu reiben, an ihr entlangzufahren, vermutlich ein Akt der Ablenkung, Gedankenlosigkeit, der Gewohnheit. Nun sollte man annehmen, dass man dieses Entlangstreichen von rissiger Haut an weichem Anzugstoff nicht allzu laut hören kann, und laut war es auch nicht, aber dieses beständige Geräusch verstärkte sich in Minuten, Viertelstunden, Halbstunden zu einem extremen Störfaktor, dem ich machtlos ausgeliefert war. Denn was hätte ich den armen Mann bitten sollen, ohne merkwürdig zu klingen.
Wie gut, dass von einem hinteren Sitznachbarn leises Schnarchen nach vorn drang, das das beständige Reiben teilweise überlagerte. Doch dann, im Abstand von wenigen Sekunden - KLAPP - KLAPP - KLAPP -, knallten drei der recht schweren und großartig gestalteten Theaterprogramme von anderen drei Besuchern auf den Boden. Dieses dreifaltige - KLAPP - KLAPP - KLAPP - war derart befreiend, unglaublich. Mein Sitznachbar verschränkte seine Hände, der Schnarcher hinter mir war wieder munter, und ich, ich konnte wieder ohne Einschränkung «Guys and Dolls” genießen.

Schubert Theater: Edgar Allan Poes “Der Untergang des Hauses Usher”

Nur noch von 27. bis 30. Januar 2011 ist Edgar Allan Poes schaurig-romantischer Horrorklassiker in einer dramatisierten Form im Wiener Schubert Theater zu sehen.

Inhalt
Ein Tag, trübe, grau und lautlos. Eine Gegend, eigentümlich, öde und traurig. Ein Haus, fahl, tot und starrend. Er weiß nicht, was ihn erwarten wird, als er der Einladung Roderick Ushers folgt. Er weiß nur, dass er seinen Jugendfreund nicht wiedererkennt - und dass er bei ihm bleiben wird. Selbst, als sie Lady Madeline zu Grabe tragen, ist er an seiner Seite. Ein schauriges Geheimnis und “Der Untergang des Hauses Usher” nimmt seinen Lauf.

Regie: Ann-Kristin Meivers
Besetzung: Christoph Hackenberg, Benedikt Grawe, Lena Sophia Lehmann
Vorstellungstermine: 27. bis 30. Januar 2011, Beginn: 19:30 Uhr
Tickets –> hier
Nähere Infos –> hier

Affäre Haider: Lauda war gestern, Koller legt nach

Na bitte, jetzt endlich hat Alfons Haider tatsächlich die Aufmerksamkeit erreicht, die er mit dem Publicitystunt, im Entertainmentformat “Dancing Stars” mit einem männlichen Partner zu tanzen, erreichen wollte. Erreichen musste, denn es gilt nicht nur, genügend Aufmerksamkeit für die ORF-Show zu erzielen, sondern auch genügend Fahrt aufzunehmen, damit das von ihm geleitete Sommertheater in Stockerau ebenso ein wenig davon zehren kann. Da gilt es, in diesem Jahr genügend Tickets für das Musical “Sie spielen unser Lied” zu verkaufen. Möge die Übung gelingen.

Zu Niki Laudas jüngsten Äußerungen (siehe –> hier) sollte man besser kein Wort verlieren, er scheint sein Image ein wenig ramponieren zu wollen, seine Sache. Etwas gewichtiger scheinen mir da die Aussagen von Dagmar Koller zu sein, so sie tatsächlich von ihr stammen, das weiß man ja nie:

ÖSTERREICH: Alfons Haider will jetzt mit einem Mann tanzen …
Dagmar Koller: Ich find das unappetitlich, er tut uns allen nichts Gutes, auch sich selber nicht. Ich sage das ganz bewusst, obwohl ich die Ikone der Schwulen bin. Auch in ­homosexuellen Kreisen kommt das nicht gut an. Wer soll denn der Mann bei diesem Tanzpaar sein? Oder tanzt Haider mit einem Transvestiten?

ÖSTERREICH: Warum?
Dagmar Koller: Er zieht das Thema Homosexualität in die Lächerlichkeit, was schade ist. Gleichgeschlechtliche Paare dürfen endlich Partnerschaften eingehen, heiraten, glücklich sein. Warum tanzt der Alfons nicht mit seiner Arigona, die ist doch hübsch und ist sogar von einem Magazin zur Frau des Jahres gekürt worden?

Link
- Österreich: Schwulen-Ikone Dagmar Koller über Haiders Ambitionen

Razzies: Die Wahl zum schlechtesten Film 2010

Bereits 31 Jahre existiert mit den “Razzies” ein ganz spezieller Preis, der die miesesten Leistungen auf dem Gebiet des Films “auszeichnet”. Für das Jahr 2010 teilen sich der Film “The Last Airbender” und “Twilight Saga: Eclipse” die Ehre, für die meisten “Razzies” nominiert worden zu sein. M. Night Shyamalans Streifen “The Last Airbender” darf auf sechs Auszeichnungen hoffen, die letzte “Twilight”-Folge ist praktisch in jeder Rubrik nominiert. Wie immer sind auch jede Menge Prominente unter den Anwärtern auf diesen ganz speziellen Preis. In diesem Jahr: Barbra Streisand, Cher oder auch Liza Minnelli.

Die Nominierten für den “Razzie-Award” 2010:

Worst Picture
- The Bounty Hunter
- The Last Airbender
- Sex & The City #2
- Twilight Saga: Eclipse
- Vampires Suck

Worst Actor
- Jack Black: “Gulliver’s Travels”
- Gerard Butler: “The Bounty Hunter”
- Ashton Kutcher: “Killers”, “Valentine’s Day”
- Taylor Lautner: “Twilight Saga: Eclipse”, “Valentine’s Day”
- Robert Pattinson: “Remember Me”, “Twilight Saga: Eclipse”

Worst Actress
- Jennifer Aniston: “The Bounty Hunter”, “The Switch”
- Miley Cyrus: “The Last Song”
- The Four «Gal Pals”: “Sex & The City #2″ (Sarah Jessica Parker, Kim Cattrall, Kristin Davis & Cynthia Nixon)
- Megan Fox: “Jonah Hex”
- Kristen Stewart: “Twilight Saga: Eclipse”

Worst Supporting Actor
-Billy Ray Cyrus: “The Spy Next Door”
- George Lopez: “Marmaduke”, “The Spy Next Door”, “Valentine’s Day”
- Dev Patel: “The Last Airbender”
- Jackson Rathbone: “The Last Airbender”, “Twilight Saga: Eclipse”
- Rob Schneider: “Grown Ups”

Worst Supporting Actress
- Jessica Alba: “The Killer Inside Me”, “Little Fockers”, “Machete”, “Valentine’s Day”
- Cher: “Burlesque”
- Liza Minnelli: “Sex & The City #2″
- Nicola Peltz: “The Last Airbender”
- Barbra Streisand: “Little Fockers”

Worst Eye-Gouging Mis-Use of 3-D
- Cats & Dogs #2: Revenge of Kitty Galore
- Clash of The Titans
- The Last Airbender
- Nutcracker 3-D
- Saw 3-D (aka Saw VII)

Worst Screen Couple / Worst Screen Ensemble
- Jennifer Aniston & Gerard Butler: “The Bounty Hunter”
- Josh Brolin’s Face & Megan Fox’s Accent: “Jonah Hex”
- The Entire Cast of “The Last Airbender”
- The Entire Cast of “Sex & The City #2″
- The Entire Cast of “Twilight Saga: Eclipse”

Worst Director
- Jason Friedberg & Aaron Seltzer: “Vampires Suck”
- Michael Patrick King: “Sex & The City #2″
- M. Night Shyamalan: “The Last Airbender”
- David Slade: “Twilight Saga: Eclipse”
- Sylvester Stallone: “The Expendables”

Worst Screenplay
- The Last Airbender
- Little Fockers
- Sex & The City #2
- Twilight Saga: Eclipse
- Vampires Suck

Worst Prequel, Remake, Rip-Off or Sequel
- Clash of The Titans
- The Last Airbender
- Sex & The City #2
- Twilight Saga: Eclipse
- Vampires Suck

Verliehen werden die Razzies am 26. Februar 2011 in Hollywoods Barnsdall Gallery Theatre, am Tag vor der “Oscars”-Show.

Link
- The Razzie Awards

Schubert Theater: Becoming Peter Pan - An Epilogue to Michael Jackson (2010/2011)

Angesagte Skandälchen finden so selten statt. Vor einigen Wochen verursachte die schiere Ankündigung der Premiere eines Theaterstücks über Michael Jackson unter einigen radikalen Fans des King of Pop Aufruhr. Es kam nicht nur zu gezieltem Mailbombing, nein, man drohte auch, die Aufführungen zu “unterbrechen” und zu “stoppen”, und als kleines Sahnehäubchen gab es eine Morddrohung gegen den Kodirektor jenes Theaters, in dem “Becoming Peter Pan” am 16. Dezember 2010 - ohne Störaktionen - seine Uraufführung erlebte.

In den oft von besonders fanatischen Fans bevölkerten Foren, egal zu welchem Thema sie angelegt werden, ob Uwe Kröger, Mitzi Imechtsogern oder eben Michael Jackson, herrscht nicht selten ein roher, unkultivierter Umgangston, der an jenes Verhalten erinnert, das in autoritären Regimen gelebt wird, oder aber man kommt sich vor wie in einer Krabbelstube, in der «Miss Jackson” und «Babyjackson” mit «WillYoubethere2090”, und wie die sinnigen Namen sonst noch lauten, miteinander brabbeln. Kein Wunder also, wenn erst vor einiger Zeit in einem dieser Michael-Jackson-Foren die “Verbrennung” jener Puppe gefordert wurde, die sozusagen der Hauptdarsteller der Show “Becoming Peter Pan” ist. Wohlgemerkt sind das Reaktionen von Menschen, die “Becoming Peter Pan” nie gesehen haben und wohl auch nicht sehen werden. Aber das war ja bei den Bücherverbrennungen auch nicht viel anders. Es gibt, unter keinen Umständen, eine Entschuldigung für ein solches Verhalten, das in einer Morddrohung gipfelte, es wäre also auch nicht notwendig, dass sich die Leiter dieses Theaters diesem Pöbel stellen, und doch haben sie es versucht, in eben jenen Foren, wenngleich auch mit nicht überwältigendem Erfolg. Es ist vergebliche Mühe - und kein Mensch sollte sich mit einer derart gestörten, kulturfeindlichen Grundgesinnung auseinandersetzen müssen. Doch kennen wir eben jene Einstellung aus vielen Diskussionen, die um die Stellung des Theaters in Österreich geführt wurden - und andererseits lieferte die Auseinandersetzung mit den Fans den Theatermachern sicher jede Menge Stoff bei der Feingestaltung des Figurentheaters “Becoming Peter Pan”.

Haben denn diese total verzweifelten Fans, die, so meinten einige von ihnen, in Heulkrämpfe ausgebrochen sind, als sie Fotos der Puppe gesehen haben, nun wirklich Grund, um den Ruf Michael Jacksons zu fürchten? Was macht Puppenmeister Nikolaus Habjan mit unser aller Michael Jackson? Wird, von Wien Alsergrund aus, nun der König des Pop vom Sockel gestürzt?

Mit Sicherheit nicht. Gehen wir davon aus, dass es in “Becoming Peter Pan” tatsächlich um “den” Michael Jackson geht, dann sprechen wir, und wir Erwachsenen unter uns wissen das doch, von einer Kunstfigur, einem für und von den Medien geformten “King of Pop”. Michael Jackson hat schon zu Lebzeiten mehr als genug selbst inszeniert und der Presse unterjubeln lassen, das seinen Ruf weit mehr geschädigt hat, als es eine Theaterproduktion im Wiener Schubert Theater machen könnte. Aber man muss die Fans verstehen, sie sind im “Internet” in ihrer eigenen Welt und haben teilweise gar keine Ahnung, was sie gerade beurteilen, oft scheint es, als ob sie tatsächlich gar nicht wüssten, was sie tun. Unzählige Mails sind an meine Mailadresse geschickt worden, mit der Aufforderung, “dieses Stück” nicht zu machen, der Text freilich war ein vorgefertigter, der nur in die Mail hineinkopiert worden war. Wie die Lemminge verbreiteten die “Fans” ihre Botschaft, ohne auch nur zu prüfen, wem sie ihren Wunsch mailten. Sie wollten nur ihre Meinung rausbrüllen, irgendjemanden anbrüllen, egal wen. Sie berufen sich in ihren Forenbeiträgen auf Michael Jacksons “Bücher”, auf seine “Interviews”, sie verhalten sich wie Prediger, die den Willen des Kings vollziehen wollen. Keiner von ihnen aber kennt den Menschen Michael Jackson, den sie so anbiedernd “verteidigen” wollen - vor was auch immer. Spätestens seit den Amokläufen in diversen Schulen auf dieser Welt sollte man jedoch dieses wenn auch nur im Netz verbalisierte Aggressionspotential aber ernstnehmen und diese Foren im Zweifelsfall auch polizeilich checken lassen, man weiß nie, was aus Aufforderungen, eine «Aufführung zu stoppen”, eine Puppe «zu verbrennen” dann in der Realität werden könnte.

Das Gute ist, dass all diese Menschen in ihren Foren einen recht begrenzten Aufmerksamkeitswert erzielen. Am einfachsten wäre es also, ihnen keine Öffentlichkeit zu bieten, andererseits hat die Diskussion, so ich sie persönlich mitverfolgt habe, überblicksartig, durchaus eine Art von Unterhaltungswert und könnte, wenn man sich das Programm beispielsweise der Wiener Kammerspiele ansieht, in dramatisierter Form in einer Bearbeitung von Daniel Glattauer einmal “Alle sieben Wellen” ablösen. Schön wäre es, würden sich all diese Fans mal nach Wien aufmachen, um sich die Show, die sie so eifrig dämonisieren, auch anzusehen. Sie ist mehr als sehenswert.

“Becoming Peter Pan” ist ein sehr poetisch gebautes und äußerst exakt ausgeführtes Puppenspiel, das mit Licht, Schatten, Bühnennebel, Sound, einigen Requisiten und zwei Puppen auf kleinster Bühne erstaunliche Theatermomente schafft. Es geht nicht nur darum, was Nikolaus Habjan mit seinen Puppen erzählt, ein ebenso wichtiger Faktor, wenn nicht der wichtigere, ist, wie er es macht, wie er mit den Puppen umgeht, als wären es zerbrechliche, lebendige Wesen, es wohnt dem Ganzen ein fast zeremonieller, ritueller Moment inne, der dieses Schau-Spiel in jeder Sekunde zu einem spannenden macht, in keiner Sekunde vohersehbar. Es ist erstaunlich, wie diese Puppen innert kurzer Zeit zu “leben” beginnen, wie man sich daran gewöhnt, dass die Stimmen zwar alle von Habjan gesprochen werden, aber doch die Puppen lebendig machen.

Es macht keinen Sinn, exakt inhaltsmäßig an dieses Stück heranzugehen. Macht man es doch, ist die Chance dahin, all die Lücken und Brüche, die in das Stück hineingeschrieben wurden, mit der eigenen Phantasie und der gerade in sich selbst vorhandenen Stimmung auszufüllen. Die ganze Show ist ein Spiel mit Stimmungen, mit wunderschönen und verspielten Projektionen, mit den laut eingespielten Songs von Michael Jackson.

Die Handlung des Stücks dreht sich um einen Mann in einer psychiatrischen Anstalt, der sich für Peter Pan hält, mit der Wohnadresse “second to the right and then straight on till morning”. Er hat keine Ahnung, wie alt er ist, hält sich aber für “quite young”, möchte für immer ein kleiner Junge sein und kommuniziert eifrig mit seiner Fee Tinkerbell. Er hält sich aber auch für Michael Jackson und meint, gerade vor einem großen Auftritt zu stehen - “the biggest show on the planet, the biggest show in the universe”.

Ausgehend von dieser recht konkreten Spielsituation wird das Figurentheater recht abstrakt und nur mehr interpretierbar. Bilder aus der Vergangenheit ziehen vorbei, man sieht als Schatten auf einer Leinwand Tanzsequenzen, man sieht Michaels “magic tree”, Michael Jacksons sarkastisch-brutales Alter Ego setzt ihm hart zu: “You’re so pathetic! When was the last time you took a closer look in the mirror? hahaha - Man in the mirror? Look what you’ve become - a coward, a freak, a looser!” Er möchte das gealterte Ich davon überzeugen, noch einmal von vorn zu beginnen, im Nimmerland, auf die harte Tour. Ein “Arzt” (?) “kümmert sich” um den Patienten, stellt Fragen, die Antworten drehen sich letztlich um die großen Themen im Leben Michael Jacksons: Einsamkeit, die ewige Auseinandersetzung mit der eigenen “verlorenen” Jugend, mit dem Alter, es geht um Ängste, Unsicherheiten, um die Beziehung zum Vater, all das verbrämt und eingebettet in einer Art Peter-Pan-Fiebertraum.

Der alte Mann im Rollstuhl freilich hat mit seinem Leben abgeschlossen: “They want to see their King, but the King is dead. He has been dead for a long time. But they still want to see their King of Pop. Please tell the waiting audience that I am not able to perform tonight. They are to leave immediately. Whenever I walk on stage people expect too much of me. They want to see my singing, they want my dance, the turns and the moves - they want the whole package. But I don’t know for how long I will be able to do this […] they gonna laugh at me, they gonna stare at me, as if I were a freak.”

Eine heikle Geschichte, Michael Jackson als alten Mann zu zeigen. Und doch so richtig, bedenkt man die euphorischen Reaktionen der Fans auf die Ankündigung der “This is it”-Tour, die ein 50-jähriger Jackson bestreiten hätte müssen. Ein Michael Jackson, dem man - sehr wohl - das Alter angemerkt hat. Oder, wie es das Alter Ego im Stück formuliert: “I don’t get, how I could get so old. That wasn’t part of the bargain. That wasn’t part of the plan. That doesn’t fit into the concept. He never invented himself as an old man, he never told stories about him being old. How could he? We have to change this. Yeah! We can! This is it! THIS IS IT! Not that! But what would you say if we could make you young again?”

Gegen Ende thematisiert “Becoming Peter Pan” unter anderem den “Heal the World”-Mythos, dieses so unendlich sich selbst überschätzende Weltverbesserer-Image, das Michael Jackson gerne symbolisierte, auf der anderen Seite werden die ungeklärten Umstände des Todes von Michael Jackson auf eine verschwörungstheoretische Basis gestellt. Nochmal die Frage: Wird der Ruf Michael Jacksons beschädigt? Nein, aber «Becoming Peter Pan” ist sehr wohl eine kritische und sarkastische Auseinandersetzung mit dem Phänomen und dem Wirken Michael Jacksons, auch seiner Beziehung zu seinen Fans, insofern ist, und hier schließt sich der Kreis, die Diskussion mit den heutigen Anhängern des King of Pop fast unabdingbarer Bestandteil der Entstehungsgeschichte des «Dramas” «Becoming Peter Pan”.

Einen Freak, das meinen viele der geschockten Fans in der Puppe, die Michael Jackson, oder eben Peter Pan, darstellt, zu sehen. Sie finden die Bilder der Show abstoßend. Da darf man die Wirkung eines Figurentheaters nicht unterschätzen. Was auf Fotos abstoßend wirkt, gewinnt “live” eine völlig andere Dimension. Gerade für Michael Jackson Fans, das als Fazit, ist diese Show ein Muss, der Text ist großartig, teils poetisch, ein Meer an Subtext, voller Anspielungen, und gespickt mit Zitaten aus Songs von Michael Jackson, direkt im Leben von Michael Jackson verankert, aber das mag auch einfach meine eigene Interpretation sein, denn wie Jacksons Alter Ego sich selbst fragt: «Is there an ultimative truth about you, Michael Joseph Jackson?”

Leading Team
Puppenspiel und Puppenbau: Nikolaus Habjan
Buch und Regie: Simon Meusburger
Visualisierungen: Johannes Hucek
Schattentänzer: Ronnie Verà³ Wagner
Regieassistenz und Inspizienz: Helene Ewert
Kostüme: Modeschule Graz: Billie Lea Lang, Martina Reichenpfader, Melanie Sonner, Angelika Waltl
Lichtdesign: Simon Meusburger
Zwei Schattenmänner: Christoph Hackenberg, Benedikt Grawe
Drei Schattenkinder: Franziska Singer, Matteo Ortner, Lucca Nocchieri
Additional Music: Otto M. Zykan
Übersetzung: Jasmin Sarah Zamani

Verwendete Songs von Michael Jackson
- History
- Stranger in Moscow
- Will You Be There
- Leave me alone
- Thriller
- Cry
- Smile

(in englischer Sprache)

Link
- Schubert Theater

“Smash” - NBC produziert TV-Musicalserie nach einer Idee von Steven Spielberg

Die ganze Welt ist “vergleet”, die ganze Fernsehwelt auf jeden Fall. An der Musical-TV-Serie “Glee” kommt man derzeit nicht vorbei, wenn man sich mit dem Thema Musical beschäftigt. Bei einem derart phänomenalen Publikumserfolg, wie ihn “Glee” aufweisen kann, muss selbstverständlich auch die Konkurrenz reagieren. Was “Glee” also für Fox TV derzeit darstellt, soll “Smash” für NBC werden. Steven Spielberg, der die Idee für die Show hatte, bekam dieser Tage für die Pilotfolge grünes Licht.

“Smash” ist von der Idee her eine TV-Serie mit jeweils 60 Minuten langen Einzelfolgen, die von einem “Making of” eines Broadway Musicals handelt. TV-Produzentin Theresa Rebeck schreibt die Show, gemeinsam mit Steven Spielberg, Darryl Frank und Justin Falvey für DreamWorks TV fungiert sie auch als Executive Producer.

Die Songs zur Show schreiben Craig Zadan und Neil Meron (”Chicago”, “Hairspray”) sowie Marc Shaiman und Scott Wittman (”Hairspray”). Shaiman und Wittman werden eigens für die Show geschriebene Songs beisteuern.

Als Regisseur ist Michael Mayer (”Spring Awakening”, American Idiot”) im Gespräch.

Auditioning for Bob Fosse

Vienna’s English Theatre: Premiere von “Cat on a Hot Tin Roof” mit Dennis Kozeluh

In Vienna’s English Theatre feiert das von Tennessee Williams geschriebene und mit einem Pulitzerpreis ausgezeichnete Theaterstück “Die Katze auf dem heißen Blechdach” (Originaltitel: “Cat on a Hot Tin Roof”) am 31. Januar 2011 Premiere (in englischer Sprache). Sogar einen besonderen Anlass gibt es für diese Produktion. Der Schriftsteller hätte 2011 (am 26. März) seinen 100. Geburtstag gefeiert. Williams starb am 25. Februar 1983 im Alter von 72 Jahren.

Inhalt
Eine mächtige Südstaatenfamilie feiert den 65. Geburtstag des Patriarchen »Big Daddy«. Trotz der Feierlichkeiten ist die Stimmung gedrückt, denn Big Daddy hat Krebs im Endstadium - und keiner findet den Mut, es ihm zu sagen, vor allem da nun der Kampf ums Erbe begonnen hat. Jeder in der Familie versucht seine Position zu behaupten. Der älteste Sohn Gooper kämpft um die Anerkennung seines Vaters, seine Frau Mae um das Erbe, »Big Mama« um die Harmonie in der Familie und Schwiegertochter Maggie ringt verzweifelt um die Liebe ihres Mannes Brick. Nur Brick kämpft nicht mehr. Seit dem Selbstmord seines Freundes Skipper hat er sich in Alkohol, Welt- und Selbstekel geflüchtet. Maggie versucht Bricks Interessen zu vertreten, doch schlägt der »Kinderlosen« nur Verachtung entgegen. Bald brechen sich vielfältige Konflikte die Bahn und zerstören die mühsam errichtete Fassade der scheinbar perfekten Familie, der als einziger Ausweg vor der der Selbstzerfleischung nur die Enthüllung der ungeschminkten Wahrheit bleibt.

Mit dabei als Reverend Tooker: VBW-Urgestein Dennis Kozeluh in der Rolle von Reverend Tooker.

Cast
Margaret: Rachel Spencer Hewitt
Brick: Ross Hellwig
Mae: Kate Gleason
Big Mama: Peggy Cosgrave
Dixie: Toni Arroyave, Sandra Baverman, Leonie Gadner
Gooper: Jay Russell
Reverend Tooker: Dennis Kozeluh
Big Daddy: John Tillotson
Doctor Baugh: Jeff Sturgeon

Creative Team
Directed by: Jonathan Fox
Set designed by: Neil Prince
Costumes designed by: Lothar Hüttling
Children’s Acting Coach: Adrienne Ferguson
Casting by: Stephanie Klapper
New York Casting Assistants: Lauren O’Connell, Tyler Albright

31. Januar–12. März 2011
Vorstellung täglich um 19:30 Uhr, außer Sonntag
Keine Vorstellung am 2. Feb

1. Akt: 50 Minuten
Pause: 20 Minuten
2. Akt: 90 Minuten
Vorstellungsende: ca. 22:10 Uhr

Weitere Infos –> hier

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