Martin Bruny am Montag, den
8. August 2011 um 22:26 · gespeichert in Musical, Deutschland
Die “Herbstsaison” beginnt bald, und sie wird jede Menge auch durchaus überraschender Castingnews und Castingwechsel bringen, in Wien und natürlich auch in Deutschland.
Matthias Bollwerk, derzeit noch in Fulda in der Produktion “Die Päpstin” engagiert, die noch bis Mitte August zu sehen ist, wird ab September 2011 im Ruhrgebiet in Oberhausen die Rolle des Neil in “Dirty Dancing – Das Original Live On Stage” übernehmen. Gegeben wird die Show im Metronom Theater.
Schon Ende März gabs von Matthias Bollwerk ein Video zu den Auditions für diese Produktion. Zu sehen –> hier.
Martin Bruny am Montag, den
8. August 2011 um 01:18 · gespeichert in Netz, Sprache, Kult
Type a message to a friend, family member, pet, politician, or lover, and email it to snailmailmyemail@gmail.com. Then sit back and relax while your email is handwritten, sent out, and delivered to the recipient of your choosing, completely free of charge!
Wer kann sich noch daran erinnern, wann er das letzte Mal einen handgeschriebenen Brief per Post verschickt hat oder einen handgeschriebenen Brief erhalten hat? Ich kann mich an den letzten nicht mehr erinnern. So gesehen bin ich die perfekte Zielgruppe dieses Internetprojekts, das sich wie folgt beschreiben lässt:
Snail Mail My Email is a month-long (July 15 - August 15), interactive community art project which seeks to both share the warm-fuzzy feeling of receiving a personalized letter as well as inspire people to send their own snail mail. Anyone with internet access can partake by simply sending an email, after which the very same message will be handwritten and physically mailed to the chosen recipient anywhere in the world, completely free of charge.
In a culture overrun with instant gratification and on-demand services, this project cultivates appreciation for the lost art of letter writing.
Martin Bruny am Sonntag, den
7. August 2011 um 03:20 · gespeichert in Musical
Seit dem 5. August und bis 7. August 2011 wird das Musical «Hairspray†in der Hollywood Bowl gegeben, Nick Jonas ist als Link Larkin mit dabei. An seiner Seite: Corbin Bleu, Harvey Fierstein, Marissa Jaret Winokur, Drew Carey, John Stamos und viele andere.
Jerry Mitchell hat, wie bereits bei der Broadway-Produktion, die Choreographie, und führt Regie.
Cast
Harvey Fierstein (Edna Turnblad)
Marissa Jaret Winokur (Tracy Turnblad)
Susan Anton (Velma Von Tussle)
Corbin Bleu (Seaweed J. Stubbs)
Drew Carey (Wilbur Turnblad)
Diana DeGarmo (Penny Pingleton)
Mo Gaffney (Prudy Pingleton / Gym Teacher / Matron)
Nick Jonas (Link Larkin)
Darlene Love (Motormouth Maybelle)
Tara Macri (Amber Von Tussle)
Michael McDonald (Harriman F. Spritzer / Principal / Mr. Pinky / Guard)
John Stamos (Corny Collins)
Martin Bruny am Sonntag, den
7. August 2011 um 00:35 · gespeichert in Netz, Fotos, Kult
Es ist beides. Die Website googlestreetviews.com bietet unterschiedliche, durchaus künstlerische Ansätze, wie man jene Bilder, die im Zuge des Google-Street-View-Projekts entstehen, in Kunst verwandeln kann.
Martin Bruny am Sonntag, den
7. August 2011 um 00:09 · gespeichert in Netz, Sprache
Wer kennt sie nicht, die Ekel-Foren, in denen sich, wie Fritz Ostermayer es formuliert, “AAs”, nach seiner Definition “Anonyme Arschgeigen”, gegenseitig aufplustern, wilde Thesen und Verschwörungstheorien aufstellen, Komponisten bashen und vieles mehr.
Dazu haben zwei österreichische Journalisten wunderbare Artikel für die österreichische Tageszeitung “Der Standard” geschrieben, die es wert sind, gelesen zu werden.
Der erste Artikel, verfasst von Fritz Ostermayer, nennt sich “Der Schizo-Punk und sein Kuscher-Ich” (–> hier nachzulesen), der zweite stammt von Walter Gröbchen und ist betitelt: “Postings sind der neue Punk” (–> hier nachzulesen).
Martin Bruny am Samstag, den
6. August 2011 um 03:05 · gespeichert in West End, Musical, Broadway
Der neue West-End-Hit “Ghost - the Musical” könnte schon bald seine Broadway-Premiere feiern. Bereits für April 2012 soll ein Start im Gespräch sein, das schreibt die New York Post.
Anfang der Woche gingen indes für die Produktion am West End weitere 350.000 Tickets in den Verkauf – bis Oktober 2012 kann man sich nun bereits Eintrittskarten sichern.
Michael Riedel von der New York Post sieht für eine mögliche Broadway-Premiere von “Ghost” gute Chancen, da die neuen Shows der neuen Saison den gestrengen Kritiker nicht gerade vom Sockel reißen. Blockbuster vermag er unter “Lysistrata Jones”, “Nice Work If You Can Get It” und Frank Wildhorns “Bonnie & Clyde” keinen auszumachen. Das neue Frank-Wildhorn-Musical, so Riedel, habe zwar einige gute Lieder, aber:
“… it’s a Frank Wildhorn musical, and that means the critics will arrive with switchblades.”
Lustig ist er ja schon, denn das schärfste Messer hat Herr Riedel ja immer als Erster in der Hand.
Seine Analyse weiter:
If you’re a canny producer with a new musical ready to go, now’s the time to take advantage of a weak field. And that’s just what the people behind “Ghost,” which opened in London last month, are looking to do. They’ve met quietly with New York theater owners and, sources say, will try to get the show here in April, just before the Tony Awards cutoff.
Based on the hit 1990 movie starring Demi Moore, Patrick Swayzeand Whoopi Goldberg, what “Ghost” has going for it is its director, Matthew Warchus, who’s been racking up a lot of winners — “The Norman Conquests,” “God of Carnage,” “Boeing-Boeing.”
His slick production of “Ghost” features cutting-edge videos and projections of New York in the ’90s — the subway, Wall Street, Times Square. The opening-night crowd was also impressed with his sleight-of-hand staging of ghostly comings and goings.
The musical closely tracks the movie, telling the story of a psychic who reunites an artist with her murdered boyfriend.
Still, the romantic story at the center of “Ghost” is potent, and as popular hits such as “Aida” and “The Phantom of the Opera” have shown, romance can be a powerful hook on Broadway.
Martin Bruny am Freitag, den
5. August 2011 um 20:01 · gespeichert in Theater, News
Die Sache ist doch folgende: Auf die Frage: “Frau Zechner, wollen Sie bei einem konkreten Angebot zum ORF wechseln?”, könnte man mit ja oder nein antworten. Oder man formuliert: “Meine Arbeit bei den Vereinigten Bühnen Wien erfüllt mich ungemein.” Das ist dann keine Antwort, das wäre Rhetorik.
Kein Wunder also, dass in der aktuellen Ausgabe des Magazins NEWS Kathrin Zechner wieder einmal als heißer Tipp für die Funktion einer neu zu besetzenden Fernsehdirektorin des ORF gehandelt wird.
Martin Bruny am Freitag, den
5. August 2011 um 11:41 · gespeichert in Musical, Broadway
Die Kritiken zu “Death Takes a Holiday” waren zwar nicht berauschend, aber eine Cast-CD mit den großartigen Melodien und Texten des neuen Musicals von Maury Yeston (Buch: Thomas Meehan und Peter Stone) wird im Herbst 2011 erscheinen.
PS Classics produziert den Tonträger zur Produktion der Roundabout Theatre Company. Die Aufnahme findet am 8. August 2011 statt.
“Death Takes a Holiday” basiert auf der gleichnamigen Komödie in drei Akten von Alberto Casella, die 1934 als “romantisches Drama”, damals mit Frederic March, Evelyn Venable und Guy Standing in den Hauptrollen, in die Kinos kam. Das Stück erzählt die Geschichte des Todes, der sich nach all den Jahren, in denen ihn die Frage beschäftigt hat, warum die Menschen so sehr Angst vor ihm haben, in Menschengestalt unter diejenigen mischt, die ihn so fürchten. Der Film wurde 1998 neu verfilmt und entwickelte sich unter dem Titel “Meet Joe Black”, diesmal mit Brad Pitt, Anthony Hopkins und Claire Forlani in den Hauptrollen, zu einem Kassenhit.
Die Previews zu Maury Yestons Musical starteten am 10. Juni 2011, die Premiere fand am 21. Juli statt, noch bis 4. September ist “Death Takes a Holiday” im Harold and Miriam Steinberg Center for Theatre/Laura Pels Theatre zu sehen.
In der Off-Broadway-Version auf der Bühne: Linda Balgord (Contessa Danielli), Matt Cavenaugh (Eric Fenton), Mara Davi (Alice), Kevin Earley (Prince Sirki / Death), Joy Hermalyn (Cora), Jay Jaski (Lorenzo), Simon Jones (Dr. Dario Albione), Rebecca Luker (Duchess Lamberti), Patricia Noonan (Sophia), Jill Paice (Grazia), Michael Siberry (Duke Lamberti), Alexandra Socha (Daisy Fenton), Don Stephenson (Butler Fidele), Max Von Essen (Corrado Montelli).
Die CD kann bereits jetzt bei PS Classics vorbestellt werden. (LINK)
Death Takes a Holiday
Maury Yeston: Musik & Texte
Peter Stone: Buch
Thomas Meehan: Buch
Dough Hughes: Regie
Peter Pucci: Choreographie
Kevin Stites: Musikalische Leitung
Derek McLane: Set-Design
Catherine Zuber: Kostüme
Kenneth Posner: Licht-Design
Jon Weston: Sound-Design
Larry Hochman: Orchestrierung
John Miller: Music Coordinator
Martin Bruny am Mittwoch, den
3. August 2011 um 23:07 · gespeichert in Musical, Kanada
Noch bis Ende Oktober ist Des McAnuffs Version von Shakespeares “Was ihr wollt” (”Twelth night or what you will”) im Rahmen des Stratford Shakespeare Festivals zu sehen. Für diese Version hat McAnuff gemeinsam mit Michael Roth Songs geschrieben, die noch in diesem Sommer als Cast-CD zur Produktion veröffentlicht werden.
McAnuff über die Musik und die Songs zum Stück:
The score pays tribute to the past 60 years of musical history.The exotic land of Illyria is depicted as a place where music and sport reign to create an erratic and disobedient world of mayhem and mischief.
I would describe Twelfth Night as ‘Shakespeare’s other musical’ with As You Like It being the first. There are seven songs in the script, but we’ve taken that to ten, all of which will be included in the CD.
We use contemporary songs as a kind of foundation for Illyria, this world of music. Just as Shakespeare would have used his own period’s instruments regardless of the time in which the play was set, we are using the full range of instruments — period and modern — available to us.”
Tracklist
01. “Overture”: Band
02. “Play On”: Ben Carlson, Victor Dolhai, Ryan Field, Aaron Krohn, Jaz Sealey
03. “O Mistress Mine”: Ben Carlson, Victor Dolhai, Aaron Krohn, Ian Lake, Jaz Sealey
04. “Hold Thy Peace”: Ben Carlson, Stephen Ouimette, Brian Dennehy, Victor Dolhai, Aaron Krohn, Ian Lake, Jaz Sealey
05. “Come Away Death”: Ben Carlson, Victor Dolhai, Barbara Fulton, Suzy Jane Hunt, Jaz Sealey
06. “The Passionate Shepherd to His Love”: Ben Carlson, Jaz Sealey, Ryan Field, Aaron Krohn, Ian Lake, Juan Chioran, Sara Topham, Victor Dolhai, Barbara Fulton, Suzy Jane Hunt. (Text: Christopher Marlowe / Sir Walter Raleigh)
07. “Jolly Robin”: Ben Carlson, Aaron Krohn, Jaz Sealey
08. “To the Devil”: Ben Carlson
09. “Sebastian and Viola - Themes and Variations”: Band
10. “The Wind and the Rain”: Ben Carlson, Victor Dolhai, Juan Chioran, Barbara Fulton, Suzy Jane Hunt, Aaron Krohn, Jaz Sealey
11. “Curtain Call”: Band
12. Bonus Track, “The Wind and the Rain”: Des McAnuff & the Red Dirt Band
Die CD ist ab 12. August um 19.95 Dollar im Online-Store von Stratford (Link) und auch bei CD Baby (LINK) erhältlich.
In wenigen Wochen erscheint bei dem Wiener Plattenlabel HitSquad Records eine neue Gesamtaufnahme von Andrew Lloyd Webbers Rockoper “Jesus Christ Superstar”. Gespielt wurde die Show vom 21. bis 24. April 2011 im Wiener Ronacher. Koen Schoots, der Musikdirektor der VBW, brachte eine Version mit einem WOW-Effekt auf die Bühne. Was es mit diesem WOW-Effekt auf sich hat, wie es hinter den Kulissen der Produktion zuging und welche Visionen und Pläne Koen Schoots hat, zu diesem Thema: 9 Fragen und 9 Antworten.
1 Martin Bruny:Herr Schoots, Sie haben 2011 Andrew Lloyd Webbers Rockoper “Jesus Christ Superstar” für die Vereinigten Bühnen Wien neu arrangiert. Was war Ihr Beweggrund? Wie sind Sie vorgegangen? Was sind die wichtigsten Änderungen? Wie sind Sie mit dem Ergebnis, der Umsetzung im Ronacher, zufrieden? Wird es eine Wiederholung der Aufführungsserie 2012 geben?
Koen Schoots: Es gab für mich keine befriedigende Orchestrierung von “JCS”. Die sogenannte “große” Besetzung ist plakativ, teilweise Beschäftigungs- therapie für Musiker. Viele Instrumente doppeln sich unnötig, manche hört man im Getöse gar nicht. Man darf aber nicht vergessen, dass diese Fassung von einem noch unerfahrenen Webber hergestellt wurde. Später hat er die Orchestrierungen seiner Werke abgegeben.Dann gibt es eine Band-Tourfassung, also fast ohne Orchesterinstrumente. Auch die ist für mich unbefriedigend, denn alleine schon für den Schluss (”John 19:41″) sind die Streicher absolut notwendig.
Somit habe ich mich für eine Fassung für 25 Musiker entschieden, basierend auf einer Rockband. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um das Stück etwas »heutiger« zu machen im Sinne von Spielart und Grooves, ohne das Grundmaterial zu verändern. Also, wir spielen moderner, unerbittlicher, härter, dreckiger – wo angebracht. Ebenso habe ich Bläser-Funk-Licks eingebaut bei einigen Songs (”What’s The Buzz”, “Simon Zealotes”), weil ich sie einfach immer innerlich gehört habe. Aber aus Respekt vor dem Original habe ich keinen Ton, keinen Akkord geändert.
Ich glaube (hoffe), dass unsere Aufführungen dieses Jahr im Ronacher etwas zum Stück hinzugefügt haben. Zumindest waren die Reaktionen vom Publikum mehr als positiv. Und ja, es kommt eine Wiederholung 2012, worüber ich mich sehr freue.
2 Martin Bruny: Wie sieht es bei einem Projekt wie einer halbkonzertanten Aufführung von “Jesus Christ Superstar” mit dem Zeitplan aus? Gab es Auditions, inwieweit waren Sie daran beteiligt, wie viel Zeit hatten Sie, um mit dem Orchester zu proben, wie viel Zeit mit den Sängern, dem Licht, Sound- & Set-Design etc.
Koen Schoots: Da dieses Projekt neben dem alltäglichen Showbetrieb lief, waren die Probenbedingungen wesentlich schwieriger. Denn an jedem Abend lief die normale Show, die auch Putzproben und Betreuung brauchte, die Darsteller brauchen einen freien Tag in der Woche und können an Vorstellungstagen auch nur eingeschränkt probieren. Also war die Probenzeit sehr kurz, intensiv und brauchte die volle Konzentration von allen Beteiligten.
Auditions haben wir nicht gemacht, wir wussten welche Sänger wir für welche Rollen haben wollten und haben das Ensemble mit den Darstellern von “Tanz der Vampire” besetzt.
Mit dem Orchester habe ich sieben Proben gemacht, mit allen Beteiligten eine Bühnen-Orchesterprobe, eine Generalprobe. Also, mit allen Gewerken nur zwei Proben. In der Hinsicht erstaunlich, was das Haus und die Mitarbeiter in allen Abteilungen geleistet haben.
3 Martin Bruny: Wieso wirkt ein Musical wie “Jesus Christ Superstar” musikalisch heute noch genauso modern wie vor 30 Jahren? Was ist das Besondere an “Jesus Christ Superstar”, und welches ist Ihre Lieblingsstelle in dieser Rockoper? Letzte Teilfrage: Sie haben den Mittelteil von »Gethsemane« neu gestaltet, könnten Sie darauf etwas näher eingehen?
4 Martin Bruny: Die Konzertschiene der VBW, die vor einigen Jahren mit halbkonzertanten Produktionen von “Mozart!” und “Tanz der Vampire” sowie der Konzertserie “A Tribute to Bernstein” einigermaßen in Fahrt war, ist ins Stocken geraten, nicht erst jetzt, sondern seit die “Bernstein”-Serie nicht ganz ausverkauft war. Welche Pläne würden Sie gerne auf diesem Sektor verwirklichen, wenn Sie könnten, wie Sie wollten, beziehungsweise, ohne jetzt die VBW zu berücksichtigen: Welche Musicals würden Sie gerne als Musikalischer Direktor betreuen?
Koen Schoots: Es gibt definitive Pläne, die Konzertserie wieder zu beleben. Im Moment sind wir in einer Konzeptionierungsphase. Da kommen mehrere Faktoren ins Spiel:
• Wie positionieren wir unser Orchester?
• Was ist unser Mehrwert?
• Wo stehen wir in der kulturellen Landschaft in Wien?
Ich glaube, wir müssen uns darüber Gedanken machen, was wir in Wien zu den zahlreich stattfindenden Konzerten hinzufügen können. Für mich ist das kein Bernstein-Konzert, so sehr ich Bernstein auch liebe, aber dieses Repertoire wird von den anderen großen Orchestern in Wien gespielt. Meines Erachtens sind Projekte wie »Musical in Concert« oder Sonderprojekte wie “Wildhorn & Friends” interessanter, denn wir leben vom Musicalpublikum, nicht vom Konzertpublikum.
Mir schwebt vor, ein oder zwei Musicals pro Jahr konzertant aufzuführen, Stücke, die wir im En-suite-Spielbetrieb nicht spielen können: “Sweeney Todd” steht zum Beispiel ganz oben auf der Liste, aber auch “American Idiot” als Bandprojekt mit jungen Sängern, “Tommy” und “City of Angels” würde ich gerne machen, moderne Klassiker wie “Miss Saigon” oder mal wieder “Les Miz” etc.
Letztendlich kommt es bei uns darauf an, wie wir es solistisch besetzen. Wenn ich mit unseren Bühnenstars einen Sondheim machen kann, kommt das Publikum und lernt dabei neue Stücke kennen.
Und jetzt unabhängig von den VBW: Ich würde gerne das neue Wildhorn-Musical “Bonnie & Clyde” betreuen. Eine fantastische neue Show. Und für mein persönliches Vergnügen: »The Book of Mormon«!
5 Martin Bruny: Was ist dran am Wiener Publikum? Ist es tatsächlich anders als etwa das deutsche oder das Schweizer Publikum. Wenn ja, was ist daran positiv und was negativ – aus Sicht des Dirigenten, des Musikdirektors, des Orchesters.
Koen Schoots: Das Wiener Publikum ist leidenschaftlicher und involvierter als das deutsche oder schweizerische Publikum. Das gilt nicht nur für das Musical, sondern vor allem auch für die Oper. Wien und Österreich haben eine so große und reiche Theatertradition, hier ist Kunst und Musik Teil des täglichen Lebens, viel mehr als in Deutschland oder der Schweiz. Ich kann daran nur positive Seiten entdecken.
6 Martin Bruny: Das Orchester wurde in den letzten Jahren bei diversen Musicalproduktionen verkleinert beziehungsweise kleiner gehalten als früher üblich. Bei “Tanz der Vampire” spielten beim Revival statt den 31 Musikern der Uraufführung (1997) “nur mehr” 24. Man verliert ein Cello da, die eine Harfe dort, ein Horn und so weiter. Auch bei “Rudolf” im Raimund Theater waren es “nur mehr” 24 Musiker statt der früher üblichen 26, 28 oder 30. Bei der Premierenbesetzung von “Elisabeth” waren es 30 Musiker.
Ist das etwas, was sie mit eher geringem Bedauern hinnehmen, weil man dann eben anders arrangiert und man es immer noch besser hat als in anderen Städten? Ab wann geht’s an die Substanz? Sehen Sie das VBW-Orchester als gesichert oder gibt es da massive Tendenzen, eine Art Outsourcing-Option zu konstruieren? Oder landen wir baldmal in “Cats”-Tour-Dimensionen, wo sechs Musiker und ein Computer das “Orchester” bilden?
Koen Schoots: Ein schwieriges Thema. Zunächst: Ich bin Musikdirektor der VBW und nicht MD eines Long-run-Musicals der Konkurrenz. Das hat einige Gründe, aber der Hauptgrund ist die Größe und die Qualität unseres Orchesters. Ob wir mit 31 oder 24 Musikern spielen, ist in der heutigen Zeit (ich betone das ausdrücklich!) Jammern auf hohem Niveau. Natürlich spiele ich “Tanz der Vampire” lieber mit 31 Musikern, aber die Zeiten haben sich geändert, und es gehört für Theaterschaffende heute dazu, nicht (nur) aus dem Elfenbeinturm heraus zu agieren, vor allem bei einem Theaterbetrieb wie den VBW. Unsere Subventionen wurden gekürzt, die Lohnkosten steigen etc. etc., die Liste ist endlos. Und, wie ich vorhin erwähnt habe: Größer ist nicht immer unbedingt besser. Ich habe die 25-er Fassung von “JCS” auf eigenen Wunsch hergestellt, nicht nach einer Budgetvorgabe seitens der VBW. Übrigens werden wir “Elisabeth” nächstes Jahr in der Uraufführungsbesetzung spielen!1 Glücklicherweise gibt es bei den VBW keine Tendenzen, das Orchester weiter zu verkleinern. Eine weitere Stellenreduktion würde tatsächlich an die Substanz des Orchesters gehen und wir wären nicht mehr als Klangkörper, sondern nur noch als Gruppe von Musikern für das jeweilige Musical zu verstehen.
Ein Orchester bildet eine musikalische Einheit und ist weit mehr als eine Gruppe von Leuten mit Instrumenten. Jahrelange gemeinsame Musizierpraxis macht den Klang eines Orchesters aus. Generaldirektor Thomas Drozda und Intendantin Kathi Zechner haben sich ausdrücklich zu diesem Orchester bekannt. Und sollten wir irgendwann aus irgendwelchen Gründen doch in “Cats-Tour”-Dimensionen landen, dann ohne Koen Schoots als Musikdirektor.
7 Martin Bruny: Sie sind Frank Wildhorns europäischer musikalischer Supervisor und Arrangeur. Was zeichnet diesen Komponisten aus, welches seiner Musicals mögen sie am liebsten – und warum? Und letzte Teilfrage: Was sind die Gründe, dass die sogenannte “Broadway Community” Wildhorn nicht schätzt.
Koen Schoots: Linda Eder sagt immer: “Niemand schreibt Melodien wie Frank.” Und so ist das. Er hat die Gabe, große, kommerzielle Songs zu schreiben. Er liebt die Stimme und fordert von jedem Sänger und jeder Sängerin sehr viel. Ich kenne ihn seit den Vorbereitungen für “Jekyll & Hyde” in Bremen 1995 und denke, dass dieses Werk nach wie vor eines seiner besten ist. Ich habe es damals “entdeckt” und für Bremen vorgeschlagen. Das hat aber auch mit meiner Vorliebe für dunkle und dramatische Stoffe zu tun. Daher mag ich “Dracula” sehr, vor allem auch, weil ich die Gelegenheit hatte, das Stück für Graz neu zu orchestrieren. Wie bei “JCS” habe ich es auch rockiger, dunkler gestaltet – und es hat dem Stück gut getan.
Und ich habe natürlich auch eine Schwäche für “Rudolf”. An diesem Stück habe ich sehr viel gearbeitet, umgearbeitet und neu geschrieben.
Ich weiß, dass Frank “Monte Christo” für seine beste Show hält. Sicherlich ist es das Stück mit dem größtem Orchester und es wirkt sehr bombastisch.
Wie ich vorhin schon erwähnte, ich halte “Bonnie & Clyde” für eine sehr gute Show. Buch, Lyrics und Musik bilden eine geschlossene Einheit und sind aus einem Guss.
Warum die “Broadway Community” Frank Wildhorn nicht mag, darüber lässt sich nur spekulieren. Wahrscheinlich ist er den Kritikern zu kommerziell, zu “mainstream”. Frank ist ein »audience pleaser« – vielen gefällt das nicht. »Bonnie & Clyde« könnte eine Trendwende sein. Jedenfalls hätte er es verdient.
8 Martin Bruny: Frank Wildhorns Musical “Rudolf” war in Budapest ein Hit, Sie haben in Budapest die Uraufführung dirigiert. In Wien war “Rudolf” ein Flop. Welche Gründe können Sie für sich dafür ausmachen?
Koen Schoots: Zunächst sehe ich “Rudolf” nicht als Flop, zumindest nicht künstlerisch. Klar, wir hätten uns natürlich eine längere Laufzeit gewünscht. Über die Gründe möchte ich hier ungerne spekulieren. Es gibt dazu sehr viele unterschiedliche Meinungen. Letztendlich weiß man nie vorher, wie erfolgreich ein Stück sein wird. So ist das Showbusiness …
9 Martin Bruny: Welche 5 LPs/CDs würden sich im “Soundtrack of Your Life” ganz oben finden, also Lieder oder CDs, egal welches Genre, die eine Bedeutung in Ihrem Leben hatten, und warum.
Koen Schoots:
• J. S. Bach – “Matthäuspassion”: Für mich das am besten komponierte Werk aller Zeiten. Und Bach ist der größte aller Komponisten. Ich bin als Kind mit seiner Musik aufgewachsen und der Konzertbesuch der Matthäuspassion war eine feste Tradition.
• G. Verdi – “Requiem”: Ich bin ein großer Liebhaber der italienischen Oper und dirigiere sie auch regelmäßig, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Das Verdi-Requiem, man sagt auch »Verdis schönste Oper«, ist von einer solchen Schönheit, dass es mich jedes Mal wieder tief berührt.
• Pink Floyd – “The Dark Side Of The Moon”: Ein Klassiker der Rockgeschichte, eines der besten Alben, die je aufgenommen wurden. Ich höre es heute noch sehr regelmäßig.
• R. Strauss – “Elektra”: Als Student habe ich völlig unvorbereitet eine Vorstellung von “Elektra” in Amsterdam besucht. Ich war tief beeindruckt von der Wucht dieser Musik. Dieses Erlebnis war für mich der Auslöser, mich für eine Karriere im Musiktheater zu entscheiden.
• A. Lloyd Webber – “Jesus Christ Superstar”: Aber das dürfte klar gewesen sein!
Das betrifft die Anzahl der Musiker, keiner wird aus der Pension zurückgeholt, es bezieht sich auch nicht auf die Darsteller. Anmerkung: Martin Bruny [↩]