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Archiv - Mai, 2007

Wien: Massive Ticketpreiserhöhungen bei “We Will Rock You” im Raimund Theater

Es gab mal eine Zeit, da war es für Musical-Hardcorefans noch leistbar, fast jeden Tag ins Theater zu gehen - wird es vielleicht bald mal heißen. Zumindest, was das Raimund Theater betrifft. So manch Musicalfan leistete sich hunderte Vorstellungen seiner Lieblingsshow. Einer der Gründe: Stehplätze gab es in den Theatern der Vereinigten Bühnen Wien um wohlfeile 2,5 Euro.
2008 zieht die Queen-Show “We Will Rock You” ins Raimund Theater ein - und ein anderer Wind. Es gibt bei den Tickets Preissteigerungen um bis zu 500 Prozent. So kostet ein Stehplatz nun nicht mehr 2,5, sondern 15 Euro.
Sollen wir es gleich das Barbra-Streisand-Syndrom nennen, das hier bei den Kalkulationen mitgespielt haben könnte? Barbra treibt es natürlich etwas weiter, sie nimmt gleich 125 Euro für Plätze, auf denen man maximal die Live-Übertragung ihrer Show auf Vidiwalls erkennen kann.
Mir persönlich ist es ja gleich, Stehplatz ist nicht mein Ding. Man sieht im 2. Rang schlecht, die Luft ist schlecht. 2,5 Euro, ja, da kann man notfalls damit leben. 15 Euro ist gleichzusetzen mit einem Sperren der Stehplätze, denn sie sind das Geld nicht mehr wert. Das gleiche gilt für Sitze mit eingeschränkter Sicht. Hier steigt der Preis um 100 Prozent von 10 Euro auf 20 Euro. 10 Euro sind Sitze mit eingeschränkter Sicht wert, immer mit dem Risiko verbunden, dass man, wenn man Pech hat, auch tatsächlich fast gar nichts sieht. 20 Euro sind diese Plätze nicht wert. Insgesamt ist die massive Preiserhöhungspolitik deutlich im Billigpreissegment angesiedelt und widerspricht allem, was in den vergangenen Jahrzehnten in Wien von der Politik im Kulturbereich verwirklicht wurde. Aber vielleicht hat es ja auch ein Gutes, und die jungen Leute gehen wieder verstärkt in die Burg, in die Volksoper oder ins Volkstheater - zu Preisen, die sich nicht an Verhältnissen orientieren, die es in Wien nicht gibt.

Die Preise im Überblick (in Euro, Mo-Do):
Kategorie Preis alt/neu
Gelb 72 / 78
Blau 67 / 72
Rot 59 / 60
Orange 45 / 46
Grün 23 / 30
Rosa 10 / 20
Stehplätze 2,50 / 15

Die Preise im Überblick (in Euro, Fr +Sa Abendvorstellungen):
Kategorie Preis alt/neu
Gelb 95 / 98
Blau 88 / 90
Rot 69 / 78
Orange 53 / 62
Grün 25 / 52
Rosa 10 / 20
Stehplätze 2,50 / 15

Mit “We Will Rock You” zieht auch ein anderer Spielplan ins Raimund Theater ein. Es gibt keinen Schließtag, und am Samstag und Sonntag sind durchgehend zwei Vorstellungen pro Tag angesetzt. Die Nachmittagsvorstellungen sind preislich etwas günstiger als die Abendvorstellungen am Wochenende (90/84/72/56/42/20/15).

Update, 21. Mai 2007: Mittlerweise wurden die meisten Montage aus dem Ticketsystem von Wien-Ticket eliminiert. Auch von den Doppelvorstellungen am Sonntag findet man ab Februar keine mehr. Da man weitere Änderungen wohl nicht ausschließen kann, ist es besser, den aktuellen Stand entweder telefonisch bei Wien-Ticket zu erfragen oder im Netz nachzusehen.
Update, 28. Mai 2007: Nun wurden auch die Ticketpreise etwas gesenkt. Stehplätze kosten nun 10 Euro, statt 15 Euro. Die ursprüngliche 10-Euro-Kategorie, die auf 20 Euro gehoben wurde, kostet nun 15 Euro.

Queen-Gitarrist Brian May zum Thema Castingshows

It’s actually an appalling lowering of standards, this whole TV-dominated culture. I promise you will never find us on some panel bullying and ridiculing young performers. [Story]

Holland: “Evita” verzweifelt gesucht - Pia Douwes sucht mit

Im Herbst geht in Holland eine Musical-Castingshow über die Bühne, die eines zum Ziel hat: eine neue “Evita”.
Man mag nun zu diesem Trend stehen, wie man will, er scheint sich jedenfalls wie ein Virus über die ganze Welt zu verbreiten: Hauptrollen in neuen Musicalproduktionen werden immer öfter per TV-Casting besetzt.
Nun gut, das holländische Castingformat, das eine Hauptdarstellerin für Andrew Lloyd Webbers “Evita” sucht, kann jedenfalls mit einer sehr attraktiven und stimmgewaltigen Diva aufwarten: Pia Douwes wird mitbestimmen, wer gut genug ist, eine ihrer Nachfolgerinnen zu werden. [Story]

Jason Robert Browns Sound-Blog: “Songs for a New World in utero”

Jason Robert Browns Website hat sich in den vergangenen Monaten zu einer lebendigen Austauschplattform zwischen dem Komponisten und all jenen entwickelt, die sich für seine Musik interessieren. Bei manchen Anfragen platzt ihm schon mal der Kragen, woraufhin er sich dann gleich ein paar Mal dafür entschuldigt und verspricht, ein besserer und geduldigerer Mensch zu werden. Meistens dreht es sich dabei um die Frage, ob die Reihenfolge der einzelnen Lieder bei seinem Musical “Songs for a New World” eine zufällige sei oder von ihm tatsächlich beabsichtigt.
Wie auch immer, von seinem Musical “Songs for a New World” hat er auf seiner Website in der Rubrik “Weblog” einige Demos online, die er 1992-1994 mit Billy Porter und Kristine Zbornik aufgenommen hat: “King of the World” und “”Surabaya-Santa”.

Gescheiterte Superstars - eine Runde Trauer

“Deutschland sucht den Superstar” ist zu Ende, gewonnen hat Mark Medlock. Fest eingespannt in Dieter Bohlens Hitfabrik kann er sich zumindest ein paar einschlägige Charthits erwarten, viel mehr wird es wohl nicht werden. Traditionellerweise wird im Rahmen der Berichterstattung über Castingshows auch immer wieder auf das Schicksal der Sieger der vorherigen Staffeln eingegangen. Da heißt es für Alexander Klaws fest gegen eventuell aufkommende Tränen anzukämpfen, ist er doch laut “Kölner Stadt-Anzeiger” “von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, in der Berliner Inszenierung des Musicals »Tanz der Vampire«.” Fazit der Kölner Zeitung: “Superstars sehen anders aus.”
Genau das ist das Problem mit Castingshows, mit dem Traum vom Popstar: Wer’s nicht schafft, glaubt dann halt “wenigstens bei einem Musical unterzukommen”. Genau das macht die gescheiterten Popstars dann meist auch zu nichts anderem als zu völlig unbrauchbaren Musicaldarstellern, die am Anfang ihrer vermeintlichen Musicalkarriere noch als Zuschauerlockvögel mit bunten Federn eingesetzt werden, aber bald schon in Vergessenheit geraten. Es ist ärgerlich, dass man das Musicalgenre mit diesem Vorgehen auf ein Niveau bringt, das es nicht verdient hat. Sicher gibt es Ausnahmen, gerade das amerikanische Format “American Idol” bringt immer wieder interessante Leute an die Öffentlichkeit, die zwar nicht die Fernsehshow für sich entscheiden, aber nach ihrem frühen Ausscheiden Rollen in Broadway-Produktionen oder Filmen ergattern können. Musterbeispiel dafür ist Jennifer Hudson (”Dreamgirls”). Freilich war sie dem Musicalgenre schon vor “American Idol” verbunden, und ganz ehrlich, eine Jennifer Hudson ist mit dem, was bei “DSDS” ausgesiebt wird, nicht annähernd vergleichbar.
Fakt ist, dass Castingshows dem Image des Musicalgenres als ernstzunehmender Kunstform Schaden zufügen können. “Du taugst nix für eine Karriere als Popstar, versuchs mal beim Musical” - eine gängige Formulierung im Rahmen von Castings. Es ist eine Art Abqualifizierung, die die wahren Verhältnisse wahnwitzigerweise umkehrt. Denn es sind die ausgebildeten Musicalsänger, die am Theater Entertainment der Spitzenklasse bieten und nicht geklonte Möchtergernstars, die in 90 Prozent der Fälle schon wenige Monate nach dem Start ihrer Karriere wieder dort gelandet sind, wo sie vorher waren.

Broadway: Anthony Rapp & Adam Pascal wieder bei “Rent”

Auf seiner “mySpace”-Site hat Adam Pascal es vor ein paar Tagen erwähnt. Zu früh übrigens, sodass er sein Posting hurtig wieder entfernen musste. Freilich doch zu spät, denn Playbill war es immerhin eine Schlagzeile wert: Adam Pascal und Anthony Rapp kehren zur Broadway-Produktion von “Rent” zurück - für sechs Wochen ab dem 30. Juli bis zum 9. September 2007.
Nun ist alles offiziell. Es gibt einen neuen Eintrag von Adam Pascal, der da lautet:

spilled the beans
hey everyone so i had to remove the blog about rent because i announced it too soon. sorry about that. but now that it is offical i can say that anthony and i are very excited to be returning this summer, and we hope you all come back and see us. also once again i am currently on cape cod filming a movie called american primitive. it is a drama set in the early 70’s about a gay couple(me and tate donavan) and their 2 teenage daughters, who dont know they are a couple. its been lots a fun and i had my first onscreen kiss with a boy….not so bad…not so good…. but not so bad. anyway please check out me and larry at bb kings on may 9th. also alot of you have been asking about goyband. i dont have any realease info. because of the nature of independent film you kind of dont know until you know…but ill keep you posted. much love - adam

Was lernen wir daraus? Was früher der Dorftrommler war, ist heute “mySpace”.

VBW bestätigen »We Will Rock You« im Raimund Theater mit Premierendatum 24. Januar 2008

Nun ist es auch zu 100 Prozent fix. Per Presseaussendung bestätigen die Vereinigten Bühnen Wien die Nachfolgeproduktion von “Rebecca” im Raimund Theater: “We Will Rock You”. Der Pressetext im Originalwortlaut:

Kathrin Zechner, Intendantin der VEREINIGTEN BÜHNEN WIEN, und Michael Brenner in Kooperation mit Queen Theatrical Productions, Phil McIntyre Entertainments und Tribeca Theatrical Productions bringen die Erfolgsproduktion vom Londoner Westend nach Wien.
Premiere ist am 24. Jänner 2008 im Raimund Theater.

»WE WILL ROCK YOU« - ENDLICH IN WIEN
In Kooperation präsentieren VBW und WWRY GMBH mit dem Originalteam der aufsehenerregenden Londoner Urfassung – QUEEN-Musiker Brian May und Roger Taylor, Regisseur und Erfolgsautor Ben Elton, Set-Designer Mark Fischer sowie bekennender Queen-Fan Robert De Niro - die Show. In Wien wird nach dem Muster der Londoner Produktion eine Version in deutscher Sprache (Songtexte größtenteils in Englisch) bis 13. Juli 2008 gezeigt.

»WE WILL ROCK YOU« – DIE ERFOLGSGESCHICHTE
Unzählige Number-One-Hits und unvergessliche Live-Shows - QUEEN zählt zweifelsohne zu den wenigen legendären Formationen, die Musikgeschichte geschrieben haben. Mit ihrem eigenen Musical »WE WILL ROCK YOU« krönt die Band diese unglaubliche Erfolgsgeschichte erneut auf beeindruckende Weise. »WE WILL ROCK YOU” ist eine Queen Theatrical Productions/Phil McIntyre-Produktion zusammen mit Robert De Niro’s Tribeca Theatrical Productions. Musik und Songtexte sind von Queen selbst, für Buch und Regie zeichnet Ben Elton verantwortlich, die musikalische Supervision liegt in den Händen von Brian May und Roger Taylor höchstpersönlich.
Seit der Uraufführung am 14. Mai 2002 im Londoner Dominion Theatre, einer der größten Bühnen am Westend, wurden für die Londoner Urfassung über 3 Millionen Tickets verkauft. Damit ist WE WILL ROCK YOU derzeit das am längsten gespielte Musical am Dominion Theatre.

VBW UND BB-PROMOTION – ZWEI STARKE PARTNER
Intendantin Kathrin Zechner will ihrem Publikum mit dieser Show wieder einen anderen Aspekt der Vielfalt des Musical-Genres zeigen und freut sich besonders, dass sich die internationalen Produzenten für ihr Raimund Theater entschieden haben: »Mit der VBW Welturaufführung REBECCA bieten wir unserem Publikum ein typisches DramaMusical mit symphonischer Musik und großartigen Balladen. Zu Beginn 2008 setzen wir hierzu – im Sinne meines künstlerischen Konzeptes der Vielfalt - mit »WE WILL ROCK YOU« einen bewussten Kontrapunkt. Als ich die Show im Dominion Theatre in London sah, wusste ich sofort: Diese einzigartige Show möchte ich für mein Publikum nach Wien bringen. Es freut mich daher umso mehr, dies nun in Kooperation mit den WWRY Produzenten, Michael Brenner und Dagmar Windisch verwirklichen zu können! Ich möchte mich deshalb auch ganz speziell bei ihnen beiden persönlich für die großartige Kooperationsbereitschaft bedanken!«

teatro-Uraufführung: “Das kleine Ich-bin-ich” - mit Aris Sas & Andrea Malek

Bea Knoth, Sigrid Spörk, Dea Frohn, Andrea Malek und Aris Sas; Foto: teatro
teatro (alias theater werk.st@dt) entstand 1999 als kleine Kulturinitiative in Mariensee. In den vergangenen neun Jahren entwickelten sich die Sommerproduktionen von teatro in Niederösterreich (Schloss Katzelsdorf) und Wien zu einem Festival, das jährlich mehr als 5000 Zuschauern anlockt.
Am 27. Juli 2007 bringt teatro auf Schloss Katzelsdorf die Uraufführung von “Das kleine Ich-bin-ich”, einem Musical basierend auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Mira Lobe. Mit an Bord: einige prominente Musicalgrößen. So hat Walter Lochmann von den Vereinigten Bühnen Wien die Musikalische Leitung übernommen. Auch die Riege der Darsteller ist prominent besetzt. Aris Sas und Andrea Malek sind die Stars der vorläufig geplanten zehn Vorstellungen.

Kreativ-Team
Regie und Musik: Norberto Bertassi (Vereinigte Bühnen Wien)
Musikalische Leitung: Walter Lochmann (Vereinigte Bühnen Wien)
Bühnenbild und Kostüme: Giovanni de Paulis
Maske: Irene Altmann
Ton: Roland Tscherne (Volkstheater Wien)

Cast
Andrea Frohn: Das kleine Ich-bin-ich
Andrea Malek: Pferd/Papagei/Mond
Sigrid Spörk: Fisch/Hund
Aris Sas: Frosch/Erzähler
Manfred Schwaiger: Flusspferd
Bea Knoth: Ziege
und 39 Kinder!

Tickets
Katzelsdorf Post Partner Büro (Tel.: 02622-78080) oder über OE-Ticket (Tel.:01-96 096) sowie in jeder Bank Austria Creditanstalt Tel.: 050505-15)

Aufführungstermine
Uraufführung: Samstag, 27. Juli 2007, 18:00 Uhr
Weitere Vorstellungen: 28., 29., Juli sowie 3., 4., 5., 10., 11. und 12. August jeweils um 18:00 Uhr

Las Vegas: Bette Midler löst Celine Dion ab

Fünf Jahre war Celine Dion im Colosseum des Caesars Palace von Las Vegas mit ihrer Live-Show “A New Day …” jeweils Mittwoch bis Samstag zu Gast, am 15. Dezember 2007 läuft ihr Vertrag aus. Bereits zwei Monate später, nämlich am 20. Februar 2008, startet ein wahrer Showgigant im 4.100 Sitze-Entertainment-Tempel neu durch: Bette Midler.
2 Jahre lang wird “The Divine Miss M” 20 Wochen pro Jahr 5 Shows die Woche spielen, Elton John wird wie bisher auch 2008 ca. 50 Konzerte im Colosseum bestreiten.
Bette Midler hat scheinbar von ihrem langjährigen musikalischen Partner Barry Manilow gelernt, denn sie begründet ihren Vertrag mit dem Caesars Palace fast mit denselben Worten wie er: “It just seemed like this was the next step. After wrapping a string of 2005 dates, I thought, ‘Wouldn’t it be great to set the show down somewhere?’”
Was kann man von Bette Midler in Vegas erwarten? Midler: “This is a chance to have lots of gorgeous girls in skimpy costumes. I love feathers and rhinestones and high heels. If it glitters, I’ve got to have it. I want this to be the funniest show on the Strip. The sticking point is that it’s a short show, so while there will be things people want you to do, you can’t do everything.” [Story]

Kabarett Simpl: Krawutzi Kaputzi - Strengstes Jugendverbot - Das Sozialdrama

Otto Jaus und Roman Straka; Foto: Martin Bruny

Zippeti Zappeti Zeppeti-Zupp,
einmal Schwipp und einmal Schwupp,
Piffzipaffzi Trallalla,
und der Kasperl, der ist da!
Seid ihr auch alle da?

[Arminio Rothstein: Kasperls Spruch — Download]

Im Kabarett Simpl derzeit zu sehen: “Krawutzi Kaputzi”, mit den Untertiteln: “Das Sozialdrama” und “Strengstes Jugendverbot”. Geht man vom Theater aus, in dem sich das Ganze abspielt, so könnte man eine der am Hause üblichen Kabarettproduktionen erwarten. Das Simpl (1912 als “Bierkabaret Simplicissimus” gegründet und damit das älteste noch immer bespielte deutschsprachige Kabarett) ist für zwerchfellstrapazierende kabarettistische Revuen berühmt. Wer diese Erwartungshaltung hat, wird nicht enttäuscht. “Krawutzi Kaputzi” ist, unter anderem, auch ein Stück herrliches Kabarett, nur eben einen Dreh anders.

“Krawutzi Kaputzi” ist aber auch eine Hommage an all jene Künstler, die die Puppenspielfiguren, die Stars der Show, geschaffen
haben. Dem Programmheft kann man Angaben dazu nicht entnehmen. Da heißt es zu, sagen wir mal “Zwerg Bumsti”, einer der Nebenfiguren der Show: “52, Kaufmann, Biertrinker, Verzahrer”. Wollte man exakt sein, müsste man sagen: Falsch. Bumsti ist schon 60, denn Teja Aicher, ein Wiener Künstler, hat den kleinen pausbäckigen “Zwerg Bumsti” als Comicfigur im Jahre 1947 erfunden.
Kasperl, die Gans Mimi, der Zauberer Tintifax, Helmi - all diese Figuren wiederum haben Arminio und Christine Rothstein zum Leben
erweckt. Arminio Rothstein (1927-1994), besser bekannt als Clown Habakuk, war ein österreichischer akademischer Maler, Puppenmacher und Puppenspieler, Drehbuchautor und Buchautor, Musiker, Zauberer und AHS-Professor. Von 1968-1994 arbeitete er beim Kinderfernsehen des ORF und entwickelte Sendungen, in denen Puppen mit ihm selbst als Clown Habakuk und anderen Menschen interagierten.
Die “Familie Petz” wiederum, die einen anderen Teil der “Cast” von “Krawutzi Kaputzi” beistellt, als da sind Pezi, Großvater, Pezis Freund Fips (eine Maus), die Katze Minki und die Ziege Meckerle, ist Star der ORF-Sendereihe “Betthupferl”. 198 Folgen davon produzierte das Wiener Urania Puppentheater für den ORF. Der Titel der Simpl-Show, “Krawutzi-Kaputzi” (Download), ist Pezis Standard-Ruf, wenn er wieder mal Unfug angestellt hat und aufgeflogen ist. So würde sich auch noch die eine oder andere Puppenspielserie anführen lassen, aus der die Macher der Simpl-Show ihr Personal rekrutierten - Sendungen, die zum Teil seit 1957 vom ORF ausgestrahlt werden.

Roman Straka; Foto: Martin Bruny

Natürlich hat das Simpl nicht den kleinen Pezi auf die Bühne gestellt und mit ihm ein Puppentheater für Kinder inszeniert. Pezi ist
in “Krawutzi Kaputzi” vielmehr 29 Jahre alt, hat sein Boku-Studium noch immer nicht abgeschlossen, und steht kurz vor seinem -
1000. One-Night-Stand (das macht 1,46 One-Night-Stands die Woche, bei einem Start im 16. Lebensjahr, wie ihm Fipsi, sein Freund, akribisch ausrechnet). Sein Großvati hat zwei Schlaganfälle hinter sich, und da er erst mit 60 begonnen hat für seine Pensionsversicherung einzuzahlen, steht er noch immer in seinem Geschäft. Fips, die graue Maus, ist beruflich erfolgreich im Bankgewerbe tätig und schwul, aber niemand in seiner Umgebung weiß von dem einen noch von dem anderen. Erste Kontakte in die Szene knüpft er auf der Single-Plattform gayromeo.at als “TraumMaus31W” und lernt dort ausgerechnet “Helmi”, 45, arbeitslos, depressiv, spielsüchtig und hoch verschuldet, kennen, der ebenfalls unter einem “vielsagenden” Pseudonym auf Männerjagd ist. Bevor Pezi den 1000er einlochen kann, taucht Minki auf, die fescheste Katz von Meidling, Pezis Jugendliebe. In Herrn Özgüls Internetcafà© treffen Pezi und Minki aufeinander - und verlieben sich. Stammgäste bei Özgül sind auch die Gans Mimi, eine erfolgreiche Chansonette im Klimakterium, die Eheprobleme mit dem Drachen Dagobert hat. Der schaut sich nämlich im Internet ständig Pornos an und bringt außer “Bussi Bussi” kaum ein vernünftiges Wort raus. Statt auf “duden.de” an seinem Wortschatz zu arbeiten, surft er auf “tuttln.at” und ist da ganz in seinem Element. Als auch noch die beiden Penner Kasperl und Tintifax auftauchen und Großvatis Trafik überfallen wollen, ist das Chaos perfekt.

Susanne Altschul; Foto: Martin Bruny

In bester “Avenue Q”- oder auch “Villa Sonnenschein”-Manier werden die Puppen von Darstellern geführt. Die Puppenspieler leihen den Puppen ihre Stimme, sie tanzen, sie agieren, so als wären sie eins. Mitunter wird dieses Konzept gebrochen, wenn beispielsweise eine Puppe von ihrem Puppenspieler Hilfe bei Tätigkeiten verlangt, die die Puppe als solche nicht verrichten kann (Blumen aus dem Blumenpapier auswickeln zum Beispiel). Man könnte meinen, dass dieses Konzept etwas verwirrend ist, weil man sich weder auf die Puppen noch auf die Darsteller voll konzentrieren kann. Das Problem löst sich aber nach einigen Minuten von selbst, weil man dann sicher für sich eine Entscheidung getroffen hat. Und wer will, kann sich ja eine zweite Runde im Simpl geben.

Als Puppenspieler am Werk: Vollprofis auf dem Gebiet des Musicals: Susanne Altschul (”Elisabeth”, “Freudiana”, “Les Misà©rables”),
Claudia Rohnefeld (”The Wild Party”, “Strangers in the Night” und “Camelot”), Sigrid Spörk (”Sommernachtsträume”, “Die Geggis”),
Roman Frankl (”Kiss me, Kate”, “Hello Dolly”), Otto Jaus (”Jekyll & Hyde”, “Les Misà©rables” und “Das Lächeln einer Sommernacht”),
Ronald Seeboth (u. a. Lehrer am Performing Arts Center) und Roman Straka (”Elisabeth”, “Jesus Christ Superstar”, “Assassins”).

Claudia Rohnefeld; Foto: Martin Bruny

Gesungen und gesprochen wird fast durchgehend im Wiener (Meidlinger) Dialekt. Dialekt ist immer eine schwierige Sache. Man muss sich drauf einlassen, ganz oder gar nicht. Mal ein paar Worte im Dialekt einzustreuen wirkt manchmal sehr sehr gekünstelt. Dialekt ist auch eine sehr intime Sache. Wer im Dialekt spricht, offenbart oft mehr von sich als er eigentlich will. Dialekt ist eine sehr gefühlsintensive Sprachebene, verglichen mit der glatten Hochsprache. Dialekt muss man ohne Zurückhaltung rauslassen. Da gehört schon mal ein gepflegtes “Oarsch” dazu. Wobei die Grenze zwischen einem vulgären “Oarsch” und einem, über den man noch lachen kann, auch keine ganz so einfach zu bewältigende Sache ist. Denn glaubhaft sollte es dann doch sein.

Am meisten werden diejenigen die Show genießen, die in Krapfen reinbeißen, ohne vorher nachzudenken, ob ihnen gleich die Marmelade aufs Hemderl spritzt, diejenigen, die mit Wonne grünen Slime mit den Fingern geknetet haben, Leute, die nicht eben zusammenzucken, wenns um Oarschlöcher geht und die nicht den Saal verlassen, wenn Puppen ficken. Oder aber Leute, die das schon immer gerne mal gemacht hätten (also nicht das mit den Puppen), aber sich nicht trauen. Es hat keinen Sinn, groß drumherum zu reden, in “Krawutzi Kaputzi” werden die Dinge beim Namen genannt und auch explizit gezeigt, denn letztendlich sind es ja Puppen, dies miteinander treiben.

Johannes Glück, Sigrid Spörk, Erwin Bader; Foto: Martin Bruny

“Krawutzi Kaputzi” ist ein charmantes, präzise getimtes Spiel mit Worten auf einer bestimmten Zielebene. Hier wird nicht burgtheaterreife Unterhaltung angestrebt, eher schon ist es eine musikalische Wuchtel-Parade, Blödeln auf hohem Witzniveau. Die Songs leben vom Wortwitz, der in den meisten Fällen einen, wenn möglich, hysterischen Lacher im Publikum als absolutes Ziel hat. Es hätte nicht viel Sinn, Textbeispiele zu bringen, denn wirksam sind Wuchteln meistens nur live.

Johannes Glück hat den Puppen und ihren Darstellern eine Reihe von lieben Melodien auf den Leib geschrieben, in denen es um Drogen, Minderheiten, Ausländerfeindlichkeit, Suizid, Depressionen, den ORF und andere aktuelle Themen geht, neben den ewig aktuellen Themen: Liebe, Eifersucht und Tod. Dass auf der Bühne des Simpls, die die Ausmaße eines kleinen Wohnzimmers hat, kein Orchester und auch keine Band den Sound liefern kann, schlicht weil kein Platz ist, die Musik also vom Band kommt, ist in dem Fall egal. Viele der Songs haben einen Touch Melancholie, etwas Berührendes, andere einen gehörigen Kick an frechem Witz. Es sind durchwegs Ohrwürmer, die innerhalb der Show perfekt funktionieren. Eine Cast-CD der Produktion ist für den Herbst 2007 geplant.

Ja, “Krawutzi Kaputzi” wäre ohne die “Wickie, Slime & Piper”-Welle einen Kick innovativer gewesen, auch ohne Puppenspiel-Musicals wie “Avenue Q” oder “Villa Sonnenschein”, aber es ist legitim, vorhandene Trends zu erkennen, zu verarbeiten und in eine eigene Form zu gießen, und so präsentiert sich “Krawutzi Kaputzi” als stimmiges und mitreißendes “Avenue Meidling” mit einem eigenständigen USP, nämlich als Dialektmusical. Bei so vielen wirklich hervorragenden Zutaten wie Musik, Text, Inszenierung (Werner Sobotka), Bühnenbild, Licht, Puppen sind dennoch die Puppenspieler der wahre Volltreffer und ideal besetzt. Das Ensemble ist eine Mischung aus erfahrenen Darstellern wie Susanne Altschul, Roman Frankl oder Ronald Seeboth bis hin zu Musicalstudenten wie Otto Jaus, der bei “Krawutzi Kaputzi” seine erste tragende Rolle in einer relevanten Musicalproduktion mit Bravour, spielerischer Freude und dem für diesen Part notwendigen Charme spielt. Roman Straka, in vielen Rollen bei den Vereinigten Bühnen Wien eher mit mittleren und kleineren Parts oder als Zweitbesetzung bedacht, kann in “Krawutzi Kaputzi” viel viel mehr zeigen als in jeder anderen Rolle bisher. Ob als “Zwerg Bumsti”, “Fips” oder “Kasperl”, er überzeugt in jeder Rolle. Claudia Rohnefeld scheint spezialisiert auf Männerrollen. Erst kürzlich gab sie in der Badener Produktion von “Les Misà©rables” den Gavroche, in “Krawutzi Kaputzi” ist sie als depressiver, spielsüchtiger Herr Helmi zu sehen und in einer zweiten Rolle als männergeile Ziegentussi. Beide Rollen gestaltet sie mit Wonne und Spielfreude. Ronald Seeboth gibt einen lässigen, potrauchenden Großvati und in einer zweiten Rolle den dusseligen Dagobert souverän. Sigrid Spörk als Katze Minki ist, schlicht und einfach, entzückend, genauso wie Susanne Altschul als Möchtegern-Diva Mimi, die Gans. Roman Frankl als typischer Meidlinger Türke Özgül spielt souverän die Klischee-Orgel und hat die Lacher immer auf seiner Seite.

Kreativteam
Buch, Liedtexte und Musik: Johannes Glück
Regie: Werner Sobotka
Musikalische Leitung: Erwin Bader
Regieassistenz: Andrea Kern
Regiehospitanz: Julia Screm
Korrepetition: Harald Hauser
Puppenbau: Bodo Schulte/Erika Reimer
Puppentraining: Bodo Schulte
Kostüm: Gaby Raytora
Kostümassistenz: Erika Brausewetter
Maske: Aurora Hummer
Bühnenbild und Puppenentwurf: Markus Windberger/Petra Fibich

Bühnenbildassistenz: Bettina Fibich
Lichtdesign: Pepe Starman
Tondesign: Raphael Spannocchi
Requisite: Julia Schmidleitner
Lichttechnik: Alexander Felch
Tontechnik: Philipp Habenicht
Bühnentechnik: Robert Glass/Robert Saringer
Produktion: Albert Schmidleitner

Cast
Susanne Altschul: Mimi, Frau Maus
Claudia Rohnefeld: Helmi, Ziege
Sigrid Spörk: Minki
Roman Frankl: Özgül
Otto Jaus: Pezi, Tintifax
Ronald Seboth: Großvati, Dagobert
Roman Straka: Fips, Zwerg Bumsti, Kasperl

Vorstellungen und Tickets
Kassa täglich 14-20 Uhr, geöffnet (1010 Wien, Wollzeile 36), Tel. 01/ 512 47 42
Telefonische Bestellung Montag-Freitag 9-12 Uhr, Tel. 01/ 512 39 03
täglich 14-20 Uhr, Tel. 01/ 512 47 42
Schriftliche Bestellungen: Kabarett Simpl, Wollzeile 36, 1010 Wien
“Krawutzi Kaputzi” steht vom 14. Mai bis 30. Juni sowie vom 27. August bis 23. September 2007 am Spielplan des Kaberett Simpl

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