Archiv - 2006
Martin Bruny am Mittwoch, den
19. April 2006 um 14:00 · gespeichert in Musical, Wien
Am 19. April 2006 ist “Rebecca”, das neue Musical von Sylvester Levay & Michael Kunze, endgültig in Wien gelandet. Um 11 Uhr präsentierten Generaldirektor Franz Häussler, Intendantin Kathrin Zechner und Regisseurin Francesca Zambello auf der Bühne des Raimund Theaters die ersten Bühnenbild- und Kostümentwürfe sowie die Cast der Show.


Bei den Auditions in Wien, Hamburg und Köln, für die über 1000 Künstler angemeldet waren, wurden 470 Termine für ein Vorsingen vergeben. Nach den Callbacks stehen nun die 9 Solisten, 18 Ensemblemitglieder (neun weibliche, neun männliche) und sieben Swings (drei weibliche, vier männliche) fest. Probenstart ist am 18. Juli 2006, die Uraufführung am 28. September 2006 im Raimund Theater. Uwe Kröger wurde für die männliche Hauptrolle “Maxim de Winter” gewonnen, Wietske van Tongeren wird an seiner Seite die Hauptfigur “Ich” verkörpern. Die mysteriöse und bedrohliche “Mrs. Danvers” ist mit Susan Rigvava-Dumas besetzt.






In weiteren Rollen: Carin Filipcic (Mrs. Van Hopper), Carsten Lepper (Jack Favell), Kerstin Ibald (Beatrice), Andrà© Bauer (Frank Crawley), Noberto Bertassi (Ben), Thomas Bayer (Oberst Julyan).



Das Leading Team: Francesca Zambello (Regie), Denni Sayers (Choreographie), Caspar Richter (Musikalische Leitung), Peter J. Davison (Bühnenbild), Birgit Hutter (Kostüme), Andrew Voller (Licht), Hendrik Maassen (Sounddesign).
Regisseurin Francesca Zambello vermittelte einen ersten Eindruck von Bühnenbild- (Peter Davison) und Kostümentwürfen (Birgit Hutter).

Die Show läuft in einer Vielzahl von Sets ab: in einem eleganten Hotel im noblen Monte Carlo von 1927, an der Küste von Cornwall, im Herrenhaus von Manderley, auf einem Golfplatz, im Zimmer von Rebecca - alle Sets bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen real und abstrakt. Rebecca, selbst nie auf der Bühne zu sehen, ist im Musical nur als Reflexion greifbar, beispielsweise als musikalisches Thema. Was das Bühnenbild betrifft, so lebt Rebecca in den Schatten des Herrenhauses von Manderley, sie ist Manderley und wird auf der Bühne symbolisiert durch Mrs. Danvers. Die ersten Entwürfe des Setdesign von Rebeccas Zimmer werden von riesigen Vorhängen dominiert, wie geschaffen dafür, Schatten zu werfen, jene Schatten, in denen Rebecca zu erahnen ist.

Manderley, gleichzeitig aber das gesamte Setdesign, wird so zu einem faszinierenden Gebilde, einem “psychological Landscape”, das auf der einen Seite Schauplatz der realen Lovestory von Maxim de Winter und “Ich” ist, auf der anderen Seite ins Surreale abdriftet, in eine zweite Wahrnehmungswelt, einer abstrakten, die mit jener realen verschmilzt, ein surrealer Tanz zwischen den Welten.


Martin Bruny am Samstag, den
15. April 2006 um 14:06 · gespeichert in Musical, Wien

Das Rezept für eine Musical-Erfolgsproduktion ist ganz einfach: Man nehme “Jesus Christ Superstar” … aus, das wars schon. Mehr ist nicht nötig. Wann immer, wo immer - für eine beschränkte Anzahl von Shows ist Andrew Lloyd Webbers Rockoper aus dem Jahre 1971 stets für einen “Ausverkauft”-Rekord gut. Das wissen die Vereinigten Bühnen Wien und auch andere Konzertveranstalter, und das ist auch gut, dass sie es wissen, denn somit kommen Musicalfans nun schon einige Jahre, wenn die Glocken wegfliegen, in den Genuss konzertanter Versionen von “Jesus Christ Superstar”. Die diesjährige Vorstellungsserie ist - ausverkauft.
Von der VBW-Produktion des Vorjahres mit Serkan Kaya (Judas), Drew Sarich (Jesus) und Claudia Stangl (Maria) ist rechtzeitig zur diesjährigen Premiere am 14. April 2006 ein Mitschnitt auf CD erschienen. Eine gute Idee, und auch eine CD-Veröffentlichung der konzertanten “Mozart!”-Version, die vor ein paar Wochen im Raimundtheater zu sehen war, wäre fällig.
“Jesus” 2006 ist, ohne die anderen Produktionen schmälern zu wollen, die mit Abstand überwältigendste Version der Produktionen der letzten Jahre dieser größten Geschichte aller Zeiten. Ja sicher, grundlegend hat sich nun nicht allzu viel an der Inszenierung (Regie: Dennis Kozeluh) und musikalischen Konzeption (Caspar Richter) geändert, und doch, gerade Änderungen in den Details der musikalischen Umsetzung (Musikalische Einstudierung & Leitung: Walter Lochmann) hatten es in sich. Schon bei der Ouvertüre legt der Mann am Schlagzeug (Gerald Kratzer) los, als wäre er Drummer bei der E-Street-Band: hart, treibend, mitreissend - bei weitem härter und treibender als im Vorjahr. Die Darsteller treten aus dem Zuschauerraum kommend auf, Applaus brandet auf, Jesus-Darsteller Rob Fowler kommt von der Seitenbühne - Jesus Christ Superstar, das Leitmotiv. DAS ist ein Intro, wirkungsvoll inszeniert und packend gespielt.

Die nächste Überraschung: Judas. Nicht viele kennen Petr Gazdik, um es mal nonchalant zu formulieren. Die Infos, die man im Internet findet, sind bescheiden. Er entert die Bühne des Raimundtheaters an diesem Abend mit der wilden Ausstrahlung eines Meat Loaf und einer ebenso fesselnden Stimmgewalt, gezügelt und fokussiert nur von seiner klassischen Ausbildung. Gewonnen hat er mit “Heaven on their minds” schon nach ein paar Sekunden. Er donnert den Song mit einer solchen Vehemenz in den Saal des Raimundtheaters, dass einem als Zuschauer die Luft wegbleibt. Seine Bühnenpräsenz ist erstaunlich. Ab da läuft die Show auf Schienen.

Rob Fowler (voriges Jahr als Simon/Annas) hat mit der Rolle des Jesus endlich einen Part in “Jesus Christ Superstar” gefunden, der seiner Stimme Raum gibt zu fliegen - er geht volles Risiko und scheint am Höhepunkt seiner stimmlichen Ausdruckskraft. Gazdik & Fowler fighten sich zwei Stunden lang, unterstützt von einem hervorragenden Ensemble, durch die Songs von Jesus Christ Superstar. Sie schenken sich nichts, beeindrucken mit fast stimmakrobatischer Phrasierung. Caroline Vasicek ist in ihrer Karriere an einem Punkt angelangt, an dem man ihr fast jede Rolle anvertrauen kann. Der Maria Magdalena verleiht sie eine wohltuende Zärtlichkeit, ohne ins zu süßlich Liebliche abzudriften. Reinwald Kranner überzeugt als Simon, Jacqueline Braun als Herodes ist immer wieder ein Vergnügen. Es ist der Abend der großen Stimmen. Walter Lochmann am Dirigentenpult treibt seine Leute zu einer Pump-up-the-Volume-Version des Jesus-Musicals. Andrà© Bauer als Pilatus, Dennis Kozeluh als Kaiphas, Kathleen Bauer und Tina Schöltzke als Soulgirls sowie der sympathische Roman Straka als Petrus begeistern mit ihrer ansteckenden Spielfreude. Ein Volltreffer.

Martin Bruny am Freitag, den
14. April 2006 um 14:07 · gespeichert in Netz, Musical
Ein Interview, das Rick Pender am 15. März 2006 mit Stephen Sondheim anlässlich des Playhouse in the Park-Revivals von “Company” in Cincinnati geführt hat, ist zum Gratisdownload auf der Website der Stephen Sondheim Society bereitgestellt worden.
Rick Pender ist Mitarbeiter von “Around Cincinnati” und der “Sondheim Review”, einem viermal pro Jahr erscheinenden Magazin, das ganz dem Werk und der Person Stephen Sondheim gewidmet ist.
Im Interview verrät der Komponist unter anderem Details zu einem neuen Musical, das er im nächsten Jahr am Broadway zur Aufführung bringen will.
Martin Bruny am Freitag, den
14. April 2006 um 10:04 · gespeichert in Musical
»Kurt Weill: Berlin – Paris – New York«, das war der Titel eines Abends mit Songs von Kurt Weill, der am 18. Dezember 2006 im Wiener Schubert-Theater über die Bühne ging.
Das Schubert-Theater werden vermutlich nicht einmal viele Wiener kennen. Es liegt an der Währinger Straße, Nummer 46, in einem Hinterhof im Alsergrund, ein Wiener Off-Theater, das erst im Frühjahr 2006 aus dem ehemaligen Schubert-Kino gestaltet wurde, nicht weit entfernt vom Geburtshaus Franz Schuberts in der Nußdorferstraße, einer Pilgerstätte für Fans des Komponisten.
72 Sitzplätze sind im Schubert-Theater vorhanden, die Bühne ist winzig, die Sitze sehr bequem, man kann sich wohlfühlen im Schubert-Theater.
Es war ein charmanter Abend. Drei ältere Herrschaften, an der Klarinette Adolf Guckler, am Bass Johannes Katzenbeißer und Peter Hellinger am Schlagzeug, gaben gemeinsam mit dem jungen Bela Fischer (Klavier, Musikalische Leitung) eine routiniert zusammen musizierende Jazzband. Manchmal ein bisschen uneins in der Interpretation ihrer Einsätze, aber stets so, dass die Variante, die gerade gespielt wurde, auch eine mögliche gewesen wäre – im Rahmen dieses Abends durchaus eine charmante Note.
Im Stil einer Nummernrevue gaben Frederike Faust (Gesang) und Gregor Hellinger (Moderation) insgesamt 17 Songs von Kurt Weill. Die geschickte Auswahl der Lieder skizzierte das Schaffen Kurt Weils chronologisch, den Zeitraum von 1928 bis 1949 abdeckend, beginnend mit der »Dreigroschenoper« (»Mackie Messer«, »Seeräuber Jenny«), »Maria Galante« (»Je ne t’aime pas«, »Le Grand Lusticru«), »Knickerbocker Holiday« (»September Song«), »Railroads on Parade« (»Mile after Mile«), »Lady in the Dark« (»The Saga of Jenny«, »My Ship«), »One Touch of Venus« (»My Week«, »How much I love you«), »Street Scene« (»We’ll go away together«, »Lonely House«), »Love Life« (»Mr. Right«, »Is it Him or is it Me?«), »Lost in the Stars« (»Lost in the Stars«) sowie zum Abschluss noch einmal die »Dreigroschenoper« (»Barbara Song«) und »Happy End« (»Surabaya Johnny«).
Songs von Kurt Weill kann man auf verschiedenste Weise interpretieren. Einen »Mackie Messer« hab ich schon dreckig, vulgär, schreiend, weinend, fluchend, zynisch und noch auf viele andere Arten gehört. Frederike Fausts Interpretation hat mich persönlich ein wenig Schärfe vermissen lassen, zu sehr war der Fokus auf »schönen« Gesang ausgerichtet, aber das ist letztlich enttäuschte Erwartungshaltung. Je mehr sich das Programm in Richtung Musical« bewegte und Songs aus Werken gesungen wurden, die man heutzutage kaum zu hören und sehen bekommt wie »Street Scene« (1947) oder »Love Life« (1948), umso glaubhafter und überzeugender wirkte die Performance der Mezzospranistin auf mich. Gregor Hellinger als barkeepender Moderator beziehungsweise moderierender Barkeeper an manchen Stellen akustisch auch in den ersten Reihen nicht mehr wirklich zu verstehen, war im Konzept der Show sehr schlüssig in den Ablauf eingebaut, kam sehr sympathisch über die Rampe und so wurde aus der Nummernrevue eine Art Biographical, im Rahmen dessen man auch skizzenhaft Einzelheiten über das Schaffen Kurt Weills erfuhr.
Die Bühne war clever gestaltet, die Lichtregie dezent. Eine kleine Leinwand, auf die Stimmungsbilder und Filmchen projiziert wurden, eine angedeutete Theke, ein Barhocker und eine Couch, das war die Szenerie, in der Frederike Faust und Gregor Hellinger auf engstem Raum agierten: wenig zur Verfügung stehender Raum – optimal ausgenützt. Für die Regie verantwortlich war Simon Meusburger, der mit »Kurt Weill: Berlin – Paris – New York« eine ansprechende Show mit ganz eigenem Flair inszeniert hat. In den besten Momenten wusste Frederike Faust die Zuschauer zu fesseln und eine Nachtclub-artige Stimmung in den Saal zu zaubern. Begeisterter Applaus, gut gelaunt machten sich die Besucher auf den Weg durchs weihnachtliche Wien nach Hause.
Martin Bruny am Donnerstag, den
13. April 2006 um 14:10 · gespeichert in Musical, Wien, Theater
Theater haben es nicht leicht in der Ära Schüssel und ihrem ausführenden Organ, Kunststaatssekretär Franz Morak. Früher mal, früher mal, da war Franz Morak Schauspieler, Rebell, ein Rockstar, den man vor allem als “Ich möchte Rockstar sein (bins aber nich)” wahrgenommen hat, heute ist er ausführendes Organ einer politischen Partei.
Anno dazumal sang Franz Morak in “Sieger sehen anders aus“:
“Es ist ihr Spiel, sie sind am Drücker, und du wirst es nicht überstehn. Sie lassen dir nicht eine Chance,und bedienen dich extrem. Sie setzen hoch, sie schlagen tief. Und keiner kommt da raus. Nur ich hab sie gesehn, und ich weiß genau: Sieger sehen anders aus!”
In diesen Tagen hat das ausführende Organ eine für die Wiener Off-Theater-Szene folgenschwere Entscheidung getroffen: Fördersummen des Bundes wurden zum Teil völlig gestrichen. Das Odeon beispielsweise wurde bisher mit jährlich 160.000 Euro unterstützt. Nun wurde beschlossen, diese Fördersumme zu kürzen, auf exakt 0 Euro (Kosmos Theater: minus 184.000 Euro/ dietheater: minus 93.000 Euro / Ensembletheater: minus 135.000 Euro / Schauspielhaus: minus 36.000 Euro). Man mag ja zu staatlich geförderter Kunst stehen, wie man will, aber es hat etwas Kafkaeskes, wenn aufgrund eines “Kontrollamtsberichts” ein hochambitioniertes Theaterprojekt “gekillt” wird. Die Off-Theater-Szene ist kein Kunstbereich, in dem es viel zu verdienen gibt. Wer da wirkt, will etwas bewirken, auch wenn er keine nennenswerten Gagen einstreifen kann. Man sollte doch ein wenig mehr Achtung vor der Kunst haben und nicht wie ein Schlachter mit einer Sau umgehen und beschließen: So, heut bist dran. Sag doch einer mal dem Direktor der Wiener Staatsoper, dass er ab nächstem Jahr 100.000 Euro weniger zur Verfügung hat, er würde glatt seinen Spielplan für das Jahr 2020 umwerfen müssen.
Der Bund, so Morak vor einiger Zeit, wolle Wiener Kulturinstitutionen weniger fördern. Weniger Geld von der ÖVP-Regierung an die von der SPÖ regierte Stadt, so der Hintergrund. Auf der Strecke bleibt: die Kunst.
Dass nicht genug Geld da ist, daran kanns nicht liegen. Medienwirksam wurde in den vergangenen Tagen die bröckelnde Fassade der Volksoper präsentiert. Kostenpunkt der Renovierung: über eine Million Euro. Noch medienwirksamer wurde die Misere des Volkstheaters ans Tageslicht befördert. Hier hat Direktor Schottenberg einen Mehrbedarf von 3 Millionen erkennen lassen. Bei manchen Stücken beträgt die Auslastung im Wiener Volkstheater um die 50 Prozent und weniger - und dennoch schreit niemand wirklich auf. Schottenberg ist anerkannt, hat einen Namen. Wie ungleich leichter ist es da, einem Odeon einfach alle Fördergelder zu streichen. Selbst wenn da wer schreit, wen juckts? Renovieren wir die Volksoper, kaufen wir dem Volkstheater einen neuen Stern, verpassen wir dem Theater an der Wien noch eine neue Eingangstür, wer braucht schon das Wiener Off-Theater.
Martin Bruny am Donnerstag, den
13. April 2006 um 14:09 · gespeichert in Musical, Skurriles
Fans des Musicals “Das Phantom der Oper” sind manchmal etwas sehr eigen. Jahrelang zelebrierten amerikanische “Phans” Schmutzkübelkampagnen gegen einen der berühmtesten Darsteller des Phantoms, Michael Crawford, als Meldungen auftauchten, er könnte auch in der Verfilmung des gleichnamigen Andrew Lloyd Webber-Musicals die Hauptrolle übernehmen. Letztlich hat Crawford die Rolle nicht gespielt, und man könnte sagen, zum Glück, denn der Film ist nicht gerade das geworden, was man ein Filmmusical-Highlight bezeichnen könnte.
In Essen wird derzeit die gängige Bühneninszenierung des Webber-Musicals gegeben. Ab Mai wird Uwe Kröger das Phantom spielen, und, offensichtlich angelehnt an die amerikanischen Schmutzkübelkampagnen, haben nun ein paar deutsche Fans eine Website ins Netz gestellt, auf der sie ihren Unmut über die Besetzung Uwe Krögers als Phantom zum Ausdruck bringen. Sie tun dies recht putzig, ungefähr so, wie Herbert Prohaska im österreichischen Fernsehen Fußballmatches kommentiert. Ich empfehle die Lektüre des Buches “Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod” sowie einen Crashkurs in Marterpfahltechnik - irgendwo weit weg, dort wo der Bartl den Most herholt. Get a life!
Martin Bruny am Donnerstag, den
30. März 2006 um 14:10 · gespeichert in Netz, Skurriles

Martin Bruny am Dienstag, den
28. März 2006 um 14:12 · gespeichert in Netz, Musical, Skurriles
Stage Beauty
Dem “Golden Age of Theatre in England”, also der Epoche von 1870 bis 1920, ist die Website Stage Beauty gewidmet. Mit viel Liebe wurde hier ein interessanter Fundus an Biographien online gestellt, den man nur weiterempfehlen kann.
Jason Robert Brown
Jason Robert Brown (”Songs for a New World”, “Parade”, “The Last 5 Years”, …) ist einer jener Musicalkomponisten der Post-Sondheim-Ära, die für das Genre die so wichtigen neuen Impulse bringen, Songs schreiben, die für die Ewigkeit komponiert scheinen, trendlos - Perlen, die man heute genauso schätzt, wie man sie in 20 oder 100 Jahren lieben wird. Lange Zeit war Brown im Internet nur mit einer Fansite vertreten, nun ist seine offizielle Page online gegangen. Sie ist noch im Aufbau begriffen, aber immerhin … und als Begrüßungsgeschenk gibt es im “Weblog”-Bereich der Site die Songs “That’s How Texas Was Born” (unveröffentlichtes Lied aus dem Musical “Urban Cowboy”) und “In this room” (ein Song, den Brown für seine Hochzeit geschrieben hat) zum Gratis-Download.
Brown ist bekannt dafür, dass er sich gerne mit Musicalinteressierten austauscht. In seinem Weblog beantwortet er Fragen sehr ausführlich. Kurz und gut: Browns Site ist schon jetzt ein Musterbeispiel dafür, wie man das Web als Künstler sinnvoll nützt.
Urban Dictionary
Sprache lebt - und verändert sich ständig. Jeder von uns gestaltet mit, der eine mehr, der andere weniger. Das Urban Dictionary bietet für den englischsprachigen/amerikanischen Sprachraum ein Slang-Wörterbuch, das aktuellste Trends auffängt und katalogisiert.
Aktuelles Beispiel: Der Film “Brokeback Mountain” hat gleich mit 5 Redewendungen in das Wörterbuch Eingang gefunden.
Der Wicked-Blog
“Wicked” ist drauf und dran, eines der populärsten Musicals aller Zeiten zu werden. Wie groß diese Show tatsächlich wird, kann man meiner Meinung derzeit noch gar nicht abschätzen, aber die Chancen stehen gut, dass sie sich viele viele Jahre großer Beliebtheit erfreuen wird. Für all die verrückten Fansites rund um Wicked sei mal eine herausgegriffen, die recht witzig ist.
Frank Wildhorn - Global Vision
Am 18. April 2006 werden gleich zwei neue Cast-CDs von Musicals aus der Feder Frank Wildhorns erscheinen: “Jekyll & Hyde: RESSURECTION” (mit Rob Evan als Jekyll/Hyde, Kate Shindle als Lucy und Brandi Burkhardt als Emma) und “Dracula: Concept Recording”. Die Aufnahmen werden vom Label Global Vision veröffentlicht.
Martin Bruny am Freitag, den
24. März 2006 um 14:13 · gespeichert in Musical, Wien

Damen und Herren, Hedwig ist in der Stadt. Lassen Sie sich nicht beirren durch krause Untertitel wie “Neo-Glam-Post-Punk-Rock-Musical”, das ist wie bei Starbucks, da können Sie auch einen “Super-Vanille-Latte-Spice-UndwasderDeibelno-Macchiatiodingsbums” bestellen, oder eben nen Espresso. “Hedwig and the Angry Inch”, das ist im Wesentlichen eine One-(Wo)Man-Show, eine Rockshow. Inhaltsmäßig informieren Sie sich bitte hier oder hier.

Stoßen Sie sich nicht daran, dass Platon zitiert wird oder andere große Namen, es ist schön, wenn Sie die kennen und was damit anzufangen wissen, genausogut können Sie sich auch ins Metropol fallen lassen mit dem Vorsatz, sich mal die Lebensgeschichte von Hansel erzählen zu lassen, einem vor dem Mauerfall in Ost-Berlin geborenen Jungen, der von nem Ami in den Westen mitgenommen wird, wenn, ja wenn er sich zur Frau umoperieren lässt. Wie es im Leben so ist, geht die OP schief, und Hansel, ab jetzt Hedwig, muss fortan mit nem hässlichen kleinen Überbleibsel, einem “anry inch”, zwischen seinen Beinen weiterleben.

Aber lassen Sie sich die Geschichte von Hedwig selbst, pardon, Andreas Bieber, erzählen. Er macht das famos, und mit Verlaub, es ist mit Abstand die Rolle seines Lebens. An seiner Seite ein tolles Team: Anke Fiedler, Harry Peller (Gitarre), Markus Adamer (Schlagzeug), Matthias Petereit (Bass) und Geheimtipp Bernhard Wagner (Gitarre, Keyboard).

Hereinspaziert, kommen Sie ins Metropol, haben Sie eine schöne Zeit und empfehlen Sie die Show weiter, denn die hats verdient. Sie dürfen auch gerne öfter kommen. Aber beeilen Sie sich, denn allzu viele Vorstellungen gibt es nicht.

Martin Bruny am Samstag, den
18. März 2006 um 14:14 · gespeichert in Literatur, 2006

Bret Easton Ellis war in der Stadt. Im Theater Rabenhof gab der umstrittene Kultautor (”American Psycho”) am Donnerstag, den 16. März 2006, einen Leseabend, um seinen neuesten Roman “Lunar Park” in angenehmem Ambiente zu promoten.

Wieso hat Ellis diesen Abend eigentlich nicht alleine bestritten - aus seinem Roman zu lesen, ein paar Fragen zu beantworten, das hätte völlig gereicht. So aber steuerten die Veranstalter den Schauspieler Heinz Weixelbraun (”Kommissar Rex”) bei, der Passagen aus der deutschen Übersetzung von “Lunar Park” etwas sehr outrierend zum Besten gab. Sein Tonfall, der wohl eher bei einem, keine Ahnung, altmodischen Detektivroman angebracht gewesen wäre, war unangenehm, die Aussprache der wenigen verbliebenen Anglizismen war meistens daneben. Immer wieder sah sich Weixelbraun genötigt, Worte rauszubrüllen - passend war das nicht, vor allem, wenn man davor/danach Bret Easton Ellis beim Vortragen erleben durfte. Das war unaufgesetzte Coolness, ein Lachen über sich selbst, unterhaltend, ohne bemüht zu klingen.
Ach ja, einen Moderator gab es auch, Claus Philipp. Zu verkrampft, zu uninteressante Fragen, das meiste davon konnte man schon am Tag davor in diversen Interviews lesen, doch selbst auf langweilige Fragen reagierte Ellis sympathisch, witzig, clever wechselnd vom angenehmen Gesprächspartner zum unangreifbaren Kultautor, der seinem Interviewgegenüber dann doch manchmal sehr direkt zu spüren gab, wie langweilig er die eine oder andere Frage fand.

So verbindlich Ellis sich gab, so angreifbar er sich machte, man sollte nie vergessen, dass man es hier nicht mit irgendeinem Proll zu tun hat, der Heimatromane schreibt und jeden Schmarrn beantwortet. Naja, jeden Schmarrn beantworten - vielleicht doch. Bei der anschließenden Signierstunde konfrontierte ich den Autor mit der Frage, ob er in Erwägung ziehen würde, das Buch zu einem Musical zu schreiben. Ellis darauf: “Ja, würde ich in Erwägung ziehen.” Und wovon würde das Musical dann handeln? Die kurze Antwort ist als MP3 downloadbar - zu mehr kam es nicht, weil Brets Verlegerin herbeistürmte und das vermeintliche Interview beendete, weil, nein, nein, Herr Ellis gibt heute keine Interviews mehr. Ellis darauf zum vermeintlichen Interviewer: “Don’t worry.” Ein bisschen entspannter sollte man schon sein, wenn man Bücher von Bret Easton Ellis verlegt.

Am Beginn des Leseabends stand die Frage: “Wer ist Bret Easton Ellis?” Der Moderator meinte, einige Journalistenkollegen hätten ihm genau diese Frage vor der Show gestellt. Nun, während der Veranstaltung hat man viel über das Konstrukt Bret Easton Ellis erfahren, Biographisches, Banales (bezugnehmend auf das Namedropping-Faible des Autors wurde er nach den Herstellern jener Kleidungsstücke gefragt, die er grade am Leib trug, und mit Wonne gab er darauf Antwort) - viel hat man auch über die Art und Weise erfahren, wie Ellis sich selbst im Literaturbetrieb sieht, was er liest, was er gerne schreiben würde, war er fast geschrieben hätte - immer aber blieb da die Frage, ob man tatsächlich etwas über Bret Easton Ellis, den realen Autor erfahren hat, oder über ein Konstrukt, das von Ellis geschaffen wurde, die Hauptrolle in seinem neuen Buch spielt und wie sein Double durch die Welt läuft. Aber vielleicht ist auch diese Charade-artige realunwirkliche Existenz eines der Erfolgsrezepte des Autors.

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